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Hallo an alle,

ich kann ja auch mal über meine Paroxetin-Erfahrungen, insbesondere über das Absetzen berichten, vielleicht macht das dem einen oder anderen hier etwas Mut.

Die Medikation kam zustande nach Beratung mit meiner Therapeutin und dem Neurologen, mit dem sie zusammen arbeitet. Ziel war, mich in meinem Rückfall der Panikstörung erstmal so zu beruhigen, dass wir verhaltenstherapeutisch wieder einen Fuß in die Tür bekommen.

Also: Ende März angefangen mit 10mg/Tag, das hats noch nicht gebracht (nach 14 Tagen). Erneut mit dem Neurologen gesprochen: Nun 20mg/Tag (jeweils 10 morgens, 10 abends).

Erfolg war sensationell: Nach drei weiteren Tagen keine einzige Panikattacke mehr, und nach und nach bekam ich auch wieder Zutrauen, dass ich die Krankheit in den Griff bekomme (und vor allem: körperlich gesund bin). Während dieser Phase habe ich wieder Sachen gemacht, an die vorher kaum zu denken war, auch nicht in der Phase, in der ich zwar keine Attacken hatte, aber ständig ängstliche Gedanken und mulmige Gefühle (2004-2010):

Rennradfahren 200KM
Schwimmen im Baggersee bei *beep* (kein anderer da)
Seilbahnfahren (Ski und Wandern)
alleine Auto und Bahn fahren
Vorträge halten
Business-Besprechungen gut gelaunt erleben.

Insgesamt war ich auch viel, viel cooler und unaufgeregter bei Alltagsproblemchen (Bürostreß, Straßenverkehr, Paarkleinigkeiten ...). Nebenwirkungen hatte ich keine.

Während der ganzen Zeit unter Paro (vier Monate) habe ich mit der Therapeutin kognitiv-verhaltenstherapeutisch gearbeitet und auch bereits Situationen aufgesucht, vor denen ich besonderen Schiss habe/hatte (s.o.). Ging alles ohne Panikattacken, wohl wissend, dass die "nur" chemisch abgeschaltet waren.

Da nun der Neurologe, die Therapeutin und ich Ende Juni gleichzeitig im Urlaub waren, besprachen wir, die Chance zu nutzen, dass Paroxetin wieder los zu werden: zwei Wochen lang 10mg/Tag, wenn es dabei keine besonderen Vorkommnisse gibt, danach auch die restlichen 10mg weglassen.

Von der Reduktion 20 auf 10mg habe ich rein gar nix gemerkt (vlt. hätte ich mich bei voller Dosis zweimal weniger mit meiner Frau gekabbelt). Seit letztem Mi. habe ich das Paro. nun ganz abgesetzt. In den ersten zwei Tagen überhaupt keine Symptome, danach nun "electric head": Wenn ich die Augen schnell bewege, fühlt sich das an, als ob der "AutoFokus" erst elektisch nachgestellt werden muss, wie bei einer Digicam. Das ganze summt kurz in der Birne. Das ist unangenehm, aber absolut aushaltbar. Am wenigsten spüre ich das, wenn ich abgelenkt bin, also in Gesellschaft, beim Sport oder aber ganz in Ruhe. Am stärksten merke ich das vorm PC, also beim Arbeiten.

Darüber hinaus träume ich derzeit total intensiv und sehr realistisch. Das find ich aber eher interessant als ängstigend, stört mich also nicht.

Meine zwei mächtigsten Instrumente sind derzeit offenbar Sport und Entspannung:
Sport: (insg. 5x pro Woche)
Schwimmen 1000m
Rennradfahren 70-150KM
Laufen 30-45 Minuten.

Entspannung:
Jacobsen mit Audiounterstützung mind. 1x täglich
früh pennen gehen (22:00 Uhr)

Für absolut wesentlich halte ich die Zusammenarbeit mit Therapeutin und Neurologen. Von beiden halte ich sehr viel und beide geben mir immer das Gefühl, das nicht sie etwas an meiner Krankheit rumdoktern, sondern das sie mich dabei unterstützen, dass ich an meiner Krankheit arbeite. Ich weiß, das ich damit großes Glück habe und das es auch sehr schwierig sein kann, die richtigen Begleiter zu finden.

