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Hallo,

ich habe mich eben gerade angemeldet, weil ich nicht mehr weiter weiß. Ich erkläre euch, worum es geht:

Ich bin 25,männlich, introvertiert mit leichten extrovertierten Zügen, hatte noch nie Freunde, habe auch keine Freundin.

Ich kann gar nicht kommunizieren. Weder das Flirten gelingt mir, noch schaffe ich es ein gescheites Themazu finden, worüber ich mich mit meinen Mitmenschen verständigen kann.
Bei Freundschaften ist es so eine Sache...
Klar schaffe ich es, mit meinen Mitmenschen zu sprechen. Aber Gespräche aufrecht zu erhalten gelingt mir nicht. Außerdem sehe ich bspw. meine Kommilitonen an der Hochschule, unterhalte mich mit ihnen. Aber alles ist nur temporär! Außerhalb der Hochschule will man mit mir irgendwie nichts zu tun haben!
Schon immer war es so und ist es so, dass, wenn Menschen mich irgendwo einladen. Man trift sich 1-2 mal mit mir, bis man das einstellt und ich nicht weiß, weshalb. Dann frag ich mich immer, woran es lag, aber am Ende weiß ich es nicht.
Ich habe sehr viele "Bekannte", aber eben keine Freunde!
Ich bin zwar nett und freundlich. Mittlerweile merke ich, dass man damit nicht weiß kommt!
Von meiner Persönlichkeit her: Ich kann nur das, was ich beigebracht bekommen habe. Nicht mehr!

Zum Thema Flirten: Ich schaffte es nicht, aus mir heraus zu gehen, da ich ja introvertiert bin und somit eher viel nachdenke und in mir bin. Vor einiger Zeit besorgte ich mir Ratgeber-Bücher und schaffte es an Hand deren, fremde Frauen anzusprechen. Nach Selbstreflexion ist mir aufgefallen, dass ich Interviews führte, statt einem Small-Talk, geschweige denn eines Flirts!
Auch merke ich, dass ich andere Menschen nicht begeistern kann, nicht witzig bin, Menschen mich eher auslachen. Ich frage mich aber: Woran liegt das? Irgendwie kann ich die Hoffnung ja nicht aufgeben! Ich will nicht sagen, dass ich dazu verdammt bin, sozial zu scheitern, auch wenn es so ist.

Seit wenigen Jahren leide ich unter einer chronischen Erkrankung. Nach und nach bin ich dazu gekommen, festzustellen, dass die Ursache dafür Stress und vor allen Dingen der Mangel an sozialen Kontakten ist. Ich bin ziemlich einsam, unfreiwillig sozial isoliert. Ich habe ab und zu immer wieder Gedanken, Suizid zu betreiben und habe mir etwa 10 Jahre Zeit gegeben, diesen auszuführen. Mein Leben erscheint mir schlicht und ergreifend sinnlos, alleine und einsam dahinzu leben! Ich schleife praktisch mein Leben hinter mir her. Auf einem Zahlenstrahl von 0 bis 100 bin ich bei 2 - Der Weg von 2 auf 0 erscheint mir leichter durchführbar als von 2 auf 100!

Es ist ätzend. Liegt es vielleicht daran, dass ich dick bin? Vielleicht ein Kommunikations-Defizit? Liegt es daran, dass meine Persönlichkeit falsch ist? Bei meinem Vater war es genau so: Keine Freunde gehabt, Vereinsamung, Erkrankung an einer chronischen Erkrankung. Ich sehe Parallelen - leider! (War, deshalb, weil er mittlerweile verstorben ist - vor seinem Tod fiel Ärzten sein Lebensunwille auf).
Auf einen Therapieplatz warte oich übrigens auch schon seit Jahren.

Ich bitte euch um Hilfe. Danke.

18.03.2012 22:17 • 30.11.2012 #1


758 Antworten ↓


... Ich habe mich kreuz und quer gebogen, aber es hat nichts gebracht. Ich war nett, freundlich, aber es half nichts. Mittlerweile bin ich ich selbst und lebe meine Emotionen aus! Andererseits: Wen kümmerts denn auch? Es bleibt bei der Erfolgslosigkeit im sozialen!

Ich denke, dass ich andere Menschen nicht von mir überzeugen kann. Ich kann mich nicht großartig "verkaufen"!

