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agreatwayoff
Hallo liebe Community,

ich bin neu hier und dies ist das erste Forum überhaupt bei dem ich mich angemeldet habe, zuvor habe ich dies aus angst vor kritik und ablehnung immer vermieden, daher seid bitte rücksichtsvoll. Ich wusste bisher nie worüber ich mich mit anderen austauschen sollte oder habe den Sinn darin nicht erkannt.

Kurz zu mir: Ich bin 28 Jahre alt und männlich, wohne aktuell wieder in meinem Elternhaus und bin krank geschrieben, daher habe ich viel Freizeit, die ich allerdings nicht zu nutzen weiß. Könnte den ganzen Tag im Bett liegen und mich meinen Grübelgedanken hingeben. Zuvor habe ich Informatik studiert und nebenbei in einem Callcenter gejobbt.

Ich weiß nicht so genau was mir eigentlich fehlt. 2014 wurde bei mir eine Soziale Angst und eine episodische Depressionen diagnostiziert und ende letzten Jahres hatte ich eine echt üble Psychose mit Wahnvorstellungen, was da genau mit mir passiert ist, kann ich immernoch nicht genau sagen. War auch bis vor kurzem noch stationär in Behandlung.

Aktuell ist es so, dass ich mich nicht mehr alleine aus dem Haus traue und wenn ich es dann tue, beobachte ich mich permanent selbst. Zudem kann ich nicht mit Menschen reden, dabei ist es egal um welche Person es sich handelt - ich fühle mich immer minderwertig und dumm, meide augenkontakt und schaue dann auf den Boden oder woanders hin. Ich habe absolut kein Interesse an irgend etwas, sei es an Personen oder Dingen, zudem kann ich mich mit mir selber nicht beschäftigen.

Ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht genau, wieso ich mich hier angemeldet habe und was ich erwarte. Vielleicht suche ich einfach nur gleichgesinnte die dasselbe Problem haben und mit denen ich mich austauschen kann. Fühle mich ziemlich alleine mit dem ganzen. Ausserdem dachte ich mir , dass ich mich zumindests mal einer community anvertrauen könnte, wenn ich mich schon nicht traue mich in einer Tagesklinik oder medizinische Reha anzumelden. Ich nehme aktuell 40mg Cipramil und 10mg Olanzapin und habe mich immerhin bei verschiedenen Therapeuten auf die Warteliste setzen lassen.

Liebe Grüße.

14.04.2018 18:42 • 17.04.2018 #1


17 Antworten ↓


guteFee
Herzlich willkommen hier im Forum und du wirst merken, du bist sowas von nicht alleine!

14.04.2018 19:02 • x 1 #2



Was fehlt mir eigentlich und wo fange ich an?

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Hallo @agreatwayoff
das tut mir sehr leid, dass es dir so geht. Gibt es denn gar nichts, mit was du dich beschäftigen kannst? Oder worin du sonst eine Freude empfunden hast? Es ist schwer, genau nachzufragen, wenn du es selbst nicht genau weißt, warum du nicht genau weißt, was passiert ist, was der Auslöser war.

14.04.2018 19:18 • #3


agreatwayoff
@guteFee dankeschön

@Ana-A303 Doch, es gibt schon dinge die ich machen kann, z.B Gitarre spielen oder einen Film/eine Serie gucken, aber Spaß habe ich dabei nicht. Ich tue es einfach nur um die Zeit totzuschlagen. Mein Vater gibt mir immer tipps womit ich mir die zeit vertreiben soll und sagt dass es damit besser wird und das tue ich dann auch. Joggen gehen, Rätselhefte machen, Zeitung lesen und ab und an helfe ich ihm im garten, aber so richtig für mich tue ich das nicht, also ich hab einfach keinen Spaß dabei. Ich weiß auch ehrlich gesagt gar nicht mehr so richtig was Spaß haben eigentlich heißt, also ich empfinde generell gar keine freude mehr.

