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Misch
Hänge ich am seidenen Faden oder befinde ich mich schon im freien Fall und wie werde ich aufgefangen? Seit Wochen spüre ich jedenfalls das es nur bergab geht. Ambulante Therapie durch ohne wirkliche Fortschritte. Meine Partnerin hat erstmal die Beziehung beendet und wird in Kürze ausziehen ... fühlt sich gut an wenn die Schränke leer sind und überall Kisten umstehen. Die letzten zwei Wochen habe ich versucht mich einfach von allem zu entziehen und bin zu meinen Freunden in meine Heimat gefahren. Ablenkung tat gut aber als ich bei der Heimkehr die Umzugskisten sah war alles wieder unverändert da.

Kein Job, keine brauchbare Ausbildung, keinen Blick auf die Zukunft, sozial isoliert in einer Stadt wo ich niemanden kenne, keinen Mut und keine Kraft irgend etwas zu bewegen. In meinem Kopf herscht pures Chaos, wenn ich schlafen will fühlt sich der Körper wie überfahren an und das Hirn will nicht schweigen. Alles wirkt unreal, Erinnerungen von frühr wirken wie Szenen aus einem Film den ich gesehen habe. Seit gestern zerfresse ich mich mit Selbstzweifel ... wer bin ich und wo ist mein Platz in dieser verrückten Welt? Ich weiß nicht wohin ich gehöre. Ich habe keine Begabungen, keine Begeisterung. Andere Menschen zeichnen, anderer spielen in ner Band, schreiben Kurzgeschichten, sind in Sportvereinen tätig, werkeln an Autos rum ... gehen Dingen nach für die sie ein Händchen haben und wo ihre Seele aufblüht. Habe ich meine Stärken nur noch nicht gefunden? Sind sie so versteckt, so komplex oder existieren sie garnicht? Wenn ich von Hobbys und ähnliches höre denke ich mir jedes mal ... das will ich auch können. Ich bin richtig neidisch wenn ich sehe was andere Menschen kreatives in ihrem Leben leisten und sicht entfalten.

Das Einzige was ich gut kann ist den ganzen Tag vorm Rechner sitzen, irgendwelche dämliche Spiele spielen oder pausenlos über irgendwas daher reden. Das hat in den letzte 2 Wochen gut getan ... ich hab so oft mit Freunden quatscht und philosophiert das ich tagelang mit leichten Halsschmerzen rumlief. Meine Therapeutin meinte ich hätte tolle soziale Kompetenzen, blöd nur wenn ich nicht weiß wie ich die nutzen soll und ich mich den Gelegenheiten dafür entziehe. Ich schaffe es einfach nicht aus meinen Mustern auszubrechen. Klar sind immer mal kleine Erfolge da ... bin etwas weniger empfindlich geworden, mir fällt es etwas leichter Gedanken in Worte zu fassen aber nichts was mich wirklich weitergebracht hat. Ich weiß nicht was mir gut tut und wie ich überhaupt die Kurve bekomme.

Nach 2 Jahren Therapie weiß ich noch immer nicht wirklich womit ich mich da eigentlich beschäftige. Klar hab ich nen Haufen Diagnosen auf bedruckten Papier stehen, solche Dinge wie ADS, Ängstlich-Vermeidende-PS. Mich macht es fertig wenn ich dann auf Probleme blicke, die wunderbar bis ins kleinste Detail analysiert werden können aber bei denen ich dann zu blöd bin auch nur irgendwas umzusetzen. Irgendwie bin ich für das Leben falsch programmiert, nicht nur das ich diese Welt hasse und mich nicht zurrecht finde, für mich ist hier einfach kein Platz. Ich fühle nicht das ich in diese Welt gehöre. Leistung, hecktig, höhrer weiter schneller, jeder kümmert sich nur um seinen Vorteil der meist auch nur in Geld angegeben wird. Wenn es nicht meine absolute Einsamkeit bedeuten würde, so würde ich sagen ich wäre nen klasse Aussteigerkandidat. Mir graut es schon vor dem nächsten Termin mit meiner Fallmanagerin ... die wird keine Luftsprünge machen wenn ich sie auf den aktuellen Stand bringe. "Liebe Frau Tralala, ich resigniere vorm Leben und warte 50 Jahre bis meine jämmerliche Existent beendet wird."

