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Hallo meine Lieben,

ich brauche unbedingt mal ein paar Meinungen... Ich war 7 Jahre in einer Gewaltbeziehung - vorwiegend psychische Gewalt (Macht, Kontrolle, Beleidigungen, Demütigungen, Niedermachen etc), aber es gab auch körperliche (Festhalten, Würgen, ab und zu auch mal nen verdeckten Schlag) und sexuelle Gewalt... Nach der Trennung hat er mich noch weitere 3 Jahre gestalkt bis jetzt und mehrfach gedroht mich umzubringen bis er mit einem Messer vor mir stand und den Weg versperrt hat... Läuft jetzt alles übern Anwalt...

Da ich vor 1 1/2 Jahren so was wie nen Nervenzusammenbruch hatte und seitdem unter psychosomatischen Beschwerden leide, bin ich seit Dezember in Therapie...

Vor einigen Wochen hat es begonnen, dass mir durch die Therapie, den Anwalt und verschiedene Beratungsstellen laaaangsam bewusst wird, was da tatsächlich alles vorgefallen ist. Ich hab immer alles verdrängt und vor allem verharmlost. Gefühle hab ich generell abgestellt.

Durch die Reaktionen meines Therapeuten, Anwalts etc - mit purem Entsetzen - wird mir langsam klar, dass ich mir das alles nicht eingebildet hab und es alles andere als harmlos ist. Dadurch, dass ich mich endlich wehre wird das ganze irgendwie real...
und seitdem geht es mir schlecht. Jeden Tag wird's schlimmer. Mein Thera meint, dass nun so langsam Erinnerungen zurückkommen und dazu eben auch die Emotionen, die ich vorher nicht zugelassen hab. Das macht mich momentan echt fertig alles. Ich zähl am besten mal auf was ich seit paar Wochen für Symptome hab:

- Schlafstörungen (nicht einschlafen, max 2-3 Std Schlaf pro Nacht, hauptsächlich Halbschlaf)
- Alpträume (mind. jeden 2. Tag, manchmal sogar mehrfach die Nacht, wache schweißgebadet in Todesangst auf, hatte jetzt schon mehrfach das Gefühl jemand steht an meinem Bett)
- Schreckhaftigkeit
- enorme Unkonzentriertheit (lasse dauernd was fallen, mache Sachen kaputt, hab sogar meinen Wohnungsschlüssel in der Tür stecken lassen, kann mich nicht mal auf nen Buch oder Film konzentrieren)
- emotionale Gefühlsausbrüche (fange aus dem Nichts an zu heulen)
- völlige Kraftlosigkeit, Erschöpfung, ausgelaugt sein (lag 2 Tage im Bett, selbst umdrehen erschien mir zu anstrengend, verbunden mit dem Gefühl nie wieder aufstehen zu können)
- Flashbacks/Bilder etc (wenn ich mit meinem Freund im Bett liege oder er mich umarmt und ich sein Gesicht nicht sehe, hab ich plötzlich das Gefühl mein Ex ist das, wenn er mit seiner Hand in die Nähe meines Halses kommt seh ich vor mir wie er plötzlich zupackt, ebenso wenn er auf mir liegt, dass er mich plötzlich festhält... aus dem Nichts erscheinen plötzlich in immer wieder anderen Situationen Bilder/Erinnerungen, die ich so schön verdrängt hatte)

Sitze teilweise echt da und halte mir den Kopf "Bitte lass es aufhören. Ich will nicht nachdenken, ich will mich nicht erinnern, ich will nichts fühlen.. Aufhören!" Ich merke auch richtig wie ich die Erinnerungen direkt weg schiebe und verleugne "Nein, ich wurde nicht geschlagen, Nein ich wurde nicht vergewaltigt" Ich ertrag diesen Gedanken einfach nicht, ich will das nicht wahrhaben.

War jetzt bei meinem Hausarzt wegen den Schlafstörungen, Kraftlosigkeit etc... Seine erste Frage war wer mich stresst und was für Probleme ich hab.... Hab ihm ansatzweise von der Therapie erzählt und er meinte, dass sich das nach ner Posttraumatischen Belastungsstörung anhört und ich mit meinem Thera drüber sprechen soll.. Das hat mich schon ziemlich schockiert... Was meint ihr dazu? Kann das echt sein?

Danke und liebe Grüße

02.05.2017 13:07 • 05.05.2017 #1


23 Antworten ↓


kopfloseshuhn
Hi ANgel.
Erstmal: das tut mir sehr sehr Leid, was du da druchmachen musstest.
So eine beziehungserfahrung habe ich auch selbst gemacht.

Ja, das klingt für mich auch durchaus nach einer ptbs. Das ist nicht sehr überraschend. Für dich jetzt allerdings schon weil du das ganze ja währenddessen verharmlosen und verdrängen musstest.

sagt denn dein Therapeut nichts dazu oder habt ihr darüber noch nicht gesprochen?

Das wird Zeit brauchen um wieder besser zu werden. Und ja, man hat währenddessen das Gefühl, es wird schlimmer und schlimmer.
das liegt daran, dass dein UNterbewusstsein jetzt die gefühle und die Bilder, ja die verdrängte Wahrheit wieder freigibt.

Flash Backs sind im grunde ein Versuch des Unterbewusstseins, zu verabreiten. Aber das funktioniert leider nicht.
Ganz wichtig wäre jetzt wirklich eine gute Therapie damit du die erlebte Gewalt verarbeiten kannst und dein Gehirn in die Lage gebracht wird, die Dinge, die passiert sind als "alt" abzulegen.
Denn während traumatischer Erlebnisse funktioniert diese Ablage leider nicht.
Irgendwann wird diese zeit dann integriert als gemachte Erfahrung aber eben als Vergangenheit.
Das wird dann bedeuten, dass du nicht mehr so stark darunter leiden wirst.
Aber natürlich verändern solche Erlebnisse einen Menschen sehr.

Ich wünsche dir einen guten Therapeuten und auch gute Freunde mit denen du reden kannst.
versuch damit nicht allein zu bleiben. Das macht es nur schwerer.

