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Toby89

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Hallo, ich bin der Tobi und bin 30 Jahre alt. Ich leide seit vielen Jahren - eigentlich seit meinen Kindheitsjahren - an selbstdiagnostizierter Hyperhydrose. Ich schwitze regelmäßig sehr stark unter den Achseln, an den Händen und unter den Füßen. Ich war deswegen auch noch nie bei einem Arzt, da es mir einfach sehr peinlich ist. Eigentlich geht es bei mir bereits im Frühjahr los und zieht sich bis in den Herbst hinein. Der Winter ist die einzige angenehme Jahreszeit für mich. Ich muss oft schon nur daran denken und schon geht das starke Schwitzen bei mir los. Verständnis dafür wurde mir bisher wenig entgegen gebracht. Ja sind sogar schon Freundschaften und Beziehungen daran zerbrochen. Auch meine Eltern waren meist von mir deswegen sehr angeekelt - aber das ist ein anderes Thema.


Zuerst habe ich es im Schulsport gemerkt. Ich war immer sehr nass unter den Achseln und an den Händen und sass danach schwitzend und tropfend im Unterricht. Wie sich jeder vorstellen kann, war dies immer äußerst peinlich und ich wurde deswegen in der Schule immer sehr oft gemobbt. Nach der Schule habe ich mit arbeiten angefangen und hatte sehr oft große Probleme damit. Auch in der Lehre wurde ich wegen dem Schwitzen sehr oft gemobbt. Bis dahin ging es aber immer noch.


Richtig schlimm wurde es dann so Anfang 20. Hier kam zum Schwitzen an den Achseln, an den Händen und Füssen auch ein enormes Schwitzen am Rücken und im Gesicht hinzu. Ich hatte bis dahin auch noch viel Sport gemacht gehabt. Joggen, Fussball spielen und Kraftsport waren meine großen Leidenschaften bis zum Sommer 2013. Dies war ein sehr, sehr warmer Sommer, wer sich zurück erinnern kann. Es war in diesem Sommer einfach nur noch unaushaltbar. Ich saß einfach nur da und habe nichts gemacht und habe überall getropft. In diesem Zuge hatte ich mich dann auch entschlossen, jegliche sportliche Aktivitäten zu beenden, da mich das Schwitzen enorm belastete. Beim joggen und beim Fußball rutschte ich regelrecht in meinen nassen Sportschuhen hin und her. Ich ekelte mich schon selber dabei vor mir. In diesem Sommer kamen bei mir auch erstmals Suizidgedanken auf wegen den enormen Schwitzen mein Leben zu beenden. Im Laufe diesen Sommers entwickelte ich wohl auch meine Sozialphobie vor anderen Menschen. Seit diesem Sommer habe ich mich so gut wie von allen mir bis dahin lieben Menschen abgekapselt bzw. sie den Kontakt zu mir beendet, unter anderem auch zu meinen Eltern. Auch viele Freundschaften sind deswegen in die Brüche gegangen. Ich meide seitdem so gut es geht extrem warme Orte, wie Diskotheken, Lokale und dergleichen. Das einzige was ich noch tat, war auf Arbeit zu gehen. Irgendwie muss man ja weiter für seinen Lebensunterhalt sorgen. Aber auch hier war es unerträglich, aber irgendwie muss es ja gehen. Mit meinem Chef habe ich darüber nie gesprochen und Kollegen schauen mich oft verachtungsvoll an. 


Und damit komme ich zum Thema Frauen. Wie sich jeder vorstellen kann, ist für mich der Kontakt zu Frauen wegen des starken Schwitzens und meiner Sozialphobie sehr schwer. Auch weil es mir grundsätzlich einfach sehr peinlich ist, darüber offen zu reden. Im Laufe der Jahre habe ich es wie durch Glück dann doch noch geschafft vorletztes Jahr mal einen Kontakt zu einer Frau herzustellen. Allerdings war die Beziehung gelinde gesagt einfach nur sehr schwer. Am Anfang ging es noch und es war alles in Ordnung, was auch daran lag, dass wir uns im Winter kennenlernten und das für mich ja die angenehmste Jahreszeit ist. Dann kam es wie es kommen musste und der Frühling brach an und die Temperaturen stiegen und die HH brach bei mir wieder enorm aus. Meine Freundin sagte am Anfang nichts und ignorierte es, allerdings merkte ich im Laufe der Zeit wie sie sich immer mehr vor mir ekelte und Abstand suchte. Im Sommer letzten Jahres war es dann vorbei und sie verließ mich wegen meiner HH. Dies hatte zur Folge, das ich in schwere Depressionen verfiel und nun seit fast einem Jahr in psychatrischer Behandlung und krankgeschrieben bin. Selbst mit meinem Psychater habe ich bisher nie über meine HH gesprochen. Seit letztem Sommer bin ich psychisch auch so fertig, dass ich jeglichen Kontakt zu anderen Menschen meide, so gut es geht. Dass damit auch die allerletzten Freundschaften zerbrochen sind, dürfte wohl jedem klar sein.


Ich stehe nun an einem Wendepunkt, da ich demnächst wieder arbeiten gehen soll und ich noch überhaupt nicht weiß, wie ich das schaffen soll. Zudem steht nun auch wieder der Sommer bevor. Alleine schon der Gedanke daran, bringt mich zum Schwitzen. Am liebsten würde ich mich auf die nächste Brücke stellen und runterstürzen, weil ich so verzweifelt bin und mich vor mir selber ekele. Wohl sind es die Antidepressiva, die ich seit fast einem Jahr nehme die mich davon abhalten es zu realisieren.


