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Hey Leute,

ich bin gerade echt fertig mit der Welt und brauche mal euren Rat bzw. eure Meinung zu meiner Situation. Ich habe seit Anfang April einen neuen Job in einem relativ kleinen Unternehmen und bin für diesen Job auch umgezogen. Ich hatte schon seit längerer Zeit den Wunsch in diese Stadt zu ziehen und war total euphorisch als es dort mit dem Job geklappt hat. Jetzt beginnt ein neues Leben für dich habe ich mir gesagt.

Ich hatte mir vorgenommen, in der neuen Stadt offener zu sein und mehr aus mir rauszukommen. Denn ich bin ein sehr zurückhaltender, in sich gekehrter Mensch, der nicht viel redet und sich in größeren Menschengruppen unwohl fühlt. Ich habe immer Angst, von Menschen negativ beurteilt zu werden, nicht akzeptiert und verstanden zu werden, als arrogant rüber zu kommen, nur weil ich nicht so viel rede.

Dies wird mir auch auf der Arbeit zum Verhängnis. Ich habe Schwierigkeiten mich zu integrieren. Dass es für mich eine Riesenhürde werden würde mich in ein bestehendes Team einzugliedern war mir im Vorfeld klar, aber ich hatte mir doch diesmal vorgenommen, etwas offener und kontaktfreudiger zu sein. Nun sind zwei Wochen rum und ich rede immer noch so wenig mit meinen Kollegen. Ich glaube sie haben mich insgeheim schon abgestempelt als den Komischen, der nie was redet. Wenn wir z.B. in der Kaffee- oder Mittagspause zusammensitzen und sich alle ausgelassen unterhalten bin ich immer nur der ruhige Zuhörer, der ab und zu mal einen Satz in die Runde wirft, aber ansonsten total in der Gruppe untergeht und von den anderen auch zunehmend ignoriert wird. Das ist ein echtes Problem, denn der Betrieb legt sehr viel wert auf ein gutes Betriebsklima und ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den einzelnen Mitarbeitern. Ich würde aber viel lieber dort einfach hingehen, meine Arbeit machen, und am Nachmittag wieder verschwinden.

Ich hasse mich dafür, dass ich so bin! Ich wäre gerne genauso aufgeschlossen und kommunikativ wie die anderen. Warum schaffe ich es nicht, mich ins Team zu integrieren? In meinem Kopf ist da immer so eine totale Leere, wenn es um diese zwischenmenschlichen Kontakte geht. Ich habe zwar ein paar Kumpels bzw. Bekannte (als Freunde würde ich sie nicht bezeichnen), mit denen ich ab und zu etwas unternehme (Essen gehen, Kino, Schwimmbad etc.), aber die meiste Zeit bin ich für mich allein. Einerseits bin ich gerne für mich allein und brauche diese Zeit auch, um Kraft zu tanken, andererseits fühle ich mich auch oft einsam.

Meine Probleme auf der Arbeit machen sich mittlerweile auch körperlich bei mir bemerkbar. Ich schlafe extrem schlecht, wache nachts mehrmals auf und liege einige Zeit lang wach, gehe morgens schon mit einem Gefühl von Übelkeit auf die Arbeit. Und nach Feierabend mache ich mir schon wieder Gedanken darüber, dass ich morgen ja wieder dort hin muss und kann meine Freizeit dadurch überhaupt nicht mehr genießen. Ich habe auf nichts mehr Lust, ich liege dann abends nur noch im Bett und surfe im Internet oder schaue mir Serien an.

Wie komme ich aus diesem Teufelskreis nur raus? Am liebsten würde ich am Montag nicht mehr dort hingehen. Aber wenn ich jetzt kündige, bin ich arbeitslos und ich muss ja irgendwie die Miete für meine Wohnung und meinen sonstigen Lebensunterhalt finanzieren. Ich hatte auch überlegt mit weg zu bewerben, aber welcher Arbeitgeber nimmt jemanden, der nach zwei Wochen schon wieder den Betrieb wechseln will? Zumal ich auch befürchte, dass es im neuen Unternehmen nicht anders sein würde und ich meine Probleme nur dort mit hinnehmen würde Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich bin momentan so unglücklich, ich habe jeden Abend Suizidgedanken, welche ich dann aber sofort wieder verwerfe, weil mir mein Leben zu kostbar ist, um es einfach so hinzuwerfen.

