Erstmal ist es ja toll, dass du dich nach so einer langen Leidenszeit zu einer Therapie entschlossen hast.
Du willst etwas ändern und du hast den ersten Schritt getan. Glückwunsch!
Bei Therapeuten muss es halt "Menscheln", wenn man nicht auf einer Ebene ist, dann hat das wenig Sinn.
Ich habe auch diverse Therapieerfahrungen oder Vorstellungsgespräche gehabt und da muss ich silferleaf recht geben: Da kann man was erleben

Um mal etwas amüsanteres davon zu erwähnen: Eine Therapeutin befragte mich zu meiner Geburt. Als ich ihr dann sagte, dass ich 10 Tage zu spät dran war, weil erst so spät eine Zyste im Geburtskanal entdeckt wurde und ich nicht rauskonnte, klatsche sie zackbumm mit den Händen auf den Schreibtisch und meinte: "Da haben wir es doch! Kein Wunder, dass sie Angst vor Situationen haben, denen sie nicht entkommen können. Sie haben definitiv ein Geburtskanaltrauma!" Und dann ereiferte sie sich massiv über das Thema, während ich mich arg bemühen musste nicht loszulachen. Ein anderer saß, wie Sigmund Freud hinter einem uralten Schreibtisch, es war Winter und er hatte nur eine uralte Lampe an, streichelte unentwegt seinen Kater (ich habe auch noch eine Katzenhaarallergie) und schüttelte dann den Kopf. Er könne mir nicht helfen, meine Problematik sei ihm nicht interessant genug. Ein dritter bei dem ich nicht nur beim Vorstellungsgespräch war, sondern eine Therpie begonnen hatte, meinte irgendwann, Sexualtherapie sei ja auch so ein Steckenpferd von ihm und vielleicht würde es mir helfen während einer Panikattacke zuhause zu Sb (Kein Scherz) um die Anspannung loszuwerden. Später schlief er immer während der Sitzungen ein (er war schon älter und krank, wie sich später rausstellte).
Was ich damit sagen will, bis man bei dem oder der richtigen Therapeuten/in landet kann Zeit vergehen.
Ich habe dann eine Therapeutin gefunden, die mit mir viel in der Vergangenheit gearbeitet hat und sie hat mir dann das erste Mal gesagt, das ich traumatisiert sei. Ich hatte seit meiner Kinder immer wieder Phasen von Ängsten und Panikattacken und immer was Gefühl, da steckt was tieferes dahinter. Sie war die erste die das erkannt hat und dann haben wir an ganz grundsätzlichen Themen, wie Selbstliebe, sich spüren können, Gefühle erkennen etc. gearbeitet. Das war ein immens wichtiger Baustein. Jetzt sind ein paar Jahre vergangen und ich habe durch meinen Beruf einen Burnout erlitten, Angst und Panik sind massiv wieder zurück. Vorher hatte ich mich auch in so ein halbfunktionales Komfortzonenkonstrukt verkrochen, mit dem ich oberflächlich ganz gut zurecht gekommen bin.
Jetzt mache ich auch eine Expositonstherapie/ VT aber mit einem Therapeuten. Und ich finde es ganz wichtig, das er auch bei den Übungen dabei ist und sie begleitet für den Anfang. Die Onlinesache mit den Hausaufgaben ist schon wirklich etwas für Fortgeschrittene, die es evtl. auch nur leicht und noch nicht so lange haben.
Hör auf dein Bauchgefühl. Gib ihm die Chance Stellung zu nehmen, er ahnt ja nicht, dass es bei dir so düster aussieht. Es bringt dich auch aus dieser "niedrigeren" Position heraus, wenn du selbst aktiv wirst. Jetzt ist er "der große wichtige Therapeut" und du ein bisschen "das Opfer bzw. die die es über sich ergehen lässt". Soll nicht abwertend gemeint sein. In einer guten Therapeuten-Patienten-Situation müsst ihr allerdings auf Augenhöhe sein. Und wenn du jetzt aktiv wirst und ihm deine Meinung sagst wäre es super dich aus dieser Falle zu befreien. Du hast ja nichts zu verlieren. So, wie es läuft tut er dir nicht gut. Und dann lieber auf eine bessere Chance warten als dich jetzt in einer Therapie so unwohl zu fühlen. Nachher traust du dich an keine neue Therapie mehr heran und das wäre schade.
Wichtig ist wirklich, dass du für dich einstehst und dein Leben in die Hand nimmst. Du hast ein Recht auf eine tolle Therapie bei dem richtigen Menschen und das wird sich auch finden lassen.
Hast du nicht jemanden, der dich z.B. zu einem weiter entfernten Therapeuten fahren kann, wenn es bei euch nur zwei Therapeuten gibt? Es gibt für alles eine Lösung. Man sieht nur manchmal die Antworten nicht, wenn gerade so im emotionalen Tunnel steckt. Im Gespräch mit anderen findet sich immer irgendein Ansatz.
Ich habe auch Agoraphobie und die Fahrt zu meinem Therapeuten und zurück (ein Weg 15 km) ist für jedesmal mit Panik verbunden, ich versuche es als Übung zu sehen. Manchmal ist es aber auch einfach nur schei.
Sorry für den langen Text