Meinen Wünsche, Träume, Vorstellungen kann ich in dieser Welt nur schwer nachgehen wenn ich mich denn traue. Wenn man mich fragen würde was ich in meinem Leben erreichen möchte, dann stände mit extrem großen Abstand, die Welt verändern ... irgendwas bewirken ... dieser dämlichen Welt irgend etwas gutes tun ... irgendwas damit sich die letzten 27 Jahre gelohnt habe. Ich bin sowieso erstaunt wie viele Menschen sich im Leben halbwegs zurrechtfinden ... wirkt auf mich als ein Ding der Unmöglichkeit. Für mich wäre es der größte Erfolg mein Leben so zu leben wie ich es brauche und wie es mir gut tut.

14.06.2012 01:25 • 26.06.2012 #1


9 Antworten ↓


Hallo Misch
Irgndwie kann ich Dich verstehen. Die meißten denken nur an Geld, sind oberflächlich und es geht ihnen auch noch gut dabei.
Ich leide zur Zeit noch an Ängsten, mache aber eine Therapie und habe auch Erlolge. Aber wie es mit mir weitergehen soll, ich weiß es nicht. Weder beruflich, noch sonstwie. Ich bin auch ziemlich allein und was die Zukunft bringen wird... ich versuche das so gut es geht zu verdrängen.
LG, Nachtschatten

14.06.2012 01:54 • #2



Einfach drauflos schreiben .

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Hallo,
vielleicht hilft es dir, wenn ich dir ein bisschen davon erzähle, was ich bei meiner therapie gelernt habe. Mir wurde erklärt, dass Menschen, die zu Ängsten neigen oder an einer Angststörung erkranken sehr intelligent sind und viele Dinge, welche andere Menschen "einfachso" hinnehmen, hinterfragen. Es sind meistens sensible und tiefgründige (keine oberflächlichen) Menschen, die über vieles nachdenken und alles analysieren. Somit glaube ich auch nicht, dass du keine Begabungen oder Talente hast. Ich habe wo es mir sehr schlecht ging und ich nicht arbeiten konnte einfach verschiedene Dinge ausprobiert, um zu sehen, wo meine Stärken liegen. Es hat sich herausgestellt, dass ich sehr gerne und gut schreiben kann und dass Tiere mir besonders am Herzen liegen. Vielleicht probierst du auch verschiedene Sachen aus, um zu sehen, was du gerne machst und du gut kannst?
Aus deinem Schreiben habe ich herausgelsen, dass du gerne die Welt verändern und anderen Menschen gerne etwas Gutes tun würdest. Vielleicht wäre es eine gute Möglichkeit, dich ehrenamtlich einzusetzen? z.B bei Einrichtungen, die Essen für Obdachlose ausgeben o.ä. . So würdest du dich nicht mehr so nutzlos fühlen und es wäre eine gute Ablenkung (die Trennung von deiner Freundin), die dich auf andere Gedanken bringen würde. Und Andere würden dir sogar sehr dankbar für deine Hilfe sein.
Und glaube ja nicht, dass du keine Begabungen hast, die hast du ganz bestimmt. Vielleicht musst du diese nur finden.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen, Sumi

