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Ich war ein Unfall!
So oder so ähnlich kann man das nennen. Meine Zeugung war völlig ungeplant, die Schwangerschaft unerwünscht und als Kind war ich so ungewollt wie ein Hundehäufchen unter der Schuhsohle.

Kindheit und Jugend verbrachte ich mit dem Wissen, dass egal was ich mache, sowieso Alles falsch ist. Ich musste mir ständig vorwerfen lassen dass ich existiere, eine Belastung bin. Und natürlich dass ich Geld koste. Selbst meine insulinpflichtige Diabetes, die ich im Alter von 5 bekam, warf man mir vor.

Mein Bruder dagegen war der Traumprinz meiner Mutter. Er wurde gefordert schulisch, bekam sein Leben lang den Hintern nachgetragen und da ich das mit ansehen musste kann ich so ehrlich sein und sagen: Ich hasse ihn heute noch dafür.
Mein Vater war ein Säufer, schwer aggressiv und finanziell mittellos. Der Vater meines Bruders dagegen war finanziell recht gut dabei. Und das war eins der Dinge die für meine Mutter zählten: Geld.

Ich habe mich mit Mitte 30 von meiner Familie gelöst, es war ein schwerer Weg mich aus der Gedankenwelt zu befreien, dass ich es bin, die falsch ist. Eine 13 Jahre lang andauernde Beziehung zu einem Mann (ich war nie ein Kind von Traurigkeit früher was Männer angeht, aber diese Beziehung war die längste und auch die prägenste) hat dann noch mal in genau die selbe Kerbe gehauen denn diese Beziehung war toxisch. Knapp zwei jahre habe ich gebraucht um das zu verarbeiten.

Ich selbst kann mich heute annehmen und mich lieben. Ich bin jetzt 46. Aber ich fühle mich immer unerwünscht. Auch jetzt, beim schreiben. Da tauchen Fragen auf. Fragen wie, was ist, wenn ich mich mit dem Text blamiere ? Was ist, wenn ich andere Menschen damit so abschrecke dass ich nicht mehr her kommen darf ?

Meine soziale Phobie steht mir öfter mal im Weg. Beim Zug fahren zum Beispiel. Dann habe ich so Angst vor den Mitmenschen, dass ich mir einrede, dass ich ja gar nicht fahren will und es Zuhause ja auch schön ist. Heute musste ich bestellte Fotos im Dro. Markt abholen. Technisch kein Problem. Aber ich hatte Zuhause zwei Stunden auf mich eingeredet dass die Frau an der Kasse mich nicht merkwürdig finden wird. Und genau so kam es dann auch. Hinterher war ich völlig irritiert weil ich mich selbst schon wieder zwei Stunden selbst blockiert habe. Zwei Stunden meiner wertvollen Lebenszeit habe ich mit sowas verbracht.

Ich wollte mal fragen, ob es hier noch andere Menschen gibt, die als Kind fühlen mussten unerwünscht zu sein. Wenn ja, wie geht Ihr damit um ? Wo schränkt es Euch in Eurem heutigen Leben noch ein ? Sind Depressionen, Bindungsängste oder Angststörungen eine Folge ? Habt Ihr Selbstbewusstsein entwickeln können ? Wie schaut es aus mit Beruf oder Ausbildung ?

21.01.2023 21:46 • 04.02.2023 x 6 #1


118 Antworten ↓


Herta_Emmi
@Tosch ja ich war auch nicht so gewünscht eher gehasst
Ich war viel krank und hatte zum Beispiel Probleme beim sprechen und bekam Logopädie, als Kleinkind begonnen.
Der erste Logopäde empfahl meiner Mutter die zweisprachige Erziehung aufzugeben, weil ich sonst nie richtig sprechen werden kann,
Ich bekam, dass immer wieder gesagt, wegen dir musste ich das aufgeben
Oder halt noch andere Dinge wegen dir, konnten wir das und das nicht machen.
In Urlauben kam ich zur Oma mit der Begründung, damit wir Ski fahren können, du kannst das mit der Grobmotorik eh nicht es reicht schon, dass wir dich zur KG fahren müssen
Geglaubt hat man mir nicht, die erfundenen Lügen wurde dann geglaubt
Zu Weihnachten und Geburtstag bekam ich nie was ich mir gewünscht hatte, so bekam ich mit meiner gestörten Motorik, die man mit vorwarf Origami Papier….
Viele Kleinigkeiten, wo ich gemerkt habe, ich als Kind mit vielen Erkrankungen war nicht gewünscht, wäre ich gesund gewesen, wäre ich bestimmt ein Wunsch Kind

21.01.2023 22:06 • x 3 #2


A


Als Kind unterwünscht zu sein - Erfahrungen

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Du sprichst mir so aus der Seele!