13.04.2018 14:10 • 15.04.2018 x 1 #1


11 Antworten ↓


TeePea
Hallo Redtiger,
ich kann dieses Gefühl vollkommen nachvollziehen. Ich würde zwar nicht behaupten, dass ich eine klassische soziale Phobie habe, da ich durchaus Vorträge im Rahmen des Berufs halten oder zu Ämtern gehen kann, ohne mich schlecht zu fühlen. Aber sobald ich Kontakte aufbauen will oder mich in größeren Gruppen unterhalte, bin ich auch eher der stille Zuhörer. Wenn ich alleine bin, habe ich 1000 Gedanken im Kopf, aber in diesen Momenten fühle ich mich gedankenlos und finde keinen Anschluss an die Gespräche. Je größer die Gruppe, desto schlimmer ist es. Ich habe leider noch nicht herausgefunden, woran es liegt und ebenfalls nicht, was man dagegen machen kann. Leider. Ich habe mir auch schon oft vorgenommen, z.B. bei dem Wechsel auf die Uni alles anders zu machen. Seltsamerweise verfalle ich immer wieder in alte Muster, unabhängig davon, wie ich mich bemühe.

Liebe Grüße

13.04.2018 18:42 • #2



Neuer Job, soziale Ängste und Integrationsprobleme

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Jan_
Das ist schade, dass du so unzufrieden und unglücklich bist in deinem Beruf.

Bezüglich Gruppengesprächen möchte ich darauf hinweisen, dass die natürlich auch eine ganz andere Dynamik haben als etwas Einzelgespräche.
In einer Gruppe können alleine durch die Anzahl der Personen i.d.R. weniger Leute sprechen, und jene die offener sind, eher einfach sagen was sie denken statt wohlüberlegte oder sichere Gedanken zu äußern sind da natürlich im Vorteil sich Redezeit zu sichern. Und generell entsteht natürlich ein gewisser 'Kampf' um Aufmerksamkeit, Teilhabe und Redezeit.
Wer da eher zurückhaltend ist spricht in solchen Situationen eher weniger. Was ja aber auch nicht schlecht sein muss, ist nur anders.
Denn in anderen Situationen, wenn es um Inhalte geht, oder im Zwiegespräch sind Zurückhaltung, Aufmerksamkeit und wohlüberlegte Gedanken äußern oft von Vorteil.

Eine Alternative bei der Arbeit sind möglicherweise kleinere Einzelgespräche; beim Kaffee oder am Arbeitsplatz ansprechen und sprechen.

Ein so großer Lebensumfeldwechsel mit Umzug und neuem Arbeitgeber ist immer ein großer Umbruch.
Und neue Kontakte knüpfen kann ohnehin schwer sein.
Insofern würde ich nicht zu viel erwarten wenn man sich in dieser neuen Situation auch noch selbst ändern möchte und offener oder aktiver sein möchte.
Solche Veränderung braucht ohnehin Zeit.

Mal abgesehen von deinen Einschränkungen und Belastungen, ist die Arbeit selbst denn das richtige für dich?
Wenn sich deine Unsicherheit und Belastung verringern würden, würdest du dieser Arbeit weiter nachgehen wollen? Oder lieber etwas anderes?

Das wichtigste was du tun *musst* ist zu lernen dich selbst nicht für deine Situation und Gefühle und Belastungen zu verurteilen.
Dass du so bist wie du bist und dass deine Situation so ist wie sie ist hat seine Gründe, aber dafür darfst du dir nie selbst die Schuld geben.
Du hast mit Sicherheit immer das beste gewollt und getan was dir in deiner Situation möglich war. Und mehr ist garnicht möglich, sonst wäre es so passiert.

Wenn du möchtest können wir das auch noch vertiefen, wenn du genauer beschreibst was dich beschäftigt oder ärgert.

Dass man nach der Arbeit nicht mehr viel anderes schafft und das sehr frustrierend ist, das Gefühl kenne ich sehr gut.

