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Hallo liebe Mitleser,

endlich habe ich den Mut gefunden, hier zu schreiben, weil ich mittlerweile so gut wie niemanden mehr zum Reden habe.
Ich leide schon seit ca. 15 Jahren mehr oder weniger an chronischer Einsamkeit, die mich immer ängstlicher, trauriger und antriebsloser werden ließ.
Früher - als Kind - war ich ein völlig anderer Mensch: aufgeweckt, fröhlich, kontakfreudig. Mit Beginn der Pubertät und einem Schulwechsel fingen die Probleme an. Ich hatte bis vor kurzem zwar immer eine Freundin, klammerte mich aber nur an diese und konnte keine neuen Kontakte mehr knüpfen. Ich fühlte mich minderwertig und hässlich und konnte mit den Freizeitbeschäftigungen der Altersgenossen wie Disco, Party, Kneipe nicht viel anfangen. Ich langweilte mich dort, weil ich merkte, dass ich nicht dort hingehörte. "Das ist nicht deine Welt", sagte ich mir innerlich, und blieb stattdessen zu Hause bei meinen Büchern. Damit fingen die Probleme aber erst richtig an: ich hing meinen Tagträumen nach, verliebte mich in unerreichbare Gestalten und verlor somit immer mehr den Bezug zur Realität. Beruflich ging es zwar gut vorwärts, aber ich merkte immer mehr, dass ich wichtige Lebenserfahrungen, die Gleichaltrige machten, durch meine private Isolation einfach verpasste.
Mittlerweile bin ich 40 und sehe, wie das Leben an mir vorüberzieht, ohne dass ich richtig gelebt hätte. Ich hatte erst eine einzige Beziehung, die allerdings auch schon viele Jahre zurückliegt. Ich weiß, wie schön das Leben mit einem Menschen an der Seite sein kann. Ich war damals ein völlig anderer Mensch, spielte in einer Theatergruppe, war fröhlich und konnte auch auf Menschen zugehen. Offenbar brauche ich immer jemanden, der mich "ins Leben zieht", weil es alleine nicht schaffe. Meine ehemaligen Schulfreundinnen und jetzigen Arbeitskolleginnen sind mittlerweile alle verheiratet, haben eine Familie gegründet, besitzen einen großen Freundeskreis und können mit mir einsamen Singlefrau nicht viel anfangen. Melde ich mich bei meiner Freundin, heißt es immer: "keine Zeit, ich ruf zurück." Natürlich erfolgt so gut wie nie ein Rückruf, und ich habe es aufgegeben, den Leuten hinterher zu laufen.
Ich kann mich auch nicht dazu aufraffen, alleine irgendwo hinzugehen. Allein ins Kino? Schön, das geht vielleicht noch, aber danach geht man allein nach Hause und hat niemanden, mit dem man sich über den Film unterhalten könnte. Durch die jahrelange Einsamkeit bin ich leider ganz schön antriebs- und interessenlos geworden - und ein Mensch, der kaum eigene Interessen verfolgt, ist eben auch für andere Menschen uninteressant - ein Teufelskreis. Ich war auch schon mal kurz bei einem Therapeuten und weiß sehr gut, dass ich mich im Grunde nur selbst aus diesem Sumpf der Einsamkeit befreien kann, indem ich rausgehe, aktiv werde, neue Interessen entdecke und verfolge.
Das Fatale an der ganzen Misere ist ja, dass ich ziemlich genau weiß, was ich tun müsste (da kann mir auch ein Therapeut nichts Neues sagen) , ich aber dennoch kaum was dafür tue! Nach kurzen Anläufen in dieser Hinsich scheitert es immer an meiner sozialen Ängstlichkeit und der mangelnden Selbstdisziplin.

Ein hoffnungsloser Fall?

Danke fürs Lesen,

Elisa

20.10.2008 20:54 • 29.11.2008 #1


13 Antworten ↓


Hi,
also so ab 40 scheinen viele unerledigte Dinge an die Oberfläche zu streben. Du weißt schon, dass Du es selbst lösen musst. Damit bist Du schon ganz schön weit. Was tust u denn für Dich? Sport, Lesen, Spaziergänge?? Wenn Du magst lies doch mal hier und lass wieder von Dir hören.

http://www.psychotipps.com/Einsamkeit.html

MissErfolg

20.10.2008 21:05 • #2



Teufelskreis aus Einsamkeit, Unsicherheit, Antriebslosigkeit

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Hallo Elisa !

