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Hallo, ich bin der Tobi und bin 30 Jahre alt. Ich leide seit vielen Jahren - eigentlich seit meinen Kindheitsjahren - an selbstdiagnostizierter Hyperhydrose. Ich schwitze regelmäßig sehr stark unter den Achseln, an den Händen und unter den Füßen. Ich war deswegen auch noch nie bei einem Arzt, da es mir einfach sehr peinlich ist. Eigentlich geht es bei mir bereits im Frühjahr los und zieht sich bis in den Herbst hinein. Der Winter ist die einzige angenehme Jahreszeit für mich. Ich muss oft schon nur daran denken und schon geht das starke Schwitzen bei mir los. Verständnis dafür wurde mir bisher wenig entgegen gebracht. Ja sind sogar schon Freundschaften und Beziehungen daran zerbrochen. Auch meine Eltern waren meist von mir deswegen sehr angeekelt - aber das ist ein anderes Thema.


Zuerst habe ich es im Schulsport gemerkt. Ich war immer sehr nass unter den Achseln und an den Händen und sass danach schwitzend und tropfend im Unterricht. Wie sich jeder vorstellen kann, war dies immer äußerst peinlich und ich wurde deswegen in der Schule immer sehr oft gemobbt. Nach der Schule habe ich mit arbeiten angefangen und hatte sehr oft große Probleme damit. Auch in der Lehre wurde ich wegen dem Schwitzen sehr oft gemobbt. Bis dahin ging es aber immer noch.


Richtig schlimm wurde es dann so Anfang 20. Hier kam zum Schwitzen an den Achseln, an den Händen und Füssen auch ein enormes Schwitzen am Rücken und im Gesicht hinzu. Ich hatte bis dahin auch noch viel Sport gemacht gehabt. Joggen, Fussball spielen und Kraftsport waren meine großen Leidenschaften bis zum Sommer 2013. Dies war ein sehr, sehr warmer Sommer, wer sich zurück erinnern kann. Es war in diesem Sommer einfach nur noch unaushaltbar. Ich saß einfach nur da und habe nichts gemacht und habe überall getropft. In diesem Zuge hatte ich mich dann auch entschlossen, jegliche sportliche Aktivitäten zu beenden, da mich das Schwitzen enorm belastete. Beim joggen und beim Fußball rutschte ich regelrecht in meinen nassen Sportschuhen hin und her. Ich ekelte mich schon selber dabei vor mir. In diesem Sommer kamen bei mir auch erstmals Suizidgedanken auf wegen den enormen Schwitzen mein Leben zu beenden. Im Laufe diesen Sommers entwickelte ich wohl auch meine Sozialphobie vor anderen Menschen. Seit diesem Sommer habe ich mich so gut wie von allen mir bis dahin lieben Menschen abgekapselt bzw. sie den Kontakt zu mir beendet, unter anderem auch zu meinen Eltern. Auch viele Freundschaften sind deswegen in die Brüche gegangen. Ich meide seitdem so gut es geht extrem warme Orte, wie Diskotheken, Lokale und dergleichen. Das einzige was ich noch tat, war auf Arbeit zu gehen. Irgendwie muss man ja weiter für seinen Lebensunterhalt sorgen. Aber auch hier war es unerträglich, aber irgendwie muss es ja gehen. Mit meinem Chef habe ich darüber nie gesprochen und Kollegen schauen mich oft verachtungsvoll an. 


