Hallo zusammen,

ich habe bereits die Suchfunktion bemüht und ähnliche Beiträge gefunden die teilweise etwas älter sind, ich würde allerdings sehr gerne Leidensgenossen mit aktuell ähnlichen Problemen finden und mich austauschen.

Ich bin seit Anfang Januar diesen Jahres krankgeschrieben, war bereits in einer Klinik die mir wahnsinnig viel gebracht hat. Allerdings kam die Erkenntnis relativ schnell, dass man innerhalb 8 Wochen unmöglich alle ,,Baustellen bearbeiten kann. Ich mache aktuell ambulant weiter therapie, werde in eine Selbsthilfegruppe gehen und mache einiges im Selbststudium.

Mir geht es auch schon viel besser, aber es ist wie bereits erwähnt noch einiges zu behandeln.

Hauptauslöser für meine Probleme momentan ist meine Arbeit, die mich absolut krank gemacht hat. Ich möchte unbedingt einen anderen job in einer anderen Firma antreten.

Jedoch bin ich nach wie vor noch krankgeschrieben und brauche wirklich noch eine Auszeit bevor ich weitere Schritte Richtung Arbeit gehe.

Was mir jetzt in die Quere kommt sind meine unfassbaren Schuldgefühle, ich bin ja schon viel zu lange krank und müsse doch jetz ,,endlich wieder mal arbeiten gehen, und sehe vor meinem geistigen Auge zwei meiner Chefs, die mir diesen Satz wieder und wieder reinpressen. ich erzeuge mir somit mächtig selber Druck. Der Betriebsarzt und der Betriebsrat sind voll auf meiner Seite und unterstützen mich. Trotzdem habe ich so eine unfassbare Angst.

Ich habe einen neuen Facharzt der auch nach dem Motto meinte, ,, also n Jahr wollen wir sie jetz nich krankschreiben, das kriegen wir jetz schnell hin und dann gehts weiter. Das erzeugt wieder nur noch mehr Druck, wobei ich mir die Zeit nehmen möchte wieder voll auf den Beinen zu stehen, bevor es mich wieder zusammenhaut weil ich aus lauter Pflichtgefühl und Selbstvorwürfen wieder arbeiten gehe.

Meine Frage nun: ,,Geht es mehreren Leuten hier so? Wenn ja, wie geht ihr damit um und wie lange seit ihr schon krankgeschrieben?

Viele Grüße

29.07.2019 14:09 • 13.08.2019 #1


9 Antworten ↓


Herzenswaerme
Hallöchen. Ich persönlich glaube, dass man die Frage pauschal nicht beantworten kann. Jede Depression ist anders, von daher auch ihr Schweregrad. Wie belastbar bist Du bzw. wie belastbar fühlst Du Dich selbst? Und geht es Dir um Dich selbst und um Deine Gesundheit oder darum, möglichst einen neuen Job antreten zu können?
Wenn Du Dich "jetzt schon" so belastbar fühlst, kannst Du Dich ja vorab in einem neuen Unternehmen bewerben. Ich weiß leider nicht, ob es an dieser Stelle ein guter oder ein schlechter Rat ist, weil ich Deine Situation im Detail nicht kenne und von daher nicht abschätzen kann, wie schwer Dein Krankheitsbild ist.
Wenn Du unter einer schweren Depression leidest, Deinen Alltag nicht hinbekommst, macht es m. E. auch keinen Sinn, sich irgendwo zu bewerben.

Es sollte immer darum gehen, dass Du gesund wirst. Eine Krankschreibung dauert nicht ewig. Wenn es Dir nicht besser ergehen sollte, Du also weiterhin arbeitsunfähig bist, wird ein Rentenverfahren eingeleitet.

Was sagt Deine Therapeutin? - Du könntest Deine persönliche Situation mit ihr besprechen und sich wertvolle Ratschläge von ihr holen -. Wenn Du genau weißt, dass es Dein Job ist, der für die Depression verantwortlich ist, kannst Du dagegen ansteuern, indem Du genau das änderst. Ansonsten würdest Du Dich nur im Kreis drehen und genau dort wieder anfangen, wo Du zuvor aufgehört hast.

