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Liebe Community,

ich möchte Euch einmal meine Situation schildern und Euer Feedback einholen.

Es geht darum, dass sich bei mir im persönlichen und privaten Bereich keine wirklichen Kontakte ergeben. Sofern ich auf die anderen Personen zugehe kommt kein nachhaltiger Kontakt zu Stande und von meinen Mitmenschen kommt keine wirkliche Kontaktaufnahme.
Dies ist jetzt ein Muster, was sich immer wieder durchzieht und mich mittlerweile stark belastet. Früher dacht eich immer "beim nächste Mal", neue Situation / Gruppe etc. wird es besser. Leider zieht es sich über Schule, Studium, Job, neue Stadt durch und ich habe das Gefühl zurückgelassen zu werden oder irgendwann (bzw. meist schon schnell) nicht mehr interessant zu sein.

Ich würde sehr gerne wissen, wie ich das ändern kann, da bei vielen anderen Menschen die Kontakte ja auch wie quasi "automatisch" entstehen und vertiefen. Dort würde ja auch keiner auf die Idee kommen, jmd. einfach "zurückzulassen" bzw. zu ignorieren bzw. links liegen zu lassen. Bei mir habe ich jedoch das Gefühl, dass es für meine Mitmenschen i.O. ist und ich stets um Kontakt, Beachtung und Integration (z.B. unter Arbeitskollegen) schlichtweg kämpfen muss. Und wenn ich versuche anders auf andere Leute zuzugehen ändert sich auch nichts. So langsam glaube ich an das Schicksal und daran, dass ich egals was ich mache, nicht erfolgreich sein werde im Aufbau von sozialen Beziehungen.

Vlt. habe ich ja die falschen Themen, die falsche Art, den falschen Humor oder bin zu ruhig. Ich weiß es letztendlich nicht. Nur macht es mich sehr traurig und ich weiß nicht genau wie das auf Dauer funktionieren soll und wie man diese negativen Erfahrungen stets ins Positive umkehrt (sei mit dir selbst zufrieden, selbstbewusst etc.). Im Grunde genommen ist man ja ein Spiegel von dessen, was einem wiederfährt, seinen Erlebnissenn, seinen Gefühlen und speist auch hieraus seine Einstellung zum Leben.

Wie ist Euer Blick auf die Dinge? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

01.09.2020 16:01 • 14.09.2020 x 1 #1


17 Antworten ↓


FeuerWasser
Zitat von Blätterwald:
Ich würde sehr gerne wissen, wie ich das ändern kann, da bei vielen anderen Menschen die Kontakte ja auch wie quasi "automatisch" entstehen und vertiefen.

Ja das stimmt. Es gibt Leute bei denen geht es wie von selbst. Warum ist das so?
- sie nehmen sich eine "Ablehnung" nicht zu Herzen und nehmen es oft gar nicht als Ablehnung wahr.
- sind unbeschwerter
- lockerer

Das ist eine andere Herangehensweise als wenn man vorsichtig ist, misstrauisch, Angst vor Zurückweisung hat. Das strahlt man unweigerlich aus, ob man will oder nicht.
Ich habe das auch schon öfters erlebt, dass ich zB auf alte Schulkollegen treffe und die ganz euphorisch waren "ach wie schön, dass wir uns wieder sehen bla bla bla, würde mich total freuen wenn wir uns wieder sehen würden bla bla bla", Telefonnummern tauschen und Zack Totenstille. Auf Nachrichten und Anrufe wird nie reagiert.
Früher habe ich das sehr persönlich genommen, heute nicht mehr. Heute denk ich mir "wenn sie/er sich meldet gut und schön und wenn nicht passts auch", fertig. Das ist ein Entwicklungsprozess aber damit lebt es sich weit unbeschwerter. Kontakte kann man nicht erzwingen. Das ergibt sich oder nicht.
Schon gar nicht würde ich anfangen um Kontakte zu "kämpfen" oder sich selbst immer schön eins auf die Nuss geben "ich bin nicht richtig", "das mich andere nicht mögen liegt nur an mir", "ich habe den falschen Humor"...etc pp. Damit machst du dich nur selbst fertig, ändern tut es nichts.