Mal sehen, wie es weitergeht. Zur Zeit habe ich das Gefühl, Riesenschritte nach vorn zu machen. Wichtig wird sein, wie ich die Konfrontationen in der nächsten Zeit angehe. Motto: heute mal wieder die Amygdala ein bißchen kitzeln ...

Ich wünsche allen, die besonders mit dem Absetzen nicht so gut zurechtkommen viel Ausdauer und Erfolg.

*Klugshice-Modus an*: Ein Wort noch zu Beiträgen, die mich hier manchmal etwas irritieren: Zahlreiche Autoren geben direkte Tipps oder aber Verteufelungen zu Medikamenten, die auf ihren individuellen Erfahrungen beruhen. Das halte ich für brandgefährlich. Die Wirkung von Antidepressiva ist dafür m. E. viel zu individuell und von extrem vielen Faktoren abhängig. *Klugshice-Modus aus.*

Mein Neuro hat mich vor der Medikation total ausgequetscht, bis er Paroxetin ausgewählt hat: Tagesablauf, Familie, Freunde, wieviel Sport, wann ins Bett, wieviel TV, wieviel Musik, Genussmittel, ...

Lasst Euch durch Beiträge hier nicht stärker ängstigen, also ihr es ja ohnehin schon tut. Das ist knifflig, gerade bei Angstkranken, weiß ich selbst. Ich habe jahrelang zu Herzrhythmusstörungen gegoogelt und keinem Kardiologen geglaubt, dass ich gesund bin. Schließlich habe ich einen (mittlerweile ein Sportkumpel von mir) so ausgequetscht, bis er mir tatsächlich erklärt hat, warum er 1) mich für gesund hält und 2) keine weiteren Untersuchungen machen muss, von denen ich mich fragte, ob es die nicht eigentlich auch noch braucht. Fazit: Er weiß viel, erklärt aber wenig, wenn ich nicht frage. Der geht ja auch davon aus, das die Antwort: "Alles ok" mich zufriedenstellt.

Viele Grüße,

P

02.08.2011 12:33 • 21.07.2014 #1


20 Antworten ↓


Moin,

auch auf die Gefahr hin, dass es niemanden interessiert, berichte ich mal in Kurzform weiter.

Heute (Mo.8.8.) ist nun der 12. Tag ohne Medikamenteneinnahme. Die "Zaps" sind immer noch da. Ich spüre sie umso stärker je erschöpfter ich bin und je weniger ich mich bewege. Am wenigsten merke ich während des Sports und ganz in Ruhe (vorm Einschlafen). Sie stören mich aber kaum noch, weil ich merke, dass sie mich an nichts wirklich hindern. Träume sind nicht mehr so intensiv. Weitere Nebenwirkungen sind nicht dazu gekommen.

Gesamtbefinden: Ich scheine wieder etwas aggressiver und nicht mehr ganz so cool zu sein. Von Attacken aber nach wie vor keine Spur. Ich warte und erwarte eigentlich, dass die Zaps jetzt mal nachlassen. Kann auch sein, dass das schon so ist, was sich darin äußert, dass ich sie ja weniger spüre.

Ich mache jeden Tag eine Konfrontationsübung, meistens Sport, mal was anderes aus der Kategorie "was ich mich nie zu trauen wagte …" Mir wird zwar dabei mulmig und ich merke, dass die früher Attacken auslösenden Gedanken wieder zunehmen aber die Attacken bleiben aus. Ob das an noch an einer Restwirkung des Medikaments liegt oder an der Therapie, keine Ahnung.

