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Hallo,

ich frage mich, kann ich jemals ein anderer Mensch werden. So wie in meinen Träumen, wo ich auf der Straße tanze, singe, laut spreche, jemanden anlächele und tue was ich will (ist doch nicht verrückt, oder?).

Ich frage mich auch, ob ich falsche Träume und Wünsche habe, die für mich vielleicht nicht erreichbar sind. Das wäre sehr traurig. Ich lese hier oft von älteren und ganz einsamen Menschen, dass Sie immer noch genug Freude am Leben haben. Ich kann mir es nicht vorstellen, dass ich auch so werde.

Ich war immer sehr schüchtern, dann kamen soziale Ängste und noch Minderwertigkeitsgefühl. Ich kann jetzt nicht nur mit Menschen entspannt reden, sondern ich kann Ihnen nicht einfach ins Gesicht schauen. Mehrere Therapien, Psychologiestudium, Selbstbildung haben mir nur Mittel gezeigt, die ich aber nicht erfolgreich anwenden kann. Mir fehlt die Kraft gegen die Angst. Die Angst wird mit Alter nur größer.

Ich hatte weniger Angst oder mehr Kraft, wenn ich eine Partnerin hatte. Damals hatte ich auch das Gefühl, dass in mir etwas wächst, ich entwickele mich etwas. Im Außenwelt war ich aber trotzdem sehr eingeschränkt und ich weiß nicht, ob ich mich mit Hilfe meiner Freundin jemals komplett angstfrei wäre (ich meine neurotische Angst).

Sagt mir, ist das möglich? Gibt es Wunderkräfte? Eine sagen ja, andere sagen nein, man kann nur Symptome im Griff halten, angstfrei wird man aber nicht.
Ich will aber Menschen hören, die selbst damit Erfahrung haben, die vielleicht ähnlich wie ich stark betroffen wurden.

Danke. Es ist gut, dass es so ein Forum gibt.

31.05.2015 20:44 • 01.06.2015 x 1 #1


11 Antworten ↓


Hotin
Hallo lost_in_berlin,

Wie Du werden möchtest, hast Du ja beschrieben.

Wie bist Du denn, und vor allen, warum bist du denn so gehemmt?
Zitat:
Psychologiestudium, Selbstbildung haben mir nur Mittel gezeigt, die ich aber nicht erfolgreich anwenden kann.


Dann steckt Dein Kopf ja voll von Theorie. Und wenn Du jetzt Vorschläge bekommen würdest, könntest
Du die dann umsetzen, oder hast Du auch Angst vor Deinem Denken?

Zitat:
Warum kannst Du das nicht anwenden?


Kannst Du mal beschreiben, was die Angst für Dich ist? Irgendeine Vorstellung
solltest Du doch davon haben.

Viele Grüße

Hotin

31.05.2015 21:03 • #2



Ihre Erfahrung wird gefragt

x 3


Zitat von lost_in_berlin:
Hallo,

ich frage mich, kann ich jemals ein anderer Mensch werden. So wie in meinen Träumen, wo ich auf der Straße tanze, singe, laut spreche, jemanden anlächele und tue was ich will (ist doch nicht verrückt, oder?).




Das ist ganz und gar nicht verrückt und läßt sich einfach verwirklichen undem Du es tust.
Mach es doch einfach, mal schauen was passiert.

Liebe Grüße
der Abendschein

31.05.2015 21:06 • x 1 #3


Danke Hotin für deine Rückmeldung.

Ich beantworte deine Fragen per PN. Ich will aber, dass jemand hier seine Erfahrung teilen wird. Vielleicht machst du das auch noch, wenn das Thema dich betrifft.

LG

31.05.2015 21:10 • #4


Zitat von Abendschein:
Zitat von lost_in_berlin:
Hallo,

ich frage mich, kann ich jemals ein anderer Mensch werden. So wie in meinen Träumen, wo ich auf der Straße tanze, singe, laut spreche, jemanden anlächele und tue was ich will (ist doch nicht verrückt, oder?).




Das ist ganz und gar nicht verrückt und läßt sich einfach verwirklichen undem Du es tust.
Mach es doch einfach, mal schauen was passiert.

Liebe Grüße
der Abendschein



Das geht leider nicht, weil die Angst zu groß ist. Hast du auch ähnliche Probleme? Wenn ja, schreibe bitte etwas über deine Erfahrung.