Erst einmal herzlich Willkommen hier im Forum. Du wirst hier viele Menschen treffen, denen es ähnlich geht wie dir.

Ich selbst kenne vieles von dem was du schreibst. In meinen jungen Jahren habe ich allerdings das Leben noch in grossen Zügen genossen, wenn man von Beziehungen einmal absieht.
Erst später, ab dem 40sten Lebensjahr, hat dann auch bei mir die Einsamkeit einzug gehalten. Man kann daran aber etwas ändern.

Liebe Grüsse,

Helpness

20.10.2008 21:25 • #3


Hallo!

Als absoluter Neuling hier im Forum, wäre es wahrscheinlich kein guter Stil ohne jegliche Vorstellung zu einem fremden Beitrag Stellung zu nehmen.
Daher hier ein paar grobe Daten zu mir. Ich bin mittlerweile 20 Jahre alt und seit ein paar Wochen Student. Bevor ich für mein studium nach Bielefeld zog, habe ich meine gesamte Lebensspanne bei meinen Eltern gelebt, die mir nie das Gefühl von Minderwertigkeit vermittelt haben.
Und nun zu meiner persönlichen "Leidensgeschichte" in Bezug auf Einsamkeit. Es gibt einige Parallelen zum Leben von Elisa, wenn man mal davon absieht, dass ich noch verdammt jung bin. Auch ich war als Kind eigentlich ein recht umgänglicher Junge, mit dem man viel Spaß haben konnte. Natürlich war ich noch nie wirklich eine Ausgeburt an Temprament, aber ich war zumindest in der Lage, Kontakte zu anderen Menschen aufzubauen. Das änderte sich schleichend als ich auf das Gymnasium kam. Freunde, mit denen ich jahrelang gut befreundet war, verließen die Schule oder veränderten sich charakterlich zunehmend. So schrumpfte mein "Freundeskreis" im Laufe der Jahre bis zur 11.Klasse auf 2 zusammen. Hinzu kam dann noch eine äußerst mangelhafte Honorierung meiner schulischen Leistungen. Beides zusammen führte zu meiner persönlichen Läuterung. Ich verweigerte mich und wurde daraufhin der Schule verwiesen. Retrospektiv liegt der Grund meiner Abkapselung genau hier begraben. In der Phase der Verweigerung hat sich in mir die Vorstellung absoluter Einsamkeit manifestiert. Kein Mensch war noch in der Lage, wirklich zu mir vorzudringen. Ich hatte mich in eine Lage manövriert, in der ich zwischen meiner eigenen Erwartungshaltung und den Anforderungen von anderen gefangen war. Leider sah ich aus dieser Situation keinen anderen Ausweg, als mich noch weiter zu isolieren. Auch nachdem sich alles aufgelöst hatte, meine Eltern und meine Umwelt Bescheid wussten, was mir fehlte, änderte sich in mir sehr wenig, obwohl sie sich sehr um mich bemühten. Die Phase der geistigen Selbstgeißelung hat ganz einfach zu lange gedauert, als dass sie nach ein paar Wochen wieder verschwinden würde. Und so begab ich mich dann aus freien Stücken in Psychotherapie. Aber ähnlich wie bei Elisa, konnte mir diese wenig helfen. Ich wusste zu gut, was mit mir los war. Ich konnte meine komplette Seele durchanalysieren und sagen, was mir wirkliche helfen würde. Nur fehlt mir schlicht und ergreifend die Motivation mich aufzuraffen. Mein komplettes Selbstvertrauen war irreparabel zerstört. Auch mein anschließender Aufstieg aus der schulischen Asche (Abitur mit 1,0) vermochte nicht, meine Selbstachtung wieder aufleben zu lassen. Im Gegenteil führte meine kollossale Dominanz der Jahrgangsstufe zur weiteren gesellschaftlichen Abtrennung, obwohl ich nie überheblich wurde und meine Mitschüler stets respektiert und niemals vorgeführt habe...
Der Auslöser dafür, dass ich mich jetzt hier in diesem Forum angemeldet habe, ist, dass mich in einer Phase der Besinnung eine Art Panik erfasst hat. Ich habe angst davor, mein Leben zu verlieren und mit 30 zu merken, dass ich mein Leben weggeworfen habe. Ganz tief in meinem Inneren schlummert noch ein kleiner Funken Hoffnung, dass ich noch etwas ändern kann. Nur fehlen mir irgendwie die Handlungsalternativen. Ich hatte bis zum heutigen tag noch keine feste Freundin. Mir war es also noch nicht vergönnt, zu spüren, was es heißt, nicht allein auf dieser Welt zu sein. Und betrübt mich an so grauen Tagen wie heute besonders. Ich könnte nicht einmal sagen, wie ich mich im Umgang mit meinen Altersgenossinnen verhalten sollte. Ich habe einfach eine zu elitäre Vorstellung von Freizeitgestaltung. so habe auch ich keinerlei Spaß an Diskos und ähnlichem. Simultan bin ich absoluter "Anti-Alkoholiker", was heißt, dass ich überhaupt keinen Alk. trinke. Und wieder fällt ein Pfeiler der sozialen Integration weg...
Ich würde mich freuen, eure Meinung über mich zu erfahren. Besteht noch Hoffnung, oder versuche ich einer Utopie hinterher zu laufen, die sich als schlichte Illusion herausstellen wird? Genauso wäre ich für jeden Tipp dankbar, der mir zu einem Schritt in Richtung Leben verhelfen könnte.