Ich habe den Beitrag hier unter anderem verfasst um anderen Menschen, die an selben Problemen leiden, sich zu äußern, ihre Meinungen austauschen zu können und im Idealfall zu helfen. Spott und Häme brauche ich nicht. Danke. Lg Tobias.

01.06.2019 01:58 • 18.08.2019 x 2 #1


4 Antworten ↓


Icefalki

Icefalki


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Tobias, warum um Gottes Willen hast du dein Problem noch nie mit einem Arzt gesprochen? Ist doch nicht deine Schuld, wenn du an einer Hyperhydrose leidest. Sie alleine ist doch die Ursache für dein ganzes Elend.

Sei doch mutig und geh das an. Kein Arzt der Welt wird dich auslachen, oder geringschätzen. Unmöglich, dass das passiert.

01.06.2019 12:06 • x 1 #2


Mindhead

Mindhead


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Da kann ich ebenfalls nur sagen, besprich das am Besten mit einem Arzt.

Ich kann ansonsten anraten bei der Apotheke mal nachzufragen. Sie können dir zumindest etwas pflanzliches geben -habe ich auch bekommen. Da könntest du zumindest mal schauen, ob es dir schon hilft. Das dauert aber auch ein paar Wochen bis es wirkt. Inwiefern es kompatibel mit deinen Medikamenten ist, müsstest du natürlich nachfragen.

Aufhören zu schwitzen wirst und solltest du natürlich nicht. Schwitzen ist nämlich sehr wichtig für den Körper.
Aber das Übermäßige ist pathologisch und am besten mit einem Arzt zu besprechen. Es kann zum Beispiel auch die Schilddrüse dahinter stecken und dann hättest du nochmal eine andere Möglichkeit das Schwitzen zu normalisieren.
Selbstdiagnose ist nicht das beste, das man machen kann.

17.06.2019 16:26 • #3


DanDanDan


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Jetzt möchte ich wissen wie es ausgegangen ist...
Hast du mit einem Arzt gesprochen? Hast du Medikamente erhalten die das Schwitzen reduzieren?
Kann ja wohl nicht sein, dass übermäßiges Schwitzen dir dein ganzes Leben ruiniert! Wird schon werden. Es gibt ja Medis dagegen, die über längeren Zeitraum eingestellt werden müssen.

17.06.2019 17:22 • #4


Missmackintosh


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Hallo Tobi,
bin zufällig hier im Forum gelandet und habe mich extra angemeldet, um Dir antworten zu können.

Alles was Du schreibst, kenne ich. Auch ich litt seit meiner Kindheit unter Hyperhidrose. Ich bin im Gegensatz zu Dir aber zu mehreren Ärzten gegangen, wurde aber nicht ernst genommen. Einer meinte sogar, das gibt sich mit der Pubertät. Es wurde allerdings eher noch schlimmer. Ich hatte es am schlimmsten an den Händen und an den Füßen, wobei es mich an den Händen natürlich am meisten gestört hat.
Mein Sohn, der heute 21 ist, hat den Mist von mir geerbt und er hat es zusätzlich noch unter den Achseln.
Im Nachhinein frage ich mich, wie ich zwei Berufsausbildungen so absolvieren konnte, ohne dass es jemand wirklich gemerkt hat. Das war ein echter Kraftakt vom Vorstellungsgespräch bis hin zur Ausbildung selbst. Ich bin Polizeibeamtin und daher natürlich auch körperlich viel mit Menschen in Kontakt.
Der Höhepunkt war, dass mir damals im Schießunterricht sogar aufgefallen war, dass meine Waffe Rost ansetzte. Klar, die Hände waren ja immer klitschnass. Unfassbar.

Also Du brauchst Dich nicht die Brücke hinunterzustürzen, auch wenn ich dieses Gefühl selbst gut kenne. Es gibt definitiv eine Lösung für Dein Problem.
Jedenfalls hauptsächlich für die Hände, vielleicht auch für andere Regionen. Das muss man im Einzelnen mit dem Arzt besprechen.
Ich habe eine Sympathektomie machen lassen, also den Sympathikusnerv abklemmen lassen. Seit 11 Jahren sind meine Hände jetzt trocken. Anfangs waren sie so trocken, dass es weh tat. Jetzt fängt es langsam wieder an, bei hohen Temperaturen, dass ich ganz leicht schwitze. Aber kein Vergleich mit früher und eher noch normal.
Mein Sohn hat es auch letztes Jahr machen lassen, da er eine Banklehre macht und so gar nicht hätte dort arbeiten können.

Wir waren bei Dr. Ablaßmaier in München; sind extra aus dem Ruhrgebiet angereist. Diesen Mann kann ich nur wärmstens empfehlen, da extrem nett, unbürokratisch (er selbst geht ans Telefon und ruft auch immer sofort zurück) und er ist einer der besten Thoraxchirurgen weltweit.
Alternativ gibt es auch noch ein Hyperhidrosezentrum -ebenfalls in München-, das soll auch ganz gut sein. Aber ich schwöre auf Dr. Ablaßmaier und bin ich für immer dankbar. Mein Sohn ebenfalls. Wir haben seither ein neues Leben.

Wenn Du noch Fragen hast, bin ich gern bereit, Dir noch Näheres zum Eingriff zu erzählen.

Alles Gute

18.08.2019 20:46 • #5




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