Sei lieb gegrüßt

02.05.2017 13:18 • x 1 #2



PTBS - nach Gewaltbeziehung?

x 3


HeikoEN
Absolut!

Ein Trauma ist NICHT nur EIN definierter Zeitpunkt, an dem was "schlimmes" passiert sein muss.

Kinder in solchen Verhältnissen (z.B. suchgestörten Familien mit Alk.) sind traumatisiert mit schweren Folgen fürs Leben.

Bei dem was Du ansatzweise schilderst, würde ich absolut und schnell professionelle Hilfe in Anspruch nehmen! Je länger Du damit wartest, desto weitreichender können die Symptome sein. Denn Deine Seele hat offenbar ein Problem und spricht in Form der Symptome zu Dir. Du musst jetzt reagieren, sonst kommen weitere hinzu...

02.05.2017 13:20 • x 1 #3


Danke erstmal für eure Antworten.

@kopfloseshuhn: Meinen Thera hab ich durch die Feiertage und Krankheit seinerseits seit 3 Wochen nicht gesehen daher konnte ich noch nicht mit ihm drüber sprechen.. In diesen Wochen ist es auch erst so richtig schlimm geworden. Wie hast du es denn geschafft drüber hinwegzukommen?

LG

02.05.2017 14:54 • #4


kopfloseshuhn
Hey Angel.
Leider muss ich sagen, dass ich eine chronische ptbs habe.
Denn diese Beziehung war nicht das einzige Trauma in meinem Leben.
darum gilt umsomehr: je schneller je besser die Hilfe umso weniger wahrscheinlich wird es sein, dass das chronisch bleibt und wird.

Hoffe, dein Thera ist bald wieder da?

02.05.2017 15:13 • #5


Huhu,

oje das tut mir leid Wünsche dir trotzdem nur das Beste!

Ja Ende dieser Woche kann ich ihm wieder mein Herz ausschütten.

Lg

02.05.2017 15:56 • x 1 #6


kopfloseshuhn
Hey Angel.
Danke dir.
Trotzdem kann ich sagen, dass ich mal gute mal schlechtere Zeiten habe. Selbst mir einer chronischen ptbs ist nicht immer alles Mist

Auf jeden fall brauchst du jetzt Zeit und Ruhe um zu verarbeiten. Lass dich nicht irre führen vm komischen Leuten, die einem vielleicht versuchen weis zu machen " aber das liegt doch jetzzt hinter dir, lass die vergangenheit ruhen".
Denn da das gehirn diese Dinge falsch abgelegt hat, weil es mit dem Hormonüberschuss im Trauma gar keine andere Whal hatte, ist nichts "vorbei".
das kommt, wenn es so weit ist.
Kümmer dich gut um dich und schreib gerne hier weiter. Ich zumindest kann von mir sagen, ich bin da und hör dir zu.

Liebe grüße

02.05.2017 18:47 • x 1 #7


Hey Angel, auf jedem Fall ist es angebracht, mit deinem Therapeuten über das Ganze zu reden. Bei mir wurde auch eine PTBS diagnostiziert, denn ich habe auch einiges an traumatischen Erfahrungen hinter mir (seit KH) und da kam einiges zusammen. Bin jetzt auch wieder in Therapie, weil ich noch immer Symptome habe (in einigen, die du beschrieben hast, finde ich mich wieder).

Alles Gute für dich,
Finja

04.05.2017 09:09 • x 1 #8


HeikoEN
Chronische PTBS.

Ein gut schulmedizinische Begrifflichkeit...

Natürlich bleibt es chronisch, weil die Erinnerungen dazu nicht ausgelöscht werden können. Jedoch können die damit verbundenen Symptome und biologischen Zusammenhänge aufgelöst werden.

Leider hat die kassenfinanzierte deutsche Schulmedizin da wenig zu bieten, weil der Ansatz (fast immer) rein kognitiv erfolgt (die leidige kognitive Verhaltenstherapie) und es nur pure Symptombehandlung ist (wie so oft im deutschen Gesundheitswesen).

Da lohnt der Blick über den Teich bzw. in andere Länder, die hier deutlich weiter sind, als Deutschland, in dem neue Verfahren 50-100 Jahre brauchen, bis sie anerkannt sind. Geld und Tradition sind kontraproduktiv zur Heilungsabsicht....egal, ich schweife aus.

Ich kann nur den Tipp geben, sich zu informieren über NICHT kognitive Ansätze und Therapieformen, die z.B. auf körperlicher Ebene abzielen, sich anzusehen. Mit diesen Methoden können z.B. punktuelle Traumata vollständig und vor allem unglaublich schnell (!) aufgehoben werden (Unfälle, Naturkatastrophen oder was einem sonst noch einfällt an schrecklichen Dingen im Leben).

Ebenso halte ich Traumata, die im Erwachsenenalter "erfahren" wurden, extremst gut heilbar mit solchen Methoden (weil die Grundanlagen ja gesund vorhanden sind).

Kindheit ist eine andere Hausnummer, insb. wenn es um lang andauernde traumatisierende Ereignisse oder Erfahrungen geht, da hieraus ganze Hirnstrukturen in Mitleidenschaft gezogen werden, die sich in tiefen Bindungsstörungen im Erwachsenenleben äußern können. Für sowas braucht man einfach längere Zeit (Jahre) um das auf biologischer Ebene zu lösen.

Das Problem in Deutschland ist, dass das kein Kostenträger übernimmt (Argumente siehe oben) und die Suche nach Therapeuten sich u.U. schwierig gestaltet, aber nicht unmöglich ist.

05.05.2017 07:46 • #9


kopfloseshuhn
Hallo. dazu hab ich noch ein bisschen was einzuwerfen:

Zitat:
Chronische PTBS.
Ein gut schulmedizinische Begrifflichkeit...
Natürlich bleibt es chronisch, weil die Erinnerungen dazu nicht ausgelöscht werden können. Jedoch können die damit verbundenen Symptome und biologischen Zusammenhänge aufgelöst werden.


