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Guten Morgen, liebe Forumskolleginnen und Kollegen,
gerade habe ich mich zum ersten Mal hier registriert nachdem ich einige Berichte gelesen habe und gesehen habe, wie hilfsbereit und nett Ihr seid!
Ich wohne in Rhein-Main-Gebiet, bin 44 , glücklich verheiratet mit zwei Kindern, habe einen sehr guten Job und gute Position (darüber schreibe ich noch mehr) und kämpfe gegen Depression und Panikstörung, die mir die ganze Freunde an allem was ich habe, rauben.

Meine Geschichte ist relativ einfach. Vor exakt 15 Jahren wurden bei mir Depression mit Panikattacken diagnostiziert, nachdem ich 6 Monate lang nach Ursache für unterschiedliche plötzlich aufgetretene körperliche Symptome suchte. Diese waren Schwindel, Tinnitus, Kribbeln im ganzen Körper usw., und irgendwann übergingen diese Symptome in psychische, so dass ich einfach bedrückt und unglücklich wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich arbeitslos nachdem ich nach meinem Studium 2 Jobs verlor und im ersteren gemobbt wurde. Ich sage 'arbeitslos' hier weil damals es mir erlaubte nach Ursachen zu suchen und zu finden. Danach bekam ich einen Termin bei einer Psychiaterin in Frankfurt, die mir Cipralex 10 MG und Psychotherapie verschrieb. Cipralex hat mir sehr schnell geholfen; nach ca. 2-3 Wochen waren alle meine Symptome weg, ich wurde munter und gut gelaunt, fand einen neuen Job, habe später sogar promoviert und habilitiert und erhielt vor 2 Jahren einen Professortitel in Epidemiologie und medizinischer Soziologie. Mein Leben war sozusagen ein Paradies. Natürlich gab es immer wieder Probleme und schlechte Tage und man war traurig aber nicht krank. Vor einem Jahr geriet ich in Krankenhaus wegen einer gutartigen Tumor, und musste 3 Tage Ergebnisse abwarten- in diesen drei Tagen ging mir sehr schlecht aber meine Depression kam nicht zurück.

Ah ja, nach 2 Jahren 10 MG wurde auf 5 MG reduziert, die ich bis zuletzt genommen habe; Absetzversuche habe ich keine unternommen, mir ging es mit Cipralex gut und ich wollte nicht testen wie es ohne wäre. Psychotherapie hat nichts gebracht. Es war angenehm zu reden und zu spekulieren aber am Ende meinte der Arzt dass die Depression höchstwahrscheinlich endogener Natur ist (auch wenn bestimmte Ereignisse diese verursachen oder verschlimmern).

Vor exakt 5 Tagen am Montag kamen Panickattacken zurück und zwar heftig. Ich habe einen Unikollegen gefragt: und nun habe ich wieder auf 10 MG Cipralex umgestellt, sprich ich nehme seit gestern 10 MG; warum erst seit gestern? Weil ich das Original-Cipralex bestellte (die letzten Jahren waren es nur Generika, mit denen mir aber gut ging, trotzdem dachte ich probiere mal mit original).

Ich habe mich krankschreiben lassen; das ist im Moment extrem schlecht, da viele krank sind... aber ok.

Was ist denn passiert? Und hier möchte ich gerne Euren Rat wissen. Mein Institut ist vor 5 Tagen umgezogen; ich habe mein Einzelbüro verloren, muss im Großraumbüro sitzen. Das ist mir nicht so wichtig da ich eh ständig in Meetings oder mit Kollegen in Projektteams bin. Aber alles ist neu: neues Gebäude, neue Flur, neue Farben. Und als ich am Montag gekommen bin, sind bei mir
Panickaattacken gerade dort begonnen, und dann diese Angst vor der Angst..... Dann bin ich nach Hause gekommen, nächste Tage war immer schlimmer, vor allem nachts, Albträume, dann Morgentief. Und ich frage mich, wie kann so eine Kleinigkeit diese Depression auslösen? Ist das denn möglich wenn alles andere gut ist? Jetzt sitze ich zu Hause, kann nichts machen, habe Hitzewallungen und Angst dass es nicht weggeht, dass ich meinen Job verliere und das wäre alles. denn dann keine Wohnung wird ausbezahlt usw.

