Früher hat es gereicht, wenn man seinen Job erledigt hat, alles andere hat nicht so unbedingt interessiert. Heutzutage ist der Konkurrenzdruck so hoch, dass man sich die neue Arbeitskraft sozusagen aus dem Katalog aussuchen kann.
Keine Frage, der Kollege hat ein Verhalten an den Tag gelegt, dass heutzutage in einer Firma nicht geduldet wird. Er wirkt unsicher auf mich, er hat - was ich mir durchaus vorstellen könnte - vielleicht sogar schlechte Beratung bekommen, wie er vorwärtskommt: Selbstbewusst tun, einen auf Alphamännchen machen, fordern.... alles andere ist für Schwächlinge.... kein guter Rat, und ja, er muss lernen. Aber mit Burnout etc. hat er wohl eher schlechte Chancen zu lernen, eher wird er abbrechen. Alles nicht das Problem des Berichterstatters.... wenn da nicht was anderes wäre.... Die Lästerei. Fast lustvoll und genüsslich hier zu berichten, was derjenige sich wieder mal geleistet hat. Und zwar gar nicht mal unbedingt einem selbst gegenüber (dann könnte ich das verstehen) sondern gegenüber Dritten.
Ist es so toll, mal nicht zu den Opfern zu gehören, dass man sich gleich zum Richter aufschwingt?
Ja, nicht jeder ist ein Held, und auch ich würde mich aus solchen Situationen heraushalten. Aber ich würde weder frohlocken noch das Ganze genüsslich auseinanderfiletieren, weil es mich nämlich überhaupt nichts angeht, welche Probleme der Mann mit sich selbst oder anderen hat. Es ist schlichtweg Lästerei. Das ist - leider - ein zutiefst menschlicher Zug, aber auch ein äusserst primitiver. Zu gut deutsch: Mobbing einer einzelnen Person festigt den Zusammenhalt im restlichen Team. Das ist leider so. Aber das muss man nicht zelebrieren. Nein, mich erschreckt das, dass gerade Leute, die selbst eine psychische Schwäche haben, sich mehr oder weniger offen lustvoll am Niedermachen anderer beteiligen. Das zeugt nicht von Charakter. Sorry.
15.12.2015 17:17 •
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