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Hallo zusammen, heute bzw. gestern ist es mir mal wieder passiert, dass ich einen ziemlichen Absturz hatte. Es kam einfach vieles zusammen, vor allem hat mir aber wieder die Einsamkeit zu schaffen gemacht! Aber der Reihe nach:

Allgemeiner Hintergrund: Habe seit geraumer Zeit Probleme mit Minderwertigkeitsgefühlen und allgemein Schwierigkeiten Kontakte zu knüpfen. Ich dachte lange ich käme da alleine raus, habe aber nachdem sich meine Lebenssituation zugespitzt hatte (habe praktisch nur noch sehr wenig hingebekommen und war sehr passiv) eine stationäre Therapie gemacht (Jan - April). Seit Mitte letzten Jahres bin ich außerdem in einer Selbsthilfegruppe und nach dem Klinikaufenthalt habe ich noch eine geleitete Gruppe gefunden.
Neben den o.g. Schwierigkeiten habe ich auch Probleme mit der Organisation. Und wie das wohl oft ist, bedingt sich alles irgendwie gegenseitig (mal mehr mal weniger stark). Gleichzeitig bietet sich dadurch natürlich auch die Chance, an mehreren Stellen ansetzen zu können

Ich mache ganz klar Fortschritte und bin guter Dinge, wieder das Selbstbewusstsein und die Kontaktfreudigkeit zu erlangen, die ich als Kind hatte (dazu später mehr).

Was ist heute, bzw. die letzten Tage zusammengekommen?
Am Sa war ein Fest (Veggie-Street-Day in Stuttgart). Ein Teil von mir hat diesen Tag als Erfolg verbucht, da ich ein paar Leute getroffen und immerhin zwei neue kennengelernt habe. Ein anderer Teil ist unzufrieden, weil ich keine mir Fremden Personen angesprochen habe, mit Ausnahme der zwei Leute, die im gleichen Auto saßen. Ich habe immer noch die Gewohnheit, mich mit anderen zu vergleichen und sehe in diesem Fall all die Leute, die ihren Spaß haben, Gespräche führen und Leute kennenlernen...
Dann am Mo lag die Jahresabrechnung für diese Wohnung im Briefkasten: Nachzahlung für den Strom ist fällig.
Mi dann ein Logopädietermin wo mir geraten wurde erstmal nicht zu singen (nutze meine Stimme offenbar falsch). Um hier kurz auszuholen: Ich achte sehr auf meine Stimme, hatte immer wieder Gesangsunterricht, bin regelmäßig in einem oder mehreren Chören, rauche nicht, trinke nicht, übe für gewöhnlich unter der Woche 45 - 90 Min. täglich...
Dennoch hat sich ein Stimmproblem eingeschlichen. Für mich kam dann diesen Tag einfach sehr viel zusammen und ich habe fast nur noch schwarz gesehen. Habe, um den Kreis zu schließen, mich vor allen Dingen sehr einsam gefühlt. Weil ich immer noch nicht so kontaktfreudig und selbstbewusst bin, wie ich es gern wäre. Und mehr denn je vermisse ich auch wieder körperliche Zuneigung. Ab und an werde ich umarmt, das tut mir gut. Aber so platt das klingen mag: Wieder jemand zum kuscheln wäre der Himmel und fehlt mir in solchen Momenten sehr.

Das alles hat meinen Tag maßgeblich beeinflusst. Ich habe z.B. wieder angefangen, negativ über mich zu reden. Ich weiß, dass es morgen wieder ein Stück weit anders aussehen wird. Dass ich weitermachen kann, mich nicht aufgebe, weiter vorwärts komme. Nur manchmal geht es mir einfach nicht schnell genug.
Was mich dann auch frustriert: Wie oben gesagt, war ich früher überhaupt nicht so. Ich bin den Eltern und den ganzen tollen Autoritätspersonen wohl zu lebhaft gewesen. Es gab im Kindergarten und auch in der Grundschule immer wieder Beschwerden. Ja und offensichtlich habe sie ganze Arbeit geleistet. Ich habe mich sehr zurückgezogen, vieles nach innen gekehrt und habe heute große Schwierigkeiten mit dem, was mir als Kind natürlicherweise gegeben war.
Ich will mich nicht an der Vergangenheit festklammern und doch kann ich mich einer Wut nicht immer erwehren, wenn ich sehe, welche Person ich jetzt bin und gleichzeitig erahnen kann, welche Person ich mit einer weniger fehlgeleiteten Erziehung hätte sein können.

Letzter Punkt. Eine der neuen Bekanntschaften des Festes ist ein Mädchen, dass ich sehr sympathisch finde. Auf dem Fest waren wir fast die ganze Zeit zusammen unterwegs. Sie kannte dort außer dem Fahrer niemanden. Sie wirkte teils ähnlich verloren, wie ich mich fühlte. Eine Freundin/Bekannte mit der ich kürzlich telefoniert habe, meinte dann auch, dass sie eher schüchtern gewirkt hat.
Warum schreibe ich das alles? Ich habe sie danach über eine bestimmte Seite gefunden und auch angeschrieben. Sie war laut eigener Aussage erfreut und mittlerweile haben wir auch Kontakt im ICQ. Nun habe ich aber Angst, dass ich sie zu sehr bestürmen könnte. Manchmal hänge ich wie ein Verhungernder an neuen Nachrichten, antworte gleich ziemlich viel. Früher habe ich auch sehr schnell, sehr viel mehr Persönliches von mir erzählt. Heute achte ich da eher drauf, aber dennoch laufe ich Gefahr, Menschen zu sehr zu bestürmen, mir zu große Hoffnungen und mich dadurch auch zu sehr abhängig von bestimmten Menschen zu machen. Ich will natürlich keine "Ich schreibe wenig, um mich vielleicht interessanter zu machen" Spielchen spielen, aber ich will auch nicht danach dürsten, dass sie z.B. ins ICQ kommt und dort schreibt. Ich will ehrliches Interesse signalisieren, sie näher kennenzulernen, was auch immer sich dann daraus ergibt, nicht sie als Rettungsanker betrachten.

