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Hi Kalina,
hab grad mal meine Unterlagen über den ILK rausgesucht, weil ich das wie gesagt in nen paar Worten nicht so einfach erklären lässt. Erstmal ist der ILK hier in Bielefeld, weiß aber ja nicht wo du herkommst, aber das ist kein Problem, die sind da flexibel, man kann die Gespräche auch über E-Mail oder nen Chatroom machen und natürlich alles streng vertraulich!

So, hier erstmal Infos zum Team:
Diplom Psychologe Frederic Linßen
Ausbildung in Psychotherapie ( HPG), Weiterbildung in lösungsfokussierter Therapie ( Milwaukee, USA), Therapeut, Coach und Trainer für lösungsfokussierte Kommunikation, 2001- 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bielefeld, Trainings u.a. für BDP, Solareh GmbH, Euro- Schule-Bielefeld, Lehrauftrag an EFH Bochum und Hogeschool Enschede ( NL). Mitbegründer des ILK. Mitbegründer von ScreenCunsult.

Ausbildungsteam:
Im Rahmen unserer Ausbildung in lösungsfokussierter Therapie/ Beratung bieten die TeilnehmerInnen der Ausbildung bis zu 10 kostenlose Beratungs gespräche an. Die TeilnehmerInnen sind in der Regel angehende oder in den ersten Berufsjahren tätige PsychologInnen, PädagogInnen oder SozialpädagogInnen. Für genaurere Informationen kann man Kontakt mit ihnen aufnehmen.

Tel.: 0521/ 9687466


So, kannst jetzt ja für dich überlegen, ob du da mal anrufen willst, zwecks noch mehr Infos.

Wünsche dir alles Gute!

LG
Roxy

22.01.2012 14:03 • #21


kalina
Liebe Roxy,

oh, vielen Dank für die ausführlichen Informationen!! Sehr interessant; ich werde mich auf jeden Fall mal informieren.

Dir alles Gute,
Kalina

22.01.2012 19:01 • #22



Kontaktabbruch mit Familie

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Hallo ihr Lieben!

Mein Telefonterror hat jetzt zumindest dahingehend Ruhe, dass ich eine neue Nummer beantragt habe. Immerhin klingelt es jetzt nicht mehr mitten in der Nacht....

Weihnachten (war klar!) waren wieder Geschenke vor meiner Wohnungstür.
Bedankt habe ich mich nicht - ich will eben nicht gezwungenermaßen Kontakt aufnehmen müssen.... nur weil Weihnachten ist....

Nun lief heute in der ARD eine Folge genau zu dem Thema: Wenn Kinder den Kontakt abbrechen.
Ihr könnt euch das auch online noch anschauen (vermutlich die nächsten Wochen):

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/ ... Id=9326436

Kann ich alles sooooooooooo gut nachempfinden.
Wir sind nicht allein! Das macht Mut !!
Danke an die ARD für diesen Beitrag !

22.01.2012 19:41 • #23


Hi wasnun,
kann das mit Weihnachten total gut nachvollziehen! Meine Mutter hat mir letzte Woche nachträglich zu Weihnachten nen Packet geschickt, sie schnallt es einfach nicht! Na ja, wenigstens waren diesmal auch nen paar nützliche Sachen dabei, z.B. Handtücher und meine Lieblingsschokolade, okay die Schokolade war nicht nützlich aber sehr lecker!

Letztes Mal hatte sie mir doch tatsächlich 15 Kond. mitgeschickt! Hallo, ich bin schon lange erwachsen, kann mir selber Kond. kaufen, wenn ich welche brauche.

Was voll ätzend ist, hab nach meinem Heimaufenthalt ihr nicht meine Adresse gegeben, auch nicht die , wo ich heute wohne, die Tussi geht einfach zur Bürgerberatung und holt sie sich da! Werd wohl erst dann wirklich Ruhe vor ihr haben, wenn ich das Land mal verlasse!

LG
Roxy

23.01.2012 17:31 • #24


Hallo

Ich habe mir gerade den ARD-Film "Du bist nicht mehr meine Mutter" angesehen.

