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Guten Abend zusammen,

mir wird es grade zu viel und ich würde gern ein paar Gedanken los werden. Einfach, um vielleicht etwas besser klar zu kommen.
Vor einigen Wochen hat sich ein ehemaliger Arbeitskollege das Leben genommen.
Er war wochenlang nicht mehr bei mir (er war im Außendienst, ich im Büro), kam dann Donnerstags vorbei und dann ist es glaube ich sonntags passiert.
Er hat mir gesagt, dass es ihm nicht so gut geht, weil seine Mutter krank war. Ich sagte, dass mir das leid tut, und als er ging habe ich ihm alles Gute gewünscht...ich hätte ihm gern geholfen. Aber durch die soziale Angst dachte ich, dass das vielleicht nicht passend ist, und selbst wenn, hätte ich nicht gewusst wie ich ihm das hätte anbieten können oder was ich hätte machen können. Das nagt irgendwie an mir.
Wir hatten gar kein enges Verhältnis und kannten uns nicht lange. Trotzdem...man hätte doch was machen können.
Montags hat mir mein Chef erzählt, was passiert war. Ich hab sofort angefangen zu weinen. Das ging mir so nah...und er war relativ neutral. Das kann ich nicht verstehen...klar bin ich wahrscheinlich sensibler als der normale Mensch, aber es hat sich jemand, den man gekannt hat, dazu entschieden, dass es einfacher ist, zu sterben und sich das eigene Leben zu nehmen, als weiter zu machen.
Er war immer der ruhige, der, der etwas eigen war und über den man sich lustig machte, weil er keine Frau hatte und insgesamt ein bisschen...tapsig war. Ich hab das Gefühl, dass er sich diese Hänseleien stärker zu Herzen genommen hat, als er es zugab.
Und niemand hats gemerkt. Alle sagen, dass er ganz normal war, bevor er den Schritt gegangen ist.
Wie kann das denn sein? Wie? Wie kann man das nicht merken? Wieso hat er mit niemandem gesprochen?
Ich komm mir egoistisch vor, weil ich wegen meiner Angst und den Gedanken nicht sagen konnte hey, wenn du mal reden willst, ich hör dir zu. Hätte er sowas vielleicht gebraucht?
Eine Kollegin kam dann an dem Montag in mein Büro und sagte nur ach weißt du, ich hab das schon drei mal erlebt. Beim ersten mal dachte ich mir auch, dass das schlimm war. Beim zweiten mal war es ein Familienvater, der ne Frau und zwei Kinder zurück gelassen hat. Da dachte ich mir nur du Ar.!. Und jetzt...jo...da hat er sich halt zu entschieden, wenn er das so wollte...
Da ist mir alles aus dem Gesicht gefallen...also...wie kann man denn bloß so sein? Ich kanns einfach nicht fassen. Sie kannte ihn doch noch besser und länger.

Mir gibt das alles einfach zu denken. Die Welt ist so grausam. Die Menschen nehmen sich selbst das Leben, weil niemand mehr zuhört. Jeder geht seinen Weg, keiner guckt mehr rechts und links.
Im Moment kommt es mir vor als wäre überall nur Krankheit, Angst, Tod und Terror. Das schnürt mir im Moment die Luft ab.
Grade könnte ich mich einfach nur einkugeln und weinen. Aber was bringt das schon.

Tut mir leid...vielleicht passt das gar nicht hier her und ich höre mich blöd an. Das ist alles nicht so einfach.

30.11.2015 22:28 • 01.12.2015 #1


23 Antworten ↓


Icefalki
Liebe Feleli, es ist hart und trifft einem, und natürlich noch schlimmer, wenn man selbst gerade Probleme hat.

Vielleicht nützt dir der Gedanke, dass er es selbst, aus freiem Willen so gewollt hat und es für ihn eben der einzige Ausweg war, den er für sich gesehen hat.

Die Reaktionen von anderen sind zum Teil Selbstschutz. Man lässt es nicht an sich ran, weil man dann nicht so leiden will, sich keine Gedanken machen will,und und und.

Verurteile sie nicht.

Wenn ein Mensch so fürchterlich leidet, dass er diesen Weg einschlägt, dann war es sein einziger Ausweg. Man muss das so akzeptieren.

Ist das traurig, ja unendlich, und die Hinterbliebenen haben alle mit Schuld zu kämpfen.

Hätte man doch was merken müssen, hätte man ...

Er hat selbst entschieden. Diese Tatsache bleibt.

Sein Leiden war für ihn untragbar, darum hat er es beendet..

30.11.2015 23:01 • #2



Selbstmord eines Kollegen

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Hallo feleli!