Aber wenn Du so gar nicht belastbar bist, ist es sehr schwierig, Deine Frage zu beantworten.

Mein erster Ratschlag würde lauten, dass Du Dich unbedingt mit Deiner Therapeutin besprechen solltest, die Deine Situation gerade am besten kennt. Viele liebe Grüße ...




29.07.2019 15:23 • #2


Huhuuu erst einmal vielen lieben Dank für deine Antwort.

Ich unternehme schon viel mehr und bin wieder öfters mit meinen Leuten im Kontakt, besuche sie und sie mich. Ich schlafe schon viel besser, allerdings beiße und Presse ich meinen Kiefer sowohl im Schlaf, als auch tagsüber in stressigen Situationen so dermaßen, dass ich dadurch Sehstörungen, Kopfschmerzen und Verspannungen habe - habe schon eine Schiene für die Nacht, der Ursprung ist allerdings ganz klar psychisch, da ich noch unter anderem die Erlebnisse der Arbeit in der ambulanten therapie behandle. In der Klinik wurde eher der Aspekt in der Zukunft gesucht und ,,das es weiter geht. Ich wurde in der Klinik vor ca 4 Wochen mit einer ,,mittelschweren Depression entlassen.

Ich habe zeitweise noch Magen Darm Probleme, bin ab und an ziemlich antriebslos und fühle mich noch nicht wirklich ,,gesund.

Ich habe eher den Druck eine neue Arbeit zu finden um diese ständigen Selbstvorwürfe loszuwerden, wieder leisten zu können und nicht mehr ,,auf der faulen Haut rumliege, sozusagen der innere Kritiker. Auch ist damit verbunden die irrsinnige Angst vor meinem jetzigen Arbeitgeber, der mir zunehmend negativ eingestellt ist, obwohl ich eh wo anders arbeiten möchte und der Betriebsrat hinter mir steht. Mir wird von Außenstehenden ständig geraten, mir die Zeit zu nehmen und dass ich dabei nichts falsch mache. Mir fehlt ein Stück weit diese ,,Leck mich am A*sch Stimmung.

Mein Plan war eigentlich die Aufarbeitung weiter ambulant zu machen, in die Selbshilfegruppe einzutreten und weiter so konsequent therapeutisch am Ball zu bleiben, bis ich zuversichtlich in die Zukunft und in die Verhandlungen mit meinem Arbeitgeber gehe. Jedoch habe ich so einem mordsmäßigen Druck, sofort in Verhandlung zu gehen und sofort zu arbeiten um diese verdammten Schuldgefühle loszuwerden. Dann noch die Aussage vom Arzt..... Ich bin gerade echt etwas am verzweifeln

29.07.2019 15:46 • #3


Herzenswaerme
Guten Morgen. Jetzt habe ich mit "Schrecken" festgestellt, dass Du ein Mann bist, ich dachte, Du bist eine Frau. - dann bist Du wahrscheinlich gerade bei einem TherapeutEN -.

Ich höre ebenfalls auf jede "Bemerkung" aber vielleicht hilft es Dir an dieser Stelle zu wissen, dass auch alle Ärzte (+ Krankenversicherung) darauf hinwirken (müssen), Dich vor einem größeren Schaden zu bewahren, z. B. vor einem Arbeitsplatzverlust etc., der dann zwangsläufig auch mit einer Notsituation einhergehen würde. Auch wenn Du jetzt vielleicht noch gar nicht daran denkst, die Ärzte tun das bestimmt und das Krankengeld ist irgendwann ja auch mal "ausgelaufen". Bereits mit Bezug des Krankengeldes gehen (erhebliche) finanzielle Einbußen einher und die meisten haben eben keine Zusatzversicherung, die für diese Fälle einspringt. Was sich dann anschließen würde, ist schlicht und ergreifend Hartz IV. Nun mag ich Deinen "Fall" nicht pauschalieren und sicherlich liegt das noch ganz, ganz weit in der Ferne aber vielleicht hilft es Dir dann besser, mit der ärztlichen "Bemerkung" umzugehen.
Wenn Du Dich im KG-Bezug befindest, entstehen Dir finanzielle Einbußen.
Dieser hat auch bereits Auswirkungen auf Deinen späteren Rentenbezug.
Dies sind alles Dinge, an die Du vielleicht "jetzt", in Deiner schweren Situation, noch nicht zu denken vermagst aber die Ärzte "müssen" das und wahrscheinlich versuchen sie Dich auch deshalb schnell wieder zurück ins Arbeitsleben zu "schieben".