In sehr vielen Aussagen finde ich mich dabei selber wieder.
Mutter = emotionaler Misbrauch / Vater = absolutes Desinteresse

Eltern, die sich getrennt haben, neue Familien gefunden haben, und das "Produkt"
ihrer vergangenen ersten Ehe dabei irgendwann vergessen haben ...

Es geht dann nur mit völligem Kontaktabbruch und maximalem mentalen Abstand.

24.01.2012 13:40 • #25


So, liebe Mitfühlende,

nach ein paar Monaten melde ich mich nun wieder.

Bedauerlicherweise gab es im Frühling 2012 einen Todesfall in der Familie (nette Tante), sodass ich wohl oder übel wieder in Kontakt treten musste mit meiner "Familie" bzgl. Beerdigung und dergleichen.
Meine Mutter war natürlich happy, dass ich (die liebe Tochter) nun wieder im Kreise der "heilen Familie" weilen würde.
Es knallte dann alle paar Wochen aufs Neue: wieder das gleiche Theater wie schon all die Jahre davor.

Dazu kam auch noch, dass mein psychopathischer, lebensunfähiger Bruder, der mit Mitte 40 ja noch immer bei Mutti wohnt dann allen Ernstes Alleinerbe (!) dieser verstorbenenen Tante wurde, also quasi diese krankmachende Mutter-Sohn-Symbiose auch noch belohnt wurde mit einem Batzen Geld.
Meine Mutter freute ich tierisch und wollte (nach eigenen Angaben) das Geld am liebsten selbst verwalten.
Da mein Bruder aber einen gesetzlichen Betreuer hat, konnte sie sich das Gott sei Dank abschminken.

Um das Grab der Verstorbenen gekümmert? Bis heute niemand! Auch nicht der Alleinerbe!
Wer hat das wohl getan? Ich.
Und als ich dann irgendwann wieder merkte, wie ich doch ausgenutzt werde, wurde ich von meiner Mutter noch beschimpft, dass ich mich nicht um das Tantengrab kümmere. Ähm, ich hab nicht Tausende geerbt, oder?!

Mittlerweile habe ich dann die nächste Sch*einerei erfahren:
Im Frühjahr gab es eine weitere Erbschaft (noch eine Tante), die gerecht an die Kinder verteilt werden sollte.
Mein Bruder hat tausende zugesteckt bekommen (das arme Bubilein!) - ich ein paar Euro, und auch das wieder nur mit Erpressung.
Man möge mich bitte nicht falsch verstehen:
Es geht nicht ums Geld. Ich brauche keine Geld.
Es geht um die Behandlung und diese Ungerechtigkeit.

Ich habe im Herbst 2012 wieder den Kontakt abgebrochen, es gab erneutes Geschrei Vorwürfe, emotionale Erpressung. Ich bin eben die undankbare Rabentochter (ich wüsste wirklich nach wie vor nicht, wofür ich mich bei dieser Familie bedanken soll...).
In der Öffentlichkeit hat meine Mutter ein tolles Ansehen - das macht es auch so schwer, ihr krankmachendes, manipulatives, erpresserisches Verhalten in der engen Familie zu verstehen, weil man das ja kaum glauben würde.
Zudem ist mein Bruder im Herbst 2012 dann wieder einmal aus der geschlossenen Psychiatrie ausgebrochen (kam vom Ausgang nicht zurück), diesmal habe ich ihn dann zuhause angetroffen, als er eine Überdosis Tabletten schlucken wollte - und es kam zu Handgreiflichkeiten und klaren Tötungsandrohungen (mir gegenüber!), weil ich ihn davon abhalten wollte.
So was muss ich dann auch noch alles aushalten......

Weihnachten war ich natürlich nicht zuhause, habe immerhin eine nette Karte geschrieben, da kam eine Antwort auf einem gekritzelten Papier von meiner Mutter, dass "sie sich so das Weihnachtsfest nicht vorstellt" und Vorwürfe, Vorwürfe, Vorwürfe. Ähm, und wer fragt nach meinen Wünschen?

Mich macht das total ohnmächtig.
Mich macht das Jahr 2012 nun noch ohnmächtiger als alles andere vorher.
Diese erneute Kontaktaufnahme hat mich wieder zurück gebracht zum Status von 2010.