Das ist der grobe Plan für die kommende Woche:
Kommendes Wochenende steht ein Alpenmarathon auf dem Rennrad an. Da fahr ich mit nem Freund zusammen mit. Bis dahin nur wenig Sport. Von den anderen Konfrontationen kommen dazu:

Übungen:
- Aufs Dach des sozialen Brennpunktes nebenan: Mit einem total versifften Fahrstuhl in den 17. Stock des Plattenbaus nebenan. Dort aufs Dach und runter gucken. Kein Handy dabei.
- Baggersee abends. Quer durch ist schon ne Übung, wenn kein anderer da ist.
- Mit dem Zug und mit Rad losfahren und mit Rad zurück. (Jeweils ca.40KM)

Zusätzliche Stressoren:
- Di. fängt meine Frau wieder an zu arbeiten, dass stresst mich, weil sie dann schlecht erreichbar ist.
- Arbeitsstress: Viel los zur Zeit

CU, Amyg.

08.08.2011 11:45 • x 1 #2



Paroxetin absetzen - Erfahrungsbericht

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Hallo,

ich finde deinen Beitrag sehr interessant.
Danke für deinen Erfahrungsbericht.
Ich bin ganz deiner Meinung. Leider noch nicht mal annähernd so weit wie du. Aber ich geb die Hoffnung nicht auf.

LG

Magni

08.08.2011 20:25 • #3


Danke dir,

ich denke, man muss sich immer klar machen, das der Weg wirklich weit sein kann. Und manche haben eben etwas Vorsprung, weil sie früher los gegangen sind.

Viel Erfolg weiterhin.

09.08.2011 09:15 • #4


Strand
Hallo!

Ich finde Deinen Bericht auch sehr spannend und hoffe Du schreibst weiter!
Wünsche Dir das die Zaps aufhören und dass Du Spass beim Alpenmarathon hast!
Berichte doch weiter!

Grüssle
Strand

09.08.2011 11:55 • #5


So, weiter gehts.

Gesamtlage:
15.08.: Die Zaps sind noch da, aber die meiste Zeit kaum spürbar. Also zumindest in meiner Wahrnehmung lassen sie nach. Insgesamt hat sich meine Dünnhäutigkeit etwas verstärkt, ich rege mich wieder mehr über Kleinigkeiten auf. Richtige Attacken hatte ich bislang noch nicht wieder, nur ein paar mulmig-Grummeleien, die ich vor der Attackenentwicklung wieder abwürgen konnte.

Vlt. schreibe ich demnächst bei "Erfolgserlebnisse weiter, das hat ja nun kaum mehr was mit dem Thema "Medikamente" zu tun.

So, nun zu diesem Alpenmarathon. Solche Fahrten stellen für mich mit die größten und komplexesten Konfrontationen dar: Bewegung am körperlichen Limit, unbekanntes Essen an Verpflegungsstationen, Abfahrten mit 80KM/h, stark befahrene Tunnel (ein wirklicher Höllenlärm), im Falle von Unwettern ziemlich exponiert Lage, lange Anreisewege für medizinische Versorgung, weit weg von zuhause ...

Kleiner Aufreger am Samstag abend: Sachen sortiert, hm komisch, in meiner Notfallbox für meine Wespengiftallergie knirscht es, aha, die Flasche des Antiallergikums ist kaputt und ausgelaufen (wie lange eigentlich schon?) , also die örtliche Notfallapotheke aufgesucht und erneuert.

Dann Startunterlagen für mich und meinen Kumpel geholt, die Waden der Mitstreiter begutachtet, Pasty-Party. Ab ins Bett. Nachts vor solchen Veranstaltungen davor habe ich immer einen Köttel in der Hose: Wespenstich, Schwächeanfall, Herzrhythmusstörungen ...

Wecker um 5:00. Frühstück, Klamotten an, 10Km zum Start gerollt. Kumpel getroffen, los gings. Spitzenwetter, gigantisches Panorama, schnelle Mitfahrer. Schiß gehabt bei: KM 40 (leichtes Herzpoltern und ziehende Schmerzen) und 145 (fiesester Berg vorbei, aber noch 50KM ins Ziel).