Weiß der behandelnde Neurologe/Psychiater etwas von den Problemen in Deiner Firma?
- Denn das sind ja meist zwei verschiedene Schuhe: der Neurologe/Psychiater schreibt "krank" und verschreibt ggf. die erforderlichen Medikamente, der Therapeut wiederum führt mit dir die Therapie durch und kennt damit auch alle näheren Umstände, die dem behandelnden Neurologen nicht unbedingt ersichtlich sind -.

(Ich beleuchte es mal von allen Seiten )

Und schlussendlich die Arbeitgeberseite: Hier fehlt ein Mitarbeiter. Warum er bereits "so lange" krank ist, wird dort nicht ersichtlich sein.
Man stellt eine Vertretung ein - oder der Kollege muss Mehrarbeit leisten -.
Zunächst wird man wohl abwarten, ob der Mitarbeiter wiederkommt. Dieser ist aber ohnehin im "Zugzwang", weil ja immer wieder eine Krankmeldung eingereicht werden muss aber irgendwann wird auch er sich überlegen müssen, wie es weitergeht.
Verstehst Du, worauf ich hinaus will?

Ohne Deine näheren Umstände zu kennen, d. h., ohne dass man weiß, was genau in der Firma vorgefallen ist, wird es sehr schwierig sein, Dir hier einen guten Rat zu geben.
Wenn der Arbeitgeber bereit ist, mit Dir zu "kooperieren" und z. B. einen Abteilungswechsel anzustreben, wäre das gut und würde Dir evtl. auch helfen, die Depression loszuwerden.

Das schlechte Gewissen ist wohl zu einem Teil völlig normal, denn schließlich wurdest Du aus Deinem Alltag "herausgerissen", bist jetzt den ganzen Tag "daheim" und hast nichts "zum Vorzeigen", wie etwa ein gebrochenes Bein etc. - das typische Beispiel eben -.
Wenn Du Dich also noch nicht gesund fühlst, dann bleib zu Hause bzw. lass Dich weiterhin krankschreiben. Falls Du aber wieder arbeiten gehen solltest und das nicht funktioniert, dann könntest Du es als einen Arbeitsversuch betrachten und danach eben wieder gehen. Trotzdem bleibt es dabei, dass das Krankengeld irgendwann mal ausläuft und es zu weiteren finanziellen Einbußen kommen würde.

Möchtest Du diese finanziellen Einbußen beim Arbeitgeber geltend machen, wenn Du sagst, dass der Betriebsrat hinter Dir steht?

Dennoch solltest Du Dir auch vor Augen halten, dass es auch die chronische Depression gibt, Du Dich somit also "niemals mehr" richtig fit fühlen wirst ...




30.07.2019 08:11 • #4


Wow, vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Von diesem Blickpunkt des Arztes habe ich es ehrlich gesagt noch nicht gesehen, ich bin allerdings der Meinung, dass trotz der Gefahren von Hartz IV (By The way: Zuerst ALG I danach rutscht man in das zweier) es überhaupt keinen Sinn macht halbkrank wieder arbeiten zu gehen um dann nach 1 oder 2 Jahren wieder in einer Klinik zu landen und wieder KG zu erhalten. Ich habe 2015 bereits panikattacken gehabt, welche ich mit einer tiefenpsychlogischen Therapie überwunden habe.