Und damit komme ich zum Thema Frauen. Wie sich jeder vorstellen kann, ist für mich der Kontakt zu Frauen wegen des starken Schwitzens und meiner Sozialphobie sehr schwer. Auch weil es mir grundsätzlich einfach sehr peinlich ist, darüber offen zu reden. Im Laufe der Jahre habe ich es wie durch Glück dann doch noch geschafft vorletztes Jahr mal einen Kontakt zu einer Frau herzustellen. Allerdings war die Beziehung gelinde gesagt einfach nur sehr schwer. Am Anfang ging es noch und es war alles in Ordnung, was auch daran lag, dass wir uns im Winter kennenlernten und das für mich ja die angenehmste Jahreszeit ist. Dann kam es wie es kommen musste und der Frühling brach an und die Temperaturen stiegen und die HH brach bei mir wieder enorm aus. Meine Freundin sagte am Anfang nichts und ignorierte es, allerdings merkte ich im Laufe der Zeit wie sie sich immer mehr vor mir ekelte und Abstand suchte. Im Sommer letzten Jahres war es dann vorbei und sie verließ mich wegen meiner HH. Dies hatte zur Folge, das ich in schwere Depressionen verfiel und nun seit fast einem Jahr in psychatrischer Behandlung und krankgeschrieben bin. Selbst mit meinem Psychater habe ich bisher nie über meine HH gesprochen. Seit letztem Sommer bin ich psychisch auch so fertig, dass ich jeglichen Kontakt zu anderen Menschen meide, so gut es geht. Dass damit auch die allerletzten Freundschaften zerbrochen sind, dürfte wohl jedem klar sein.


Ich stehe nun an einem Wendepunkt, da ich demnächst wieder arbeiten gehen soll und ich noch überhaupt nicht weiß, wie ich das schaffen soll. Zudem steht nun auch wieder der Sommer bevor. Alleine schon der Gedanke daran, bringt mich zum Schwitzen. Am liebsten würde ich mich auf die nächste Brücke stellen und runterstürzen, weil ich so verzweifelt bin und mich vor mir selber ekele. Wohl sind es die Antidepressiva, die ich seit fast einem Jahr nehme die mich davon abhalten es zu realisieren.


Ich habe den Beitrag hier unter anderem verfasst um anderen Menschen, die an selben Problemen leiden, sich zu äußern, ihre Meinungen austauschen zu können und im Idealfall zu helfen. Spott und Häme brauche ich nicht. Danke. Lg Tobias.

01.06.2019 01:58 • 07.09.2022 x 2 #1


9 Antworten ↓


Icefalki
Tobias, warum um Gottes Willen hast du dein Problem noch nie mit einem Arzt gesprochen? Ist doch nicht deine Schuld, wenn du an einer Hyperhydrose leidest. Sie alleine ist doch die Ursache für dein ganzes Elend.

Sei doch mutig und geh das an. Kein Arzt der Welt wird dich auslachen, oder geringschätzen. Unmöglich, dass das passiert.

01.06.2019 12:06 • x 1 #2


A


Ein Leben mit Hyperhydrose

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Mindhead
Da kann ich ebenfalls nur sagen, besprich das am Besten mit einem Arzt.

Ich kann ansonsten anraten bei der Apotheke mal nachzufragen. Sie können dir zumindest etwas pflanzliches geben -habe ich auch bekommen. Da könntest du zumindest mal schauen, ob es dir schon hilft. Das dauert aber auch ein paar Wochen bis es wirkt. Inwiefern es kompatibel mit deinen Medikamenten ist, müsstest du natürlich nachfragen.

Aufhören zu schwitzen wirst und solltest du natürlich nicht. Schwitzen ist nämlich sehr wichtig für den Körper.
Aber das Übermäßige ist pathologisch und am besten mit einem Arzt zu besprechen. Es kann zum Beispiel auch die Schilddrüse dahinter stecken und dann hättest du nochmal eine andere Möglichkeit das Schwitzen zu normalisieren.
Selbstdiagnose ist nicht das beste, das man machen kann.

17.06.2019 16:26 • #3


D
Jetzt möchte ich wissen wie es ausgegangen ist...
Hast du mit einem Arzt gesprochen? Hast du Medikamente erhalten die das Schwitzen reduzieren?
Kann ja wohl nicht sein, dass übermäßiges Schwitzen dir dein ganzes Leben ruiniert! Wird schon werden. Es gibt ja Medis dagegen, die über längeren Zeitraum eingestellt werden müssen.