So um 13:00 Uhr in knallender Sonne befand ich mich in einem 15% -Anstieg und dachte: Das ist die konsequente Negierung aller Empfehlungen, die man für Sport im Sommer so gibt: "Treiben Sie möglichst anstrengenden Sport in der Mittags-Hitze. Achten Sie darauf, nicht zu viel zu trinken. Machen Sie dabei Sachen, die Sie nur einmal im Jahr machen. Achten Sie nicht auf ausreichende Kühlung ..." Und an der Stelle dachte ich: "OK, hier könnte ich es meinem Kreislauf nicht verübeln, wenn ich zusammenklappe, das wär ok. Vlt. wär das sogar besser, als diesen §$*')"§*-Berg weiter rauf zu fahren zu müssen."

Im Ziel völlig im Eimer, aber, wie der Zielsprecher sagte: "Du bist ein HIGHLANDER". Nudeln, Grillfleisch, Wasser Dusche, ab auf die Bahn nach Hause (500KM). Vlt. schreibe ich im Rennradforum noch mehr drüber, das verlinke ich dann hier.

Fazit:
Solche Fahrten verschieben bei mir die Grenzen der Angst bzw. des Vertrauens in mich selbst. Zeigen aber auch die Merkwürdigkeit der Krankheit: Ich krieg(t)e nen Blutsturz, wenn meine Frau das Haus verlässt, brettere aber mit 85 Sachen auf 23mm breiten Reifen durch einen unbeleuchteten Alpentunnel, gebremst mit einer klassischen Seilzugbremse (frei zitiert nach Rolf Aldag in "Höllentour"), gehts noch?

Es gibt also noch einiges zu tun, aber bislang bin ich sehr zufrieden.
Alles Gute Euch und bis bald.

Amyg.

15.08.2011 10:47 • #6


Ich finde deinen Bericht auch sehr spannend und der zeigt auch wieder mal, dass man Medikamente nicht grundsätzlich verteufeln sollte. Ich habe durch Mirtazapin auch ein völlig neues Leben beginnen können und Sachen gemacht, die ich wahrscheinlich ohne nie geschafft hätte. Ich finde es auch beruhigend zu hören, dass das Absetzen gar nicht so ein Horror ist. Ich wünsche dir, dass du weiter so stark bleibst. Und ich finde es toll, dass du Sport treibst. Meine Therapeutin meint auch immer, dass Sport bei psychischen Erkrankungen sehr positiv ist.

15.08.2011 10:58 • #7


Hallo, danke für Eure Antworten. Falls es interessiert, ich habe hier

http://forum.tour-magazin.de/showthread.php?p=3661315#post3661315

einen etwas ausführlicheren Artikel über das Radrennen geschrieben, der ist aber ziemlich off-topic, außer das er von mir ist.

CU, Amyg.

17.08.2011 12:43 • #8


Morgen,

mal kurz der Wochenbericht.

Gesamtbefinden: Die Euphorie nach dem Alpenmarathon ist relativ schnell verflogen, der Alltag wieder eingekehrt. PAs hatte ich keine, ich merke aber, dass die Gedanken, die sonst Auslöser waren, sich wieder häufen. Ich fühle mich nicht mehr so "geschützt" durch das Medikament weil ja auch die gewünschten Nachwirkungen zeitlich hinter mir liegen. Nun mach´ ich mir Gedanken, ob ich mich wieder an den Ausgangspunkt "hochschaukele", ob ich also weiter auf dem aufsteigenden oder wieder auf dem absteigenden Ast bin. Da gilt es nun mit der Therapie gegen zu halten, was ja klappt. Zaps sind noch da, aber ich glaube, sie nehmen weiter ab. Ich warte drauf, sie ganz los zu werden.

Die Alltagshandlungen Einkaufen, Arbeiten, mitm Auto fahren … lösen immer noch "Mulm-Gedanken" aus, aber keine PA´s, und manchmal wird ich dann sauer, weil ich keinen Bock mehr auf den Gedanken habe, und es mir nicht gelungen ist, ihn vor der Entstehung bereits zu unterdrücken.