Zwar lag ein großer Teil meiner Panik im privaten, ich wollte allerdings damals nicht wahrhaben dass die Auslöser der PAs mein Job war. Eigentlich haben die Schikanen dann schon in der Wiedereingliederung begonnen, ich habe trotzdem weiter gemacht weil ich ein Ziel hatte. Mir wurde zuletzt sogar gesagt, wenn ich Gas gebe wird mir das und das Versprochen. Das habe ich, habe die Arbeiten von Kollegen freiwillig mitgemacht, wurde teilweise bis aufs Blut vor Kunden erniedrigt, habe meinem Chef desöfteren den ,,Ar. gerettet und habe arbeiten gemacht, die eigentlich von ganz anderen Personen in einem anderen Berufskreis hätten gemacht werden sollen. In stressigen Zeiten wurde ich alleine gelassen, habe die Arbeit meiner Kollegin (die alles falsch gemacht und ich in Ihrem Urlaub verbessern musste und somit meinen Chef den Ar. gerettet habe), Kunden bedient und nebenbei meinen Job gemacht. Normalerweise sind dafür 6 Leute zuständig. Ich habe das alleine mit dem Azubi gestemmt und mein Chef hat mich nebenbei noch herabwgewürdigt in dieser Zeit. Achja, mir wurde Gebetsmühlenartig vorgeworfen etwas verbrochen zu haben und ich habe zig mal beteuert niemanden beleidigt, ans Bein gepinkelt oder viele und gravierende Fehler gemacht zu haben. Ich habe auch gesagt, dass Sie bitte ehrlich mit mir sein sollen und mir endlich sagen sollen was ich verbrochen haben. Dann hätte ich von mir aus bei einem aufhebubgsvertrag, einem guten arbeitszeugnis und einer abfindung mit denen arrangiert und wäre gegangen. habe bis heute keine Antwort dafür bekommen, was ich eigentlich gemacht habe.
Das schlimmste waren die subtilen Sticheleien, aber vorne rum Lächeln sie einem ins Gesicht.
Irgendwann war es so schlimm, dass ich pflichtbeweusst wie ich bin beim totalen Zusammenbruch eine weitere Arbeit gemacht habe, die meinen Chef wieder den Ar. gerettet hat weil meine Kollegin alles vergeigt hat. Bin dann zum stempeln und beim stempeln habe ich mir gesagt, ,,ok, das reicht, das wars hier, das ist mein letzter Tag, ich bin kein Mensch mehr, ich bin ein Zombie, ich fühle nur noch Pein, Aggression, Wut, Verzweiflung und Angst.....ich kann einfach nicht mehr. Und so bin ich seit Januar krankgeschrieben.
Bei mir ist so viel verbrannte Erde entstanden, dass ich, egal in welcher Abteilung bin, schon beim alleinigen betrachten des Firmenblems in alte Muster zurückkehre. Ich kann mir sogar vorstellen dass das alles ein Stück weit Kalkül war. Ich bin so krass voreingenommen gegenüber Arbeit, und die meiste Zeit nur Erniedrigung gewöhnt, dass ich mir gar nich vorstellen kann, dass es Arbeitsstellen gibt die überhaupt etwas Spaß machen. (Ich bin seit 10 Jahren seit meiner Ausbildung in der aktuellen Firma und kenne nichts anderes)
Achja, das was mir gesagt wurde, wenn ich Gas gebe ,,drehen wir was, wurde nach einem halben Jahr als ,,ich weiß von nix abgeschlagen. Ich hab dann relativ schnell gemerkt, dass jemand gesucht wird, der Fehler der Kollegin ausbügelt aufgrund der vorhanden Qualifikation und know how.

Der Betriebsrat und die Betriebsärztin kennen die Story und sind auf meiner Seite und sagen mir ich soll mir die nötige Zeit zur Gesundung wieder nehmen, sprechen aber alle von Wiedereingliederung und dass sie mich nicht gehen lassen wollen.

Ich möchte um Himmels Willen nicht mein ganzes Leben lang krankgeschrieben werden, aber ich will auch nicht wieder in die selbe ,,sch. geraten und zu früh und nur wegen den Schuldgefühlen wieder in eine neue Arbeit gehen.

Ich möchte diese Angst eben in der therapie ansprechen und mich wieder fit fühlen für einen neuen Job, aber eben nicht mit so einem Druck um biegen und brechen innerhalb einer festgelegten Zeit wieder ,,gesund zu sein, ich aber noch nicht gesund bin. Ich weiß allerdings nicht wie ich das mit mir arrangieren kann, deswegen meine anfängliche Frage, ob es jemanden ähnlich so geht.

