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Ist chronische Einsamkeit ein Teufelskreis?

201810.06




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1
Hallo,
keine Angst, ich erwarte keine Lösung meines Problems, erhoffe mir aber, dass ich durch eure Gedanken, Ansichten und vielleicht auch Erfahrungen neuen Input bekomme auf meinem Weg aus der Einsamkeit.

Was meine ich mit Teufelskreis? Ich meine so etwas ähnliches wie den Umstand, dass Menschen ohne Wohnung keinen Job bekommen und Menschen ohne Job keine Wohnung. So ähnlich ... (bitte nicht als absolut verstehen)

Zu mir:
Wenn meine kleine Tochter nicht bei mir ist, sieht ein normaler Tag so aus: Ich stehe auf, bin eigentlich gut drauf und habe einen gewissen Elan. Ich frühstücke und erledige ein paar Sachen. Es geht mir gut. Dann, so gegen Mittag, kippt die Stimmung und die Einsamkeit übermannt mich. Ich habe keine richtigen Freunde und keine Beziehung. Ich bin in keinem Verein und habe auch sonst keine Gruppe, zu der ich gehöre.
Es geht dann wie gesagt immer weiter abwärts. Versagensängste, Minderwertigkeitsgefühle, Antriebslosigkeit bis zur völligen Lähmung. Wenn ich dann doch rausgehe und in diesem Zustand durch die Stadt wanke, habe ich eine vermutlich eine derart negative Ausstrahlung, dass mich die Menschen entweder gar nicht wahrnehmen, oder sofort wegschauen und einen weiten Bogen um mich machen. Dabei bin ich eigentlich nett, nicht dumm, teilweise witzig und möglicherweise ein wenig interessant. Aber in diesem Zustand wird alles durch das lähmende Gefühl der Einsamkeit überdeckt. Irgendwann am späten Abend lässt dieser depressive Zustand nach, rechtzeitig vor dem Schlafengehen.
Fazit: Die Einsamkeit macht mich depressiv und die Depressivität lässt mich nicht aus der Einsamkeit ausbrechen. ein Teufelskreis. Ich weiß echt nicht mehr weiter.
(Auch wenn es gut gemeint ist: Tipps wie "melde dich beim Yoga an, trete einem Sportverein bei" sind mir bereits bekannt, aber mein vorhin beschriebene Zustand hält mich weit davon ab.)
Danke fürs Lesen!

Auf das Thema antworten

9 Antworten ↓



941
334
  10.06.2018 13:56  
Erst einmal heiße ich Dich herzlich willkommen.

Nun hast Du ja schon einmal einen kleinen Schritt gemacht, der Dich ein wenig aus Deiner Isolation herausholt, indem Du Dich mit anderen Menschen austauschen kannst.
Du hast die Initiative ergriffen, und das ist doch schon super.

Bist Du bzgl. Deiner Depressionen in Behandlung? Seit wann fühlst Du Dich einsam?

LG





2
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  10.06.2018 14:15  
Vielen Dank für deine Antwort!

Ich mache eine Gesprächstherapie. Laut Therapeutin ist es bei mir keine klassische Depression, weil der Verlauf eigentlich untypisch ist. Ich wache mit Elan auf und dann stellt sich nach ein paar Stunden diese depressive Stimmung ein, vermutlich aufgrund der Einsamkeit. Mein Problem ist die chronische Einsamkeit.
Bei einer klassischen Depression ist es anscheinend so, dass man erst gar nicht richtig aus dem Bett kommt und sich gegen Ende des Tages eine Erleichterung einstellt. Bei mir ist es umgekehrt. Ich habe das jetzt seit drei bis vier Jahren.
Danke!



941
334
  10.06.2018 17:02  
Ich hatte (seit Jahren beschwerdefrei) Depressionen, dennoch kam ich gut aus dem Bett, jedoch nachts kaum geschlafen. Denke, bei jedem ist es anders. Beschwerdefrei bin ich dadurch, weil mir der Auslöser bekannt war und ich, als ich wieder Kraft getankt hatte durch AD und Klinik), gegensteuern konnte.

