Pfeil rechts
4

L
Hallo allerseits. Da ich neu bin, ein paar kurze Infos zu meiner Person. Ich bin 26 Jahre alt, bin mehr als 8 Jahre in meinem Job als Zahnarzthelferin tätig und leide seid meiner Jugend an sozialer Phobie. Wie ich trotz unzähliger Ängste diese Art von Beruf nachgehen kann? Ich weiss es selbst nicht, setze eine Art von Maske auf Arbeit auf und mogel mich so halbwegs durch. Wobei mir dieses auch jegliche Energie raubt und ich dementsprechend in meiner Freizeit unterwegs bin. Ich mag garnicht zu sehr auf die Gesamtproblematik von mir eingehen, es würde einfach den Rahmen sprengen. Jetzt es ist aber langsam soweit, dass ich kapiert habe, meine Probleme ohne professionelle Hilfe, alleine nicht mehr in den Griff zu bekommen (was ich jahrelang versucht habe). Da ich mit hoher Wahrscheinlichkeit in Therapie von Kindheit an, sehr viele Dinge aufarbeiten muss und Angst habe, eventuelle Traumata die tief in mir vergraben sind hervorzurufen, habe ich mich jahrelang davor gedrückt. Wie ist es denn bei euch gewesen, wie läuft so eine Therapiesitzung überhaupt ab? Wie lange musstet ihr auf einen Termin warten? vielleicht ein paar Erfahrungsberichte von euch, hat es euch überhaupt weiter gebracht? Ich würde mich über ein paar Antworten freuen.

30.06.2021 06:34 • 16.07.2021 #1


3 Antworten ↓


Schlaflose
Bei mir hat nur ein Berufswechsel geholfen. Ich war Lehrerin und habe mich 20 Jahre lang gequält, bis nichts mehr ging. Seit ich in die Verwaltung gewechselt habe und bei der Arbeit kaum mit Menschen zu tun habe, geht es mir gut.
Therapien habe ich mehrere gehabt, auch einen 8-wöchigen Rehaaufenthalt, aber das hat alles nichts gebracht. Ich habe allerdings mehr als nur eine soziale Phobie, sondern eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung, auch generalisierte soziale Phobie genannt.

30.06.2021 15:18 • x 3 #2


A


Therapieerfahrung Sozialphobie

x 3


Y
Im Bereich soziale Phobie habe ich in den letzten Jahre große Fortschritte gemacht.

Die ersten ~1,5 ohne professionelle Hilfe durch diverse Bücher, Selbsthilfegruppen und eigenständig organisierte Konfrontationstherapie (Achtung: Es gibt ein paar Fehler, die man da machen kann und die eine Verbesserung verhindern!). Im Bereich Phobien ist (richtig durchgeführte) Konfrontationstherapie so oder so DAS Mittel der Wahl, um mit Hilfe korrigierender Lernerfahrungen die übersteigerten Ängste langfristig abzubauen.


Therapeutensuche ist ein ganz eigenes Thema und leider oft nicht ganz einfach. Spontan ein paar Kurztipps:
- Während der telefonischen Sprechstunden anrufen ist erfolgsversprechender als E-Mails schreiben oder auf einen AB sprechen.
- Für Therapeuten ist es sehr praktisch, wenn die Patienten zeitlich flexibel sind und nicht außerhalb der typischen Arbeitszeiten Termine brauchen. Wenn das möglich ist, dann sollte das unbedingt erwähnt werden.
- Beim Erstkontakt sollte kurz und kompakt die Problematik beschrieben werden können. Ebenfalls nützlich: Wenn jemand (Hausarzt, Psychiater, Beratungsstelle, ...) eine Therapie empfohlen hat und das erwähnt wird.

13.07.2021 11:13 • x 1 #3


H
Hey LIVIUS.
Ich kann deine Problematik mit der Arbeit sehr gut nach vollziehen. Ich selbst arbeite als Physiotherapeut und kenne die Problematik die der Job mit Menschen und die Krankheit mit sich bringt. Ich selbst leide seit 15 Jahren an sozialer Phobie und habe vor 4 Jahren mit der einer Therapie begonnen und hat großes Glück das ich lediglich nur 3 Monate auf einen Termin warten musste. Bei mir war das dann so, dass ich nach dem ersten Kennenlernen selbst entscheiden konnte, ob ich die Therapie bei dem Therapeuten fortsetzen möchte. Schließlich muss die Chemie passen, ansonsten wird später kein Erfolg eintreten. Meine Erfahrung ist, dass die Herangehensweise sehr behutsam ist, so dass tiefsitzende Traumatas schonend gelöst werden, natürlich nur wenn du es zulässt. Auf jedenfall gehört sehr viel Eigeninitiative dazu, sich der Problematik zu stellen, diese zu akzeptieren und daran selbst zu arbeiten. Bei mir selbst war und ist das schwierigste die Akzeptanz der Krankheit gewesen. Ich muss auch sagen, dass es mir selber nach den Sitzungen immer sehr gut ging. Bei den Erfolgsaussichten ist es schwierig eine passende Antwort zu finden, da sich dieser über sehr lange Zeit zieht.
LG

16.07.2021 21:36 • #4





Dr. Reinhard Pichler