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P
Hallo!!
Nachdem ich schon in das Sozialphobie Forum gepostet
habe, dachte ich daß das hierher mindestens genauso gut
passt.


Bewußt fing es eigentlich an als ich so ca. 15 war. Sobald
ich ein bischen nervös war, habe ich angefangen zu zittern.
Nervös wurde ich vor allem in Gegenwart anderer Menschen.
Und irgendwann habe ich richtige Angst vor gesellschaftlichen
Anlässen entwickelt. Hinzu kam, daß ich schon seit ich denken
kann Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Durchfall hatte.
Mir war das alles peinlich und ich hab mich dafür geschämt.
Bis ich so 25 war, habe ich deshalb ein sehr zurückgezogenes
Leben geführt. Langweilig wurde mir nie. Ich hatte viele
technische Hobbys, die mir auch sehr viel Spaß gemacht haben.
Aber ich war immer sehr traurig und wollte nie Einzelgänger
sein.
Warum war immer ich derjenige der nichts auf die Reihe
bekommen hat? Ich fand es demütigend. Ich kann mich erinnern
Zeiten gehabt zu haben, wo ich schon in der Realschule mit
ner Schnapsflasche in der Tasche rumgelaufen bin, um mich
vor "kritischen" Situationen etwas zu beruhigen und weil ich
nicht wollte, daß man mein Zittern bemerkt (gottseidank
habe ich mir das wieder abgewöhnt . Am schlimmsten war
es immer wenn ich irgendwo zum Essen mit hin sollte. Weil
es da blöd kommt, wenn man einfach so geht weil einem alles
zu viel wird und weil man da das Zittern besonders leicht
bemerken konnte.

Im Prinzip habe ich mich mit der ganzen Sache arrangiert.
Nur ne Freundin hätte ich gerne gehabt. Das war eigentlich
das einzige was mir wirklich gefehlt hat.

Mit 25 wurde es mir zu bunt, ich hab's einfach ignoriert.
Da bin ich dann auch endlich bei meinen Eltern ausgezogen,
hab das meiste von meinem elektronischen Krempel verkauft,
Studium angefangen und bin abends oft weggegangen. Mir hat
Tanzen sehr viel Spaß gemacht (wenn die Bauchschmerzen
mal wieder nicht zu schlimm waren) und ich war nachts meistens
in der Disco. Ich hab auch die eine oder andere Frau
kennengelernt, aber einsam gefühlt habe ich mich trotzdem.
Ich hab's schon mal geschafft 1-2 Tage was vorzuspielen,
meine Deprilaune zu verbergen, die Tatsache daß ich das
Zusammensein mit jemand anderem kaum genießen konnte und
es eigentlich sehr anstrengend fand (was ja auch nicht
verwunderlich ist, wenn man dauernd schauspielern muß).
Deswegen haben solche Bekanntschaften auch selten viel
länger gedauert.

Aber ich hab es mit der Zeit gelernt und es hat immer besser
funktioniert. Und ich habs immer besser beherrscht mir
etwas Zärtlichkeit und schöne Illusionen zu holen (um Sex
gings mir dabei garnicht so). Jeder sagte mir immer man
könne es garnicht verstehen, weshalb ich keine Freundin
hätte, schließlich würde ich ja nicht schlecht aussehen.
Ich habe mich immer eher desinteressiert gegeben. Ich
wollte nicht zugeben was der eigentlich Grund war.

Glücklich war ich nicht, aber es ging so.
Dann hab ich ne Frau kennengelernt mit der
ich lange "irgendwie" zusammen war. Ich habe sie nicht
wirklich geliebt, aber sie hat mich so akzeptiert wie ich
war. Oder doch nicht? Jedenfalls hatte ich keine
Lust mich zum braven Schwiegersohn machen zu lassen.
Eigentlich hätte ich auch lieber ein Punk sein wollen als
so 'n zerstreuter Wissenschaftler, oder blöder Spießer.
Aber irgendwie sind die meisten Leute um mich rum so und
alle haben alles daran gesetzt, daß ich genauso werde.
Aber sie haben mich nicht klein gekriegt!