01.09.2020 16:37 • x 7 #2



Kontakte entstehen nicht

x 3


Calima
Zitat von Blätterwald:
Sofern ich auf die anderen Personen zugehe kommt kein nachhaltiger Kontakt zu Stande und von meinen Mitmenschen kommt keine wirkliche Kontaktaufnahme.


Ich würde behaupten, die überwiegende Mehrzahl der Menschen, auf die ich zugehe, wird nicht zu einem bleibenden Kontakt. Umgekehrt entwickelt sich aus einer Kontaktaufnahme von anderen bei mir nicht auch zwingend ein Interesse daran, mehr daraus erwachsen zu lassen.

Viele finde ich nett. Dann plaudert man locker miteinander. Das war es dann meist auch erst mal. Ich habe selten in meinem Leben Menschen getroffen, die mich vom ersten Augenblick an interessiert haben. Und unter den wenigen, die das taten, waren dann noch weniger, bei denen das Interesse Bestand hatte und/oder die umgekehrt wiederum an mir interessiert waren.

Manchmal ergibt sich aus einer Plauderei eine weitere, oft aber auch nicht.

Ich unternehme oft Dinge mit Menschen, die ich streng genommen noch nicht mal als gute Bekannte einstufen würde. Mit diesen verbindet mich z.B. ein gemeinsames Interesse - wie Bouldern, ins Theater gehen oder Kajak fahren - und dann tun wir das mal zusammen. Oft bleibt es bei einer einmaligen Unternehmung, obwohl die erste Spaß gemacht hat. Irgendwie ergibt es sich halt nicht mehr. Mit anderen treffe ich mich in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal. Mit den meisten verbindet mich aber nicht mehr, als dieses spezielle Interesse.

Alle paar Jahre gibt es dann vielleicht eine Begegnung, aus der mehr entsteht, als ein solcher Kontakt. Und manchmal verbringe ich mit Menschen eine sehr intensive Zeit - einige Wochen, Monaten oder Jahre - und dann schläft auch diese Verbindung wieder ein.

Ich finde das völlig normal. Menschen kommen und gehen, Interessen und Bedürfnisse verändern sich ständig.

Meine beste Freundin begleitet mein Leben seit mehr als 40 Jahren. Sie ist die einzige, die das tut, ich bin die einzige derartige Freundschaft für sie. Wir haben oft monatelang keinen Kontakt, obwohl wir nur 20 Kilometer voneinander entfernt wohnen, aber wenn wir uns sehen, machen wir genau da weiter, wo wir beim letzten Mal stehengeblieben sind. Und wenn ich jemanden bräuchte, bei dem ich morgens um 3 an der Tür klingeln würde, wüsste ich, dass sie mich reinließe und alles andere hinten anstellen würde. So wie umgekehrt auch.

Dazwischen gab und gibt es durchaus auch andere tiefe Freundschaften. Aber auch diese kommen und gehen. Manchmal nach ein paar, andere nach 20 Jahren. Das ist das Leben.

Ich habe gelernt, dass man nichts festhalten kann, auch wenn man es manchmal gerne täte. Gleichzeitig weiß ich, dass auch ich mich niemals festhalten lassen würde. Aus freien Stücken mit jemandem sein, ist das Beste und Wichtigste für eine Beziehung, was ich mir vorstellen kann.

01.09.2020 17:17 • x 5 #3


Hotin
Hallo Blätterwald.

Kontakte entstehen selten zufällig, obwohl das oft so aussieht.

Um einen Kontakt entstehen zu lassen, braucht es fast immer von Dir Signale, dass Du offen für Kontakte bist. Das kannst Du am besten mit Deiner Körpersprache zeigen.

Um einen Kontakt dann interessant zu erhalten, hilft es sehr, wenn Du lernst zweigleisig zu denken.
Für Dich zählen sicher mehr Deine Interessen.
Für Dein Gegenüber zählen meistens seine eigenen Interessen mehr. Somit ist es wichtig, Gespräche aufzubauen, bei denen beide Parteien das Gefühl haben.
In dieser Verbindung werde ich ernst und wichtig genommen.