Viele Grüße

31.05.2015 21:16 • #5


Hallo lost_in_berlin, ja ich hatte ähnliche Erfahrungen und zwar zig Jahre lang. Angst und Panikattacken. Ich habe aber immer versucht mich von meiner Angst nie runterdrücken zu lassen, das heißt sie hat nie gesiegt über mich. Meine Therapeutin hat Damals immer gesagt, ich solle das machen was ich möchte, das ist mein Leben und nicht solange warten. Die Angst kannst nur Du alleine besiegen. Besiegen hört sich immer nicht so gut an finde ich. Vielleicht redest Du einmal mit ihr und fragst sie was sie möchte, oder Du schreibst Tagebuch. Jeden Tag kannst Du Dich entscheiden gegen die Angst anzukämpfen und glaube mir einmal wird es Dir gelingen und dann bist Du stolz darauf das Du es geschafft hast. Es gibt keinen Aus-Schalter, wenn es den geben würde, würde ich Dir sagen betätige ihn und dann bist Du Deine Angst los. Jahrelanges Arbeiten an mir selber (auch mit einem Therapeuten) haben es geschafft, die Angst zu besiegen. Heute habe ich immer noch ein wenig Angst, wenn ich krank bin, aber ich sage mir, es ist alles gut und beruhige mich selber. Mach was für Dich, was Schönes, erfreue Dich, sage Dir jeden Tag das Du Dich magst, lebe Dein Leben, Du hast nur das Eine und das kann kurz sein. Das ist mein Leben und so lebe ich mein Leben, im Gott vertrauen und das alles gut wird.

Das wünsche ich Dir auch,
liebe Grüße
der Abendschein

31.05.2015 21:35 • #6


Zitat von Abendschein:
Hallo lost_in_berlin, ja ich hatte ähnliche Erfahrungen und zwar zig Jahre lang. Angst und Panikattacken. Ich habe aber immer versucht mich von meiner Angst nie runterdrücken zu lassen, das heißt sie hat nie gesiegt über mich. Meine Therapeutin hat Damals immer gesagt, ich solle das machen was ich möchte, das ist mein Leben und nicht solange warten. Die Angst kannst nur Du alleine besiegen. Besiegen hört sich immer nicht so gut an finde ich. Vielleicht redest Du einmal mit ihr und fragst sie was sie möchte, oder Du schreibst Tagebuch. Jeden Tag kannst Du Dich entscheiden gegen die Angst anzukämpfen und glaube mir einmal wird es Dir gelingen und dann bist Du stolz darauf das Du es geschafft hast. Es gibt keinen Aus-Schalter, wenn es den geben würde, würde ich Dir sagen betätige ihn und dann bist Du Deine Angst los. Jahrelanges Arbeiten an mir selber (auch mit einem Therapeuten) haben es geschafft, die Angst zu besiegen. Heute habe ich immer noch ein wenig Angst, wenn ich krank bin, aber ich sage mir, es ist alles gut und beruhige mich selber. Mach was für Dich, was Schönes, erfreue Dich, sage Dir jeden Tag das Du Dich magst, lebe Dein Leben, Du hast nur das Eine und das kann kurz sein. Das ist mein Leben und so lebe ich mein Leben, im Gott vertrauen und das alles gut wird.

Das wünsche ich Dir auch,
liebe Grüße
der Abendschein


Vielen lieben Dank für deine Antwort.

Du hattest irgendwann deinen Tiefpunkt, wo vielleicht dein Leben oder deine Träume, Ziele am Ende zu sein schienen. Haben sich deine Träume nach dem Tiefpunkt geändert? Gibt es eine Frustration bei dir oder lebst du trotz deiner restlichen Ängsten voll?

31.05.2015 22:22 • #7


lost_in_berlin ,...ich bin Mensch und kein Roboter....Frustriert ist jeder einmal, das gehört glaube ich dazu. Ich lebe mein Leben und ich habe auch noch ein paar Ängste, aber nicht mehr so schlimm wie vor Jahren, das ich gleich in Panik verfallen bin und das sage ich heute, kann jeder Mensch selber steuern. Damals dachte ich das auch nicht, aber es geht. Liebe Grüße und eine gute nacht,
Abendschein

31.05.2015 22:33 • #8


Schlaflose
Zitat von lost_in_berlin:
ich frage mich, kann ich jemals ein anderer Mensch werden. So wie in meinen Träumen, wo ich auf der Straße tanze, singe, laut spreche, jemanden anlächele und tue was ich will (ist doch nicht verrückt, oder?).


Ich habe die Diagnose Soziale Phobie und ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung. Was ich in meiner letzten Therapie gelernt habe, ist, mich so zu akzeptieren wie ich bin. Ich will gar kein anderer Mensch werden. Seitdem geht es mir gut.
Auf der Straße tanzen, singen und laut sprechen tut doch sowieso niemand bzw. wer es tut, wird als bekloppt angesehen. Wills du das etwa?

01.06.2015 13:08 • #9


Zitat von Schlaflose:
Zitat von lost_in_berlin:
ich frage mich, kann ich jemals ein anderer Mensch werden. So wie in meinen Träumen, wo ich auf der Straße tanze, singe, laut spreche, jemanden anlächele und tue was ich will (ist doch nicht verrückt, oder?).


Ich habe die Diagnose Soziale Phobie und ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung. Was ich in meiner letzten Therapie gelernt habe, ist, mich so zu akzeptieren wie ich bin. Ich will gar kein anderer Mensch werden. Seitdem geht es mir gut.
Auf der Straße tanzen, singen und laut sprechen tut doch sowieso niemand bzw. wer es tut, wird als bekloppt angesehen. Wills du das etwa?


Du hast dich so akzeptiert wie du jetzt bist.