Menschen vieler Art können mich nicht ausstehen. Ich frage mich nur: "Warum?? Was hab ich seit meiner Geburt falsches getan?"

Für mich ist das Knacken von Fort Knox leichter als Menschen!

18.03.2012 22:26 • #2



Einsamkeit, sozial isoliert, Trostlosigkeit - was tun?

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Zitat:
Auf einem Zahlenstrahl von 0 bis 100 bin ich bei 2 - Der Weg von 2 auf 0 erscheint mir leichter durchführbar als von 2 auf 100!


Ach komm, 2 ist sehr tief. Mit 2 schreibt man keine Texte mehr in Onlineforen, sondern bereitet seinen Suizid vor.

Stärke dein Selbstwertgefühl und arbeite an deinen Verhaltensweisen. Im Internet gibt es gute Flirttips, solange man die größten Spinnereien weglässt. Sei du selbst und lass dich nicht verbiegen. Wenn du zu dick bist, dann nimm ab. Die Optik ist beim Kennenlernen wichtig, vor allem, weil du dich besser fühlst und dadurch besser rüberkommst.

19.03.2012 00:24 • #3


Guten Abend Charmest,

ich kenne dein Problem und die Gefühle und Gedanken, die einem dabei im Kopf umher gehen. Ich hab mich in den letzten Jahren auch in alle Richtungen verbogen - vergebens. Habe alle möglichen Stile auch was Kleidung angeht, probiert, weil ich dachte so kommt man vielleicht leichter in eine bestimmte "Szene/ Gruppe" rein. Klar beginnen Leute mit einem zu reden, auch einige Gemeinsamkeiten werden festgestellt etc. Aber trotz allem, ich fühle mich dabei einfach komisch und fehl am Platz. Ich würde mich auch eher als introvertiert beschreiben. Bevor ich etwas tue oder sage, spiele ich erst hunderte Male in Gedanken durch was passieren / wie mein Gegenüber reagieren könnte. Wenn ich mir da andere ansehe, mit welcher Leichtigkeit sie sich untereinander austauschen...
Früher in der Schule war ich vom geistigen her schon immer weiter als meine Altersgenossen, ich dachte mir einfach immer nur "was soll das?, warum genau macht ihr das?" Ich habe diese Handlungen / Themen einfach nie wirklich nachvollziehen können... Ich bin auch eher jemand, der im Leben weiterkommen will und ich finde dazu sollte man sich bemühen wollen, ich lerne auch gerne persönlich etwas dazu. Wenn ich mir da andere Leute ansehe, die ihre Zeit mit Computerspielen, Fußball oder sonstigem "verschwenden", wenn sie doch genau wissen, dass am nächsten Tag eine wichtige Klausur ansteht. Und dann die ganzen Themen, ich fühl mich einfach in keiner Gruppe wohl, ich bin immer der Außenseiter, egal wo, klar wird man mal mitgenommen aber man fühlt sich einfach fehl am Platz, ich weiß nie was ich sagen soll und wenn ich was sage, kommt es mir vor als starrt mich jeder an, als hätte ich gerade einen Amoklauf öffentlich angekündigt...
Was ich damit sagen will, ich will mich nicht verstellen müssen, ( ich schaffe es offensichtlich ja auch nicht wirklich .
Ich lebe einfach nicht so in den Tag wie andere, ich erwarte mir auch von einer Beziehung mehr, ich will keine 0/8/15 just for fun Beziehung, wenn ich mit jemandem zusammen bin, will ich auch eine gemeinsame Zukunft planen. Mir gehts nicht um "Spaß", ich will Sicherheit und Verständnis von meinem Partner, nur hab ich das bisher nicht wirklich in einer Beziehung finden können. Alle finden sie ich übertreibe, man wäre zu jung sich so fest zu binden, man hat das Leben noch vor sich. Ich denke mir einfach, warum soll ich experimentieren, wenn ich einmal das gefunden habe was ich will, ich will Höhen und Tiefen mit jemandem durchstehen können. Und ja mein Leben besteht fast ausschließlich aus Tiefen und ich finde es einfach schrecklich wenn man mich dann hängen lässt ( so ist das immer ) was kann ich für meine psychischen Probleme, ich war schon in Therapien aber bisher vergebens. Ich bin anders als die anderen, ich weiß es, man muss es mir nicht noch deutlicher machen...

