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Isa90
Hallo zusammen,

ich habe leider keinen vergeichbaren Thread gefunden, daher mache ich einen Neuen auf.

Die Kurzfassung meiner Geschichte: Angst- und Panikstörung mit Agoraphobie seit ca 9 Jahren. Wurde direkt auf Medikamente eingestellt und habe in den letzten Jahren zuerst Venlafaxin, dann Escitalopram und zuletzt Duloxetin genommen.
Eine Verhaltenstherapie habe ich dummerweise erst begonnen, nachdem mein Absetzversuch mit Escitaopram kläglich gescheitert ist. Nach ca. einem Jahr Duloxetin und Therapie fühlte ich mich nun für einen erneuten Absetzversuch bereit.

Es zeigt sich aber die selbe Problematik wie beim letzten Mal: Ich habe nur minimale klassische Absetzsymptome wie zaps etc. gehabt, kam dann ca. 3-4 Wochen wunderbar ohne Medikament zurecht. Dann irgendwann die erste Panikattacke, was auch erst mal kein Problem ist, ich habe nie damit gerechnet, dass die weg sind, das waren sie auch mit Duloxetin nicht. Seitdem (ca. 6 Wochen) habe ich nun aber krasse andauernde Angstzustände, kann nicht essen, nicht schlafen, bin extrem unruhig und angespannt, teilw. richtig depri. Diese Problematik hatte ich vor den ganzen Medis nie, da war es nur die Panik. Meine Psychologin ist nun der Meinung ich hätte schwere Absetzerscheinungen und quasi ein neurologisches Problem. Sie sagt das könne Wochen oder Monate dauern. Mein Psychiater hingegen sagt, dass so krasse und zeitverzögerte Symptome nix mit dem Absetzen zu tun hat und das einfach meine Grunderkrankung sei. Mich würde nun interessieren: Wie war das bei euch? Kennt ihr Fälle, die auch erst Wochen nach dem Absetzen solche Probleme hatten? Wie lange geht sowas? Ist das vl auch der gefürchtete Rebound-Effekt?

Ich halte das auf jeden Fall nicht mehr lange aus, es fühlt sich an als wäre ich machtlos, meine ganzen Strategien greifen nicht so richtig.

Danke für eure Antworten, viele Grüße von
Isa

Gestern 12:25 • 23.09.2022 #1


11 Antworten ↓


Orangia
Was hat dich denn bewogen, Duloxetin abzusetzen ? Warst du der Meinung 1 Jahr sei lange genug ? Ging es dir so gut ?
Wozu etwas absetzen was einem hilft ? Es gibt Menschen, die nehmen u.U. ihr Leben lang Ad´s oder was auch immer.
Das klassische Beispiel sind z.B. Schilddrüsen-oder Diabetes Medikamente, da sag ich auch nicht,
ich versuche mal ohne auszukommen.
Ich will dich jetzt nicht entmutigen, ohne Medikamente auskommen zu können,
aber wäre es schlimm, wenn du sie noch länger oder sogar dauerhaft benötigen würdest ?
Dieses auf und ab von Antidepressiva ist für deinen Gehirnstoffwechsel auch ordentlich Stress.

Gestern 13:24 • x 3 #2



Starke Absetzsymptome SNRI nach vielen Wochen?

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Lina60
Zur Zeit bin dabei Psychopharmaka auszuschleichen, und ein neues schwächeres einzuschleichen. Tatsächlich verschrieben mir die letzten Psychiater immer mehr Psychopharmaka. Zum Schluss war ich zwar angstfrei, doch die Sezierung führte dazu, dass ich enorm müde und passiv wurde. Gar nicht mein Naturell und Temperament.

Das Endziel ist jedoch nicht ganz auf Psychopharmaka zu verzichten. Sondern nur noch 20mg Fluctine sowie 150mg Trittico Retard zum Einschlafen zu nehmen.

Womit ich schreiben will, dass Du Dich vielleicht auch damit abfinden musst, dass Du nicht ohne Dein bewährtes Medikament auskommen könntest ?

Gestern 13:47 • x 3 #3


Isa90
Zum Absetzen bewogen haben mich mehrere Dinge. Zum einen die Nebenwirkungen, in meinem Fall Verstopfung und absolute sexuelle Unlust seit Jahren. Außerdem war meine Idee, dass ich lernen möchte, mit meinen (negativen) Gefühlen auch ohne Medikamente auszukommen. Das konnte ich ja früher auch. (Das entspricht ja auch dem Ansatz der Psychotherapie, Aktzeptanz, etc.) Zudem haben die Medis bei mir immer irgendwann nicht mehr so dolle gewirkt, musste aufdosieren oder wechseln. Ich wäre gerne unabhängig davon, würde mich gerne auf meinen Körper bzw. mein Gehirn wieder verlassen können. Man mag sich nur ausmalen, was wäre, wenn man mal keinen Zugang dazu hätte aus welchem Grund auch immer. Im Übrigen hat mir meine Psychologin erst heute morgen erklärt, dass zumindest der Versuch des Absetzens immer stattfinden sollte, man nicht eifnach blind jahrzehntelang verordnen sollte.