Ich bin inzwischen nur noch froh, wenn diese Familie endlich weg ist und ich endlich in Ruhe + Frieden leben kann.

Ich werde mir im Januar 2013 einen Therapeuten suchen, denn ich glaube, dass ich alleine aus dieser Story nicht rauskommen werde.

Ich wünsche euch noch eine schöne Woche!
wasnun

26.12.2012 18:51 • #26


Recht hast du wasnun,
ich fühle mit, ich habe es auch nicht anders gemacht, Kontakte komplett abgebrochen. Über Intrigen erfahre ich jetzt nichts mehr, wodurch jemandem bereits der Haupttriumph aus der Hand genommen wurde. Meine Mum hat mich noch Jahre danach ausspioniert und meine Trennungen verfolgt, und sie haben sie in ihrem Wissen darüber bestätigt, dass Kinderverwahrlosung und Hospitalismus in meiner frühen Kindheit eine gerechte Strafe für mich gewesen sind. , in ihren omnipotenten Träumen jedenfalls.

Kindheit ist ein Teil der Persönlichen Geschichte, die man selbst nicht ist, und die man auflösen kann, auch in der Therapie. Ich wünsche dir dazu viel Mut, und dass du aus der Sache bald gut heraus kommst und ein neues Leben anfangen kannst.

Nicht über die Schulter schauen, sondern gerade aus, ohne Rechtfertigungen, du hast das Recht darauf.

Für dich:

„Der wirklich freie Mensch ist der, der eine Einladung zum Essen ausschlagen kann, ohne dafür einen Vorwand angeben zu müssen.“
Jules Renard (1864-1910)

Gruß von Nyan

26.12.2012 20:52 • #27


Danke dir, Nyan.

Katholizistische Kinderunterwerfung - schöne Beschreibung .. kommt mir bekannt vor....
Die Intrigen (wer mit wem gegen wen in der Vewandtschaft) fehlen mir sicher....

Man denkt dennoch immer wieder: Vielleicht wird sich doch etwas ändern. Ins Positive.
Vielleicht wird die Beziehung endlich "erwachsen" und man auch so behandelt.

Diesen Gedanken ein für alle Mal zu begraben ist wohl mit das schmerzhafteste im Leben überhaupt.
Die verlorenen Jahre kann man nicht zurückholen.
Die Zeit, die ich für diese Familie und ihre Dramen geopfert haben (anstatt mir selbst eine Familie aufzubauen) ist nicht wieder gut zu machen.
Aber jetzt heißt es nach vorne schauen.

Ich beneide erwachsene Menschen, die eine gesunde, normale Beziehung zu ihrer Ursprungsfamilie haben.
Gerade jetzt an Weihnachten. Nachhause kommen.... und willkommen sein.

Aber wer sagt denn, dass das Leben einfach ist und alle ein Recht auf Glück und eine gute Familie haben?

Wenn das Leben gut zu dir ist, sag DANKE und genieße.
Wenn das Leben schlecht zu dir ist, sag DANKE und wachse.

Liebe Grüße
wasnun

27.12.2012 07:57 • #28


Das kostet alles sehr viel Kraft....ich habe gelernt vieles los zu lassen, weh tut es trotzdem noch manchmal geht halt zu tief...
Ich gehe aber anders damit um, nicht mit Wut oder Schuldzuweisung, ehr mit verstehen warum manches war wie es war. Ich glaube auch das alle Eltern ihr bestes getan haben was sie konnten, mehr ging nicht. So z.B. weil sie vielleicht gleiches als Kinder erfahren haben aber früher ganz anders damit um gegangen wurde. Weil sie den schlimmen Krieg erlebt haben oder was sonst auch immer.

Ich kenne heute Menschen die mich so mögen wie ich bin und denen ich ganz vertrauen kann und die mir auch vertrauen. Ich habe einen Freund und Freunde und hatte sehr gute Therapien. Vieles was meine Eltern nie hatten.

Ich wünsche euch das ihr es eines Tages mehr loslassen könnt, es lebt sich leichter dann...

