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Zwiebeltreter
Die Philosophie des Wortes

"Das Wort Sucht kommt von suchen" – stimmt nicht, auch wenn es sich phonetisch so anhört und von psychologisierenden Heilern gern so verwendet wird.
Sucht geht zurück auf althochdeutsch suht (8. Jh.) oder suft mittelhochdeutsch suht. Die ursprüngliche Bedeutung war Krankheit, schweres Leiden, Siechtum (im Mittelalter oft auch konkret Pest, Aussatz, Fieber, Tobsucht etc.). Es ist eine alte Ableitungsform vom Adjektiv siech althochdeutsch. sioh, mhd. siech = krank, hinfällig, schwer leidend) bzw. vom Verb siechen (althochdeutsch siohhēn / siuchan ≈ krank sein, siechen, langsam dahinsiechen).
Die Entsprechungen im Englischen sind sick = krank oder Niederländisch ziek = krank.
Der Bedeutungswandel zu „krankhaftes, unstillbares Verlangen / Abhängigkeit“ vollzog sich erst später (besonders ab dem 17.–20. Jahrhundert), weil man Sucht als eine Art krankhafte Gier / Besessenheit verstand – also immer noch im Kern eine Krankheit.

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