14.04.2018 19:37 • #4


Ich kenn das Gefühl. In erster Linie sollte man selbstverständlich das machen, was einem selbst Freude bereitet, bloß, wenn man diese Freude nicht mehr so wirklich empfinden kann, ist es nicht einfach. Ich kann das nachvollziehen, weil es mir ähnlich geht. Aber Gitarre spielen ist doch toll, vielleicht kommt der Spaß daran wieder, wenn du es öfter machst. Schreibst du auch Songs dazu? Ich denke, dass es schon wichtig ist, herauszufinden, warum es einem so geht, was der Auslöser war, um daran arbeiten zu können. Konntest du denn nicht in der stationären Behandlung mit Therapeuten sprechen? Irgendetwas muss ja passiert sein, warum es dir jetzt so geht. Manchmal will man es vielleicht auch gar nicht wissen oder man verdrängt irgendetwas oder blendet irgendetwas aus, um nicht damit konfrontiert zu werden, weil es Angst macht und noch schlechtere Gefühle. Hab ich auch durch. Es gibt bei mir Tage, die auch besser verlaufen, es gibt Dinge, die ich als "schön" oder "gut" bezeichnen kann, aber das "Freudempfinden" kann ich nicht mehr spüren. Komischerweise gibt es einen Ort, an dem ich ein gutes Gefühl empfinden kann, weil er mich an meine Kindheit erinnert, ich mich immer wohl gefühlt habe, wenn ich dort war. Leider aber wohne ich noch nicht dort, es ist ein Ziel, aber ich weiß noch nicht genau, ob ich das erreichen werde. Hast du ein Ziel? Einen Gedanken, bei dem du dich wohlfühlst, der dir vielleicht weiterhelfen kann, darauf hinzuarbeiten?

14.04.2018 19:54 • x 1 #5


Sallyblue
Wilkommen in unserer Runde. Finde es klasse das du duch hier angemeldet hast. Denke das war für dich auch nicht einfach,denn du redest ja hier mit uns. Für mich war die Anmeldung hier zumindest eine ganz schöne Überwindung.
Nix mit dem Tag anfangen können kenn ich auch. Hatte eigentlich immer viele Interessen und Hobbys aber plötzlich ist wie pufff die Freude daran wie weggezaubert. Aber manchmal kommen bei mir wieder aufblitzer durch was mir hoffnung macht.
Würd mich freuen hier mehr von dir zu lesen.

14.04.2018 20:35 • #6


Jan_
Hallo agreatwayoff,

schön dass du dich mitteilst. Du kannst hier nichts verlieren, nur gewinnen - an Erfahrungen, Anteilnahme und Ideen.
Sich auszutauschen muss nicht unbedingt einen Sinn erfüllen. Selbst wenn nichts 'dabei herauskommt' hat man ja nicht wirklich etwas verloren.
Auf der anderen Seite kann, wie schon gesagt, durchaus viel gewinnen.

Da du gerade in einer schlechten Phase bist musst du dich natürlich erst wieder neu orientieren und Erfahrung und Kraft sammeln. Und das dauert auch seine Zeit.
In solchen Phasen kann man es nur gut mit sich meinen, und es auch wohlwollend akzeptieren dass es einem nicht gut geht und man nicht viel leistet.

Grübeln und negative Gedankenspiralen sind natürlich durchweg negativ; da gilt es Wege zu finden diese zu durchbrechen.
Dass Gedanken kommen ist normal, aber man kann lernen diese wahrzunehmen, anzunehmen, und dann wieder ziehen zu lassen - also passiv. Oder aktiv, vor allem unpassende oder übertriebene Gefühle zu analysieren und rational zu einer anderen Überzeugung zu gelangen und sich immer wieder zu korrigieren.
Beides erfordert viel Übung und damit Zeit. Thema Achtsamkeit zur Selbstwahrnehmung, um diese Gedanken und Gefühle zunehmend schneller bewusst zu erkennen und dann auch eingreifen zu können.

Ansonsten ist das Ablenken und Beschäftigen natürlich auch ein guter Weg das Grübeln und negative Gedanken zu unterbrechen. Am besten etwas das auch Konzentration bindet. Etwas das man schon kann und automatisch passiert und man nebenher grübeln kann wirkt da nicht mehr.

Du sagst du bist wieder im Elternhaus.
Das kann einerseits ein sehr positiver Einfluss sein wenn du Unterstützung erfährst,
gleichzeitig frage ich mich aber woher deine Unsicherheit, dein geringer Selbstwert der zu einer sozialen Phobie führt, her kommt. Das hat eigentlich immer etwas mit Veranlagung zu tun genauso wie mit Erfahrungen und erlernten Grundannahmen. Das muss nicht von deinen Eltern stammen, kann aber?
Da kann man sich natürlich überlegen ob das ein gutes Umfeld ist oder eher hinderlich, wenn man sich ändern und neu erfinden will.
So wie sich das anhörte erfährst du aber durchaus Unterstützung, zumindest von deinem Vater.

Hast du dein Informatikstudium denn abschließen können?