Wenn sich herausstellt, dass ich ohne nicht klarkomme, werde ich wieder welche nehmen. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Aber ich bin doch auch 23 Jahre ohne zurecht gekommen. Ich frage mich halt wirklich, ob das alles noch vom Absetzen kommt und mit der Zeit besser wird, oder ob das mein neuer Normalzustand ist.

Gestern 14:43 • x 2 #4


Isa90
Ja, wenn es nicht anders geht, werde ich das Duloxetin wieder nehmen. Will nur die Flinte nicht zu früh ins Korn werfen! Gerade probiere ich es erst mal mit Johanniskraut.....

Gestern 14:45 • x 2 #5


Lina60
Ja@Isa90 wenn Du so starke Nebenwirkungen mit Duloxetin hattest, dann kann ich gut verstehen, dass Du nochmals einen Versuch ohne Psychopharmaka machen möchtest. Ich stimme Deiner Therapeutin auch darin zu, dass man immer wieder im Leben einen Versuch ohne Medikamente aus zu kommen machen sollte. Auch ich tat das zwischendurch, und es ging mir dann eine Weile besser, aber leider nur bis zum nächsten Seelenstress. Leider trotz Psychotherapien.

Auch bei mir ging es ca 33 Jahre völlig ohne Psychopharmaka. Doch dann erlebte ich was Schlimmes , und seither war ich leider immer wieder auf die Chemie angewiesen. Vielleicht hast auch Du in den letzten 23 Jahren ein mehr oder weniger unkompliziertes Leben geführt ( als junger Mensch gelingt es vielen auch noch besser zu verdrängen, man ist stärker..), und dann wurde die Krankheit aus einem Grund ausgelöst. Ich gehe davon aus, dass es einen Grund für eine Depression oder Angststörung gibt.

Wie immer Du Dich entscheidest, es muss für dich alleine stimmen. Denn ohne Dein Konsens hat eine Psychopharmakabehandlung sowieso schlechte Chancen. Ich wünsche Dir alles Gute egal welchen Weg du wählst !

Gestern 15:22 • x 2 #6


Isa90
Zitat von Lina60:
Ja@Isa90 wenn Du so starke Nebenwirkungen mit Duloxetin hattest, dann kann ich gut verstehen, dass Du nochmals einen Versuch ohne Psychopharmaka machen möchtest. Ich stimme Deiner Therapeutin auch darin zu, dass man immer wieder im Leben einen Versuch ohne Medikamente aus zu kommen machen sollte. Auch ich tat das ...


Danke, ja, so sehe ich das auch! Auch wenn ich es jetzt wieder nehmen sollte, wird das nicht mein letzter Versuch gewesen sein. Einigen gelingt es ja auch, anderen nicht oder nur teilweise. Ist alles ok, so lange man sich einigermaßen wohl fühlt.
Hoffe auf noch ein paar Erfahrungsberichte von anderen Absetz-Geplagten

Gestern 15:33 • x 2 #7


Grace_99
Ich habe seinerzeit roundabout 9 Jahre Escitalopram 10 mg genommen.

Innerhalb von 3 Wochen ausgeschlichen. Keine Absetzerscheinungen.

Knapp 1,5 Jahre später schwere Depression gehabt, welche in diesem Ausmaß wahrscheinlich nicht aufgetreten wäre, hätte ich entweder eher wieder eingeschlichen oder auf 15 mg erhöht.

Ich bin jetzt seit Januar wieder mit Escitalopram unterwegs, allerdings diesmal mit 20 mg.

Ich weiß nicht ob ich irgendwann mal ganz ohne sein werde. Eher nein, dann aber wohl mit 10 mg durchgängig.

Dies werde ich aber frühestens nächstes Jahr machen.

Gestern 15:47 • x 1 #8


Meine Absetzerfahrungen:
Setzt du zu schnell ab, bekommst du Probleme. Schnell ist hier alles unter einem halben Jahr und Absetzschritte größer als 20%.

Empfohlen sind 10% alle 4-6 Wochen. Das kann sich also schon mal 1-2 Jahre ziehen.
Bei mir hat es zuletzt 10 Monate auf Null gehalten. Aber auch schon mal 4 Jahre ohne Medikamente.

Die gröbsten Absetzerscheinungen halten in der Regel 2-4 Wochen an und bessern sich dann deutlich.
Absetzten kann alles mögliche an Beschwerden hervorrufen und fühlt sich oft zum verwechseln ähnlich mit der eigentlichen Grundkrankheit an.

Wenn man sich nicht sicher ist, kann man zurück auf die ursprünglich letzte Dosis gehen oder wenn man bereits abgesetzt hat, wieder sehr niedrig eindosieren (Das erste Monat ca.). Verschwinden dann die Symptome sehr schnell, waren es Absetzerscheinungen.

SSNRI wie Venlafaxin oder Duloxetin sind besonders ekelhaft, da die Halbwertszeit hier sehr niedrig ist und die Absetzproblematik schnell und heftig kommt. Auch kann man die Tabletten nicht teilen oder auflösen, aber ich glaube die Tabletten öffnen und die Kügelchen abzählen und dann per Dreisatz die Dosen berechnen und entsprechen entnehmen.