Ich weiß ich bin etwas vom Thema abgekommen, aber es hat auch mal gut getan sich auszusprechen.
Dir kann ich nur mit auf den Weg geben: Veränder dich wirklich nicht mehr für deine Mitmenschen, mir ist klar geworden, keiner wird es dir danken, also bleib wenigstens dir selbst treu, denn das wirst DU dir am Ende deines Lebens danken.
PS: Und was das Gewicht angeht, sei du selbst, mach dein Gewicht nicht von der Gesellschaft abhängig, viele Frauen stehen außerdem auf Dickere, da diese Vertrauen und Geborgenheit ausstrahlen. So sehe ich das zumindet.

Liebe Grüße

19.03.2012 00:52 • #4


Hallo charmest,

du fragst dich, was falsch an dir ist. Ich sage dir: An dir ist nichts falsch, du bist einfach psychisch krank.
Ich weiß nicht genau in welche Richtung es bei dir geht (Sozialphobie etc.), aber ich weiß, was dir helfen kann: Eine Verhaltenstherapie.
Deinem Text entnehme ich auch, dass du dich in dieser Problematik nicht sehr von deinem Vater unterscheidest. Das liegt nahe, da psychischen Erkrankungen auch meistens eine genetische Anlage zugrunde liegen oder aber auch kranke Verhaltensweisen der Eltern über die Erziehung an die Kinder weitergegeben werden.

Du hast bereits erkannt, dass ein harter Weg vor dir liegt. Doch es wird sich lohnen für ein besseres Leben zu kämpfen.

Was hälst du von dem Vorschlag eine Verhaltenstherapie zu beginnen?

Lieben Gruß,
void

19.03.2012 01:04 • #5


Bei der Suche nach einem Therapieplatz kann dir folgende Seite behilflich sein:
https://www.psychic.de/psychotherapeuten.php

19.03.2012 01:14 • #6


Ein Therapeut ist wie jemand, der sagt: Ich zeige dir wie man im Supermarkt einkauft.

So beiläufig und trivial, wenn auch die Option der reinen Nützlichkeit inbegriffen und u. U. zu erreichen wäre, ist auch das Denken. Ein normaler, psychisch gesunder, guter, glücklicher, angepasster Mensch - und was für welche Attribute sich nur Menschen ausdenken um sich der Illusion herzugeben ihren Ängsten davon laufen zu können -, ist eine Fata Morgana. So etwas gibt es gar nicht. Es reicht eben ein Mensch zu sein, der seine eigene Angst versteht.

LG Bird

19.03.2012 13:38 • #7


Hallo,

danke für eure Antworten.
Ich wurde, auch wenn ich was Anderes trug, dafür nicht mit Konversationen und temporären sozialen Kontakten belohnt. Ich bin gerade dabei abzunehmen.

@bird: Da gebe ich dir recht! NIEMAND ist völlig in Ordnung! Jeder hat irgendwo Schwächen und niemand ist völlig psychisch einwandfrei!

Welche guten Flirttipps-Seiten, meinst du?

@void: Ich habe vor, eine Verhaltenstherapie zu beginnen-vorausgesetzt ich erhalte einen Therapieplatz.
Bei einem Tiefenpsychologen wäre ich da falsch.

PS: Dass sich letztes Jahr drei Mädchen zum Suizid trafen, verwundert mich nicht! Ich verstehe nur nicht, weshalb ihr Verhalten kritisiert wurde und nichts gegen die Ursachen unternommen wird.

19.03.2012 15:00 • #8


Hm, ja, aber was genau meinst du waren die Ursachen?

Vielleicht ist ein Mensch, unabhängig von seinem Alter mal an einem Punkt angelangt, an dem er denkt etwas Leidvolles beenden zu müssen, vielleicht damit etwas anderes, schöneres, entstehen kann, oder damit einfach nur etwas aufhört, was zu ertragen außerhalb seiner Kompetenzen liegt.

Das mit den Flirt-Tipps war ich nicht. Ich habe gehört, dass wenn ein Mensch dafür sorgt, dass es ihm selbst gut geht, er dann auch etwas gutes den anderen geben kann. Was aber andere unter "gut" verstehen, weiß ich nicht so genau. Vielleicht sehnen sie sich nach Fürsorge, nach Aufmerksamkeit, danach, sich nicht allein zu fühlen, vielleicht wollen sie zum Essen eingeladen werden, einen Urlaub bezahlt bekommen...

