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OK, auf ein neues. Ich hab einen Termin mit einem neuen Psychotherapeuten hier in der Gegend. Normalerweise dauert es ja eine Ewigkeit, aber aus irgend einem Grund hab ich den Termin schon in 2 Wochen.
warten wir ab was dabei raus kommt.

06.01.2012 11:15 • 23.01.2012 #1


10 Antworten ↓


so, morgen um diese Zeit hab ich meinen Ersten Termin hinter mir.
Ich hab mir auch schon soweit die Punkte zurecht gelegt, über welche ich reden kann.

Das ich Wertlos und Dumm bin, das jedes Stück Dreck mehr Selbstachtung hat als ich, das ich die Menschheit insgesamt verachte und garantiert applaudieren würde, wenn endlich der Dritte Weltkrieg losgeht. Ich schäme mich dafür, zu existieren, komme mir aber im Grunde wie ein Fiktiver Gedanke im Verstand eines Komikers vor. Wie sonst ist es zu erklären, das ich mit bald 32 Jahren keinerlei Soziale Kontakte habe? Ich kann nicht Schuld sein, es ist die Welt, die falsch liegt. Ich habe keine Freunde, nur die unterschiedlichsten Feinde. Wer mir Körperlich zu nahe kommt (zB im Supermarkt) den suche ich instinktiv nach einer Waffe ab, mir der er oder sie mich angreifen wollen.

ich glaube ja er wird mich nach spätestens 5 Minuten rauswerfen und sich weigern, weiter mit mir zu reden. also im Grunde eine vernünftige Entscheidung.

Oder?

22.01.2012 14:54 • #2



Professionelle Hilfe

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Hi Kalle,

ich kenne dich nicht persönlich, weiß nicht wer du bist und was du alles mitgemacht hast. Ich beurteile dich nur aufgrund deiner Mitteilungen in diesem Forum.

Ganz ehrlich: mit solch einem pessimistischen, destruktiven Menschen möchte ich nichts (mehr) zu tun haben.

Immer sind die anderen Schuld, alles läuft schief, alle anderen sind glücklich, usw. usw. Diese Platte haben schon so viele Menschen abgespielt. Und meistens lagen sie ziemlich daneben.

Diese Phase ist bei mir vorbei. Ich möchte mir lieber das Lied von Hoffnung und Zukunft anhören. Ich will die Sonne sehen und nicht auf einen Himmel voller Wolken blicken.

22.01.2012 15:44 • #3


danke für deinen Kommentar frederick. ich hoffe für dich, das du dieses Glück auch findest. Ich jedenfalls glaube nicht an etwas derartiges für mich selbst.

22.01.2012 16:19 • #4


Lieber Kalle

Wenn ich dich richtig verstehe, hast du ziemlich viel Hoffnung, dass dich der Therapeut eben nicht nach 5 Minuten rausschmeisst. Mit der Hoffnung wächst aber oft auch die Angst, dass er es tun könnte. Ich kenne das von mir selber.

Ich habe ziemlich viele Jahre Therapie hinter mir. Mir hat es auf jeden Fall geholfen und ich habe auch eine liebe Therapeutin gefunden. Trotzdem ist mein Leben nicht perfekt.

Ich weiss auf jeden Fall, wie es ist, wenn man sich als der letzte Dreck fühlt. Und dass man dann alles und jeden hasst, am meisten sich selber. Die Herausforderung ist, es nicht mehr zu tun. Therapeuten können es noch so gut meinen mit einem. Wenn man nicht lernt, es selber gut mit einem zu meinen kommt man nicht viel weiter.

Ich wünsche dir, dass du auf einen guten Therapeuten triffst, der sich von deiner Wut und Negativität nicht gleich abschrecken lässt! Wenn es nicht der richtige Therapeut für dich ist, suche dir einen anderen. Nicht jeder Therapeut ist gut und passt zu einem. Wenn du auf jemand Gutes triffst, so wünsche ich dir, dass du den Mut hast, dich auf den Therapeuten und die Therapie einzulassen! Glaub mir, es lohnt sich auf alle Fälle!

Alles Gute für dich!

22.01.2012 18:31 • #5


danke. ich werd morgen schreiben, was es gegeben hat.

22.01.2012 18:45 • #6


Gut, ich bin gespannt auf deinen Bericht!