Das ist nicht ganz korrekt.
Erinnerungen werden NIE ausgelöscht. Das geht ja gar nicht.
In einer Traumatherapie auch und eben gerade in den kognitiven Geschichten geht es darum, die Erinnerungen dahin zu packen, wo sie hingehören.
Das sit ganz ganz wichtige.
Das Gehirn kann während einer Traumaituation die Ereignisse und erinnerungen wegen dem ganzen Adrenalin und anderer Hormone nicht in den Langzeitspeicher ablegen. Es bleibt in einem Speicher, der das ganze akut hält - weswegen es eben zu den Symptomen kommt. Vor allem zu Flash backs. damit versucht das gehirn, die Erinnerungen zu verarbeiten und wo anders abzulegen. Was aber nicht funktioniert weil ein Flash back sich eben auch wieder anfühlt als geschehe das alles jetzt.
Von daher sind die traditionellen methoden, wie du sie nennst gar nicht so übel.
Je mehr man darüber spricht umso mehr hat das Gehirn die Möglichkeit das ganze zu verarbeiten und neu abzulegen.
Sind die Erinnerungen daran integriert als eigene Geschichte und als Vergangenheit, dann können auch die Symptome besser werden.

Als Beispeil: Eigentlich ist es auch ein Trauma, wenn eine Frau ein Baby zur Welt bringt.
Aber das ist Gesellschaftlich kein Problem weil man als Frau das dann immer und immer wieder erzählen kann. Das hören die Leute ja auch gerne. Auf jeden fall lieber als wenn sie über eine Vergewaltigung hören.
Nur damit verarbeitet die Frau das erlebte.

Dasher halte ich nicht viel von den "anderen Methoden" die es "anderswo" gibt.
Natürlich ist es nicht schlecht, den Körper mit einzubeziehen und auch die Körpererinnerungen aufzulösen und zu verarbeiten.
Allerdings halte ich das seltenst für die einizige und beste Lösung.
Ich bin immer vorsichtig wenn eine methode eine leichte lösung für ein schwieriges und komplexes Problem liefert.
Zudem sind naurkatastrophen und UNfälle auch ein ganz anderes Kaliber als Traumata die durch Menschen verurschat werden. Denn die rauben einem erstmal jede Sicherheit.

Zitat:
Ebenso halte ich Traumata, die im Erwachsenenalter "erfahren" wurden, extremst gut heilbar mit solchen Methoden (weil die Grundanlagen ja gesund vorhanden sind).

Sagen wir es mal anders: WENN die Grundstrukturen gesund sind.
Wenn man als Kind schon Strukturen hatte in denen der Selbstwert geschwächt wurde oder ähnliches dann wird es schon schwerer. Und eigentlich muss man davon schon fast ausgehen - wenn man als Frau so lange in einer destruktiven Beziehung bleibt und eben nicht schon nach dem ersten Vorfall schreiend davon läuft.

Und ebenso: je länger man in einer solchen traumatisierenden Struktur verbleibt umso länger wird natürlich auch die Heilungsphase brauchen und vor allem wirkt sich so etwas natürlich auch im Erwachsenenalter auf die gesamte Struktur aus.

Zitat:
Kindheit ist eine andere Hausnummer, insb. wenn es um lang andauernde traumatisierende Ereignisse oder Erfahrungen geht, da hieraus ganze Hirnstrukturen in Mitleidenschaft gezogen werden, die sich in tiefen Bindungsstörungen im Erwachsenenleben äußern können. Für sowas braucht man einfach längere Zeit (Jahre) um das auf biologischer Ebene zu lösen.


Das wirderspricht sich ja schon in sich. Wenn die Traumata schon ganz früh in der Kindheit geschehen, dann reift das Gehirn nicht bzw anders. Strukturen verändern sich und das ist auch in bildgebenden Verfahren nachweisbar.
So KANN sich davon später nichts mehr verändern. Die Hirnstruktur ist verändert und das lässt sich leider auch nicht heilen. Nicht mehr aufholen. Sagen wir: Die Hardware ist beschädigt.
Das lässt sich auf biologischer Ebene nicht mehr lösen. Da kann man nur lernen mit umzugehen.
Bei mir ist das der Fall. Und war zuletzt auch Thema in meiner Therapie.

Und das auf "da entstehen Bindungsstörungen" herunter zu brechen halte ich für gewagt. Bei mir ist das Vollbild einer ptbs geblieben. Mit allem was man sich eben so vorstellen kann.

Und ja, es ist schwer gute Therapeuten zu finden die mit Taumatisierten oder auch schwer traumatisierten arbeiten.
Manche davon haben selbst sehr merkwürdige Vorstellungen davon, wie man mit solchen Menschen umzugehen hat.
Aber unmöglich ist das nicht und nach vielen Jahren ambulanter und stationärer Traumatherapie kann ich sagen, dass sich bei mir schon einiges getan hat.

Liebe Grüße
kopfloseshuhn

05.05.2017 08:30 • x 2 #10


HeikoEN
Zitat:
Chronische PTBS.
Ein gut schulmedizinische Begrifflichkeit...
Natürlich bleibt es chronisch, weil die Erinnerungen dazu nicht ausgelöscht werden können. Jedoch können die damit verbundenen Symptome und biologischen Zusammenhänge aufgelöst werden.


Zitat von kopfloseshuhn:
Das ist nicht ganz korrekt.
Erinnerungen werden NIE ausgelöscht. Das geht ja gar nicht.

Hatte ich etwas anderes geschrieben?

Zitat von kopfloseshuhn:
In einer Traumatherapie auch und eben gerade in den kognitiven Geschichten geht es darum, die Erinnerungen dahin zu packen, wo sie hingehören.
Das sit ganz ganz wichtige.
Das Gehirn kann während einer Traumaituation die Ereignisse und erinnerungen wegen dem ganzen Adrenalin und anderer Hormone nicht in den Langzeitspeicher ablegen. Es bleibt in einem Speicher, der das ganze akut hält - weswegen es eben zu den Symptomen kommt. Vor allem zu Flash backs. damit versucht das gehirn, die Erinnerungen zu verarbeiten und wo anders abzulegen. Was aber nicht funktioniert weil ein Flash back sich eben auch wieder anfühlt als geschehe das alles jetzt.
Von daher sind die traditionellen methoden, wie du sie nennst gar nicht so übel.
Je mehr man darüber spricht umso mehr hat das Gehirn die Möglichkeit das ganze zu verarbeiten und neu abzulegen.
Sind die Erinnerungen daran integriert als eigene Geschichte und als Vergangenheit, dann können auch die Symptome besser werden.