Ich war in meinem Leben 2 mal so weit, dass ich mich umbringen wollte. Es war knapp. Beim ersten Mal wollte ich in die eiskalte Donau springen, beim zweiten Mal mit einer Schrotflinte erschießen. Mit Suizid allgemein habe ich mich seit 2000 beschäftigt und war auch in Selbstmordforen unterwegs. Dort unterhielt man sich ua. über mögliche Methoden, wie man sich am besten umbringen könnte. Viele haben online angekündigt, sich zu töten. Einige haben es auch wirklich getan. Ernst genommen hatte quasi niemand diese Warnungen, welche Hilferufe gewesen sind. Im Nachhinein waren wir alle schockiert und niemand verstand etwas bzw kannte sich mehr aus.

Ich für mich bin nach langem Überlegen zum Schluss gekommen, dass jeder für sich entscheiden können sollte, ob er/sie leben will, oder nicht. Man wird in dies Welt hineingeboren und wurde nicht mal gefragt. Selbstbestimmt es zu Ende zu bringen, das sollte, meiner Meinung nach jedem selbst überlassen sein.

Das waren jetzt wahrscheinlich nicht gerade die Worte, die ihr lesen wolltet. Aber es ist meine Meinung als ehemals Suizidgefährdeter.

Hier habe ich einen Link zur Geschichte eines jungen Selbstmörders. Man bekommt ein paar Eindrücke in die Gefühlswelt des Menschen. Und vielleicht wird sogar auch die eine oder andere Frage nach dem WARUM beantwortet. lg

http://decease.myblog.de/decease/page/4 ... onelysoul-

30.11.2015 23:17 • #3


anjaf
Hallo Feleli,

ich kann auch sehr gut verstehen dass du geschockt bist. Sowas wuerde mich auch tief treffen und beruehren. Aber ich bin mir sicher, dass du auch nichts daran haettest aendern koennen oder ihn davon abhalten koennen.

Es ist grundsaetzlich zu verachten wenn Menschen wegen Andersartigkeit egal welcher Art gehaenselt werden. Diese Menschen fuehlen sich oft selbst schon schlecht und leiden darunter dass sie nicht der Norm entsprechen. Dann muss man sie nicht auch noch haenseln. Man sollte sie mit Respekt behandeln wie andere Menschen auch. Jeder Mensch ist gleich viel wert und hat es verdient mit Respekt behandelt zu werden.

Ja die heutige Zeit ist schnelllebig teilweise sehr oberflaechlich und die Menschlichkeit geht immer mehr und mehr verloren. Selbst innerhalb det eigenen Familie gibts kein grosses Interesse mehr fuereinander. Jeder macht sein eigenes Ding.

Ich wuensche Dir alles Gute!

Lg Anja

30.11.2015 23:25 • #4


Ich danke euch für eure Antworten.
@icefalki Hoffentlich kann ich das irgendwann auch so sehen, und solche Ereignisse differenzierter annehmen. Deine Ratschläge sind immer so hilfreich. Danke. Bist du eigentlich im psychologischen Bereich tätig, oder kommt das von Lebenserfahrung?

@MathiasT Wahnsinn...erst mal bin ich froh dass du noch da bist.
Ich hab die Geschichte durchgelesen (zugegeben nicht ganz, hab zwischendurch überflogen), aber das ist einfach krass. Wenn man das liest möchte man denjenigen in den arm nehmen und versuchen ihm verständlich zu machen, dass er wichtig ist. Dass er nicht so schrecklich ist, wie es seine Mutter, sein Vater und letztlich auch er selbst es sich einreden. Dass er nicht alleine ist. Da sind so viele Sachen für die es sich zu leben lohnt...aber würde Sowas helfen? Oder kann man sich da nur selbst raus holen?

@anjaf das mit dem hänseln hast du schön gesagt. Jeder ist irgendwie anders, aber eigentlich sind wir alle gleich. Keiner sollte so behandelt werden.

01.12.2015 00:46 • #5


Danke! Bin auch froh, meistens.

Ich denke, es hätte eine stationäre Psychotherapie geholfen. Mit Medikamenten allein ist es nicht getan. Klar, eine Aussprache hätte auch geholfen.

Bei mir selbst hat es sich immer weiter gesteigert. Und irgendwann kommt das Fass zum Überlaufen. Man könnte vieles erreichen, vieles haben. Man steht sich aber letztendlich selbst im Weg, glücklich zu sein. Und selbst wenn man alles hätte, dann würde bestimmt auch das nicht mehr zählen.