Heißt das, dass du einige Träume aufgegeben hast? dass deine Welt sich etwas verkleinert hat? dass du wegen deiner Phobie nie etwas machen wirst? und du trotzdem damit glücklich bist, weil du keine andere Wahl hast?

oder heißt das, dass du jetzt ohne Phobie lebst und das machst, was du immer wolltest? Wenn nicht, glaubst du, dass du das jemals machen kannst?

Ich persönlich finde es gar nicht bekloppt, wenn man auf der Straße machst, was er will, so lange es niemand stört. Auch wenn jemand so was bekloppt findet ist mir doch egal. Das ist aber die Theorie, in der Praxis bin ich sehr weit davon entfernt. Deswegen meine Fragen an mich, an euch. Wie es ist bei euch? Wie hat eure Angst euch verändert?

01.06.2015 16:23 • #10


Schlaflose
Ich hatte nie solche Träume wie du Deswegen habe ich nichts aufgegeben.
Mir hat es lange zu schaffen gemacht, dass ich nie eine Beziehung zu einem Mann hatte, aber nicht, weil ich es vermisste, sondern weil die Gesellschaft es von einem so erwartet. Also dass man heiratet und Kinder bekommt. Und ich fühlte mich deswegen unzulänglich, weil ich diesen Erwartungen nicht entsprechen konnte. Aber ich bin gerne alleinstehend, mache gerne alles allein und wollte nie körperliche Liebe. Mein Therapeut hat mich davon überzeugt, dass es meine freie Entscheidung ist, so zu leben wie ich will und ich mich nicht minderwertig zu fühlen brauche.
Meine Phobie hindert mich nicht daran, zu machen, was ich will. Ich will nämlich gar nicht machen, woran mich meine Phobie hindert. Ich finde es nicht erstrebenswert, Reden zu halten, vor Publikum aufzutreten, an Diskussionen teilzunehmen u.a. Ich habe andere Interessen und Dinge an denen ich Spaß habe.

01.06.2015 18:00 • #11


Zitat von Schlaflose:
Ich hatte nie solche Träume wie du Deswegen habe ich nichts aufgegeben.
Mir hat es lange zu schaffen gemacht, dass ich nie eine Beziehung zu einem Mann hatte, aber nicht, weil ich es vermisste, sondern weil die Gesellschaft es von einem so erwartet. Also dass man heiratet und Kinder bekommt. Und ich fühlte mich deswegen unzulänglich, weil ich diesen Erwartungen nicht entsprechen konnte. Aber ich bin gerne alleinstehend, mache gerne alles allein und wollte nie körperliche Liebe. Mein Therapeut hat mich davon überzeugt, dass es meine freie Entscheidung ist, so zu leben wie ich will und ich mich nicht minderwertig zu fühlen brauche.
Meine Phobie hindert mich nicht daran, zu machen, was ich will. Ich will nämlich gar nicht machen, woran mich meine Phobie hindert. Ich finde es nicht erstrebenswert, Reden zu halten, vor Publikum aufzutreten, an Diskussionen teilzunehmen u.a. Ich habe andere Interessen und Dinge an denen ich Spaß habe.


Das freut mich, dass du Spaß am Leben hast Es ist für mich auch ein Wunder. Aus deiner Erfahrung habe ich verstanden, dass deine Phobie immer noch da ist. Da gibt es leider kein Wunder, aber du hast damit auch keine Probleme im Leben

Wir sind aber alle anders. Ich kann noch nicht sagen, dass ich mit meiner Phobie glücklich leben könnte, auch wenn ich sie einigermaßen im Griff halten könnte. Der Gedanke, dass ich mich vielleicht nie frei fühlen werde, macht mich traurig. Vielleicht sollte ich mir lieber darüber nicht so viele Gedanken machen. Ich brauche aber jetzt im Leben neue Impulse, vielleicht auch neue Ziele. Um das zu machen, muss ich mein Potenzial kennen und da gibt es viel zu viele Zweifel. Ohne Ziele, ohne Perspektive selbstständig zu leben ist glaube ich nicht lange möglich. Ich lebe so schon lange genug

Ich muss ja nicht unbedingt auf der Straße tanzen, aber wenn ich wirklich will z.B. jemanden anlächeln, ruhig ins Gesicht schauen oder entspannt Reden, dann will ich das können. Darauf zu verzichten wäre schon ein erheblicher Verlust. Ja, natürlich kann man das erlernen. Für manche ist das schwieriger, aber möglich.

Ich glaube auch noch fest daran, dass man seine Phobie komplett verlernen kann und nicht nur ihre Symptome reduzieren. Dafür braucht man aber häufig eine Therapie, die sehr intensiv ist und viele Ressourcen sowohl menschliche als auch wirtschaftliche benötigt. Die sind leider selten verfügbar und ich glaube sehr viele Menschen leiden darunter und sehr viel Potenzial geht verloren.

So muss man sich einfach unter diesen Umständen leben, weil man zur Zeit keine Wahl hat. Auch traurig

Viele Grüße

01.06.2015 21:14 • #12



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