Vor zwei Jahren haben meine ganzen Beschwerden angefangen
sich nochmal deutlich zu verschlimmern zusammen mit anderen
neurologischen Erscheinungen. Da wurde dann Multiple
Sklerose diagnostiziert und mein bis dahin notdürftig
aufgestelltes Kartenhaus ist wieder umgefallen.
Die Behinderungen von der MS haben sich glücklicherweise
bis jetzt alle immer wieder zurückgebildet (zumindest
die sichtbaren). Am Anfang war das ein ziemliches Drama.
Inzwischen lässt es mich völlig kalt. Mein Leben war
bisher schon völlig verdorben, da reißt es die MS auch nicht
mehr raus.

Ich war immer schon etwas ungewöhnlich. Nicht nur im
negativen Sinne wie ich meine. Ich konnte mit den perversen
Moralvorstellungen der Gesellschaft nicht viel anfangen,
im inneren wohl eher ein Querdenker, unkonventionell,
kritisch, hätte vielleicht auch beruflich relativ erfolgreich
sein können (aber wollte ich das überhaupt?), handwerklich
und technisch recht begabt, aber ich war viel zu sehr
in meine Probleme verstrickt um irgend was daraus
machen zu können.
Ich hab mir immer ne Freundin gewünscht, die was damit
anfangen kann, mich versteht und die ich auch wirklich
lieben kann. Ich hab mich schon oft verliebt, aber das
hat immer nur weh getan.

Selbstmord war für mich eigentlich schon das halbe Leben
ein Thema. Inzwischen gibt es wirklich nicht
mehr viel was mich hier noch hält. Außer die Hoffnung
vielleicht doch mal noch ne Frau kennenzulernen, richtige
Liebe und so, Spaß haben, ero. Spiele, schöner
Sex, verrückte Sachen machen (oder wenigstens zusammen
davon träumen), zusammenhalten auch wenn's mal keinen
Spaß macht.

Gibts denn keine Frau, die auch nichts mehr zu verlieren
hat? Die nicht die große Zukunft plant, keine Kinder will,
keinen Familienernährer sucht, oder so nen Mann zum
herzeigen? Wenigstens nochmal ein kleines bischen
Glücklichsein. Wenn's auch nur für kurze Zeit ist. Aber
dann hätte sich das ganze schei. Leben wenigstens
noch gelohnt.

Klaus

PS: Ne Homepage hab' ich auch:
(Da gibts auch Email und so)

09.01.2004 12:02 • 21.01.2004 #1


8 Antworten ↓


G
.... dein leben dreht sich ausschließlich um deinen bauchnabel! du hast etwas wesentliches noch nicht kapiert: "die realität ist die projektion deines geistes". du allein gestaltest sie für dich schön oder hässlich. wenn du das kapiert hast, dann wirst du die menschen nicht als feinde betrachten sondern als bereicherung, weil du erst durch die reflektion dritter etwas über dich in erfahrung bringen kannst und die auseinandersetzung damit bringt dich erst weiter. du lehnst deine mitmenschen ab, weil du dich selbst ablehnst. in meinen augen bist du weder unkonventionell noch wirklich komptent kritisch. unkonventionelle menschen, denken frei und "konstruktiv" kritisch. du haust drauf, ohne zu reflektieren - das hat mit sinnvoller kritik nicht das geringste zu tun!

ich habe so den eindruck, dass du gerne in deiner sosse dümpelst und darauf hoffst, dass dich eine prinzessin erlöst. kein wunder, dass es mit den frauen nicht wirklich funktioniert. erst musst du dich selbst kennen lernen und die verantwortung über deine situation selbst übernehmen. kein mensch kann etwas dafür, dass du mit dir haderst.

