Da ich gerne
Unbekanntes ausprobiere, lud ich mir eine Kochfreundin ein, um etwas neues mit ihr zu auszuprobieren. Und zwar ein Blind Dinner. Ich wollte sie bekochen mit einem Essen, welches diese dann mit geschlossenen Augen isst.
Aurelia erschien pünktlich.
Ich hatte bereits die Zeit genutzt, um das Essen für sie vorzubereiten.
Da es ja alle Sinne ansprechen soll, ist es umso wichtiger, verschiedene Konsistenzen zu verarbeiten. Normalerweise achte ich ja drauf, möglichst viele Farben im Gericht zu verwenden, aber das Auge isst heute ja nicht mit.
Ich begrüßte Aurelia im Flur und verband ihre Augen mit einer Augenbinde, damit sie absolut nichts sehen konnte. Dann führte ich sie an den Esstisch, half ihr mit dem
Stuhl und stellte einen Teller mit Scheiben einer
Zitrone neben ihren Teller, damit sie schon mal etwas tolles riechen konnte. In meinem Esszimmer war es sehr leise, Störgeräusche wurden entfernt und ich ging ab dem Zeitpunkt leise über die
Fliesen, um auch ihr
Hören zu verschärfen. Zuerst gab es einen Jasmintee, weil dieser ja so herrlich duftet. Nachdem sie die warme Reisporzellantasse geleert hatte, servierte ich ihr eine Vorspeisensuppe. Diese bestand aus Gemüse mit verschiedensten Härtegraden. Die Möhren hatte ich ausgestochen mit Backformen zu Blumen, Kleeblättern und Herzen. Es gab feste mist in Streifen, Erbsenschoten, Brokkoli in unterschiedlich großen Röschen, eine Chilli in ganz kleinen Stücken und etwas Hähnchenfleisch. Als Topping verschiende Sprossen, Korianderblätter und geröstete Cashewnüsse. Ich servierte ihr von rechts und goss ihr im hohen Bogen ein Glas
Wasser ein, so wie es die Berber mit ihrem süßem Minztee praktizieren, damit der Schaum den Staub abhält und der Tee sich besser entfalten kann. Ich hab es hier gemacht, weil das Geräusch im Kristallglas einfach klasse ist. Anschließend flüsterte ich ihr den Gang mit den Bestandteilen dicht an ihrem
Ohr zu. Sie konnte mich natürlich auch
atmen hören. Ich wünschte ihr einen guten Appetit und führte ihre Hand an ihrem gewichtigen chinesischen Suppenlöffel. Ich denke ihr kennt den? Der ist so groß, dass er nur seitlich genutzt werden kann, indem man die Suppe schlürft, da er vom Umgang kaum in den Mund passt

Also lud ich Auri ein, bitte auch unbedingt laute Schlürf- und Schmatzgeräusche zu machen, denn auch das hebt die Aromen hervor. Die Suppe
duftete köstlich nach den gerösteten Nüssen und Samen, nach Ingwer und natürlich nach Knoblauch, aber auch nach Zitronengras und dem gras
grünen Koriander. In die Suppe hatte ich noch Glasnudeln in ganzer Länge eingearbeitet, damit diese sich mit denen blind arrangieren musste

(sonst hätte ich sie natürlich gekürzt).
Danach gab es noch eine kleine Menge Basmatireis mit in Reisblättern gehüllten Gemüsestreifen mit zweierlei Dips à Part. Dazu lenkte ich ihre Hand an die Essstäbchen. Auri
murmelte, dass es ihr alles sehr gut und viel intensiver schmecken würde. Und, dass sie auch schon das Sättigkeitsgefühl deutlich spüre. Ihr
Magen fühle sich angenehm gefüllt an. Ich sagte, dass empfahl schon immer Konfuzius mit seinem Schlüssel zum langen Leben :"Hara hachi bu". Ebenso der Pflaumenwein durfte danach nicht fehlen.
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