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Immer wieder kann man lesen; dass viele Betroffene beim Absetzen von Antidepressiva mit vielen Problemen zu kämpfen haben.

Diese teilen sich sowohl in psychische wie auch physische Beschwerden auf.

Gerade nach erstmaliger Einnahme passiert es dann sehr vielen Betroffenen,  dass sie dann von Ihrem Arzt zu hören bekommen, es wäre wieder die Ursprungs Krankheit die mit ihren Symptomen sich zeigt.

Im Internet gibt es diesbezüglich ja ein eigens dafür gegründetes Forum, dass sich mit der Materie Absetzreaktionen, Erscheinungen und Symptome bei Neuroleptika, Benzodiazepinen und SSRI Antidepressiva eindringlich auseinandersetzt.


Mitunter gibt es Betroffene in diesem Forum die nach erfolglosen oder mehrmaligen erfolglosen ausschleichen ihres Medikamentes, nun seit Monaten bzw auch Jahren in ganz kleinen Schritten ihr Medikament absetzen um davon wegzukommen.

Auch von zeitversetzten Absetzreaktionen bei Medikamenten, die erst nach Wochen/Monaten oder in ganz seltenen Fällen auch nach Jahren auftreten,  wird hier berichtet.

Da ich ebenfalls in den letzten Jahren mehrmalig mit einem Antidepressivum begonnen habe und dieses auch beim Absetzen wieder rasch ausgeschlichen habe, frage ich mich, ob hinter dieser These Absetzsymptome, zeitversetzte Absetzsymptome wirklich etwas dahinter steckt.

Oder sind es vielleicht doch die Ursprungserkrankungen, die wieder akut werden, weil man in den Grundsätzen in seinem Leben nichts geändert hat?

Wer von euch hat nachhaltig und erfolgreich sein Antidepressivum abgesetzt bzw. hat Erfahrungen mit Rebounds oder Absetzerscheinungen und wie seid ihr damit umgegangen?

LG und freue mich über regen Austausch

10.12.2018 19:10 • 21.02.2019 #1


4 Antworten ↓


Hallo!
Vor 3 jahren habe ich mein Antidepressiva recht schnell abgesetzt, so wie es mir meine Ärztin gesagt hat. Die ersten 2-3 Wochen ist es mir ganz gut gegangen und dann hatte ich einen ganz schlimmen Rückfall, habe danach sogar mehr Medis gebraucht als davor.
Ich denke, dass es bei mir nicht nur das absetzen war, sondern auch eine retraumatisierung durch meinen ehemaligen Therapeuten war.
Mir ist es damals nach wieder eindosieren zum Glück recht bald wieder gut gegangen, ob das jetzt für absetzerscheinungen oder eine grunderkrankung spricht, keine Ahnung.
Inzwischen bin ich viel stabiler, setze diesmal aber trotzdem ganz langsam ab und habe nur leichte absetzerscheinungen. - habe Magen und darmbeschwerden aber keine stromschläge im kopf oder schwindel.
Ich hoffe, dass ich diesmal ganz weg komme.

10.12.2018 22:25 • x 1 #2



Absetzsymptome bei Antidepressiva vs Grunderkrankung

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Ich hatte in der Vergangenheit locker 3 Anläufe mit der durch die Ärzte immer wieder empfohlenen Methode: einfach von heute auf morgen absetzen, gestartet. Dreimal ging es mir ca 2-3 Wochen blendend. Fast schon euphorisch. Und dann binnen weniger Tage, manchmal von heut auf morgen, bekam ich Symptome die ich noch nie hatte und schlimmer als der Grund warum ich damals damit begann.
Heute wenn ich bei anderen lese: hab abgesetzt und mir geht's seit einer Woche blendend, alles easy, denk ich mir immer: Oha! Je nach Medikament kann das noch genauso übel werden wie bei mir damals.

Mittlerweile schleichen ich seit ca 1 1/4 Jahr aus!
Ein Jahr lang nahm ich sogar konstant bloss die Hälfte und begann dann erst mit dem langsamen Ausschleichen. Von 10mg bin ich mittlerweile auf 3mg (in besagten 1 1/4 Jahr). Ich übe mich in Geduld!
In der Zeit hatte ich immer Phasen in dem ich fast vorm Verzweifeln war. Die ersten 4-6 Wochen sind es vor allem körperl Absetzsymptome (ich setze in 1mg Schritten ab). Die wechseln sich auch in dieser Zeit bunt ab.
Bisher hatte ich:
Panikattacken
Bluthochdruck (hatte ich in meinem Leben noch nie)
Schlafstörungen(auch das erste Mal)
Intensive Träume
Das Gefühl das Hirn ist nachts aktiv (kein richtiger Tiefschlaf)
Motorische Schwierigkeiten, unsicherer Gang
Zwei Tage bekam ich mal ständig Aussetzer und dachte ich fall jede Sekunde um (Schwarz vor Augen)
Durchfall
Phasen mit übermäßigem Hunger (vor allem die ersten Wochen)
Schwächegefühl in den Beinen
Sehstörungen, das Gefühl nicht mehr scharf zu sehen
Immunsystem down (alle 2-3 Monate erkältet)
Stimmungsschwankungen
Das Gefühl Weinen zu müssen
Stressempfindlichkeit
Atembeschwerden (flaches atmen)

Das ist nur ein Teil, alles weiss ich schon gar nicht mehr. Was mir aufgefallen ist: die ersten Wochen sind es eher rein körperliche Symptome und in den Wochen danach erst die psychischen.

