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Merlin85

Merlin85
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Hallo an alle

Ich bin neu hier, hab auch schon ein wenig quer gelesen und war mir nicht sicher, ob mein Beitrag eher in die Kategorie Einsamkeit, oder soziale Phobie passt. Beides geht ja oft Hand in Hand einher.
Ich bin 41 Jahre alt, stottere und habe eine Tochter.
Gründe warum es schwer fällt soziale Kontakte zu knüpfen sind vielfältig und sehr individuell. Mich macht die Unfähigkeit flüssig zu sprechen einsam. Ich habe Dinge seit jeher alleine gemacht, einfach weil mich der Kontakt zu anderen Menschen sehr angestrengt hat. Die Angst mich zu blamieren, und die Unfähigkeit zu meiner Schwäche zu stehen, hat mich daran gehindert offen auf jemanden zuzugehen. Das hat schon im Teenageralter angefangen. Während gleichaltrige die Dinge gemacht haben, die man in dem Alter halt so macht, habe ich mir aus Angst vor Ablehnung meine Erfüllung im Sport oder anderen Beschäftigungen gesucht, Hauptsache alleine. Dadurch habe ich vieles verpasst.

Dieses Vermeidungsverhalten belastet mich sehr. Ich möchte diese Barriere in meinem Kopf gerne ablegen, da ich zwar ganz gerne alleine, aber nicht gerne einsam bin.
Ablehnung passiert ja nicht nur auf offensichtliche Art. Wenn mich jemand dämlich angrinst, denke ich mir meinen Teil und nehme die Person sowieso nicht für voll. Das passiert mir aber äußerst selten.
Subtile, nicht offensichtliche Ablehnung hingegen, ist viel verletzender.
Klar könnte man jetzt sagen, dass es an der eigenen Person und nicht am stottern liegt, man ist nunmal nicht jedem sympathisch, und auch Menschen die flüssig sprechen werden abgelehnt. Trotzdem ist oftmals das nicht flüssige Sprechen der Grund, warum man aussortiert wird. Das ist dann nichtmal böse von der Person gemeint, nehme ich ihr auch nicht übel, man fällt einfach nur durch das Raster, weil man nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht. Diese Situationen kränken mich viel mehr, als offensichtlich dummes Verhalten.

Meine sozialen Kontakte beschränken sich daher auf den engen Familienkreis und Kollegen im Job.
Ich vermeide Situation, bei denen die Aufmerksamkeit auf mich, bzw. mein Sprechen fällt. Bestellungen beim Bäcker gehen gerade noch, vielleicht ein Anruf beim Pizzaservice. Bei letzterem dann aber mit ganz, ganz viel Überwindung. Da muss der Hunger schon sehr groß, und der Kühlschrank sehr leer sein. Beim Tanken habe ich früher so gut es geht die Säule genommen, die ich besser aussprechen konnte. Sah dann halt echt dämlich aus, die Zapfpistole um das Auto drumherum zu zerren, obwohl die Richtige frei gewesen wäre ( mach ich jetzt nicht mehr😎).

Ich hoffe der Text ist nicht zu lang und klingt nicht zu sehr nach Selbstmitleid. Es tut einfach mal gut Dinge loszuwerden, über die man sich sonst nicht zu sprechen traut.
Ich denke wenn man das Gefühl hat, ganz alleine mit seinen Problemen dazustehen, dann führt das zu einer destruktiven Denkweise, es schadet dem Selbstwertgefühl und dementsprechend verhält man sich dann auch. Zumindest entdecke ich diese Muster bei mir.

VG

27.04.2026 #1


10 Antworten ↓

Tänzerin82
Hast du schon mal überlegt, wegen des Stotterns zum Logopäden zu gehen?
Ich bin Logopädin, und ich habe mit der Stottertherapie mit Erwachsenen schon gute Erfahrungen gemacht. Man kann zwar das Stottern nicht so "weg-therapieren" wie Lispeln, aber man kann den Redefluss im Sinne von Entspannung und Lockerung erleichtern. Du kannst dann lernen, dir deine ganz eigene, bewusst gestaltete Art zu sprechen anzueignen und diesbezüglich mehr Selbstvertrauen und ein stärkeres Selbstwertgefühl zu bekommen, hinsichtlich des Stotterns gelassener zu werden.

