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Schneesturm93
Hallo zusammen,

Ich denke schon seit längerem darüber nach, ob ich mal zum Psychiater gehen sollte um - ergänzend zu meiner zäh voranschreitenden tiefenpsychologischen Therapie - Medikamente zu nehmen. Da ich nicht so recht zu einem Entschluss komme, weil es einfach schwierig ist, ich auch keinerlei Erfahrungswerte habe und insgesamt nicht die entscheidsungsfreudigste Person bin, möchte ich eure Einschätzung dazu einholen. Mit meinem Therapeuthen habe ich noch nicht gesprochen, irgendwie traue ich mich nicht so Recht zu fragen, weiß nicht warum, eigentlich haben wir ein tolles Verhältnis, aber meine Angst vor Ablehnung ist einfach groß.

Meine Probleme in Kurzfassung:
Angst- und Panikstörung, ständig in enormer Unruhe, oft Panik bei körperlichen "Empfindungen" aller Art, beim Treffen von Freunden, beim Essen, beim Feiern. Sachen wie Busfahren oder Enge oder so typisches Zeug, macht mir gar nichts aus. Ich habe auch keine Angst zu sterbe, höchstens durchzudrehen, dass es nie besser wird. Meine Panik läuft auf kein Horrorszenario, sondern nur dass es immer schlimmer wird. Meine Alltag bekomme ich aber gut hin. Studium und Nebenjob mache ich, auch treffe ich regelmäßig Freunde usw. Weiter habe ich leichte Depressionen (vermute ich): Bin oft einfach total traurig, halte oft alles für sinn- und wertlos bzw. kann einfach in nichts Sinn finden, weine viel ohne Grund, bin oft plötzlich niedergeschlagen, habe viele ungesunde Denkweise, wie, dass ich nicht liebeswert und nichts Wert bin, dass keine mich wirklich mögen kann, dass meine Bedürfnisse und Wünsche nicht zählen, dass ich mein eigenes Selbst besser gut verstecke, da es furchtbar ist und ich nur schlecht wegkommen würde, wenn ich es zeige. Geringer Selbstwert, wenig Selbstvertrauen in mich und meine Fähigkeiten, neige zu Abhängigkeiten zu Personen, wegen eines hohen Anerkennungsbedarfs, bin sehr perfektionistisch, usw. Dabei muss ich sagen, dass vieles davon schon seit vielen vielen Jahren so ist und ich einfach dachte das ist halt so im Leben, aber einiges v.a. die Lustlosigkeit/Sinnbefreitheit von allem und die Traurigkeit eher erst seit kurzen zugenommen hat. Weiter habe ich psychosomatisch Magenschmerzen und Übelkeit, sowie daraus und der Panik beim Essen auch Untergewicht, dass ich kaum los werde. Ich schreibe den Text gerade in passabler Tagesverfassung, weil ich hoffe, dann ist er klarer und neutraler. Bin immer extrem gestresst und unter Strom.

Meine pro/contra-Liste

Pro:
    - Es würde mich einfach besser gehen / das Leben wäre leichter und endlich wieder lebenswert und nicht nur ein Kampf (so meine Hoffnung)
    - Ich möchte nicht "zu lange" warten und es schlimmer werden lassen, meine Therapie habe ich auch sehr spät angefangen, was mir sicher einiges schwerer macht, wollte mir damals nicht eingesehen, dass ich es nicht alleine hinbekomme.
    - Evtl. mehr Fortschritte
    - Hoffentlich Gewichtszunahme (wobei das eigentlich kaum ein Argument ist). Naja meiner Ärztin meinte, dass man mit meinem Gewicht ja nicht langfristig gesund bleiben kann..
    -

Contra
    - Sorge vor Nebenwirkungen/Leberschäden oder so
    - bin eh eher kritisch und nehme nur im Notfall Medikamente (also mal bei den Weisheitszähnen oder so, aber sonst nicht)
    - Muss ich dann ja auch irgendwann wieder absetzen und verschiebe das Problem dann ja irgendwie nur
    - Ich bekomme ja meinen Alltag - zwar unter enormen Anstrenungen - hin, habe öfter gelesen, dass erst Medikamente empfohlen werden, wenn das nicht mehr der Fall ist
    - Damit nehme ich mir für den Fall, dass es schlimmer wird, die Hoffnung auf einen noch offenen Weg, wenn ihr versteht. Jetzt denke ich mir, wenn es nicht mehr geht, dann kann ich ja immernoch mal zum Psychiater gehen und dann wird sicher alles wieder
    - Bisschen die Sorge was andere davon halten...
    -

Bin sehr gespannt auf eure Antworten und Erfahrungen

01.08.2018 16:12 • 09.08.2018 #1


17 Antworten ↓


petrus57
Ich hatte vor Jahren mit Panikattacken zu kämpfen. Nahm dann Citalopram, die auch gut nach kurzer Zeit bei mir anschlugen. Habe die dann nach einem halben Jahr wieder abgesetzt. Hatte dann etliche Jahre Ruhe vor psychischen Störungen.