sieh zu, dass du einen guten therapeuten findest und fange an für dich und deinem denken wie auch handlen verantwortung zu übernehmen, sonst schaffst du es nicht raus aus deinem selbst produzierten depri-sumpf.

und ich kann dir auch sagen, was dich auf dieser welt halten kann: die farben des lebens, ein lied, ein lächeln, eine träne, die bunte schönheit und schillernde lebendigkeit des lebens selbst - mach endlich die augen auf! glück kommt nicht von außen, es steckt in uns selbst. du suchst also am falschen ende.

alles liebe und gute
ingrid

17.01.2004 18:06 • #2


A


Verdauung, Ms, Partnerschaft, Leben, Sterben, . :-)

x 3


P
Sagmal, Ingrid, hast du eigentlich irgend nen blassen Schimmer wovon Du
schreibst?
Ich würde Dir mal nur so für 5 min. 'ne Multiple Sklerose wünschen. Nur 5
Minuten. Nur damit Du mal weißt, wie man sich dann so fühlt. In den 5
Minuten wirst Du sicher nicht die Zeit haben, die ich hatte um mich an den
Schwindel zu gewöhnen. Wahrscheinlich wirst Du dann die Bude vollkotzen, so
wie ich es wochenlang getan habe. Ich würde Dir auch mal 5g Cortison
intravenös wünschen und die Magenschmerzen, die man davon bekommt. Ich würde
Dir auch die Angst wünschen, ob das Cortison nochmal was hilft, ob Du danach
wieder sehen kannst, ob Du danach wieder laufen kannst, ob Du danach wieder
*beep* und schei. kannst, wie Du es gewohnt bist, ohne irgendwelche
Schläuche zuhilfe zu nehmen.
Auch ne Runde Kopfweh wäre zur Einstimmung nicht schlecht, jeden Tag
Spritzen und andere nette Sachen. Ich würde Dir auch die idiotischen Ärzte
wünschen, denen das alles schei. ist. Und das MRT, wo Du zugucken
kannst wie Dein Hirn "verschimmelt" und Du auch mit Deinem ganzen
Psychogequake nichts dagegen machen kannst.
Und DANN wollen wir mal sehen, ob DU mir noch irgendwas von den Farben des
Lebens, selbst produzierten Depri Sumpf oder sonst irgendwas erzählst.
Und ob Du Dich dann immer noch so supertoll findest.

Ich bin auch ein Anhänger des Konstruktivismus (so nennt man doch die
philosophische Richtung, die Du hier zu vertreten scheinst, oder?).
Ich akzeptiere mich seit der MS mehr denn je. Und ich habe seither
so viel Freude an meinem Leben wie schon lange nicht mehr. Was
mit Sicherheit der härteste Weg war, den ich in meinem Leben zu gehen
hatte.
Ich frage mich, woher Du Dir das arrogante Recht nimmst,
mir zu erzählen ich bräuchte nur die Augen auf zu machen?
Mir zu erzählen, ich würde am falschen Ende suchen, nur weil
es mir schwer fällt die Freude am Leben alleine so richtig
zu genießen?
Du glaubst du hast die Weisheit mit dem Löffel gefressen, nur
weil Du ein paar schlaue Zitate kennst?

Eigentlich schon der Hammer. Warum hab ich mir überhaupt
die Mühe gemacht darauf zu antworten?

Viele Grüße an alle anderen Mitleser
Ach, und an Dich auch Ingrid, hab Dich trotzdem lieb

PS: Wie alt bist Du eigentlich?

18.01.2004 22:50 • #3


G
Hallo Klaus!

