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Hallo, ich fange gleich an mein Problem zu schildern.

Ich will mich von vergangenem loslösen. Meine Gesamte Kindheit hindurch habe ich gelitten. Immer wieder. Ich habe daran gelitten, dass ich nicht beachtet wurde, dass sich keiner ausreichend für mich interessierte, dass ich nicht geliebt wurde und daran, dass ich kaum glückliche, gemeinsame Momente erleben durfte. Immer war etwas worüber man sich sorgen machte oder etwas worüber man stritt. Heute finde ich mich in einer Zwickmühle wieder. Ich merke wie ich diese Muster selbst reproduziere.
Ich finde mich in Momenten wieder in welchen ich in meinem Freund negative Intention und Verhaltensweise unterstelle, ohne dass er tatsächlich irgendetwas getan hat. Es ist so als würd mein Verstand ausschalten und alles reale verschwinden. Ich finde mich in der Position wieder, in welcher ich erwarte, dass ich sowieso verletzt werde. Dass ich nicht gehört werde. Sobald sich dieses Gefühl in mir ausgebreitet hat verfalle ich in einen automatisierten Selbstschutz Modus. (zumindest fühlt es ich wie automatisiert an) Das bedeutet, dass ich auf meinen Partner losgehe, dass ich ihn beschuldige, ihm falsche annahmen unterstelle und damit verletzte. Ich bin fähig aus jedweder Situation ein Problem zu machen, nur um einen Beweis dafür zu finden, dass er eigentlich nicht zu mir steht. Ich möchte in diesem moment Liebenbeweise und Aufmerksamkeit. Ich identifiziere dies als Eifersucht. Es ist furchtbar.

Als Beispiel; wir waren auf einer Geburstags Feier einer seiner freunde. Ich kannte nur wenige und entschied für mich nach einigen Stunden Tanzen und etwas smalltalk, dass es eher langweilig ist und da es eh schon halb 2 in der Nacht ist, dass ich nachhause gehe. Er blieb, wir machten aber ab, dass er bei mir schläft. Ich ging schlafen. Um sechs in der Früh wachte ich auf und merke, dass er immer noch nicht da ist. Sofort springt mein Gedankenkarusell an und ich sehe wildeste Afterpartys vor mir. Kurz darauf kam er tatsächlich durch die Türe und ging sofort in die Dusche. Wiederum sprangen meine Gedanken, weshalb er sich so dringend abwaschen muss. Weiters als er auf dem Weg ins Bett war, sagte ich Kurzerhand, mir wäre es lieber wenn er bei sich schlafen würde. Da ich bald aufstehen möchte. (Einzimmerwohnung) Er regte sich kurz auf, dass ich es erst sagen wenn er sich schon Bettfertig gemacht hat, drehte sich aber um, um den Schlüssel zu suchen und sich wieder anzuziehen. Jetzt kommt der springende Punkt. Plötzlich überkommt mich ein Gefühl dass ich nicht möchte, dass er geht, es tut mir leid dass ich es gesagt habe. Um meine inneren Bilder im Kopf aufzulösen möchte ich jetzt eigentlich nur nähe. Anstatt dies in Worte zu fassen sage ich, dass es mir nicht sogut geht und dass ich es schade finde, dass er mich am Abend den Leuten nicht wirklich vorgsteltellt hat. Ich mache einen vorwurf. Und los geht der Streit. Er meint dass ich ihm doch bitte jetzt kein Problem machen soll. Ich meine er sieht meine Seite nicht, die situation eskaliert.

Schon minuten wenn nciht sogar Sekunden nachdem ich das sage fühle ich mich schlecht, mir wird bewusst, dass ich ihm etwas zum Vorwurf mache, das nichts mit ihm zutun hat. Es ist meine eigene innere Angst die ich auf ihne projeziere und bekämpfe. Es sind genau die selben dinge wie in meiner Kndheit die ich, ihm plötzlich, situaitons unabhängig vorwerfe weil mich eine unsicherheit und angst überkommt.

Dabei bin ich nun Erwachsen und bewege mich in einem ausgewählten Umfeld, wenn mir jemand ungutes tut, dann distanziere ich mich von der Person. Ich bin ein aktiver Akteur, der sich selbst aussucht mit wem er Zeit verbringt. Ich kann mich heute selbst schützen, im Gegensatz zur Kindheit.
Mir ist bewusst, dass die angst, die so groß ist, dass sie manchmal meine Realität verschluckt, früher notwendig war um mit meinem Umfeld umzugehen, um mich zu schützen und nicht jedes mal aufs neue enttäuscht zu werden. Aber heute passt sie mir nichtmehr. Wie einen zu klein gewordenen Schuh sollte ich sie ausziehen und wegwerfen. Aber egal wie oft ich zu der Erkenntnis komme, das Wissen scheint mir nicht zu Helfen. Immer wieder, überfällt sie mich und fängt an auf meine Wunden zu drücken. Plötzlich scheint die Welt, mein gegenüber, mir böses zu wollen und ich bin Opfer. Es fühlt sich an wie ein inneres Rasen, ein Gefühl zwischen Händen und Kehle, Hals und Brustkorb, es pulsiert. Aus dem nichts fühlt es sich so an, als wäre ich bereits verletzt und ich müsste es nur noch herausfinden.

