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PQhope2023
Ich weiß nicht, ob das Thema hier richtig einsortiert ist. Und wahrscheinlich bin ich zu egozentrisch. Meine Psyche ist ohnehin nicht gesund und nah am Wasser gebaut. Ich möchte hier einfach nur ein paar Worte und Eindrücke loswerden, die Erdbebenkatastrophe in der Türkei und in Syrien betreffend.

Ich habe etwas zu unüberlegt zu viele Bilder und Reportagen darüber gesehen. Und bin emotional etwas außer mir. In jedem Krieg und bei jeder Naturkatastrophe kommt es zu unfassbarem Elend, zu Not und Schmerz, der nicht zu verkraften ist, und wir sind ja auch alle in mancher Hinsicht mehr oder minder abgehärtet und abgeschottet gegen das Mitgefühl. Doch die Bilder aus der Türkei/Syrien kann ich momentan nicht verarbeiten.
Ich für mich sehe keinen anderen Umgang, als die Berichte zu meiden bzw. weniger an mich heranzulassen. In der etwas weiteren Verwandtschaft haben wir türkische oder türkisch-stämmige Bekannte/Verwandte, sehr herzliche Menschen. Wie die sich fühlen, möchte ich gar nicht wissen, es ist schrecklich. Ich war mal auf einer deutsch-türkischen Hochzeit und es war ein besonderes, inniges Fest mit schönen Traditionen aus beiden Welten. Türken haben ja eine noch größere familiäre Bindung bzw. die Großfamilie spielt für sie eine noch wichtigere Rolle als bei uns in der Regel.

Mehr als diese untauglichen Sätze kriege ich nicht auf die Reihe. Das ist viel zu wenig, doch ich werde (für mich in meinem Zimmer) heute Abend eine Kerze anzünden und den türkischen und syrischen Opfern gedenken. Und ich werde zusehen, mich darauf zu besinnen, ab und zu mal mehr meine Liebe und meine Wertschätzung zu zeigen für die Menschen in meinem Umkreis.

11.02.2023 12:02 • 11.02.2023 x 6 #1


7 Antworten ↓


Kruemel_68
Ich versuche ehrlich gesagt, das Ereignis so gut es geht von meinem Radar zu verbannen - und habe ein fürchterlich schlechtes Gewissen dabei. Ich war sonst einer der ersten, die losrannten, um Sachen und Geld zu spenden. Aber aktuell bin ich alles andere als stabil und ich kann es einfach nicht ertragen...

11.02.2023 12:24 • x 2 #2


A


Trauer und Betroffenheit, Erdbebenkatastrophe in der Türkei

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Angstmaschine
Zitat von Kruemel_68:
und habe ein fürchterlich schlechtes Gewissen dabei

Warum? Es ist dir ja nicht egal, was da passiert ist!
Nicht jeder kann - wenn es ihm schlecht geht, er einfach so gebaut ist, wenn er vielleicht sogar selbst Hilfe braucht - zu seiner eigenen Last auch noch die Last anderer mittragen. Es gibt immer genug Menschen, die so stabil sind dass sie sich darum kümmern können. Wir sind nicht allein und können sowas auch ruhigen Gewissens mal vertrauensvoll in andere Hände legen.

11.02.2023 13:34 • x 3 #3


M
Ich denke auch daran. Irgendwie eine Mischung aus Verdrängung und Unverständnis darüber, dass die restliche Welt sich einfach so weiterdreht. Wenn man sich in die Gefühle der Betroffenen hineinversetzt, fühlt man sich selbst so elend, dabei ist man hier ja „ganz weit weg“. Wie muss es erst den Betroffenen selbst gehen?

Aber ausserhalb hat sich nichts verändert, alles ist gleich. Die Menschen gehen normal zur Arbeit, gehen ihrem normalen Tagesablauf nach und das ist natürlich auch normal und notwendig. Aber solche Katastrophen sind, wenn man sich einfühlt trotzdem kaum zu verkraften. Ich denke, jeder hat da so seine Strategien, dass man es nicht zu sehr ab sich ranlässt. Wenn man sich dann mal überlegt wie viel, wie oft und wo überall ständig solche Katastrophen stattfinden. Erdbeben, Kriege, andere Naturkatastrophen, Terroranschläge, Amokläufe etc., dann wird es noch schwieriger zu verstehen.

Das einzige was mich an solchen Umweltkatastrophen immer auch nachdenklich macht ist, warum so wenig getan wird um den Umgang mit dieser Welt zu verbessern. Ich bin keine Klimakleberin oder sonstiges, bevor da jetzt was in die Richtung kommt. Aber es gibt schon eine Reihe an Dingen, wo man was verbessern könnte. Allerdings möchte ich unter diesem Thread jetzt darüber auch keine Diskussionen beginnen

11.02.2023 14:06 • x 1 #4


K
Bei sowas habe ich einige klare Grundsätze entwickelt:

Was weit entfernt von mir passiert, da hänge ich mich emotional nicht rein. Das hilft denen dort nichts, wenn ich hier mitleide. Das bringt den Leuten dort, wo es passiert ist, nichts und mir bringt es auch nichts.