Ich habe im Okt. 22 den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen, der eine Bruder meldet sich sporadisch mal, der andere gar nicht.
Es ist eine sehr lange Geschichte, Kindheitstrauma, Mobbing in der Schule, fehlendes Selbstwertgefühl, generalisierte Angststörung, Depressionen, Perfektionismus, Sozialphobie, Bullemie, Verlustangst, etc.. waren die Folge.
Ich hab zu kämpfen, aktuell sehr mit der Hypochondrie und der Selbstliebe.
Seit Donnerstag nehme ich Escitalopram, bin über 3 Jahre in Therapie und 2013 sowie 2020 in einer Tagesklinik.
Ausbildung habe ich keine abgeschlossene, hatte in der Schule oft gefehlt weil ich Angst vor den Mitschülern hatte, zu Hause hatte ich Angst, so dass ich mich während der Schulzeit im Wald rumgetrieben hab.
Die Angst vor zu Hause war die Gewalt, sollte damals ein Junge werden, wurde ich aber nicht und das habe ich immer zu spüren bekommen. Egal was meine 2 Brüder gemacht haben, ich wurde grün und blau geschlagen.
Wenn ich in der Schule war, dann konnte ich nie dem Unterricht folgen weil sehr oft über mich gelästert wurde, zudem bespuckt, beleidigt, Sachen geklaut,... .
Mit 13 oder 14 hatte mein Vater mein Meerschweinchen gegen das Hoftor geschmissen.
Ich hatte zuvor Hausaufgaben gemacht, er kam wiedermal genervt von Arbeit, kam ins Zimmer und sah, dass 2 Murmeln vor dem Käfig lagen. Er schrie mich an dies sofort wegzuräumen. Ich sagte ja, mach ich sofort, wollte nur noch schnell Schulzeug fertig machen. Keine 10 Minuten später kam er wieder rein, schnappte sich mein Meerschweinchen, bin noch hinterhergelaufen und musste es dann aber mit ansehen, war nicht mehr schnell genug.
Seitdem hatte ich dann endgültig einen Knacks weg.


Ich bin aktuell 35 Jahre alt, verheiratet, Kinder und geh seit 3 Monaten als Minijobber arbeiten.
Ich hab bisher noch nie eine Vollzeitstelle gehabt, aus Angst wie damals vor den Mitmenschen.

Meine Therapeutin erklärt mir quasi seit 3 Jahren, wie die Welt wirklich ist!

21.01.2023 22:18 • x 4 #3


T
Zitat von Herta_Emmi:
Geglaubt hat man mir nicht, die erfundenen Lügen wurde dann geglaub

Oh man...
Und das ist so schlimm, ich kannte das auch.

Ich muss jetzt immer noch Beweise schicken weil ich sonst denke, mir wird nicht geglaubt.

21.01.2023 22:20 • x 1 #4


Herta_Emmi
@Teddy87 was ich daraus entwickelt habe ist Phantasie, die Phantasie hat mir geholfen, ich bin abgetaucht in meine Welt
Ich bin mit Hanni und Nanni groß geworden und habe abends mir vorgestellt ich komme zu Hanni und Nanni ins Internat und die beiden retten mich. Wohlwissend es ist die Phantasie, im realen Leben gibt es das nicht enyd blayton hat mir damit meine Nächte gerettet

21.01.2023 22:27 • x 3 #5


T
@Herta_Emmi bei mir ist es Harry Potter . Aber erst heute, meine Therapeutin sagt immer, ich wäre Harry Potter und die ganzen schlechten Gedanken durch die Kindheit ist Voldemort.
Liebe zu sich selbst ist da das oberste Gebot, aber das dauert..