17.06.2019 17:22 • #4


M
Hallo Tobi,
bin zufällig hier im Forum gelandet und habe mich extra angemeldet, um Dir antworten zu können.

Alles was Du schreibst, kenne ich. Auch ich litt seit meiner Kindheit unter Hyperhidrose. Ich bin im Gegensatz zu Dir aber zu mehreren Ärzten gegangen, wurde aber nicht ernst genommen. Einer meinte sogar, das gibt sich mit der Pubertät. Es wurde allerdings eher noch schlimmer. Ich hatte es am schlimmsten an den Händen und an den Füßen, wobei es mich an den Händen natürlich am meisten gestört hat.
Mein Sohn, der heute 21 ist, hat den Mist von mir geerbt und er hat es zusätzlich noch unter den Achseln.
Im Nachhinein frage ich mich, wie ich zwei Berufsausbildungen so absolvieren konnte, ohne dass es jemand wirklich gemerkt hat. Das war ein echter Kraftakt vom Vorstellungsgespräch bis hin zur Ausbildung selbst. Ich bin Polizeibeamtin und daher natürlich auch körperlich viel mit Menschen in Kontakt.
Der Höhepunkt war, dass mir damals im Schießunterricht sogar aufgefallen war, dass meine Waffe Rost ansetzte. Klar, die Hände waren ja immer klitschnass. Unfassbar.

Also Du brauchst Dich nicht die Brücke hinunterzustürzen, auch wenn ich dieses Gefühl selbst gut kenne. Es gibt definitiv eine Lösung für Dein Problem.
Jedenfalls hauptsächlich für die Hände, vielleicht auch für andere Regionen. Das muss man im Einzelnen mit dem Arzt besprechen.
Ich habe eine Sympathektomie machen lassen, also den Sympathikusnerv abklemmen lassen. Seit 11 Jahren sind meine Hände jetzt trocken. Anfangs waren sie so trocken, dass es weh tat. Jetzt fängt es langsam wieder an, bei hohen Temperaturen, dass ich ganz leicht schwitze. Aber kein Vergleich mit früher und eher noch normal.
Mein Sohn hat es auch letztes Jahr machen lassen, da er eine Banklehre macht und so gar nicht hätte dort arbeiten können.

Wir waren bei Dr. Ablaßmaier in München; sind extra aus dem Ruhrgebiet angereist. Diesen Mann kann ich nur wärmstens empfehlen, da extrem nett, unbürokratisch (er selbst geht ans Telefon und ruft auch immer sofort zurück) und er ist einer der besten Thoraxchirurgen weltweit.
Alternativ gibt es auch noch ein Hyperhidrosezentrum -ebenfalls in München-, das soll auch ganz gut sein. Aber ich schwöre auf Dr. Ablaßmaier und bin ich für immer dankbar. Mein Sohn ebenfalls. Wir haben seither ein neues Leben.

Wenn Du noch Fragen hast, bin ich gern bereit, Dir noch Näheres zum Eingriff zu erzählen.

Alles Gute

18.08.2019 20:46 • #5


L
Hallo Tobi,

Ich hoffe du hast dich nicht umgebracht!