Wie geht es Dir, wenn Du mit anderen Kontakt aufnimmst? Kannst Du anderen ein Gefühl vermitteln, dass Du sie nett findest und an ihnen interessiert bist?

Falls ja, sollte es klappen, dass Du leichter mit anderen nicht nur in Kontakt kommst, sondern auch mit ihnen in Kontakt bleibst.
Viele Grüße
Bernhard

01.09.2020 17:24 • x 7 #4


Zitat von Blätterwald:
Liebe Community,ich möchte Euch einmal meine Situation schildern und Euer Feedback einholen.Es geht darum, dass sich bei mir im persönlichen und privaten Bereich keine wirklichen Kontakte ergeben. Sofern ich auf die anderen Personen zugehe kommt kein nachhaltiger Kontakt zu Stande und von meinen Mitmenschen kommt keine wirkliche Kontaktaufnahme.Dies ist jetzt ein Muster, was sich immer wieder durchzieht und mich mittlerweile stark belastet. Früher dacht eich immer "beim nächste Mal", neue Situation / Gruppe etc. wird es besser. Leider zieht es sich über Schule, Studium, Job, neue Stadt durch und ich habe ...


Bei mir ist dies genau gleich. Ich musste mich einfach immer sehr bemühen, um einen sozialen Kontakt. Manchmal habe ich mich gefragt, ob das normal einfach ist. Ich konnte schon auf Biegen und Brechen einrichten, dass ein Treffen zustande kam, aber diese Freunschaften waren immer sehr einseitig. Die Kontakte entstanden höchstens aus einem gemeinsamen Antrieb: Fussballspiel schauen oder was weiss ich, aber so eine richtige gute Freundschaft habe ich nie erlebt,

Hast du ebenso keinen Erfolg, "romantischen" Kontakt zu halten? Oder bezieht sich dein Problem nur auf platonische Beziehungen?

01.09.2020 21:59 • x 1 #5


Zitat von HerrLoremIpsum:
Bei mir ist dies genau gleich. Ich musste mich einfach immer sehr bemühen, um einen sozialen Kontakt. Manchmal habe ich mich gefragt, ob das normal einfach ist. Ich konnte schon auf Biegen und Brechen einrichten, dass ein Treffen zustande kam, aber diese Freunschaften waren immer sehr einseitig. Die Kontakte entstanden höchstens aus einem gemeinsamen Antrieb: Fussballspiel schauen oder was weiss ich, aber so eine richtige gute Freundschaft habe ich nie erlebt,Hast du ebenso keinen Erfolg, "romantischen" Kontakt zu halten? Oder bezieht sich dein Problem nur auf platonische Beziehungen?


Hi Herr Loremlpsum,

in deinen Schilderungen erkenne ich mich total wieder! Bei mir hat es mit den Freundschaften/ Kontakten auch immer gut geklappt wenn man ein festes Thema hatte (wie z.B. Fußball). Dann konnte man sich bestens zum Bundesliga schauen, Fifa daddeln etc. verabreden und das Thema war quasi "vorgegeben" oder man hatte es als Rückfallebene als Gesprächsstoff. Es ist jetzt aber nicht unbedingt ein persönliches Thema wo man die Person selbst sehr gut kennenlernt und eine intensive Freundschaftsbeziehung entsteht.

"Romantische Beziehungen" zu halten fällt mir auf jeden Fall deutlich einfacher als platonische Freundschaftsbeziehungen. Bei den romantische Beziehungen kann man ja auch viel durch Liebe, Zärtlichkeit etc. regeln und man hat ja in diesem Zustand (wenn man eine Partnerin hat) auch eine deutlich intensivere Ebene zueinander. Schwierig ist für mich dann eher die Kennenlernphase oder sich überhaupt zu verlieben. Bei mir hat es mit meiner Freundin vor paar Jahren mit "Tinder" geklappt, aber im richtigen Leben auf der Straße, Bar etc. hätten wir uns wahrscheinlich niemals kennengelernt.