21.01.2023 22:31 • x 1 #6


T
Zitat von Tosch:
Ich wollte mal fragen, ob es hier noch andere Menschen gibt, die als Kind fühlen mussten unerwünscht zu sein. Wenn ja, wie geht Ihr damit um ? Wo schränkt es Euch in Eurem heutigen Leben noch ein ? Sind Depressionen, Bindungsängste oder Angststörungen eine Folge ? Habt Ihr Selbstbewusstsein entwickeln können ? Wie schaut es aus mit Beruf oder Ausbildung ?

Wie sieht es bei dir aus, wenn ich fragen darf?

21.01.2023 22:32 • x 1 #7


T
Zitat von Tosch:
Aber ich fühle mich immer unerwünscht. Auch jetzt, beim schreiben. Da tauchen Fragen auf. Fragen wie, was ist, wenn ich mich mit dem Text blamiere ? Was ist, wenn ich andere Menschen damit so abschrecke dass ich nicht mehr her kommen darf ?

Also ist bei dir auch dieses was könnten andere denken ganz hoch im Kurs?

21.01.2023 22:33 • #8


T
Zitat von Teddy87:
schnappte sich mein Meerschweinchen, bin noch hinterhergelaufen und musste es dann aber mit ansehen, war nicht mehr schnell genug.

Ich bin mit 19 ausgezogen, seit ich 21 war lebe ich mit Meerschweinchen zusammen. Also 25 Jahre jetzt. Ich liebe diese Tiere über Alles. Wer sich an diesen zarten Wesen vergreift hat in meinen Augen jedes Recht verloren, weiterhin noch als Mensch behandelt zu werden. Jeden weiteren Kommentar erspare ich mir dazu.

Zitat von Teddy87:
Ausbildung habe ich keine abgeschlossene,

In der Schule hatte ich nie Probleme, sowas wie Mobbing etc ist mir zum Glück erspart geblieben. Aber nach der Schule, wurde ich ja sozusagen auf die Zivilisation losgelassen. Und da kam ich gar nicht klar. Aufgrund guter Schulnoten habe ich vier Ausbildungsplätze bekommen, aber in keinem habe ich länger durchgehalten als die Probezeit. Warum ? Angst ! Wenn das Telefon ging habe ich mich versteckt, und wenn jemand rein kam auch. Einmal hat mich damaliger Chef mich erwischt wie ich mich hinter der Tür versteckt habe aus Angst, dass mich jemand sieht. Irgendwie haben alle damals gedacht ich sei verrückt. Ernst genommen hat das niemand. Zuhause gab es dafür noch Ärger ohne Ende weil ich immer so eine Welle mache.

Zitat von Herta_Emmi:
In Urlauben kam ich zur Oma mit der Begründung, damit wir Ski fahren können, du kannst das mit der Grobmotorik eh nicht

Ich auch. Zur Oma. Weil mit nach Österreich durfte ich nicht. Man stelle sich vor ich wäre dort unterzuckert. Dann hätte ich denen (Mutter, Bruder, Vater von Bruder) wohlmöglich den Urlaub verdorben.

Mit 14 bekam ich Ärger weil ich noch schulpflichtig war, ich hätte statt dessen lieber putzen gehen sollen etc.... zugetraut wurde mir nie etwas. Mit 12/13 machte meine Klasse einen Ausflug in den Starlight Express. Es hieß, wenn ich die nächsten drei Klassenarbeiten mit mindestens einer Drei schaffe dann bekomm ich das Geld für den Ausflug. Alle drei Arbeiten schrieb ich eine Zwei. Das Geld bekam ich dann natürlich nicht. Meine Oma fragte, warum mir dies erst verprochen wurde und dann doch nicht gehalten. Begründung meiner Mutter: Ich habe gedacht, die schafft das sowieso nicht ! Noch heute habe ich Wut wenn ich Werbung sehe für den Starlight Express. Und davon haben wir im Ruhrgebiet wirklich viel von.

Zitat von Teddy87:
Also ist bei dir auch dieses was könnten andere denken ganz hoch im Kurs?

Aber ganz hoch !