Ich würde die also zu AD raten.

01.08.2018 17:07 • x 3 #2



ADs nur als letzter Ausweg ?

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la2la2
Zitat von Schneesturm93:
Geringer Selbstwert, wenig Selbstvertrauen in mich und meine Fähigkeiten, neige zu Abhängigkeiten zu Personen, wegen eines hohen Anerkennungsbedarfs, bin sehr perfektionistisch, usw.

Hoffe mal daran hat sich durch die Therapie schon einiges geänder bzw. wird sich noch einiges ändern. Dagegen gibts leider keine Pille......

Zitat von Schneesturm93:
Bin immer extrem gestresst und unter Strom.

Vollkommen grundlos oder gibt es dafür irgendeinen erkennbaren Grund?


Zitat von Schneesturm93:
- Hoffentlich Gewichtszunahme (wobei das eigentlich kaum ein Argument ist). Naja meiner Ärztin meinte, dass man mit meinem Gewicht ja nicht langfristig gesund bleiben kann..

Isst du mindetens normal große Portionen? Dann sollte es kein allzu großes Problem sein....

Zitat von Schneesturm93:
- Sorge vor Nebenwirkungen/Leberschäden oder so

Je nachdem, was du ausprobierst sollte man eh gelegentlich mal die Leberwerte checken und ein EKG machen......
Finger Weg von Neuroleptika und ähnlichem. Das Zeugs kann bei längerer Einnahme das Nervensystem und Gehirn zerstören (im MRT sichtbar)....... Bei einfachen Antidepressiva ist diese "Nebenwirkung" hingegen nicht der Fall.

Zitat von Schneesturm93:
- Bisschen die Sorge was andere davon halten...

Ist doch egal. Musst du niemandem sagen, was für Pillen du so schluckst......


Probiers aus. Das wichtigste: Langsam einschleichen über viele Wochen, wenn es nach 1-2 Monaten (mit der Zieldosis) noch nicht wirkt, wird sich wohl nichts mehr tun. Dann kannst du es LANGSAM wieder ausschleichen über viele Wochen. Psychopharmaka niemals abrupt absetzen oder von 0 auf 100 hochdosieren - außer es gibt schwerwiegende Gründe wie EKG Veränderungen, Leberprobleme o.ä.

01.08.2018 17:24 • x 1 #3


Kay912
Die Pros und Contras sind ja nur Hoffnungen, bzw Vermutungen die gar nicht eintreffen müssen.
Probier es aus und mach deine eigenen Erfahrungen, da jeder anders darauf reagiert, oder lass einfach die Finger davon.
Ich bin der Meinung, dass bei NUR panikattacken ADs mehr als Placebo wirkt als alles andere. Da Panikattacken in den meisten Fällen ein gestörtes angelerntes verhalten ist, welches man wieder verlernen muss und keine Störung im Hirnstoffwechsel, wozu man ADs einsetzt.
Es gibt sehr viele Leute die schon 2 Tage nach der Einnahme eine sehr große Verbesserung versprüren, wobei ein AD in den 2 Tagen nichts verändern kann. So ist meine Meinung und klingt für mich auch mehr als logisch.

01.08.2018 17:26 • #4


Isa1982
Ich hab letztes Jahr mit einer leichten bis mittelschweren Depression gekämpft und mir haben die AD den A.... gerettet. Ohne wäre ich da nie raus gekommen. Ich hab nach einem Jahr ausgeschlichen und gut war.
Ich sehe keinen Nachteil darin, aber die Entscheidung ob ja oder nein kannst nur du treffen.

02.08.2018 10:46 • x 2 #5


Schneesturm93
Dankeschön ihr lieben für eure Antworten und Erfahrungswerte.

@la2la2 Ja wäre auch zu schön, wenns da einfach eine Pille gäbe Hat sich natürlich schon was gebessert, aber ich sehe mich immer noch eher am Anfang... Mein Untergewicht kommt leider wirklich daher, dass ich eher wenig esse..

02.08.2018 21:11 • #6


Von Benzos würde ich grundsätzlich abraten, da hohe Abhängigkeitsgefahr.
Ich z.B. nehme Opipramol 100mg abends zum schlafen und habe keine Probleme damit. Aber das ist auch kein "richtiges" AD.

09.08.2018 08:47 • #7


Schneesturm93
@wiederleben
danke für deine Antwort. Nein Benzos will ich wirklich auch nicht nehmen. Am Schluss mache ich alles nur noch schlimmer damit. Schlafprobleme habe ich eigentlich gar nicht. Schlafen geht immer, sogar als "Flucht" aus einer Panikattake. ich liebe schlafen. Bin aber auch immer viel müde, also wäre wohl was schlafförderndes für mich gar nicht so gut.