I had a dream...

…that one day, I’ll find people to talk to in some way of real friendship. I had a dream, that one day, I’ll gain happiness through the end of my endless search for love and affection. I had a dream that one day, I’ll be able to give peace and satisfaction to my soul. I had a dream that one day, war no longer prevails in my mind. Unfortunately that day seems to be the imagination of a fool…
(Autor ist meine Wenigkeit)

30.10.2008 21:46 • #4


Hallo elisa,
wilkommen im forum,
Ich kenne das problem genau z.B. schreibst du : "Ich kann mich auch nicht dazu aufraffen, alleine irgendwo hinzugehen. Allein ins Kino? Schön, das geht vielleicht noch, aber danach geht man allein nach Hause und hat niemanden, mit dem man sich über den Film unterhalten könnte."
Genau das kenne ich. Nun als ich in das Forum kam war ich der überzeugung das es schicksalist einsam sein zu müsen.Ich hab eben pech gehabt nun isses halt so. Viele der forumteilnehmer haben mir gesagt das man eigentlich selbst schuld ist. ich wunderte mich und begann zu lesen und überlegte.... die Menschen hier haben recht. so fällt mir ein, das zum Beispiel früher wenn man mit einem Partner ins Kino ging anschließend auch nicht darüber sprach, und sogar teilw. sogar froh war seine ruhe zu haben. Wir sagten kurz, "toller film und so" das wasrs. das mach ich heute über ICQ oder so....
Irgendwie war man nur anders abgelenkt von sich selbst. man hatte keine zeit oder kein verlangen über sich nachzudenken.
Heute ist es bei mir auch so, wenn ich wieder alleine zu hause bin fang ich sofort an über mich und mein verhalten nachzudenken. Ich überlege ob ich alles richtig gemacht habe und so weiter...wenn man ins bad geht schaut man in den spiegel und findet Mängel an sich und so weiter.
Im Prinzip ja tatsächlich nichts was mit anderen Menschen zu tun hat sondern nur die eigenen gedanken, weil man sich von sich selbst nicht ablenken kann. Ich weiß jetzt das es verschieden Möglichkeiten gibt dieses Problem zu lösen und überlege auch ob ich doch eine therapie machen sollte. aber ich muß dir auch recht geben, wenn man weiß woran es liegt, ist es aber noch verdammt schwer das für sich auch zu glauben. ich stand auch schon da und sagte zu mir, verdammt, jetzt denk doch mal positiv. mmmmhhhh ok. wirkt nicht lange....
Ich glaube wirklich das es lange dauert bis man mit sich klar kommt. aber der gedanke das ein Partner die alles erfüllende Lösung ist, geht immer mehr von mir weg. ist das gut? ich hab mich so dran gewöhnt. jetzt muß ich mir selbst die schuld geben und kann nicht sagen die doofen frauen. sehr ungewohnt.
Naja, wie auch immer: es gibt glaubhafte Hoffnung ! und das ist sehr gut zu wissen.....................
LG -wladimir-

30.10.2008 22:31 • #5


Hallo Elisa, Hallo Schattenmann!

