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Anonym99
Hallo ihr Lieben,

ich weiß garnicht genau wie ich beginnen soll. Ich bin noch recht jung, 22 Jahre alt.
Ende 2019 habe ich eine schwere Zeit durchgemacht (Prüfungsstress, Stress in der Familie, Beziehungsstress und eine sehr außergewöhnliche Situation die so nicht vorhersehbar war, auf die ich aber nicht näher eingehen mag). Ich verspürte zu dem Zeitpunkt das erste Mal Panik und Angst. Angst zu sterben. Ich habe das volle Programm an Symptomen gehabt es begann eines Tages plötzlich mit Übelkeit, Herzrasen, Atemnot und einem Gefühl der Enge in der Brust und endete in der Notaufnahme. Natürlich ohne körperlichen Befund mit der Diagnose Panikattacke. Es folgten 3 wirklich schlimme Wochen in denen ich so gut wie nicht geschlafen habe, komplett neben mir stand und eine Panikattacke nach der anderen hatte die sich immer über mehrere Stunden zog. Nach 3 Wochen zu Hause bin ich wieder arbeiten gegangen habe meine Abschlussprüfung hinter mich gebracht und anschließend den Betrieb gewechselt. Insgesamt vergingen 2 Monate in denen ich täglich Panikattacken durchlebt habe.
Ich begann eine Therapie und mir wurde die Diagnose Panikstörung gestellt. Nach 4 Sitzungen stellte ich jedoch fest, dass dies nichts für mich ist, da es sich um eine Gruppentherapie handelte.
Und es trat plötzlich eine starke Besserung ein. Die konstant fast 2 Jahre anhielt. Ab und zu verspürte ich Panik, wusste aber ganz genau das keine Bedrohung bestand und dadurch verschwand das Gefühl von Angst sofort.
Jetzt zwei Jahre später ist es schlimmer den je. Ich habe einen neuen Job in einer ganz neuen Branche und bin mit diesem eigentlich super glücklich, ich verdiene gut und die Arbeit macht mir größtenteils Spaß. Vor ca. 2 Monaten habe einige Male festgestellt, dass ich mich plötzlich in alltäglichen Situationen unwohl fühlte, beispielsweise im Restaurant, den öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Friseur. Habe mir aber nicht viel dabei gedacht.
Jetzt ist alles schlimmer denn je Vor ca. 1 Monat war ich krank mit Fieber etc.
5 Tage später ging ich wieder arbeiten und ich konnte mich nicht konzentrieren. Ich war extrem erschöpft und konnte nach 4 Stunden im Büro kaum noch meine Augen offen halten. Es war super unangenehm für mich, dachte mir jedoch ich müsste einfach früher ins Bett. Am darauffolgenden Tag war die Erschöpfung immer noch da, dazu kamen Schwindel und ein wirklich seltsames Gefühl was ich garnicht beschreiben kann. Ich habe mich gefühlt wie als würde ich schlafwandeln, als wäre ich in einer Blase und alles um mich herum zieht an mir vorbei. Egal wo ich hingeschaut habe alles wirkte surreal. Wenn ich in den Spiegel schaute konnte ich mich nicht richtig erkennen und stand vollkommen neben mir. Ich hatte Angst jede Sekunde umzukippen. Durch dieses seltsame Gefühl machte sich ein unwohles Gefühl in mir breit mit leichter Panik. Jedoch verspürte ich nicht die altbekannten Symptome wie starkes Herzrasen etc. ich fühlte mich einfach nur betäubt und komisch mein Puls war sogar erstaunlich ruhig. Nach einer Woche habe ich mich weiter krankschreiben lassen, mittlerweile 3 Wochen. Mein Hausarzt nahm mich ernst, hat mir sofort Blut abgenommen, aber das Ergebnis war wie ein Schlag in die Magengrube. Meine Werte befinden sich alle im perfekten Bereich. Eigentlich sollte ich darüber glücklich sein, aber tief in mir habe ich mir gewünscht es gebe eine körperliche Ursache. Ich habe gehofft das es nicht schon wieder meine Psyche ist und ich mich nicht schon wieder mit neuen eingebildeten Dingen herumschlagen muss.
Ich wollte eigentlich schon früher wieder arbeiten gehen, bei dem Gedanke daran zog sich in mir aber alles zusammen ich hatte starke Panik, Herzrasen, konnte nicht schlafen und musste ständig weinen sobald ich daran dachte zurück auf die Arbeit zu gehen. Ich habe Angst vor diesem schrecklichen Gefühl was ich dort empfand und bei dem Gedanken daran breche ich zusammen.
Es macht mir eigentlich auch großen Spaß, obwohl es extrem stressig ist. Die Arbeit an sich macht mir keine Angst, die Anwesenheit im Büro dafür umso mehr. Wenn ich daran denke wieder arbeiten zu gehen, stelle ich mir vor wie ich hilflos an meinem Schreibtisch sitze und der Situation, meinen Ängsten und diesem Gefühl abgekoppelt von meinem Körper zu sein nicht standhalten kann, zusammenbreche oder gar sterbe. (Was wenn ich logisch denke natürlich nicht der Fall sein wird). Der Gedanke dann meine Sachen zu packen und zu einfach zu gehen, obwohl noch viel zu tun ist ist mir mehr als peinlich. Es ging sogar soweit, dass ich überlegt habe zu kündigen um diese Last loszuwerden, ich bin aber auf den Job angewiesen.
Nun ist es soweit gekommen, dass ich jegliche Orte an denen ich diese Gefühle empfinde meide. Die Arbeit, große Menschenmengen oder Zusammenkünfte mit Freunden.
Neben dem Gefühl, dass alles surreal ist empfinde ich auch an Orten wie dem Friseur, in der Bahn, im Auto und im Stau das Gefühl von großer Panik, da ich das Gefühl habe der Situation chancenlos ausgesetzt zu sein.
Wenn mich jedoch beispielsweise meine Mutter begleitet ist alles in bester Ordnung.
Ich weiß nicht mehr weiter und auch nicht was ich tun soll, ich habe mehrere Therapeuten angeschrieben jedoch ist das einzige was mir angeboten werden kann ein Platz auf der Warteliste und bei manchen nicht mal dies, da die Wartezeiten unzumutbar sind.
Ich weiß nicht wie es weitergehen soll, habe dadurch große Zukunftsängste entwickelt und befürchte das ich mich aus dieser Situation nicht selbst retten kann.