Die Selbstbeobachtung ist wie du sie schilderst ist auch etwas sehr typisches.
Da kann ich dir nur den Rat geben nicht so sehr darauf zu achten.
Einfach trotzdem oder gerade wegen der Angst Dinge zu tun, vorwärts zu marschieren.
Durch ständige Selbstbeobachtung setzt man sich selbst unter Druck und Angst, man fühlt sich als würde man "falsch" gehen oder sein. Aber das sind unrealistische und unwichtige Gedanken. Wie ich laufe ist den anderen doch schei. egal. Und selbst wenn ich auffalle ist denen das über den Moment hinaus egal, und mir kann es das auch sein.

Generell zu Angstörungen kann ich sagen dass die gerade auch durch Vermeidung aufrechterhalten und verschlimmert werden.
Denn damit bestätigt man sich "ich habe die Situation vermieden, dadurch ist nichts schlimmes passiert, also war die Situation gefährlich". Man erfährt nicht dass es nicht gefährlich war. Und selbst wenn man sie nur "durchhält" hilft das noch nicht unbedingt. In der Situation bleiben bis man bemerkt dass nichts schlimmes passiert und der Körper den Alarmmodus mit Adrenalin etc herunterfährt. Und/Oder sich hinterher bewusst machen dass man in der Situation war und nichts nachhaltig schlimmes passiert ist.

Das ist natürlich eine schöne Theorie, aber einfach noch lange nicht. Damit muss man sich erst beschäftigen und langsam annähern, sich ausprobieren und üben.

Und sich selbst auch nicht zu viel zumuten. Denn das sind alles Dinge die einen sehr belasten, da braucht man Ausgleiche, mit denen man sich wieder Energie holt.

Wenn sich dann eine Angststörung mit einer Depression kombiniert ist das natürlich doppelt ärgerlich.

Du sagst du kannst dich mit keiner Person unterhalten. Wie ist es denn mit deinen Eltern?
Was sind deine Befürchtungen?

Die Grundannahmen die du erlernt hast, wie du sagst dass du minderwertig und dumm bist, sind genau das - erlernt.
Die sind natürlich nicht gesund und unpassend. Das umzulernen erfordert viel Übung/Wiederholung und Zeit.

Weißt du denn woher du diese Grundannahmen vielleicht erlernt hast? War deine Erziehung eher kalt? Leistungsbezogen? Bist du Perfektionistisch? Hast du hohe und damit unrealistische Ansprüche an dich selbst?
Oder gab es andere Einflussfaktoren?

Zitat von agreatwayoff:
Ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht genau, wieso ich mich hier angemeldet habe und was ich erwarte.


Schön dass du etwas neues ausprobierst. Nur so geht es weiter und ändert sich etwas.

Dass du noch keine Therapie beginnen konntest ist natürlich schade. Wenn man in so einer beschissenen Situation ist und dann nur Wartet ist das echt doof.

Aber vielleicht kannst du hier auch bereits ein paar Ideen und Impulse bekommen.

Dass man sich damit sehr alleine fühlen kann ist natürlich auch richtig. Je nach Umfeld gibt es oder gibt es kein Verständnis dafür.
Wahrscheinlich erst wenn man die eigene Machtlosigkeit selbst mal erlebt hat versteht man es richtig.
Aber trotzdem kann man Empathie und Unterstützung finden, auch bei jenen die es vielleicht noch nicht selbst erlebt haben (nicht bei allen natürlich).

Und generell ist das eigene Innenleben ja viel größer als alles was man von anderen Wahrnehmen kann.
Und wenn man sich nur schwer mitteilen kann oder es und sich selbst noch nicht richtig versteht ist es noch schwieriger.

Zitat von agreatwayoff:
Mein Vater gibt mir immer tipps womit ich mir die zeit vertreiben soll und sagt dass es damit besser wird und das tue ich dann auch. Joggen gehen, Rätselhefte machen, Zeitung lesen und ab und an helfe ich ihm im garten, aber so richtig für mich tue ich das nicht, also ich hab einfach keinen Spaß dabei. Ich weiß auch ehrlich gesagt gar nicht mehr so richtig was Spaß haben eigentlich heißt, also ich empfinde generell gar keine freude mehr.


Das hört sich schon sehr gut an als Überlebensstrategie. Beschäftigung ist eine gute Ablenkung.
Und trotzdem wird sie die Grundursachen meist nur vertagen und beiseite schieben. Diese dann zu bearbeiten ist meist eine größere Aufgabe.

Bei einer Depression oder generell hoher Belastung sind Gefühlsempfindungen und vor allem auch Spaß und Freude natürlich getrübt. Das ist normal.
Du befindest dich gerade in einer Durststrecke die du überstehen musst. Aber du wirst ein paar Werkzeuge erlernen, wieder Kraft tanken, Dinge erkennen und anders interpretieren, und dann auch wieder mehr Freude empfinden können.

