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Zitat:Dieses Jahr z.B. war ich auf einer Gruppenreise. Und ging mit in Bars und trank Alk.. Dabei hasse ich beides.
Das klingt so als wärst du auf die Reise gegangen mit der festen Vorstellung im Hinterkopf danach um 5 Freunde reicher wieder nach Hause zu kommen. Dass das nicht geklappt hat wundert mich nicht. Zum einen ist eine einzige Woche zu wenig um Andere gut genug kennen zu lernen damit sie als Freunde zählen, zum Anderen spürt dein Gegenüber gewiss deine Verzweiflung, und Verzweiflung sorgt selten dafür dass Andere sich zu dir hinwenden, im Gegenteil: Die Meisten schreckt sie eher ab.
Auch spüren Andere dass du dich verstellst, ganz sicher. Jemand der zum Trinken mitgeht obwohl es ihm nicht gefällt der ist oft steif und wirkt seltsam. Ich hab zwei Freundinnen die Beide eigentlich keinen Alk. trinken, zum Anfang des Semesters aber trotzdem mitwollten um eben nicht alleine zu sein. Als ich die mal darauf ansprach ob sie die Gruppe nicht mögen oder sich nicht wohl fühlen weil sie stets so verklemmt wirkten haben sie mir ganz peinlich berührt gestanden dass sie eigentlich nichts trinken und nur mitkamen um nicht allein zu sein. Aber genau durch die Verklemmtheit erschienen sie allen Anderen unnahbar und "komisch". Das End vom Lied: Jetzt machen wir halt immer mal wieder nen DVD-Abend, gehen gemeinsam ins Kino, oder zu dritt was Essen. Und seitdem sie sich nicht mehr zu verbiegen versuchen um Anderen zu gefallen macht das gemeinsame Weggehen auch wieder mehr Spaß.
Auch hast du die Reise im Grunde wohl unternommen um deiner Einsamkeit zu entfliehen. Ich hab fest gestellt dass man viel eher Anschluss findet wenn man nicht mit der Motivation sich selber glücklich zu machen sondern mit der Motivation Andere glücklich zu machen an die Sache heran geht. Das sorgt schon nach kurzer Zeit dafür dass sich eine gewisse Offenheit Anderen gegenüber und ein enormes Glücksgefühl einstellt. Und wenn's nur ist dass man einem Renter hilft den Fahrkartenautomaten zu bedienen oder einer Nachbarin ein Stück weit die Einkaufstüten trägt oder freiwillig noch 2 Stunden in der Uni bleibt damit die Freundin nicht allein in der Bibliothek hocken muss. Solche kleinen Gesten machen Andere glücklich, und dadurch irgendwie auch einen selbst. Und man wird bekannt und nicht mehr so oft übersehen
Mit einer Mitstudentin hab ich mal "eine gute Tat am Tag " gespielt, eine Woche lang. Neue Freunde hab ich in der einen Woche zwar nicht kennen gelernt, dafür aber vielen lieben Menschen geholfen. Und das ließ uns Beide mit einem den ganzen Tag andauernden Hochgefühl zurück, obwohl wir im Grunde bloß um eine Erfahrung reicher waren, sonst um nichts. Das mag abgedroschen klingen, aber aus dem selben Grund wird einsamen Menschen von Therapeuten oft die ehrenamtliche Tätigkeit empfohlen. Das Gefühl etwas Gutes getan zu haben, etwas verändert zu haben, wichtig und liebenswert zu sein, das tut vielen Menschen gut, und erst recht denen die sich einsam fühlen. Oft hilft es auch schon sich kleine Tagesaufgaben zu stellen. Öfter mal Blickkontakt aufbauen, einfach mal so Jemanden ansprechen, Smalltalk üben, einem Menschen helfen den man gar nicht kennt, sich täglich etwas notieren wasbesser als erwartet war, worüber man dankbar sein kann, worüber man sich heute gefreut hat - die Liste könnte man noch ewig weiter fortsetzen. Es sind scheinbar kleine Dinge, ja. Aber über Dauer angewandt kann das helfen die Gedanken weg von der Einsamkeit und dem Elend des Lebens hin zu einer positiveren Weltanschauung zu bewegen.
Du schreibst du hast Hobbies. Was sind das denn für Hobbies?
Hobbies die man gemeinsam mit Anderen pflegt, oder Hobbies die du alleine machst?
Ich war selber lange Zeit einsamer Außenseiter, und durch gemeinsame Aktivitäten in Arbeitskreisen nach der Schule hab ich trotz meiner eher schüchternen Art sehr rasch Anschluss gefunden. Meiner Meinung nach geht nichts über wöchentliche Treffen, gemeinsame Aktivität unter einem gemeinsamen Ziel. Das schweißt enorm zusammen. Und wenn man bloß nach dem Sport sich gemeinsam über den strengen Lehrer auslässt oder sich überlegen muss wer diese Woche gemeinsam für's Schülercafe einkauft. Wenn man was zusammen macht kommt man meiner Meinung nach gar nicht umhin irgendwie Anschluss zu finden.
Vielleicht hast du in den letzten 10 einsamen Jahren verlernt "richtig" mit Anderen zu reden, Kontakte zu knüpfen, Beziehungen zu pflegen. Dann ist dein Hierherkommen schon mal ein guter und wichtiger erster Schritt hinaus aus der Einsamkeit.
Zitat:Und das sich an dieser Situation etwas ändert, daran glaube ich zunehmend weniger.
Da hast du Recht. Denn von sich aus ändert sich im Leben so gut wie nie was damit es einem besser geht. Veränderung muss man selber herbei führen, wenn man sie will. Oder sich so mit einem Zustand abfinden dass man ihn hinnehmen und trotzdem glücklich sein kann.
Liebe Grüße und viel Spaß im Forum,
Bianca