War nur ein Scherz.
LG Bird

19.03.2012 17:38 • #9


Zitat von charmest:
Bei einem Tiefenpsychologen wäre ich da falsch.

Wenn ich fragen darf - warum meinst du das? Hast du schon eine Erfahrung in der Richtung gemacht?

LG Bird

19.03.2012 18:03 • #10


Um dir wirklich eine Rückmeldung geben zu können warum du auf andere Menschen so wirkst musste man dich Life im Gespräch erleben, dann hat man Anhaltspunkte. Daher kann ich dir nur sagen wie auf mich das wirkt was du von dir geschrieben hast und daher ist das total subjektiv und obliegt dir ob du dich darin wiedererkennst oder nicht. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass du im Kontakt mit anderen immer eine Rolle zu spielen versuchst und dann wohl auch noch unterschiedliche Rollen ausprobierst. Das wirkt auf deinen Gegenüber mehr als verwirrend und abstoßend, weil man dann nicht weiß, wer du wirklich bist und wann du keine Rolle spielst. Wenn du dir deiner selber sicherer bist und sein kannst wie du wirklich bist, dann kommst du auch Real rüber und in der Konsequenz wirst du dann auch jemanden finden, der sich in dich verliebt und in den du dich auch verlieben kannst. Ob mit Übergewicht oder ohne. Eine Therapie kann dir sicherlich helfen zu dir selber zu finden. Ich weiß ja nicht ob du unter den von dir probierten Rollen noch selber weißt wer du eigentlich wirklich bist.

20.03.2012 00:23 • #11


@charmest

Wenn du, wie du sagst, es in mehreren Jahren nicht zustande bringst eine Therapie anzufangen, dann weißt du doch, was mit dir nicht stimmt. Entweder hast du nie mit einem Arzt Kontakt aufgenommen (das geht bei Therapeuten sogar per E-Mail) oder du hast dich bei einem Arzt in einem anderen Land gemeldet und dieser verstand nicht, was du von ihm wolltest. Mal ehrlich, selbst wenn man mit langen Wartezeiten abgespeist wird, geht man einfach zu einem anderen Arzt, und wenn es allgemein in einer Region länger als 6 Monate dauert, kannst du auch immer noch stationär eine Therapie anfangen.

20.03.2012 01:19 • #12


Hallo,
ich war bereits bei vier Psychotherapeuten. Einer konnte mich nicht therapieren, weil er ein Paartherapeut war (so seine Begründung). Der nächste ein Tiefenpsychologe. Er meinte, es läge am mangelnden Selbstvertrauen. Außerdem meinte er, es läge an meiner traumatischen Kindheit. Ich dachte mir persönlich, dass die Verhaltenstherapie eher angebracht wäre, weil es nicht nur genetisch ist, sondern ich müsste mein Verhalten vllt ändern.

Eine weitere Anlaufstation war die Psychotherapeut. Ambulanz der Universität. Dort hätte ich wohl während eines Gesprächs mit einer Psychologin auffallend beim Thema Suizid gelacht, dass eine zusätzliche Therapeutin hinzugezogen wurde (diese war eine richtige Psychotherapeutin). Für die Psychologin musste ich 9 Monate warten, auf PT'lerin zusätzliche 3-6 Monate. Schließlich kam heraus, dass ich in meiner Kindheit gemobbt wurde und nun deshalb eine Art Schutzschild hätte - indem ich dauernd lächeln würde.

Nach weiteren 6 Monaten wurde mir ein Psychologe zugeteilt. Mit diesem verstand ich mich allerdings nicht, weil er mich immer nur verärgerte. Er fragte ständig nach. Das war ja ok. Aber er meinte, ich bräuchte keine sozialen Kontakte etc.
Schließlich meinte er, dass ich mir Ziele im Leben setzen sollte. Aber bis dahin hatte ich mich schon auf die Suche nach einem anderen THerapeuten gemacht. Und so geht es weiter...