Dass dich das so belastet ist natürlich nicht gut. Dass bereits psychosomatische Beschwerden auftauchen ist auch nicht gut.
Du solltest dir überlegen ob du das nicht bei deinem Hausarzt mal ansprichst und mit einer Psychotherapie anfängst.
Damit es dich nicht mehr so stark belastet und nicht schlimmer wird musst du lernen die Dinge anders wahrzunehmen und weniger zu bewerten,
und lernen Gedanken die dich negativ beeinflussen zwar wahrzunehmen und anzuerkennen, aber dann beiseite zu legen.
Ansonsten spürst du ja gerade in welche Richtung es geht. Anstrengung, Frustration, gefühlte Ausweglosigkeit, psychosomatische Beschwerden
Gut dass du mit diesem Thema Hilfe suchst und etwas verändern möchtest!

Zitat von redtiger:
Ich würde aber viel lieber dort einfach hingehen, meine Arbeit machen, und am Nachmittag wieder verschwinden.


Warum sagst du das so? Als Vermeidung weil es so anstrengend und frustrierend ist?
Oder aus innerer Überzeugung heraus dass du das so gerne tun würdest?

Zitat von redtiger:
Ich hasse mich dafür, dass ich so bin! Ich wäre gerne genauso aufgeschlossen und kommunikativ wie die anderen.


Dafür brauchst und darfst du dich nicht hassen.
Ein zentraler Aspekt des Lebens ist sich selbst erst kennen zu lernen, akzeptieren zu lernen, und sich sein Umfeld so zu gestalten, dass es einem gut geht.

Andere haben es sicher einfacher mit bestimmten Dingen umzugehen.
Aber das heißt nicht dass es auch gute Seiten am anders sein gibt, oder dass das einfache anders sein schlecht ist.

Zitat von redtiger:
Warum schaffe ich es nicht, mich ins Team zu integrieren?


Ich würde jetzt nicht unbedingt sagen dass zur Team Integration überaus gute soziale Kontakte notwendig sind, die vielleicht sogar ins Privatleben eintauchen.
Bei der Arbeit kann man durchaus gut in ein (Arbeits) Team integriert sein und gemeinsam gute Arbeit leisten auch ohne Persönliche Informationen und Beziehungen einzubringen.

Eine recht lockere und familiäre Atmosphäre hat nicht zwingend zur Forderung dass man sich direkt super integriert oder proaktiv ist.
Und trotzdem bietet sie einen eher positive Rahmen.

Zitat von redtiger:
In meinem Kopf ist da immer so eine totale Leere, wenn es um diese zwischenmenschlichen Kontakte geht.


Wie meinst du das? In den Situationen selbst?

Zitat von redtiger:
Einerseits bin ich gerne für mich allein und brauche diese Zeit auch, um Kraft zu tanken, andererseits fühle ich mich auch oft einsam.


Das ist ein Zwiespalt, mit dem man umgehen lernen muss, und für sich erst eine gute Lösung finden muss.
Abwägen und abwandeln zwischen Selbstbestimmung, Erholung und Qualitätszeit mit sich einerseits, und sozialer Anerkennung und Wahrgenommen werden andererseits.
Als soziale Tiere brauchen wir das mindestens emotional und unterbewusst. Das ist in unsere Gene eingebrannt - als evolutionär starker Überlebensvorteil.

13.04.2018 22:05 • x 1 #3


Jan_
Zitat von TeePea:
Ich habe mir auch schon oft vorgenommen, z.B. bei dem Wechsel auf die Uni alles anders zu machen. Seltsamerweise verfalle ich immer wieder in alte Muster, unabhängig davon, wie ich mich bemühe.


Das was wir erlernen, was du als alte Muster bezeichnest, sind natürlich immer gut eingefahren.
Wir haben aus Erfahrungen und Feedback, von außerhalb oder uns selbst, bestimmte Verhaltensweisen angenommen die uns scheinbar gut dienen.
Erlernte Verhaltensweisen und Grundannahmen erlauben uns Dinge intuitiv und ohne großen gedanklichen Energieaufwand zu tun - ein klarer evolutionärer Vorteil.

Wenn wir nun erkennen dass diese erlernten Verhaltensmuster schädlich für uns sind, oder nicht gut genug, dann erfordert es viel Aufwand, viel Energie und Aufmerksamkeit das erlernte Erfolgskonzept umzulernen. Das muss man über einen Zeitraum wiederholt aufmerksam korrigieren bis es sich irgendwann auch intuitiv ändert.

