Zitat von SozioDepp:Ein einschneidendes Erlebnis war für mich als ein eigentlicher Kumpel in der Klasse mit dem ich richtig dicke, war mich ein Jahr später übelst mobbte mit mehreren. Das ging fast ein Jahr, und nutzte mich ab und zu trotzdem als Freund. Und ich hab mir das gefallen oder nicht anmerken lassen. Rückblickend war das echt abartig.
Ich hatte damals in der Schule auch sehr unter Mobbing zu leiden, und noch schlimmer wurde es als mein bester Freund sich den Mobbern anschloss, und sogar zu einem der Rädelsführern wurde indem er sein Wissen über mich nutzte.
Wirklich abartig wurde es dann einmal während der Sommerferien, nach dem mein Bruder überraschend verstroben war, kam einige Zeit danach dieser "Freund" vorbei, um sein Beileid auszudrücken. So etwa zu erleben ist schon seltsam, aber ich habe mir auch nichts anmerken lassen, was unter diesen Umständen auch wohl mehr als verständlich war. Als die Schule dann wieder los ging, da ging auch das Mobbing weiter, und dieser ehemalige Freund war weiterhin einer der Anführer.
Dies hat mich viele Jahre nicht losgelassen, besonders als ich dann auch noch depressiv wurde, und als Jahre später einer der Anführer des Mobbings durch einen Motorradunfall ums Leben kam, da habe ich mich wirklich darüber gefreut. Dies klingt sicherlich sehr hart, aber damals befand ich mich mitten in meinen schlimmsten ängstlich-depressiven Jahren und mein Leben war noch nur ein Trümmerhaufen, und da kann man dann schon mal so denken und fühlen.
Inzwischen sind diese Erfahrungen verarbeitet, was recht schwer war, zumal ich dies damals ganz alleine bewerkstelligen musste, da ich dank der Angststörung ja mit niemanden darüber sprechen konnte.
Zitat von SozioDepp:Wie gesagt ich will mich nicht als Opfer sehen, ich hätte ja meinen Eltern davon berichten können. Ich will euch nur zeigen wie sich so eine Krankheit entwickeln kann
Ich hatte meinen Eltern damals davon berichtet, dass ich gemoppt wurde, hat mir auch nicht geholfen. Es kamen dann nur irgendwelche nutzlosen Tipps und Ratschläge, es wurde sich darüber aufgeregt, aber nicht wirklich versucht aktiv zu helfen.
Sehr enttäuschend, aber dies war für mich keine neue Erfahrung, und hat mich nur wieder darin bestätigt lieber keine Hilfe bei anderen Menschen zu suchen.
Als ich dann Jahre später diese Erfahrungen aufgearbeitet habe, da musste ich mir zunächst eingestehen, dass ich immer noch in diesem Opferdenken gefangen war. Ich musste mir aber auch eingestehen, dass ich inzwischen sogar die Täterrolle übernommen hatte, weil ich dies so viele Jahre danach einfach noch nicht los lassen konnte und immer wieder durchspielte, und mich selbst damit gequält habe. Ich musste dann erst verstehen lernen, dass ich mir meine damalige Wehr- und Hilflosigkeit einfach nicht verzeihen konnte, obwohl ich gegen dieses Mobbing so oder so keine Chance gehabt hätte. Hilfreich war es dann auch für mich mich mal ausgiebiger mit dem Thema Mobbing und das Verhalten der Täter zu beschäftigen, dadurch ist mir eigentlich erst bewusst geworden, dass solche Täter eigentlich wirklich erbärmliche Menschen sind, da sie so etwas nötig haben.
Irgendwann kam ich dann an den Punkt, wo ich mir dies alles selbst verzeihen konnte, ich konnte sogar in gewisser Weise das Verhalten der Täter und das meiner Eltern verstehen, ohne es zu bewerten. Letztlich kam ich dann an einem Punkt, wo ich es tatsächlich loslassen konnte, und so fühlte es sich dann tatsächlich auch an. Dies war dann einer dieser Momente, die ich auf meinem Weg als so eine Art Puzzleteile sah, die nach und nach etwas zusammen setzen.