Ich kann dich absolut verstehen, denn mir geht es nicht anders. Ich habe mich gerade extra hier angemeldet um dir und anderen Mut zu machen und auch um meinen Leidensweg zu teilen. Wir sind nicht alleine! Auch wenn es sich so anfühlt. Oft, gerade wenn es warm ist, gucke ich mir Menschen an und denke mir, ich könnte von niemandem die Kleidung tragen, da man sofort die riesigen Schweißflecken sehen würde...
Aber von Anfang an: bei mir ging es so mit 13 Jahren in der Pubertät los. Ich bemerkte, dass ich riesige Schweißflecken unter den armen hatte.
Zufällig sah ich zur selben Zeit einen tv Beitrag darüber und wusste daher schon, worum es sich bei mir handelt. Mit der Zeit wurde es immer schlimmer. So kam der rücken dazu, sobald die kleinste Anstrengung, der kleinste Stress oder es nur minimal wärmer wurde.
Bei Temperaturen ab 20 Grad wird es inzwischen ganz schlimm. Mein ganzer Körper klebt und meine Achseln, Rücken und Bauch sind klitschnass. Inzwischen fängt es sogar immer mehr an meinem Kopf an, dass mir der Schweiß nur so runterläuft, sobald es etwas wärmer ist...
Auch ich habe deswegen immer wieder über Suizid nachgedacht...
Ich habe mein gesamtes Leben um diese Krankheit geplant. Von der Kleidung (Die ich nicht tragen kann) , zu Aktivitäten (Die ich nicht machen kann), ja sogar Berufe wurden ausgeschlossen. Wer hätte schon gerne einen durchgeschwitzen Arzt oder Anwalt, ja nicht mal bei McDonald's hätte ich arbeiten können mit meinem nassen Körper...
Ich war bei mehreren Ärzten und musste feststellen, dass viele einfach keine Ahnung haben schwitzen ist normal oder sie mich an andere Ärzte verwiesen haben, die ebenfalls zur Behandlung nicht befugt waren... Ja, wie bei anderen Krankheiten auch, sind gute Ärzte schwer zu finden... trotzdem, gib nicht auf und finde einen Arzt, der versucht dir zu helfen!
Ich bin inzwischen bei einem privaten Hautarzt gelandet, dort habe ich vagantin verschrieben bekommen. Über die Wirkung kann ich leider noch nichts berichten. Habe bisher nur wie besprochen eine halbe Tablette genommen, dies hat nicht viel gebracht, aber ich habe die Hoffnung, wenn ich die Dosis erhöhe, dies hilft.
Was mir wirklich sehr geholfen hat, ist purax. Das ist ein antiperspirant. Damit schmiere ich regelmäßig meinen gesamten Oberkörper ein.
Achseln sind staubtrocken und auch am rücken und am Bauch wirkt es Wunder!
Vorsichtig tupfe ich es auch über meine stirn, nacken und Gesicht.
Es hilft wirklich sehr!
Auch wenn es gerade am Anfang unerträglich piekst und brennt, mit der Zeit wird es besser und man gewöhnt sich dran.
Aber ich habe auch das Gefühl, dass sich das Problem dadurch etwas verlagert, so merke ich, dass mein gesamter Körper klebriger wird, besonders mein gesäß und mein Kopf. Aber solange es nur klebt und nicht tropft, kann ich damit leben.
Bei sportbekleidung fällt es nicht so schnell auf, aber durch die kunstfasern schwitzt man schon mehr. Ansonsten kann ich dir luftige, leicht transparente Kleidung, wie lockeren Strick empfehlen, da sieht man Schweißflecken nicht so schnell und so kommt man auch nicht in den Teufelskreis ständig drüber nachzudenken und dadurch noch mehr zu schwitzen...
Diese Krankheit ist die Hölle und ich hoffe, dass es bald bessere, hilfreiche und bezahlbare Behandlungsmöglichkeiten gibt!
Ich wünsche jedem, dass ein guter, ertragbarer weg gefunden wird. Gebt nicht auf! Das Leben kann trotz hyperhidrose gelebt werden und toll sein!