Montag hatte ich frei. Herrlicher Urlaubstag in Bad Meingarten …

Dienstag war ich völlig platt, ist nach sportlichen Grenzerfahrungen bei mir immer am zweiten Tag danach so. Also eigentlich kein Grund zur Sorge, durch die vielen Extrasystolen an dem Tag schleichen sich aber immer wieder Gedanken ein, ob´s nicht doch zuviel für mich war und ich jetzt noch zwei Tage später umkippe … Noch dazu las ich von Andrea Pinarello , solche Nachrichten befördern natürlich die Gedanken, sind aber auch eine gute "Abwürg-Übung".

Donnerstag mal wieder Basketball gespielt. Alles ok, das war zwischendurch mal eine große Herausforderung, weil ich immer danach PA´s kriegte.

Sa. Wechseltraining Triathlon Rad/Laufen. War während des Laufens ziemlich alle und hatte ziemliches Herzstolpern. Im Februar hätte ich da auf jeden Fall eine PA draus gemacht, diesmal nicht – mit Gedankenstopp abgewürgt und zu Ende gelaufen. Abends noch mit Bierchen mit Freunden, inflationäre vier Halbe!! Das ist momentan eher meine Monatsdosis, wenn überhaupt. Habe ich mich lange nicht getraut, aus Schiss vor dem nächsten Tag (vermehrte Extrasystolen, Schädel, Kreislauf). War aber nix, weder noch noch noch).

So. wollte ich schwimmen, hatte aber die Öffnungszeiten am WE nicht beachtet, für den Baggersee war's auch schon zu spät.

Fazit: Ohne die Gedanken an PA´s hätte ich ja gar nix zu erzählen gehabt. Das hätt´ ich ja vor nem halben Jahr kaum zu träumen gewagt. Trotzdem bin ich etwas beunruhigt.

Weitermachen.

Amyg

22.08.2011 09:40 • #9


Strand
Hey Amyg,

das denke ich auch, wenn man nicht an die Angstgedanken denken würde, wären sie doch garnicht mehr da. Also was ich meine ist, die PAs und die Angst sind eigentlich bewältigt und überstanden, aber man denkt vielleicht noch aus "alter Gewohnheit" an die Angstgedanken.
Aber Du schaffst es doch super ohne Paroxetin und wenn die Gedankenstopps funktionieren hast Du es doch geschafft!

Gruß
Strand

22.08.2011 14:10 • #10


Hi,

ja, stimmt schon. Ist gegenwärtig wirklich jammern auf hohem Niveau. Und es gehört, wenn ichs richtig verstanden habe, eben auch dazu, nicht davon auszugehen, die Erkrankung für immer besiegt zu haben, sondern sie als Begleiter zu akzeptieren, aber immer wieder richtig damit umgehen zu können.

CU, Amyg.

22.08.2011 14:59 • #11



@AMYG.Dala

Oder mal zu hören das jemand der über 10 Jahre Panikattacken und Herzneurose nach vielen Todesfällen (Eigener Sohn-Partnerin-Eltern und Freundin) Eltern Alkis) und Heimkind nach erfogreichen 3 Langzeitherapien und regelmäßigem Sport (Joggen und Mountenbiken) Seit 20 Jahren geheilt ist.

Nur von einem nicht

Du hast es doch schon geschafft

Sind doch nur die Gedanken noch (Es könnte wieder mal kommen ) Na und ? Als ob wir das nicht kennen würden.haha Dann kommts eben mal .grins

Viel Erfolg weiterhin bei Deinem Sport. Du bist Klasse

22.08.2011 17:58 • #12


Danke Dir!

Meinen größten Respekt und Glückwunsch an Dich zum Überwinden der Erkrankung ...)

Und zum Sport: Ich habe so eine Sportsozialisation mit Sport ab 10 Jahren und zwischen 15 und 25 Leistungssport. Danach immer noch leistungsorientierter Hobbysport. Deswegen wollte und will ich Sport eben auch auf keinen Fall der Krankheit opfern. Andererseits hat das die Angst auch teilweise befördert, weil man ja als Sportler sinnvollerweise lernt, auf seinen Körper zu hören. Manchmal auch ein bißchen zuviel ...

