Hallo,
kennt hier vielleicht jemand den Zwiespalt, dass man die sozialen Ängste überwinden will, aber gleichzeitig auch daran festhalten möchte?

Für mich ist dies inzwischen zu einem seltsamen Problem geworden, wo ich noch keine rechte Lösung gefunden habe. Für mich spielen dabei gewissen primäre Krankheitsgewinne (persönliche Vorteile aus der Krankheit) eine Rolle, auf die ich aber erst einmal nicht weiter eingehen werde, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass dies von anderen Betroffenen nicht unbedingt verstanden wird. Mich interessiert zunächst nur, ob es hier überhaupt jemanden gibt, der damit Erfahrungen gesammelt hat.

13.06.2012 17:30 • 08.07.2012 #1


58 Antworten ↓


Hey Avalon

Nun in solch einem Zwiespalt war ich noch nicht, da ich weiter daran interessiert bin, meine Ängste abzubauen. Gerade kommt bei mir der Gedanke, welche Vorteile es denn bringen soll, daran festzuhalten? Selbst wenn man schon in einigen Bereichen seine Angst überwunden hat und es noch nicht überall geschafft hat, bedeutet es doch nicht, das man daran festhält, oder?

Liebe Grüße
Finja

13.06.2012 23:13 • #2


Naja, die Therapeuten sagen ganz klar, dass man als Angstler sehr wohl an seinen Ängsten festhält. Sich ihnen eben nicht stellt. Es gibt vielen Menschen sehr viel Mitleid zu bekommen und alles abgenommen zu bekommen. Nicht jedem ist es so bewusst wie der treadschreiberin hier, leider. Denn das ist der erste Schritt da raus. Aber Hilflosigkeit hat eben zwei Seiten.

16.06.2012 16:35 • #3


Huhu,
ja, ich kann dich sehr gut verstehen. Während meiner Behandlung kam dieses Thema auch hoch. Und es hatte sich herausgestellt, dass ich die Angst als Vorwand dazu benutze, nicht auf eigenen Beinen zu stehen und meinen eigenen Weg im Leben zu gehen. Ich bin 24. Also ich habe Angst davor, mein eigenes Leben zu starten (Verantwortung für sich selbst zu übernehmen usw.). Das ist so mein Gedanke dazu.

Liebe Grüße, Sumi

17.06.2012 12:15 • #4


ja mir geht es im moment genauso. das ist wirklich eine zwickmühle. ich will wieder selbstständig mein leben führen aber auf der anderen seite will ich dass sich jemand um mich "kümmert" und mir die arbeit quasi abnimmt.
@ sumi: du scheinst die phase ja überwunden zu haben. wie hast du das geschafft dich aus diesem zwiespalt zu befreien und wieder selbst verantwortung für dein leben zu übernehmen?

19.06.2012 10:04 • #5


HeikoEN
Den Schritt bewusst zu gehen bedeutet auch, ungeheuren Mut aufzubringen.

Denn das Alte, mit dem vielleicht auch Ängste verbunden sind, hinter sich zu lassen und dem Neuen aufgeschlossen gegenüberzutreten, setzt Mut und Willen voraus.

Denn kognitiv mit dem Geist versteht man ja die Zusammenhänge, aber die konkrete Umsetzung mit zulassen der aufkommenden NEUEN Gefühle, macht Angst und ist genau das, warum man sich nicht so recht trauen mag.

Dabei muss man sich klar machen, dass Gefühle NICHT negativ oder positiv sind. Kein Gefühl ist das. Gefühle sind nämlich IMMER richtig und echt und weder schlecht, noch gut. Denn Angst ist prinzipiell ein gutes Gefühl.

Aber wenn man vorher bedenkt, welch neues Fühlen auf der "anderen Seite" sozusagen auf einen wartet, ist meine Erfahrung, dass es leichter fällt, vom Alten endlich loszulassen und die neuen Gefühle zuzulassen.

Damit verbunden ist nämlich auch das, was Du so als "um mich kümmert" und "mir die Arbeit abnimmt" beschreibst.

Es wird, wenn Du das Neue zulässt, NICHT mehr das Gefühl sein, was Dich jetzt noch fühlen lässt: "niemand kümmert sich um mich und niemand nimmt mir meine Arbeit ab".

Im neuen Fühlen bzw. loslassen der alten Verhaltensmuster usw. wirst Du es nicht mehr so fühlen!

Du wirst es als ganz "normal" fühlen, so wie jeder andere Nichtbetroffene auch.

Verstanden was ich meine?

19.06.2012 10:21 • #6


ja ich verstehe schon was du meinst. aber das "loslassen" meiner abhängigkeiten führt bei mir immer wieder zu so großer angst und verwirrtheit, dass ich schnell wieder aufgebe.

neulich habe ich mit meiner therapeutin darüber gesprochen, dass ich gerne mal wieder ohne sorgen einfach nur mit paar freunden feiern gehen würde, mich aber dabei so große schwindelanfälle und angst überkommen, dass ich mich nicht mal traue es zu versuchen. immer wenn ich kurz davor bin es zu versuchen, hält mich meine angst zurück und ich kann mich kaum noch auf 2 beinen halten. ich kann nicht mal richtig beschreiben was genau ich in so einem moment dann fühle, aber da ich denke, dass das ein großer schritt richtung unabhängigkeit wäre, habe ich wohl angst davor für mich selbst verantwortlich zu sein.

ich hab da einen freund, der sich wirklich sehr gut um mich kümmert und mit mir kleinere dinge unternimmt. auch wenn ich mich bei ihm wohlfühle weiß ich, dass es so nicht weitergehen kann. meine therapeutin meint, dass ich von ihm erstmal unabhängiger werden muss, bevor ich mich wieder mit anderen freunden, von denen ich mich nicht abhängig machen kann, treffen kann. naja und das habe ich versucht.