17.06.2012 15:03 • #3


Misch
Naja wenn du in deiner Therapie Erfolge erziehlst dann bist du schonmal erfolgreicher wie ich. Vor genau 2 Jahren habe ich mein Studium abgebrochen ... war 3 Wochen in ner Klinik um zu sehen was mit mir los ist. Naja und seitdem gehts zwar immer mal auf und ab aber niemals habe ich das Gefühl einen Schritt vorran zukommen. Ich habe immernoch einen chaotischen Haushalt, vermeide genauso wie immer viele mögliche Gefahren oder Hindernisse, ich lebe immernoch in meiner Gedankenwelt aber nicht im hier und jetzt. Wissen ... ja davon hab ich reichlich gesammelt. Kenne mich heute um einiges besser aber es ist wie ein Film den ich schon 100 mal gesehen habe ... ich kenne ihn auswendig, weiß genau was als nächstes passieren wird aber ich kann die Filmszene nicht ändern, da es nunmal ein Film ist. Ich versuche die Regie in die Hand zu nehmen aber dann schlagen immer alte Gewohnheiten, Ängst zu und ich fühle mich dann wie ferngesteuert ... als wenn ich keine andere Wahl hätte zu handeln. Aber das ist doch Quatsch ... natürlich habe ich die Wahl ... aber warum nutze ich sie nicht.

Dutzende Male stand in Gesprächen die Willensfrage im Raum. Was ich ändern möchte, ob ich überhaupt was ändern möchte. Soll alles so bleiben wie es ist bis ich abkratze? Entscheide ich mich für oder gegen das Leben? Eine Entscheidung gibt es bisher noch nicht sonst wäre ich entweder nicht mehr da oder ich würde mein Leben in die Hand nehmen. Aber was blockiert mich? Die Angst? Gewohnheit? Die Erinnerungen an heftiges Mobbing in der Schule? Wie bekomme ich einen Zugang zu mir selbst? Und genau dann melden sich Stimmen ... "Denk nicht so viel nach sondern mach einfach mal"! ... "Wenn du nur darüber nachdenkst wirst du nie zum handeln kommen?" ... "Du verläufst dich doch nur in deinen Gedanken um eine Ausrede zu haben nichts tun zu müssen!" ... "Eigentlich geht es dir doch gut sonst würdest du ja was ändern!" Bei solchen Äußerungen ist es dann vorbei, auf die Wahrheit habe ich keine passende Ausrede. Um bei mir zu bleiben mache ich in diesen Momenten emotional Dicht. Ich kann dann keine anständige Unterhaltung mehr führen ... ich starre nur noch leblos die Wand an und gebe irgendwann einfach nur ein paar Worte von mir um mich bemerkbar zu machen, dass ich noch im Raum bin. Fühle ich mich ertappt oder versuche ich den Gedanken zu umgehen, zu glauben es gäbe nichts wofür es sich wirklich zu leben lohnt? Ich habe schon vor langer Zeit resigniert und mich aufgegeben aber irgendwo muss da doch was versteckt sein, sonst wäre ich nicht in 2 Kliniken gegangen, 1 Jahr zur Therapeutin, zur Ärzten usw sondern hätte einfach mein Leben beendet und mir den ganzen Käse gesparrt. Ein Rest Wille der ausreicht um über Wasser zu bleiben ...

17.06.2012 15:25 • #4


felice87
Hey Misch!

Was soll ich sagen... du beschreibst deine Situation und ich finde mich in ihr wieder. Ein Auf und Ab, aber nicht das Gefühl, dass ich wirklich etwas ändern kann... Schade, dass dir auch die ganzen Therapien nicht halfen... Aber was bringt die Theorie, wenn wir es in der Praxis nicht anwenden können?

Ich hab zwar keine Therapie gemacht, aber mich sehr intensiv mit meiner Situation befasst... Conclusion: das Leben zieht an mir vorbei!
Es gibt so viele gute Tipps im Inet... doch die Umsetzung gelingt nur mittelmäßig.
Woran liegt das? Der Wille ist doch da...

