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Hallo zusammen,

ich habe heute von meinem Arzt Medikamente gegen meine Panikstörungen verschrieben bekommen, weil ich das Gefühl hatte, meine Ängste selbst nicht mehr in den Griff zu bekommen.

Ich bekomme nun Opipramol 100 und soll morgens und mittags je eine halbe und abends eine ganze Tablette nehmen. Das Opipramol soll ich allerdings nur für wenige Wochen nehmen. Der Arzt meinte, das würde er mir geben, damit ich zum jetzigen Zeitpunkt erst einmal wieder "runter" komme und ruhiger werde.
Für eine längere Einnahme habe ich Citalopram 20 bekommen und soll morgens eine halbe Tablette nehmen.

Ich bin diese Woche krankgeschrieben, weil ich mich einfach nicht mehr fähig gefühlt habe, arbeiten zu gehen und meinen Alltag zu meistern. Nun würde ich gern ab nächste Woche wieder arbeiten gehen, damit ich nicht zu lange ausfalle. Ich habe Sorge, je länger ich meinen gewohnten Alltag nicht habe, um so schwieriger komme ich hinein.
Soweit so gut. Mein Arzt meinte zu mir, dass es kein Problem sei, mit den Medikamten arbeiten zu gehen. Nun bin ich aber doch etwas unsicher und wollte fragen, welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt? Könnt ihr trotz Medikamente normal arbeiten gehen, Auto fahren etc.?

06.03.2013 13:15 • 14.03.2013 #1


19 Antworten ↓


Hallo Tamara,

m.E. kannst du ohne weiteres mit Opipramol und Citralopam arbeiten gehen. Opipramol hatte ich auch schon, wirkte nur nicht.

Citralopam sollst du über einen längeren Zeitraum einnehmen, da die Wirkung erst nach ein paar Wochen eintritt. Da es nicht sedierend wirkt, also die Wirkung definitiv jenseits von Benzos ist, sollte m.E. auch Autofahren kein Problem sein. Am besten solltest du selbst einmal testen, ob du sehr ruhig wirst oder nicht und dann höchstens rein prophylaktisch Auto stehen lassen, sonst kommst du erneut in die Angstspirale rein.

Du hast es richtig erkannt, ich sehe das genau so, was deine Befürchtung betrifft hinsichtlich Alltag. Mit dieser Kombi wirst du jedoch nicht weggeboostet, stimmungsausgleichende Wirkung und "runterfahren" sollten sich demnach recht schnell einstellen, und eben dieses löst auch Angst, du bekommst diese innere Ruhe, und durch diese kannst du auf alle Fälle deinen Alltag bewältigen. Würde es so machen, wie du vorhast: geh ab nächster Woche wieder arbeiten. Damit hast du keine lange Unterbrechung, also dann auch kein Problem, wieder voll einzusteigen. Zudem wirst du feststellen, dass Kontakte, Arbeit, Gespräche ablenken und dir die Unruhe hierdurch zusätzlich genommen wird.

Hoffe, es läuft bei dir alles so optimal ab, wie du dir das wünschst. Drücke dir die Daumen hierzu.

Alles Gute und liebe Grüße

06.03.2013 13:26 • #2



Mit Medikamente ganz normaler Alltag möglich?

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Hallo Supergau,

lieben Dank für deine Antwort.

Das hört sich doch wirklich positiv an!
Bei mir ist das Problem, dass ich täglich 50 km pro Strecke zur Arbeit muss und auf das Auto nicht verzichten kann. Daher war das gleich das Erste, an was ich bei den Medis gedacht habe. Und natürlich auch, dass ich auf der Arbeit sitze wie in Watte eingepackt und nicht merke, was um mich herum passiert.

Ich habe auf der Arbeit in letzter Zeit häufiger mal etwas Angst gehabt, konnte mich dann aber wieder beruhigen. Daher ist natürlich ein Teil in mir, der gern noch länger daheim bleiben möchte, um dieser Angst zu entgehen. Und der andere Teil, der sagt, wenn ich noch ewig warte, werde ich gar nicht mehr hochkommen.

Da wir heute erst Mittwoch haben, hoffe ich natürlich auch, dass bis dahin eventuell auftretende Nebenwirkungen wieder nachlassen, damit ich mich damit nicht noch zusätzlich rumquälen muss.