21.01.2023 22:41 • x 3 #9


T
@Herta_Emmi und @Tosch

Das tut mir so Leid, dass ihr auch so eine schreckliche Kindheit hattet!

21.01.2023 22:58 • x 3 #10


Herta_Emmi
Hier sind einige, denen , es ähnlich erging.
Ich bin froh dieses Forum gefunden zu haben!
Die Hilfe, die ich hier erfahre, ist einfach schön,!
Das Tagebuch zu schreiben tut gut,als Kind ging das nicht,wo hätte ich es verstecken können, und nun hilft es mir

21.01.2023 23:10 • x 3 #11


T
@Herta_Emmi allgemein Sachen aufschreiben, soll wohl ganz hilfreich sein.

21.01.2023 23:17 • #12


Relm
Ich war ebenfalls unerwünscht.
Als ich meiner Mutter mal die Frage stellte, ob sie doch ein bisschen froh wäre, mich bekommen zu haben, antwortete sie, es wäre ihr egal gewesen.
Es ist bedrückend zu wissen.
Ansonsten war meine Kindheit/Jugend geprägt von schwierigen und sehr verletzenden Situationen.
Meine Schwester hingegen war ein Wunschkind. Das spüre ich noch heute.

21.01.2023 23:57 • x 3 #13


M
Zitat von Tosch:
Ich wollte mal fragen, ob es hier noch andere Menschen gibt, die als Kind fühlen mussten unerwünscht zu sein. Wenn ja, wie geht Ihr damit um ? Wo schränkt es Euch in Eurem heutigen Leben noch ein ? Sind Depressionen, Bindungsängste oder Angststörungen eine Folge ? Habt Ihr Selbstbewusstsein entwickeln können ? Wie schaut es aus mit Beruf oder Ausbildung ?

Gesagt wurde es mir mit den Worten nicht. Gezeigt schon.
Bindungsängste:. Ja. Freundschaftlich und Partnerschaftlich. Weiterhin die Neigung, mir für mich selbst toxische Partner zu wählen. War bei der letzten Beziehung so geschockt, das es nach Jahrzehnte Therapien immer noch passiert, dass ich mich seit dem nimmer getraut habe (gut 7 Jahre jetzt). Ich kann nicht Vertrauen. Ich warte darauf, das etwas passiert. Wie damals. Da kamen ja immer Aktionen aus dem Nichts. Urplötzlich. Ohne Vorwarnung. Zack. Auch in der Schule. Naja, meine Schulzeit (extremes Mobbing) habe ich, wie den ganzen anderen Kram immer nur in Ansätzen in Therapien besprochen. Einerseits Angst vor der Angst. Anderseits schäme ich mich dafür. Ich habe 1x gezählt, von wie vielen Menschen ich gemobbt wurde. War nicht das Klügste, was ich getan habe. Förderte nur das alle haben Recht. Ich bin sch.....
Ich war viele, viele Jahre lang ziemlich Essgestört (Bulimie / Magersucht), div. andere psych. Erkrankungen. Habe mit Ende 20 erst alles Berufliche + Schulische nachgeholt. Ohne meinen damaligen Therapeuten gäbe es mich jetzt garantiert auch nimmer. Und nein, ich idealisiere ihn nicht. Ich weiß immer noch, was mich alles an ihn genervt hat. Keine Ahnung, ob es Heute noch so ist, damals wollten Therapeuten ambulant jedenfalls keine Menschen behandeln, die Akut irgendwas schädliches machen. Er hat mich aber genauso aufgenommen. Ein Häufen Elend. Alle anderen haben mich wieder weg geschickt. Ich glaube, er konnte offene Löcher schließen. Andere Löcher werden aber immer offen bleiben. Man hat sie eben als Kind nicht bekommen. Also muss man sich unweigerlich selbst versorgen und wertschätzen lernen. Ich arbeite dran...gelingt mir so lalala.

Meine Angststörungen und meine Panikattacken gibt es leider noch. Meine Angst vor Krankheiten sind nur noch latent da. Ich denke schon, dass ich vieles erreicht und verändern konnte. Ich habe aber jetzt trotzdem große Angst, dass es das jetzt war. Das alles, was jetzt noch ist, einfach meine Persönlichkeitsstruktur ist. Das wäre bitter. Ich möchte so viel Angst und so viel Panik nicht für immer haben.