(...ich glaub ich hab ne Sommerdepression...seit 4 Jahren ab Mai/Juni das gleiche Theater... langsam fällt es auf )

Grüße, felice

17.06.2012 16:19 • #5


Wenn du dich in deiner Therapie nicht besser fühlst und auch nicht glaubst, dass du an die ursachen deiner Probleme kommst, hast du vielleicht die falsche therapierichtung ausgesucht. Was machst du denn für eine? Für dich wäre ja wichtig wieder in ein geregelten Alltag zurück zu finden. Ein Arbeitsplatz zu finden, vielleicht einen Ausbildungsplatz. Jetzt hast du das Gefühl den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, daher schreib dir auf was du dir wünscht und möchtest und beginne an deinen wünschen zu arbeiten.

17.06.2012 20:09 • #6


Hallo Misch,
dass du komplett resigniert und dich aufgegeben hast, das glaube ich nicht, denn sonst würdest hier nicht schreiben und hättest auch nicht so viele Dinge wie Klinik und Therapie ausprobiert. Was ich wirklich glaube, ist, dass du bis jetzt so wie prinzessin es erwähnt hat nicht die richtige Therapierichtung für dich gefunden hast. es gibt glaube ich 3 (?) verschiedene Therapiearten: Ich glaube es waren diese hier: 1. Verhaltenstherapie, 2. Analysetherapie und noch eine andere. Wenn jemand es besser weiss, bitte ergänzen!! Danke!! Negative Therapie- und Klinikerfahrungen können einen SEHR runterziehen. Man weiss dann oft nicht, ob man selbst nicht thrapierbar ist oder ob die Therapie für Einen ungeeignet ist. Da wir IMMER dazu neigen, uns selbst in Frage zu stellen, sehen wir natürlich UNS als den Fehler und den Grund, warum die Therapie nicht hilft oder geholfen hat. Das ist aber die falsche Einstellung! Einige der User hier kennen sich besser in Therapieformen aus und welche wann besser ist. Vielleicht erklärt jemand mal auf? Und wenn man hier so im Forum liest, da sieht man schon, dass vielen die (richtige) Therapie enorm geholfen hat. Man muss nur die richtige Theapieform UND den richtigen Psychologen finden!! Und du hast ja den Willen!! Also gib nicht auf!! Ich bin auch gerade dabei, mein Leben in den Griff zu kriegen. Und das was ich so in der Behandlung gelernt habe, ist, dass man nie so schnell aufgeben darf!! Es ist normal, dass im Leben nicht alles so läuft wie wir es wollen und oft muss man für Dinge, die man haben möchte, kämpfen. Und zu deinen Gedanken: Versuche dich eher selbst zu unterstützen und nicht was jetzt machst, dich selbst fertig zu machen! Sag dir eher: Ich habe es spweit geschafft, ich bin jetzt hier und habe einen Willen!! Ich will mein Leben ändern!! Ich bin stark und ich weiss, auch wenn es schwer wird, ich werde es schaffen.

Das motiviert Einen und das andere zieht dich herunter. Überhaupt was mir in der Therapie gesagt wurd: Ich darf mich NIE NIE NIE selbst fertig machen und runter ziehen. Seit ich das abgestellt habe, geht es wirklich besser und ich fühle mich besser.