Dass man in alte Muster zurückfällt ist normal und zu erwarten. Insbesondere wenn auch andere Dinge Aufmerksamkeit und Energie ziehen.
Es gilt trotzdem am Ball zu bleiben. Und mit dem Bewusstsein dafür kann man sich diese Rückfälle auch gut verzeihen.

13.04.2018 22:24 • x 1 #4


MimonBaraka67
Auch ich bin arbeitsscheu, ich kenne die Problematik.
Am liebsten würde ich unabhängig vom Staat meinen Lebensunterhalt verdienen, jedoch ist die Versuchung meine Nintendo Switch einzuschalten und eine gepflegte Runde zu spielen größer, als arbeiten zu gehen, ich kenne dein Problem!

13.04.2018 22:26 • #5


@teepea: Bei mir kommt das auch stark auf die Situation an. Ich habe jetzt eigentlich auch keine Probleme, auf Ämter zu gehen, um dort irgendwas zu regeln. Wo ich insbesondere unruhig werde ist in Situationen, in denen ich im Mittelpunkt stehe und das Gefühl habe, von mehreren Menschen beobachtet zu werden, z.B. im Supermarkt an der Kasse, wenn es etwas hektischer zugeht, ich noch am Einräumen der Lebensmittel in den Einkaufswagen bin, die Kassiererin aber schon auf das Geld wartet und hinter mir eine lange Schlange an Leuten steht. Da steigt mein Puls dann auf 180 und ich werde zittrig.

Zitat von TeePea:
Wenn ich alleine bin, habe ich 1000 Gedanken im Kopf, aber in diesen Momenten fühle ich mich gedankenlos und finde keinen Anschluss an die Gespräche. Je größer die Gruppe, desto schlimmer ist es.

Ja, exakt genauso bin ich auch. Wenn ich alleine bin mache ich mir Gedanken über Gott und die Welt, aber wenn es drauf ankommt, etwas zu sagen entsteht eine richtige Leere in meinem Kopf. Je größer die Gruppe, desto schwieriger wird es, ja. Weil dann noch zusätzlich die Unsicherheit dazu kommt, wenn einem mal was einfällt zum aktuellen Gesprächsthema, dass man dann nicht weiß, wann und wie man es am besten einbringen soll. Es gab auch schon Situationen, da habe ich dann spontan etwas in den Raum geworfen, aber wurde von den anderen irgendwie überhört und sie sind gar nicht näher drauf eingegangen. Das verunsichert einen zusätzlich immens

@jan_: Die Arbeit an sich ist schon ok und macht mir sogar einigermaßen Spaß, was den Spaß halt total verdirbt ist wie gesagt die Tatsache, dass ich mich nicht ins Team einfügen kann und genauso locker mit jedem umgehen kann wie die anderen untereinander. Das belastet mich halt sehr, weil ich weiß, dass es ja an mir liegt. Aber ich fühle mich da so machtlos, etwas dran zu ändern. An eine Therapie hatte ich auch schon gedacht, aber wie schnell bekommt man denn da einen Termin bzw. in welchen Abständen finden diese dann statt? Eine Vollzeit-Therapie käme für mich nicht infrage, denn ich muss ja weiterhin arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Trotzdem brauche ich etwas, was mir möglichst schnell hilft, denn ich weiß ansonsten nicht, wie lange ich das noch durchstehe...

Zitat von Jan_:
Warum sagst du das so? Als Vermeidung weil es so anstrengend und frustrierend ist?
Oder aus innerer Überzeugung heraus dass du das so gerne tun würdest?

Hmm, gute Frage. Ich denke schon aus Überzeugung, weil ich es so lieber hätte. In meinem bisherigen Job war es z.B. auch so, dass die Kollegen privat wenig miteinander geredet haben und jeder einfach seinem Job nachgegangen ist. Viele haben sich über das miese Betriebsklima beschwert, aber ich fand es eigentlich ziemlich angenehm, morgens dort hinzugehen, meine Sachen abzuarbeiten, nur das Wichtigste mit den Kollegen zu besprechen (berufliche Dinge) und am Abend wieder abzuhauen. Manchmal wünsche ich mir sogar zurück, wieder dort zu arbeiten und bereue die Entscheidung, gekündigt zu haben, obwohl mich der Job eigentlich auch unglücklich gemacht hat, weil er einfach sehr eintönig war, mir überhaupt keinen Spaß gemacht hat und ich mich in der Stadt auch überhaupt nicht wohl gefühlt habe und einfach nur von da weg wollte.