Bin ja auch noch recht neu hier und gehöre (mit 28 noch) zu den jüngeren Beziehungsunerfahrenen, die oft mit ihrer Einsamkeit zu kämpfen haben. Auch ich gehöre zu den Menschen, die sich in Diskotheken absolut fehl am Platz fühlen und zu Tagträumereien neigen. Es gibt gute, zuversichtliche Tag und dann, meist ohne ersichtlichen Grund, tut sich wieder der Abgrund auf und die Überzeugung, daß man für immer allein bleiben wird kommt über einen. Glücklicherweise gibt es wenige gute Freunde die ähnlich fühlen, aber viele andere entwickeln sich eben in eine andere Richtung als man selbst, z.B. durch Heirat und/oder Gründen einer Familie und irgendwann passen die Leben dann nicht mehr zusammen (genau wie Elisa es beschrieben hat). Manchmal ist es wirklich harte Arbeit sich nicht aufgeben zu wollen und nicht an der aufkeimenden Panik, daß sich vielleicht nie etwas ändern wird und das Leben möglicherweise an einem vorbeizieht, zugrunde zu gehen.

Vor längerer Zeit hatte ich eine Trotzphase, in der ich alles wozu ich Lust hatte, mich aber niemand begleiten wollte, trotzdem gemacht habe, Kinobesuche, Konzerte...es war zeitweise ein sehr erhebendes Gefühl, sich von niemandem abhängig zu machen, aber mit der Zeit verlor auch das seinen Reiz, eben aufgrund des fehlenden Austauschs über das Erlebte.

Es bleibt uns wohl nichts Anderes übrig, als uns immer wieder selbst an den Haaren zu packen und uns aus dem Sumpf zu ziehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt...heißt es doch so schön.

Grüße, Herbstkind

31.10.2008 00:28 • #6


Hallo Elisa und Mitleser !
Ich bin jetzt auch hier im Forum gelandet und habe in deinem Beitrag so viel Ähnlichkeiten mit meiner Situation gefunden, dass ich auch was dazu schreiben möchte. Auch bei mir ist die Einsamkeit im Lauf des Lebens immer stärker und zu einer grosse Belastung geworden. Jemanden, der das so nachvollziehen kann, habe ich sonst auch nicht.
Mein Freundes- und Bekanntenkreis war nie gross, aber ich hatte früher meistens ein paar Leute um mich.Oft waren das aber auch oberflächlich bleibende Freundschaften - etwas, was mich das ganze Leben durch begleitet hat. Zum Teil, so zum Ende der Schulzeit, waren dafür wohl auch mangelnde übereinstimmende Interessen verantwortlich ( ein Discofan bin ich auch nicht), teilweise hatte ich auch eine gewisse Sturheit in dieser Richtung entwickelt. Das habe ich als Erwachsener zwar begriffen, aber es blieb meist unmöglich, längere Freundschaften aufzubauen. Allein bleiben einem manchmal auch nur krampfhafte Versuche übrig, die nichts nützen und die Enttäuschung nur verstärken.

Erst später hatte ich auch eine einzige Beziehung, das war die glücklichste Zeit als Erwachsener, obwohl sie ziemlich kurz war. Es war einfach "Normalität", ich nahm am Leben viel stärker Teil, jemand war für einen da und nahm einen auch mit- und umgekehrt.
Das ist jetzt auch länger als 15 Jahre her, seitdem ist mein Freundeskreis auf Null geschrumpft. Am Arbeitsplatz war und bin ich auch ganz beliebt, aber halt auch uninteressant - es stimmt, dass man in der Antriebslosigkeit und Verzweiflung wohl auch uninteressanter wird.
Ich bin allmählich nicht nur antriebslos, sondern auch schon ratlos geworden, was ich überhaupt noch machen möchte und kann.
Ein paar mal hab ich mich selbst leicht unter Druck gesetzt, indem ich mich z.B. zu einem Kurs angemeldet habe, das ist, glaube ich, noch eine bessere Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, als nur kurze Unternehmungen, weil ich auch jemand bin, der längere Kontaktzeiten braucht, um mit Leuten bekannt zu werden. Allein ins Kino gehen ist wirklich ätzend.
Alles macht irgendwann auch nicht mehr viel Spass, wenn man es nur notgedrungen macht.
Ich denke, hier kann sicher jemand nachvollziehen, wie man sich in dieser Hölle fühlt, zumal ich auch depressiv geworden bin und den Rückblick auf dieses Leben (mit jetzt 47), wenn ich sehe, was alles vorbei ist und wie man sich schon so lange fühlt, nicht mehr ertragen kann.
Ich weiss, dass man sich eher nach vorn orientieren soll, aber manchmal ist das leicht gesagt.
Ich werde jetzt zu einem Therapeuten gehen, vielleicht gibt es ja doch etwas Brauchbares, was man mitnehmen kann, ein aussenstehender sieht ja manchmal auch etwas, was man selber nicht so sehr bemerkt.
Wenn jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat (klar) oder ein paar Tipps oder Anmerkungen hat, würde ich mich über eine Antwort freuen.
Erst mal Danke fürs Lesen !