19.12.2021 16:09 • 19.12.2021 #1


3 Antworten ↓


frautagtraum
Für mich klingt das so, als wäre eventuell eine Behandlung in einer psychosomatischen Klinik/ Tagesklinik ganz gut um in kurzer Zeit viel über das Problem zu erfahren.
Es ist häufig nicht leicht ambulante Psychotherapeuten zu bekommen. Was Du tun kannst:

1. Google nach Ausbildungsinstituten in deiner Stadt. Hier bekommt man oft schneller einen Platz.

2. Suche nach Ambulanzen in Kliniken und nimm Kontakt auf (das heißt nicht, dass Du gleich in die Klinik musst, aber sie können Dich unterstützen, bis Du jemand gefunden hast)

3. Ruf bei der Kassenärztlichen Vereinigung an und bitte um eine Rückmeldung für freie Therapieplätze in der Region.

4. Was Medikamente betrifft, würde ich gucken, ob Du einen Facharzt für psychosomatische Medizin oder Psychiatrie findest. Die haben Sprechstunden und müssten dich zeitnäher Unterstützen können.

5. Google Sozialpsychiatrischen Dienst + deinen Ort und Frage dort an, ob Sie dir eventuell helfen können. Das sind meistens Sozialpädagogen, aber sie können Dich Unterstützen einen Platz zu finden und bis dahin begleiten. Das Angebot ist kostenlos und an Schweigepflicht gebunden.


Von Herzen alles alles Gute

19.12.2021 17:45 • x 1 #2



Panikattacken, soziale Phobie und Angst vor der Arbeit

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Anonym99
Vielen Dank für deine Antwort! Die aufgezählten Möglichkeiten klingen wirklich nach einer guten Option, da werde ich mich direkt mal erkundigen!

19.12.2021 18:07 • x 1 #3


frautagtraum
Alles gute für Dich. Lass Dich nicht entmutigen.
Es wird alles werden

19.12.2021 18:08 • x 1 #4




Dr. Christina Wiesemann