Aha und was machst Du bei Traumata die über Jahre gehen?

Es geht darum zu begreifen was Trauma ist und wie es sich auf biologischer physicher Ebene äußert. Trauma ist ein Bruch sozusagen in den Nervenbahnen, bedingt durch die überfordernden Ereignisse, die der normale Versand nicht mehr begreifen/einordnen kann.

Das, was Du beschreibst, ist in Teilen das schulmedizinische Verständnis, was aber zu minderem Erfolg führt und Traumata nicht behebt.

Zitat von kopfloseshuhn:
Als Beispeil: Eigentlich ist es auch ein Trauma, wenn eine Frau ein Baby zur Welt bringt.
Aber das ist Gesellschaftlich kein Problem weil man als Frau das dann immer und immer wieder erzählen kann. Das hören die Leute ja auch gerne. Auf jeden fall lieber als wenn sie über eine Vergewaltigung hören.
Nur damit verarbeitet die Frau das erlebte.

Nur weil Du eine Vergewaltigung im Wald Dutzende Male erzählst, wird es nicht verschwinden.

Was fehlt in der Verarbeitung und genau das beschreibe ich ja, ist die körperliche Komponente, weil das Trauma ist biologisch im Nervensystem gespeichert. Hierzu gibt es aber Methoden mittlerweilen, die eine aktive Arbeit damit ermöglichen und es so auflösen.

Zitat von kopfloseshuhn:
Dasher halte ich nicht viel von den "anderen Methoden" die es "anderswo" gibt.
Natürlich ist es nicht schlecht, den Körper mit einzubeziehen und auch die Körpererinnerungen aufzulösen und zu verarbeiten.
Allerdings halte ich das seltenst für die einizige und beste Lösung.

Ok, Du sprichst aus Erfahrung oder warum so ein Urteil?

Ich spreche nicht von der einzigen und besten Lösung. Ich spreche von einem weiteren möglichen Ansatz, den man verfolgen könnte, wenn die Schulmedizin mit chronischer PTBS und kognitiver Verhaltensthrapie am Ende ist.

Zitat von kopfloseshuhn:
Ich bin immer vorsichtig wenn eine methode eine leichte lösung für ein schwieriges und komplexes Problem liefert.

Hatte ich von "leichte Lösung" gesprochen?

Die Erfahrung zeigt etwas anderes, wenn man sich Ersthelferberichte bei Naturkatastrophen in Erdbeebengebieten, die insb. diese Methoden anwenden, durchliest. Auch gibt es sogar hier in Deutschland bei der Polizei mittlerweilen solche Einsätze!

Zitat von kopfloseshuhn:
Zudem sind naurkatastrophen und UNfälle auch ein ganz anderes Kaliber als Traumata die durch Menschen verurschat werden. Denn die rauben einem erstmal jede Sicherheit.

Völlig richtig, daher ja auch der andere Ansatz, weil Du darüber Hunderte Mal erzählen kannst und die Angst bleibt.

Zitat:
Ebenso halte ich Traumata, die im Erwachsenenalter "erfahren" wurden, extremst gut heilbar mit solchen Methoden (weil die Grundanlagen ja gesund vorhanden sind).


Zitat von kopfloseshuhn:
Sagen wir es mal anders: WENN die Grundstrukturen gesund sind.
Wenn man als Kind schon Strukturen hatte in denen der Selbstwert geschwächt wurde oder ähnliches dann wird es schon schwerer. Und eigentlich muss man davon schon fast ausgehen - wenn man als Frau so lange in einer destruktiven Beziehung bleibt und eben nicht schon nach dem ersten Vorfall schreiend davon läuft.

Äh, was versuchst Du nun hier? Meinen gesamten Text auseinanderzunehmen und an jeder Aussage eine verdrehte Sichtweise zu schreiben?

Ich schreibe doch, wenn die Grundlagen gesund sind.

Ich schreibe NICHT, wenn sie NICHT gesund sind.

Du schreibst aber, wenn sie es nicht sind. Hallo?

Wenn sie es NICHT sind, dann ist es nicht so einfach wie von mir beschrieben. Aber genau das schreibe ich doch.

Zitat von kopfloseshuhn:
Und ebenso: je länger man in einer solchen traumatisierenden Struktur verbleibt umso länger wird natürlich auch die Heilungsphase brauchen und vor allem wirkt sich so etwas natürlich auch im Erwachsenenalter auf die gesamte Struktur aus.

Exakt das schreibe ich in meiner Aussage

Zitat:
Kindheit ist eine andere Hausnummer, insb. wenn es um lang andauernde traumatisierende Ereignisse oder Erfahrungen geht, da hieraus ganze Hirnstrukturen in Mitleidenschaft gezogen werden, die sich in tiefen Bindungsstörungen im Erwachsenenleben äußern können. Für sowas braucht man einfach längere Zeit (Jahre) um das auf biologischer Ebene zu lösen.


Zitat von kopfloseshuhn:
Das wirderspricht sich ja schon in sich. Wenn die Traumata schon ganz früh in der Kindheit geschehen, dann reift das Gehirn nicht bzw anders. Strukturen verändern sich und das ist auch in bildgebenden Verfahren nachweisbar.
So KANN sich davon später nichts mehr verändern. Die Hirnstruktur ist verändert und das lässt sich leider auch nicht heilen. Nicht mehr aufholen. Sagen wir: Die Hardware ist beschädigt.
Das lässt sich auf biologischer Ebene nicht mehr lösen. Da kann man nur lernen mit umzugehen.