Wenn man kann, soll man helfen. Und davon spüren die Betroffenen dann was. Die Lösung ist:

Nicht mitleiden, aber mit helfen, dass es ihnen besser geht. Wer was geben kann, spenden kann, am besten Geld, denn das ist das, was dort längerfristig gebraucht wird, soll es geben. Jetzt und später werden sie es bitternötig brauchen.

Und im kleinen Aktionsradius, wo man selbst lebt, Beziehungen hat, da geht man dann auch emotional rein. Aber auch da gilt es: Psychohygiene walten zu lassen. Jeder, der in einem anfordernden belastenden Job gearbeitet hat, hat lernen müssen, die Probleme beim Betroffenen zu lassen, auf der Arbeit zu lassen. Man soll und kann nicht alles mit zu sich nach Hause nehmen. Der Fernseher bringt und Tragödien aus der ganzen Welt jeden Tag in unsere Wohnzimmer. Wenn man da jedes Mal mitheult und die Krise kriegt, dann dreht man ja irgendwann durch.

Solche Großkatastrophen ziehen die Medien an und wir kriegen sehr viel davon mit und sind betroffen, ratlos und jedem tut das leid. Aber es gibt unendlich viele Einzelschicksale und für die interessiert sich die Welt bekanntlich nicht. Ich glaube, wenn man in seinem Leben generell hilfsbereit ist, sich engagiert, egal wie, dann ist doch schon ein guter Beitrag erbracht und auch ein Teil der notwendigen Hilfe schon da. Da gilt es aufzubauen. Helfen soll man, weil es anderen hilft, nicht, weil man es vor lauter schlechtem Gewissen nicht anders aushält.

Jeder Helfer hat gelernt, dass er sich vom Elend nicht verschlucken lassen darf, sonst kann er nicht mehr helfen. Wie es mal so schön einer vom Roten Kreuz gesagt hat: Wir dürfen eins nie werden als Rettungsgesellschaft: ohnmächtig. Wer in der Ohnmacht oder im Schock hängen bleibt, hat keine Stärke mehr um handlungsfähig zu sein. Und das ist es, was man im Fall einer Katastrophe braucht: Hands-on-Mentalität, Leute, die zupacken können, Menschen, die trotz allem Schrecken sich wieder sammeln, wieder logisch denken und einen Schritt nach dem anderen koordinieren, die den Weg raus aus der Chaosphase finden und bahnen.

Es war überall gleich, nach jedem großen Erdbeben, nach Naturkatastrophen.... Die Verantwortlichen, die Zuständigen, die Helfer und diejenigen, die sie unterstützen, müssen vor die Lage kommen. Und das dauert seine Zeit.

Wer helfen kann, soll spenden. Und wer selbst grade noch so über die Runden kommt, der kann das halt jetzt nicht leisten.

Wenn man diese Bilder nicht aushalten kann, muss man Medienfasten. Man muss haushalten zwischen Mitgefühl und Abgrenzung.

Was ich aber sehr gut und richtig finde, ist, den Menschen, die hier leben und direkt oder indirekt betroffen sind, zeigen, dass man mitfühlt. Die werden darüber sehr froh sein. Gerade in so belastenden Situationen tut jede Geste gut und hilft, dass man sich aufrecht halten kann.

11.02.2023 14:20 • x 2 #5


M
Ich gehöre zu den Menschen, die sehr feinfühlig und mitfühlend sind.
Solch eine schlimme Katastrophe wie sie nun in der Türkei/ Syrien passiert ist, sie macht mich traurig,
fassungslos und irgendwie fühle ich mich wie gelähmt. Ich kann so etwas nur schwer ertragen und doch
hole ich mir Informationen zu den Geschehnissen ein .Anschließend geht es mir jedesmal schlechter.
Es geht mir nicht nur schlechter, nein auch meine Laune wird schlecht und ich fühle mich einfach nicht gut.

Genauso ist es auch in der Lage von Putins Krieg
Ich möchte eigentlich nichts davon hören und wissen weil ich zudem unter sehr starken Ängsten leide,
aber immer und immer wieder sauge ich alles auf was ich erfahren kann. Ich habe Angst nicht zu wissen
was gerade passiert und dann vom Bösen übberrascht zu werden. Unglaublich, oder ?
Warum nur tue ich mir das selbst an ?