Da fällt mir noch ein besonderer Sprachtherapeut mit einem eigenen Therapieansatz ein, der ein besonderes Verständnis für seine Patienten hat. Er ist nämlich selbst Stotterer und spricht inzwischen richtig gut - sagt aber, er kann das alles gut nachvollziehen, weil er das alles selbst durchgemacht hat: Holger Prüß, Bonner Stottertherapie.

x 3 #2


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Einsamkeit macht traurig

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Merlin85
Hallo Tänzerin. Erstmal danke für deine Antwort.
Ja beim Logopäden war ich schon, hab auch mehrere Therapien hinter mir. Von Del Ferro bis Hypnose alles dabei. Gebracht hat es wenn überhaupt, nur kurzzeitig etwas.
Mir geht es auch nicht primär um die Heilung selbst, die ist in meinem Alter sowieso nicht mehr möglich, sondern wie du auch selbst schreibst, besser damit umgehen zu können.
Aber Danke für den Tipp, werd ich mir mal anschauen

#3


Idefix13
@Merlin85

Bin seitdem ich 4 Jahre bin Stotterer und zu Beginn auch mehr ein Polterer gewesen. Eine Unterart des Stotterns.
Zudem habe ich eine Wortfindungsstörung und sonst auch noch etliche Schwierigkeiten und Diagnosen und durch die Migräne kommt es manchmal zum völligen Verlust der Sprache - sprich Aphasie.

Vielleicht und das sollte wohl immer der erste Schritt sein, herausfinden woher diese Störungen kommen.
Mich haben meine Eltern damals mit 5 oder 6 auch zu einer Therapeutin geschleppt, mit der habe ich dann 3,4 oder 5 mal gesprochen aber die meiste Zeit haben meine Eltern mit der geredet. Nur am Schluss meinte sie, dass das Stottern wieder weg gehen würde. Sie lag falsch..

Poltern: Es entsteht, wenn der Patient oft hängen bleibt, aber er im Gehirn schon beim 3ten oder 4ten Satz ist. Dadurch wird zwar der Fundus der Aufnahmekraft gesteigert, welche Sätze man alles von sich geben will, kommt aber im Grunde nicht über den ersten Satz hinaus. Und so verschluckt man einzelne Buchstaben oder ganze Bindewörter einfach, die Zunge überschlägt sich und man rast durch den ersten Satz.
Resultat im schlechtesten Fall, man muss den Satz nochmal wiedergeben, weil er nicht verstanden wurde und bleibt wieder an den gleichen Stellen hängen. Und schon ist der Teufelskreis geboren..
Im Laufe der Zeit erkannte ich eine Veränderung und zudem gibt es eine Hilfe die der Gegenüber tun kann um mir bei diesem Problem zu helfen, leider wird dies aber von den typischen Organisationen und Stellen bei denen man sich informieren kann - in meinem speziellen Fall - falsch wiedergeben.
Denn die Sagen, dass man die Stotterer ausreden lassen soll, was im Grunde stimmt, aber mir fehlt in fast 80% der Fälle, die innere Aussprache - also die Lautsprache, also wie das Wort "klingt" an dem ich hänge.
Und würde mein Gesprächspartner wissen welches Wort es wäre und er es aussprechen, könnte ich es auch in dem Moment.

Ich denke durch die Vielzahl meiner Alltäglichen Schwierigkeiten in der Kindheit ist das Stottern so in den Hintergrund gerückt, dass ich natürlich durch den schlechten Redefluss, wie auch bei dir gemeiden worden bin oder durch das Raster gefallen bin. Habe aber weniger Wert auf das gelegt, weil es weitaus schlimmere Dinge gab die es zu bewältigen gab und so habe ich angefangen mir ein Archiv von Synonymen in meinem Kopf angelegt. Für jedes Nomen, Verben oder Adjektive habe ich begonnen mir eines bis zwei Synonyme zu merken. Oder Umschreibungen um es durch ähnliche Wörter zu ersetzen die die gleichen Rahmenbedingungen erfüllen.

Es dauerte bis ich dann, als ich 35 Jahre alt war, zu meiner Traumatherapeutin kam. Und dort fand ich den Grund, des Stotterns heraus..

Und jetzt, jetzt ist es eine Eigenart die ich habe. Ich habe sie Akzeptiert. Sie gehört zu mir wie vieles andere. Wie so vieles dass ich akzeptieren musste, damit ich weiter kommen kann. Damit ich nicht weiter feststecke und endlich nach vorne blicken kann und dadurch hat sich auch an Kraft und Stärke verloren.
Es kommt öfters vor, dass ich ohne weiteres zwei, bis 3 ganze Sätze ohne Stocken einfach sagen kann. Und plötzlich bleibe ich hängen. Dann benutze ich mein Archiv und entweder es funzt oder ich muss es umschreiben. Aber gleichzeitig lege ich viel weniger Aufmerksamkeit auf das Stottern und auch das hilft. Und die Menschen, die akzeptieren es so wie ich oder sie haben Pech gehabt. Aus der Ruhe bringen lasse ich mich davon nicht mehr so wie früher. Aber klar, man spürt es trotzdem, wohl weil man damit auffällt. Und weil es einem Bewusst wird.