Ich warte immer ab, dass es mir mind 2-4 Wochen auf der Dosis blendend geht dh keine Symptome mehr, stabiles Feeling, nix körperliches, nix psychisches und in den darauffolgenden 6-8 Wochen darf nichts Stressiges anstehen. Dann setz ich erst die nächsten 1mg ab.

Aktuell geht's mir nach dem letzten Absetzschritt auf 3mg und einer Phase von fast 3 Monaten wieder gut.
Ich hoffe, dass ich es mit meiner Geduld und Ausdauer von Paroxetin wegschaffe. Ich glaube viele setzen viel zu schnell ab. Ich meine sogar manchmal zu merken, dass sich mein Körper auch umgewöhnen muss, dass er sein Gleichgewicht wieder finden muss.
Es scheint immer so ein auspendeln zu sein, bis wieder Ruhe einkehrt und ich den nächsten Schritt wagen kann.
Seit 1 1/4 Jahr bin konstant unter 10mg (mit 7,5 begonnen). Das ist eigentlich eine Dosis wo Paroxetin keine therapeutische Wirkung mehr haben dürfte (Einschleichdosis sind die 10mg). Daher bin ich auch der festen Überzeugung, dass es bei mir ohne geht, aber mein Körper schlichtweg Zeit braucht. 99% der oben genannten Symptome haben absolut nichts damit zu tun warum ich das Medikament damals bekommen habe! Umso erschreckender unter was ich alles teilweise Wochen und monatelang leiden muss bis der Spuk irgendwann rum ist und es mir wieder gut geht.

Ich kann bisher nur aus persönlicher Erfahrung sagen: Zeit nehmen! Viel Zeit! Ich habe Paroxetin 8 Jahre genommen, 8 Jahre die mein Körper und meine Psyche dieses Medikament gewohnt war, und ich will dem Ganzen Zeit und Geduld geben, davon wieder wegzukommen.

Zusätzlich habe ich noch einiges mehr geändert: Ernährung umgestellt, mind einmal die Woche Sport, tägl Bewegung, Vitaminmängel aufgedeckt und beseitigt, Alltagsroutinen geschaffen usw.

Ich hoffe dass ich es so langfristig bis Ende diesen Jahres schaffe, was dann insges. 2 Jahre Ausschleichen bedeutet.

19.02.2019 23:19 • x 1 #3


LakeSonne1
Hallo Nesch,

als ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich so oft mit dem Kopf zustimmend genickt wie schon lange nicht mehr.
Angefangen bei den ärtzlichen Ratschlägen (meist schlecht), den Absetzsymptomen(hab ich ebenfalls), den zeitlichen Reduktionsschritten (seeeeehr langsam). Ich bin jetzt bei 7,5mg von ursprünglich 20mg Citalopram. Je weiter das ich runter komme umso schwieriger wird es . Am Anfang konnte ich noch um 1mg allle 6 Wochen reduzieren. Jetzt sind es wenn es gut läuft 0,5mg. Die Absetzsymptome werden stärker und bleiben länger. Da helfen nur kleinere Reduktionsschritte, man will ja alltagstauglich bleiben.

Gruß,
/lake

20.02.2019 19:01 • #4


meryem
Hallo ,
@nesch,
Wie reduzierst Du die Dosis ?
Teilst Du die Medis?
@all
Ich nehme auch Paroxat, bin mittlerweile bei 10 mg. Hatte vorher lange Zeit 20 mg.
Das reduzieren von 20 auf 10 , war kein Problem für mich. Die letzten 10 werde ich erstmal noch behalten.
Ich habe dieses Forum auch durchgelesen, sie gehen dort sehr kritisch mit den Medis um was ich sehr gut finde.
Aber dort wird eigentlich wirklich jedem zum Absetzen geraten und alles auf die Medis geschoben und nicht auf die Grunderkranung. Das finde ich auch zu einseitig.
Ich habe dort schon einige Berichte gelesen wo die Leute wässrig fröhlich wieder in ihre Psychosen geschlittert sind.
Paroxat soll ja wirklich am Schwierigsten abzusetzen zu sein .
Und ich finde es auch echt schwierig , ich habe tatsächlich das Gefühl das wenn ich Krisen habe sie schwerer sind als ich damals ohne Medis war.
Liebe Grüße

21.02.2019 22:52 • #5




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Dr. med. Andreas Schöpf