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201814.02




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Hallo,
es fällt mir sehr schwer, in Worte zu fassen was mich beschäftigt, aber ich möchte es versuchen, weil ich allein nicht mehr weiter weiß. Dieser Text könnte lang werden, also schon mal danke an jeden einzelnen, der sich die Mühe macht ihn zu lesen.

Ich fange einfach mal an

Ich (28) habe vor fast genau einem Jahr eine 2 monatige stationäre Therapie "absolviert", weil ich starke verlassensängste und einen hohen Mängel an selbstwert hatte. Damals war ich in einer Beziehung zu einer Frau, die ebenfalls große selbstwertprobleme hatte. Während meiner Therapie lernte ich, dass ich mit dieser Frau nur zusammen war, um nicht allein zu sein. Liebe zu ihr redete ich mir ein, weil ich mir ohne eine andere Person wertlos und unnütz vorkam. Ich veränderte mein Wesen, um ihr zu gefallen, um ihr keinen Grund zu geben, mich zu verlassen. Ich vernachlässigte Freunde, Familie und Hobbies, irgendwann war ich nicht mehr ich selbst. Sie gab mir permanent das gefühl (nicht mit absicht, aber sie tat es definitiv aktiv), mich ändern zu müssen. Immer hatte ich etwas falsch gemacht, nicht "sauber genug" geputzt, nicht "richtig" gegessen, nicht die "richtigen" klamotten angezogen, nicht das "richtige" gesagt. Das ging etwa 3,5 Jahre so, bis ich irgendwann auf offener Straße einen nervenzusammenbruch hatte und entschied, etwas zu tun und eine Therapie zu beginnen, um herauszufinden was mit mir los war. Je länger die Therapie voranschritt, desto klarer wurde mir, dass ich diese Frau nicht liebte, sondern brauchte und deshalb alles an mir verfremdete, was meinen geist zerstörte. Das ist ein gewaltiger Unterschied und deshalb beendete ich die Beziehung, kurz nachdem ich aus der Therapie nach Hause kam.
An sich ist das nichts außergewöhnliches, aber ich denke, es ist für die weitere Geschichte wichtig.

Ich lernte nämlich innerhalb der Therapie eine andere Frau kennen. Ich nenne sie hier mal Bine. Das ist nicht ihr richtiger Name, macht es aber einfacher zu schreiben. Sie ist 20 Jahre alt und wir lernten uns anfangs völlig zwanglos kennen. Ich war auch während der Therapie noch völlig auf meine mittlerweile expartnerin fixiert. Mit Bine konnte ich sowohl über Gott und die Welt, als auch über unsere "beziehungsprobleme" reden. Auch sie befand sich in einer Partnerschaft, von der sie nie wirklich überzeugt war. Mit fortlaufender Zeit stellten wir fest, dass wir uns fast unheimlich ergänzten. Wir verstanden einander ohne Worte, waren füreinander da und ich für meinen Teil konnte mit ihr Dinge besprechen, die ich nicht einmal meinen Therapeuten erzählen würde (und ich bin generell ein sehr ehrlicher mensch). innerhalb kurzer Zeit wurde uns beiden klar, dass wir hier den partner fürs Leben gefunden hatten. Durch sie lernte ich, dass es tatsächlich Frauen gibt, die mich genau so mögen wie ich bin. Mit all meinen dummen Witzen, die sonst keiner versteht, außer ihr. Mit all meinen Fehlern, Ängsten oder Problemen. Sogar meine pupse mag sie, und das will was heissen! Mir geht es anders herum genauso. Diese Frau Liebe ich.