Herzlich grüßt kerze

27.12.2012 14:31 • #29


Ein schönes Zitat, danke.
Das ist es, man braucht auch Erholungsphasen zwischendurch, und wenn man ausschließlich am "Wachsen" ist, ist man irgendwann damit schlicht überfordert.



Ich habe lange mit meinen Schuldgefühlen kämpfen müssen. "Mutter und Vater ehren" bedeutet aber definitiv nicht sich für Intrigen oder eine andere Art von psychischer Gewalt reumütig zu bedanken und die andere Backe auch noch hinzuhalten..

Also ich wurde echt in dem Sinne erzogen. Wenn ich dagegen rebelliert habe, wurde mein Vater von der Mum dazu angehalten, mit einem Kochlöffel für Ordnung zu sorgen. Das geschah einmal als ich 3 war, einmal mit 6. Den typischen kindlichen Trotzphasen haben sie also mit Gewalt, körperlich und psychisch, entgegen gewirkt.

Schon mein Babyalter war für meine Eltern schwierig und nicht zu bewältigen - ich wurde teils in einer Einrichtung, teils bei den Großeltern stationiert.



Sie sind dann auch für mich die eigentlichen Eltern geworden, und so wird es für immer bleiben.

Zitat:
Vielleicht wird die Beziehung endlich "erwachsen" und man auch so behandelt.

Diesen Gedanken ein für alle Mal zu begraben ist wohl mit das schmerzhafteste im Leben überhaupt.

Genau, so eine Gewalt muss man sich oder den anderen auch gar nicht antun. Wenn sich Bedingungen ändern sollten, werden neue Situationen entstehen, mit denen man dann auch womöglich anders umgehen kann.

Das Problem ist meistens, dass sie auf einem Unfehlbarkeitsstatus insistieren, keine persönliche Niederlage zugestehen wollen. Und das blockiert sie, weil Fehler macht jeder, Fehler in der Erziehung auch, und indem man sie zugibt, steht man offen für eine Veränderung. Die Sturheit ist auch der Grund für Intrigen und Benachteiligungen, u. a. weil Angriff die beste Verteidigung ist. So erschaffen sie sich künstlich eine Situation, in der sie ihr Recht auf Unfehlbarkeit simulieren. Meinst du kannst du oder eine ähnliche Blockade knacken? Ohne Familientherapeuten, ohne unbeteiligte Personen, hat man meistens keine große Chancen.

Bei meinen Eltern gibt es sich nicht viel zu machen, mit 80 ändert man festgefahrene Meinungen nicht und fängt auch keine Therapie an, außerdem wäre meine Mutter gar nicht therapierbar. Sie können nicht anders als ihre Irrtümer mit ins Grab zu nehmen. Meinen Vater hat sie, obwohl sie ihn bereits vor Jahrzehnten verlassen hat, immer noch fest im Griff, er hat ihre Denke übernommen und wird durch sie in seiner umfassenden Welt-Opfer-Rolle fortlaufend bestätigt. Und da bedeutet ein Kontaktabbruch eigentlich eine Chance für sie, ihren Konkurrenzkampf zumindest nicht nach Außen tragen zu können. Der offene Kampf ist also vorbei, die Schlacht geschlagen.

Zitat:
Die Zeit, die ich für diese Familie und ihre Dramen geopfert haben (anstatt mir selbst eine Familie aufzubauen) ist nicht wieder gut zu machen. Aber jetzt heißt es nach vorne schauen.

Doch das hatte bestimmt Sinn, Heilungsprozesse geschehen nicht von heute auf morgen. Warum sollte es zu spät sein? Wie 75 klingst du gar nicht!

Gruß

27.12.2012 15:55 • #30


Ja, die Energie in positive Bahnen lenken.

Ich weiß.
Nein, bin noch nicht 75, erst Anfang 40.

Wenn da diese verdammte Einsamkeit nicht wäre, die mich eigentlich mit zunehmendem Alter immer mehr auffrisst.
Dann wünschte ich mir wieder, dass ich einen lieben Partner an meiner Seite hätte, der mich stark macht und unterstützt. Dann wäre das alles soooooooo viel einfacher.
Ich hätte meine eigene Familie.....