Sumi

22.06.2012 19:15 • #7


Misch
@prinzessin
Einen geregeltes Arbeitsverhältnis ist zwar ein gestecktes Ziel, jedoch niederer Priorität. Mich fix in eine Ausbildung bringen war auch nie das primäre Ziel der letzten 2 Jahre gewesen. Vielmehr sollte der Weg geglättet werden, dass ich eine Ausbildung überstehe. Auf diesem Weg lagen und liegen sehr viele Steine. Es war mal angedacht diesen Herbst eine Ausbildung zu beginnen aber das war 1. vor bald zwei Jahren und 2. würde ich entweder in der Probezeit rausfliegen oder selber kündigen. Ich halte in absehbarer Zeit kein Arbeitsverhältnis länger durch, sei es das ich unter dem Leistungsdruck und dem Stress zusammenbreche oder ich bei einem schlechten Klima zwischen den Mitarbeitern verzweifel. Vieles von dieser Problematik trifft auch im Alltag zu und genau hier liegt die Priorität, im Alltag, wenn der funktioniert bin ich auch stabil für einen Job. Ich bin jedoch im Alltag hoffnungslos überfordert und dann noch den Durck in einer Ausbildung dazu ... ich gebe mir 6 Wochen.
Was ich mir vorstelle, wünsche ... da sind schon Vorstellungen da und ich seh den Wald eigentlich relativ deutlich, da mit meinen Vorstellungen mal 90% aller Jobs wegfallen. Ich arbeite derzeit daran zu akzeptieren, das ich kein Arbeitstier bin, das ich kein klassischer Arbeitnehmer für den 1. Arbeitsmarkt bin. Ich habe Informationstechnik in einer staatlichen Schule gelernt und Informationstechnik 2-3 Semester studiert aber ich nehme mitlerweile von diesem Berufsfeld abstand, da es einfach nicht mit meinen Fähigkeiten und Vorstellungen zu vereinbaren ist. So oder so muss ich eine Ausbildung beginnen, da ich nichts vorzuweisen habe mit dem ich einen seriösen Vollzeitjob bekommen würde. Studium fällt weg, das kann ich mir finanziell nicht leisten. Leider benötige ich bei vielen Meiner Vorstellungen zwingend ein Studium. Wenn ich dann die Schnittmenge meiner Vorstellungen mit der der Fülle an Ausbildungen vergleiche dann bleibt da verdammt wenig übrig. Alleine einen Arbeitgeber finden der mein Bedürfnis nach felxiblen Pausen tolerieren würde ist schon schwer, bei dem es ok ist mal alle 1-2 Stunden für 5min Raus an die Luft zu gehen um zu Ruhe zu kommen und Abzuschalten.
Aber bis ich dahin komme muss ich erstmal mit mir selber und der Welt klar kommen.


@sumi
Ich war bisher ein einer Verhaltenstherapie aber da bei mir die klassische Form wirkungslos ist hat meine Therapeutin mehr tiefenpsychologisch gearbeitet. Die klassische Verhaltenstherapie legt ja wert darauf ... aus den Erfahrungen zwischen sich selber und dem Umfeld Schlüsse zu ziehen, um das eigene Verhalten zu ändern. Als idelales Ergebnis reagiert/agiert das Umfeld anders auf das eigene Verhalten, es tritt ein Lerneffekt ein was langfristig das eigene Emfinden verbessert.

Die Tiefenpsychologie beschäftigt sich ehr damit, was steckt hinter dem Verhalten und Empfindungen. Was läuft bei Empfindungen und Verhalten unterbewusst ab und was bewirkt dieses Unbewusste. Allg beschäftigt sich die Tiefenpsychologie im Hier und Jetzt.

Die Analytik arbeitet ählich, nur das hier der Schwerpunkt auf die Vergangenheit liegt. Oft wird das halbe Leben und viele Knotenpunkte aufgearbeitet um Zusammenhänge aufzudecken und ein tieferes Verständnis zu vermittelt. Meist werden Erlebnisse, Empfindungen und Gefühle sehr stark erneut durchlebt, um dann bei dem erneuten "Erleben" Knoten zu lösen. Das kann bei 2-3 Sitzungen die Woche recht anstrengend sein. Häufig geschiet dies auch klassisch liegend auf der Couch.