Und mein AG hat die Krankenschreibung der Klinik gesehen. Wenn er 1 und 1 zusammenzählen und nur ein bisschen sich in meine Lage versetzt, dann weiß er ganz genau was los ist. Und ob er dafür personellen Ausgleich suchen muss ist mir herzlich egal.

Das mit den finanziellen Einbußen bin ich gewohnt, ich bekomme jetzt so viel Krankengeld wie ich verdient habe, da mir nach dem Studium was anderes gesagt, allerdings nie eingehalten wurde und ich immer noch so viel verdiene wie als Werkstudent.... Und ich habe weiter gemacht.

Emtschuldige bitte für etwaige ,,harte Ausdrucksweise, es ist einiges an Emotionen hochgekommen.

Achja, meine Therapeutin ist eine Frau

30.07.2019 16:54 • #5


Perle
Hallo Compadre,

Du bist Dir selbst der Nächste und nur wenn es Dir gut geht, kannst Du auch Leistung erbringen. Bei Dir lese ich heraus, dass Du noch nicht soweit bist, also nimm' Dir die Zeit, die Du noch brauchst. Gesundheit ist das höchste Gut wie es so schön heißt und letztlich kannst nur Du allein die Entscheidungen treffen und Sorge für Dich tragen! Dazu gehört auch ein gewisser "gesunder" Egoismus!

Glaube nicht, dass sich Dein AG bei Dir bedankt, wenn Du Dich da jetzt wieder hin schleppst. Er wird Dich weiterhin ausnutzen, denn Du hast noch nicht gelernt, klare Grenzen zu setzen. Lasse Dich weiter krank schreiben und wenn Du Dich stabil genug fühlst, dann strecke Deine Fühler nach einem anderen Job aus. Nach 10 Jahren in der selben Firma ist es m. M. nach sowieso Zeit, noch berufliche Erfahrungen in anderen Firmen zu sammeln und ganz ehrlich: Wer oder was hält Dich denn noch dort? Du arbeitest für andere mit, rettest Chef dauernd den A. und bekommst ein schlappes Gehalt und Unmenschlichkeit als Dank? Ich finde, Du hast was Besseres verdient!

LG Perle

30.07.2019 18:05 • #6


Herzenswaerme
... MIR erging es ähnlich, deshalb brauchst Du Dich für diese "Explosion der Gefühle" auch nicht zu entschuldigen.

Um das AG zu erhalten, muss man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Sollte man aufgrund Krankheit daran gehindert sein, erhält man zwar auch "Arbeitslosengeld" aber das wäre dann im wahrsten Sinne des Wortes Hartz IV, es nennt sich lediglich "Arbeitslosengeld".
Ansonsten muss sich an der Gesetzeslage etwas geändert haben, dann erkundige Dich lieber vor Ort bei der Krankenkasse, da das KG definitiv nicht unbegrenzt ausgezahlt wird (und im Übrigen auch in die Berechnungen Deines AG miteinfließt).

Ich bin auf "Deiner Seite", versuche Dir aber lediglich noch die anderen Seiten aufzuzeigen, z. B. die des Arztes. Und natürlich wäre auch mir an Deiner Stelle völlig egal, ob der AG eine Aushilfe hat einstellen müssen.

Im Prinzip hast Du Dir ja selbst die Antwort gegeben. Über die Krankschreibung entscheidet aber immer noch der behandelnde Arzt - und an ihn kämen dann auch evtl. alle Rückfragen der Versicherer - (nur, dass Du verstehst, was ich meine )

Wenn Du mit einer "mittelschweren Depression" entlassen wurdest, hat die Ärzteschaft ihre "Tabellen", wie lange in etwa eine derartige Diagnose eine Krankschreibung "rechtfertigen" würde.

Hast Du Dich mit dem Thema Mobbing schon mal beschäftigt? Das Fiese ist ja gerade, dass es rein gar nichts mit Deiner Person zu tun hat, sondern mit dem Mobber an sich, der Spaß daran hat, andere zu quälen, um sich selbst aufzuwerten und besser zu fühlen.

