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Zu der Frage, wie es kommt, dass der Absprung letztlich so schwer fällt kann ich auch in meinem eigenen Fall nur mutmaßen: es ist eben Programmierung, je nachdem wie existenzbedrohend das dargestellt wird, umso schwerer wiegt sie. So zum Beispiel, 'Du bringst deinen armen kranken...damit um' oder ' Ohne uns wirst du untergehen'. Ich denke, wenn die 'Unterdrückerseite' merkt, dass da einer gehen will, werden diese Programmierungen nochmal verschärft geäußert, waren aber sinngemäß und latent schon i m m e r Erziehungsmethode.

Aber wie schon gesagt ist es auch schwer, einfach ins Unbekannte zu springen, denn wenn man sowas erlebt hat, neigt man leider zu grundsätzlichem Mißtrauen und/oder geringer Selbstachtung, was in beiden Fällen eher schwierige oder gar mißbrauchende Partnerschaften anzieht. Im schlimmsten Verlauf sieht es dann so aus: Ausbrechen, Halt bei Ersatz-Familie suchen, Enttäuschung, Rückkehr, und nochmal von vorn.

Was Felizidad da beschreibt mit der Wut ist berechtigt. Sagt man sich erst mal von den alten Tyrannen los, muss man darauf achten, nicht selbst einer zu werden. Es ist wie bei einer starken Entgiftung: alles was man sich einverleibt hat in den Jahren verlässte den Körper, passiert die Schranke und wirkt noch einmal ein. Da merkt man erstmal, wieviel man unterdrückt, wieviel Lebendigkeit man so lange eingebüßt hat....

26.03.2013 02:10 • #41


hallo ihr lieben,
ich bin neu hier und dachte, obwohl es hier schon länger still ist, lasse ich das thema nochmal aufleben, weil mein anliegen ganz gut hierhin passt,glaube ich.ich bin jetzt 26, noch studentin und wie man so schön sagt "deutsche mit türkischem migrationshintergund". 2008 bin ich von zuhause ausgezogen, wegen der uni, und ca.1 jahr später nahm das grauen seinen lauf. die erste panikattacke ganz klassisch im zug, ab da gings erstmal bergab. hatte 1 jahr chronischen durchfall und 30 kilo abgenommen, panikattacken in öffentlichen verkehrsmitteln, dann im supermarkt, dann angst vor dem weltuntergang und so ging es immer weiter, hat sich verlagert, aufgehört, wieder angefangen. habe dann eine verhaltenstherapie gemacht, die bis dezember letzten jahres andauerte. da kam ich den ursprüngen meiner ängste langsam auf die schliche. habe eine narzisstische mutter, die mich kaputt gemacht hat und einen vater, den ich über alles liebe, der aber schon immer durch passivität glänzte. mein ganzes leben lang wurde ich gedemütigt, bloßgestellt, blamiert. meine grenzen, falls ich je welche hatte, wurden konsequent überschritten. alles ein drama, eine hass-liebe. in der therapie wurde alles einigermaßen in schach gehalten sozusagen, es hiess immer, auf abstand gehen. ich hatte und habe angst davor und habe meine bedenken darüber geäußert, der therapeut redete gut auf mich ein, dass mich meine familie schon nicht verstoßen wird und dass ich ihnen sicherlich wichtiger bin, als ich denke und dass sie sicherlich auch mehr hinnehmen werden, als ich ihnen zutraue. den türkischen migrationshintergrung erwähne ich deshalb, weil die sogenannte gesellschaft in den augen meiner eltern eine große rolle spielt und es immer sehr wichtig ist, was andere sagen und denken und gewisse werte und traditonen sollen befolgt werden. das ganze half insofern, dass ich mein leben einigermassen leben konnte, panikattacken hin und wieder hatte,aber irgendwann war alles schon fast erträglich und normal und ich dachte, mit den paar attacken und meinem tollen reizdarm komme ich klar,irgendwann wird alles gut.
ein schlüsselerlebnis war, als ich letztes jahr das erste mal mit meinem partner (deutsch und nicht erwünscht) in den urlaub bin (innerhalb deutschlands und nur übers WE). das hat mich so krass gestresst und unter druck gesetzt, weil es durfte ja keiner wissen, ich "musste" lügen, alles geheim und so weiter. das war so schlimm für mich, dass ich am tag vor dem urlaub im krankenhaus landete, weil ich in der stadt totale schwindelanfälle hatte. somit war ein neues symptom geboren und das zog sich erstmal.
ab da ging es bergab. im dezember habe ich eine tiefenpsychologische therapie angefangen und da geht es natürlich ans eingemachte. um es mal abzukürzen: mein hauptproblem ist, dass ich weiss, wo das problem liegt und auch, wie ich dagegen angehen kann, nur ich tue es nicht. offensichtlich halte ich mich für nicht lebensfähig, habe übertriebene zukunftsängste, verlustängste...mein körper spielt verrrückt, dachte schon, ich wäre hypochondrisch. kann eigentlich nichts mehr machen, kriege überall angstzustände, schwindelanfälle, atemnot, mein magen-darm spielt verrückt. das sind keine panikattacken mehr!die würden ja wenigstens nach ein paar minuten vorbei gehen. ich kann mich nicht abgrenzen, emotional und das macht mich fertig. ich fürchte stets, dass etwas schlimmes passiert. möchte meine familie nicht verlieren, aber weigere mich offensichtlich zu sehen, dass sie sowieso nicht für mich da sind. ich bin in einem zustand von trauer, enttäuschung, verzweiflung und wut und kann eigentlich keines der gefühle zulassen. mit fällt es sogar schwer zu akzeptieren, dass wirklich alles von dieser familienthematik herrührt, weil ich mir immer noch nicht vorstellen kann, was meine angstzustände mit meinen eltern zu tun haben.