Danke, dir auch alles Gute

06.03.2013 13:40 • #3


crazy030
Es kommt doch auch darauf an, wie man ein Medikament verträgt und ob es überhaupt was bringt, wie schwer die Erkrankung ist.

06.03.2013 13:52 • #4


Hallo Tamara,

kann deine Befürchtung sehr gut nachvollziehen. Aber keine Angst, bei diesen beiden wirst du dich nicht wie in Watte gepackt fühlen und wirst alles aufmerksam mitbekommen.

Wie wäre es, wenn du, da du auf das Auto angewiesen bist (ist mir jetzt auch logisch bei dieser Entfernung), wenn du dich, so lange du nun noch Zeit hast, einfach einmal ohne Druck und Zwang einfach ins Auto setzt und eine kurze Strecke fährst? Damit würdest du dir die Angst, wenn du selbst bemerkst, es beeinträchtigt deine Aufmerksamkeit nicht, dir vor Arbeitsbeginn schon eine gehörige Angst vor der Angst nehmen. Also ganz ruhig und gelassen angehen, v.a. mit dem Gedanken, du willst aber musst nicht und kannst jederzeit abbrechen.

Ich kenne das sehr gut, was du beschreibst mit der Angst auf der Arbeit, unter Leuten, man will dieser Angst entgehen und vermeidet eben die auslösenden Faktoren.

Mal ein Tipp: versuche dich mal, wenn du unter Leuten/Kollegen bist und diese Angst davor hast, auf Gespräche zu konzentrieren oder auf irgend einen Punkt (bspw. Blickkontakt, oder fixiere, ohne dass andere das bemerken, irgend einen Gegenstand parallel zu Gesprächen) und nicht darauf konzentrieren, dass die Angst wieder kommt. Versuche mal, dir anzutrainieren über Unterbewusstsein, wenn die Angst kommt, ihr in Gedanken zu sagen "verpiss dich". Ich mache das auch so, versuche es eben auf diese Art und Weise, und oft kann es tatsächlich helfen.

Hoffe, konnte dir etwas helfen.

LG

06.03.2013 13:55 • #5


Da hast du natürlich recht, crazy. Ich hoffe ja, dass sich die Nebenwirkungen halbwegs zurückhalten. Ich habe den Beipackzettel von Citalopram gelesen und das las sich nicht verheißungsvoll.
Ich konnte bis vor einer Woche meinen Alltag bewältigen, aber dann kam dann auf einmal eine Art Zusammenbruch, weil sich in den letzten Monaten so viel angestaut hat. Deshalb hoffe ich, dass ich mit Hilfe der Medis wieder zurück in den Alltag finde.


Ich habe noch eine generelle Frage zur Dosis:

ich habe in anderen Forenbeiträgen gelesen, dass die Dosis von Opipramol in vielen Fällen niedriger war. Nun bin ich natürlich etwas unsicher, ob ich nicht eine zu hohe Dosis nehmen soll?
Könnte ich bei Bedarf auch selbst die Dosis ändern? Also wenn ich merke, dass ich von der Mittagsdosis einfach zu müde werde? Ich soll es ja nur für die Anfangszeit nehmen zum Beruhigen, daher weiß ich nicht, ob ich das dann als eine Art "Bedarfsmedikament" ansehen kann?

06.03.2013 13:58 • #6


crazy030
Tamara76, man kann es nur versuchen. Bei mir ging Citalopram absolut nicht, totale Unverträglichkeit.

06.03.2013 14:02 • #7


Hallo Supergau,

danke, dass du meine Sorgen nimmst. Das ist ja wirklich meine Sorge, dass ich alles um mich herum nicht richtig mitbekomme. Ich war einmal bei einem Arzt in Behandlung, der mir Diazepam in die Hand gedrückt hat. Ich hatte es genommen und dachte, ich würde nie mehr richtig aufstehen können, so sehr war ich von der Rolle. Selbst nach einem Tag war ich noch benebelt. Daher ist wohl etwas meine Angst geblieben, dass ich nicht mehr Herr über mich selbst bin, wenn ich Medis gegen Angst nehme.