Aber ich habe das eben nicht.
Also dauert es eben länger oder gibt Rückfälle.....

02.02.2013 15:13 • #31


Hallo 'wasnun' und alle anderen 'Verlassenden',

danke dass ihr so offen über dieses Thema gesprochen habt. Ich stecke aktuell seit ca. 7 Monaten in einer Phase des totalen Kontaktabbruchs zu meiner kompletten Verwandschaft. Davor hatte ich bereits 11 Monate den Kontakt zur Mutter abgebrochen, wo diese sich genau in derselben Weise verhielt wie 'wasnun' es von ihrer Mutter berichtet.

Ich war so wie viele andere 'Verlasser' ein ungewolltes Kind und mir wurde bei jedem Ungehorsam direkt gesagt, dass ich doch besser tot geboren oder abgetrieben worden wäre. Da jeder Bereich meines Lebens bestimmt, kontrolliert und überwacht wurde und ich recht konservativ-engstirnigen Idealsvorstellungen zu genügen hatte, fiel dieser Satz recht häufig. Meine Mutter ist selber traumatisiert da sie als Minderjährige aus dem Ausland nach Deutschland verheiratet wurde um ihre Herkunftsfamilie wirtschaftlich zu retten. Um diesen Heiratspakt zu besiegeln war sie gezwungen ein Kind vorzulegen - mich.

Sie benutzte mich, um ihrer Qual Erleichterung zu verschaffen, seelische Folter durch Schweigen, Vernachlässigung, Schläge (die sie heute noch abstreitet), Erniedrigung, Verbote, Isolation....die ganze Palette. Als Kind war ich von schweren Ängsten, Komplexen, Sozialphobie geplagt, später Depression, Eßstörung, selbstverletzendes Verhalten.

Kurz vor meinem 18. kam nach jahrelangem Kampf der Rauswurf. Als ich diesen dankend annahm und auch nicht zurückkommen wollte, jahrelange Verfolgungen mit Telefonterror, (Ehren-)Morddrohungen, bis ich untertauchte. Leider wurde auch mir lange eingeimpft dass ich Dreck sei, dumm, unfähig, häßlich, und vor allem, dass ich ohne die Familie nicht existieren könne....Ausgerüstet mit Selbsthaß und Sehnsucht fiel ich allen möglichen Psychopathen in die Hände....Kehrte wieder zur Familie zurück, um ein 'gutes Mädchen' zu werden, zu verzeihen, endlich respektiert zu werden.

Innerhalb kurzer zeit stellte sich heraus, dass ich immer noch unterschwellig als Sündenbock herhalten musste. Ich führte mein Leben in eigener Wohnung weiter, musste aber die geschenkten Klamotten tragen, die Haare so-und-so, niemals mit anderen Menschen zu tun haben, keine anderen Interessen haben als die Familie, wenn ich mal eine Woche nicht vorbeikam gab es direkt Vorhaltungen...dann der ewige Vergleich mit meiner jüngeren Schwester, für die ich ab meinem 7. Lebensjahr Nanny spielen musste, die immer als schöner, klüger, netter, erfolgreicher als ich gelobt wurde. Und dann die unsagbar intolerante, herrische Streitsucht meiner Mutter, dem sich alle unterwarfen...

Ich wurde magenkrank, reizbar, depressiv, meine Eßstörung zeigte sich wieder. Alle Versuche der Klärung endeten mit Streit und erneuter Distanz im Wechsel. Zum Schluss wurde mir die Schuld gegeben, dass mein Vater chronisch krank wurde, meine Schwester sagte in meinem Beisein sie hielte mich für einen zurückgebliebenen Freak, ein peinlicher Sozialfall. Seitdem meide ich den Kontakt zu beiden. Der Hochzeit der Schwester blieb ich fern, und dem ewig jammernden Vater, der mich nur heimlich besucht, um mir ein paar Euro zuzustecken und ein schlechtes Gewissen wegen Mutter zu machen, habe ich jetzt auch den Kontakt untersagt. Bin weggezogen, Nummer geändert, und dachte, irgendwann schreib ich denen allen einen Brief, um einen Schlußstrich zu ziehen.