Gruß
Jan

15.04.2018 01:53 • x 1 #7


Beermacht
Zitat von agreatwayoff:
ich bin neu hier und dies ist das erste Forum überhaupt bei dem ich mich angemeldet habe, zuvor habe ich dies aus angst vor kritik und ablehnung immer vermieden, daher seid bitte rücksichtsvoll.


Dann herzlichst Willkommen Agreatwayoff !

Die Angst vor Kritik und Ablehnung kenne ich sehr gut, ja viel zu gut! Die beste Übung damit du dieses in den Griff bekommst, ist ein Forum wie dieses hier! Denn hier kannst über dein Probleme und Sorgen schreiben, ja du kannst auch deine Meinung veröffentlichen und anderen Menschen zur Seite stehen. Dabei kannst du auch schauen, wie andere Menschen auf dich reagieren. Nicht alle Mitglieder werden immer deiner Meinung sein und sich vielleicht auch kritisch äußern, doch ist das ja eine wunderbare Grundlage zum Üben. Ein Tipp...respektiere andere Meinungen, nimm sie aber nicht persönlich und reagiere, wann immer du reagieren möchtest freundlich. Man kann sich oftmals seinen Teil denken und muss nicht auf alles reagieren.

Wer möchte kann ja in diesem Forum sehr gut Kontakte knüpfen oder auch eine Tagebuch führen. Was du aus diesem Forum machst liegt eigentlich nur bei dir.

Lass den Kopf nicht hängen und viel Mut!

Liebe Grüße
BM

15.04.2018 14:04 • #8


agreatwayoff
@Ana-A303 Ich hatte auch gehofft dass mit der Zeit die Freude am Gitarre spielen wieder kommt, aber das tut sie irgendwie nicht. Naja, es ist immerhin eine Beschäftigung der ich nachgehen kann. Wie es bei mir dazu gekommen ist kann ich dir sagen. Ich habe mich jahrelang vor meinem Rechner isoliert und nur gek. und verdrängt, was genau kann ich dir gar nicht sagen, so ziemlich meine ganze Vergangenheit und jetzt ist irgendwie nichts mehr davon übrig. Hab keinen Bezug mehr zu mir.

Es war in der stationären Therapie so, dass ich mich dort komplett isoliert habe, und nicht an den Therapien teilnehmen konnte. Erst als ich einen Behandlungsvertrag unterschrieben habe und gezwungen wurde teilzunehmen ging es langsam voran und die permanten Angstzustände unter denen ich litt verschwanden irgendwann.

Ein Ziel habe ich nicht nein, kann mir auch keine Gedanken darüber machen, fühlt sich alles fremd an. Leider kann ich mir auch nichts schönes mehr vorstellen, wenn ich das versuche, sehe ich nur irgendwelche lachenden und grinsende Gesichter vor meinem Inneren Auge, frag mich nicht wieso. Ich kann es mir nicht erklären.

Ich hoffe für dich, dass du dieses Ziel irgendwann erreichen wirst.

@Sallyblue Hallo Sallyblue. Vielen Dank für's Willkommenheißen. Freut mich, dass du ab und an wieder Interesse an Dingen finden kannst. Weiß du was der Auslöser war? Ich kann mich leider nicht daran erinnern welche Interessen und Hobbys ich damals hatte und irgendwie interessiert mich aktuell so gar nichts.

@Jan_ Hallo Jan, es freut mich dass ihr mich hier so nett aufnimmt . Ich konnte mich in Gruppen oder mit anderen Personen nie so richtig austauschen, immer habe ich das Gefühl anders zu sein als andere Menschen. Mit dem Anmelden in diesem Forum möchte ich das allerdings ändern.

Alles was du hier beschreibst, habe ich in irgend einer Form schon mal gehört, aber es kommt nicht zu mir durch. Ich weiß gar nicht genau wo ich überhaupt anfangen soll. Ich glaube ich traue mich gar nicht mehr alleine irgend welche Erfahrungen zu machen, überhaupt Dinge alleine zu machen. Daher weiß ich auch nicht was gut für mich ist und wie ich wie du geschrieben hast mich neu orientiere, erfahrungen sammle und kraft gewinnen kann.

Ja, bin wieder in meinem Elternhaus und bekomme hier alles hinterher getragen, also muss mich um nichts kümmern. Das ist einerseits gut, da ich dann Zeit für mich habe, aber andererseits zerrt es an meinem Selbstwertgefühl. Ich bin wahnsinnig unselbstständig, fühle mich aber für die Herausforderungen des Lebens nicht gewachsen und bleibe daher in meinem Schutzkokon.