11.11.2008 19:38 • #7


Hallo Elisa,

mußte mich spontan registrieren lassen, weil ich eine Aussage in Deinem
Bericht nicht verstanden habe. Du schreibst, dass Du eh schon weisst, was Dir fehlt und wie Du es ändern kannst und dass Dir deshalb ein Therapeut auch nichts neues sagen kann. Tja, da frage ich mich dann, warum tust Du es dann nicht einfach und läßt zu, dass es Dir wieder besser geht?! Wahrscheinlich weil Du gemerkt hast, dass es doch nicht so einfach ist. Wenn Du einen entzündeten Blinddarm hast, gehst Du auch zum Arzt und läßt ihn Dir entfernen, weil Du das ja wohl kaum selber bewerkstelligen kannst. Eine Psychotherapie kann letztendlich natürlich nichts wegnehmen oder hinzufügen, was für einen hilfreich wäre, aber sie kann doch wohl helfen mittels der passenden Techniken die nötigen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. (Man muß halt natürlich nur den richtigen Therapeuten finden...).
Wie denkst Du darüber?

Viele Grüße
Turtle

16.11.2008 14:28 • #8


Elisa,

der Beitrag könnte von mir sein.

Ich bin in der gleichen Situation, zwar erst Ende 30, aber auch mit dem gleichen Gefühl: Das Leben läuft an mir vorbei, und bei mir ist es bald gelaufen.

Zumindesten phasenweise habe ich die Kraft, mich aufzuraffen, aber dann auch wieder tagelang gar nicht.
Wenn ich sowieso überall alleine hingehen muss, ist es doch egal, ob ich hingehe oder nicht.

Wenn ich abends nachhhause komme, ist da auch niemand. Niemand mit dem ich reden kann.

Ich sehe momentan auch kein Licht am Horrizont, beginne jetzt aber eine Therapie in der Hoffnung, dass sich was ändert.

liebe Grüße

16.11.2008 17:28 • #9


Hallo Elisa,
in dem was Du geschrieben hast, habe ich viele Gemeinsamkeiten gesehen.

Bis vor einigen Jahren war ich auch völlig anders. Immer aktiv,Freude am Leben, mutig, selbstbewußt und offen. Dann liefen die Dinge nicht so wie ich es haben wollte und dazu kamen noch ein paar schwere Schicksalsschläge, wodurch meine Depressionen zunahmen. Zur Zeit leide ich auch noch an Panikstörüngen mit Agoraphobie!

Neulich sah ich im TV eine Reportage über Menschen, die im Rollstuhl saßen und von dem "NIKE" Slogan -Just Do It- motiviert wurden.
Einige schafften enorme Fortschritte, obwohl Ärzte die Hoffnung schon aufgegeben hatten.
Das gab mir ein Ansporn und ich dachte mir "schlimmer kanns ja nicht werden" und fing an wieder raus zugehen etc.
Und laut eigener Aussage weißt Du ja wie Du aus diesem Kreislauf raus kommst!
Also JUST DO IT Es kann nur besser werden;-)
MfG

16.11.2008 20:34 • #10


Danke an Alle für eure Antworten. Es tut gut, hier zu lesen.