Das die Verhaltenstherapie nicht das richtige für mich ist habe ich für mich verstanden. Frei nach dem Motto "Egal was der Auslöser dafür ist, der ist unwichtig, machs einfach anders dann gehts dir besser" Wie ich es immer wieder gehasst habe mich rechtfertigen zu müssen. Jedes mal stand die Frage im Raum "wollen sie überhaupt was verändern?". Und jedes mal musste ich irgendwie verzweifelt versuchen zu erklären warum mich die Dinge ankotzen ich aber aktiv nichts dagegen tu. Ich fühle mich als säße ich gelähmt im Rollstuhl und man würde von mir verlangen zu laufen. Auch wenn ich noch so sehr laufen will, die Beine tuns nich und am Ende wirkt die Kritik wie "Ja du sitzt ja immernoch in deinem Rollstuhl, anscheint willst du nicht ja nicht laufen". Am Ende habe ich meist nur noch sowas geantwortet wie ... "Richtig, ich will nicht, also bringen sie mich dazu das ich es will, wofür brauch ich sie sonst als Therapeut wenn ich es alleine durch Wille schaffen könnte."

Was ich brauche. Viel Zeit, jemand der sich in meinen komplexen Gedanken halbwegs zurrecht findet. Jemand mit dem ich an meinem ADS arbeiten kann, um zu lernen und zu verstehen wie ich damit leben kann. Jemand mit dem ich meine Knoten aus der Vergangenheit lösen kann, und jemand der mit mir an aktuellen Problematiken arbeitet. Ein 3in1 Therapeut gibts nicht. Mit 3 Personen gleichzeitig arbeiten wäre einmal ein großer Aufwand und zudem einen den ich nicht durchhalten könnte. Was immer auch das richtige für mich ist, es muss genügen Zeit dafür genommen werden und es muss intensiv sein. In den 25 Stunden mit meiner Verhaltenstherapeutin haben wir gerade mal die Oberfläche angekratzt. Die Zeit und Intensivität die ich wohl brauche kann mir ein Verhaltenstherapeut nicht bieten. Ob nun Tiefenpsychologisch oder doch Analytisch die bessere Wahl ist ... keine Ahnung. Beide Ideen lagen im letzten Gespräch mit meiner Therapeutin auf dem Tisch und es hat beides seine Berechtigung. Viele Therapeuten arbeiten auch zweigleisig. Seit dem letzten Gespräch bin ich jedoch wieder in ein Tief gefallen und habe bisher keine neuen Anstrengungen unternommen. Es gab auch Pläne für Ambulantes Betreutes Wohnen um kurzfristig eine Art Lebenscoach zu haben der mich unterstützt aber die Anmeldungen dafür liegt auch seit Wochen brach.

Auch wenn es hart wird und ich vieleicht richtig absacke, vieleicht ist ne Psychoanalyse doch das Richtige, auch wenn in der Klinik Befürchtungen geäußert wurden das ich es Emotional nicht durchhalte. Aber vieleicht bekomme ich nur so meine tief verwurzelten Störungen in den Griff. Vieleicht überliste ich mich auch wieder und gehe ohne Erfolg nach Hause.

26.06.2012 02:33 • #8


Hallo Misch.
Zitat von Misch:
Kein Job, keine brauchbare Ausbildung, keinen Blick auf die Zukunft, sozial isoliert in einer Stadt wo ich niemanden kenne, keinen Mut und keine Kraft irgend etwas zu bewegen.

Als erstes: Mach doch bitte eine (wenigstens kleine) Liste mit den "Dingen", die du HAST - nicht mit denen, die du nicht hast, okay?
Das wäre gut für uns hier, damit wir deine Voraussetzungen besser einschätzen können, und es wäre natürlich gut für dich selbst, damit du mal aus derm "ich habe nichts, ich bin nichts, mein Glas ist halb leer" auf "ich habe dies, ich bin dies und das, mein Glas ist halb voll" umsteigst.

Zitat:
Alles wirkt unreal, Erinnerungen von frühr wirken wie Szenen aus einem Film den ich gesehen habe.
Ist das schlimm? Eigentlich ist das das erwünschte Ziel z.B. einer Traumabearbeitung, dass man die früheren schlimmen Szenen nur noch als Film ohne gefühlsmäßige Aufwühlung sieht. Vielleicht gehört das mit zu deinem halb vollen Glas?