21.05.2022 08:26 • #6


Andi1992
Hey Tobi,

ich weiß wie es dir geht, ich leider seit über 15 Jahren an dieser Krankheit und habe 13 Jahre davon mit niemanden darüber geredet wil es mir zu peinlich war und ich die ganze zeit damit beschäftigt war das ganze so gut es geht zu verstecken.
Ich bin einen lagen Leidensweg gegangen und kann deine Gedanken voll und ganz nachvollziehen. Aber gib nicht auf.
Als ich mich endlich dazu entschlossen habe mit einem Dermatologen darüber zu sprechen, haben wir nach Lösungen gesucht.
Und die gibt es! Glaub mir.
Es gibt einen kleinen Eingriff, dieser nennt sich endoskopische Sympathikus-Blockade. Da werden die zuständigen Nevernstränge mit einem Titanclip abgeklemmt und du wirst nicht mehr an Händen, Füßen, Achseln und ggf Gesicht schwitzen.
Leider zahlt die Krankenkasse diese OP nicht sofort, denn man muss erst alles andere ausprobiert haben und wenn alles nicht hilft, wird sie diese OP bezahlen. Heißt, du musst dich mal bei einem Dermatologen vorstellen. Dieser wird dir erstmal eine Therapie ein Tablettenform anbieten (diese habe ich abgelehnt, da mir die Nebenwirkungen zu heftig waren. Das sind so Tabletten gegen Inkontinenz die den Körper komplett austrocknen). Dann wirst du für ein paar Wochen eine Stromtherapie machen, diese ist etwas schmerzhaft und total zeit und platz aufwendig. Diese Therapie hilft auch nur so lange wie du sie anwedest. Heißt du müsstest das dein Leben lang machen. Ich habe meinem Dermatologen gesagt, das die Stromtherapie bei mir nicht anschlägt und ich genauso weiter schwitze. Nun hatten wir die möglichkeit die OP bei der Krankenkasse zu beantragen und sie wurde sofort genehmigt. Ich warte jetzt auf meinen OP Termin und freue mich riesig darauf.
Gib nicht auf und rede mit einem Spezialisten darüber. Ich habe mir zum Beispiel in der Uniklinik Frankfurt einen Termin bei der Hyperhidrose Sprechstunde gemacht. Die ist da jeden Mittwoch.
gib in Google einfach mal Hyperhidrose Uniklinik Frankfurt ein

Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen
Liebe Grüße
Andrea

07.09.2022 07:50 • #7


Sascha-Ballweg
Zitat von Andi1992:
Hey Tobi, ich weiß wie es dir geht, ich leider seit über 15 Jahren an dieser Krankheit und habe 13 Jahre davon mit niemanden darüber geredet wil es mir zu peinlich war und ich die ganze zeit damit beschäftigt war das ganze so gut es geht zu verstecken. Ich bin einen lagen Leidensweg gegangen und kann deine ...

Hallo Andrea, da Du (ohne bislang eigene Erfahrungen gemacht zu haben) so überschwenglich eine Operation empfiehlst und anderen Methoden abkanzelst, will ich mich kurz zu den Risiken einer ETS aber auch den Chancen der weniger invasiven Methoden äußern…
Die endoskopische thorakale Sympathikusblockade (ETS) birgt neben den normalen Operations- und Narkoserisken in erster Linie das Risiko des Kompensatorischen Schwitzens (KS). Und im Falle einer OP ist das KS unter Umständen auch nicht mehr umkehrbar. Manchmal auch dann nicht, wenn nur geclipt wurde.
Daraufhin stellt sich die Frage, ob trockene Hände es wert sind, wenn sich das Schwitzen komplett an den Po verlagert und die Hose nach dem Sitzen so aussieht, als hätte man sich eingenäßt. Und das ist kein Einzelfall!

Weiterhin gibt es Meldungen, die nach einer ETS von weiterführenden Problemen berichten wie bspw. der Notwendigkeit einer Nachbehandlung per OP, Darm- und Nervenprobleme, Veränderung des Herzrhythmus, Morbus Raynnaud, verstärktes Errröten mit Erythrophobie, Harlekin Syndrom… mir wurden sogar 2 Fälle von Impot. beim Mann nach der OP berichtet sowie ein Fall, bei dem der Betroffene den Stuhlgang nicht mehr steuern kann.