@ turtle
Es ist einfach die Angst vor Menschen, die mich daran hindert, aktiv zu werden. Ich weiß, dass eine Soziale Phobie und mangelndes Selbstwertgefühl die Ursachen für meine Einsamkeit sind. Ähnlich wie Schattenmann kann auch ich genau sagen, was mit mir los ist, warum das so ist, und was ich dagegen tun müsste.
Aber es fällt mir unendlich schwer, z.B. ein Gespräch aufzunehmen. Es fiel mir schon schwer genug, hier ins Forum zu schreiben, geschweige denn, im realen Leben jemanden anzusprechen.
Wirke dann verkrampft, habe selbst wenig zu sagen, suche verzweifelt nach Gesprächsthemen, bis sich mein Gegenüber irgendwann gelangweilt abwendet. Das frustriert und motiviert nicht unbedingt zum Weitermachen.
Eine Psychotherapie findet ja auch nur im geschützten Rahmen statt, aber um ein realistisches feedback zu bekommen, müsste der Therapeut eigentlich im Alltagsleben dabei sein, einen direkt vor Ort beobachten und dort ein situationsbezogenes statement abgeben.
Wie gesagt, in der Theorie ist ja alles so schön und einfach, aber es hapert eben bei der Umsetzung.


Trotz der jahrelangen Einsamkeit bin ich aber noch nicht verzweifelt. Man findet sich irgendwie mit der Situation ab, es tritt ein Gewöhnungseffekt ein, tja... man versinkt eben in eine gewisse Resignation oder auch Gleichgültigkeit.
Kurz nach der Trennung von meinem damaligen Freund ging es mir jedenfalls viel schlechter, ich war am Boden und hielt die Stille zu Hause nicht lange aus. Irgendwann gewöhnt man sich aber dran. Klingt vielleicht erschreckend, aber es ist - denke ich - eine normale Schutzreation der Psyche.
Jedenfalls wird mir meine Einsamkeit und die mangelnde Lebenserfahrung meist beim Umgang mit anderen Menschen schmerzhaft bewusst (z.B. bei Arbeitskollegen). Ich merke, dass ich in einem nicht altersgerechten Lebensabschnitt lebe, mir fehlen die nötigen sozialen Kompetenzen, die Selbstsicherheit, die eine 40jährige eigentlich haben sollte. Deshalb ist es - zumindest für mich - manchmal einfacher und auch weniger frustrierend - jeglichen privaten Kontakten aus dem Weg zu gehen.

Bemühe mich inzwischen, öfter mal raus zu gehen, neue Interessen oder Hobbies zu entdecken, möchte evtl. einen VHS-Kurs besuchen. Zumindest lenkt mich das von sinnlosen Grübeleien ab - und das ist doch schon mal was wert.

Wünsch Euch einen schönen Tag,

Elisa

17.11.2008 17:41 • #11


liebe elisa,

vielleicht hilft dir dieser tipp weiter: du schreibst, du liest viel. es gibt in jeder stadt öffentliche bibliotheken, auch kleinere, kaum besuchte, in die du regelmäßig gehen könntest. frag doch einfach die mitarbeiter nach neuerscheinungen und lass dich beraten, was interessant sein könnte für dich. in kleineren bibliotheken ist es üblich, dass fast nur "stammkundschaft" vorbeikommt.
ich würde nicht zwanghaft nach neuen hobbies suchen, sondern die bestehenden interessen ausbauen oder die vielleicht begrabenen träume wieder rauskramen (keine ahnung, was das bei dir sein könnte, möglicherweise ein reiturlaub oder sowas )

vielleicht bist du auch ein typ für ehrenamtliche Arbeit. das ist befriedigend und man lernt menschen kennen.
ich wünsch dir jedenfalls viel glück bei allem, was du anpackst. und eine große menge spaß dazu!

22.11.2008 01:37 • #12


Hallo Elisa,
schön, dass dich noch nicht die Verzweiflung gepackt hat.

Ich möchte noch eine kurze Antwort loswerden, einmal, weil ich von dem vielen Zuspruch im Forum (nach anfänglicher Skepsis) positiv überrascht bin - einiges passt durch die ähnliche Situation auch auf mich -
zum anderen, weil ich denke, du hast viele Dinge sehr treffend formuliert, die auf viele (Mitleidende) hier im Forum zutreffen.
Es sind scheinbar oft die gleichen Mechanismen, sowohl die, die einen vereinsamen lassen, als auch die im Kopf, als Reaktion darauf...
Das gibt ja insofern Hoffnung, da hier viele Leute dies kennen ud verstehen und auch was hilfreiches dazu sagen können.