Mein Informatikstudium konnte ich leider nicht abschließen, habe dort ziemlich viel Zeit verplempert, aber irgendwann ging es mit der Sozialen Angst und dem täglichen Konsum einfach nicht mehr. Habe dann nur noch meine 15 Stunden Nebenjob abgeleistet und die restliche Zeit konsumiert und Computer gespielt. Das hat mir im Nachhinein auch das Genick gebrochen.

In Gesprächen mit meinen Eltern oder mit anderen Menschen habe ich so gesehen keine richtigen Befürchtungen. Ich bin halt mit meiner Aufmerksamkeit die ganze Zeit bei mir und bei meinem Aussehen. Woher ich diese Grundannahmen habe weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass ich mein ganzes Leben immer nur versucht habe anderen zu gefallen und wenn irgend etwas was ich mir vorgenommen habe auf anhieb nicht klappt, gebe ich immer sofort auf und mache etwas anderes.

15.04.2018 15:12 • #9


Jan_
Die erlernten Grundannahmen sind intuitiv, sie sind unterbewusst verdrahtet, auch und insbesondere mit Gefühlen, die unser Schnellschuss-Reaktionssystem mit Handlungsimpulsen/-vorschlägen sind.

Wenn man erkennt das man mit diesem sich gebildeten System eher schlechte Erfahrungen macht ist das natürlich nicht schnell verlernt.
Auch wenn man sich vieles rational besser erklären und einordnen und korrigieren kann, dann heißt das noch nicht dass man das auch fühlt.
Das braucht auch viel Zeit und positive Erfahrungen, bis sich das System tatsächlich umbildet.

Daher nimm es nicht so schwer/negativ wenn es 'nicht zu dir durch kommt'.
Man kann einfach nur mit kleinen Schritten voran gehen, und darauf vertrauen dass man mit vielen wiederholten Erfahrungen etwas ändern kann. Auch wenn es nur kleine Schritte sind.

Vielleicht kannst du ja kleine Hilfe anbieten und Abmachungen treffen? Vielleicht Geschirr spülen, ein- ausräumen, Tisch decken, o.Ä.
Und diese Dinge bewusst tun, dir diese als positiv, als von dir geschaffte Tätigkeit und Erfolg wahrnehmen.
Am Ende vom Tag dir nochmal die positiven Dinge des Tages ins Gedächtnis rufen, oder aufschreiben, egal wie klein sie sind oder erscheinen.

Momentan bist du sicherlich in einer schlechten Phase, da brauchst du auch keine sehr hohen Ansprüche an dich haben.
Davon das jeder Mensch selbständig Leben könnte sind wir in unserer Gesellschaft ohnehin weit entfernt, und als soziales Gruppentier ist das ohnehin nicht unsere Natur.
Und auch unser Gesundheitssystem ist eine Gesellschaftliche Übereinkunft sich zu unterstützen und Anerkennung dass es jene gibt oder auch jeden treffen kann.
Mach dich nicht fertig dafür 'nicht zu funktionieren'. Und generell nicht dafür nicht dem scheinbaren 'gesellschaftlichen Ideal' zu entsprechen.

Wenn du Dinge immer direkt abbrichst nimmst du dir natürlich auch die Chance zu erfahren Dinge zu erlernen und dann später zu schaffen.
Vielleicht kannst du ja etwas neues ausprobieren und dabei bleiben. Etwas kleines. Z.B. Origami.

Am Selbstwert und Selbstakzeptanz zu arbeiten ist leider auch nicht einfach oder schnell erledigt. Das braucht auch einfach Zeit.

/e:
Zitat von agreatwayoff:
Ausserdem dachte ich mir , dass ich mich zumindests mal einer community anvertrauen könnte, wenn ich mich schon nicht traue mich in einer Tagesklinik oder medizinische Reha anzumelden.


Dazu würde ich dich übrigens gerne ermutigen.
Groß darüber nachzudenken bringt nichts, das schürt nur Angst. Da man vorher nicht unbedingt weiß was auf einen zukommt können da natürlich viele Befürchtungen aufkommen.
Daher gilt die Devise: Einfach tun.

Vor Ort wirst du an die Hand genommen, bekommst einen Plan, und das klappt schon irgendwie.
Außerdem sind dort nur jene die dort angestellt sind und dir helfen wollen und sollen, und jene die offenkundig selbst Probleme haben, man ist also quasi unter Gleichgesinnten.
Daher gibt es eigentlich keinen Grund sich zu fürchten.

