Zitat von Spenst:Denken welche von euch, dass die Gesellschaft und das krierte Bild der Betroffenen (was Depression, Ängste...angeht), sei es durch Medien oder vielleicht sogar Ärzte, eure Lage erschweren? Es wird ja tabuisiert, nur ab und zu ist hier über ein Fall zu hören, meistens einer öffentlichen Person. Diese Person erzählt dann auch, wie man als lebender Toter existiert (hat). So zumindest kommt es mir vor. Dann blicken die Zuschauer etwas mitleidvoll rein, wissen aber, weil es gesagt wird, dass die Krankheit heilbar ist und gehen wieder. Was übrig bleibt ist dann nur eine Story die erzählt wurde, ohne die vielen Betroffenen zu berücksichtigen.
Die Menschen sind auch eher bereit, Tieren in Not zu helfen, als Menschen in Not. Weil man wahrscheinlich davon ausgeht, dass der Mensch sich selber helfen kann. Wird hier der Mensch nicht etwas überschätzt?
In meinem Sonderfall - ja, aber in eine andere Richtung. Die kam hier auch kurz durch.
Für mich ist es wichtig zu unterscheiden, ob man unfreiwillig einsam ist und sich verändern möchte oder eben freiwillig einsam ist und das nicht verändern möchte. Diese Pauschalisierung oder Tabuisierung über Depression ect. hängt mir zum Hals raus. Speziell bei der Depression kommt es häufig zu Missverständnissen. Heilbar? Ja. Immer heilbar? Nein. Rezidive oder episodisch verlaufende Depression wird in der Öffentlichkeit fast gar nicht erwähnt. Selbst im Forum liest man von Betroffenen, daß sie eine Depression gehabt hätten und seit Kurzem überraschend irgendwie wieder ein Problem damit haben. Heißt: die Aufklärung über Depression findet doch gar nicht statt. Ich würde mir von Ärzten wünschen, daß sie Patienten einfach besser informieren über Rückfallrisiko und episodische Verläufe bis hin zu chronischer Depression.
Ich habe in den nun fast schon 3 Jahren Behandlung einer episodischen Depression immer wieder "Menschen vom Fach" erlebt, die so die gängigen Empfehlungen geben: "Sie müssen raus unter Menschen, gehen sie spazieren, legen sie sich doch einen Hund zu, bleiben sie bloß nicht alleine, suchen sie Kontakte..." Jedes mal kriege ich schweißnasse Hände, zittere wie Espenlaub und frage mich, ob man mich bewußt fertig machen will. Ich bin schizoid und das schon so lange ich denken kann. Wieso erhöht man damit meinen Leidensdruck? Selbst wenn ich unfreiwillig einsam wäre, würden mich solche Ratschläge wohl ärgern-oder?
Für mich ist allein sein die Heilung und nicht das Übel. Tabuisierung und Pauschalisierung machen nichts besser und es erinnert mich an "rücksichtsvolle Nachbarn", die die Tür vor einem geschlossen halten, aus falscher Rücksichtnahme und Desinformation.