Nun sind 7 Monate vergangen, ich habe es seitdem vermieden, mich diesen Briefen zu stellen. Ich fühle mich schuldig. Ich bin durch die Hölle gegangen. Und das Schlimmste: durch meine Ablösephase wurde soviel Seelenmüll aufgearbeitet, dass ich sehr schlimme Konflikte mit meinem jetzigen Freund bekam. Er reagierte - wie ich damals mit meiner Mutter - mit Kontaktverweigerung. Ich verhielt mich genauso beschissen wie meine Mutter.[b][/b]
Auch in den Auseinandersetzungen, der Härte, der Wehrhaftigkeit, die Art der Strafung.,...meine Mutter. Ich wurde sie nicht los. Sie steckte in mir. Wir blieben 'auf unheilvolle Weise verbunden', wie es treffend in einem Bericht heißt.

Ich habe eine Vorstellung davon, was diese Frau durchmacht, wenn sie mich und andere so quält. Ich habe es durchlebt. Dennoch möchte ich nicht zu meiner Familie zurück. Es ist hart, ohne diesen bedingungslosen Rückhalt in der Welt zu bestehen, wenn man aufgezogen wurde in dem Glauben, lebensunfähig, wertlos zu sein. Aber ich muss es schaffen, wenn ich leben will. Heute werde ich diese Briefe schreiben. Nicht anklagend, konstruktiv auch für sie. Allerdings - ohne Absender.

15.03.2013 20:27 • #32


Ich habe mir diese Beiträge von vorne bis hinten genau durchgelesen und bin erschüttert,das es Eltern gibt,die ihre Kinder so behandeln,da wird Einem ja richtig schlecht....
Dazu kann ich nur sagen,Ihr Alle,die da geschrieben habt,macht bitte weiter so,distanziert euch von diesen Verwandten,schaut nach vorne,bringt eure Seele wieder ins Gleichgewicht so gut es geht,
verschwendet keine gedanken mehr an solche Leute,denn die sind es wahrhaftig nicht wert....
und dieser Satz:
<Blut ist dicker als Wasser< ist in dem Zusammenhang wahre Plasphemie!
Ich wünsche euch so sehr,dass ihr endlich glücklich werdet und euch von diesen ganzen schrecklichen Erlebnissen befreien könnt,
ich wünsch euch alles erdenklich Gute!

15.03.2013 21:18 • #33


Danke Mitsouko für Deine ermunternden Worte....

es tut so gut das mal erzählt zu haben, und noch mehr, dass es Menschen gibt, die das verstehen und nicht mit so Allerweltsweisheiten kommen wie 'Aber das ist doch immer noch Familie....die MUSS man akzeptieren, abhauen gehört sich nicht' etc.