Wenn es dir selbst schwer fällt kannst du auch deine Eltern um Unterstützung beim Antragstellen bitten.
Und wenn du noch mehr über Reha oder Tagesklinik erfahren möchtest kennst du vielleicht jemanden, oder kannst hier im Forum mehr in Erfahrung bringen.
Denn Unsicherheit erhöht Angst. Konkretisierung verringert sie.

15.04.2018 16:36 • x 1 #10


Sallyblue
Bei mir hat das mit Depris angefangen. Jetz hindern mich vorallem meine Ängste meinen Interessen nachzugehen. Ich sollte vielleicht noch dazu sagen das es mir auch schwefällt mir selbst schöne Sachen zu erlauben. Denn es sitzt bei mir gleich das schlechte Gewissen im Nacken wie ich mir nur was schönes erlauben kann wenn es mir doch schlecht geht und ich doch anstelle lieber meinen Ar... hochbekommen sollte um was vernümpftiges zu tun. Auch wenn das grad gar nicht in relation steht was gerade real möglich ist.Ich weis das diese Gedanken nicht hilfreich sind aber es fällt mir immer noch schwer sie in den Griff zu bekommen.
Ich hab die Interessen die mir am meisten fehlen vorallem daran erkannt das sie mich am meisten Traurig machen. Zum beispiel Zeichnen. Es fehlt mir ich denk oft darüber nach kann mich aber nur schwer aufraffen es wieder mal zu versuchen. Und wenn ich mal dabei bin kann ich mich kaum konzentrieren und werd einfach nur traurig.

16.04.2018 11:23 • #11


agreatwayoff
@Sallyblue

Kannst du denn dem Zeichnen nachgehen, nachdem du etwas in deinen Augen vernünftiges getan hast? Oder kommen diese Gedanken jedes mal auf? Bei mir ist es so, dass ich gar nicht mehr weiß was ich tun muss/soll damit es mir besser geht. Vermutlich muss ich mal anfangen meine nächsten Schritte zu planen, wäre da nicht die Angst vor Ablehnung und Kritik. Wenn ich darüber nachdenke irgend etwas zutun, stelle ich mir automatisch gedanklich vor, wie mich irgend jemand ablehnt für das was ich da tue und dann lasse ich es.

@Jan_

Danke dass du dir soviel Zeit nimmst und mir alles erklärst. Ich führe aktuell ein positiv Tagebuch, aber am Ende des Tages stelle ich dann fest, dass ich nichts davon für mich getan habe, und es fällt mir schwer überhaupt etwas einzutragen, aber ich bleibe trotzdem dran.
Objektiv gibt es auch keinen Grund dafür mich zu fürchten, ich weiß nur nicht was ich dann da die ganze zeit alleine machen soll, also nach 16 Uhr, wenn die Therapien dann zu Ende sind. Das ist sowieso ein Problem von mir. Ich weiß die ganze Zeit nicht was ich mit meiner Zeit anfangen soll. Zum verrückt werden.

17.04.2018 13:32 • #12


Sallyblue
Nein das hilft mir nicht, denn diese Gedanken lassen sich nie zufriedenstellen und haben nur unrealistische Erwartungen. Mein Therapeut meint ich soll mir diese Gedanken als Wesen oder Person vorstellen und mit - du bist jetzt nicht hilfreich- energisch in die Ecke schicken. Das ist bisher das einzige was hilft. Aber nur wenn ich sie rechtzeitig erkenne und Achtsam mit mir umgehe.
Hast du dich schon mal mit Achtsamkeit beschäftigt?

17.04.2018 15:14 • #13


agreatwayoff
Ja, ich versuche regelmäßig zu meditieren, aber ich finde es schwierig das dann im Alltag anzuwenden. Kannst du mir erklären, was du damit meinst, wenn du sagst achtsam mit sich selbst umgehen?

17.04.2018 16:43 • #14


Jan_
Zitat von agreatwayoff:
ich weiß nur nicht was ich dann da die ganze zeit alleine machen soll, also nach 16 Uhr, wenn die Therapien dann zu Ende sind. Das ist sowieso ein Problem von mir. Ich weiß die ganze Zeit nicht was ich mit meiner Zeit anfangen soll.


Generell muss man ja nicht immer etwas tun. Entspannen, meditieren, in die Natur schauen sind auch Dinge die dem Wohlbefinden gut tun - wenn es die eigene Stimmung/Anspannung gerade zulässt.

