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Hi,

da wären wir wieder einmal. Zuletzt habe ich mich hier vor über 3 Jahren zur meinem Universitätsabschluss gemeldet, den man natürlich im Kolloquium mit einer Rede beendet.
Seinerzeit brauchte ich kurzfristige medikamentöse Hilfe. Einziger Grund zum Zweifeln war, dass ich das "Teufelszeug" eigentlich nicht nehmen will.

Ich habe seit etwa 16 Jahren Angst in Situationen, bei denen andere Menschen mein Verhalten als negativ bewerten könnten. Das kann eine Flugreise sein, eine Fahrt im Auto als Beifahrer, ein Kinobesuch, ein Meeting mit Kollegen und natürlich Präsentationen.
Durch Erfahrung im Job habe ich eine gewisse Gelassenheit bei Meetings erlangt. Auch scheue ich mich nicht, meinen Mitarbeitern als ihr Vorgesetzter Anweisungen zu erteilen.
Trotzdem lässt mich diese ewige Angst nicht los. Bei einem Kinobesuch z.B. habe ich Angst "aufzufallen" dadurch, dass mir übel wird und ich mich erbrechen muss. Was also passiert ist dass ich da sitze (mitten drin geht sowieso nicht, immer am Rand) und mein innerer Druck immer höher steigt, bis er im Hals ankommt. Ich schlucke Luft weil ich mir einbilde mir wäre schlecht - und irgendwann will der Druck natürlich raus. Dies interpretiere ich natürlich als Brechreiz fehl. Das Schlimmste was dann passiert ist, dass ich ein-zweimal kräftig bäuern muss, das war's. Absolut lächerlich.
Trotzdem kann ich diese Angst also nicht überwinden.

Nun habe ich einen neuen und sehr verantwortungsvollen Job angetreten - Teamverantwortung inklusive. Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst und so gehe ich nun jeden Tag mit einem unglaublichen inneren Druck in die Firma - mit dem Hintergedanken bloß nicht aufzufallen. In Meetings steigert sich das extrem.
Ich muss es weiterhin mit Alprazolam (0,5mg) und Metoprolol (50mg) bekämpfen. Verbrauch liegt bei etwa jeweils 20 Tabletten pro Dreivierteljahr.
Mit dieser Dosis ist es in einer Angstsituation als ob jemand die Sonne anknipst und ich gutes Selbstvertrauen mit Löffeln gefressen hätte. Allerdings ist man nach einem Tag mit solchen Medikamenten (ich denke das Alpra ist hier ausschlaggebend) auch ziemlich groggy.

Nun bin ich dieses ewige Flickwerk jedoch satt und möchte das Problem strukturell angehen. Mit richtiger Unterstützung durch einen Arzt und mit den richtigen Medikamenten gegen solche Probleme.
Welche Tipps könnt ihr mir für diesen Weg geben ? Ich möchte auch nicht ein medikamentös völlig abgeschotteter Zombie sein, wie man es z.B. nach 1,5mg Alpra und 50-100mg Metoprolol ist. So eine Dosis habe ich vor meinem Kolloquium damals genommen und konnte mich danach nichtmal mehr daran erinnern.
Abgesehen davon, dass ich Pendler bin und kein großes Risiko eingehen möchte.

Danke

15.05.2014 21:10 • 17.05.2014 #1


2 Antworten ↓


Hi,
das Problem strukturell anzugehen würde bedeuten eine Psychtherapie zu machen. Ich glaube da hättest du gute Chancen, weil Du noch nicht in die Vermeidung gegangen bist und auch jobmäßig gut integriert scheinst.
Dein Benzokonsum finde ich problematisch. Wo bekommst Du denn sowas ohne Arzt her?

16.05.2014 11:49 • #2


Natürlich bekomme ich die Benzos vom Hausarzt. Ich war 2010/2011 mal beim Psychodoc, der hat mir die für Stresssituationen verschrieben. Seitdem habe ich glaube ich 40 Tabletten 1mg genommen, insgesamt.
Nur wenn man ehrlich ist vermeidet man eben doch. Zum Beispiel Kinobesuche, etc...
Ich weiß nicht wie das heute läuft. Brauche ich eine Überweisung zum Psychologen? Mein damaliger ist in Rente, und es hat sich ja in der Zwischenzeit einiges geändert

17.05.2014 11:39 • #3




Dr. Reinhard Pichler