Dass Du in Therapie bist, ist schon einmal gut. Dann stehst Du nicht ganz alleine da. Ein klein wenig kenne ich die Symptome, die Du beschrieben hast auch. Gab es evtl. , wie bei mir, einen Auslöser, der Dir bekannt ist, wo Du viell. ansetzen könntest, Deine Blockade zu überwinden?
Ich z.B. musste selber viel Einsatz leisten und mein Denken sowie mein Verhalten ändern.



203
8
Schleswig Holstein bei Hamburg
63
  10.06.2018 18:20  
Ahorn hat geschrieben:
Fazit: Die Einsamkeit macht mich depressiv und die Depressivität lässt mich nicht aus der Einsamkeit ausbrechen. ein Teufelskreis. Ich weiß echt nicht mehr weiter.
(Auch wenn es gut gemeint ist: Tipps wie "melde dich beim Yoga an, trete einem Sportverein bei" sind mir bereits bekannt, aber mein vorhin beschriebene Zustand hält mich weit davon ab.)
Danke fürs Lesen!


Ich machs so: Ich gehe,wenn ich schlecht drauf bin, erstmal eine Stunde (meistens mehr) sportlich/stramm spazieren.Auspowern heißt das Motto. Wichtig ist,dass ich nicht mit schlechter Stimmung und Minderwertigkeitskomplexen direkt in die Menschenmenge renne,sondern mir erstmal Mut in einsameren Gegenden anlaufe und zum Schluß des Spaziergangs unter Menschen (Fußgängerzone,Supermarkt etc.) bin. Zu diesem Zeitpunkt fühle ich mich wie ein anderer Mensch (Selbstwertgefühl,positive Stimmung)...

Es hat schon seinen Grund,warum Sport gezielt therapeutisch bei Depressionen/Angst eingesetzt wird.

ich mach das schon seit Jahren und es hilft IMMER...ein natürliches Antidepressiva!
Zuhause schmorrt man in seiner eigenen Sauce,was alles noch schlimmer macht...
Wichtig ist,das täglich zu machen,dann gibt es im Gehirn einen Trainingseffekt

Danke1xDanke


105
4
Langen bei Frankfurt/M.
47
  10.06.2018 19:10  
Hallo Ahorn,

Wie du auch andere Menschen wirkst?

Das kannst du in kleinen Schritten selbst heraus finden.
Ist vielleicht ein kleiner Weg, doch es wäre einer
Das solltest du später selbst entscheiden.

Mein Vorschlag wäre erst einmal kleine Begegnungen
stattfinden zu lassen.

Du schreibst das du nett, witzig und auch nicht dumm sondern
ganz interessant bist.
Das sind doch schon einmal gute Vorraussetzungen.

Wie wäre es wenn du in die Stadt gehst und einfach jemanden
nach der Uhrzeit fragst und dich dann mit einem strahlendem
Lächeln dafür bedankst? Wer das wäre, könntest du dir sogar
selbst aussuchen.

Geht auch mit einem speziellen Restaurant, einer gesuchten Strasse.
Suche dir hier für einfach einen netten Menschen aus.
Oder auch die saure Sahne im Supermarkt. Hier kannst
Du eine/n Angestellte/n fragen oder sogar eine/n Kunden/in.

Auch ein Hund kann hilfreich sein. Frage eine/n Hundebesitzer/in
welche Rasse es ist und ob du ihn mal streicheln dürftest. Sei
erfinderisch und frage dein Gegenüber.... denke mir auch einen
Hund als Begleiter zu holen.....was müsste ich dabei beachten?
So wird das Gespräch automatisch länger.

Gehe mit deiner Tochter auf den Spielplatz ( weiss natürlich nicht
wie jung sie ist). Dort sind eigentlich immer Kinder und Elternteile.
Du musst dir dann natürlich nicht die einsame Parkbank suchen. Setze
dich einfach irgendwie dazu. Was gemeinsame Gesprächsthemen
angeht, da lass deine Phantasie spielen. Es wird sie bestimmt geben.
Über Kinder lässt sich immer sprechen. Meist sind auch immer
die gleichen Kinder und Elternteile dort zu finden. So könnte man,
wenn vermutlich auch eher oberflächlich, diese zufälligen
Bekanntschaften intensivieren. Man kennst sich dann.