Ach, was könnte ich schon wieder Seiten füllen ... - jedenfalls tust Du mir sehr, SEHR leid, weil ich Ähnliches durchgemacht habe.
Wenn Du die Möglichkeit hast, so lass Dich, ganz klar, weiterhin krankschreiben. Ich wollte hier lediglich etwas vorgreifen, um Dich auf mögliche weitere Gefahren hinzuweisen.
So wie Du den Fall schilderst, ist es ja alles Deine Arbeitstätigkeit.

Hier hatte ich noch viele andere Gedanken:
Hast Du die Vorfälle dokumentiert?
Führst Du eine Art "Mobbing-Tagebuch"?
Fand denn eine Besprechung gemeinsam mit dem Betriebsrat statt?
Kann man die Taten in irgendeiner Art und Weise belegen und in welchem Zeitraum sie stattfanden?

Du hast auf jeden Fall noch die Möglichkeit, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu konsultieren. Dieser könnte für Dich an die Firma herangehen und eine Versetzung erzwingen.

In irgendeiner Art und Weise musst Du "Verletzlichkeit" gezeigt haben, deshalb hat man Dich zum Opfer auserkoren. Es liegt jedenfalls nicht an Dir, sondern an den anderen. Halte Dir das immer vor Augen!

Ich bin auf dem Sprung, muss deshalb hier enden. Liebe Grüße und Kopf hoch! Wir sind alle auf Deiner Seite!




31.07.2019 13:05 • #7


Zitat von Perle:
Hallo Compadre, Du bist Dir selbst der Nächste und nur wenn es Dir gut geht, kannst Du auch Leistung erbringen. Bei Dir lese ich heraus, dass Du noch nicht soweit bist, also nimm' Dir die Zeit, die Du noch brauchst. Gesundheit ist das höchste Gut wie es so schön heißt und letztlich kannst nur Du allein die Entscheidungen treffen und Sorge für Dich tragen! Dazu gehört auch ein gewisser "gesunder" Egoismus!Glaube nicht, dass sich Dein AG bei Dir bedankt, wenn Du Dich da jetzt wieder hin schleppst. Er wird Dich weiterhin ausnutzen, denn Du hast noch nicht gelernt, klare Grenzen zu setzen. Lasse Dich weiter krank schreiben und wenn Du Dich stabil genug fühlst, dann strecke Deine Fühler nach einem anderen Job aus. Nach 10 Jahren in der selben Firma ist es m. M. nach sowieso Zeit, noch berufliche Erfahrungen in anderen Firmen zu sammeln und ganz ehrlich: Wer oder was hält Dich denn noch dort? Du arbeitest für andere mit, rettest Chef dauernd den A. und bekommst ein schlappes Gehalt und Unmenschlichkeit als Dank? Ich finde, Du hast was Besseres verdient!LG Perle



Vielen Dank für deine Antwort Perle

Ich hab mich von meiner äußeren Unwelt zu sehr beeinflußen lassen. Es ist ein riesiges Unternehmen, bei dem man, wenn man denn eingestellt wird und einen unbefristeten Vertrag bekommt, eigentlich wie verbeamtet lebt. Das Image des Unternehmens ist auch mega gut (obwohl man sieht welche Abgründe sich tatsächlich auftun) und ich habe mich all die Jahre davon blenden lassen.

Ich dachte mir bloß all die Jahre :,,wenn du dein Ziel schaffst und das bekommst, was dir zugesagt wurde (Gehalt, etc.) , kannst du Abteilung wechseln und alles wird besser. Und genau das wusste mein AG eben auch und hat es ausgenutzt, und ich habe es auch zugelassen. Dann kommt noch die Komponente, nennen wir sie Außenstehende hinzu, die eben nicht wissen wie es da drinnen zugeht und mir geraten haben zu bleiben. Anstatt auf mein Bauchgefühl zu hören wurde meine Ratio, welche das gleiche dachte, noch weitere gefüttert und ich blieb.

...Mit dem bekannten Ende....