CU, Amyg

23.08.2011 10:15 • #13


Morgen,

die nächste Wochenzusammenfassung:

Die Zaps sind noch da. Jetzt nervts allmählich. Natürlich je angespannter ich bin, desto häufiger. Ich hätte die gern weg, alleine schon um das Gefühl zu haben, die Medikamentierung jetzt ganz hinter mir zu haben.

Ich war die ganze letzte Woche etwas nervös, weil ich diesen Mi. ne kleine Dienstreise habe, eigentlich ein Witz, aber die Erinnerunskombi aus Zugfahrten und Sektlasschwenkerterminen sorgt für Spannung. Deshalb gab es ein paar Auf und Abs.

Do. kam es dann prompt zu zwei Mikro-Attacken, ausgelöst jeweils durch Extrasystolen. Konnte ich schnell wieder abwürgen, aber die Grübelspirale wird halt angeworfen: Warum jetzt? Gehts jetzt wieder los? Wird sich das aufbauen? Ist erst jetzt das Medikament ganz raus? Bin ich vlt. doch nicht herzgesund? ... Irgendwann halfen dann die inflationär gesetzten Stopps und es wurde jeweils etwas ruhiger.

Am Wochenende war dann mein erster Triathlon angesagt, quasi ein Heimspiel, ich wohne 300m vom Start/Ziel-Bereich entfernt. Vorher wie immer vor Sport-Events nervös (Was ist wenn ich untergehe? Auf dem Rad Extrasystolen bekomme? Zu schnell laufe und umkippe? Wespenstich? ... ). Morgens am Wettkampftag dann alles i.O., das Rennfieber hat mich aufgesogen, schönes Rennen im Rahmen meiner Möglichkeiten, viele Freunde getroffen, super Tag. Direkt danach denke ich dann immer: "Nicht schlecht für nen Angstkranken". (gibts eigentlich ne WM für Herzphobiker?).

Das hält bloß nicht so sehr lange vor. Sitze jetzt im Büro und habe wieder tierisches Herzstolpern. Das nervt, und ist immer so, als ob ich eine Tür zu halte, aber der kleine fiese Gedanke "Vielleicht ists ja doch nicht harmlos" versucht, sich durch den Türspalt zu zwängen. Müsste mir mal beibringen, das zu "überhören", ähnlich wie Tinnitus-Patienten das wohl machen.

Herausforderungen der Woche: Dienstfahrt, wichtige Besprechungen, Sport (gilt langsam nicht mehr). Alltagsleben halt. Viele Abendtermine.

Außerdem stehen ja nun auch noch wirkliche Konfrontationsübungen aus, um wirklich substanziell weiter zu kommen. Bislang gings ja immer darum, gedanklich rechtzeitig in die Speichen zu greifen, damits gar nicht zur Attacke kommt. Hm, bin gespannt, werde berichten.

Weitermachen!

Amyg.

29.08.2011 09:37 • x 1 #14


Strand
Hey Amyg,

Na, wie ist es die letzten Wochen gelaufen? Ich hoffe gut?

Grüssle
Strand

18.09.2011 22:46 • #15

Sponsor-Mitgliedschaft

Hi Strand,

danke der Nachfrage. Den letzten Wochen stehe ich etwas ambivalent gegenüber. Einerseits hatte ich keine richtigen Attacken, sondern maximal nur kleine Anflüge, die ich immer sofort in den Griff bekomme. Andererseits beschäftige ich mich immer noch gedanklich viiieeel zu viel damit, dass ich auf Attacken warte, die nicht kommen. Das nervt. Ebenso wie meine Extrasystolen, die symptomatische Wurzel allen Übels, die mir zwar zigfach als harmlos diagnostiziert wurden, aber mich immer und immer wieder an meiner Gesundheit zweifeln lassen. Dann habe ich Tage mit zig Herzstolperern und irgendwelchen wabernden Brustschmerzen, oder, oder, oder ...