Zitat von Jan_:
Dafür brauchst und darfst du dich nicht hassen.
Ein zentraler Aspekt des Lebens ist sich selbst erst kennen zu lernen, akzeptieren zu lernen, und sich sein Umfeld so zu gestalten, dass es einem gut geht.

Das habe ich wirklich versucht. Aber wenn deine Kollegen alle total aufgeschlossen und extrovertiert sind und du der einzige Stille in der Mannschaft bist fühlst du dich wie ein Alien aus einem anderen Universum. Und eben auch nicht so richtig zum Team gehörig und von den anderen akzeptiert/verstanden. Ich glaube einfach, dass ich da allgemein von meiner Persönlichkeit nicht so ganz reinpasse...

Zitat von Jan_:
Wie meinst du das? In den Situationen selbst?

Es ist so, wie es TeePea beschreibt. Ich weiß da überhaupt nicht, wie ich anknüpfen soll. In 90% der Fälle ist so, dass mir überhaupt nichts einfällt, was ich sagen könnte, in 10% der Fälle fällt mir dann tatsächlich mal was ein, aber ich weiß nicht, wie ich es jetzt einwerfen soll, ohne den anderen ins Wort zu fallen usw. Ich warte dann immer eine Weile ab, bis jeder ausgesprochen hat, aber manchmal wird das Gespräch dann in der Zeit auch schon in eine andere Richtung gelenkt und dann möchte ich auch nicht mehr mit meinem Gedanken ankommen.

Zitat von Jan_:
Das ist ein Zwiespalt, mit dem man umgehen lernen muss, und für sich erst eine gute Lösung finden muss.
Abwägen und abwandeln zwischen Selbstbestimmung, Erholung und Qualitätszeit mit sich einerseits, und sozialer Anerkennung und Wahrgenommen werden andererseits.
Als soziale Tiere brauchen wir das mindestens emotional und unterbewusst. Das ist in unsere Gene eingebrannt - als evolutionär starker Überlebensvorteil.

Zurzeit ist es halt leider so, dass ich vollkommen fertig von der Arbeit zurückkomme und dann auf nichts mehr Bock habe. Ich will mich dann einfach nur noch einigeln und für mich sein. Ich wurde letztes Wochenende z.B. von einem Kumpel gefragt, ob wir was zusammen machen wollen, aber ich war an dem Tag noch so müde (schlafe wie gesagt in letzter Zeit total schlecht) und depressiv, dass ich ihm abgesagt habe. Im Nachhinein ärgere ich mich darüber, denn der soziale Kontakt hätte mir sicherlich gut getan und auf andere Gedanken gebracht, aber ich habe mich in dem Moment einfach nicht dazu in der Lage gefühlt, mich mit jemanden zu treffen.

14.04.2018 10:50 • #6


Jan_
Dass man sich teilweise fehl am Platz fühlt, und anders, und darüber frustriert, das kenne ich.
Dem darf man aber nicht zu viel Wert geben.
Man ist halt anders als die anderen. Man ist nicht so extrovertiert. Man ist nicht so flüssig in Gesprächen.
Sich darüber zu ärgern bringt nichts. Das ist nicht immer einfach zu akzeptieren, aber sich darüber zu ärgern bringt nur weitere negative Einflüsse.

Man muss auch aufpassen dem ganzen nicht zu viel Wichtigkeit zu geben. Auch wenn man eher zurückhaltend ist kann man von den anderen geschätzt sein, oder gerade deswegen. Oder zumindest sehen es die anderen Personen auch nicht so negativ wie man selbst, wenn man eher zurückhaltend ist und wenig sagt.