Bei Psychiatern war ich ebenfalls, nachdem ein PT'ler mir per mail Kontakt zu mir hatte und meinte, ich könnte an einer Depression leiden. Doch die Psychiaterin wollte mich nicht aufnehmen, weil sie meinte, ich wäre ein Fall von für die Psychotherapie, nicht für Psychiater. Ich habe ein Erstgespräch nä. Monat. bei einem Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie), der auch Kommunikationstraining macht. Aber wann die Therapie richtig beginnen könne, ist unklar.
Mir ist aufgefallen, dass ich keine Persönlichkeit besitze! Ich bin zwar introvertiert, werde manchmal extrovertiert. Irgendwie zwing ich mich, extrovertierter zu werden. Zu meinen Fähigkeiten: Ich kann nur das, was ich gelernt habe. Nicht weiter!

Zum Thema Flirten: Welche Seiten wären denn ratsam? Ansprechen gelingt mir, aber Small Talk nicht. AYbends, beim Weggehen schaffe ich es aber nicht, eine Unterhaltung zu führen. Ob der Psychotherapeut mir auch in dieser Hinsicht weiter helfen können wird ...?

@void: Ich bin Student und habe mir vorgenommen in den nä. Semesterferien eine psychiatr. station. Klinik aufzusuchen - statt Ambulanz!

20.03.2012 20:06 • #13


Zitat von charmest:
Nach weiteren 6 Monaten wurde mir ein Psychologe zugeteilt. Mit diesem verstand ich mich allerdings nicht, weil er mich immer nur verärgerte. Er fragte ständig nach. Das war ja ok. Aber er meinte, ich bräuchte keine sozialen Kontakte etc.

Schließlich meinte er, dass ich mir Ziele im Leben setzen sollte. Aber bis dahin hatte ich mich schon auf die Suche nach einem anderen THerapeuten gemacht. Und so geht es weiter...
Er hat aber Recht. Soziale Kontakte können kein Ziel sein. Derartige Wünsche werden gerne vorgeschoben wenn der Bezug zu sich selbst fehlt. Der Bezug zu den anderen soll das Manko ersetzen. Und das funktioniert eben nicht. Wenn kein Bezug zu sich selbst da ist, kann man auch mit den anderen nichts anfangen. Vielleicht weißt du gerade deshalb nicht, worüber du dich mit ihnen unterhalten sollst.

Wenn du schreibst: Ich habe keine Persönlichkeit, dann guck unter Depersonalisation nach. Die kommt nämlich als Folge von Kindheitstraumen durch langanhaltendes Mobbingoder emotionale Vernachlässigung durch Eltern im Kindesalter durchaus in Frage.

Wenn dich der Therapeut verärgert hat, kannst du dir auch ziemlich sicher sein, dass er bei dir genau ins Schwarze getroffen hat. Dass er das angesprochen hat, was du aus welchem Grund auch immer verdrängst. Verdrängung ist aber z. T. auch Selbstschutz. Deshalb wird ein geschützter Raum für eine Therapie gebraucht, ... genau das, was ein Online-Forum nicht ist.

LG Bird

21.03.2012 22:22 • #14


Hallo,

@Bird: Ja, das ist genau richtig! Ich wurde von meiner Familie und ihren Verwandten seit meiner Geburt gemobbt/schikaniert! Ich merke auch, dass ich anscheinend eine Bindungsstörung habe (-- fehlende Emotionalität von der Familie).

Was das Andere angeht: Ich bin derzeit dabei zu erkennen, dass ich vollkommen in ordnung bin und nicht minderwertig, abscheulich, wertlos, ... wie es meine Familie mir immer wieder versucht einzureden.

Was der Psychologe sagte, war nicht ins Schwarze, sondern im Abseits! Er stichelte irgendwo anders herum. Er lag vollkommen falsch!
Er fragte, wieso ich soziale Kontakte haben wolle, wieso ich nicht vollkommen allein leben möchte, wieso ich denn meinen würde in Einsamkeit abzuschweifen etc.
Meine Antwort: Ich merke, dass ich vereinsame und gerne andere Menschen um mich haben möchte, integriert sein möchte.
Später übersprang er den Punkt und meinte, dass ich also einfach nur Spaß haben möchte.

Ich habe mich bereits voll und ganz angenommen. Mit meinen Mitmenschen kann ich nicht kommunizieren, weil ich kein Gesprächsstoff/Unterhaltungsthema habe. Aber ich schaue trotzdem mal nach Depersonalisation nach.
Mir sagte jemand, dass ich ja lieb und nett, freundlich wäre. Da MÜSSTE ich Freunde haben. Wenn überhaupt, dann läge es daran, dass ich mich nicht interessant genug machen würde.
Doch: Ohne soziale Kontakte -- Einsamkeit -- Depression -- Tod
Hilft es wenn ich schreibe dass ich introvertiert bin?