Konfrontationsmäßig muss ich jetzt immer größere Geschütze auffahren, denn der Alltag ist eben quasi attackenfrei. Also jetzt so Späße wie: übernachten in (von außen) abgeschlossenen Kellerräumen, Seilbahnfahren, lange Zugfahrten alleine ohne Handy ... Das fällt mir extrem schwer, weil es immer auch einen gewissen Organisationaufwand bedeutet, der meinen Tagesrhythmus sprengt. Ein Teil ist aber eben auch "Vermeidung de Luxe", (lieber Laufen als schwimmen gehen, lieber Hand mitnehmen statt liegen lassen) ...

Mit den Medikamenten hat das alles nix mehr zu tun, obwohl ich immer noch das habe, was ich als Zaps bezeichnete. Die sind also entweder noch da, oder es sind irgendwelche Bagatellreaktionen, die ich auf Grund meiner Internetlektüre völlig überbewerte.

Fazit: Keine Attacken trotz "Vermeidung de Luxe", und genervt von mir selbst, dass ich 1) nicht bereits weiter bin, 2) doch noch vermeide und 3) mit dem Erreichten so unzufrieden bin.

Cu, Amyg.

19.09.2011 11:23 • #16




Hallo Sportlerkollege

Was machste Dich denn verrückt ??

"NORMALE"...(was immer das sein mag ) Leute haben auch ihr Handy einfach dabei. Was auch ganz nützlich ist falls mal ein Notfall eintritt. Muss ja gar nicht das gut trainierte herz sein. Ein Stolpern und schon ist in einer einsamen Gegend das Bein gebrochen , reicht ja schon. Ergo eine sinnvolle völlig normale Vorsichtsmaßnahme.

Du hast Dir ständig neue Konfrontationen gesucht um die Angst zu überwinden und nun festgestellt das dies gar nicht mehr notwendig ist.

das einzige was Dir nun Kopfzerbrechen bereitet ist, das die Angst wieder kommen könnte wenn Du Dich nicht mehr steigern kannst oder mal das Handy mitnimmst , weil Du es als Fehler oder Schwäche interpretierst. ob Deluxe oder nicht.

Doch gerade dieser Gedankengang lässt Dich ein unbehafgliches Feeling bekommen. Nicht das mitgenommene Handy

Wenn Du verstehst was ich meine . Früher hast Du als Sportler zu oft in Deinen Körper hineingehört, heute hörst Du zu oft auf Deinen Verstand den Du ständig kontrollierst ob Du auch ja genug tust um weiter in die Konfrontation zu gehen.

Da kann ein diesmal mitgenommenes Handy schon zur Belastung werden weil Du Dir Gedanken machst ob Du nun schwächer bist nur weil Du es wieder mitnimmst.

Anstatt sich zu sagen ich mach schon soviel Sport wie kaum ein anderer. ich hab mich schon so weit gebracht das ich die Angst entgültig überwunden habe und ich bin doch nicht bekloppt und zweifel an mir nur weil ich dsas Gefühl habe ich nehm das Handy diesmal wieder mit.

Jeder Mensch ist mal mehr mal weniger Leistungsfähig. Weißt Du bestimmt als Sportler. Auch psychisch. das hat aber nix damit zu tun das die Angst wieder kommt

Warum Du Dir Gedanken machst warum Du angebliuch nichts erreicht hast ist mir völlig unverständlich. (Sportlicher Ehrgeiz ?)

Und noch mehr und noch mehr und noch mehr ?? Wie lange ? Bis sich die positiven Ergebnisse ins Gegenteil verwandeln ? Man kann sich auch überfordern. Übrigens eins der Hauptursachen für Ängste.

Vieleicht sagt Dir dein Körper ich brtauch mal ne Pause mach mal slowley

Du machst so viel (laut Deiner Aufzählung) was andere in 100 Jahren nicht mewhr hinbekommen und bist unzufrieden ?? Spinnst Du ??

Das was Du geleistet hast und immer noch leisten kannst (ABER NICHT STÄNDIG MUßT) ist schon der Wahnsinn.