Ich weiß dass viele eine Hoffnung haben, auch nach Monaten; ich habe sie nach 5 Tagen kaum mehr........

Das ist die kurze Geschichte....Danke fürs Lesen!

10.03.2018 11:25 • 21.03.2020 #1


5 Antworten ↓


Icefalki
Karel, willkommen bei uns.

Weisst du, es ist ganz einfach. Wer eine Angsterkrankung hat, oder hatte, ist ein Mensch, der bei Stress sofort quasi "erinnert" wird. Stress allgemein belastet. Uns kann der sofort wieder umhauen, weil sich das so wie früher anfühlt. Und wir eh ziemlich hoch im Adrenalin stehen. Bzw. wir einfach sofort reagieren.

Was bei dir jetzt abläuft ist nix anderes als jetzt darauf unangebracht zu reagieren. Einmal Angst erlernt, hihi, kann man das immer. Wie Radfahren. Verlernt man ja auch nie mehr.

Was du jetzt tun kannst, ist dir zugestehen, dass du Angsterkrankt bist. Deshalb dein Rückfall. Hast dich zuviel auf den Medis ausgeruht, und nicht an den Ursachen deiner Angst gearbeitet. Kannst ja mal drüber nachdenken, das jetzt in Angriff zu nehmen

Angst entsteht nur dann, wenn viel Unsicherheit in einem drinsteckt. Ob nun bewusst, oder unbewusst. Und zur jetzigen Situation, erlaube dir, solltest du meine Gedanken teilen können, dass Veränderungen Stress auslösen, Stress gefühlt wird und Angst auslöst. Nur logisch.

10.03.2018 11:41 • x 1 #2



Hallo karel,

Mein Kampf gegen Depressionen und Panikstörungen

x 3#3


Hallo Icefalki,
danke für Deine Antwort. Es ist mir bewusst. bei mir ist das eine Art Stressreaktion gewesen. Jetzt im Prinzip auch. Aber Stress geht, Angst bleibt. Und nicht einfach Angst, auch Depression. Ich frage mich ob Cipralex jetzt hilft wenn er damals geholfen hat?

10.03.2018 11:56 • #3


Hi,

ich kann das gut nachvollziehen. Ich war mit Paroxetin 5 Jahre beschwerdefrei und da kann mir auch keiner beantworten warum es nicht mehr half. Ich habe auch alles durch und nichts hat geholfen. Es scheint laut Ärzten genetisch zu sein.

21.03.2020 20:30 • #4


Tanja206
Hallo Karel,

hört sich für mich so an, als wäre der Umzug und die neuen Eindrücke eher der Tropfen der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Aber da kann ich mich auch täuschen, nur eine Mutmaßung.

Hast Du denn damals eine Therapie gemacht oder hast Du "nur" Medikamente genommen?

Ansonsten sehe ich das auch so wie Icefalki, man muss an die Ursache gehen, auch wenn das unangenehm ist, aber Medikamente unterdrücken die Symptome ja erst einmal nur.

21.03.2020 20:42 • #5


Zitat von Tanja206:
Hallo Karel,hört sich für mich so an, als wäre der Umzug und die neuen Eindrücke eher der Tropfen der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Aber da kann ich mich auch täuschen, nur eine Mutmaßung.Hast Du denn damals eine Therapie gemacht oder hast Du "nur" Medikamente genommen?Ansonsten sehe ich das auch so wie Icefalki, man muss an die Ursache gehen, auch wenn das unangenehm ist, aber Medikamente unterdrücken die Symptome ja erst einmal nur.


Hallo, das ist nicht ganz korrekt, es gibt leider Depressionen ( endogene ), wo es leider Veränderungen im Neurotransmitterhaushalt gibt ohne Ursachen. Diese sind oft genetisch bedingt. VG

21.03.2020 22:19 • x 1 #6




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