Nachdem ich mich aus meiner alten Beziehung gelöst hatte, zog ich mit Bine zusammen. Rückblickend war das vielleicht ein Fehler, zu früh. Allerdings war es ein Traum. Wir waren unsagbar glücklich, es gab nie ernsthaft Streit. Aber nicht, weil einer von beiden sich verleugnete, sondern weil wir einfach zusammen passten. Auch in schweren situationen, oder wenn wir einmal nicht einer meinung waren (selten) konnten wir immer offen und ehrlich miteinander umgehen, ohne dass es einer von uns persönlich nahm. Bine holte ihren hund in unsere beziehung und ich denke, ich kann sagen dass wir eine glückliche, kleine Familie bildeten.
Nach ungefähr 6 Monaten ging es Bine zusehends schlechter. Sie hatte die Therapie in der wir uns kennenlernten, gemacht weil sie seit dem Alter von 14 Jahren unter starken Depressionen leidet und auch schon einen Suizid Versuch hinter sich hat. Im Anschluss an die stationäre Therapie schaffte sie es nicht, sich einen ambulanten therapieplatz zu suchen, obwohl sie es versucht hat wie eine verrückte (ja ich weiß, blödes Wortspiel, aber so drücke ich die Intensität ihrer Anstrengungen wohl am besten aus). Ich selbst habe einen therapieplatz, der mir bis heute auch sehr sehr viel geholfen hat.
Aufgrund der mangelnden professionellen Unterstützung versank sie tiefer und tiefer in ihrer Krankheit. Sie hatte eine ausbildung in unserem wohnort begonnen, die sie nach drei oder vier tagen wieder abbrach, weil sie es einfach nicht fertigbrachte weiter hinzugehen. Ich selbst versuchte alles, um ihr dort hinaus zu helfen und schoss dabei auch oft genug übers Ziel hinaus (Ratschläge, Verständnis, "helfende" Worte und gesten). Wir zogen sogar noch einmal gemeinsam um, um in einer neuen Umgebung nochmal anzufangen. Doch all meine Liebe und Fürsorge und auch unsere gemeinsam überlegten Strategien halfen nichts. Sie entschloss sich,eine tagesklinik zu besuchen, die ihr auch nicht helfen konnte.

Während dieser Zeit ging es auch mir zusehends schlechter. Ich machte mir Vorwürfe, ihr nicht helfen zu können und so traten meine alten angstmuster wieder zutage. Ich hatte Angst davor, sie zu verlieren, weil ich sie nicht retten konnte.
Irgendwann konnte ich mich selbst wieder von aussen betrachten und stellte mir die Frage, ob diese Beziehung eine Kopie der vorherigen sein könnte. Ich setzte mich über ungefähr eine Woche hin und dachte darüber nach, ob ich mich erneut selbst belog. Ich sprach auch mit meinem Therapeuten darüber. Ich kam zu dem Ergebnis, dass Bine die Frau meines Lebens ist. Dass wir ohne unsere Krankheiten, bzw die Symptome ein traumhaftes duo bilden, das vor nichts Angst haben müsste. Dass wir einander unser Leben anvertrauen würden, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich glaube, dass dieses Gefühl einmalig ist und mit nichts aufzuwiegen.
Inzwischen sind wir seit fast einem Jahr zusammen und Bine ist seit ungefähr 4 Wochen in stationärer Behandlung. Sie lernt dort sehr viel und meinte auch, dass sie zum ersten mal seit Jahren das Gefühl hat, dass die Therapie, bzw das gelernte sie voranbringt. Natürlich hat sie Höhen und Tiefen, das gehört dazu. Aber grundsätzlich sehe auch ich ihre Fortschritte und ich bin verdammt stolz auf meine süße:-)

Nun kommt allerdings der Knackpunkt, mein Problem, wegen dem ich mich hier angemeldet habe.

Wie bereits beschrieben, hatte ich große trennungsängste. Diese habe ich mittlerweile ganz gut im Griff und wenn es mich doch überkommt, habe ich Werkzeuge die ich nutzen kann, um diese Ängste zu besiegen. Ich vertraue meiner Bine und ich weiß dass sie mich liebt, vielleicht sogar noch mehr als ich das hier bisher beschrieben habe oder je begreifen werde. Ich habe keine Angst mehr, sie zu verlieren weil ich "zu schlecht" bin.
Allerdings denkt sie momentan darüber nach, wieder in das haus ihrer Eltern zu ziehen, welches von unserem jetzigen Wohnort ungefähr 200 km entfernt ist. Sie überlegt sich das, weil sie ein geschütztes Umfeld braucht, in dem sie ohne druck an ihrer psychischen Gesundheit arbeiten kann. Sie hat dort ihre alten freunde, ihre eltern und ein gefühl der vertrautheit, dass ihr hier zuhause fehlt. Aufgrund ihrer Depressionen hat sie es nie geschafft, sich in mein bereits bestehendes Umfeld "einzufügen", obwohl alle meine Freunde und meine Familie sie sehr mögen. Weiterhin müsste sie sich nicht mit um einen haushalt kümmern, was sie wohl ebenfalls sehr belastet. Auch ihren/unseren hund mussten wir zu ihren eltern bringen, weil sie sich krankheitsbedingt und ich mich aufgrund meiner blöden Arbeitszeiten nicht ausreichend kümmern können. Ich bin der Meinung, dass das eine sehr gute Idee ist, dass sie dieses umfeld braucht, um wirklich gesund werden zu können. Die krux daran bin ich.