Natürlich lässt es sich das!
Wie kommst Du darauf?
Entwicklung ist zu JEDEM Zeitpunkt des Alters möglich!
Anders wäre die Menschheit verloren und anders wäre auch jeglicher Therapieansatz völlig sinnlos! Denn was ist denn kognitive Verhaltenstherapie?

Und genau von diesen Methoden schreibe ich.

Die "Hardware", wie Du sie nennst ist NICHT beschädigt, sie ist nur nicht richtig angeschlossen und entwickelt. Das kann aber nachgeholt werden über geeignete Methoden. Oder fehlen Dir aufgrund Deiner PTBS ganze Hirnareale? Ich bezweifle das...

Zitat von kopfloseshuhn:
Und das auf "da entstehen Bindungsstörungen" herunter zu brechen halte ich für gewagt. Bei mir ist das Vollbild einer ptbs geblieben. Mit allem was man sich eben so vorstellen kann.

Ich breche nichts herunter, ich führe resultierende Bindungsstörungen nur als mögliche Ursache im späteren Leben an.

Ein Trauma führt nicht zwingend zu einer Bindungsstörung, auch wenn sie im Kindesalter stattgefunden hat.

Das, was später daraus erwächst, ist extrem subjektiv und individuell. Daher kannst Du nicht von Deiner PTBS ausgehen und allgemein gültige Aussagen darüber machen, was Sinn macht oder nicht. Selbst identisch erlebte Trauma werden völlig (!) anders verarbeitet.

Zitat von kopfloseshuhn:
Und ja, es ist schwer gute Therapeuten zu finden die mit Taumatisierten oder auch schwer traumatisierten arbeiten.
Manche davon haben selbst sehr merkwürdige Vorstellungen davon, wie man mit solchen Menschen umzugehen hat.
Aber unmöglich ist das nicht und nach vielen Jahren ambulanter und stationärer Traumatherapie kann ich sagen, dass sich bei mir schon einiges getan hat.

Das ist schön, aber die Unkenntnis anderer Therapien gibt Dir nicht die Möglichkeit, pauschal alles andere schlecht zu reden, wie mir Dein o.g. Text vorkommt.

05.05.2017 08:51 • #11


Zitat von HeikoEN:
Absolut!
Bei dem was Du ansatzweise schilderst, würde ich absolut und schnell professionelle Hilfe in Anspruch nehmen! Je länger Du damit wartest, desto weitreichender können die Symptome sein. Denn Deine Seele hat offenbar ein Problem und spricht in Form der Symptome zu Dir. Du musst jetzt reagieren, sonst kommen weitere hinzu...

Sie ist doch in Therapie...
Einen verantwortungsvollen Therapeuten zeichnet zb aus, das er solange er das Gefühl hat der Patient ist noch zu labil, die Diagnose der PTBS nicht ausspricht. Aber längst daran arbeitet.

Ich bin an einer PTBS erkrankt. Ebenfalls chronisch - allerdings inaktiv.
Inaktiv heißt, das ich durch gute Therapien (3 an der Zahl User einen Zeitraum von 17 Jahren) eine gute Aufarbeitung geleistet habe. Ich hatte außerdem einige Re-Traumatisierungen, die zwar alle natürlich schrecklich waren, aber unbedingt notwendig für ein weiteres Verabeiten.

Ich empfehle die Bücher von Reddemann. Kannst du nix verkehrt machen.

Das wichtigste ist, schau niemals weg! Stelle dich jedem noch so scheußlichem Gefühl...jeder Erinnerung.

Schaffe dir Pausen...Oasen...mach Meditation...mach das was dich beruhigt. Ich hab als Beispiel Mandalas ausgemalt. Hat geholfen zum runter kommen.

Schlafe Viel. Das Unterbewusstsein arbeitet im Schlaf. Ich habe nach jeder Therapiestunde 3 Std gepennt.

05.05.2017 09:15 • x 1 #12


HeikoEN
Hallo Flocker, völlig richtig was Du schreibst!

Zitat von Flocke37:
Einen verantwortungsvollen Therapeuten zeichnet zb aus, das er solange er das Gefühl hat der Patient ist noch zu labil, die Diagnose der PTBS nicht ausspricht. Aber längst daran arbeitet.

Ich würde es noch erweitern, in dem ich behaupte, einen verantwortungsvollen Therapeuten zeichnet aus, dem Patienten klar zu machen, was überhaupt eine Diagnose ist. Eine abrechnungstechnische Sicht auf die vorliegende mögliche Erkrankung. Es ist KEINE (wie so viele meinen) medizinische Sicht. Dafür ist der Befund und der Arztbrief da.

Zitat von Flocke37:
Ich empfehle die Bücher von Reddemann. Kannst du nix verkehrt machen.
Genau, der Klassiker, aber ggf. ein wenig altbacken. Ich würde ergänzen: Levine, Ruppert, Poole Heller und vor allem Stephen Porges.

05.05.2017 09:40 • #13


kopfloseshuhn
Hallo Heiko

Zitat:
Zitat:
Chronische PTBS.
Ein gut schulmedizinische Begrifflichkeit...
Natürlich bleibt es chronisch, weil die Erinnerungen dazu nicht ausgelöscht werden können. Jedoch können die damit verbundenen Symptome und biologischen Zusammenhänge aufgelöst werden.


kopfloseshuhn hat geschrieben:
Das ist nicht ganz korrekt.
Erinnerungen werden NIE ausgelöscht. Das geht ja gar nicht.

Hatte ich etwas anderes geschrieben?


Sorry da hatte ich falsch gelesen. Natürlich.

Zitat:
Natürlich lässt es sich das!
Wie kommst Du darauf?
Entwicklung ist zu JEDEM Zeitpunkt des Alters möglich!
Anders wäre die Menschheit verloren und anders wäre auch jeglicher Therapieansatz völlig sinnlos! Denn was ist denn kognitive Verhaltenstherapie?

Und genau von diesen Methoden schreibe ich.

Die "Hardware", wie Du sie nennst ist NICHT beschädigt, sie ist nur nicht richtig angeschlossen und entwickelt. Das kann aber nachgeholt werden über geeignete Methoden. Oder fehlen Dir aufgrund Deiner PTBS ganze Hirnareale? Ich bezweifle das...