konkrete situation: ich wollte diesen freund in seiner neuen wohnung besuchen und wir wollten zusammen fußball schauen. damit ich mich nicht selbst auf den weg zu ihm machen musste, bot er mir an mich abzuholen bzw zu mir zu kommen. mit dem gedanken meiner therapeutin im hinterkopf lehnte ich dankend ab und machte mich selbst auf den weg und abends wieder nach hause. ich merke in so einem moment wie toll das gefühl ist, nicht auf jemanden angewiesen zu sein, der mich abholt und wieder heimfährt, aber gleichzeitig ist da dann so eine leere. so "oh jetzt bin ich allein und muss schauen wo ich bleibe".

und dann bin ich in so einer zwischenphase gefangen. ich schlage die "pflegeangebote" meines freundes aus und suche nach alternativen. aber ich finde keine, die ich mir ohne diesen freund zutraue. und dann weiß ich nicht, zurück oder vorwärts und so lange ich in dieser phase stecke ist mir tagtäglich schwindelig sobald ich vor die tür meiner wohnung gehe. dann geht eh garnichts mehr. also wo ist dann der nächste schritt? ich will ja auch nicht raus aus einer abhängigkeit und rein in die nächste.

ich habe auch wieder angefangen alleine einkaufen zu gehen und einfach alltägliche dinge alleine zu erledigen. aber das schlimmste sind die freundschaften, auf die ich außer übers internet oder telefon kaum eingehen kann.

wie wird man denn tatsächlich wieder unabhängig? hast du da vllt einige konkretere beispiele, vielleicht aus deiner eigenen erfahrung?

19.06.2012 13:50 • #7


wenn ich mir so vorstelle einfach mal wieder mit dem zug allein oder mit ner freundin in die nächst größere stadt zum shoppen zu fahren, sehe ich unabhängigkeit durchaus als etwas positives.

nur diese kleinen unabhängigkeiten, die ich mir im moment schaffe, haben für mich nichts positives. mir ist schwindelig und ich fühle mich einfach nur allein.

also um unabhängig zu werden muss ich das doch auch wieder als etwas positives empfinden. und ich find keinen weg wie ich das hinbekomme.

19.06.2012 14:11 • #8


HeikoEN
Zitat von angstschneewittchen:
ja ich verstehe schon was du meinst. aber das "loslassen" meiner abhängigkeiten führt bei mir immer wieder zu so großer angst und verwirrtheit, dass ich schnell wieder aufgebe.

Dann bist Du einfach noch nicht so weit. Verstehe dass das ein Weg ist, den Du gehst und es gibt NICHT die Therapie, die Pille oder den Tipp, damit alles wieder gut ist.

Zitat von angstschneewittchen:
neulich habe ich mit meiner therapeutin darüber gesprochen, dass ich gerne mal wieder ohne sorgen einfach nur mit paar freunden feiern gehen würde, mich aber dabei so große schwindelanfälle und angst überkommen, dass ich mich nicht mal traue es zu versuchen. immer wenn ich kurz davor bin es zu versuchen, hält mich meine angst zurück und ich kann mich kaum noch auf 2 beinen halten.

Den Fehler sollte man nicht machen, sich überfordern.

Denn es kostet einfach nur Zeit und Energie, die woanders besser aufgehoben wäre.

Deine Seele zeigt Dir ja durch Schwindel und Angst, dass Du das NICHT machen sollst, sondern ENDLICH dich um das Problem kümmern sollst, anstatt Feiern gehen.

Zitat von angstschneewittchen:
ich kann nicht mal richtig beschreiben was genau ich in so einem moment dann fühle, aber da ich denke, dass das ein großer schritt richtung unabhängigkeit wäre, habe ich wohl angst davor für mich selbst verantwortlich zu sein.

Naja klar kannst Du versuchen, Augen zu und durch zu machen. Aber ich beweifel, dass das etwas bringt. An kognitiver Erkenntnis vielleicht, weil Du danach weisst, dass Du immer noch lebst und nicht gestorben bist an Dutzenden von Ängsten, aber das ist ja nicht gefühlt, von daher...

Zitat von angstschneewittchen:
ich hab da einen freund, der sich wirklich sehr gut um mich kümmert und mit mir kleinere dinge unternimmt. auch wenn ich mich bei ihm wohlfühle weiß ich, dass es so nicht weitergehen kann. meine therapeutin meint, dass ich von ihm erstmal unabhängiger werden muss, bevor ich mich wieder mit anderen freunden, von denen ich mich nicht abhängig machen kann, treffen kann. naja und das habe ich versucht.

Ich will und möchte Dir nicht in die Therapie hineinreden, von daher ist das sicherlich ein gutes Ziel "unabhängig" zu werden, wenn es denn überhaupt so ist, dass Du abhängig bist.

Zitat von angstschneewittchen:
konkrete situation: ich wollte diesen freund in seiner neuen wohnung besuchen und wir wollten zusammen fußball schauen. damit ich mich nicht selbst auf den weg zu ihm machen musste, bot er mir an mich abzuholen bzw zu mir zu kommen. mit dem gedanken meiner therapeutin im hinterkopf lehnte ich dankend ab und machte mich selbst auf den weg und abends wieder nach hause. ich merke in so einem moment wie toll das gefühl ist, nicht auf jemanden angewiesen zu sein, der mich abholt und wieder heimfährt, aber gleichzeitig ist da dann so eine leere. so "oh jetzt bin ich allein und muss schauen wo ich bleibe".