Es ist also gut, dass die Krankenkasse diese OP nicht sofort bezahlt, sondern zuvor alle anderen Methoden, die der Operation in der Hyperhidrose-Behandlungspyramide (einfach mal googeln) vorangesetzt sind ausgeschöpft sehen will. Denn eine Operation ist im Falle der Hyperhidrose immer als letztes geeignetes Mittel anzusehen!

Dass diese vorgelagerten Therapien auch nur so lange helfen wie man sie anwedet ist gleichzeitig Fluch und Segen - zumindest wenn man das Kompensatorischen Schwitzen als mögliche Nebenwirkung ernst nimmt.
Und man muss diese Therapien auch nicht zwingend ein Leben lang durchführen, denn oftmals wird man mit steigendem Alter auch entspannter und ruhiger, was zu einer Reduktion des Schwitzens führt, was wiederum zur Folge hat, dass nicht wenige ihr Schwitzen gar nicht mehr therapieren müssen.

Meine Empfehlung wäre also eine strikte Beachtung der Hyperhidrose-Behandlungspyramide.
Ja, einige der Therapien benötigen Geduld, eine Fachberatung und sachgerachte Anwendung (hoch dosierte Antitranspirante aus dem Bereich der funktionellen Kosmetik, Leitungswasser-Iontophorese) haben dafür aber kaum Anwendungsrisiken und Nebenwirkungen. Und auch das Risiko des Kompensatorischen Schwitzens ist deutlich geringer.

Dies ist meine Erfahrung und daraus abegleitet meine Meinung
die übrigens aus meiner Arbeit mit zigtausenden Betroffenen herrührt

07.09.2022 10:23 • x 1 #8


Andi1992
Sehr gut und ausführlich erklärt. Danke dir.
Ich habe selber große Angst vor diesem Kompensatorischen Schwitzen, aber ich hoffe einfach das beste.
Alles ist besser, als so weiter zu leben wie bisher. Ich denke es ist wichtig, einfach mit seinen Problemen zu einem Spezialisten zu gehen um sich ausführlich beraten zu lassen. Daran führt kein Weg vorbei

07.09.2022 10:31 • x 1 #9


Sascha-Ballweg
Das ist richtig. Problematisch wird es natürlich immer dann, wenn der Spezialist den man zur Beratung konsultiert gleichzeitig auch Operateur (Chirurg) ist und mit der OP sehr gutes Geld verdienen kann.

Dann kann es leider eine gewisse Überschneidung der Interessen geben.

Darum sollte man sich unbedingt selbst im Internet über die möglichen Risiken und Nebenwirkungen schlau machen und die Augen nicht davor verschließen, dass es eben leider doch auch noch schlimmer kommen kann!

Hier ein Beispiel, dass aufzeigt, dass im Bereich der ETS selbst die Deutung von Zahlen zur Zufriedenheit nicht immer leicht ist…

Zitat:
Die OP: ist möglich für Kopfschweiss. Allerdings muss dabei der Nerv ziemlich weit oben blockiert werden (TH2), was das Risiko von extremem kompensatorischem Schwitzen erhöht. Laut Dr. Tarfusser lassen ca. 1/8 der KopfschweisspatientInnen die OP rückgängig machen (was aber immerhin bedeutet, dass 7/8 zufriedener sind als zuvor): https://www.chirit.com/de/hyperhidrosis...tsschweiss


Meine Antwort darauf lautete…

Zitat:
Ich halte diesen Rückschluss für zumindest fraglich. Denn wenn nur 1/8 der KopfschweisspatientInnen die OP rückgängig machen lassen, kann dies im Umkehrschluss (überspitzt gesagt) ebenfalls bedeuten, dass sich 7/8 nicht dem Risiko einer weiteren OP aussetzen wollen, nur um einen bereits zuvor unbefriedigenden Ausgangszustand wiederzuerlangen. Ich persönlich halte dies für nicht gerade unwahrscheinlich, denn wer lässt sich schon gern narkotisieren und operieren!

07.09.2022 10:42 • #10


A


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