Danke für den Beitrag.

PS: Wie kann man Depersonalisation therapieren/heilen? Geht es auch alleine? Was meinst du mit "geschützter Raum" ? Dass man dort nicht unter Beobachtung steht? Ich wurde dort schon gefilmt!
Als mein Vater verstarb empfand ich Kälte! Keine Tränen!

22.03.2012 03:15 • #15


@Bird: Nein, ich habe keine negativen Erfahrung mit Tiefenpsychologen gemacht. Nur habe ich mal gehört, dass man mit Tiefenpsychologie lange brauchen würde und mit Verhaltenstherapie weitaus schneller vorwärts käme. Außerdem beschäftige sich die Tiefenpsychologie mit Kindheitstraumata usw.
Ich dachte, dass ich mein Verhalten ändern müsste um erfolgreich in dieser Hinsicht zu sein/haben.
Eine Psychotherapeutin, die damals hinzugezogen wurde, meinte dass ich mit der Verhaltenstherapie auf dem richtigen Weg wäre (sie selbst war auch Verhaltenstherapeutin).
Eine Psychiaterin von der Vitos Klinik meinte, dass ich sowohl eine Tiefenpsycholog. als auch Verhaltenstherapeut. Behandlung benötigen würde. Und etwas zw. Psychotherapie und Psychiatrie.

PS: Wie kann ich es üben, mit Menschen zu kommunizieren/über die richtigen Themen zu sprechen?

22.03.2012 03:37 • #16


Nachtrag:
@Bird: Was meinst du mit "Bezug zu mir selbst" finden? Sich selbst zu lieben? Selbstbewusstsein stärken?
Ist es heilbar oder zu retten? Dauert es lange? Wie kann ich es manuell wieder hinbekommen?
Mittlerweile liebe ich mich schon.

22.03.2012 04:01 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Zitat von charmest:
Was der Psychologe sagte, war nicht ins Schwarze, sondern im Abseits! Er stichelte irgendwo anders herum. Er lag vollkommen falsch!
Er fragte, wieso ich soziale Kontakte haben wolle, wieso ich nicht vollkommen allein leben möchte, wieso ich denn meinen würde in Einsamkeit abzuschweifen etc.
Meine Antwort: Ich merke, dass ich vereinsame und gerne andere Menschen um mich haben möchte, integriert sein möchte.
Später übersprang er den Punkt und meinte, dass ich also einfach nur Spaß haben möchte.

Das wird von den Psychologen oft so gehandhabt, weil - wenn ich aus meiner Unvollständigkeit heraus Kontakte - quasi als Rettungsanker - gestalte, kann sich keine wirkliche Intengrität einstellen. Das, was sich daraus ergibt, sind Instrumentalisierungen und Abhängigkeiten. Was eine Therapie bewirken soll, ist ein Wandel zur Autonomie und Unabhängigkeit, die ja auch wieder die Voraussetzung für zufriedenstellende zwischenmenschliche Beziehungen ist.

So gut wie eine Regel ist, dass unverarbeitete Kindheitserlebnisse Menschen immer wieder unbewusst in Beziehungsstrukturen führen, die denen ihrer Ursprungsfamilien ähneln. Erstens ist das etwas bekanntes, man erlebt dadurch ein Gefühl "wieder zu hause zu sein", zweitens lebt ein ehemaliges "Schlachtfeld" auf, falls man es überhaupt zwischendurch abgeschafft hat (in den seltensten Fällen), auf dem man hofft doch endlich mal Gerechtigkeit zu erfahren und all das zu bekommen (Zuwendung usw.), das einem mal verwehrt wurde. Das funktioniert rein technisch nicht, alle solche Einbußen sind verlorenes Land, das müsste man sich immer wieder vor Augen halten. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht fähig wäre etwas vollkommen anderes, zufriedenstellendes, aufzubauen. Noch dazu kommt, dass Menschen, die ein solche Verhaltensweisen an den Tag legen wie z. B. - wie du es auch in deiner Familie wahrnimmst - Unterdrückung, andere niemals "gewinnen" lassen, sie sind in so einem Fall dem Schicksal dankbar, einen Menschen gefunden zu haben, der Defizite aus der Kindheit mit in die Beziehungen bringt, den die sind aus ihrer Sicht der Garant für den vermeintlichen Ausgleich ihrer eigenen Selbstwertprobleme. Natürlich ist dem nicht so, du kannst dir sicher sein, dass niemand, der dich mobbt dadurch ein glücklicher Mensch wird. Jedenfalls sind die Bemühungen in solchen Kontakten etwas für irgendjemand positives zu erreichen eher zum Scheitern verurteilt.