Mit den Jahren wird immer mal wieder irgendetwas besser. Oder Krisen, Einbrüche etc. lösen sich schneller auf. Frage mich aber manchmal schon, ob das auch vom Alter kommt ... zu müde....

Selbstbewusstsein....Also immer, wenn ich mir gegenüber was Positives denke, habe ich immer noch Stimmen im Kopf, die mir sagen, dass ich lächerlich bin. Bei guter Leistung: war nur Zufall. Sagt wer anderes was Nettes: Die Person lügt nur. Kleine Beispiel von den kläglichen Resten meiner Kindheit und Jugend. Oder eben, das ich tatsächlich richtig dumm bin, wenn ich meine, ich könnte was. Weil das behaupten dumme Menschen immer von sich usw.
Ich muss zugeben, ich habe mich auch selbst hässlich gemacht. Ich habe es tatsächlich geschafft, so wie ich mich fühle nach außen auszusehen. Heute nach all der Erfahrungen, Fortschiritte usw. schäme ich mich jetzt dafür und ja, sozial phobisch bin ich gewiss auch ein Stück weit und ich frage mich natürlich auch immer mal etwas. Stundenlang. Eigentlich auch immer viel Scham bei.

Ich gehe arbeiten. Arbeite im Sozialen Bereich und mir geht es damit recht gut. Ich habe tatsächlich da einen einzigen Triggerpunkt. Da hatte aber die Supervisorin damals gemeint, den hat jeder Mensch. Beruhigend. Es ging ja echt nur ums Berufliche. Den konnte ich herausfiltern und bearbeiten dann Privat. Musste ja wissen woher. Ist nicht weg, ich weiß aber, dass ich da auf mich achten muss. War keine schöne Zeit. Sehe ich aber als schönes Geschenk an, etwas für mich aufgedeckt gehabt zu haben.

Ich habe Hobbys, Interessen. Ich kann alleine sein und bin auch gerne alleine. Glaube auch schon, dass ich das mit meinem Kind ganz gut mache. Besonders 100% anders als ich es erlebt habe. Also natürlich mit Fehlern, wie alle Menschen.

Ich drehe immer ein bisschen extrem durch, wenn man mir etwas nicht glaubt oder wenn wer behauptet, dass ich lüge. Bis vor wenigen Jahren war ich Zwanghaft ehrlich (wenn auch immer höflich). Man kann sich vorstellen; das kommt Gesellschaftlich auch nicht gut an.

Vieles versuche ich zu ignorieren, was ich denke. Ich möchte mich nicht zum Op. meiner Vergangenheit mehr machen lassen.

Ja, einerseits merke ich es im Alltag immer und immer wieder an den verschiedensten Stellen innerlich. Aber es wesentlich leiser geworden.

21.01.2023 23:58 • x 4 #14


T
Danke an Euch für Eure Offenheit Eure Geschichten berühren mich schon sehr.

Zitat von Relm:
Ansonsten war meine Kindheit/Jugend geprägt von schwierigen und sehr verletzenden Situationen.

Kenn ich. Und ich fall heute immer wieder in diese Situationen zurück. Manchmal diskutiere ich gedanklich tagelang mit denen, die mir dieses angetan haben WARUM sie das getan haben. Ich kann dann an Nix anderes mehr denken.

Zitat von Madame_I:
Weiterhin die Neigung, mir für mich selbst toxische Partner zu wählen.

Irgendwie bei mir auch so. Zwar nicht unbedingt toxisch, mit einer Ausnahme. Aber irgendwie so, dass es schon vorprogramiert war dass mir am Ende wieder emotional das Genick gebrochen wird.
Meine letzte Beziehung war eine Fernbeziehung, ca 230km. Ich wusste dass das kein gutes Ende nimmt. Und so kam es dann auch. Er war der, von dem ich behaupte dass es bei mir die große Liebe war. Um so härter mich das Ende getroffen. Und es tut heute noch so weh dass ich mich bis heute weigere auch nur gedanklich wieder jemanden an mich ran zu lassen. Das ist jetzt gut 2,5 Jahre her.

