Hallo xUnbekannt,
es war deine Signatur, die mich zuerst auf dich aufmerksam machte: „Ich will irgendwann jemand werden, den andere brauchen.“
Ich wurde immer von jemandem gebraucht. Es passierte einfach so, dass immer Menschen in meinem Leben waren, die mich brauchten. Ich fühlte mich dadurch nur selten belastet, höchstens wenn es mir selbst mal nicht so gut ging. Meistens gab es mir ein Gefühl des Aufgehobenseins, das Gefühl, dass ein großer Teil Lebenssinn schon mit diesem Gebrauchtwerden erfüllt war. Das wiederum erfüllte mich mit Ruhe. In diesen Zeiten musste ich nicht unterwegs sein, nicht auf der Sinnsuche. Es war völlig klar: Mein Platz ist da, wo ich gebraucht werde. So schwer diese Zeiten nach außen auch oft auf andere gewirkt haben mögen - es waren meine besten und glücklichsten.
Wieso sage ich "waren"? Im Moment fühle ich ein riesiges Vakuum, weil der offenbar letzte Mensch, der mich wirklich brauchte, gestorben ist. Ich blicke zurück auf diese neun wunderschönen Jahre mit ihr, eine Zeit, in der nicht nur sie mich brauchte, sondern ich auch sie. Es war irgendwie perfekt ausgewogen, ohne dass jemand überhaupt ein Augenmerk darauf hatte, wie viel oder was der eine gibt und dafür vom anderen wiederbekommt. Es war so lustig wie es ernst war, konnte so entspannt sein wie es manchmal intensiv war, so anregend wie beruhigend. Ich ging immer mit einem ganzen Päckchen voller Inspiration von ihr weg, voller Tatendrang. Wenn ich das nächste Mal zu ihr kam, wollte sie genau wissen, ob und wie meine Projekte laufen. Sie knüpfte immer da an, wo wir zuletzt stehengeblieben waren. Ich bewunderte ihr Gedächtnis, vor allem ihr Kurzzeitgedächtnis. Sie lebte voll und ganz in der Gegenwart, konnte ihr trotz aller Einschränkungen so viel abgewinnen. Nur wenn sich dort überhaupt nichts abspielte, konnte sie sich zurückziehen in ihr Paradies der Erinnerungen und mir daraus fesselnde Geschichten erzählen, auch solche, in denen meine Familie vorkam. Sie brachte Dinge wieder ans Tageslicht, die ich längst vergessen hatte.
Das Vakuum, das ich jetzt fühle, darf gerne noch so lange auf mich wirken wie es möchte. Es ist groß, aber das ist nur logisch. Ich vermisse sie, aber ich würde nie versuchen, sie ersetzen zu wollen.
Was würde sie mir jetzt sagen? Irgendetwas, das mir einen ordentlichen Tritt in den Hintern gibt, wahrscheinlich.

Damit dieser Thread jetzt nicht auch OT geht: Mich würde interessieren, ob
mein Gefühl, oder mein Wunsch, wieder gebraucht zu werden (von einem Menschen, von der Gesellschaft) wirklich etwas mit einem Helfersyndrom zu tun hat, also eigentlich krankhaft ist ? Oder ob es sich um ein ganz gesundes menschliches Bedürfnis handelt. Wo sind da die Grenzen? Warum spüre ich nicht den Drang nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit?
Ich würde mir da sehr gerne auf die Schliche kommen und hoffe, du hilfst mir dabei, indem du mir zum Beispiel sagst, wie genau du eigentlich deine Signatur gemeint hast. Was für Wünsche du damit verbindest. Du könntest damit schlicht und einfach auch nur sagen wollen, dass du dir einen (männlichen) Freund wünschst, der dich braucht. Vielleicht, weil du schon das krasse Gegenteil erlebt hast.
Sorry, wenn ich dir auf den Keks gehe, auch allen anderen hier vielleicht.