Ich hätte überhaupt kein Problem damit, mit ihr zusammen in die Nähe ihrer Eltern zu ziehen, damit sie einen sicheren rückzugsort hat, an den sie flüchten kann wenn wieder einmal alles zu viel zu werden droht. Das habe ich ihr auch gesagt, um ihr den Druck der Entscheidung zwischen mir (am aktuellen Wohnort bleiben, um den Mann ihres Lebens nicht zu verlieren)und ihrer eigenen Gesundheit (bessere heilungschancen zuhause) zu nehmen.
Was ich allerdings konsequent ausschliesse, ist eine Fernbeziehung. Diese würde mindestens die Dauer ihrer Ausbildung zur tierarzthelferin (3 jahre) haben. Wir würden beide im schichtdienst arbeiten (ich bin 100% altenpflegefachkraft) und ich bin auf den Zug angewiesen, was für mich eine Fahrzeit von mindestens 2,5h für einen Weg bedeutet. Unter diesen Bedingungen sind zwei Treffen im Monat schon viel. Und das mit Glück und sehr viel Stress und planung. Weiterhin glaube ich, dass wir uns in dieser situation stück für stück voneinander weg entwickeln würden, weil wir unser leben nicht mehr teilen, sondern unser jeweils eigenes führen, ohne partner. Ich glaube, dass ich persönlich das nicht verkraften könnte und habe die Entscheidung getroffen, diese Möglichkeit für mich auszuschließen.

Sie selbst sagt, dass sie mich auf keinen Fall verlieren möchte und sich nun durch meine Einstellung zur Fernbeziehung unter Druck gesetzt fühlt. Sie glaubt, dass sie nun nicht mehr frei entscheiden kann, weil ich weder eine Fernbeziehung führen möchte, noch mit dann 29 Jahren im Haus ihrer Eltern wohnen kann und will.
Das alles macht mir wirklich sehr große Sorgen. Ich liebe diese Frau, wahrscheinlich ist es sogar die erste Frau, die ich wirklich und wahrhaftig aus ganzem Herzen Liebe, ohne mich selbst zu belügen. Ich habe mich tatsächlich dazu entschieden, mit Bine mein Leben teilen zu wollen.

Ich will auf gar keinen Fall, dass sie sich mir zuliebe gegen ein zuträgliches Umfeld entscheidet. Ihre Gesundheit geht vor und das weiß ich. Ich will sie aber auch auf keinen Fall verlieren.

Während sie in der stationären Therapie ist, kommt sie am Wochenende per belastungsprobe nach Hause. Und dann ist auch alles gut. Wir tun uns gut und zeigen uns unsere Liebe. Unter der Woche haben wir eine kontaktsperre ausgemacht. Diese einzuhalten, fällt mir sehr schwer, auch wenn ich weiß, wozu sie gut ist. Meine alten Ängste sind aber noch da und versuchen mir einzureden, dass sie sich sowieso dazu entscheidet, allein bei ihren Eltern wohnen zu wollen. In den wirklich dunklen Stunden kommt auch noch die Angst dazu, dass sie sich eventuell ganz von mir trennen könnte, um sich die "anstrengung" einer Beziehung zu entledigen (was ihrer Genesung ja auch zuträglich wäre), völlig unabhängig davon, dass sie mich ja auch liebt.

Sollte es so kommen, habe ich keine Ahnung, was ich tun soll. Einerseits möchte ich für sie nur das beste und das wäre der Einzug bei den Eltern. Andererseits möchte ich aber auch meine Entscheidung gegen eine Fernbeziehung nicht wieder aufheben, weil mich das sehr unglücklich machen würde (sowohl die selbstverleugnung(bekannt von früher) als auch die Fernbeziehung aus genannten gründen). Und am aller aller wenigsten möchte ich sie verlieren, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich eine solche Frau so schnell nicht wieder treffen werde.