Das Ziel der Therapie bzw. des Wandels der Denkweist ist, sich der eigenen Problematik bewußt zu werden und dementsprechend handeln. Z. B. Abstand von Gefahrensituationen sowie unbefriedigenden Kontakten halten. Deshalb raten auch Psychologen nicht dazu, in schwierigen Phasen des Lebens das Heil in beliebigen Kontakten zu suchen. Verstehst du das?

Ein Therapeut(-in) sagte zu dir, dass beide Therapiearten für dich wichtig wären, Psychoanalyse und VT. Das kann ich gut nachvollziehen, weil ich bei dir den Bedarf über deine Kindheit zu reflektieren sehe, und das ist auch ein guter Ansatz.

Geschützter Raum bedeutet, dass alles, was in der Therapie geschieht, auch dort bleibt, das ist eine Interaktion ohne irgendwelche Folgen für die Zukunft und auch unter Ausschluss unbeteiligter Personen. Einzeltherapie heißt also nur der Therapeut und du, eine Gruppentherapie die Gruppe plus Therapeut.

Zitat:
Mir sagte jemand, dass ich ja lieb und nett, freundlich wäre. Da MÜSSTE ich Freunde haben. Wenn überhaupt, dann läge es daran, dass ich mich nicht interessant genug machen würde.
Doch: Ohne soziale Kontakte -- Einsamkeit -- Depression -- Tod
Hilft es wenn ich schreibe dass ich introvertiert bin?

Selbst wenn man ein netter und geselliger Mensch ist: Wenn man ungelöste Probleme mit sich herum trägt, kommt man mit den anderen nicht mit. Man lebt in sich selbst eingeschlossen, isoliert. Wenn man durch eine schwierige Kindheit oder auch durch gegenwärtige belastende Lebensumstände einen Teil seiner jugendlichen Unbeschwertheit eingebüßt hat, kann sich das durch eine Therapie grundlegend ändern, das kann sich auch im Laufe der Jahre von selbst ändern, wenn man durch eine gewisse Lebenserfahrung an Fähigkeiten gewinnt, die eigene Problematik durchzublicken.

Nicht vorbelastete Menschen gibt es gar nicht, jeder hat ein Päckchen zu tragen. Es passiert nicht selten, dass Menschen, die äußerlich ein intaktes Leben führen urplötzlich psychische Störungen bekommen oder Selbstmord begehen, und das belegt ja nur die Tatsache, dass wir vieles verdrängen, vieles nicht wahrhaben wollen, was uns dann vielleicht mal gerade dann einholt, wenn wir darauf am wenigsten vorbereitet sind. Deshalb ist jede Art von Symptomatik eigentlich eine positive Sache, wenn man diese Warnsignale ernst nimmt und sich mit den Ursachen ernsthaft auseinandersetzt.

Zitat:
Danke für den Beitrag.

Gern geschehen.

Zitat:
PS: Wie kann man Depersonalisation therapieren/heilen? Geht es auch alleine? Was meinst du mit "geschützter Raum" ? Dass man dort nicht unter Beobachtung steht? Ich wurde dort schon gefilmt!

Ich hoffe ich habe deine Fragen beantwortet. Und - du wurdest doch sicher wegen der Aufnahmen vorher um Erlaubnis gebeten?

Zitat:
Als mein Vater verstarb empfand ich Kälte! Keine Tränen!

Das sind Dinge, die man in der Therapie klärt. Natürlich muss ein Therapeut zu einem menschlich passen, aber der erste Eindruck muss nicht immer entscheidend sein. Vielleicht wäre es sinnvoll dem Therapeuten Nr. 1 (Psychoanalytiker) eine Chance zu geben.