09.08.2018 09:04 • #8


petrus57
Dann würde ich dir Escitalopram oder Sertralin empfehlen.

09.08.2018 09:14 • #9


Schneesturm93
Wie kann ich mir das denn vorstellen, kann ich einen Termin beim Psychiater ausmachen und dann sagen ich hätte gerne dies oder das? Fühle mich gerade in dem Dschungel ein bisschen verloren und habe Sorge, dass ich "Mist" verschrieben bekomme.

Wie laufen Gespräche beim Psychiater ab? Eher wie beim Psychologen oder wie bei einem Arzt? Also schildere ich "ich habe unruhe und depressive Verstimmung und Panikattaken" oder schildere ich meine "Lebensgeschichte" und was mich so belastet. Das macht für mich voll den Unterschied.

09.08.2018 09:18 • #10


petrus57
Du schilderst wie es dir jetzt geht. Deine Lebensgeschichte interessiert den nicht. Dann zückt der sein Rezeptblock und du bist nach ein paar Minuten wieder draußen.

09.08.2018 09:26 • #11


Schlaflose
Zitat von Schneesturm93:
Wie laufen Gespräche beim Psychiater ab? Eher wie beim Psychologen oder wie bei einem Arzt?


Bei denen, wo ich bisher war, lief es so wie beim Arzt ab. Ist auch richtig so, Psychiater sind ja Ärzte.

09.08.2018 14:42 • #12


Sonnenwende1992
Zitat von Schneesturm93:
aus einer Panikattake. ich liebe schlafen. Bin aber auch immer viel müde, also wäre wohl was schlafförderndes für mich gar nicht so gut.


Genau so geht's mir auch
Kann immer schlafen.
Mit sertralin konnt ich das nicht mehr.
Ich war 36 Stunden am Stück wach - für mich war es eine Quälerei.
Seitdem probiere ich es ohne AD.

09.08.2018 15:22 • #13


Schneesturm93
Zitat von Sonnenwende1992:
Kann immer schlafen.
Mit sertralin konnt ich das nicht mehr.
Ich war 36 Stunden am Stück wach - für mich war es eine Quälerei.
Seitdem probiere ich es ohne AD.


Oh weh, das klingt ja gar nicht gut. Hast du deine "schönen" Schlafgewohnheiten jetzt nach dem Absetzen wieder?

Danke für eure Schilderungen, irgendwie kostet es mich total viel Überwindung da jetzt anzurufen. Wie finde ich überhaupt einen guten Psychiater? Worauf habt ihr geachtet oder seid ihr einfach zum nächst "besten" gegangen?

09.08.2018 15:50 • #14


Luke Danes
Ich muss offen gestehen, das mir die Wiedereinnahme von Venlafaxin und Mirtazapin dieses Jahr den A.... gerettet hat. Ohne die Dinger würde ich jetzt immer noch auf dem Zahnfleisch gehen. Ich hatte heftige Nebenwirkungen, aber bei mir schlagen solche Sachen eh immer sofort und mächtig an. Ich würde jedem zu AD´s raten, würde er mich fragen. Sie helfen (mir) wieder gerader stehen zu können um so den Rest in den Griff bekommen zu können.

09.08.2018 16:05 • x 2 #15


Sonnenwende1992
Zitat von Schneesturm93:
Oh weh, das klingt ja gar nicht gut. Hast du deine "schönen" Schlafgewohnheiten jetzt nach dem Absetzen wieder?


Nach dem Absetzen hab ich wieder wie gewohnt schlafen können.
Aber diese extreme aufputschende Wirkung muss ja nicht bei jedem auftreten..

09.08.2018 16:09 • #16


Isa1982
Also ich hatte auch Opipramol bekommen. Ich war ständig nervös und unter Strom UND dazu müde. Habe echt viel geschlafen. Und immer wenn ich aufgewacht bin, wieder total nervös. Mit Opi hat es sich eingependelt, nachdem ich davon erst mal noch müder wurde ( Nebenwirkung, die vergeht ).....

09.08.2018 16:10 • x 1 #17


Sonnenwende1992
Zitat von Schneesturm93:
tiefenpsychologischen Therapie


Wieso machst du keine Verhaltenstheraphie?
Ich dachte eigentlich das wäre das mittel der ersten wahl bei angststörungen..
Ich weiß halt nicht ob man AD nehmen muss wenn man noch recht problemlos am Leben teilnehmen kann - nicht böse gemeint!
Klar, du hast störende ymptome,deinen text hätte ich schreiben können.. aber dein Therapeut würde dir sicher AD vorschlagen wenn er meinen würde, dass welche nötig wären.

Ich sendete dir gerade eine PN

09.08.2018 16:11 • #18



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Dr. med. Andreas Schöpf