Na, dann begrüsse doch genau dieses Gefühl, welches Dir zeigen möchte, dass Du endlich Mut aufbringen sollst es zu tun.

Nur in der Annahme dieses Gefühls, liegt die Veränderung, die Du so sehr herbeiführen möchtest.

Zitat von angstschneewittchen:
und dann bin ich in so einer zwischenphase gefangen. ich schlage die "pflegeangebote" meines freundes aus und suche nach alternativen. aber ich finde keine, die ich mir ohne diesen freund zutraue. und dann weiß ich nicht, zurück oder vorwärts und so lange ich in dieser phase stecke ist mir tagtäglich schwindelig sobald ich vor die tür meiner wohnung gehe. dann geht eh garnichts mehr. also wo ist dann der nächste schritt? ich will ja auch nicht raus aus einer abhängigkeit und rein in die nächste.

Völlig klar, aber dann brauchst Du vielleicht ein paar Zwischenschritte.

Das Tempo bestimmst alleine Du, genauso wie das Ziel.

Und wenn das Ziel ersteinmal heisst, nur vor die Tür treten zu können alleine und ein paar Meter zu laufen in der Umwelt. Einfach um Dir gefühlt klar zu machen, alleine auf Dich gestellt zu sein, ohne fremde Hilfe oder Beobachtung und wirklich zu spüren, dass das klappt! Geanu dieser "Glaube" hat Dich offenbar verlassen.

Zitat von angstschneewittchen:
ich habe auch wieder angefangen alleine einkaufen zu gehen und einfach alltägliche dinge alleine zu erledigen. aber das schlimmste sind die freundschaften, auf die ich außer übers internet oder telefon kaum eingehen kann.

Ich gebe Dir den Tipp, nicht zu viel in zu kurzer Zeit zu verlangen. So ein Nervensystem (das ist da, wo die Gefühle herkommen), braucht Zeit für Veränderungen! Und die Überflutung mit Gefühlen, in solchen Momenten wie "Feiern gehen mit Freunden" und die Angst, die wie ein Hammerschlag hochkommt, bringt es nicht, weil das Nervensystem es nicht verarbeiten, geschweige denn, einen Nutzen daraus ziehen kann.

Zitat von angstschneewittchen:
wie wird man denn tatsächlich wieder unabhängig? hast du da vllt einige konkretere beispiele, vielleicht aus deiner eigenen erfahrung?

Wie schon oben gesagt, es gibt NICHT den Tipp oder die Strategie.

Viele Betroffene, was man auch hier im Forum liest, möchten gerne ein Pille schlucken und alles ist wieder gut. So wie bei Kopfschmerzen. Und wenn 20mg Wirkstoff nicht reichen, dann halt 40 oder 60 oder einfach das nächste Medikament.

So einfach ist das aber nicht mit der Psyche. Denn die Psyche hat schon Jahre vorher Alarm geschlagen, aber da war man ggf. noch stark genug, alles wegdrücken zu können an "schlechten" Gefühlen. Die Seele möchte mit dem Problem, nennen wir es mal Angst, etwas zeigen.

Drückt man weg und weigert man sich, es NICHT sehen zu wollen, passiert was?

Genau!

Die Psyche wird noch stärkere Symptome erzeugen...

Und wenn Du so willst, sind deine Probleme, nämlich die Gefühle, die hochkommen, wenn Du alleine losläufst, genau die Symptome, die die Psyche erzeugt, um dich darauf hinzuweisen.

Einen Tipp, der bei Dir also klappt, kann dir NIEMAND geben. Selbst ein Psychotherapeut nicht. Das wäre zu einfach und warum würdest Du dann immer noch dort sitzen bei Deiner Therapeutin?

Der Schlüssel zum Erfolg bist nur Du selber. Denn nur Du selber hast und kennst deine Gefühle.

19.06.2012 14:40 • #9


HeikoEN
Zitat von angstschneewittchen:
wenn ich mir so vorstelle einfach mal wieder mit dem zug allein oder mit ner freundin in die nächst größere stadt zum shoppen zu fahren, sehe ich unabhängigkeit durchaus als etwas positives.

nur diese kleinen unabhängigkeiten, die ich mir im moment schaffe, haben für mich nichts positives. mir ist schwindelig und ich fühle mich einfach nur allein.

also um unabhängig zu werden muss ich das doch auch wieder als etwas positives empfinden. und ich find keinen weg wie ich das hinbekomme.


Du bist zu sehr im "hier und jetzt", denn die vielen von Dir beschrieben Situationen sind ja beliebig austauschbar. Die Angst aber ist exakt immer die Selbe.

Denn was ist denn "Unabhängigkeit" für Dich?

Und was steckt ggf. dahinter?

Wenn es Angst ist, stelle Dir mal die Frage(n), warum ist die Angst da? Vielleicht kannst Du sogar sagen, wovor Du Angst hast?

Und nein, es geht jetzt nicht darum, dass Du sagst: "Ich habe Angst davor umzukippen".

DAS meine ich nicht damit.

Denn dahinter steckt etwas anderes, was genau in Deinem Fall?

Und was hindert Dich daran, etwas als positiv aufzufassen, aufzunehmen? Was ist positiv für Dich?