entschuldigt die länge, aber vlcht erkennt sich jemand wieder und möchte seine erfarungen zu dem thema teilen. ich möchte einfach nur einen austausch mit menschen, die verstehen, wovon ich rede und sehr gerne auch tips, wie ihr damit umgeht.
danke!

19.04.2014 13:46 • #42


Hallo,
habe mir alle Beiträge durchgelesen und erkannte mich wieder. Wer mit einer narzistischen Mutter mit Münchhausen Syndrom lebte hat es schwer. Ich habe nahezu alles durch und kann noch was draufsetzten. Auch zwanzig Jahre nach dem Kontaktabbruch war meine Mutter destruktiv. Sie rief bei meinem Arbeitgeber an und machte mich da schlecht. Ich verlor meine Ehre und musste um drei Ebenen degradiert schließlich die Firma verlassen. Es war ein guter Job. Aber damit nicht genug. Dreißig Jahre nach dem Kontaktabbruch wurde ich von Nachbarn angesprochen. Ich solle doch mal meine Mutter anrufen. Dem entgegenete ich, ich stehe im Telefonbuch. Sie könne mich jederzeit anrufen. Daraufhin erklärten mir die Nachbarn, meine Mutter würde mir über einen Wunschkonzertsender dauernd Nachrichten zukommen lassen. Bitte melde Dich. Mein Name und der Wohnort würden genannt. Ich wunderte mich, weil ich diesen Radiosender wegen der alten Schlagermusik nie hörte. Und meine Mutter wusste, dass ich Schlager absolut nicht mag. Nun ist sie tot. Mit meinen Geschwistern bekomme ich trotzdem keinen Kontakt. Die ließen mich nichtmal in die Wohnung der toten Mutter und zeigten mir auch das Grab nicht. Das Schräge geht also weiter.
Dennoch, nach dem Kontaktabbruch hatte ich ein schönes Leben mit weiten Reisen, schnellen Autos, Flugzeugen, Yachten und Abenteuern. Jetzt wo ich auf die siebzig zugehe kann ich sagen, die kaputte Familie wird man nie ganz los, aber man kann es sich trotzdem schön machen und jeden schönen Momant genießen. Das geht wirklich und man hat es verdient
Euch allen nur Mut.
Greis

28.04.2014 16:43 • #43




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