Zitat von berliner:@christina :
Danke, das war wirklich interessant. Aber was, wenn Dich Deine Eltern nicht rausgeschmissen hätten ? Soll ich meine Eltern solange ärgern, bis sie mich auch rausschmeißen ? Letztenendes waren es bei Dir also andere Menschen, Deine Eltern und die Freunde aus der Klinik, die Dich motiviert haben. Genau davon rede ich ja die ganze Zeit...
Ich bin mir ziemlich sicher und war es auch damals, dass sie mich nicht rausgeschmissen hätten. Es war aber ein deutliches Signal, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Ich war stinksauer und habe ihnen sehr übel genommen, dass sie kein Verständnis für mich hatten, meine "Fortschritte" nicht sahen und offensichtlich keine Geduld aufbringen wollten. Ich habe ernsthaft daran gedacht, schon aus Trotz nicht von der Klinik zu profitieren und meine Zeit da nur abzusitzen. Der Schritt, dann doch in die Klinik zu gehen, fühlte sich an, als sei alles zu Ende. Ich weiß nicht, wie lange ich ohne die elterliche Intervention zu Hause geblieben wäre, schließlich befand ich mich ja dauernd in Therapie, tat also (scheinbar) was und hatte vorher auch schon eine Therapie gemacht.
Die Parallelen zwischen uns beziehen sich bisher nur aufs jahrelange Rumhängen zu Hause, auf letzten Endes unwirksame Bemühungen, etwas zu verändern, auf die immerwährende Hoffnung, es doch noch zu schaffen (obwohl die bisher versuchten Methoden allesamt versagt haben), auf Therapien, die zwar gemacht wurden, aber keine ausreichenden sichtbaren Wirkungen zeigten, und auf heftige Gegenwehr, wenn jemand die Stagnation beim Namen nennt. Ich fürchte, ich hätte das noch 'ne Weile durchgehalten und noch mehr Lebensjahre weggeschmissen. Willst du das auch? Willst du wirklich warten, bis deine Eltern nicht mehr können und dir deshalb kräftig in den Hintern treten? Was, wenn sie es niemals tun? Deine Eltern werden anders gestrickt sein als meine, deine Geschichte ist eine andere. Vielleicht sind sie so froh, dass du lebst, dass sie dich unbewusst überhaupt nicht gehen lassen wollen.
Zu "meiner" Zeit damals gab es noch kein Internet und damit auch keine Möglichkeit, sich von zu Hause aus mit anderen Betroffenen auszutauschen. Vielleicht hätte das meinen Leidensdruck verringert und mir noch mehr das Gefühl gegeben, doch etwas zu tun. Andererseits konnte mir niemand (aus Erfahrung) sagen, worauf ich mich einlasse, wenn ich nicht einigermaßen frühzeitig etwas unternehme. Die anderen Menschen, auf die du zwecks Motivation hoffst, das können die User hier im Forum sein - als Beispiel, dass es geht, oder mit der Abrissbirne, um dir klar zu machen, wie dringend es ist. Die Umsetzung bleibt sowieso an dir hängen. Ich wurde auch nicht zwangseingewiesen, sondern habe mir mit Hilfe meiner Therapeutin die Klinik ausgesucht, mich angemeldet etc. Da waren meine Eltern nicht mehr involviert.
Zitat von berliner:Ich denke manchmal über eine Selbsthilfegruppe nach, nur leider gibt es nichts in meiner unmittelbaren Nähe, so dass ich da allein hinkönnte... Aber das könnte evtl. einen ähnlichen Effekt haben ?
Wenn du nicht hinkannst, erübrigt sich die Frage. Falls du die Möglichkeit hast, irgendwie hinzukommen, müsstest du es ausprobieren - beim nächsten Treffen, nicht erst nächstes Jahr. Sonst ist es nur wieder eine Ausrede vor dir selbst und vor anderen.
Liebe Grüße
Christina