Dass man eher wenig zu sagen hat, und wenn man etwas zu sagen hätte nicht zu Wort kommt (weil man so zurückhaltend ist und respektvoll gegenüber den anderen ist) das kenne ich auch. Das ist manchmal ärgerlich, aber das muss man so akzeptieren. Wenn es schon passiert ist kann man es auch nicht mehr ändern.
Und Zurückhaltung/Respekt sind ja durchaus auch positive Eigenschaften, auch wenn es einem hier in anderen Aspekten eher im Weg steht.

Dass man bei so einer erhöhten Belastung (Unzufriedenheit, Anspannung, selbstauferlegter Leistungsdruck, Frustration, neue Arbeitsstelle, Einarbeitung, etc) sehr erschöpft ist ist nachvollziehbar.
Dass du absagst und es dann aber reflektierst siehst dass es vielleicht eher hätte positiv sein können ist ja gut. Du hast es aufmerksam erkannt. Sich im Nachhinein darüber zu ärgern ist naheliegend aber nicht zielführend. Einfach das nächste Mal überlegen ob man es anders macht, oder zu einem anderen Zeitpunkt selbst initiiert.
Letztlich ist und bleibt es ein Abwägen zwischen auf sich selbst achten und erholen und Unternehmungen, wobei bei letzterem auch die Frage ist ob einem das immer Energie zurück gibt oder z.B. nur unter bestimmten Rahmenbedingungen.

14.04.2018 11:14 • #7


Ich habe mir jetzt gestern einen Ruck gegeben und ein bisschen Sport gemacht, um den Kopf freizubekommen. Das Wetter war toll, also Laufschuhe angezogen, Kopfhörer ins Ohr und eine Runde gejoggt. Tatsächlich ging es mir danach etwas besser und ich war auch froh, mich aufgerafft zu haben. Heute Morgen bin ich dann allerdings wieder mit einem flauen Gefühl im Magen aufgewacht, bei dem Gedanken, morgen wieder zur Arbeit zu müssen. Ich denke den heutigen Sonntag wird es mir wieder schwer fallen zu genießen.

Ich habe einfach extreme Probleme, mich so zu akzeptieren wie ich bin. Gerade weil ich in meinem Kollegenkreis halt der einzige Introvertierte bin macht mir das Ganze wirklich zu schaffen. Ich habe das Gefühl, mit meiner Persönlichkeit nicht in diese offene, lebhafte und gesprächige Gruppe hineinzupassen. Und meinen Kollegen geht es glaube ich genauso. Ich habe auch das Gefühl, sie wissen nicht so wirklich wie sie mit mir umgehen sollen, weil ich so anders bin. Und so richtig als Teil des Teams fühle ich mich eben auch nicht. Ich weiß aber auch nicht wie ich das ändern kann. Ich kann mich ja auf die Schnelle auch nicht um 180 Grad drehen. Ich weiß nur, dass sich unbedingt was ändern muss, denn der aktuelle Leidensdruck belastet mich schon sehr und schränkt mein Leben einfach unglaublich ein.

Ich sehe momentan nur zwei Auswege:
1. Ich versuche mich so zu akzeptieren wie ich bin. Wobei das halt leichter gesagt ist als getan, wenn man als Intro zwischen einem Haufen aus Extros sitzt und sich einfach nicht zum Team zugehörig fühlt. Das belastet in gewissem Masse ja auch die Arbeitsqualität. Und meinem Vorgesetzten ist es sicherlich auch ein Dorn im Auge, dass ich so wenig mit meinen Kollegen rede, da der Betrieb wie gesagt sehr viel Wert darauf legt, ein fast schon freundschaftliches Verhältnis zwischen den Kollegen zu schaffen. Gibt auch regelmäßige Teambuilding-Maßnahmen usw. (wenn ich nur daran denke bekomme ich schon wieder Panik).

2. Ich kündige noch während der Probezeit und suche mir ein Unternehmen, in das ich besser hineinpasse. Wobei ich befürchte, dass ich meine Probleme dann nur an den neuen Arbeitsplatz mit hinnehmen werde und ob es mir dort dann wirklich besser geht? Ich meine, seine Kollegen kann man sich ja leider nicht aussuchen, man kann höchstens durch einen Probearbeitstag z.B. feststellen, ob man sich vorstellen könnte, dort zu arbeiten und ob man ins Team passen könnte. Zumal ich ja auf die Schnelle erst mal einen neuen Arbeitsplatz finden müsste. Wie gesagt, wer stellt jemanden ein, der nach wenigen Wochen schon wieder das Unternehmen wechselt?