Jein.
Klar ist entwickling immer möglich. Neue Synapsen können entwickelt werden, neue Dinge miteinander verschaltet werden.
Denn noch bin ich der festen Überzeugung, dass nach besonders frühen Traumata auch besonders schwer bis unmöglich sein wird, verpasste normale (Gehirn) Entwicklung nachzuholen.

Es geht doch hier auch um Meinungen und um einen Austausch. Als denke bitte nicht, ich wolle dir ans Bein pieschen weil ich an manchen Stellen anderer Meinung bin oder manches nochmal verdeutlichen möchte.

Ich gebe hier wieder, wovon ich überzeugt bin, was ich denke und was ich erlebt und gelernt habe.
Das ist und bleibt immer eine gant persönliche Meinung und Erfahrung. Eben WEIL du ja auch sagst
Zitat:
Das, was später daraus erwächst, ist extrem subjektiv und individuell. Daher kannst Du nicht von Deiner PTBS ausgehen und allgemein gültige Aussagen darüber machen, was Sinn macht oder nicht. Selbst identisch erlebte Trauma werden völlig (!) anders verarbeitet.


In meiner Therapie kam zum Beispiel zuletzt die Frage auf, warum es bei mir mit den Ängsten eigentlich kaum besser wird.
Warum ich seit jahren dagegen kämpfe und vermeide zu vermeiden und mich immer wieder und immer wieder den Situationen stelle, in denen ich Angst bekomme.
Und meine Thera sagte, dass es so ist weil es eben das Trauma, das sehr frühe Trauma gibt. Es begann, da war ich kein halbes Jahr alt.
Und damit, hat das Gehirn eben nur gelernt, dass es Grund gibt Angst zu haben. Es kannte viele Jahre/Jahrzehnte nichts anderes als Angst und Schmerz. Und es gibt bei mir nichts, das in Richtung Urvetrauen geht. Nichts, was mir hätte je sagen können, dass diese Wlet und ihre Menschen gut sein könnten.
Und das sich das auch nicht mehr verändern lässt, dass jedes Mal die Angst wieder anspringt weil die Sicherheit, dass es keinen Grund gibt Angst zu haben, habe ich nicht und das wird mein Unterbewusstsein auch nicht mehr lernen.

Ja zu gegeben, ich habe mich selten mit den Alternativen Methoden auseinander gesetzt.
Aber sowas wie zum Beispiel "Somatic Experience" halte ich für fragwürdig.
Ich persönlich (und das mag doch bitte für jeden anders sein) halte von so Methoden nichts, die jemand mal eben in einem Wochenendkurs lernen kann um einen Patienten von seinem Trauma zu "heilen".

Das ist, was ich damit meine, "schnelle Lösung" für ein komlexes Problem.

Ansonsten drückst du dich was die Methoden angeht sehr schwammig aus. Schreib doch gerne mal, an was du genau denkst. Dann bilde ich mir gerne noch weitere Meinungen dazu.

Und jetzt hier noch die ernst gemeinte und an Dir persönlich interessierte Frage an dich, Heiko: Hast du denn auch eine ptbs (gehabt)?

Liebe Grüße

05.05.2017 10:00 • #14


HeikoEN
Zitat von kopfloseshuhn:
Jein.
Klar ist entwickling immer möglich. Neue Synapsen können entwickelt werden, neue Dinge miteinander verschaltet werden.
Denn noch bin ich der festen Überzeugung, dass nach besonders frühen Traumata auch besonders schwer bis unmöglich sein wird, verpasste normale (Gehirn) Entwicklung nachzuholen.

Die Frage ist doch, wie sich das im Erwachsenenalter denn auswirkt und genau dort kann man ansetzen. Denn auch hier ist die Sache sehr subjektiv, weil nicht jeder Betroffene ein Problem darin sieht bzw. damit hat. D.h., erst wenn derjenige einen, wie auch immer gearteten, Leidensdruck verspürt, ist es ja behandlungsrelevant bzw. sollte daran gearbeitet werden.
Und natürlich sind gewisse Defizite schwer aufholbar, wenn sie z.B. in den ersten Lebensmonaten oder Jahren geschehen, da sich genau dann diese Verknüpfungen ja bilden.

Zitat von kopfloseshuhn:
Es geht doch hier auch um Meinungen und um einen Austausch. Als denke bitte nicht, ich wolle dir ans Bein pieschen weil ich an manchen Stellen anderer Meinung bin oder manches nochmal verdeutlichen möchte.

Das finde ich ja auch gut und richtig, denn genau dafür ist so ein Forum ja auch da. Nur wenn jemand direkt Stellung bezieht bzw. zitiert, dann darf/soll sich der Ursprungsautor angesprochen fühlen.

Zitat von kopfloseshuhn:
Ich gebe hier wieder, wovon ich überzeugt bin, was ich denke und was ich erlebt und gelernt habe.
Das ist und bleibt immer eine gant persönliche Meinung und Erfahrung.

Gut so, daran bin ich, sind wir, denke ich, auch immer interessiert.

Zitat von kopfloseshuhn:
In meiner Therapie kam zum Beispiel zuletzt die Frage auf, warum es bei mir mit den Ängsten eigentlich kaum besser wird.
Warum ich seit jahren dagegen kämpfe und vermeide zu vermeiden und mich immer wieder und immer wieder den Situationen stelle, in denen ich Angst bekomme.

Das war der Grund, warum ich meine Nachricht hier noch geschrieben hatte dazu. Weil ich es zu wenig finde, sich genau damit abzufinden.