19.06.2012 14:48 • #10


ich muss mich mal wirklich bei dir bedanken. es ist wirklich sehr hilfreich auf ein "offenes ohr" zu treffen. also vielen dank!

das ding ist, dass ich aus diesem angstkreislauf schon mal draußen war und es mir wirklich ein jahr lang gut ging. ich glaube ich habe wirklich ein problem damit, dass ich da jetzt schon wieder so schnell reingeraten bin und daher der wunsch, dass es klick macht und es mir wieder gut geht.

das schlimme ist garnicht, dass ich jetzt nicht sofort auf die nächste party gehen kann, sondern, dass ich das baldmöglichst wieder will und einfach keinen weg finde, wie ich dahinkomm. klar geht das nicht von heute auf morgen, aber ich hänge da jetzt schon wieder seit ende letzten jahres drinnen und ich will einfach alles dafür tun, dass es wieder besser wird. und damit mein ich nicht, dass es mir morgen wieder gut geht. sondern dass sich überhaupt mal wieder irgendwas bergauf tut.

aber alles was ich bis jetzt probiert habe, ging nach hinten los. und ich denke nicht unbedingt, dass ich die falschen dinge tue, sondern, dass ich noch nicht so richtig weiß was hinter meiner jetzigen angst steckt und das bringt mich zum verzweifeln. ich denke, dass ich viele meiner gefühle falsch interpretiere obwohl ich versuche mich jeden tag damit auseinanderzusetzen. sogar für mich selbst bin ich ein verschlossenes buch, obwohl ich mich doch öffnen will. ich weiß nicht was mein unterbewusstsein vor mir versteckt, aber ich will doch alles dran setzen es rauszubekommen. nur daran arbeite ich jetzt schon wieder 8 monate und ich komm nicht weiter. ich versteh mich einfach nicht.

19.06.2012 19:13 • #11


unabhängigkeit bedeutet für mich, dass man sein leben leben kann und einfach tun kann was man will ohne dabei auf andere in der form abhängig zu sein wie ich es bin.

wenn ich zur uni gehen will, geh ich hin, auch wenn keiner da ist, der mich hinfahren oder sich mit mir reinsetzen kann. ich will den bus nehmen können, das fahrrad, was auch immer. hauptsache ich muss nicht nach jemandem suchen, der zet hat mich hinzufahren.
oder ich will freunde besuchen, die weiter weg wohnen und sie nicht dauernd bitten doch lieber zu mir zu kommen.

wenn ich mich so spontan frage warum ich nichts als positiv empfinden kann, würde ich sagen wegen der angst. auch wenn hinter der angst was anderes steckt. jede kleinigkeit auf die ich mich immer gefreut hab, seh ich jetzt nur noch in verbindung mit angstgedanken. ich empfinde für nichts was ich gerne mache freude, sondern habe im vornherein angst davor. und wenn ich dann doch irgendetwas mal durchziehe, ist das am anfang extrem schwer. und das nächste mal das gleiche problem. also wenn ich etwas tue, was ich gerne mache, freue ich mich immer erst im nachhinein darüber, dass ich es getan hab.
und eigentlich kenne ich das so, dass die angst dann nach und nach abnimmt, wenn ich mich immer wieder in die situation begebe. aber wie schon gesagt, ich habe wohl noch nicht raus was wirklich hinter meiner angst steckt. da war ich wohl das letzte mal ein stück weiter.
jetzt ist es mal besser mal schlechter, mal gehts garnicht. das ist nicht unbedingt ein ansporn weiterzumachen. daher sehe ich alles immer nur so negativ.

19.06.2012 19:26 • #12


Zitat von sumi:
ja, ich kann dich sehr gut verstehen. Während meiner Behandlung kam dieses Thema auch hoch. Und es hatte sich herausgestellt, dass ich die Angst als Vorwand dazu benutze, nicht auf eigenen Beinen zu stehen und meinen eigenen Weg im Leben zu gehen. Ich bin 24. Also ich habe Angst davor, mein eigenes Leben zu starten (Verantwortung für sich selbst zu übernehmen usw.).

Mein Leben wieder aufbauen zu müssen und auf eigenen Beinen zu stehen, dass ist ein Teilgrund, der mich an der sozialen Angst festhalten lässt.
Ich bin schon 39 Jahre alt und bin weit davon entfernt auf eigenen Beinen zu stehen. Durch meine schlimmen sozialen Ängste und Depressionen wurde mein Leben leider extrem ruiniert, so dass ich vor dem Problem stehe ein ganzes Leben wieder aufbauen zu müssen.
Dabei habe ich auch leider gar keine Ahnung, was ich überhaupt noch von so einem Leben erwarten soll und kann. So etwas wie Lebensträume, Ziele oder Erwartungen habe ich schon vor Jahren loslassen müssen, weil die Unerreichbarkeit mich unerträglich depressiv gemacht hat.
Ich bin beispielsweise schon viele Jahre arbeitslos, ohne je arbeitslos gemeldet usw. gewesen zu sein. Einfach zur ARGE zu gehen, um mich beraten zu lassen, fällt mir extrem schwer und ich schiebe es ständig vor mir her, weil ich mich vor dem fürchte, was dann auf mich zu kommen könnte - besonders davor, dass dabei ein Job raus kommen könnte, unter dem ich wieder so wie damals leiden könnte.

Ein anderes Teilproblem ist dabei aber nicht die Unabhängigkeit, sondern viel mehr die Abhängigkeit von anderen Menschen. In meinem Leben war ich eigentlich immer mehr oder weniger allein, so etwas wie Freunde habe ich schon seit über 12 Jahren nicht mehr und eine Beziehung hatte ich noch nie. Dies Ängste zu verlieren würde bedeuten auch dieses Alleinsein zu reduzieren und wieder andere Menschen in mein Leben zu lassen. Ich wünsche mir zwar Freunde und besonders eine Beziehung, aber wirklich vorstellen kann ich dies für mich längs nicht mehr. Besonders schwer zu lösen ist dabei, dass ich niemandem von meinem Leben erzählen kann ohne als Psycho abgestempelt zu werden. Außerdem ist es leider auch so, dass mit neuen sozialen Kontakten auch wieder die Abhängigkeit zu diesen Kontakten wächst. Freunde und Beziehungen sind etwas schönes, aber eben auch etwas verpflichtendes und bringen dann noch einen Rattenschwanz an Problemen und Enttäuschungen mit sich.