Zitat:
Seit gestern zerfresse ich mich mit Selbstzweifel ... wer bin ich und wo ist mein Platz in dieser verrückten Welt?
Wieso "seit gestern"? Du bist 27 - hast du vorher noch nie darüber nachgedacht? Das kann ich mir nur schwer vorstellen - aber wenn es so ist: Wie kommt das, dass du vorher noch nie darüber nachgedacht hast, und wie kommt es, dass gerade jetzt?
Zitat:
Ich weiß nicht wohin ich gehöre. Ich habe keine Begabungen, keine Begeisterung. Andere Menschen zeichnen, anderer spielen in ner Band, schreiben Kurzgeschichten, sind in Sportvereinen tätig, werkeln an Autos rum ... gehen Dingen nach für die sie ein Händchen haben und wo ihre Seele aufblüht. Habe ich meine Stärken nur noch nicht gefunden? Sind sie so versteckt, so komplex oder existieren sie garnicht? Wenn ich von Hobbys und ähnliches höre denke ich mir jedes mal ... das will ich auch können. Ich bin richtig neidisch wenn ich sehe was andere Menschen kreatives in ihrem Leben leisten und sicht entfalten.

Mein Eindruck beim Lesen deiner Selbstbeschreibung ist, dass du viel Begabung(en) hast, aber dass man dir irgendwann früher - ziemlich früh - den Schneid total abgekauft hat.
Kann das sein? Klingelt da etwas bei dir? Kommt dir irgendeine Person oder Situation in den Sinn, die dazu passt, wenn du das liest?

Aber, Tatsache ist, dass andere einem den Schneid nur abkaufen können, wenn man das zulässt (aus welchem Grund auch immer), also wenn man damit übereinstimmt. Vielleicht, weil man von der abwertenden Person geliebt werden möchte und sich einbildet, wenn man seine unbefangene Authentizität aufgibt und so unfähig wird, wie die andere Person sich das anscheinend wünscht, dass diese Person einen anschließend lieben wird.

Sagt dir das etwas, tief im Bauch?

Zitat:
Meine Therapeutin meinte ich hätte tolle soziale Kompetenzen, blöd nur wenn ich nicht weiß wie ich die nutzen soll und ich mich den Gelegenheiten dafür entziehe. Ich schaffe es einfach nicht aus meinen Mustern auszubrechen. Klar sind immer mal kleine Erfolge da ... bin etwas weniger empfindlich geworden, mir fällt es etwas leichter Gedanken in Worte zu fassen aber nichts was mich wirklich weitergebracht hat. Ich weiß nicht was mir gut tut und wie ich überhaupt die Kurve bekomme.
Vielleicht solltest du deine sozialen Fähigkeiten nicht nur dafür nutzen, was DIR gut tut, sondern für andere? Das könnte dir dann gut tun.

Z.B. Gelder / Großspenden für eine gemeinnützige Organisation akquirieren? Stichwort: Fundraising? Damit würdest du deine besonders gute Fähigkeit für einen guten Zweck nutzen und damit auch gutes Geld verdienen können - denn gute Fundraiser sind gesucht.
Oder du könntest Pressesprecher für eine solche Organisation sein.
Da es da sehr viele gemeinnützige Organisationen (inkl. Stiftungen) gibt, für sehr viele verschiedene Bereiche (z.B. humanitäre Zwecke, Natur, Tierschutz, Kultur, Jugend, Senioren, Politik, Sport usw. usw.), könntest du dir etwas aussuchen, das deinen Neigungen entspricht.
Es gibt noch weitere wichtige und interessante Posten in solchen Organisationen, vielleicht schaust du mal hier:
http://www.dosb.de/fileadmin/fm-dsb/arb ... raefte.pdf