Ich bin Ratlos, mein freund distanzier sich, zu recht, jedes mal wenn ich auf ihn grundlos losgehe. Abgesehen von den Aussetzern haben wir es unglaublich schön, ich wünsche mir dass wir weiterhin zusammenbleiben. Dennoch verstehe ich wenn es ihm zuviel ist, er leidet sehr daran. Ich leide sehr daran. Ich muss für mich, für ihn, für alle anderen Menschen in meinem Umfeld lernen die Trigger der Angst zu verstehen und loszulassen. Bisher hat aber kein Versuch ganzheitlich funktioniert. Ich befinde mich bereits in Therapie, dort spreche ich meine Eifersucht regelmäßig an. Ich habe aufgehört zu trinken, da ich meistens im Betrunkenen zustand in der Angst versank. Ich versuche zu meditieren. Und immer noch finde ich mich in den selben Situationen wieder. Es macht mir Angst wie machtlos ich gegenüber dieser Macht manchmal bin.

Aus dieser Angst meinen Freund weiterhin zu verletzten und bin ich kurz davor mich von ihm zu trennen. Ich ertrage nicht weiter, was ich ihm antue.

Mein Selbstwert war und ist schon lange ein großes Thema für mich. Ich agiere momentan slebsbewusster und sicherer als je zuvor. Dennoch weiß ich, dass ich noch mehr Selbstvertrauen gewinnen kann. Manchmal bin ich verzweifelt, dass ich trotz meiner intensiven Selbsarbeit weiterhin immer wieder die eomotionale Kontrolle verliere. Manchmal schaue ich zurück und sehe wieviel ich dadurch schon erreicht habe und bin guter Dinge, dass es nur noch eine Zeitfrage ist, bis auch diese Angst keinen kontrollverlust mehr bedeuten.

Ich weiß nicht genau, was ich mir von dem Forum erwarte, vermutlich hoffe ich auf Tipps, wie ich die akuten "Wahnvorstellungen" in meinem kopf unterbreche kann. Mein Ziel ist es diese nichtmehr nach außen hin auszuleben. Das bringt wirklich niemandem etwas. Was hilft euch? Was half euch? Gab es etwas das eurem Partner half?

09.07.2021 14:06 • 25.07.2021 #1


8 Antworten ↓


Wenn man sich liebt gibt es immer einen Weg....gemeinsam kann man vieles erreichen....zunächst musst du bei dir anfangen,mit Unterstützung.

09.07.2021 14:14 • x 2 #2



Emotionaler Kontrollverlust und Eifersucht

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cube_melon
Zitat von Pow:
ch will mich von vergangenem loslösen. Meine Gesamte Kindheit hindurch habe ich gelitten. Immer wieder. Ich habe daran gelitten, dass ich nicht beachtet wurde, dass sich keiner ausreichend für mich interessierte, dass ich nicht geliebt wurde und daran, dass ich kaum glückliche, gemeinsame Momente erleben durfte. Immer war etwas worüber man sich sorgen machte oder etwas worüber man stritt. Heute finde ich mich in einer Zwickmühle wieder. Ich merke wie ich diese Muster selbst reproduziere.

Durch so was kann ein Bindundungs- /Entwicklungstrauma entsehen.

Deine Annahmen sind irreal. Irrealität begegnet man mit Achtsamkeit und der Wiederherstellung der Realtiät.
Um die Impulse zu unterbrechen gibt es z.B. die sog. Stoppschild Methode.
Dem Gefühl des verlassen werdens kann man mit dem Kontakt zu sich selbst und den inneren Anteilen verbessern.

09.07.2021 15:39 • x 2 #3


Icefalki
Zitat von Pow:
Aus dieser Angst meinen Freund weiterhin zu verletzten und bin ich kurz davor mich von ihm zu trennen. Ich ertrage nicht weiter, was ich ihm antue.


Das ist MIMIMI. Lass das sein.

Bleib reflektiert und suche nach Möglichkeiten, wie du deine Verlustängste besser händeln kannst. Man kann miteinander reden, miteinander Strategien vereinbaren, man kann so vieles. Aber den anderen wegstossen, um nimmer selbst leiden zu müssen, ist genau das, was du in deiner Kindheit erlebt hast. Oder?

Also, umdenken und an sich arbeiten wollen. Dann wird das besser. Dauert, aber ohne Arbeit an sich wird das nix.

09.07.2021 16:50 • x 3 #4


Ja definitiv.