01.09.2020 22:29 • x 2 #6


Zitat von Blätterwald:
Hi Herr Loremlpsum,in deinen Schilderungen erkenne ich mich total wieder! Bei mir hat es mit den Freundschaften/ Kontakten auch immer gut geklappt wenn man ein festes Thema hatte (wie z.B. Fußball). Dann konnte man sich bestens zum Bundesliga schauen, Fifa daddeln etc. verabreden und das Thema war quasi "vorgegeben" oder man hatte es als Rückfallebene als Gesprächsstoff. Es ist jetzt aber nicht unbedingt ein persönliches Thema wo man die Person selbst sehr gut kennenlernt und eine intensive Freundschaftsbeziehung entsteht."Romantische Beziehungen" zu halten fällt mir auf jeden Fall deutlich einfacher als platonische Freundschaftsbeziehungen. Bei den romantische Beziehungen kann man ja auch viel durch Liebe, Zärtlichkeit etc. regeln und man hat ja in diesem Zustand (wenn man eine Partnerin hat) auch eine deutlich intensivere Ebene zueinander. Schwierig ist für mich dann eher die Kennenlernphase oder sich überhaupt zu verlieben. Bei mir hat es mit meiner Freundin vor paar Jahren mit "Tinder" geklappt, aber im richtigen Leben auf der Straße, Bar etc. hätten wir uns wahrscheinlich niemals kennengelernt.




Ja. Früher hatte ich dieses Empfinden auch. Viele Menschen haben mich abgewiesen oder zeigten kein Interese an mir als Person. Mir ist aber aufgefallen, dass viele Menschen die Ebene nicht vertiefen wollen und dass.

Sei froh, dass es zumindest mit den Ladys klappt. Da habe ich zum Beispiel ebenso keinen Erfolg. Sprich hatte noch nie eine Beziehung- nich weil ich nicht wollte - sondern weil mkch auch hier jede Frau ablehnte.

01.09.2020 22:33 • x 1 #7


Zitat von Hotin:
Hallo Blätterwald. Kontakte entstehen selten zufällig, obwohl das oft so aussieht. Um einen Kontakt entstehen zu lassen, braucht es fast immer von Dir Signale, dass Du offen für Kontakte bist. Das kannst Du am besten mit Deiner Körpersprache zeigen.Um einen Kontakt dann interessant zu erhalten, hilft es sehr, wenn Du lernst zweigleisig zu denken.Für Dich zählen sicher mehr Deine Interessen. Für Dein Gegenüber zählen meistens seine eigenen Interessen mehr. Somit ist es wichtig, Gespräche aufzubauen, bei denen beide Parteien das Gefühl haben.In dieser Verbindung werde ich ernst und wichtig genommen.Wie geht es Dir, wenn Du mit anderen Kontakt aufnimmst? Kannst Du anderen ein Gefühl vermitteln, dass Du sie nett findest und an ihnen interessiert bist?Falls ja, sollte es klappen, dass Du leichter mit anderen nicht nur in Kontakt kommst, sondern auch mit ihnen in Kontakt bleibst. Viele Grüße Bernhard



Hi Hotin,

vielen Dank für deine Tipps! Ich werde versuchen sie anzuwenden. Wenn es nur in der Praxis & im echten Leben so leicht wäre . Mh, ich denke schon, dass die anderen wissen, dass ich sie nett finden und ja auch teils aktiv auf die Leute zugehe. Das Problem ist ja eher, dass von der Gegenseite nicht viel zurückkommt und dann ich wieder aktiv werden muss, was auf Dauer ganz schön anstrengend ist. Klar kann man jetzt nicht mit jedem super auskommen und "Best Friend" sein, aber ich wünsche mir eben ein gewisses Grund-Sentiment in dem es einfacher ist. Kontakte zu knüpfen. Vlt. liegt es auch daran, dass ich noch mehr meine Themen & Interessen an den anderen Personen finden muss...

01.09.2020 22:37 • x 2 #8


Mylenix
Hallo, kenne ich sehr gut, aber was will man machen? Einfach weiter versuchen, das Leben ist eine Durchhalte-Prüfung.