Ja, da hast du recht. Ich sollte auf jeden Fall vor Anfang nächster Woche wieder Auto fahren. Ich werde erst einmal versuchen zum Supermarkt zu fahren und dann vielleicht einen Tag darauf ein kleines bisschen weiter fahren, um zu schauen, ob das alles klappt.

Genau DAS ist wahrscheinlich mein Fehler in den letzten Wochen auf der Arbeit gewesen, dass ich mich zu sehr auf meine Angst konzentriert habe. Ich konnte dann eine Panik verhindern, in dem ich dann mal auf Toilette oder zum Kopierer gegangen bin. Das werde ich ausprobieren - wenn ich hoffentlich wieder arbeiten gehen kann

06.03.2013 14:04 • #8


Ab wann hast du denn die Nebenwirkungen gemerkt? ich habe leider keine Ahnung, ob die sofort eintreten oder erst nach einigen Tagen, Wochen?

06.03.2013 14:05 • #9


crazy030
Bei mir ging es am ersten Tag los.

06.03.2013 14:06 • #10


Schlaflose
Zitat von Tamara76:
Ich bekomme nun Opipramol 100 und soll morgens und mittags je eine halbe und abends eine ganze Tablette nehmen.

Das wären ja gleich 200mg am Tag. Um Gottes Willen, Antidepressiva müssen immer eingeschlichen werden. Man darf nicht die volle verschriebene Dosis direkt von Anfang an nehmen, sondern mit wenig anfangen und alle 2-3 Tage um 25mg erhöhen. Fang am besten mit 25-50mg abends an, und schau mal, wie du dich am nächsten morgen fühlst. Die Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Benommenheit dauern meist 1-2 Wochen an, dann hat sich der Körper daran gewöhnt, und man kann normal Auto fahren.

06.03.2013 14:11 • #11


Also ich hab auch über Monate hinweg Opipramol (50 allerdings) genommen. Bin weiterhin arbeiten gewesen, war alles kein Problem. auch Autofahren usw klappte alles wunderbar. Nebenwirkungen hatte ich eigentlich keine. Trockener Mund ab und an mal, bisschen schwindelig, nichts wirklich beunruhigendes. Die positive wirkung hat definitiv überwogen.
Kann ich nur empfehlen das Zeug^^

06.03.2013 14:13 • #12


Ja, klar, Diazepam, ich weiß, wie das Zeug wirkt. War selbst jahrelang abhängig von Benzos wie Alprazolam und Lorazepam, Dosis wurde immer höher, kamen dann auch immer mehr Substanzen dazu. Ging mir nur noch darum, endlich meine Ruhe zu bekommen und bei Bedarf, wenn ich angepisst war, auszuknocken. Von diesen Hämmern bekommst du dann allerdings wirklich nichts mehr mit, kommt auch auf die Halbwertzeit an.

Ich hatte auch einige übelste Filmrisse und Vorkommnisse, d.h. du läufst zwar rum, unterhältst dich, laberst irgendwas ab, ist mir ja auch zigmal vorgekommen. Aber hinterher? Kein Plan mehr. Wurde mir dann alles erzählt, wunderte mich nur immer wieder über alles Mögliche und hatte u.a. unter diesem Einfluss zweimal beinahe die Bude abgefackelt. Und allein das gab mir dann zu denken, ich habe immerhin meine Tiere, es leben Menschen in der Nachbarschaft, die ich dadurch gefährdet hatte, und so etwas ist nun wirklich nicht meins.

Kann dir davon nur abraten, wirst sehr schnell abhängig, und Entzug davon ist kein Zuckerschlecken. Habe es geschafft, allerdings radikalinsky, ohne Ausschleichen, ohne Thera und Klinik, nur es war über sehr viele Wochen echt die Hölle. Habe ja nicht über Wochen oder Monate, sondern konstant über einige Jahre alles eingenommen.

Wegen Dosierung: rede doch mal mit deinem Arzt darüber. Denke, wenn er verantwortungsbewusst ist, wird er das durchaus verstehen und sollte ihm doch m.E. lieber sein, wenn du von dir aus lieber vorsichtig damit umgehst.