Diese Ängste nehmen einem viele Entscheidungen im Leben ab, weil man meist ganz einfach darauf verzichtet und Problemen aus dem Weg geht, besonders weil man dann der Angst dafür die Schuld geben kann. Es ist leichter zu ertragen, wenn man seiner Angst beispielsweise die eigene Beziehungslosigkeit zuschieben kann, als wenn man sich eingestehen muss, dass man sich nicht genug Mühe gegeben hat oder dass man einfach vom Typ usw. her unattraktiv ist.

Dazu kommt noch, der wohl wichtigste Grund, dass ich wegen meinen Ängsten keinen wirklichen Leidendsdruck mehr verspüre. Durch viele Jahre Selbsttherapie konnte ich meine Depressionen überwinden und meine sozialen Ängste deutlich reduzieren und habe gelernt sie völlig zu akzeptieren und gelassen mit ihnen umzugehen. Ich kann mir sogar mein Leben verzeihen und ich kann sogar damit umgehen, wenn andere mich kritisieren oder ablehnen. Ich bin nicht mehr depressiv und mein Selbstwert ist aus mir selbst heraus wieder aufgebaut. Oft wundere ich mich inzwischen sogar selbst, wie sehr meine Ängste schon zurück gegangen sind und wie offen ich mit anderen Menschen inzwischen umgehen kann. Mir geht es psychisch so gut, wie seit ewiger Zeit nicht mehr.
Seltsamerweise entsteht genau daraus das Gefühl, dass ich an einem Punkt stehe, wo ein weitergehen die Ruhe in meinem leben zerstören würde, wobei es keinen Grund zur Annahme gibt ,dass es dann wirklich besser wird. Ich bin schon lange nicht mehr so naiv, um zu glauben, dass ein Leben ohne diese Ängste automatisch besser und erfüllter wäre - besonders weil ein Leben völlig ohne soziale Ängste eh unrealistisch ist.

Am aller schwersten von allen möglichen Gründen, um an der Angst fest zu halten, ist für mich die Angst, dass sie wieder so zurückkehren könnte, wie sie in meiner Vergangenheit gewesen ist. Ich könnte es nicht noch einmal ertragen, wieder ähnliche Ängste, Selbstzweifel und vor allem Depressionen durchzumachen.

19.06.2012 21:08 • #13


Zitat von Avalon:
Am aller schwersten von allen möglichen Gründen, um an der Angst fest zu halten, ist für mich die Angst, dass sie wieder so zurückkehren könnte, wie sie in meiner Vergangenheit gewesen ist. Ich könnte es nicht noch einmal ertragen, wieder ähnliche Ängste, Selbstzweifel und vor allem Depressionen durchzumachen.


hey ich hab nicht viel zeit, aber muss dazu was sagen.
warum denkst du, dass wenn du tatsächlich versuchst deine ängste weiter zu überwinden und das auch schaffst, dass du dann bald wieder so tief abrutschst?

wer nicht wagt, der nicht gewinnt. das ist zwar ein ausgelutschtes sprichwort, aber trifft doch in deinem und ich denke in vielen anderen fällen voll zu. stell dir doch mal vor was du alles gewinnen könntest. lohnt es sich für dich wirklich nicht dafür zu kämpfen?

ich bin da sicher kein profi und hellsehen kann ich leider auch nicht, aber wenn du dir dein leben richtig aufbaust, denke ich, dass es nicht so leicht möglich ist wieder abzustürzen. kann dir da auch gern einige erfahrungen aus meiner therapie bzw aus meinem leben nennen wenn du lust hast. nur muss ich jetzt leider los. wenn du interesse hast, sag bescheid!

20.06.2012 20:51 • #14


Huhu ,

@ sumi: du scheinst die phase ja überwunden zu haben. wie hast du das geschafft dich aus diesem zwiespalt zu befreien und wieder selbst verantwortung für dein leben zu übernehmen?[/quote]

@angstschneewittchen

Naja, was heisst überwunden, ich würde eher sagen, ich stecke mittendrin . Leider muss ich sagen, dass man keine Wunder erwarten darf. Man kann die Angst vor dem selbstständigen Leben nur überwinden, wenn man anfängt durch die Angst hindurch und mit all den Angstsymptomen, die man so hat, das Problem beim Schopf zu packen. Es ist echt schwer, aber es gibt leider keinen anderen Weg. Allerdings habe ich so gemerkt, wenn man sich verkriecht und sich hinter der Angst versteckt, wird nichts besser, sondern oft sogar eher schlimmer. Ich meine, man denkt sich so, ach ja, ich bleibe lieber wo ich bin, treffe keine Entscheidungen, lebe z.b. bei den Eltern, da ist es so gemütlich, und alles ist gut wie es ist. Nee, nichts ist gut wie es ist. Es ist durchaus gesünder eigene Entscheidungen zu treffen und nicht das Leben für sich entscheiden zu lassen.