Dein Kopf hat das alles begriffen, warum Dinge so sind, wie sie sind. Aber Dein Gefühl und dein Nervensystem eben noch nicht!
Das ist der Grund, warum der kognitive Ansatz gut und wertvoll ist, aber eben nur die halbe Wegstrecke. Man muss das Trauma auf Ebene des Nervensystems angehen, denn dort sitzen die Gefühle, u.a. auch Angst. Methoden dazu gibt es bereits, wie o.g. geschrieben von mir.
Trauma kann man auch als Bruch im Nervensystem verstehen, welches hindert, Gefühle, die mit dem Trauma verbunden sind (z.B. Angst) richtig "fliessen" zu lassen. Genau diesen Bruch kann man aber rückgängig machen, so dass die Gefühle wieder fliessen können.
Und auch wenn da noch NIE die Gefühle geflossen sind (Stichwort frühes Kindheitstrauma), kann man es damit, relativ problemlos, schaffen sie fliessen zu lassen!

Zitat von kopfloseshuhn:
Und meine Thera sagte, dass es so ist weil es eben das Trauma, das sehr frühe Trauma gibt. Es begann, da war ich kein halbes Jahr alt.
Und damit, hat das Gehirn eben nur gelernt, dass es Grund gibt Angst zu haben. Es kannte viele Jahre/Jahrzehnte nichts anderes als Angst und Schmerz. Und es gibt bei mir nichts, das in Richtung Urvetrauen geht. Nichts, was mir hätte je sagen können, dass diese Wlet und ihre Menschen gut sein könnten.
Und das sich das auch nicht mehr verändern lässt, dass jedes Mal die Angst wieder anspringt weil die Sicherheit, dass es keinen Grund gibt Angst zu haben, habe ich nicht und das wird mein Unterbewusstsein auch nicht mehr lernen.

Diese körper- und nervensystemorientierten Therapieformen brauchen KEINE (!) direkte Erinnerung an das konkrete Geschehen. Somit sind damit auch Kindheitstraumata therapierbar, an die man sich nicht mehr erinnert.

Zitat von kopfloseshuhn:
Ja zu gegeben, ich habe mich selten mit den Alternativen Methoden auseinander gesetzt.

Aha, aber Du kritisierst pauschal

Zitat von kopfloseshuhn:
Aber sowas wie zum Beispiel "Somatic Experience" halte ich für fragwürdig.
Ich persönlich (und das mag doch bitte für jeden anders sein) halte von so Methoden nichts, die jemand mal eben in einem Wochenendkurs lernen kann um einen Patienten von seinem Trauma zu "heilen".

Wie kommst Du darauf, dass das an einem Wochenendkurs erlernbar ist.

Selbst wenn es so wäre, wer heilt, hat recht!

Davon ab, glaubst Du allen ernstes, ein ausgebildeter Arzt von einer deutschen Uni, der in der Tat (!) an einem Wochenende lernt, wie er ein EKG zu lesen hat, kann danach ein EKG beurteilen? Ein deutscher Arzt, der an drei Wochenende (mehr sind es nämlich nicht) Sonographie gelernt hat, kann danach ein Abdomen-Ultraschall beurteilen? Ach, Du glaubst, sie lernen das im Studium? Nein. Du glaubst, sie lernen das in der Ausbildung? Ausbildung welche? Im Praxisjahr? Herzlichen Glückwunsch...nein.
Meine Liste hier lässt sich endlos fortsetzen und in einigen med. Fachdisziplinen tun sich wahre Schluchten auf.
Willkommen im deutschen Gesundheitswesen, denn die o.g. Dinge sind Realität in Deutschland! Tausendfach!

Die Frage ist also eher, nicht wann und wie schnell er das gelernt hat, sondern wieviel Erfahrung mit der Methode hat, die er anwendet. Wenn die Methode nichts taugt, wird er sie nicht anwenden. Wenn Sie etwas taugt, wendet er sie an und es ist "nur" eine Frage der Erfahrung, ob er z.B. mit Somatic-Experiencing auch Schwertraumatisierten helfen kann.

Zitat von kopfloseshuhn:
Das ist, was ich damit meine, "schnelle Lösung" für ein komlexes Problem.

Aber Moment, damit beziehst Du "schnell" auf die Dauer der Ausbildung des jeweiligen Anwenders einer Therapieform!

Darf das, kann das sein?

Es geht doch wohl vielmehr um die Frage, was kann helfen bzw. welche Möglichkeiten bestehen, wenn der Arzt einen sozusagen als austherapiert nach Hause schickt.

Zitat von kopfloseshuhn:
Ansonsten drückst du dich was die Methoden angeht sehr schwammig aus. Schreib doch gerne mal, an was du genau denkst. Dann bilde ich mir gerne noch weitere Meinungen dazu.

Ich möchte und kann keine konkreten Empfehlungen geben. Da muss, meiner Meinung nach, jeder selber hinterkommen. Was ich aber möchte ist, nicht alternativlos so manche Beschreibung dastehen lassen, weil ein Arzt, ein Therapeut am Ende seiner Kenntnisse ist, ohne über den Tellerrand hinausgeblickt zu haben. Konrekt mache ich das im persönlichen Austausch, nur es kann keine allgemeingültigen Empfehlungen geben, weil Psyche sowas von subjektiv und individuell zu betrachten ist, wie sonst nichts auf der Welt.
Was Du schön findest, finde ich noch lange nicht schön. Nur ich kann Dir einen Hinweis geben, mal anders heranzugehen, eine veränderte Sichtweise einzunehmen und dann neu zu beurteilen.

Zitat von kopfloseshuhn:
Und jetzt hier noch die ernst gemeinte und an Dir persönlich interessierte Frage an dich, Heiko: Hast du denn auch eine ptbs (gehabt)?

Hätte ich nur dann eine Legitimation von Dir, darüber zu schreiben?

05.05.2017 11:24 • #15


kopfloseshuhn
Hey!
Auch wenn wir jetzt (Sorry Angel) etwas arg abstrakt werden und das Angel vielleicht gar nciht so sehr hilft, ich weiß es nicht, also @Fashion_Angel komm gerne auf deine Anliegen zurück!

Zitat:
Trauma kann man auch als Bruch im Nervensystem verstehen, welches hindert, Gefühle, die mit dem Trauma verbunden sind (z.B. Angst) richtig "fliessen" zu lassen. Genau diesen Bruch kann man aber rückgängig machen, so dass die Gefühle wieder fliessen können.
Und auch wenn da noch NIE die Gefühle geflossen sind (Stichwort frühes Kindheitstrauma), kann man es damit, relativ problemlos, schaffen sie fliessen zu lassen!


