Bei sowas habe ich einige klare Grundsätze entwickelt:
Was weit entfernt von mir passiert, da hänge ich mich emotional nicht rein. Das hilft denen dort nichts, wenn ich hier mitleide. Das bringt den Leuten dort, wo es passiert ist, nichts und mir bringt es auch nichts.
Wenn man kann, soll man helfen. Und davon spüren die Betroffenen dann was. Die Lösung ist:
Nicht mitleiden, aber mit helfen, dass es ihnen besser geht. Wer was geben kann, spenden kann, am besten Geld, denn das ist das, was dort längerfristig gebraucht wird, soll es geben. Jetzt und später werden sie es bitternötig brauchen.
Und im kleinen Aktionsradius, wo man selbst lebt, Beziehungen hat, da geht man dann auch emotional rein. Aber auch da gilt es: Psychohygiene walten zu lassen. Jeder, der in einem anfordernden belastenden Job gearbeitet hat, hat lernen müssen, die Probleme beim Betroffenen zu lassen, auf der Arbeit zu lassen. Man soll und kann nicht alles mit zu sich nach Hause nehmen. Der Fernseher bringt und Tragödien aus der ganzen Welt jeden Tag in unsere Wohnzimmer. Wenn man da jedes Mal mitheult und die Krise kriegt, dann dreht man ja irgendwann durch.
Solche Großkatastrophen ziehen die Medien an und wir kriegen sehr viel davon mit und sind betroffen, ratlos und jedem tut das leid. Aber es gibt unendlich viele Einzelschicksale und für die interessiert sich die Welt bekanntlich nicht. Ich glaube, wenn man in seinem Leben generell hilfsbereit ist, sich engagiert, egal wie, dann ist doch schon ein guter Beitrag erbracht und auch ein Teil der notwendigen Hilfe schon da. Da gilt es aufzubauen. Helfen soll man, weil es anderen hilft, nicht, weil man es vor lauter schlechtem Gewissen nicht anders aushält.
Jeder Helfer hat gelernt, dass er sich vom Elend nicht verschlucken lassen darf, sonst kann er nicht mehr helfen. Wie es mal so schön einer vom Roten Kreuz gesagt hat: "Wir dürfen eins nie werden als Rettungsgesellschaft: ohnmächtig". Wer in der Ohnmacht oder im Schock hängen bleibt, hat keine Stärke mehr um handlungsfähig zu sein. Und das ist es, was man im Fall einer Katastrophe braucht: Hands-on-Mentalität, Leute, die zupacken können, Menschen, die trotz allem Schrecken sich wieder sammeln, wieder logisch denken und einen Schritt nach dem anderen koordinieren, die den Weg raus aus der Chaosphase finden und bahnen.
Es war überall gleich, nach jedem großen Erdbeben, nach Naturkatastrophen.... Die Verantwortlichen, die Zuständigen, die Helfer und diejenigen, die sie unterstützen, müssen vor die Lage kommen. Und das dauert seine Zeit.
Wer helfen kann, soll spenden. Und wer selbst grade noch so über die Runden kommt, der kann das halt jetzt nicht leisten.
Wenn man diese Bilder nicht aushalten kann, muss man Medienfasten. Man muss haushalten zwischen Mitgefühl und Abgrenzung.
Was ich aber sehr gut und richtig finde, ist, den Menschen, die hier leben und direkt oder indirekt betroffen sind, zeigen, dass man mitfühlt. Die werden darüber sehr froh sein. Gerade in so belastenden Situationen tut jede Geste gut und hilft, dass man sich aufrecht halten kann.