@Avalon

Also bei deinem letzten Satz möchte ich gerne ansetzen. Mir wurde beigebracht so mit dieser Angst umzugehen: Du hast es schon einmal geschafft, dich aus diesem Sumpf zu ziehen, so brauchst du keine Angst zu haben. Es ist normal bei Schicksalschlägen oder schweren Lebenssituationen sich depressiv oder ängstlich zu fühlen, manchmal kommen auch die alten Gefühle zurück, vor diesen brauchst du aber keine Angst zu haben. Diese sind normal und sie gehen wieder weg. Also man soll mit viel Mitgefühl und Selbstakzeptanz arbeiten. Ich denke auch manchmal so mit diesem, "was ist wenn...." . Ist aber komplett kontraproduktiv, man soll sich eher daran erinnern, was man bisher alles geschafft und geleistet hat!!

Zu den sozialen Problemen: Das kenne ich auch, da muss man aber sehr tief ansetzen. Was so Enttäuschungen und solche Dinge angeht. Ich war früher auch immer so viel enttäuscht von Anderen und Freunden und Menschen allgemein *g* . Das hat alles mit unseren, leider zum Teil SEHR hohen und ungesunden Erwartungen zu tun. Mir wurde knallhart ins Gesicht gesagt , ich erwarte EXTREM viel von Anderen und bin deshalb ständig enttäuscht und möchte dann so wie du, am liebsten gar nichts mehr Menschen zu tun haben. So wurde mir mitgeteilt, ich solle die Erwartungen , was das Leben UND insbesondere die Menschen angeht, SEHR stark senken. Am besten gar nichts mehr erwarten und neutral sein. Jaa, die Therapie ist echt extrem. Schockiert einen so... . Also mich... . Ja, das dazu. Und wo ich so darüber nachgedacht habe, musste ich leider zustimmen. Es ist so. Bei der sozialen Angst muss man sehr vielen Dinge von Neuem erlernen. Seine Erwartungen, seine Grundhaltungen, seine Einstellungen... . Das Umlernen ist schwer und braucht Übung. Aber seitdem ich meine Erwartungen GANZ kritisch hinterfrage, ist es tatsächlich VIEL besser geworden. Und ja das Leben ist stressig und so ungerecht, aber es gibt auch schöne Sachen, die man nicht übersehen darf und vorallem auch schätzen lernen sollte.

Viele Grüße, Sumi

20.06.2012 21:41 • #15


Zitat von angstschneewittchen:
warum denkst du, dass wenn du tatsächlich versuchst deine ängste weiter zu überwinden und das auch schaffst, dass du dann bald wieder so tief abrutschst?

Woher soll ich wissen, dass es nicht so ist?
Die Angst zu überwinden und etwas zu schaffen bedeutet nach meiner Erfahrung nicht viel, weil die eigentliche Prüfung eher erst in der Krise steckt, dann wenn alles schief läuft und/ oder man sich wieder unsicher ist.
Ein kleines Beispiel:
Wenn ich also weitergehe und meine Ängste überwinde und es sogar schaffe meine Beziehungslosigkeit zu überwinden, dann wäre dies für mich ein enormer Erfolg und würde mir viel Selbstvertrauen geben. Aber wirklich entscheiden würde es sich erst, wenn sich diese Partnerin unerwartet von mir trennen würde. Dann wieder alleine zu sein, Selbstzweifel usw. können dann durchaus wieder die Ängste wecken und wieder in eine Depression führen.
Zitat von angstschneewittchen:
wer nicht wagt, der nicht gewinnt. das ist zwar ein ausgelutschtes sprichwort, aber trifft doch in deinem und ich denke in vielen anderen fällen voll zu. stell dir doch mal vor was du alles gewinnen könntest. lohnt es sich für dich wirklich nicht dafür zu kämpfen?

Wer nicht wagt, der kann aber eben auch nicht verlieren.
Ich stelle mir durchaus vor, was ich alles erreichen könnte und wie viel gutes und schönes sich mir dadurch eröffnen könnte. Dies steht aber leider im krassen Gegensatz zu meiner Erfahrung, dass dazu eben auch das Scheitern und die Enttäuschung gehört - auf die ich leider psychisch deutlich stärker reagiere.

Zitat von angstschneewittchen:
lohnt es sich für dich wirklich nicht dafür zu kämpfen?

Kämpfen, ich mag dieses Wort im Zusammenhang mit meinen Ängsten nicht mehr, weil ich schon vor langer Zeit gelernt habe nicht mehr gegen meine Ängste und damit gegen mich selbst zu kämpfen.

Zitat von angstschneewittchen:
ich bin da sicher kein profi und hellsehen kann ich leider auch nicht, aber wenn du dir dein leben richtig aufbaust, denke ich, dass es nicht so leicht möglich ist wieder abzustürzen. kann dir da auch gern einige erfahrungen aus meiner therapie bzw aus meinem leben nennen wenn du lust hast. nur muss ich jetzt leider los. wenn du interesse hast, sag bescheid!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sein Leben so richtig aufbauen kann.
Mich würde daher schon sehr deine diesbezüglichen Erfahrungen interessieren.

21.06.2012 07:21 • #16


HeikoEN
Zitat von Avalon:
Aber wirklich entscheiden würde es sich erst, wenn sich diese Partnerin unerwartet von mir trennen würde. Dann wieder alleine zu sein, Selbstzweifel usw. können dann durchaus wieder die Ängste wecken und wieder in eine Depression führen.

Sehe ich nicht ganz so.

Denn natürlich ist eine plötzliche Trennung im ersten Moment eine psychische Ausnahmesituation.

Aber ob es wirklich zu einer solchen dauerhaft wird, entscheidet die eigene Resilienz, also die Fähigkeit, solche unvorhergesehenen Schicksalschläge (wenn man eine Trennung dazu zählen möchte) zu verarbeiten. Und diese Resilienz ist es, die man beeinflussen kann und die z.B. durch eine neue Partnerschaft größer wird, d.h., Du bist stabiler und kannst besser mit äußeren Einflüssen umgehen, sie sogar abwehren ohne in ein psychisches Problem zu fallen.