23.01.2012 00:14 • #7


komme soeben zurück von meiner ersten und letzten Sitzung.

Kurzfassung: Der Arzt sagt mir könne niemand auf eine Art helfen, die mir nützen würde. Ausser ich begebe mich für etwas mehr als 3-6 Monate in eine geschlossene Therapie.

Mein Problem seie zu tiefgehend, um es durch einfaches reden zu lösen.

23.01.2012 15:48 • #8


Zitat von kalle1980:
Ich hab 5 Jahre Call-Center hinter mir
Zitat von kalle1980:
Mein Problem seie zu tiefgehend, um es durch einfaches reden zu lösen.

Vielleicht hat er auch schon Callcenter-Anrufe bekommen und war *frustriert*.

23.01.2012 21:35 • #9


möglicherweise
trotzdem empfinde ich es als Frechheit, mir zu raten für mehrere Monate in geschlossene Behandlung zu gehen. Gut das er darum gebeten hat, das ich nie wieder zu ihm gehen möge. Ich wäre eh nicht mehr hin gegangen bei so einer "Behandlung"

23.01.2012 21:44 • #10


Lieber Kalle

Oje, das scheint nicht so raus gekommen zu sein, wie du gehofft hast. Was hast du dir denn genau erhofft?

Du findest es eine Frechheit, dass der Arzt dir geraten hat, in eine Klinik zu gehen? Hat er dir gesagt, was für eine Klinik? Es gibt Kliniken mit guten Psychotherapiestationen. Da kommst du mit Sicherheit sehr viel zum reden! Und das jeden Tag mit einer ganzen Anzahl von Personen. Du bist dort also ganz sicher nicht mehr alleine und isoliert! In einer Klinik lernt man übrigens auch andere Leute kennen, die ähnliche Probleme haben wie man selber. Man hat also gute Gelegenheit Freundschaften zu knüpfen.

Aber klar, es braucht Mut für so einen Schritt. Wenn man sich die ganze Zeit zurückgezogen hat, jeden vertreibt, der einem zu nahe kommt, dann ist das eine enorme Herausforderung. Ich sehe es aber als eine grosse Chance, wenn man wirklich etwas verändern möchte. Die grösste Herausforderung dabei ist wohl, seine Angst vor anderen Menschen immer und immer wieder zu überwinden.

Hat dir der Arzt eine bestimmte Klinik genannt? Ich rate dir, mal die Homepage dieser Klinik anzuschauen. Oder such im Internet nach einer Klinik mit einer Psychotherapiestation in deiner Nähe und lies, was dort so geschrieben steht. Überlege es dir doch mal in aller Ruhe. Versuche dir mal vorzustellen da hin zu gehen, nachdem du dich über eine bestimmte Psychotherapiestation informiert hast. Vielleicht ist dann die Vorstellung nicht mehr ganz so grauslig für dich.

Vielleicht findest du es jetzt auch eine Frechheit von mir, dass ich den Rat deines Arztes nicht als Frechheit empfinde. Ich sage nicht, dass in einer Klinik die heile Welt herrscht, aber normalerweise wollen einem die Leute dort helfen. Und wenn ich dich richtig verstanden habe, willst du doch, dass dir jemand hilft.

Wie ich schon in meiner letzten Nachricht an dich geschrieben habe, wünsche ich dir den Mut, dich auf eine Therapie und damit auf die Menschen, die dir helfen wollen einzulassen. Wenn du willst, könntest schon heute damit anfangen, indem du dich zum Beispiel auf das Hilfsangebot von diesem Arzt einlässt und dir die Sache mit der stationären Therapie ernsthaft überlegst.

Ich schreibe dir das alles, weil ich selber mal sechs Monate in einer Klinik war. Es hat mir mit Sicherheit nicht geschadet. Ich habe viel gelernt und erfahren. Übrigens, auf einer Psychtherapiestation wird man normalerweise nicht eingesperrt. Da du dich frei entscheiden kannst, ob du in eine Klinik gehen willst, kannst du dich auch frei entscheiden wieder auszutreten. Geschlossene Abteilungen sind für Menschen, die sich selbst oder andere gefährden.

Viel Mut und liebe Grüsse!

23.01.2012 23:52 • #11



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Dr. Reinhard Pichler