In einer Reha bist du in einer Anreisegruppe, und ggf. Therapiegruppen. In meiner Reha auch mit einer Untermenge der Anreisegruppe an einem Esstisch, feste Sitzplätze quasi. An diese kannst du dich anschließen, unterhalten, spazieren gehen (muss man sich ja auch nicht bei unterhalten), etc.
Oder etwas lesen.
Ich war in der Zeit in der ich in der Reha kein Programm hatte meistens Spazieren, meist mit anderen zusammen.
Je nachdem gibt es auch ein bisschen Freizeitprogramm, Gesellschaftsspiele, etc

Wie das in einer Tagesklinik ist weiß ich nicht.

Aber auch Langeweile hat noch keinen umgebracht, und du kannst dich dann wenn es so weit ist orientieren und dir etwas suchen oder einfach entspannen.
(Ich selbst kenne das Gefühl von Langeweile eigentlich garnicht... Irgendwann in der Schule musste ich auf den Start der Stunde warten, und habe mir überlegt dass mir nicht mehr langweilig ist und sein wird - seit dem nie mehr. Wartezeit ist halt Wartezeit. Langeweile hieße ja man weiß nichts mit sich anzufangen. Aber man muss ja garnichts anfangen und tun. Man wartet ja (in dem Fall konkret auf etwas). Oder entspannt halt.)

Zitat von agreatwayoff:
aber am Ende des Tages stelle ich dann fest, dass ich nichts davon für mich getan habe


Wenn du schon positive Dinge findest ist das ja schon gut. Und auch wenn du Dinge für andere tust und diese als positiv für dich selbst empfindest (falls das so ist).
Ansonsten ist das ja aber auch schon eine wertvolle Erkenntnis. Und vielleicht kannst du täglich etwas für dich einbauen.
Selbst kleine Übungen, z.B. eine Meditationsübung, oder das Tagebuch führen, tust du ja für dich, und wenn du sie tust ist das etwas positives für dich selbst.

Zitat von Sallyblue:
Denn es sitzt bei mir gleich das schlechte Gewissen im Nacken wie ich mir nur was schönes erlauben kann wenn es mir doch schlecht geht und ich doch anstelle lieber meinen Ar... hochbekommen sollte um was vernümpftiges zu tun. Auch wenn das grad gar nicht in relation steht was gerade real möglich ist.Ich weis das diese Gedanken nicht hilfreich sind aber es fällt mir immer noch schwer sie in den Griff zu bekommen.


Das fühlt man natürlich nicht direkt. Die erlernten Grundannahmen muss man erst umlernen bist man sie fühlt.
Wenn du empfindest dass du dir nichts gutes tun darfst, dann muss du dich immer wieder bewusst davon überzeugen dass ja gerade das gut ist und du es darfst und musst für dein eigenes Wohlbefinden.
Diese negativen Gedanken werden lange immer wieder kommen. Und genauso häufig muss man sie korrigieren.

Zitat von Sallyblue:
Und wenn ich mal dabei bin kann ich mich kaum konzentrieren und werd einfach nur traurig.


Vielleicht hilft es etwas unkonkretes zu zeichnen? Oder den Anspruch herabzusetzen? Dass es nicht so viel Konzentration benötigt?

Ansonsten passt es vielleicht nicht immer, und man legt es erstmal beiseite und versucht es 10 oder 30 Minuten, oder ein paar Stunden später wieder.

Zitat von agreatwayoff:
was du damit meinst, wenn du sagst achtsam mit sich selbst umgehen?


Achtsamkeit bezieht sich auf die aufmerksame Wahrnehmung.
Viel in der Psychotherapie beschäftigt sich auch damit sich selbst und seine Gefühle achtsamer zu beobachten, also öfters zu überprüfen wie geht es mir gerade zum Beispiel.
Wenn man die Achtsamkeit schult fallen einem selbst Veränderungen der Stimmung oder Anspannung oder Auslöser schneller auf, und man kann noch eher korrigierend oder entschärfend eingreifen (was man dann auch noch erlernen und üben muss).

Achtsam mit such umgehen heißt dann auch seine Bedürfnisse ernst zu nehmen und nach ihnen zu handeln.
Z.B. wenn man eine Ruhepause braucht sich diese auch zu nehmen und zu gönnen.
Wer nicht achtsam mit sich umgeht ignoriert seine eigenen Bedürfnisse.

Und mit Achtsamkeitstraining versucht man sich selbst zu schulen achtsamer auf sich selbst zu achten, Regungen früher zu erkennen, etc.
oder sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren (z.B. wechselnde Körperempfindungen, den Körper scannen).
Im Bereich der Meditation auch dem bewusstes Fokussieren der Aufmerksamkeit auf eine Sache (z.B. den Atem) um seinen Geist zu leeren, dass andere Gedanken und Wahrnehmungen zunehmend verschwinden, während der Geist sich ganz auf diese eine Sache konzentriert.