Das erreicht kaum jemand . Deine Unzufriedenheit mit Dir selber liebt eher an den Maßstäben die Du Dir selber stellst. Eine zu hohe Erwartungshaltung schlägt beim Fehlversuch nur all zu gern in Entäuschung um. Und das kann sich körperlich (Brustschmerzen ) Herzstolpern oder in ? Richtig Unwohlsein oder Ängsten äüßern.

Dann wärst Du bald wieder da wo Du angefangen hast. Ehrgeiz in allen Ehren. Aber angemessen.

Bleib auch easy wenn de mal das Handy mitnimmst. Ist die normalste Sacghe der Welt für angstfreie Leute.

Wenn Du angstfrei bist dann verhalte Dich auch doch in solchen Sachen so

Du setzt Dich viel zu sehr unter Druck. Das kannste beim Sport die letzen 100 Meter vorm Ziel machen aber doch nicht ständig im Leben bei Kleinigkeiten wie ein Handy oder ähnliches.

Die meisten der Leute auf der Welt haben nicht mal 5% von dem erreicht im Sport wie Du . Auch viele nicht im Durchziehen von Therapie und Angstbewältigung.

Es gibt also gar keinen Grund an Dir zu zweifeln. Vergiss den Blödsinn ganz schnell

Man muss auch nicht ständig auf der Überholspur fahren

Take it Easy

Du bist Klasse El Basta.

19.09.2011 12:42 • #17


Strand
Hey Amyg,

Du bist vielleicht auch etwas streng mit Dir, ich finde Deine Erfolge klasse
Und vielleicht könntest Du mehr auf das Acht geben was bereits super klappt, als Dich mit dem zu stressen was Du noch schaffen musst/willst?
Ich versteh Dich aber gut, ich bin auch recht ungeduldig wenn nicht alles sofort ohne Rückschlag klappt.
Aber ich finds toll und motivierend dass Du das Paroxetin abgesetzt hast und es gut ohne schaffst! Weiter so und lass Dich nicht entmutigen wenn's mal nicht so klappt!

LG
Strand

25.09.2011 13:40 • #18


Hi,

Ozonik und Strand: danke für Eure Beiträge. Ich könnte dazu jetzt viel schreiben, aber ich machs kurz: Ihr habt Recht.

Ich müsste jetzt auch mein ganzes Therapiekonzept ausbreiten, um das eine oder andere detailliert zu begründen, (Abbau von Schein-Sicherheiten ...) aber das führt m. E. zu weit. Aber der Deal ist, diesmal noch weiter zu kommen, als beim letzten Mal, um einem eventuellen weiteren Rückfall besser begegnen zu können.Und das erfordert eben jetzt noch ein wenig Biss.

Und nochmal, nun aus der Sicht einige Wochen später: Für mich hat sich die Einnahme der Medikamente eindeutig gelohnt. Das hat mich in die Lage gebracht, in der attackenfreien Zeit anzufangen, so an mir zu arbeiten, dass die Tür zur Bewältigung sperrangelweit aufgegangen ist.

Noch kurz die Wochenbilanz:
Viel Spocht (das Wetter ist so goil)
Ein paar Konfrontationen
Keine Attacken, ein paar Fast-Attacken.

CU, Amyg.

26.09.2011 11:08 • #19




Und die Fastattacken kommen nur weil Du nu auf dem Tripp bist immer noch mehr zu erreichen (aus Angst) die Attacken kjönnten zurück kommen. Wenn Du Dich jedoch damit verausgabst hast Du sie 100%tig wieder

Deshalb ja mein Tipp. Mach mal nen Tacken langsamer .

das is sonst wie wenn Du nen Farari ständig auf der Überholspur fährst mit 360 km/h

weil Du meinst so kommst Du am schnellsten ans Ziel, vergisst aber zu tanken

Und dann liegste im Strassengraben und ich kann Dich mit meinem VW Käfer da rausziehen.hihi

Der kommt vieleicht nicht so schnell ans Ziel wie Dein Ferrari, dafür aber zuverlässiger weil er sich nicht verheizt

Und läuft und läuft und läuft ......





26.09.2011 13:29 • #20



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Dr. med. Andreas Schöpf