15.03.2013 21:33 • #34


Bin seit einem halben Jahr auf Funkstille mit meinem Bruder und habe die halbjährige Funkstille mit meinem Vater vor einer Woche unterbrochen, weil ich dachte ein klärendes Gespräch wäre hilfreich. Als ich aber nach den ersten 2 Sätzen nur noch angebrüllt wurde und übel beschimpft wurde, habe ich schließlich den Hörer aufgelegt. Ich weiß, dass es für meine seelische Gesundheit das Beste wäre, wenn ich den Kontakt endgültig abbräche, aber ich glaube, dass ich auch vor meiner eigenen Wut Angst habe. Ich merke, dass ich sehr wütend bin über das, was mir gesagt wurde, gleichzeitig suche ich schon wieder nach Entschuldigungen für meinen Vater (Der arme alte Mann...) und überlege in der Tat, ob er nicht doch Recht hat. Mein Verstand weiß aber genau, dass er nicht Recht hat. Ich glaube, was mich neben dem Verhalten meiner Verwandten zusätzlich belastet, ist dass ich mich für meine Wut schäme und mir nur Trauer und Kummer als Gefühl zugestehe. Inzwischen übe ich mal so im stillen Kämmerchen zu fluchen und schimpfen, sage immer wieder "Das lass ich mir nicht bieten" und fordere mich auf es noch lauter und bestimmter zu sagen. Das Verrückte ist, dass ich genau weiß, dass niemand in meinem Umfeld so mit mir reden dürfte. Ich habe in meinem außerfamiliären Umfeld keine Menschen, die mich so respektlos, ungerecht, beleidigend und demütigend behandeln. Vielleicht gerade deshalb fällt mir dieses verletztende Verhalten meiner Familie so stark auf. Außerdem fällt mir auch auf, dass überhaupt keine richtige Gesprächsführung möglich ist...meistens sagen die Herren ihre Meinung, äußern ihr Erwartungshaltung und bevor ich dann was sagen kann, kommt der Satz: "Ende der Diskussion", die bis dahin noch gar nicht angefangen hatte. In meiner Arbeitswelt wäre eine solche Gesprächsführung ein guter Grund für eine Abmahnung. Inzwischen denke ich vermehrt an meine Mutter, die vor 20 Jahren verstarb, und bemerke, dass ich gezwungen werden soll die Rolle meiner Mutter zu übernehmen, die sehr unter den seelischen und körperlichen Mißhandlungen meines Vater zu leiden hatte. Ich hatte damals oft mit ihr Streit, weil sie sich das bieten ließ und habe ihr immer gesagt, dass mir das nicht passieren würde. Tatsächlich bin ich auch nicht das Opfer von körperlicher Gewalt, aber das Verhalten meines Vaters ist seelisch so verletztend, dass mir körperlich flau davon wird und tatsächlich die Knie zittern. Leider immitiert mein Bruder die Rolle meines Vaters immer häufiger, was vor einem halben Jahr dann dazu führte, dass ich den Kontakt zu ihm abbrach.
Also, nachdem ich all die interessanten und offenen Beiträge hier gelesen habe, fiel mir auf, dass es eigentlich wichtig ist auch mal über die Angst vor der eigenen Wut nachzudenken. Viele der Erzählungen lassen mich spontan an seelischen Mißbrauch denken und ich frage mich, ob eine der Abwehrmechanismen, einfach um sein Seelenheil zu retten, nicht die bloße Wut ist.

17.03.2013 03:00 • #35


Hallo zusammen,

als ich die Beiträge von "wasnun" und "lunelda" gelesen habe, war ich erstaunt und ergriffen, erstaunt daher, dass ich kaum geglaubt habe, dass es noch mehr solche grauenhaften Mütter gibt wie meine und ergriffen daher, weil ich ganz gut nachempfinden kann, wie ihr euch fühlen müsst.

Auch mein Leben wurde als Kind im Keim erstickt von der eigenen Mutter....

Also von meinen Kindheitstagen und den Qualen meiner Erzeugerin, der ich ausgesetzt war, brauche ich nicht zu berichten, es wäre nur sehr viel und würde sich hier wiederholen....

Vor 8 Jahren hatte ich endlich das Glück und den Mut aus dem Elternhaus (hatte dort eine eigene Wohnung) auszuziehen. Unsere Wege trennten sich endlich um mehr als 500km zum Glück.

Meine eigene Wohnung, wo diese Frau mir nichts vorschreiben konnte, wo ich mich einrichten konnte und bewegen konnte wie ich es wollte. Ich konnte das erste mal (damals 29) persönliche Dinge liegen lassen, da diese Frau keinen Schlüssel besaß um herumzuspionieren.

2 Jahre hielt dieses Glück, dann wurden meine Eltern leider wieder meine Vermieter, aber weit entfernt, trotzdem begann sie wieder zu spionieren und zu kommandieren in der Zeit wo sie da war.

Dann im letzten Jahr passierte ein grauenvoller fürchterlicher Schicksalsschlag, der dazu führte, dass ich wieder in die Nähe meiner Eltern ziehen musste....
Jetzt seit einigen Wochen ist es wieder fürchterlich.... ich werde ausgenutzt, gedemütigt, heruntergeputzt etc....

und das schlimmste dabei, meine Kinder werden als Waffe eingesetzt...