01.09.2020 22:52 • #9


Zitat von FeuerWasser:
Ja das stimmt. Es gibt Leute bei denen geht es wie von selbst. Warum ist das so?
- sie nehmen sich eine "Ablehnung" nicht zu Herzen und nehmen es oft gar nicht als Ablehnung wahr.
- sind unbeschwerter
- lockerer

Das ist eine andere Herangehensweise als wenn man vorsichtig ist, misstrauisch, Angst vor Zurückweisung hat. Das strahlt man unweigerlich aus, ob man will oder nicht.


Davon bin ich auch überzeugt. Ebenso liegt es nahe, dass sich in sonstiger Hinsicht ungünstige Lebensumstände negativ auf die Ausstrahlung auswirken - aber: auch unglücklichen Leuten gelingt es, Kontakte zu knüpfen (z. B. nach einer Trennung) und unverkrampftes, erwartungsfreies Auftreten wiederum garantiert nicht das Wachsen einer Bekanntschaft. Zum einen spielt ja auch die Erwartungshaltung des Gegenübers eine Rolle, zum anderen glaube ich fast, dass - je nach Ursache des Unglücklichseins - die Ausstrahlung variiert. Eine durchlebte Trennungssituation (um beim obigen Beispiel zu bleiben) hinterlässt andere Spuren des Leidens als z. B Ablehnungserfahrungen.

Zitat von FeuerWasser:
ich bin nicht richtig", "das mich andere nicht mögen liegt nur an mir",


....Das wird nur leider von der Umwelt bequemerweise pauschal unterstellt. Nun obliegt es tatsächlich der vielgepriesenen Eigenverantwortung, sich solche vernichtenden Urteile zu Herzen zu nehmen oder es zu lassen, aber die Dosis macht bekanntlich auch das Gift!

05.09.2020 17:30 • x 2 #10


Zitat von Blätterwald:
Wie ist Euer Blick auf die Dinge? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?


Ich mache durchgehend fast nur solche Erfahrungen, wenn ich auf der anderen Seite stehe, kommuniziere ich es aber, z.B. das für mich die Chemie nicht passt. Von anderen kommt meist überhaupt nichts, entweder man wird komplett ignoriert bzw. "geghostet"

11.09.2020 10:02 • x 1 #11


Hoffnungsblick
Hier denke ich auch immer an die Grobeinteilung der Menschen nach vier Grundtemperamenten: Melancholiker, Sanguiniker, Choleriker und Phlegmatiker. Die Waldorfpädagogik macht dadurch, dass sie auf das Temperament Rücksicht nimmt, gute Erfahrungen.

Das Aufbauen von Freundschaften oder auch nur Bekanntschaften ist für den Melancholiker nicht einfach. Er sucht und pflegt wenige, tiefgründige Freundschaften und ist keineswegs mit oberflächlichen Kontakten zufrieden.
Der Sanguiniker dagegen hat jede Menge wechselnde Kontakte, leicht und locker. Er nimmt sich Zustimmung oder Ablehnung nicht zu Herzen. Nie würde er bei einer Ablehnung denken: Mich mag niemand, ach! Er denkt: Dann
eben nicht! Es gibt ja noch so viele (Milliarden) andere Menschen.


Es kann schon ein Stückchen helfen, sich erst mal klar zu machen, was man eigentlich sucht.
Im Laufe des Lebens habe ich mich etwas besser kennen und auch akzeptieren gelernt. Darum suche ich nun gezielter und bewusster.
Vieles findet sich paradocxerweise auch dann, wenn du zuerst mal deine Situation voll und ganz akzetierst und - zeitweise - nichts suchst. Dann bist du entspannter.

Es ist auch gut, gezielt zu suchen und Kontakte aufzubauen. Aber das ist Arbeit und wenn du kein Sanguiniker bist, brauchst du viel Geduld, die sich langfristig lohnt.
Aber wie gesagt, nimm ein paar Tage Ferien von der Suche und genieße den Augenblick.