Und nein ich kritisiere die Alternativen nicht pauschal. Und ich habe auch nicht gesagt ich weiß nichts darüber. Ich habe mir einiegs dazu angesehen und ....naja ICH halte nicht viel davon. Fertig. Dann lass doch bitte auch mal so stehen.

Für andere mag das anders sein und ja, wer heilt hat Recht.
Nur MIR käme das vor als würde ich Globuli bei einer Krebserkrankung zu nehmen.

Da müssenwir wohl einfach sagen: Wir sind unterscheidlicher Meinung. Und was mich angeht ist das auch völlig okay.

Ich persönlich bin immer dafür - ganz für mich allein - mich an die Dinge erinnern zu WOLLEN die da geschehen sind. Klar im frühkindlichen / Säuglingsalter mag das nicht wirklich funktionieren. Ansonsten aber schon.
Durch Dissoziaton erinner ich mich an Großteile meines Lebens nicht. Und das fühlt sich befremdlich an.

Japps. So weit so gut
Kommen wir dann aber in den Bereich der Dissoziation läuft das ganze ja nochmal anders.
Aber das führt wahrscheinlich hier zu weit.

Zitat:
Hätte ich nur dann eine Legitimation von Dir, darüber zu schreiben?


Ich weoß nicht wie du darauf kommst.
Ich sagte ich bin interessiert. Weil ich es schade finde so abstrakt darüber zu schreiben.
Aber gut du willst das so. Alles klar. Aber tu doch dann bitte nicht so als wollte ich dir irgendwas gartiges.

Grüße

05.05.2017 12:05 • #16


kopfloseshuhn
Und wenn ich ehrlich zu mir bin und mich verletzlich zeige will ich vielleicht auch nicht drüber nachdenken ob das Alternative mir helfen könnte. Denn ich könnte es mir sowieso nicht leisten

05.05.2017 12:33 • #17


[/quote]
Sie ist doch in Therapie...
Einen verantwortungsvollen Therapeuten zeichnet zb aus, das er solange er das Gefühl hat der Patient ist noch zu labil, die Diagnose der PTBS nicht ausspricht. Aber längst daran arbeitet.[/quote]

Ja das Gefühl habe ich auch.. Er selber hat das tatsächlich so deutlich noch nicht ausgesprochen sondern eher umschrieben... dass das was passiert ist, falsch abgelegt wurde und nicht verarbeiten konnte weils zu schmerzhaft war und nun mit Verzögerung zum Vorschein kommt usw.. er ist da wirklich sehr geduldig und bedacht was er sagt...

Schlafen kann ich leider nicht. Bin todmüde aber sobald ich im Bett liege ist es vorbei... sollte ich doch mal "schlafen" ist es so nen Halbschlaf (als wenn ich immer in Alarmbereitschaft bin um bloß keine Bewegung/Geräusch zu verpassen) und jede Menge Alpträume teilweise mehrere pro Nacht... oder ich hör plötzlich was und hab das Gefühl ich lieg bei meinem Ex im Bett..

Ich bin derart schreckhaft, dass ich beim Joggen schon über meine eigenen Füße gestoplert bin weil ich mich vor nem vorbeifliegenden Blatt erschreckt hab.. Gestern hab ich nachts ausm Augenwinkel was vorm Fenster gesehen... hab im Bett gestanden vor Schreck... dabei war das nur nen Baumwipfel.. außerdem wohn ich im 3. Stock sehr unwahrscheinlich, dass da jemand vorm Fenster steht...

Leider ist mein Therapeut nun immer noch krank.. Das macht's nicht besser...

Lg

05.05.2017 12:34 • x 1 #18


HeikoEN
Zitat von kopfloseshuhn:
Und nein ich kritisiere die Alternativen nicht pauschal. Und ich habe auch nicht gesagt ich weiß nichts darüber. Ich habe mir einiegs dazu angesehen und ....naja ICH halte nicht viel davon. Fertig. Dann lass doch bitte auch mal so stehen.

Ok, aber dann verargumentiere das nicht in einer meiner Antworten herein.

Und wenn Du mir Oberflächlichkeit vorwirfst, was ist dann "nichts davon halten"? Du begründest nichts, lehnst aber pauschal alles ab, was irgendwie anders ist, als Deine persönlichen Erfahrungen. Ich denke, so ein Forum kann nur "gut" sein, wenn man Dinge auch so stehen lassen kann und niemand hätte etwas dagegen, wenn Du es als Deine Meinung (unabhängig von meinem Posting) hingestellt hättest, was Du aber nicht hast. Von daher sich jetzt beschweren darüber, dass ich dagegen argumentiere oder wissen möchte, woher Du das beziehst, ist doch mehr als normal, oder?

Zitat von kopfloseshuhn:
Durch Dissoziaton erinner ich mich an Großteile meines Lebens nicht. Und das fühlt sich befremdlich an.
Wie schon erwähnt, könnten andere Therapiemethoden, z.B. auch Somatic Experiencing, dahingehend etwas erreichen, weil sie genau dort ja ansetzen. Auf der Ebene, wo die Dissoziation stattfindet.

Zitat von kopfloseshuhn:
Aber gut du willst das so. Alles klar. Aber tu doch dann bitte nicht so als wollte ich dir irgendwas gartiges.

Nunja, ich fühle mich schon auf den Schlipps getreten, weil Du ja gegen mich argumentierst, ohne aber konkrete Argumente formulieren zu können.

Da frage ich mich dann, was das genau ist? Teil der subjektiven Problematik?

05.05.2017 13:13 • #19


HeikoEN
Zitat von kopfloseshuhn:
Und wenn ich ehrlich zu mir bin und mich verletzlich zeige will ich vielleicht auch nicht drüber nachdenken ob das Alternative mir helfen könnte. Denn ich könnte es mir sowieso nicht leisten

Absolut akzeptiert, aber andere könnte es ja interessieren...

05.05.2017 13:14 • #20



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