06.03.2013 14:22 • #13


crazy030
Kommt auch immer darauf an. Ich hab vor 4 Jahren mal vor einem Eingriff Diazepam gespritzt bekommen und fühlte mich super, selbst nach dem Eingriff. Ich hätte zur Party gehen können.

06.03.2013 14:32 • #14


Hallo Tamara76,
Ich nehme jetzt schon zum zweiten mal Citralopam,das erste mal vor ca 8 Jahren und jetzt wieder seid ca einem Jahr. Ich hatte keinerlei Nebenwirkungen und war auch sonst nicht eingeschränkt beim Autofahren oder so. Bei mir dauerte es aber ca vier Wochen bis sie die richtige wirkung erreichten.

Lg Kim

06.03.2013 15:22 • #15


Ich muss Morgen zu meinem Arzt, da noch Ergebnisse von Blutuntersuchungen offen sind. Dann werde ich sie wegen der Dosis ansprechen. Denn ich meine auch, dass es sehr hoch ist. Ich habe jetzt zweimal eine halbe genommen und bin jetzt schon total müde. Nachdem ich die zweite Dosis um 13:30 Uhr genommen habe, habe ich das Gefühl, leicht wattig im Kopf zu sein. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil ich die ganze Zeit auf meinen Körper höre, ob er schon auf die beiden Medikamente irgendwie negativ reagiert.

Das Diazepam habe ich nur in absoluten Notfällen genommen, aber da ging es mir wie Supergau, dass ich danach das Gefühl hatte, ich hätte das alles gar nicht richtig erlebt.

Ich habe noch eine Frage an euch, auch wenn das nicht zum Thema Medikament gehört:
Ich habe auf der Arbeit noch nichts von meinen Ängsten erzählt, meine Familie rät mir davon ab, auf der Arbeit damit offen umzugehen, weil man dann schnell abgestempelt wird. Andererseits denke ich mir, dass es doch auch sinnvoll wäre, wenn die engsten Kollegen darüber Bescheid wüssten, oder? Denn so verheimliche ich etwas und ich könnte eventuell auf der Arbeit offen sagen, wenn es mir gerade mal nicht gut geht. Keine Ahnung, ob ich damit der Angst zu viel Gewicht gebe.

06.03.2013 15:44 • #16


Hmm...also ich habe es bei der Arbeit niemandem erzählt eben wegen der Angst als "Blöd" abgestämpelt zu werden. Ich glaube das es soeieso niemand nachvollziehen kann wenn man nicht selber betroffen ist.
Einen gebrochenen Arm kann man sehen aber die Nerven leider nicht

06.03.2013 15:55 • #17

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crazy030
Das sehe ich etwas anders. Der offene Umgang mit seiner Erkrankung kann hilfreicher sein, als sich da nun auch noch zu verstellen. Und was ich damals sah, man soll sich nicht wundern, wie viele das auch haben. Angststörungen sind keine Seltenheit.

06.03.2013 16:19 • #18


Das Thema ist nun schon ein wenig älter, aber ich habe die
Krankheit bei mir auch öffentlich gemacht. Was ich habe und
was die Syptome sind. So habe ich den Druck von mir genommen,
mich nicht verstellen zu müssen, wenn ich mal einen schlechten
Tag habe und die Kollegen wissen auch, daß Atemnot, hyperventilieren und
Schwindel bei mir "normal" sind. Es muss dann kein Krankenwage gerufen
werden, da es ja wieder vorüber geht.
Ich habe durchweg positive Resonanzen auf die Offenheit bekommen.

12.03.2013 22:59 • #19


Hallo Prinzessinhorst,

danke für deine Einschätzung.
Ich hatte auch nochmals mit meinem Freund gesprochen, der mir dazu riet, ich solle wenigstens meiner engsten Kollegin von der Angst erzählen, damit ich den Druck raus habe.
Vor allem auch im Hinblick darauf, wenn es mir schlecht geht, dass ich dann auch sagen kann, ich hätte gerade eine Panikattacke und dass ich mal kurz vor die Tür gehe. Ich denke aber, dass ich bei "kleineren Ängsten" es wie bisher machen werde, dass ich einfach mal zur Toilette gehe und gar nichts dazu sage.
Ich bin halt immer noch zwiegespalten was der richtige Weg ist.

14.03.2013 17:31 • #20



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