13.09.2020 19:08 • x 3 #12


Same. Bei mir habe ich ein wenig rausgefunden, woran es liegen könnte, durch das Feedback einer Therapeutin. Sie sagte, ich sei gar nicht richtig da und würde keine Beziehung zu ihr aufbauen. Vielleicht ist es bei dir genau so, dass keine echten Gefühle rüberkommen, weil du so darauf fixierst bist, wie du auf andere wirkst, ob du interessant bist usw.? Kann natürlich sein, dass das eine angeborene Eigenschaft ist, also dass du vielleicht wenig authentische Emotionen rüberbringst. Bist du angespannt, wenn du mit Menschen redest?
Das heißt aber natürlich nicht, dass man daran nicht arbeiten kann..

13.09.2020 19:41 • x 2 #13


Hallo Ihr Lieben,

danke für Eure hilfreichen Beiträge. Sie gehen schon in die richtige Richtung, auch wenn es "der eine Punkt" wahrscheinlich nicht ist sondern eher ein Mix aus mehreren.

Ich habe aktuell ein Coaching laufen und hierbei am vergangenen Freitag den zweiten Termin. Von meiner Coaching (sie hat auch eine theratpeutsiche Ausbildung) wurde anhand meiner Erzählungen + Rückfragen/ Fragen im Gespräch folgende Stichwörter als Ansätze herausgearbeitet:

- sich öffnen, sich anbieten, initiativ werden
- sich mehr interessieren/ persönliche Fragen stellen
- vertiefen
- im Job z.B. Alltagskomplimente einbauen

@psychoh:
Das "keine echte Beziehung aufbauen" ist sicherlich ein Teilaspekt der auch mit Gefühlen und Emotionen zusammenhängt. Vlt. muss ich mich da einfach mehr auf die andere Person einlassen (tatsächlich da sein, echtes Interesse, auch persönliche Fragen/ Themen, mehr sich selbst öffnen...).
Zu deiner Frage: Ja ich bin schon angespannt wenn ich mit Menschen rede. Auch abhängig davon wie gut ich sei kenne. Bei mir ist es so, dass ich bei Leuten, zu denen ich noch keine Verbindung habe, Angst davor habe, dass mir nichts passendes einfällt über das ich reden kann und das auch für die andere Person interessant ist (quasi: welches sind relevante Themen, wie halte ich das Gespräch am laufen bzw. vertiefe die Beziehungseben...). Mit einem guten Freund z.B. kann ich ewig und über alles quatschen und da tritt diese Angst vor dem Auslaufen des Gesprächs oder den fehlenden Themen nicht auf...

@hoffnungsblick:
Danke für deinen Tipp! Die Einteilung aus der Waldorfpädagogik kannte ich bisher noch nicht. War nicht auf einer Waldorfschule und bin mit den pädagogischen Ansätzen bislang nicht so vertraut. Ist auf jeden Fall sehr interessant und erklärt die Situation und das Empfinden ganz gut. Das Problem ist dann halt, dass ich mir meine Situation und das Zustandekommen schon sachlich vom Verstand her erklären kann, aber es sich trotzdem mies anfühlt, da ich mir z.B. Gemeinschaft, einen größeren Freundeskreis, mehr tiefe in den Beziehungen, mehr Beachtung ( und damit auch ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl) sehnlichst wünsche, aber irgendwie (bislang) nicht den Schlüssel dazu gefunden habe. Vom Gefühl her ist es ein sehr sehr weiter Weg dies zu erreichen oder die Situation nachhaltig zu verbessern aber ich werde daran arbeiten und vlt. klappt es ja (auch dank Eurer Tipps ).

@ Nordhörnchen:
Das tut mir Leid, dass du die gleichen Erfahrungen machst. "Geghostet" werden ist sicherlich sehr schmerzhaft und ich weiß sehr genau wie du dich fühlst. Gibt es Ansätze die du verfolgst um Deine Situation zu verbessern oder weißt du vlt. woran es bei Dir liegt?