Und gleichzeitig habe ich in ihr etwas gesehen, was ich von mir selbst eben kenne, aber bisher so nicht gefunden habe und wahrscheinlich auch bei ihr nicht finden werde: eine ähnliche Lebensgeschichte. Sie hat z.B. wie es scheint ein aktiveres soziales Umfeld.

In der Selbsthilfegruppe wiederum sind Leute, die innerhalb der Gruppe wieder viel lebendiger sind. Ich kann dort, genau wie im richtigen Leben durchaus mal selbstbewusst sein. Aber vor allem, wenn ich über ernste Sachen rede, neige ich dazu monoton zu werden... da ist sie wieder, die abtrainierte Lebendigkeit. Auch wenn ich z.B. wieder spürbar an Sicherheit gewonnen habe und mir durchaus der Situationen bewusst bin, in denen auch meine Stimme nicht so "tot" klingt


Ja und nun bin ich hier gelandet. Um einen Teil meiner Geschichte zu erzählen, um vielleicht Feedback zu erhalten, möglicherweise neue Ansätze sehen zu können. Sicherlich auch um hier im Forum mitzulesen und gegebenfalls selbst etwas zu schreiben.

Meine bisherigen Ansätze und Schwierigkeiten:
+ Ich will wieder regelmäßig joggen gehen, weil mir das einfach verdammt gut tut.
+ Ich habe ein paar Leute kennengelernt und möchte die Kontakte gerne weiterverfolgen
+ Ich kann ab und an Leute einfach ansprechen (meist flüchtige Bekannte)
+/- Ich will garnicht überall mitmischen, d.h. nicht Kontakte um jeden Preis
- Es gibt viele unüberwindbar scheinende Situationen
- Ich kann z.B. selbst innerhalb engerer Gruppen kaum Kontakte knüpfen
- Faktisch lerne ich fast niemanden ohne die Hilfe des Internets kennen
- Ich bin immer noch sehr oft alleine
- Leute einfach so anzusprechen ist für mich in fast allen Fällen eine bisher unüberwindbare Schwierigkeit

22.07.2010 03:54 • 23.07.2010 #1


2 Antworten ↓


Hallo!

erstmal Glückwunsch, dass du ein nettes Mädchen kennen gelernt hast. Geht es dir jetzt wieder besser? Manches, was du schreibst, kommt mir bekannt vor: Ein monotoner werdender Tonfall, je länger man von sich selbst spricht. Aber ich denke, die halbe Miete ist, wenn man es selbst bemerkt. Viele neue Ansatzpunkte fallen mir beim Lesen ehrlich gesagt nicht ein - ich empfinde dich als aktiv und sehr reflektiert. Na - vielleicht urteilst du ein bisschen hart über dich, wenn etwas nicht so läuft.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße von Anni

23.07.2010 19:29 • #2


Hallöchen und dankeschön für die Antwort

Teil des Problems ist definitiv auch meine Ungeduld. Bsp.: Hier regelmäßig reingeschaut und sowas gedacht wie "Warum antwortet denn niemand, während andere Antworten bekommen"

Also gestern hatte ich sehr gute Laune. Bin joggen gewesen, habe recht viel telefoniert und abends die Selbsthilfegruppe war auch sehr schön
Heute habe ich mich dann wieder ziemlich einsam gefühlt, wenn auch weniger mies als am Freitag. Mir fällt es immer wieder schwer, mich mit mir selbst zu beschäftigen, wenn ich mich so alleine fühle.
Am Sonntag Abend besuche ich z.B. jemanden und überhaupt hatte ich schonmal weniger Kontakte. Aber da ist eben wieder die Ungeduld.

Hmm, ich wünschte ich bekäme jedes Mal 50C wenn ich als reflektiert oder dergleichen bezeichnet werde
Ich denke auch, dass ich theoretisch "alle" Teile der Lösung kenne, nur die Umsetzung ist mitunter ein sehr langwieriger Prozess.
Und ja, tendiere immer noch dazu, unfair mir selbst gegenüber zu sein, da hast du Recht.

Bei der Monotonie spielt wohl tatsächlich die Dauer eine wesentliche Rolle. Ich schaffe auch oft den Absprung nicht, sprich ich könnte mich teils kürzer fassen.
Emotionen sind allgemein ein großes Thema, bzw. die Schwierigkeit, das wieder hervorzuholen, was ich zu vergraben gelernt habe. Vermutlich habe ich teils nicht so einen guten Zugang zur Gefühlswelt.

Nochmals danke, aber bisher hat sie sich noch nicht wieder gemeldet. Gleichzeitig würde ich wohl direkt auf die Antwort stürzen, wenn etwas käme, was es eben auch nicht sein kann.


An Tagen, wo ich mich einsam fühle fällt es mir übrigens besonders schwer, den Pc mal auszulassen und stattdessen zu lesen, rauszugehen oder seit neuestem wieder Gitarre zu spielen.


Wünsche dir ebenfalls ein schönes Wochenende
Darf ich fragen, wo du dich entwicklungsmäßig momentan siehst?

23.07.2010 20:11 • #3




Dr. Reinhard Pichler