Mein Bruder hat mit dieser Familie vor Jahren schon abgeschlossen, ich wünschte ich könnte es auch, aber er hat eine Frau mit Familie gefunden, die zusammen hält, ich habe niemanden. Nach zwei grauenvollen gescheiterten Beziehungen in denen ich auch nur ausgenutzt wurde und in der letzten sogar oft misshandelt wurde, bin ich nicht mehr offen für eine Beziehung.

Ich möchte doch auch einfach nur L E B E N !

Ich sage mir selber immer wieder um Mut zu machen und mir Kraft zu geben "Eines Tages wird DEIN Tag kommen, an dem du dieser Frau gegenüber all dein Leid, dein Kummer und deine Sorgen, die diese dir zugefügt hat, mitteilen kannst und erst dann, wenn diese Frau nicht mehr unter uns weilt, erst dann kann ich mich freireden und anfangen zu L E B E N!

Auch ich lebe sehr in der Isolation und bin froh, Gleichgesinnte zu finden, mit denen man sich austauschen kann und in gewissenen Situationen sich gegenseitig Mut zusprechen, freue mich über jede Kontaktaufnahme, denn auch ich bin inzwischen 38 und mein Leben wird von dieser Frau geradezu bestimmt....

22.03.2013 13:12 • #36


Wow, ich bin ziemlich schockiert über das was ich hier so lese. Noch mehr schockierend finde ich aber die Tatsache, dass einige es nicht schaffen, den Kontaktabbruch wirklich durchzuziehen.
Was bewegt einen mit so einer Vergangenheit dazu wieder Kontakt aufzunehmen, oder auch wieder in die Nähe dieser Menschen zu ziehen?

22.03.2013 14:17 • #37

Sponsor-Mitgliedschaft

ich glaube es dir, dass es für Außenstehende schier unmöglich erscheinen mag, warum man den Kontakt nicht einfach abbrechen kann.

Bei mir war es im letzten Jahr wie gesagt, leider ein grausamer Schicksalsschlag, der dazu geführt hat, dass ich wieder in die Nähe ziehen musste, ansonsten hätte ich meine Kinder nicht mehr gesehen
Ich denke dieser Grund ist nachvollziehbar...

Ich habe bevor ich meinen Ex kennengelernt habe nie Frauen verstanden, die sich von ihrem Mann schlagen und tyrannisieren lassen und das sogar über Jahre hinweg....
Nachdem mir mit diesem Mann gleiches wiederfahren ist wie vielen Frauen, habe ich allmählich verstanden, warum diese Frauen nicht von diesen Männern weg können. Man ist gefangen und nicht in der Lage auszubrechen, wenn keine Hilfe da ist, dann hat man quasi null Chancen.... ich habe 6 Jahre durch diesen Mann gelitten, eh ich dann den Absprung geschafft habe. Es ist nicht immer leicht sich in andere und deren Lage hineinzuversetzen und wirklich fühlen und verstehen wie sie empfinden, wenn man es nicht selber erlebt hat.

22.03.2013 14:59 • #38


Abhänbigkeit egal welcher Art - die Möglichkeit ist gegeben, und dafür kann kein Mensch was. Ich finde, nicht die schlimmen Jahre, sondern der Absprung ist das Wichtigste, der Schritt, aus dem man lernt die eigene Freiheit wahrzunehmen.

23.03.2013 14:50 • #39


Hallo wasnun!

wie geht es mittlerweile?
Ich habe heute einen Brief verfaßt,um endgültig den Kontakt zur gesamten Familie abzubrechen.
Was mir geholfen hat war zu bemerken, wie viel Zeit sie mir schon gestohlen haben und dass ich keine wirkiche Chance zur Aufarbeitung/Heilung habe, solange ich immer wieder in Kontakt komme.
Dann habe ich noch gemerkt, dass ich emotional manipuliert wurde, so dass ich anfing zu glauben,ich "gehöre" ihnen und müßte ihnen für den Rest meines Lebens dienen (und mein Leben opfern).
Hoffe sehr, dass ich mich jetzt endlich auf die Heilung der alten Traumata konzentrieren kann und ins Leben wachse.
Es interessiert mich,wie es bei Dir weitergeht.

lG

24.03.2013 23:54 • #40



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