17.04.2018 18:10 • #15


agreatwayoff
Zitat von Jan_:
Generell muss man ja nicht immer etwas tun. Entspannen, meditieren, in die Natur schauen sind auch Dinge die dem Wohlbefinden gut tun - wenn es die eigene Stimmung/Anspannung gerade zulässt.


Wenn das so leicht wäre, fühle mich so, als wäre ich permanent angespannt und müsste irgendwas tun. So einfach nur rumsitzen und warten kann ich gar nicht mehr, meine Gedanken machen mich kirre. Ehrlich gesagt habe ich manchmal das Gefühl, dass ich wahnsinnig werde.

Zitat von Jan_:
In einer Reha bist du in einer Anreisegruppe, und ggf. Therapiegruppen. In meiner Reha auch mit einer Untermenge der Anreisegruppe an einem Esstisch, feste Sitzplätze quasi. An diese kannst du dich anschließen, unterhalten, spazieren gehen (muss man sich ja auch nicht bei unterhalten), etc.
Oder etwas lesen.
Ich war in der Zeit in der ich in der Reha kein Programm hatte meistens Spazieren, meist mit anderen zusammen.
Je nachdem gibt es auch ein bisschen Freizeitprogramm, Gesellschaftsspiele, etc


Das wäre mir ehrlich gesagt aktuell schon zuviel. Ich frag mich, was passiert ist dass ich mich nicht mehr mit Menschen unterhalten kann. Vielleicht brauche ich einfach mehr Zeit, keine Ahnung. Ich hatte nämlich schon zwei Probetage in einer medizinischen Reha und da wurde mir gesagt ich sei noch nicht so weit, was ich auch nur bestätigen konnte. Ich kam mir einfach die ganze Zeit ziemlich verwirrt und neben der Spur vor.

Zitat von Jan_:
Achtsamkeit bezieht sich auf die aufmerksame Wahrnehmung.
Viel in der Psychotherapie beschäftigt sich auch damit sich selbst und seine Gefühle achtsamer zu beobachten, also öfters zu überprüfen wie geht es mir gerade zum Beispiel.
Wenn man die Achtsamkeit schult fallen einem selbst Veränderungen der Stimmung oder Anspannung oder Auslöser schneller auf, und man kann noch eher korrigierend oder entschärfend eingreifen (was man dann auch noch erlernen und üben muss).

Achtsam mit such umgehen heißt dann auch seine Bedürfnisse ernst zu nehmen und nach ihnen zu handeln.
Z.B. wenn man eine Ruhepause braucht sich diese auch zu nehmen und zu gönnen.
Wer nicht achtsam mit sich umgeht ignoriert seine eigenen Bedürfnisse.

Und mit Achtsamkeitstraining versucht man sich selbst zu schulen achtsamer auf sich selbst zu achten, Regungen früher zu erkennen, etc.
oder sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren (z.B. wechselnde Körperempfindungen, den Körper scannen).
Im Bereich der Meditation auch dem bewusstes Fokussieren der Aufmerksamkeit auf eine Sache (z.B. den Atem) um seinen Geist zu leeren, dass andere Gedanken und Wahrnehmungen zunehmend verschwinden, während der Geist sich ganz auf diese eine Sache konzentriert.


Danke für's verständliche Erklären.

17.04.2018 19:27 • #16


Jan_
Das Gefühl von Unruhe kenne ich auch sehr gut. Da geht das manchmal alles nicht.

Ich bin mit sozialer Phobie in die Reha. Davor war ich länger krank geschrieben.
Für mich war das dort dann eigentlich kein Problem. Natürlich war ich selbst eher zurückhaltend/habe ich eigentlich wenig iniziiert an Gesprächen oder Kontakten.
Aber in den Gesprächen war ich nicht so angespannt.

Aber das ist natürlich bei jedem anders.

Mit der Zeit verändert sich vielleicht etwas. Oder du findest vielleicht einen Einzeltherapieplatz.

17.04.2018 19:59 • #17


agreatwayoff
Zitat von Jan_:
Mit der Zeit verändert sich vielleicht etwas. Oder du findest vielleicht einen Einzeltherapieplatz.


Ja, das hoffe ich auch. Ich hatte heute ein Gespräch mit einem Sozialpädagogen vom Sozialpsychatrischen Dienst und während wir gequatscht haben, wurde ich extrem nervös, konnte kaum Blickkontakt aufrecht erhalten und habe stark unter den Armen geschwitzt, obwohl ich ja eigentlich nichts zu befürchten hatte. Echt komisch.

17.04.2018 20:21 • #18



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