Zitat von Madame_I:
Alle anderen haben mich wieder weg geschickt.

Ich war auch in den letzten Jahren der Meinung, irgendwie therapiebedürftig zu sein. Aber irgendwie funktioniert das nicht. Tiefenpsychologisch ist erst gar nicht an einen freien Platz zu kommen. Und Verhaltenstherapie hat mich unglaublich wütend gemacht. So tolle Ratschläge wie konzentrieren sie sich auf das, was sie unter ihren Füßen spüren und was sie hören lassen sich bei mir nicht einfach so umsetzen wenn ich gerade mitten in einer geistigen Diskussion mit meinen Erzeugern fest stecke. Ich fühlte mich da nicht ansatzweise ernst genommen.

Zitat von Madame_I:
Ich habe Hobbys, Interessen. Ich kann alleine sein und bin auch gerne alleine. Glaube auch schon, dass ich das mit meinem Kind ganz gut mache.

Das freut mich ! Zum Glück ist das mit Hobbys Interessen bei mir genau so.

Zitat von Madame_I:
Ich drehe immer ein bisschen extrem durch, wenn man mir etwas nicht glaubt oder wenn wer behauptet, dass ich lüge.

Das ist bei mir auch so. Ebenso extrem ist es, wenn man mich nicht für voll nimmt. Ich kann das aus meiner Kindheit. Wenn ich was gesagt habe, wurde süffisant drüber weg gelächelt. Das macht mich heute noch wütend.

Sowas wie Krankheitsängste habe ich zum Glück nie entwickelt. Alle Ängste, die ich habe, basieren auf meiner Sozialphobie. Und damit stehe ich mie selbst im Weg. Ich würde meine Freizeit gerne noch mehr gestalten, mehr machen daraus. Aber da scheitert es meist an mir selbst. Ich habe Angst , dass mir jemand was tut wenn ich unterwegs bin. Angst davor wieder ein Opfer zu werden. Wehrlos. Hilflos. Und das ist meine größte Baustelle.

22.01.2023 11:58 • x 3 #15


Cornelie
Ich bin unerwünscht gewesen ! Von meiner Mutter Geschwistern ...

Die hat vielfältige Möglichkeiten gesucht die Schwangerschaft abzubrechen....

Es hst nicht funktioniert. Darüber bin ich sehr froh - mittlerweile-


Ja ich habe einen knall davon getragen und viele Dinge die nicht gut sind für mich viele viele Zweifel .
Eben auch durch die Art wie ich behandelt wurde

Jetzt bin ich alt (?? 62)


Und habe vor einiger Zeit fest beschlossen

Jetzt bin ich trotz aller Zweifel an mir...
Jetzt bin ich erwünscht- das klappt nicht immer/oft
Aber das ist jetzt mein Weg... vielleicht versuchst du ihn auch...Ich glaube es liegt an uns.. Ich drücke dir/ euch und mir die Daumen dafür

22.01.2023 12:08 • x 7 #16


T
Zitat von Cornelie:
Aber das ist jetzt mein Weg... vielleicht versuchst du ihn auch...

Das würde ich gerne. Deswegen habe ich ja dieses Thema eröffnet. Ich habe nur noch nicht rausgefunden, wie ich auf diesen Weg komme. Das Ziel ist also bekannt, nur es mangelt mir an einem Navi, das mich hin führt. Wie verliere ich meine Angst vor dem Zug fahren ? Wie schaffe ich es mehrere Stunden meine Wohnung zu verlassen ohne in Panik zu verfallen weil ich die Kontrolle nicht habe über das, was in der Zeit in meiner Wohnung passiert ?

22.01.2023 13:49 • x 5 #17

Sponsor-Mitgliedschaft

D
In der Tierwelt ist der Zweck von Nachwuchs die Erhaltung der eigenen Art. Die Nachkommen werden irgendwann sich selbst überlassen oder sogar vertrieben. Da gehts primär nicht um erwünscht oder nicht, im Bezug auf ein „lieber haben“ sondern eben um den Zweck. Survival of the fittest.