LG Bird

23.03.2012 12:32 • #18


Zitat von charmest:
Eine Psychiaterin von der Vitos Klinik meinte, dass ich sowohl eine Tiefenpsycholog. als auch Verhaltenstherapeut. Behandlung benötigen würde. Und etwas zw. Psychotherapie und Psychiatrie.

Genau das meinte ich.

Zitat:
PS: Wie kann ich es üben, mit Menschen zu kommunizieren/über die richtigen Themen zu sprechen?

Wie schon gesagt: Das funktioniert nicht wenn man durch eigene Probleme überfordert ist, da ist man so mit sich beschäftigt, dass man einfach kein Gefühl für andere haben kann. Das ist aber auch der Hinweis darauf, dass man erstmal an sich selbst arbeiten sollte..

23.03.2012 12:42 • #19


Zitat von charmest:
Nachtrag:
@Bird: Was meinst du mit "Bezug zu mir selbst" finden? Sich selbst zu lieben? Selbstbewusstsein stärken? Ist es heilbar oder zu retten? Dauert es lange? Wie kann ich es manuell wieder hinbekommen? Mittlerweile liebe ich mich schon.

Mit dem Bezug meinte ich Depersonalisation. Hier z. B. ist ein guter Ausschnitt

http://de.wikipedia.org/wiki/Depersonal ... hotherapie

Weißt du, ich selbst halte nichts vom Selbstwert, vom Werten überhaupt. Weil das Werten aus dem Vergleichen hervorgeht, und das Vergleichen ist ja das Problem der Neurose... hier nach Adler wenn du willst, das ist sehr hilfreich, du findest keinen Menschen, der so etwas nicht in sich hat, weil das zu der angeborenen Beschaffenheit unserer Denkstrukturen gehört...

http://www.wissen57.de/alfred-adler-neu ... dheit.html

Das Werten ist also das Problem. Ein krasses Beispiel: Wenn ich z. B. einen Menschen erlebe, der pausenlos im Internet andere damit beballert, dass er ein Wissender ist, in Amerika studiert hat, alle Gedichte der Welt kennt, der seine Spezialgebiete vorstellt, sie den anderen unter die Nase schmiert und sich für eine Art Menschenführer ausgibt (alles miterlebt), dann denke ich mir: Wie armselig und einsam sich ein Mensch fühlen muss, der sich an solche "Werte" klammert und seine eigene manipulative Art nicht erkennen kann. Was und wen will man manipulieren - und vor allem wozu? Wenn mich jemand anhand meiner Kompetenzen schätzt, dann geschieht das wieder nur anhand des Wertens und hat mit mir als Mensch nicht zu tun.

Der Bezug zu sich selbst, ist eine Selbsterfahrung, die nichts mit dem diskursiven Denken zu tun hat, nichts mit Auf- oder Abwerten. Im Grunde kann das Intuition genannt werden... absichtslos und ehrlich zu sich selbst zu sein. Und das impliziert eben auch die Bereitschaft all die Verdrängungsmuster in sich zu erkennen und lernen, mit ihnen so umzugehen, dass sie sich weder für uns noch für andere benachteiligend auswirken.

Zitat:
Mir sagte jemand, dass ich ja lieb und nett, freundlich wäre. Da MÜSSTE ich Freunde haben. Wenn überhaupt, dann läge es daran, dass ich mich nicht interessant genug machen würde.

Aber was ist für den anderen interessant? Für mich ist interessant, wenn Leute nichts vorheucheln und so sind, wie sie sind.

So wie du oder andere hier imstande sind über ihre Schwierigkeiten zu berichten, ohne etwas beschönigen zu wollen. Das ist doch ok. Dann hat man genügend Raum dazu, die anstehenden Probleme zu lösen..

Zur Depression habe ich schon wo anders einen Text verlinkt. Im Grunde entsteht Depression aus einer Illusion heraus. Man will etwas, was es nicht gibt und das, was ist, will man nicht... und dann entsteht eben die Frustration. Oft ist aber das, was ist, wirklich schwer zu verarbeiten. Vielleicht sollte man, wenn es wirklich von den äußeren Umständen her zu hart kommt, bereit sein, das Gewohnte zu verlassen und ein ganz neues Leben anzufangen.

LG Bird

23.03.2012 13:37 • #20



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Dr. Reinhard Pichler