01.12.2015 00:53 • #6


Vergissmeinicht
Hallo feleli,

ja, es ist traurig und macht sich erst einen Kopf, wenn sowas geschehen ist. Weißt Du, ich habe erst kürzlich in der Klinik wieder viele kennengelernt die einen Suizidversuch hinter sich hatten, erstmal auf der Intensivstation waren und dann zu uns kamen. Sie wollten nicht wirklich sterben; es sind Hilfeschreie ihrer Seele. Sie kommen mit sich und der Welt nicht zurecht und haben sich irgendwie verloren.

Wenn es jemand macht und es klappt hat er dies aus freien Stücken so entschieden und den für ihn wohl einzig sinnvollen Weg gewählt.

Ich lernte eine Frau kennen, die ihrer Mitbewohnerin kündigte, ihre Katzen weggab, all ihre Geschwister nochmal anrief um ihre Stimmen zu hören und dann nahm sie 100 Tabletten. Sie wollte nicht verwesen in der Wohnung und ging in den Wald. Ein junter Mann fand sie; es war der 7. Versuch.

Ich habe mich mit der Dame angefreundeet und sie ist ein herzensguter Mensch; die Vergangenheit und die Einsamkeit lässt sie zu solchen Schritten greifen.

01.12.2015 11:10 • #7


Schrecklich...Das kann man sich glaub ich gar nicht vorstellen, wenn man nicht an dem Punkt war. Sieben mal den Versuch zu machen? Soweit zu gehen, sich Tabletten einzuwerfen und zu WISSEN, dass man gleich nicht mehr da sein könnte...wahnsinn.
Eine Bekannte hat auch schon den Versuch gemacht. Wurde in einem schlimmen Elternhaus groß, hat sich dann nur Männer gesucht, die genauso schlimm zu ihr waren. Dabei ist sie SO ein sensibler und aufrichtig guter Mensch.
Ich finde zwar auch, dass jeder Mensch selbst entscheiden dürfen sollte, aber das Leben ist so was wertvolles. Und jeder Mensch ist wertvoll. Es ist grausam, dass viele Menschen so eine unglaubliche Last und so großes Leid ertragen müssen, dass sie sich das Leben nehmen wollen.

01.12.2015 13:15 • #8


Vergissmeinicht
Hallo feleli,

ja, Deinen letzten Satz mag ich unterstreichen. Es waren aber auch viele junge Mädels da, die einfach nicht mehr leben wollen.

01.12.2015 13:18 • #9


Schlaflose
Vor einem Jahr hat sich auch ein Kollege von mir das Leben genommen. Er war sogar gerade in einer Rehaklinik, wo er es gemacht hat. Soll schon seit Jahrzehnten unter Depressionen gelitten haben. Ich habe ihn nur vom Sehen gekannt. Da ich bis vor ein paar Jahren selber jahrelang Selbstmordgedanken hatte, hat mich das nicht sonderlich berührt. Ich bewundere sogar jeden, der es tatsächlich macht. Denn ich hatte nie den Mut dazu. Was mich hauptsächlich davon abgehalten war, dass ich das meiner Mutter nicht antun wollte. Sie hat nur noch mich.

01.12.2015 17:50 • #10


Vergissmeinicht
Hey Schlaflose,

und wen hast Du?

01.12.2015 17:52 • #11


Schlaflose
Ich habe meine Mutter

01.12.2015 17:58 • x 3 #12


Uropanoel
Zitat von Schlaflose:
Ich habe meine Mutter



01.12.2015 18:28 • #13


Beste Antwort!

01.12.2015 18:29 • #14


Vergissmeinicht
Das war klar Schlaflose und erübrigte sich. Ich meinte natürlich außer Deiner Mutter.

01.12.2015 18:29 • x 1 #15


Uropanoel
na, sich selbst

01.12.2015 18:31 • x 3 #16


Vergissmeinicht
Schön Mathias mal von Dir wieder zu lesen.

01.12.2015 18:36 • x 1 #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Ja, Vergissmeinicht. Ich freue mich ebenso dich wieder zu treffen. Ich hoffe du hast dich gut erholt und lass dich nicht ärgern hier.

01.12.2015 18:40 • x 1 #18


Schlaflose
Zitat von Vergissmeinicht:
Das war klar Schlaflose und erübrigte sich. Ich meinte natürlich außer Deiner Mutter.


Niemanden. D.h. ich habe noch eine Cousine und einen Cousin mit ihren Familien, aber die wohnen 300km entfernt.

01.12.2015 18:44 • #19


Vergissmeinicht
Hm, das ich nicht viel Schlaflose. Danke für Deine Antwort.

01.12.2015 18:54 • x 1 #20



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