Es ist ein bisschen hilflos, dass ich nichts wirklich hilfreiches sagen kann, aber wenn ich mir selbst immer helfen könnte, wäre ich warscheinlch nicht hier...

Vielleicht eins : Du schreibst, du hättest Schwierigkeiten, Leute direkt anzusprechen. Ich kenne das von früher, habe aber das Meiste davon überwunden, durch eine Art "Übung". Dabei muss ja auch nicht jedes Gespräch gleich Gott weiss wie anspruchsvoll sein, oft sind es ja sowieso Belanglosigkeiten.
Am Arbeitsplatz oder beim Einkaufen ergeben sich manchmal kleine Gelegenheiten. Wie gesagt, das ist nichts Besonderes und bringt einen in dem Moment nicht viel weiter (kann aber schon mal eine nette Begebenheit sein), aber vielleicht hilft es, ein bisschen Routine und Selbstvertrauen zu entwickeln.
Ich bin leider inzwischen konfuser als Du und sitze in einem ziemlich tiefen Loch.
Ich wünsche dir, dass du jede positive Phase nutze kannst.

Viel Glück !

23.11.2008 14:50 • #13


Liebe Elisa,

bei vielem das Du beschreibst, erkenne ich mich selbst wieder.
Ich habe mein halbes Leben überwiegend damit verbracht für andere da zu sein und sie glücklich zu machen.
Als mein Mann mich dann verlassen hat, ist mir komplett der Boden unter den Füssen weggebrochen und wie schon in meinem Beitrag erzählt, habe ich mich nach schweren Depressionen und Erkankungen wieder langsam an die Oberfläche gekämpft.
Was aber bleibt, ist das Gefühl von Einsamkeit - das Gefühl nirgendwo hinzugehören. Es kostet soviel Kraft immer wieder zu versuchen, neue Freunde kennenzulernen und glaube mir ich habe schon einiges versucht: Internet, Kurse, Inserate usw.
Durch das Verlassen werden ist mein Selbstbewusstsein total im Keller. Ich fühle mich unattraktiv, nicht liebenswert, nicht intelligent genug usw.
Meinen Frust ersticke ich gerade ziemlich häufig in Fressattacken - nur um mich hinter her noch hässlicher und noch unliebsamer zu fühlen
Jahrelang konnte ich alleine gar nichts unternehmen und bis heute sind es nur Kleinigkeiten die ich alleine in Angriff nehme und selbst wenn ich mit anderen Menschen etwas unternehme, erschlägt es mich, sobald ich die Wohnungstüre aufschliesse: diese Stille, Leere, Einsamkeit. Niemand da der mit mir lacht, der auf mich wartet, der mich in den Arm nimmt wenn ich traurig oder frustriert bin.
Was mich richtig nachdenklich und traurig macht ist, daß es so viele Menschen gibt, die ähnlich empfinden - und trotzdem bleibt jeder hinter seiner Tür und man findet nicht zueinander.
Das liegt aber auch an mir, weil ich merke das ich immer eigenbrötlerischer und wunderlicher werde. Selbst wenn ich in Gesellschaft bin, kann ich das oft nicht genießen, sondern ich denke nur daran, daß die alle einen Partner an ihrer Seite haben und eine Aufgabe im Leben. Dann fühle ich mich noch nutzloser und einsamer. Tief drin weiß ich natürlich das das Blödsinn ist - denn bei genauerem Hinsehen merkt man schnell, das viele Paare sich nur so nennen, aber ob sie auch wirklich Paare sind??

Ich kann Dir nur wünschen nicht aufzugeben und immer wieder zu versuchen rauszugehen und unter Menschen zu kommen wie z.B. mal einen VHS-Kurs zu belegen. Ich muss mich auch manchmal regelrecht dazu zwingen, aber mir ist bewusst, daß niemand an der Tür klingeln wird, um mich aus meiner Situation zu befreien. Das kann ich nur ganz alleine.
Mal mit mehr mal mit weniger Erfolg.
Du weist ja: Hinfallen ist nicht schlimm - nur liegenbleiben!
Schönen Sonntag
Froschkoenigxx

29.11.2008 20:46 • #14



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Dr. Reinhard Pichler