Deine Ausführungen gehen so in die Richtung, lieber nichts wagen, dann kann ich auch nichts verlieren.

Das ist es aber, was Dich behindert, denn wie schon Miles Davis sagte: "Habe keine Angst davor, Fehler zu machen, denn es gibt keine."

Unsere Angst vor Zurückweisung und Bewertung, vor aufkommenden "schlechten Gefühlen" hält uns oft davor ab, etwas zu riskieren, etwas auszuprobieren, weil der erhoffte Erfolg nicht garantiert ist.

Wer sich aber weiterentwickeln will, muss akzeptieren, dass er schlechte Erfahrungen machen kann.

Dieser Prozess muss aber verstanden werden als Fortkommen in der eigenen Entwicklung.

Schlechte Erfahrungen ist notwendiger Bestandteil jeder Entwicklung, ohne die keine neuen Sichtweisen auf Dinge gewonnen werden können, da die Eigenen sonst perfekt und ein Ziel erreicht wäre, was bei Dir so klingt!

Wenn dem aber so wäre, dann frage ich Dich, was machst Du hier?

D.h., es ist ja doch ein Wunsch bei Dir da, etwas zu verändern, nur Du bist dir nicht über die Methode und den Weg klar.

Diesen können WIR hier aber, Dir nicht zeigen, weil Du den selber gehen musst! Nur Du kannst auch entscheiden ob dieser Weg der richtige Weg ist.

Den Mut musst dafür zu laufen, musst Du allerdings selber aufbringen.

21.06.2012 08:47 • #17


Zitat von HeikoEN:
Unsere Angst vor Zurückweisung und Bewertung, vor aufkommenden "schlechten Gefühlen" hält uns oft davor ab, etwas zu riskieren, etwas auszuprobieren, weil der erhoffte Erfolg nicht garantiert ist.

Wer sich aber weiterentwickeln will, muss akzeptieren, dass er schlechte Erfahrungen machen kann.

Dieser Prozess muss aber verstanden werden als Fortkommen in der eigenen Entwicklung.

Schlechte Erfahrungen ist notwendiger Bestandteil jeder Entwicklung, ohne die keine neuen Sichtweisen auf Dinge gewonnen werden können, da die Eigenen sonst perfekt und ein Ziel erreicht wäre, was bei Dir so klingt!

Wenn dem aber so wäre, dann frage ich Dich, was machst Du hier?

Ich weiß nicht, was ich hier wirklich suche, es ist wohl einfach, dass ich diese schlechten Erfahrungen als Teil meiner Entwicklung einfach Leid bin, und nach anderen Betroffenen suche, die ähnliches durchmachen oder bereits hinter sich haben.
Ich denke, ich muss mir einfach mehr Zeit lassen und weiterhin immer wieder einen Versuch wagen, ohne dabei höhere Erwartungen usw. damit zu verknüpfen.

Danke für die Antworten

21.06.2012 11:52 • #18


@ sumi

bei mir ist es nicht so, dass ich mich direkt hinter meiner angst verstecke, ich mach das wohl eher unbewusst. ich steh eben genau vor der schwierigkeit mir das bewusst zu machen, bevor ich weiß welchen weg ich gehen muss. ich habe das gefühl, dass ich erst mal rausfinden muss was sich hinter meiner angst verbirgt. und das bringt mich im moment etwas zum verzweifeln.
und das mit den überzogenen erwartungen an meine umwelt hab ich auch schonmal gehört

@ avalon

Zitat:
Die Angst zu überwinden und etwas zu schaffen bedeutet nach meiner Erfahrung nicht viel, weil die eigentliche Prüfung eher erst in der Krise steckt, dann wenn alles schief läuft und/ oder man sich wieder unsicher ist.


wenn ich da konkret auf dein beispiel eingehe, sagst du ja selbst, wenn du es schaffen würdest eine beziehung zu führen, wäre das für dich ein großer erfolg und es würde dir enormes selbstbewusstsein geben. aber du musst ja bedenken, dass dem eine ganze reihe an erfolgen vorausgehen würde. Z.b. müsstest du rausgehen, dich gegenüber einer frau öffnen, vertrauen lernen, interesse wecken und wahrscheinlich wird auch nicht die erste frau, die dir über den weg läuft, die richtige sein. das alles sind doch schonmal kleine teilerfolge uaf dem weg in die zweisamkeit. und mit der zeit werden aus diesen erfolgen ein ganzes netz. denn wenn du erstmal rausgehen und frauen kennenlernen kannst, kannst du ja auch andere menschen kennenlernen und dadurch freunde finden oder dir ein tolles hobby suchen. da du wahrscheinlich nicht sofort deine Mrs right triffst, wirst du auch lernen mit absagen, ablehnung umzugehen oder dich sogar selbst zurückzuziehen wenn die chemie nicht stimmt. eine passende partnerin lässt sich eben nicht herzaubern, du musst sie suchen und bei dieser suche wirst du sicherlich auch andere tolle dinge finden. du rollst eben dein komplettes leben neu auf. und wenn du dann eine partnerin gefunden hast, lernst du sicherlich freunde/familie von ihr kennen, findest vielleicht da zuspruch, dort einen gewissen halt oder ihr unternehmt verschieden dinge zusammen und plötzlich fällt dir auf "meine güte ich liebe es ins kino zu gehen oder zu bowlen" o.ä. so und wenn du dir genau solche netze dann gespannt hast, kann dir auch eine trennung von dieser partnerin nicht mehr so viel anhaben. du bist ja dann nicht alleine. du hast trotzdem fortschritte gemacht, trotzdem an selbstbewusstsein gewonnen und vielleicht ist ja ihr bruder nun dein bester freund und du kannst mit dem halt dann in zukunft bowlen gehen oder dinge mit anderen menschen unternehmen, die du auf deinem weg kennengelernt hast.
ich hoffe ich hab jetzt nicht zu sehr um den heißen brei rumgeredet und du verstehst was ich dir damit sagen will