Nachdem sich Dein erstes Posting speziell an Frauen richtete, die sich mit Dir und Deiner Situation enger einlassen möchten (so kam´s zumindest bei mir an), habe ich nicht geantwortet.
Jetzt tust Du mit irgendwie leid, dass Ingrids harte Worte die einzige Reaktion auf dieses Posting sind.
Ich denke schon, dass man Deine Situation nicht mir der eines "normalen" Reizis vergleichen kann. Denn wir sind ja eigentlich im medizinischem Sinne gesund. Wenngleich die Beschwerden natürlich hammerhart sein können. Eine Erkrankung wie z.B. MS zu haben, kann und möchte ich mir garnicht vorstellen.

Muss leider jetzt mit den Kindern los, aber evtl. lesen wir nochmal voneinander.

Liebe Grüße
Romi

19.01.2004 13:57 • #4


P
Hi Romi!

Na, bemitleiden mußt Du mich nicht .

Ich weiß nicht, ob man die Situation wirklich so wenig vergleichen kann. Was heißt schon gesund im medizinischen Sinne? Meistens bedeutet das doch in erster Linie, ob man arbeitsfähig ist oder nicht. Wie's einem wirklich geht interessiert die "Medizin" wenig. Letztendlich lebt wohl jeder in seiner Realität und wie diese individuell empfunden wird, hängt nur bedingt von den äußeren Umständen ab.
In so fern habe ich mir schon lange abgewöhnt über andere zu urteilen, ob sie es leichter oder schwerer haben als ich oder sonstwer, weil man doch meistens nur die Umstände beurteilt, aber nicht wie es demjenigen geht.

Ingrids Zitate an sich sind zum Teil schon durchaus richtig. Aber ich weiß nicht, ob sie ermessen kann, wie schwierig das für den Einzelnen sein kann. Es wird Leute geben, die werden's nie schaffen und ich werde garantiert der letzte sein, der diese als Versager abstempelt.

Viele Grüße!!
Klaus

19.01.2004 19:43 • #5


G
Hallo Klaus,
ich hab' mal'n bisschen die Suchmaschine bemüht. Vielleicht kannst Du ja mit diesem Link etwas anfangen?



Ich wünsch Dir alles erdenklich Gute!

Herzliche Grüsse,
Melli

19.01.2004 21:43 • #6


P
Hi Melli!

Vielen Dank, aber von Foren zum Thema MS wird man ja im Internet förmlich erschlagen. Ist nicht so eine seltene Erkrankung wie man oft denkt .

Tschüüüsss
Klaus

19.01.2004 22:48 • #7


G
Hi Klausi,
hast Du denn mal reingeklickt und auch gelesen?

....fragt sich Melli

Tschüssi

20.01.2004 22:45 • #8


P
Hi Melli!
Ja, habe ich. Allerdings nicht unbedingt was spektakuläres gesehen.

Weißt Du, aufgrund der Tatsache, daß es wenige Krankheiten gibt, die so unkalkulierbar sind wie MS und daß man Wirksamkeitsbeurteilungen von Therapien ernsthaft eigentlich nur mit statistischen Mitteln durchführen kann, liegt es in der Natur der Sache, daß sich eine unglaubliche Vielzahl von "alternativen Heilmethoden" im Umfeld entwickelt hat.
Ich betrachte alles was mir da in die Finger kommt sehr kritisch, ohne es von vornherein als Blödsinn abzutun. Aber man muß sich auch im Klaren darüber sein, daß es wohl bei kaum einer anderen Erkrankung so leicht ist mit den Hoffnungen und Ängsten der Patienten Geld zu machen. Und von dieser Möglichkeit wird auch
überreichlich gebrauch gemacht. Ich verfolge das alles wirklich sehr aufmerksam und hab schon eine menge gelesen, gehört und gesehen. Aber brauchbar davon war aus meiner Sicht nur ein winziger Bruchteil.
Naja, wie überall, der Glaube versetzt oft Berge, aber mit dem Glauben hab ich's ohnehin nicht so .

Viele Grüße!
Klaus

21.01.2004 11:35 • #9





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