Danke, ich werde mir ein paar Strategien ausdenken.

09.07.2021 17:28 • x 1 #5


FeuerWasser
Zitat von Pow:
Um meine inneren Bilder im Kopf aufzulösen möchte ich jetzt eigentlich nur nähe. Anstatt dies in Worte zu fassen sage ich, dass es mir nicht sogut geht und dass ich es schade finde, dass er mich am Abend den Leuten nicht wirklich vorgsteltellt hat. Ich mache einen vorwurf. Und los geht der Streit. Er meint dass ich ihm doch bitte jetzt kein Problem machen soll. Ich meine er sieht meine Seite nicht, die situation eskaliert.

Es ist positiv, dass du so selbstreflektiert bist um zu erkennen, dass deine Angst nichts mit ihm zu tun hat. Das ist eine große Erkenntnis mit der man arbeiten kann. Du schreibst, dass es eine Frage der Zeit wäre bis durch die Angst kein Kontrollverlust mehr besteht. Wenn es für dich eine absehbare ist warum solltest du dann die Beziehung beenden wollen? Wäre es dann nicht gerade jetzt der richtige Zeitpunkt um sich festzuhalten und an der Beziehung zu arbeiten und miteinander zu kommunizieren?

Zb die Situation als er von der Party nach Hause kam.... Für solche Momente solltest du dir eine Strategie zurecht legen. Einfach mal nichts sagen, still sein und wenn du dir auf die Zunge beißt. Es ist nicht ratsam immer alles elends lang auszudiskutieren und schon gar nicht um 6:00 Uhr morgens wenn man im Grunde nur noch schlafen will. Ich kann gut verstehen wenn er dann sauer ist und dir geht es hinterher auch nicht besser. Was könnte schlimmstenfalls passieren in deinen Horror Vorstellungen?

16.07.2021 10:36 • x 1 #6


Danke dir für deine Antwort.

Tatsächlich haben wir uns jetzt auf eine Paartherapie geeinigt. Diese wird dringend notwendig sein, da seit dem letzten Streit keine normalität eingekehrt ist. Er hat sich seither sehr distanziert und nur 3 mal nähe in Form von treffen zugelassen. (telefonsich haben wir aber täglich Kontakt) Bei den Treffen hat er mich wiederhohlt beschuldigt, da ich ihn seit einem Jahr immer wieder in die selben Situationen bringe. Er sagt dass es es nichtmehr aushalten kann. Er sagt, dass er keine falschen besserungs Versprechen mehr von mir hören möchte und dass nur mein handeln zählt.

Er argumentiert, dass ich den Kampf vollends alleine lösen soll, da es sonst passieren kann, dass wir krankhafte Strukturen legitimieren und in ihnen verharren. Diese Angst kann ich absolut nachvollziehen und befürworten. Es bedeutet aber, dass ich meine Ängste wirklich nur mit mir alleine ausmachen muss.

Selbst während des distanzierten Kontakts habe ich wiederkehrende Ängste bzw. Eifersucht erlebt. Jedes mal wieder war sie so unbegründet, wie die oben beschriebene Situation. Aus dem Gedankenlabyrinth habe ich seither zwar ohne größeres anzurichten wieder herausgefunden, leicht war es aber nicht. Manchmal war abwarten und durchstehen die einzige lösung. Leider.

Ich trage momentan ein Gummiringerl um mein Handgelenk, dass kann ich schnalzen lassen wenn mir bewusst wird, dass mich wieder ein Gedankenkarusel überfällt. Dadurch wird mir etwas bewusster wie oft meine Gedanken abdriften und tun was sie wollen, es ist erschreckend. Ich habe riesen Angst erneut etwas anzurichten und dann die Beziehung zu verlieren.

21.07.2021 20:09 • #7


Erschreckend ist, dass die Ängste komplett Situationsunabhängig ablaufen. Egal was passiert, egal was getan wird, sie überfallen mich immer wieder. Es können alltägliche interaktionen Lebensbedrohliche Gefühle in mir auslösen. Ich bin niergendswo davor sicher. Es ist wirklich zum schreien.

Die einzige möglichkeit mich zu schützen wäre auf jegliche Menschliche Bziehungen zu verzichten. Das ist aber keine Lösung.

Wie lässt sich auf dieser Basis ein Urvertrauen aufbauen? Das ist wirklich alles was ich will. Vertrauen, Ruhe & Klarheit.

22.07.2021 00:06 • #8


zukunft-2021
Zitat von Pow:
Erschreckend ist, dass die Ängste komplett Situationsunabhängig ablaufen. Egal was passiert, egal was getan wird, sie überfallen mich immer wieder. Es können alltägliche interaktionen Lebensbedrohliche Gefühle in mir auslösen. Ich bin niergendswo davor sicher. Es ist wirklich zum schreien. ...

Genau die richtigen Worte

Gerade eben • #9




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