Ich hoffe nun einfach, dass jemand, der in dieser Sparte Erfahrung hat, es schafft sich diesen langen Text bis hierher durchzulesen und mir einen Rat geben kann.
Ich bin inzwischen wirklich ratlos und gefangen in meiner Angst, dass obwohl wir uns so sehr lieben (ich möchte noch einmal unterstreichen, dass ich auf jeden Fall sagen kann dass das auf Gegenseitigkeit beruht), eine Trennung "das beste" ist.

Viele Grüße,

Philipp

Auf das Thema antworten

14 Antworten ↓



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  14.02.2018 09:09  
Hallo Philipp,
helfen kann ich dir leider nicht. Ihr müsst im Endeffekt für euch selbst entscheiden, was der beste Weg ist. Eine Trennung aus Vernunft ist hart, das ist dir ja bewusst. Manchmal ist es der einzige Weg, wenn ein gemeinsames Leben trotz Liebe einfach nicht funktioniert. Oder wenn Zukunftspläne und Wünsche nicht übereinstimmen. Trotzdem musst du für dich selbst überlegen, was du aushalten kannst/willst, und wo für dich der Endpunkt ist. Wenn du sagst, du willst keine Fernbeziehung, und für sie ist es das Beste, zu ihren Eltern zu ziehen .... dann ist die Konsequenz daraus logisch.

Was spricht denn, aus Bines Sicht, dagegen, dass ihr euch gemeinsam eine Wohnung in der Nähe ihrer Eltern sucht?

Meine Partnerin war auch zeitweise, an Tagen, wo es ihr sehr schlecht ging, überzeugt unsere Beziehung abbrechen zu müssen, weil ihr alles zu viel war. Inzwischen ist sie heilfroh, dass ich mit Vernunft dagegen gehalten habe und mich "geweigert" habe, einfach aufzugeben. Stattdessen haben wir für uns Möglichkeiten gesucht, den Beziehungsdruck kleiner werden zu lassen. Sie kann mich praktisch als verbalen Punching Bag benutzen, wenn es ihr schlecht geht, und ich weiß, wie ich damit umgehe, ohne Konsequenzen für unsere Beziehung daraus zu ziehen. Bitte nicht nachmachen :) Aber es hilft ihr. Denn auch sie hat wahnsinnige Angst, mich durch ihre Depression zu verlieren. So schnell wird sie mich aber nicht los. Dass sie alles, was sie fertig macht, mit mir in Streitgesprächen bereden kann ohne dass ich ihr deswegen Vorwürfe mache, beruhigt sie sehr. Auch sie wollte zeitweise lieber bei ihren Eltern sein, zum Glück wohnen sie nur knapp 20 Minuten entfernt. Ich "schicke" sie dann für eine Auszeit dorthin, und sie weiß, dass sie jederzeit nach Hause kommen kann.

Generell hilft in solchen Situationen nur reden, reden, reden, und zwar mit dem Partner. Was ist möglich, was ist vorstellbar, was kann ich selbst machen, um Druck gar nicht erst entstehen zu lassen? Wo ist meine eigene Grenze?

Danke1xDanke


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  14.02.2018 09:15  
Hm, schwieriges Thema. Wenn beide Partner ein psychisches Problem haben, ergeben sich natürlich noch mehr Schwierigkeiten als in einer "normalen" Beziehung.

Als Altenpfleger bekommst du ja wahrscheinlich relativ leicht einen Job. Wäre es eine Option, dass deine Freundin zu ihren Eltern geht und ihr aber auf lange Sicht einen Neuanfang dort plant? Also quasi eine Probezeit bei ihren Eltern und wenn es ihr dort wirklich besser geht, ziehst du dorthin.

Danke1xDanke


  14.02.2018 09:31  
Würde Luna70 beipflichten.

Als Fachkraft für Altenpflege findet man überall Arbeit. Eine kleine Wohnung nehmen für Dich selbst, die in der Nähe liegt deiner Freundin/Ihrer Eltern.