Das nach 3-4 Wochen erst die Absetzerscheinungen durchschlagen halte ich für wenig realistisch, aber im Zweifel eventuell möglich.
Ich denke aber auch eher nicht, dass nach 6 Wochen die Grundkrankheit wieder durchkommt.
Auch ist hier nicht jeder gleich. Manche haben kaum Probleme nach dem Absetzten, manche sehr starke.
Es gibt Berichte, dass es auch schon mehrere Monate und Jahre gehen kann (Im Extremfall), jedoch bezweifle ich das ein wenig. Der Körper reguliert in der Regel sehr schnell und länger als 2 Monate Symptome sollten nicht zu erwarten sein.

Ich würde, bevor du wieder komplett einsteigst, das Experiment machen:
Nimm eine Duloxetin und öffne sie. Nimm alle Kügelchen raus, bis auf eine und steck das eine Kügelchen in die Tablette zurück und diese nimmst du dann.
Sollte eine schnelle Besserung eintreten, waren es Absetzerscheinungen.
Wenn es dann schnell wieder besser wird, sollte man sich auf einer Dosis für mindestens 4-8 Wochen zum Stabilisieren bleiben. (Dosis so niedrig wie möglich, so hoch wie nötig).
Von dieser kann man dann langsam runter alle 4-6 Wochen um 10%.

Generell würde ich SSNRI nicht absetzen wollen und vorher direkt auf ein SSRI mit längerer Halbwertszeit wechseln. Das wäre dann einfacher zum ausschleichen.

Zitat von Isa90:
Gerade probiere ich es erst mal mit Johanniskraut.....

Das wirkt meiner Erfahrung nach nicht gut bei Ängsten. Wenn dann auch nur in doppelter Dosis (1800mg) und nur das auf Rezept aus der Apotheke (Laif900 oder Neuroplant). Dragees aus dem Supermarkt etc. kannst du komplett vergessen.
Bitte Johanniskraut nicht mit chemischen Antidepressiva kombinieren und vorher paar Tage weglassen!

Vor 10 Stunden • x 1 #9


Canary
Ja, Absetzsymptome können bei ADs und sogar auch bei Lyrika verspätet kommen (auch nach Wochen) und sie können auch portrahiert verlaufen, d.h Wochen bis Monatelang anhalten!

Vor 10 Stunden • x 1 #10


Isa90
Zitat von tnbla:
SSNRI wie Venlafaxin oder Duloxetin sind besonders ekelhaft, da die Halbwertszeit hier sehr niedrig ist und die Absetzproblematik schnell und heftig kommt. Auch kann man die Tabletten nicht teilen oder auflösen, aber ich glaube die Tabletten öffnen und die Kügelchen abzählen und dann per Dreisatz die Dosen berechnen und entsprechen entnehmen.

Ja, genau so hab ich es gemacht mit den Kügelchen! Das war beim Escitalopram einfacher, da gibt es Tropfen

Zitat von tnbla:
Ich würde, bevor du wieder komplett einsteigst, das Experiment machen:
Nimm eine Duloxetin und öffne sie. Nimm alle Kügelchen raus, bis auf eine und steck das eine Kügelchen in die Tablette zurück und diese nimmst du dann.
Sollte eine schnelle Besserung eintreten, waren es Absetzerscheinungen.
Wenn es dann schnell wieder besser wird, sollte man sich auf einer Dosis für mindestens 4-8 Wochen zum Stabilisieren bleiben. (Dosis so niedrig wie möglich, so hoch wie nötig).
Von dieser kann man dann langsam runter alle 4-6 Wochen um 10%.

Danke für den Tipp!

Zitat von tnbla:
Das wirkt meiner Erfahrung nach nicht gut bei Ängsten. Wenn dann auch nur in doppelter Dosis (1800mg) und nur das auf Rezept aus der Apotheke (Laif900 oder Neuroplant). Dragees aus dem Supermarkt etc. kannst du komplett vergessen.
Bitte Johanniskraut nicht mit chemischen Antidepressiva kombinieren und vorher paar Tage weglassen!

Ich hab das laif900 aus der Apotheke. Hat mir mein Psychiater empfohlen. Bisher wirkt es nicht wirklich, vl etwas auf die Stimmung.

Vor 20 Minuten • #11


Zitat von Isa90:
Ich hab das laif900 aus der Apotheke. Hat mir mein Psychiater empfohlen. Bisher wirkt es nicht wirklich, vl etwas auf die Stimmung.

Das braucht übrigens auch 2 bis 4 Wochen, bis es richtig anschlägt und muss regelmäßig genommen werden. Wie vorher erwähnt, sollte es eine Woche komplett abgesetzt werden, bevor man ein chemisches AD nimmt. (Absetzen bei Laif900 ist easy. Hab ich vor 2 Wochen auch gemacht)

Vor 3 Minuten • #12



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Dr. med. Andreas Schöpf