Jetzt wo die Eisdielen überfüllt sind, kein Wunder bei der Hitze,
sind bestimmt alle Tische belegt. Falls eine Person alleine am
Tisch sitzt frage ob du dich dazu setzen darfst. Sollten es mehr sein,
auch kein Problem. Vielleicht kannst du dich sogar in ein Gespräch
einbringen. Natürlich nur wenn es sich um Smalltalk handelt.
Nicht etwa bei privaten Gesprächen. Allerdings solltest du immer
eine Entschuldigung vor weg nehmen. Entschuldigen Sie das ich mich
einmische aber..........könnte natürlich auch eine Bestätigung sein.
Z.Bsp.... ach ist das heute wieder heiss, dann du, da sagen Sie was.
Genau genommen könntest auch du so ein Gespräch anfangen.


Ich weiss, dass sind nur kleine zwischenmenschliche Beziehungen.
Doch es wäre ein Anfang mit anderen Menschen einfach mal
in Kontakt zu kommen. Du hat am Tage ein paar kurze Unterhaltungen
gehabt, konntest deine Vorzüge anbringen und auch
gleichzeitig feststellen wie du auf andere Menschen wirkst.

Danach wäre eventuell dein Selbstbewusstsein etwas gestärkt,
was dann vielleicht in jede Richtung ausbaufähig wäre.

In der Regel bekommt man ein Lächeln zurück wenn man
selber ein Lächeln auf den Lippen hat.

Ich bin der Meinung, Kinder und Tiere sind immer ein
Gesprächsthema. Hundebesitzer werden immer angesprochen.
Das weiss ich aus eigener Erfahrung.

Vielleicht findest du meine Vorschläge ziemlich daneben.
Vielleicht auch nicht.
Das solltest du selbst entscheiden.

Aber eins steht fest, keiner wird auf dich zukommen und sagen,
ich bin XY und lass uns mal ein B. trinken!
Nur du kannst etwas ändern.


Viele Grüße,
Mari

Danke2xDanke


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256
  10.06.2018 21:32  
Es ist nur ein Teufelskreis wenn du daraus einen machst

Wenn du rauskommen willst dann musst du selbst aktiv werden. Ansonste kann ich empfehlen sich andere Ziele zu setzen über die man sich definiert.



  19.07.2018 18:58  
Die Frage ob chronische Einsamkeit ein Teufelskreis ist, muss ich mit EINDEUTIG JA beantworten.

Bei Wikipedia steht unter "Soziale Isolation" unter anderem:
"In schweren Fällen sind Einsamkeitsgefühle Auslöser für weitere Komplikationen wie die Entwicklung einer Depression oder einer Sucht (vor allem Alk.), die dann ihrerseits erneut negativ auf den zentralen Faktor mangelnder sozialer Kompetenz zurückwirken. Durch diese mehrfachen Rückkopplungen im Verursachungsprozess sozialer Isolation entwickelt sich eine Art Isolationsspirale, aus der die Betroffenen in der Regel aus eigener Kraft nicht mehr entkommen können."

Und das kann ich aus persönlicher Erfahrung auch nur bestätigen. Für mich war es einfacher ohne Job eine Wohnung zu finden als ohne Freund einen Freund.

Danke1xDanke


  19.07.2018 20:08  
Ich empfinde es ebenfalls als Teufelskreis.
Egal ob im Internet, Verein oder sonstiges, wenn man mit Menschen ins Gespräch kommt sind die ersten Fragen immer, was machst du beruflich, wieviele Kinder, wo ist der Partner. Wenn ich ehrlich antworte und sage das ich aus gesundheitlichen Gründen weder Job noch Familie habe, gucken die Leute schon seltsam, fällt dann noch das Wort Depression, wenden sich alle schon ab und Einsamkeit und 0 soziale Kontakte versteht kein Mensch bzw. schreckt das ab.

Danke1xDanke


2
  20.07.2018 12:51  
Ich finde mich hier ein bisschen wieder ich habe Arbeit auch freunde einen Sohn der fast jedes Wochenende bei mir ist aber fühle mich dennoch einsam und oft sehr unzufrieden mit allem....
Auf Dauer macht das ein kaputt. Einer meiner besten Freunde mit dem ich über alles reden konnte ist vor ein paar jahren gestorben 7nd der andere naja.... Man hat freunde aber es fehlt ein mensch mit dem man über alles reden kann dem man *beep* ist und der da ist...



Dr. Reinhard Pichler

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