Meine eigene Antwort zu meiner Frage ist wohl diese :
Mir kann es mit meinen Gefühlen nicht schlechter gehen, als den Menschen in der Welt die unsagbares
Leid, Schmerz und Tod ertragen müssen. Da ist mein Zustand ,das ich mich schlecht fühle nichts gegen.
Die Menschen dort draussen in der Welt leiden schlimmer.

11.02.2023 14:57 • x 2 #6


PQhope2023
Danke für eure Beiträge. Es stimmt schon, man muss Maß halten mit dem Anschauen und Heranlassen der Berichte - andererseits will man oder will ich ja die Lage mitbekommen. Aber das muss man austarieren, sich nicht überfordern und sich auch nicht ein schlechtes Gewissen aufbürden. Wir (wenn ich das sagen darf) sind nicht für alles Fürchterliche auf dieser Welt zuständig - und ja, ein bisschen Mitgefühl und Hilfe, wer zu helfen vermag, sind das Angemessene. Auch die Mitteilungen zum Krieg in der Ukraine sind ja nur auszuhalten, wenn man das ein Stückweit ausblendet. Und auf mittlere oder lange Sicht kann man nur in seinem kleinen Kreis wirklich wirken. Ich jedenfalls.
Bin froh, wenn ich meinen Alltag hinkriege und ein bisschen Sozialleben. Ich bewundere Menschen, die dann vor Ort reisen und dort wirklich helfen und mit anpacken. DAS wäre vermutlich ohnehin das Beste, um solchen Krisen zu begegnen. - Die Grenze zu finden zwischen bereitwilliger Hilfe und eigener Überforderung, einer der wohl schwierigsten Prozesse in vielen helfenden Berufen.

11.02.2023 15:12 • x 1 #7


M
Ich kenne auch Personen, dessen Familienangehörige betroffen sind.
Mit der einen Person habe ich mehr gesprochen. Aktuell (war letzten Donnerstag) kommen kaum Hilfen vor Ort an / durch. Erdogan tut sein Bestes -nicht. Ihre Familie sitzt in Zelten und versucht irgendwie zu anderen Angehörigen zu kommen, die nicht im Gefahrengebiet wohnen. Das einzige, was ich da machen kann, der Person zu signalisieren, dass ich da bin, falls Bedarf zum reden o.Ä. besteht. Anteilnahme zeigen. Aber dennoch setze ich Grenzen, wenn es sein muss. Ich habe der Person zum Beispiel gesagt, sie möge die Videos bitte ausmachen. Ob ich dahin gehend egoistisch bin? Vielleicht.

Flutkatastrophe 21. Mir fiel es unglaublich schwer, nicht in den jeweiligen Gebieten mitwirken zu können. War SEHR nah dran. Viele Menschen, die ich kenne, waren betroffen. Zudem hatte ich gerade 2 Monate, bevor das alles passierte, 6-8 Kartons woanders hin gespendet. Geld hatte ich auch keines zur Verfügung. Das einzige, neben meinen eigenen Keller vom Wasser zu befreien, was ich getan habe; ich habe wem Gummistiefel kostenlos organisiert, der dort tätig war und nun Neue brauchte. Schon beschämend. Aber mehr war nicht möglich. Rückblickend betrachtet finde ich es ok. Was nicht geht, geht nicht. Ich möchte -auch wenn es große Elende auf der Welt gibt- nicht mehr über meine eigenen Grenzen und Möglichkeiten stampfen. Vor allem bringt das ja auch keinen was, wenn ich da sitze, mich verurteile und mich schäme.

Ich habe nach Beginn des Ukrainekrieges 2 Wochen später die Medienverfolgung eingestellt. Das war eigentlich schon zu spät. Ich hatte -weil ich mich eben dennoch auf den aktuellen Stand halten wollte- mich dazu entschlossen, aktuelle Informationen nur im Austausch mit 1, 2 vertrauten Personen.

Und letztendlich ist es ja wie immer; die verantwortlichen Personen machen sich nicht die Bohne an Gedanken. Nicht fair.

Ich sehe das auch so. Wo kann ich aktiv helfen und wo nicht? Es ist nicht schlimm, wenn ich mich abgrenze und wo nicht helfen kann. Keine Einzelperson kann die Welt retten. Dann schaue ich, was ist denn wie in meinem Alltag möglich.

In meinen anfänglichen Sätzen von dem Gespräch mit einer Betroffenen bzw. dessen Familie; ich habe es letztendlich gemacht wie sie. Wir waren spazieren und im Cafe und haben noch über viele weitere Themen gesprochen. Sie macht auch ihren Alltag weiter und ist einfach froh und dankbar, dass die Angehörigen leben. Sie hatten Tagelang keinen Kontakt. Das muss richtig furchtbar gewesen sein. Wenn sie es als nah dran Person kann, dann darf man das doch letztendlich auch, seinen Alltag weiterleben und schauen was kann ich wie tun und was nicht.

11.02.2023 15:54 • #8





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Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl