App im Playstore
Pfeil rechts
×

Lieber Forenbesucher,

dieses Forum dient dazu, Menschen zu unterstützen und Austausch zu ermöglichen. Wer Hilfe braucht, findet sie hier, und wer helfen möchte, ist willkommen. Moderatoren achten darauf, dass der Umgang respektvoll bleibt. Für eine angenehme Atmosphäre sind verständnisvolle, ermutigende und einfühlsame Beiträge explizit erwünscht. Verletzende oder verurteilende Beiträge sind nicht erlaubt.

18

Merlin85
Hallo Zerdenker
Nomen est omen, dein Profilname würde ganz gut zu mir passen, jedenfalls besser als der Zauberer. Wollen wir tauschen 😂?
Ja da hast du recht, von Oberflächlichkeiten kann sich niemand freisprechen. Der erste Eindruck entscheidet in welche Schublade man gesteckt wird.
Keiner geht gerne mit seinen Unzuläglichkeiten hausieren. Warum nicht? Klar, weil die Schokoladenseite eine Schublade in den oberen Reihen ermöglicht. Aus diesem Grund hat das Knüpfen neuer sozialer Kontakten viel mit Schauspiel und Tarnung zu tun. Zumindest ganz am Anfang. Ich denke, das läuft völlig unterbewusst ab und es macht in einem gewissen Maß so ziemlich jeder.
Die meisten Menschen können ihre Schwäche ganz gut verstecken, ich trage meine auf der Zunge. Und genau darin liegt mein Problem, ich bin sprichwörtlich wie der Elefant im zwischenmenschlichen Porzellanladen😂.
In meinem vertrauten Umfeld bin ich meistens flüssig und ich bin froh und dankbar, trotz der Tatsache dass ich mich manchmal einsam fühle, dass es Menschen gibt, die mich so annehmen wie ich bin.

#21


Zerdenker
Du kannst deine Unzulänglichkeit nicht verbergen, es mit keinem Lächeln überspielen oder mit einem Mantel überdecken.
Du hättest gerne einen Platz in den oberen Reihen der Schubladen, so wie wir alle. Denkst du nicht, du bekämst diesen in Form von Anerkennung oder Respekt allein für einen selbstbewussten Umgang mit dem Stottern? Auf mich jedenfalls würde es Eindruck machen, auch weil ich deine Gefühle und Gedanken dahinter gut verstehen kann.

Ich bin nicht sonderlich groß und versuche meist, mit Scherzen diese Schwäche, unter der ich leide, zu etwas werden zu lassen, dem keine allzu große Beachtung gegeben wird. Vielleicht könnte auch dir das mit deiner Sprachstörung gelingen.

Dass du in deinem gewohnten Umfeld meist flüssig sprechen kannst, zeugt von großem Vertrauen und Wohlfühlen. Das freut mich sehr für dich! Unter deinen Freunden musst du nichts vorgeben und darfst dir gewiss sein, dass du ohne lästige Blicke oder Fragen gemocht wirst.
Es sind die Fremden, die dir Sorgen bereiten, weil sie dich nicht kennen und du sie nicht. Du kannst nicht einschätzen, wie sie reagieren und ob sie dir wohlgesonnen gegenüber sein werden. Es reicht manchmal nur ein Wort oder Blick, um zu verletzen. Zwar ist das hinlänglich bekannt, trotzdem macht sich kaum jemand Gedanken darüber, dass auch wir Verursacher solcher Verletzungen sein können.

Du schreibst von Schauspiel und Tarnung, was nachvollziehbar und dennoch traurig ist. Das Stottern verschwindet nicht, wenn du versuchst, jemand anderes zu sein. Es entsteht nur eine Diskrepanz, die spürbar ist, wenn auch für den Betrachter nur schwer in Worte zu fassen.

Wenn ich einem erwachsenen Mann, der stottert, begegnete, würde ich ihn nicht schlechter behandeln als andere. Dennoch käme ich mir vermutlich die Frage auf, warum er noch stottert und anscheinend nicht die Logopädie in Anspruch genommen hat.
In einer deiner vorherigen Ausführungen habe ich gelesen, dass schon viele Behandlungsversuche unternommen wurden und leider nichts auf Dauer den gewünschten Erfolg erzielen konnte. Vielleicht könntest du auch das bei neuen Begegnungen erwähnen. Wenn du von dir aus auf dein Stottern und fehlgeschlagene Versuche der Korrektur aufmerksam machst, kann das Vorurteile nehmen und du wirkst zudem selbstbewusster.
Dein Gedanke dabei könnte "Ich stottere. Ja, und?" sein, du musst ihn nur verinnerlichen.

Ich weiß, mein Rat mag schön klingen, wenn du ihn liest, ihn allerdings in die Tat umzusetzen, ist nicht leicht. Kleinste Dinge können eine so große Verunsicherung hervorrufen, dass man sogleich jeden Mut verliert und das Wort einem nur noch schwerer über die Lippen kommt. Deswegen könntest du vielleicht mit deinen Freunden versuchen, zu proben.
Ihr könntet zusammen in ein Café gehen, in dem ihr zuvor noch nicht wart und du bestellst für die Runde den Kuchen. Du könntest du auch als Übung vorgeben, nicht ortskundig zu sein und andere nach dem Weg fragen. Ich weiß, das braucht Überwindung, aber vielleicht gelingt es dir auf diese Weise, deine Scham zu verringern.

Das Stottern ist nur ein Teil von dir, du bist aber nicht ein Teil deines Stotterns.

x 1 #22


A


Einsamkeit macht traurig

x 3


Merlin85
Nein, es geht mir nicht um einen Platz in den oberen Schubladen, oder darum jemand anderer sein zu wollen, weil ich nicht selbstbewusst genug bin.
Selbstbewusstsein ist ein Überbegriff, der bei genauerem hinsehen und ohne plumpe Pauschalisierung ein breites Spektrum erfasst.
Wenn ich mein Bad neu fließe, bin ich selbstbewusst weil ich das oft gemacht habe und weiß dass ich es gut kann.
Auf sozialer Ebene erhältst du Feedback von deinen Mitmenschen, erst dadurch entwickelst du einen Teil deines Selbstbewusstseins. Wie du selbst geschrieben hast, geht das mit den Schubladen recht schnell. Ist dieses Feedback nur aufgrund deiner Schwäche oft negativ, selbst wenn du offen und selbstbewusst damit umgehst, entwickelt sich mit der Zeit ein negatives Selbstbild.
Klar ist es einfach zu sagen, hey steh da drüber und mach dir nichts daraus. Klingt im ersten Moment furchtbar gut, nur lässt man da den Faktor Mensch und dessen Verletzlichkeit außen vor. Ein Mensch ist kein Roboter, der sich steril den Gegebenheiten anpassen kann.
Meine Intention hier zu schreiben war nicht die Hoffnung auf Hilfe. Ich sollte am besten wissen wie ich damit umgehe. Ich wollte einfach nur auf das Thema aufmerksam machen, auch weil es mich natürlich sehr beschäftigt und andere Betroffene auch. Wenn ich den ein oder anderen dafür sensibilisieren konnte, hab ich schon gewonnen und mein Ziel erreicht:)

#23


Zerdenker
Die Unberechenbarkeit des Menschen wird oft vernachlässigt, leider.

#24






Dr. Reinhard Pichler
App im Playstore