Wünsche Euch noch einen schönen Abend und einen guten Start in die Woche,
Lg Blätterwald

13.09.2020 21:51 • x 1 #14


Da bin ich sicher, dass die anderen die Anspannung auch merken. Vielleicht versuchst du mal, bewusst in eine Situation reinzugehen und nicht nur im Kopf zu haben, was du Spannendes erzählen könntest. Das bekomme ich auch kaum hin - unterbewusst ist da immer die jahrelang bestehende Fassade/Mauer. Aber mit der Übung wird es besser..
Wenn dir eine Person gegenübersteht, möchtest du ja eigentlich an ihr wahres Selbst herankommen, und nicht nur an irgendeine künstlich errichtete, rational gesteuerte Version.
Dir steht ein/e Gesprächspartner/in gegenüber, der/die interessiert ist an wahren Emotionen, an deiner ehrlichen und verletzlichen Seite, an einem realen Menschen.. versuche, dich darauf einzulassen, dich nicht nur bezüglich privater Themen, sondern wirklich auch emotional zu öffnen. Dich in die Arme der anderen Person fallenzulassen, und in die Interaktion und das Gespräch.
Irgendwie kann ich das schlecht beschreiben.. Vielleicht ist das bei dir auch nicht der ausschlaggebende Punkt. Aber ich glaube, dass solche Feinheiten doch einen großen Einfluss haben.

13.09.2020 22:11 • x 2 #15


Hotin
@Blätterwald
Zitat:
Bei mir ist es so, dass ich bei Leuten, zu denen ich noch keine Verbindung habe, Angst davor habe, dass mir nichts passendes einfällt über das ich reden kann und das auch für die andere Person interessant ist (quasi: welches sind relevante Themen, wie halte ich das Gespräch am laufen bzw. vertiefe die Beziehungseben...).


Ich denke hier beschreibst Du den Kern des Problems.
Was Dich hindert zu Menschen locker Kontakt aufzubauen, ist nur die Angst.
Ein Gefühl, was Du noch nicht gut genug gelernt hast zu steuern.
Gehe mit Deiner Angst anders um dann wirst Du nach und nach das Kontaktproblem beseitigen.

14.09.2020 00:07 • x 1 #16


Zitat von Blätterwald:
Das tut mir Leid, dass du die gleichen Erfahrungen machst. "Geghostet" werden ist sicherlich sehr schmerzhaft und ich weiß sehr genau wie du dich fühlst. Gibt es Ansätze die du verfolgst um Deine Situation zu verbessern oder weißt du vlt. woran es bei Dir liegt?


Ich vermute es wirkt, vielleicht etwas zu gezwungen von meiner Seite aus, weil ich halt wirklich gerne neue Leute kennenlernen möchte. Bin gerade umgezogen in eine große Stadt und kenne hier fast niemanden, desweiteren musste ich den wichtigsten Menschen aus meinem Leben lassen (hatte andere Gründe), da fühlt man sich öfters einsam und wünscht sich ein paar gleichgesinnte. Ich habe hier im Forum für meine PLZ auch noch mal ein Gesucht geschaltet, wenn das auch nichts wird, dann lass ich es sein und suche nicht mehr.

14.09.2020 07:25 • x 1 #17


Hoffnungsblick
Hallo Blätterwald,
du hast dich doch schon auf den Weg gemacht und lässt dir auch durch Coaching professionell helfen. Außerdem erkennst du deine Probleme. Du kannst auch hier gut auf uns eingehen. Darum glaube ich, wenn du langfristig dran bleibst, dass du dich zunehmend besser kennen wirst und immer bessere Kontakte aufbauen wirst.
Wer sich selber kennt, ist sich selber nah und kann daher auch leichter anderen nah sein.
Der Geheimtipp ist eben die Ausdauer. Dranbleiben, notfalls jahrelang.
Wenn man eine Kunst erlernen will, sagen wir einmal Klavier spielen, dann dauert das auch sehr lange, bis man diese Kunst beherrscht. Wer das dann kann, bsucht hinterher oft laufend Meisterkurse. Auch Profifußballer trainieren ständig weiter.
Ständig weitertrainieren bringt auch immer neuen Lernzuwachs. Das macht Freude.

14.09.2020 11:16 • #18



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Dr. Reinhard Pichler