Bei der sogenannten Krone der Schöpfung ist es aber viel komplizierter. Es sind immer die Erwartungen der möglichen Eltern, die dazu führen, wie sich Nachkommen entwickeln und das schafft mitunter die Probleme. Die einen erwarten, dass nichts passier beim Vergnügen im Bett und dann wars ein Unfall, wenn doch nach 9 Monaten ein Baby da ist. Erwartung nicht erfüllt.

Andere wollen einen männlichen Nachwuchs, was in manchen Kulturen als enorm wichtig gesehen wird und nach zig Mädchen, muss es doch mal klappen. Erwartung nicht erfüllt.

Wieder andere wollen unbedingt ein Kind und dann entspricht das Wunschkind nicht den Erwartungen oder erfüllt irgendwann nicht mehr die wünsche der Eltern. Erwartung nicht erfüllt.

Und dann erwarten manche Eltern, sie könnten Ihrem Nachwuchs gute Eltern sein und sind dann urplötzlich doch überfordert. Erwartung nicht erfüllt.

Nun hat der Mensch Gesetze rund um das Thema Nachwuchs entwickelt und erwartet, dass die eingehalten werden. Es wird von welcher Instanz auch immer, erwartet, dass Kindeswohl eingehalten wird und wer zuwider Handelt hat Strafe zu erwarten, sofern man erwischt wird.
Auch diese Erwartung lässt sich nicht uneingeschränkt erfüllen.

Man kann also getrost erwarten, dass Eltern ein Problem haben, Ihren eigenen zu erfüllen, oder die an das Kind gestellten Erwartungen erfüllt zu bekommen. Und das sich dass leider nicht ändern wird.

Erwartungen werden, wenn überhaupt, meistens nur kurzfristig erfüllt. Zu erwarten, alle Erwartungen würden den eigenen Wüschen entsprechend erfüllt, ist blauäugig,
Dass es nicht so ist, hat aber den Vorteil, das jemand der sich lange unerwünscht sieht und fühlt und auch erwartet, dass es immer so bleibt, das genaue Gegenteil erleben kann.
Weswegen hoffen weitaus zweckmäßiger ist, als erwarten. Es bleibt zu hoffen, dass potentielle Eltern sich weniger an Erwartungen orientieren sondern sich vorher Gedanken machen, was es tatsächlich bedeutet ein Kind zu haben.

Zu guter letzt, denke ich aus Gründen, die ich jetzt garnicht ausführen möchte, dass auch ich nicht gewünscht war. Dass ich auch, da ich aber nunmal geboren wurde, nicht allen späteren Erwartungen an mich gerecht wurde. Und auch irgendwann meinen eigenen Erfahrungen an mich selbst nicht mehr gerecht wurde. Aber egal, wie jedes Kind wurde ich ungefragt in die Welt gesetzt und muss damit zurecht kommen, ob erwünscht oder nicht. Und auch damit, dass ich nie konkret gefragt habe, ob ich unerwünscht war, oder nicht. Daher sind diesbezüglich meine Gedanken auch reine Spekulationen anhand dessen, was ich vom Verhalten meiner Eltern empfunden habe. Und auch wenn ich dies in meinen Therapien auch teilweise thematisiert habe, werde ich darauf keine abschließende Antwort mehr bekommen. Daher versuche ich das nun eben ohne Antwort für mich, die mir jetzt auch ehrlich gesagt einzig nur noch einer gewissen Klarheit dienen könnte, abzuschließen.

22.01.2023 14:54 • x 1 #18


Cornelie
Zitat von Disturbed:
In der Tierwelt ist der Zweck von Nachwuchs die Erhaltung der eigenen Art. Die Nachkommen werden irgendwann sich selbst überlassen oder sogar ...

Ich glaube das ist mir zu hoch oder zuviel

22.01.2023 15:31 • x 1 #19


Cornelie
Zitat von Tosch:
Das würde ich gerne. Deswegen habe ich ja dieses Thema eröffnet. Ich habe nur noch nicht rausgefunden, wie ich auf diesen Weg komme. Das Ziel ist ...

Es helfen dir nur kleine ganz kleine Schritte.. Das verlassen der Wohnung für 10 min z B

22.01.2023 15:32 • x 1 #20


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