Zitat:
Nach 2 Jahren Therapie weiß ich noch immer nicht wirklich womit ich mich da eigentlich beschäftige. Klar hab ich nen Haufen Diagnosen auf bedruckten Papier stehen, solche Dinge wie ADS, Ängstlich-Vermeidende-PS. Mich macht es fertig wenn ich dann auf Probleme blicke, die wunderbar bis ins kleinste Detail analysiert werden können aber bei denen ich dann zu blöd bin auch nur irgendwas umzusetzen. Irgendwie bin ich für das Leben falsch programmiert, nicht nur das ich diese Welt hasse und mich nicht zurrecht finde, für mich ist hier einfach kein Platz.

WER hat dir das "beigebracht"? Das ist eine ernstgemeinte Frage! Wer fällt dir dazu ein? Wer wollte dir keinen Platz und Raum lassen? (Und sich diesen vielleicht selber nehmen?)
Zitat:
Ich fühle nicht das ich in diese Welt gehöre. Leistung, hecktig, höhrer weiter schneller, jeder kümmert sich nur um seinen Vorteil der meist auch nur in Geld angegeben wird.
Für "jeden" gilt das ganz sicher nicht.
Schreib mal ein paar Personen auf, die dir konkret dazu einfallen. Die du persönlich kennst oder kanntest.

Zitat:
Wenn es nicht meine absolute Einsamkeit bedeuten würde, so würde ich sagen ich wäre nen klasse Aussteigerkandidat. Mir graut es schon vor dem nächsten Termin mit meiner Fallmanagerin ... die wird keine Luftsprünge machen wenn ich sie auf den aktuellen Stand bringe. "Liebe Frau Tralala, ich resigniere vorm Leben und warte 50 Jahre bis meine jämmerliche Existent beendet wird."

Du könntest auch ein Buch schreiben oder Kolumnen für Zeitungen.

Es ist jedenfalls offensichtlich, dass du in Wirklichkeit ein sehr aktiver und interessierter Mensch bist. Du musst dich nur wieder entschließen, es zu sein. WANN warst du das zum letzten Mal? Kannst du dich noch an einen solchen Zeitpunkt erinnern?

Zitat:
Meinen Wünsche, Träume, Vorstellungen kann ich in dieser Welt nur schwer nachgehen wenn ich mich denn traue.
Richtig.
WER schüchtert dich ein, bzw. hat dich früher eingeschüchtert, so dass du dich nicht mehr getraut hast? Wer sitzt in deinem Kopf und quatscht dir rein?

Wenn man mich fragen würde was ich in meinem Leben erreichen möchte, dann stände mit extrem großen Abstand, die Welt verändern ... irgendwas bewirken ... dieser dämlichen Welt irgend etwas gutes tun ... irgendwas damit sich die letzten 27 Jahre gelohnt habe[/quote]
und sich die nächsten 50 Jahre auch noch lohnen.

Du kannst auf jeden Fall irgendetwas bewirken und der Welt etwas Gutes tun (s.o.).

Wer fällt dir als erste/r ein, wenn du dir die Welt als "dämlich" denkst?

26.06.2012 03:42 • #9


Huhu Misch!

Also ich kann dem Beitrag von GastB nur zustimmen. Also da steht das drin, was ich mir auch so zu deiner Situation denke. Es ist auf jeden Fall schon mal gut, dass du in therap. Behandlung bist. Natürlich kann man da nicht alles auf einmal und in kurzer Zeit bearbeiten. Da sind so unsere Erwartungen: Alles am besten gestern erledigt haben *g*. Naja, aber es hat ja gedauert, deine Störungen zu entwickeln und es wird genauso ein Zeit lang brauchen, eine gesunde Einstellung zu entwickeln und andere Dinge zu verarbeiten.

Sumi

26.06.2012 13:15 • #10



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