Habe zu vielen Dingen mir mit der radikalen Akzeptanz helfen können: Das Konzept stammt aus der DBT, der dialektischen Verhaltenstherapie.

Radikale Akzeptanz ist die innere Bereitschaft, die Realität so anzunehmen, wie sie ist, mit all ihren Höhen und Tiefen. Das bedeutet, auch all den Schmerz, die Frustration und Traurigkeit zu akzeptieren, sie nicht zu hinterfragen oder sich nicht dagegen aufzulehnen.
Das heißt, Situationen, die nicht oder nicht mehr geändert werden können, nimmst Du als gegeben hin. Denn Dich darüber aufzuregen oder die Realität zu bekämpfen, bringt Dich selbst aus dem Gleichgewicht und verursacht Leiden. Deine Energie kannst Du an anderer Stelle sinnvoller nutzen.

#4


Merlin85
Ein Leidensgenosse:)

Ich denke diese Odyssee an Logopäden und Therapien hat so gut wie jeder Stotterer durch. Mittlerweile glaube ich, dass das zumindest in jungen Jahren, mehr schadet als nutzt.

Ja da hast du Recht, in der Akzeptanz liegt der Schlüssel zum Glück. Oder zumindest zur Zufriedenheit, das Glück kommt dann von ganz alleine. Da fällt mir dieses ausgelutschte Gelassenheitsgebet ein, das ich jetzt nicht zum Besten geben werde, kennt eh jeder. Ich mag es trotzdem.

Mir hilft der weiche Stimmansatz ganz gut. Worte bei denen ich Schwierigkeiten habe, ersetze ich durch andere. Das führt dann dazu, dass sich mein Satzbau besonders genial, oder ganz besonders dämlich anhört. Wichtig, den Humor nicht verlieren

x 1 #5


Fühlerexperte
Mal was von mir, wie ich dich sehen würde, wenn du mir als Stotterer begegnen würdest:
Mich würde es überhaupt nicht interessieren! Es kommt drauf an ob du nett, höflich, sympathisch bist...offen...natürlich merkt man das nicht bei den ersten Worten, aber schon recht schnell!
Ich könnte mir vorstellen, dass du vielleicht zu viel darüber nachdenkst, was andere denken KÖNNTEN, es aber nicht tun, zumindest nicht viele. Das solltest du immer im Hinterkopf haben im persönlichen Gespräch, am Telefon ist es natürlich anders....

x 1 #6


Merlin85
Jau, in der Theorie gebe ich dir recht, in der Praxis sieht das leider oft anders aus, da der Erste Eindruck entscheidend ist. Eine zweite Chance bekommt man oft nicht.

Mittlerweile bin ich aber gechillter als es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Also ich lasse das nicht mehr so sehr an mich heran. Ganz egal ist es mir trotzdem noch nicht, aber ich arbeite daran.

#7


Panda4
Was würde den Helfen wenn man mit jemand spricht der Stottert?
Wie könnte ich unterstützen ?

x 1 #8


Merlin85
Danke, lieb von dir:).
Ich denke nicht, dass man mir da aktiv helfen kann. Diesen Weg muss ich alleine gehen und meine Einstellung dazu ändern. Ich wollte nur ein wenig jammern 😂.

Ich war eine Zeitlang in einem Forum für Stotterende Menschen aktiv. Es tat gut sich mit Leuten auszutauschen die einen verstehen, und die teils echt schrägen Verhaltensmuster die man im laufe der Zeit entwickelt hat, kennen. Trotzdem bringt einen das nicht weiter, man bewegt sich innerhalb dieser Blase. Am Problem selbst, das ja eigentlich nur im Kopf stattfindet, ändert es nichts.

#9


Abendschein
Kinder machen sich vielleicht lustig, über einen der Stottert. Wenn ich Dir begegnen würde, würde ich denken,
derjenige stottert, da brauche ich jetzt ganz viel Geduld zum Zuhören, weil es eben etwas langsamer geht.
Nicht schlimm, ich kann gut Zuhören und bin geduldig.. Traue Dir mehr zu. Probiere aus, überwinde Deine Hürde.
Wenn Dir einer doof kommt und nicht warten kann, ja dann eben nicht.

#10


Merlin85
Zitat von Abendschein:
Wenn ich Dir begegnen würde, würde ich denken, derjenige stottert, da brauche ich jetzt ganz vi...


Das ist eben genau das womit ich am meisten Probleme habe. Mein Gesprächspartner muss Rücksicht auf mich nehmen. Damit komme ich am wenigsten klar, da es ein Gefühl von Bedürftigkeit vermittelt.

Als Entschädigung würde ich ihm ja gerne ein Snickers anbieten, falls es doch mal länger dauert. Wäre aber auch komisch irgendwie.

#11


A


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Dr. Reinhard Pichler
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