und da wären wir auch gleich beim nächsten punkt. das ist nämlich genau das was ich meine mit "sein leben richtig aufbauen". es ist falsch mit scheuklappen vor die tür zu gehen und stur nach der einen zu suchen, nur weil du eine beziehung willst. erstens wird es wohl schwierig sein einen menschen dauerhaft zu halten und auch zu lieben, der einen mehr oder weniger pflegen muss und der immer mit anschauen muss wie man in selbstmitleid badet und sich nicht weiterentwickelt (so viel mal aus meiner persönlichen erfahrung). und zweitens willst du ja für eine partnerin interessant sein und für deine persönlichkeit geliebt werden und nicht dass jemand nur aus mitleid mit dir zusammen ist oder?
dir muss halt klar sein, dass du, selbst wenn du jetzt eine beziehung hättest, das nicht das einzige ist, was dich aus den klauen der angst befreit. wenn du dir jetzt denkst, ach hätte ich ne freundin und dann könnt ich wieder das und das und so vieles wäre einfacher und so weiter, dann würdest du dich nur in eine abhängigkeit begeben und hoffen "gerettet" zu werden (auch aus eigener erfahrung). dann ist die beziehung wohl schneller vorbei als du denkst und du hättest nichts dazu gewonnen und würdest wahrscheinlich nicht weiter sein als vorher.
wenn du aber einfach offen für neues bist und auf dem weg in eine beziehung auch die augen für anderes offen hälst, gewinnst du viel mehr als eine neue partnerin und das kann sie dir auch nicht wieder wegnehmen, falls sie dich verlassen sollte. verstehst du was ich meine?

klar, je mehr du wagst, desto mehr enttäuschungen kannst du dir auch einfangen, aber ich denke, dass der gewinn im allgemeinen doch deutlich höher ausfällt. mit enttäuschungen muss man eben umgehen lernen, sie gehören zum leben dazu. allerdings können sie auch als etwas positives gesehen werden, denn nicht jede enttäuschung muss dich zwangsweise umwerfen, es könnte genauso gut sein, dass sie dich stärker machen und du aus ihnen lernst! genauso ist es mit fehlern, die du begehst!

zu dem wort kämpfen: ich habe auch die erfahrung gemacht, wie schwer es ist gegen die ängste zu kämpfen. das funktioniert auch nur bedingt, für mich zumindest, da sie ja ein teil von dir sind. aber auf der anderen seite hast du interessen, wünsche, bedürfnisse, die dir allesamt auch zustehen! DAFÜR solltest du kämpfen! es lohnt sich meist mehr für etwas zu kämpfen als gegen etwas! und so wird das wort kämpfen zu etwas positivem! das hat mir bspw. immer kraft und ansporn gegeben, denn gegen einen gegner zu kämpfen, der mich eigentlich komplett beherrscht, hört sich viel aussichtsloser an, als für etwas zu kämpfen was ich liebe!

sorry für den langen text

21.06.2012 16:25 • #19


ach und nochwas zu meiner persönlichen erfahrung:
ich hatte 2009/2010 eine wirklich schlimme zeit. hatte panikattacken ohne ende, konnte tagelang nichts essen, konnte nicht allein sein und war extrem depressiv und da habe ich mich mithilfe einer therapie rausgekämpft. ich bin bei meinen eltern ausgezogen, habe angefangen zu studieren und auch viele neue freunde gefunden. allerdings hab ich mich an einem bestimmten punkt ausgeruht. ich war feiern, hatte gute noten und habe es genossen einfach mal angstfrei zu sein. dabei war ich z.b. immernoch ortsgebunden und habe mein selbstbewusstsein hauptsächlich auf meinen guten leistungen in der uni und auf der anerkennung von 1,2 freunden ausgemacht. ich habe nicht weitergemacht, als ich dazu fähig war und mich weiterentfaltet um z.b. meinem wunsch nach einem auslandssemester nachgehen zu können. ich war so froh wieder alltägliche dinge genießen zu können, dass ich einfach die größeren wünsche und bedürfnisse unterdrückt habe und jetzt habe ich den salat. meine freunde bereiten sich auf ihr auslandssemester vor, meine 1,2 freunde von denen ich mich sehr abhängig gemacht habe, haben das interesse an mir verloren, meine letzten prüfungen sind richtig bescheiden gelaufen und die angst hat mich wieder eingeholt. ich schäme mich dafür, allerdings ist es nicht so schlimm wie vorher. einige dinge habe ich mir trotz allem bewahrt und da ich die absolut beschissenste zeit meines lebens überstanden bzw überlebt habe, schaffe ich die phase jetzt auch. und ich lerne aus dieser phase, denn das nächste mal wenn ich wieder an so einem guten punkt bin, werde ich mich nicht (nur) zurücklehnen und genießen, sondern weiter an mir arbeiten. dass ich es einmal überhaupt so weit geschafft habe ist für mich ein großer ansporn und das könnte für dich vielleicht auch so sein. im endeffekt zeigt mir meine angst im moment ja nur, dass mein leben einfach noch nicht vollkommen genug war

21.06.2012 16:55 • #20




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Dr. Reinhard Pichler