So wärst Du in ihrer Nähe. Hast Du Angst deine Heimat und deine Kontakte zurück lassen zu müssen?

Danke1xDanke


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  14.02.2018 09:54  
@pm73207

Hallo Philipp,

da du von der große Liebe/Lebenspartnerin sprichst, verstehe ich nicht, warum du diese Beziehung aufgeben möchtest?
Ich verstehe die Gedanken der Vernunft nicht.
Ihr habt es ja noch gar nicht wirklich versucht eine Fernbeziehung zu beginnen. Eine Fernbeziehung ist ja auch keine Dauerlösung, aber 1 Jahr kann
man überbrücken und schauen wie man zueinander steht oder wie es sich entwickelt.
Ich würde es aushalten aus Liebe oder zumindest versuchen.
Sowie Luna70 und Digitale Kopie schon schrieben, einen Umzug oder Jobwechsel wären ja auch gut umsetzbar.
Einen 2 Hälfte findet man nicht so schnell an jeder Ecke.

Danke1xDanke


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  14.02.2018 09:57  
kirasa hat geschrieben:
Ich würde es aushalten aus Liebe oder zumindest versuchen.
.


Da ist aber der Knackpunkt. Wenn für ihn eine Fernbeziehung absolut nicht in Frage kommt, dann ist das eben so. Etwas "auszuhalten" zerstört manchmal mehr, als man denkt.

Danke1xDanke




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  14.02.2018 11:26  
digitale Kopie hat geschrieben:
Würde Luna70 beipflichten.

Als Fachkraft für Altenpflege findet man überall Arbeit. Eine kleine Wohnung nehmen für Dich selbst, die in der Nähe liegt deiner Freundin/Ihrer Eltern.

So wärst Du in ihrer Nähe. Hast Du Angst deine Heimat und deine Kontakte zurück lassen zu müssen?



Nein, Angst habe ich da (rein logisch betrachtet) nicht. Aber ich habe so einen Schritt schon einmal gewagt, wurde nach kurzer Zeit verlassen und saß dann allein in einer mir fremden Umgebung für 4 Jahre fest (ausbildungsdauer), was meine verlassenangst noch bestärkt hat. Deshalb tue ich mir mit diesem Gedanken sehr schwer.



  14.02.2018 11:45  
PM73207 hat geschrieben:
Nein, Angst habe ich da (rein logisch betrachtet) nicht. Aber ich habe so einen Schritt schon einmal gewagt, wurde nach kurzer Zeit verlassen und saß dann allein in einer mir fremden Umgebung für 4 Jahre fest (ausbildungsdauer), was meine verlassenangst noch bestärkt hat. Deshalb tue ich mir mit diesem Gedanken sehr schwer.


Ja, das ist nachvollziehbar. Abr du hast ausgelernt, für den Fall, dass es nicht klappt, könntest du wieder zurück in die Heimat.
Du liebst Sie. Das merkt man deinen Texten an.

Lass Dich nicht von deinen Ängsten besiegen.

Danke1xDanke


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  14.02.2018 12:46  
seventeen hat geschrieben:

Da ist aber der Knackpunkt. Wenn für ihn eine Fernbeziehung absolut nicht in Frage kommt, dann ist das eben so. Etwas "auszuhalten" zerstört manchmal mehr, als man denkt.


Es ist doch nicht für immer, solange bis sie sich gefangen hat und es ihr besser geht. Was sind schon ein paar Monate?
Wenn kann man dann ja noch über eine Trennung nachdenken, wenn ein Umzug nicht möglich ist oder gewollt.
Eine Trennung kann man auch schlecht aushalten.

Danke1xDanke




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  21.02.2018 15:06  
Hallo nochmal,
zuerst mal danke für die Antworten, das hat mir geholfen!
Mittlerweile hat sich die Situation wieder verändert. Ich schildere mal alles und hoffe, dass ich wieder so viele liebe antworten bekomme.

Bine wurde vor 6 Tagen wegen akuter Suizidgedanken (sie hatte wieder angefangen einen Plan auszuarbeiten) auf die geschlossene, psychiatrische Station des klinikums in dem sie stationär therapiert wird, eingeliefert. Sie lag die erste Nacht in einem beobachtungszimmer, Dann in einem drei Bett zimmer und die Nacht von gestern auf heute wieder im beobachtungsraum. Ich war jeden Tag ein paar Stunden bei ihr, das hat ihr sehr geholfen.