Ich bin total ratlos und weiß nicht, was ich machen soll

15.04.2018 10:48 • #8


Veritas
1. Nimm Nr. 1 - ganz klar! Nr. 2 wird nicht fruchten und generell bringt einem Selbstverleugnung nichts. Intro zu sein (bin Ich auch) ist keine Schande, keine Krankheit.

15.04.2018 12:16 • #9


Jan_
Unbedingt mal ansprechen!
Mach mal ein Mitarbeitergespräch mit deinem Chef, oder nimm mal einen einzelnen Kollegen zur Seite und sprich ihn darauf an.

Du äußerst einerseits deine eigenen Gefühle, die du erkennst, und andererseits äußerst du Vermutungen und Ängste.
Aber letzteres können rein subjektiv und unbegründet sein.
Da hilft nur auf Realität überprüfen. Frag nach ob deine Introvertiertheit tatsächlich ein Problem darstellt. Denn das muss selbst unter Extrovertierten nicht sein.
Selbst wenn es mit dir anders ist, muss das noch nicht schlecht oder schlechtes Arbeitsklima sein.

Aus Unsicherheit entsteht gerne Angst, denn Unsicherheiten kann man mit Ängsten und Vermutungen füllen. Aber das eben grenzenlos und ohne Realitätsbezug.
Diese Unsicherheiten auszuräumen kann da sehr helfen.
Und selbst wenn sich herausstellt dass es tatsächlich ein Problem ist, dann ist das Problem offen angesprochen, dir ist klar ob es tatsächlich so ist, und man kann gemeinsam nach Lösungen und Auswegen dafür suchen.

Gerade da dich das so beschäftigt und do solche konkreten Befürchtungen gegenüber anderer Wahrnehmung/Bewertung hast ist es wichtig das anzusprechen und offen zu legen.
Dass du das Gefühl hast du bist 'zu introvertiert' und würdest nicht herein passen, und dass du befürchtest dass du nicht in das Team hinein passt und nicht in das von der Firma geforderte Arbeits- oder Kollegenklima.
Indem du dies äußerst gibst du dem Gegenüber die Chance sich zu erklären und deine Befürchtungen zu überprüfen.

15.04.2018 15:17 • #10


Zitat von redtiger:
Wenn wir z.B. in der Kaffee- oder Mittagspause zusammensitzen und sich alle ausgelassen unterhalten bin ich immer nur der ruhige Zuhöre

versuchs mal anders zu sehen: Deine Kollegen sind schon länger Kollegen, sie kennen sich und haben gemeinsame Themen. Sie wissen über was sie sich ausgelassen unterhalten können. Sie kennen Dich noch nicht und Du kennst sie noch nicht. Es ist doch in der kurzen Zeit völlig normal, wenn Du wenig zur Unterhaltung beitragen kannst und erstmal nur ruhig zuhörst.
Du hast eine sehr große Veränderung in Deinem Leben vollzogen. Das braucht alles seine Zeit, privat und beruflich. Wenn Dir die Tätigkeit grundsätzlich Spaßmacht und auch die Stadt, in der Du jetzt lebst, gefällt, dann solltest Du nicht jetzt schon kündigen.
Gib Dir, Deinen Kollegen und Deinem Umfeld die nötige Zeit. Sport machen ist schon mal gut für Dich, das solltest Du regelmäßig machen.

15.04.2018 15:38 • x 1 #11


Icefalki
Zitat von redtiger:
Ich bin total ratlos und weiß nicht, was ich machen soll


Ich kann dir nur empfehlen, die Ratschläge von @Jan_ umzusetzen. Alles was er dir schreibt, ist auch meine Meinung und meine Erfahrung.

Sei einfach ehrlich und steh zu deiner Introvertiertheit, die nichts mit den Kollegen zu tun hat. Anstelle den Job hinzuwerfen, Sprech es einfach an. Manchmal wird man von anderen Menschen verblüfft, im positiven Sinne. Und wenn's wirklich nicht passt, nun, dann ist es eben so.

15.04.2018 15:40 • #12



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Dr. Reinhard Pichler