An diesem Montag war ich gerade wieder gefahren, weil sie ein Gespräch mit ihrem Therapeuten hatte, der sie im geschlossenen Bereich besuchte. Kurz nach diesem Gespräch schrieb sie mir völlig aufgelöste, selbsthasserische und negative nachrichten. Sie sei ein Monster, Ich würde sie hassen, Ich würde sie verlassen. Sie müsse dringend mit mir reden.
Ich war natürlich erstmal geschockt, bin zurückgefahren und habe währenddessen versucht, sie zu beruhigen.
Als ich bei ihr ankam, gestand sie mir, dass sie in ihrer therapiegruppe einen Mann kennengelernt habe, in den sie verliebt sei. Sie hatte einen guten Draht zu ihm, Könnte mit ihm Therapiebezogen gut sprechen und kam durch ihn und mit ihm zum klettern, was ihr sehr gut tut. Sie fühle sich von ihm angezogen und fühle sich furchtbar, wie eine *beep* und als habe sie mich betrogen. Ich fragte nach, und sie hatte ihn nicht geküsst, nicht umarmt oder sonst etwas. Sie habe davon geträumt und wenn sie sich dabei erwischte, Habe sie sich geschämt und aufgehört. Sie sagte, dass sie mich noch genau so sehr lieben würde wie sonst und dass sie sich das nicht erklären könne. Aber es sei schrecklich und man könne nicht zwei Menschen lieben etc..
Ich sagte ihr, dass ich sie natürlich nicht verlassen würde, dass das eben manchmal vorkäme und solange sie mich liebe und nichts passiere, alles in Ordnung sei.
Ich war an diesem Tag noch lange bei ihr und sie war sehr erleichtert, ob meiner Reaktion. Sie erklärte mir, dass ich mir keine sorgen machen müsse, sie zu verlieren, weil sie wisse dass unsere Liebe mehr ist, als Schwärmerei. Sie versprach mir, mir das auch zu zeigen und dass sie lernen Wolle, mit diesem Gefühl für den anderen Mann umzugehen. Dieser Mann hat übrigens keinerlei Interesse an einer romantischen Beziehung zu Bine.
Ich denke, in einer Therapie kommt es oft vor, dass sich Menschen kennenlernen die eine tolle Vertrauensbasis zueinander aufbauen. Allein durch den Ort des Kennenlernens. Ich gebe ihr also auch keine Schuld oder sowas. Für seine Emotionen kann man nichts und Bine braucht Menschen, denen sie sich verbunden fühlt.

Bine wurde heute Vormittag wieder verlegt. Allerdings nicht auf die Station von vor ihrem Aufenthalt im geschlossenen Bereich, sondern auf eine andere. Dieser Umstand war auch dafür verantwortlich, dass sie die letzte Nacht wieder im beobachtungsraum verbrachte. Nachdem ich sie überredet hatte, gab sie ihren Plan auf, es nachts zu versuchen und stimmte zu, unter Beobachtung zu schlafen.
Die letzten 6 Tage waren für mich sehr anstrengend. Einmal Lebensgefahr, beziehungskrise und zurück.
Mein nun aktuelles Problem, Wegen dem ich hier erneut schreibe, ist folgendes.
Ich vertraue meiner Bine. Wenn sie sagt, sie liebt mich, Dann liebt sie mich. Wenn sie sagt, Ich muss keine angst haben, Dann glaube ich ihr das. Ich vertraue auch unserer Beziehung, die sehr stark ist. Sonst hätten wir all das nicht zusammen geschafft.
Aber meine angstgedanken machen mich fertig. Ich frage mich immer wieder, wieso es passiert dass sie einen anderen so anziehend findet dass sie von ihm träumt. Sie sagt zwar, dass sie solche Gedanken mit mir öfter hat, Aber trotzdem muss sie an dem anderen etwas finden, dass ich ihr nicht geben kann. So verselbständigt sich dann alles. Merkt sie im weiteren Kontakt mit ihm, dass sie mich nicht mehr will? Passiert irgendwann doch etwas zwischen den beiden? Muss ich mir sorgen machen, dass ihr liebe zu mir weniger wird?
Ich schwanke ständig. Einerseits vertraue ich ihr blind und habe auch ihre sehr SEHR gründliche Erklärung wieso sie mich so sehr liebt, geglaubt. Andererseits habe ich in den letzten so kritischen Tagen und Nächten das Auge dafür verloren, Wann meine Bine mit mir spricht und wann die Depression, bzw die daraus folgenden absurden Gedanken.
Ich bin jetzt sehr verzweifelt und habe angst. Ich will sie aber jetzt auf nicht belasten, indem ich sie einenge. Ihr Plan ist, zurück auf ihre "Stammstation" zu kommen, um dort (auch mit diesem Mann) ihre Therapie fortzuführen. Ich habe ihr gesagt, dass sie tun soll was sie für richtig hält, dass sie mit diesem Mann auch weiter klettern gehen und Kontakt haben soll, wenn sie das möchte oder brauche. Ich habe ihr gesagt, dass ich ihr vertraue. Aber ich hab schlimme angst.

Ich hoffe, irgendwer hat schon Erfahrungen gesammelt, die er oder sie mit mir teilen könnte.

Liebe Grüße, Philipp



6431
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  21.02.2018 15:36  
Wichtig ist erstmal zu wissen, möchtest du nun eine Trennung oder nicht?
Da stand ja der Umzug und die Trennung im Raum.
Wo wird sie nach der Klinik hingehen wollen?





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  21.02.2018 15:40  
Ich habe ihr bereits gesagt, dass ich sie begleiten werde, Egal in welcher Form. Als sie mir ihre Gefühle für den anderen gebeichtet hatte, hat sie mir unter anderem erzählt, dass sie mit mir gemeinsam ihr Leben verbringen möchte. Wir haben dann gemeinsam Pläne geschmiedet. Das hatte ich als sehr positives Zeichen gewertet.



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  21.02.2018 16:02  
Also ehrlich gesagt denke ich, dass diese Schwärmerei euer kleinstes Problem ist. Deine Freundin ist offenbar akut suizidgefährdet, erstmal ist doch das wichtigste dass es ihr wieder besser geht. Oder steht ihre Krise im Zusammenhang mit den Gefühlen für diesen Mann?





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  21.02.2018 16:05  
Luna70 hat geschrieben:
Also ehrlich gesagt denke ich, dass diese Schwärmerei euer kleinstes Problem ist. Deine Freundin ist offenbar akut suizidgefährdet, erstmal ist doch das wichtigste dass es ihr wieder besser geht. Oder steht ihre Krise im Zusammenhang mit den Gefühlen für diesen Mann?


Natürlich ist das das wichtigste! Inwiefern ihre Krise mit dem anderen zusammenhängt, Kann ich nicht genau sagen. Bine selbst bestreitet das und ich kann ihrer Argumentation glauben. Ich habe eher den Eindruck, dass vor allem ihre Angst, mich zu verletzen oder zu verlieren dafür verantwortlich war. Sie hat ihre Verliebtheit für sich selbst falsch eingeschätzt und sich dafür völlig verdammt. Sie war eben der Meinung, dass so etwas bedeutet, dass sie mich betrügt oder nicht mehr "Richtig" liebt.





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  21.02.2018 16:31  
Das schlimme ist ja gerade der Umstand, dass sie mir (abgesehen von der schwärmerei, die ich absolut toleriere, weil es menschlich ist) so wirklich gar keinen Grund gibt, mir Sorgen zu machen. Ängste und horrorvostellungen habe ich trotzdem. Zusätzlich zu der eh schon beherrschenden Angst um ihr Leben. Vielleicht verstärkt sich das alles durch den umstand, dass sie akut gefährdet ist. Keine ahnung, aber es ist echt schlimm für mich.

Ps: ich hoffe, hier kommt niemand auf die Idee, ich möge behaupten dass ich mir momentan mehr Sorgen um mich als um sie mache. Es geht um ihr Leben und ich würde sie den Typen auch fressen lassen, wenn ihr das nur irgendwie hilft. Aber ich muss auch schauen, wie ich mit allem umgehe



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser

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