Ich habe das ganze mit meiner neuen Therapeutin besprochen, auch die Aussage vom Arzt.
Sie meinte auch, dass ich noch Zeit brauche, bevor ich in die Verhandlung gehe und vielleicht etwas mache, was ich im Nachhinein bereuen werde... werde das so auch meinem Arzt sagen, der übrigens auch neu ist, da ich davor in der Klinik und von einer ambulanten Notanlaufstelle im Krankenhaus krankgeschrieben wurde.

Ich habe heute in der Früh nen Hänger gehabt und etwas Achtsamkeit gemacht + mich meinem inneren Kind zugewendet....ich bin immer noch sehr sehr verletzt und unfassbar traurig
Ich bin froh so eine super Freundin zu haben und so mega tolle Freunde die mich bei meinem Weg unterstützen und für mich da sind... ich könnte grad echt weinen

01.08.2019 11:32 • #8


Zitat von Herzenswaerme:
... MIR erging es ähnlich, deshalb brauchst Du Dich für diese "Explosion der Gefühle" auch nicht zu entschuldigen. Um das AG zu erhalten, muss man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Sollte man aufgrund Krankheit daran gehindert sein, erhält man zwar auch "Arbeitslosengeld" aber das wäre dann im wahrsten Sinne des Wortes Hartz IV, es nennt sich lediglich "Arbeitslosengeld". Ansonsten muss sich an der Gesetzeslage etwas geändert haben, dann erkundige Dich lieber vor Ort bei der Krankenkasse, da das KG definitiv nicht unbegrenzt ausgezahlt wird (und im Übrigen auch ...


Alles gut, ich danke dir einerseits für deine Ausleuchtung verschiedener Perspektiven, es werden bloß ,,böse Schuldgeister sehr schnell getriggert, welche u.U. nicht rational und die ,,gefahren durchaus präsent sind. Da ich sehr hohe Ansprüche an Arbeit, etc. habe und diese durch das lesen der Gefahren eben im Unterbewusstsein getriggert werden bin ich sehr schnell verletzt.

Achso, ich dachte wenn man sich bereits in einem Arbeitsverhältnis befindet, dann bekommt man vorerst ALG I vor Hartz IV. Wie auch immer, so lange möchte ich gar nicht krankgeschrieben werden, ich möchte nur keinen Druck auf die Gesundung setzen, weil das gedankenkarusell wann ich den endlich gesund bin total total angefeuert wird. Ich habe auch bereits mir der KK telefoniert, ich würde theoretisch bis nächstes Jahr im Juni KG bekommen. Reines wunschdenken wäre natürlich, dass ich im kommenden Jahr im Januar oder vielleicht sogar schon früher auf dem Dampfer bin, deswegen mache ich auch so viel und nutze wirklich jedes Mittel um wieder gesund zu werden.

Ja mein Bauchgefühl hat mir ehrlich gesagt schon öfters gesagt, dass das was mit Mobbing zu tun hat. Ich habe mir bereits alles aufgeschrieben was sich total eingebrannt hat. Mit belegen wird es natürlich schwer, weil die Mitarbeiter alle Angst haben gegen meinen Chef auszusagen. Das nehme ich Ihnen natürlich nicht krumm.
Der Betriebsrat ist bis ins Detail informiert, habe bereits mehrmals mit ihnen gesprochen und sie schützen mich. Sogar die betriebsärztin ist auf meiner Seite...

Darf ich fragen was die in dieser Situation geholfen hat und wie lange du gebraucht hast um wieder auf die Beine zu kommen?

LG

01.08.2019 12:02 • #9


Herzenswaerme
Hi.

Du könntest eine Art "Mobbing-Tagebuch" führen aber ich hoffe, dass dies in naher Zukunft nicht (mehr) nötig sein wird. Das wünsche ich Dir sehr. Von alleine hört das nämlich selten auf und ich selbst habe wohl viel zu lange genau darauf gewartet. Es führte letzten Endes zu einem Zusammenbruch, und zwar dahin gehend, dass ich beinahe jede Mittagspause weinend verbracht habe. Genau wie Du, habe ich immer wieder das Gespräch gesucht, allerdings ohne brauchbare Ergebnisse. Vielleicht hast Du dennoch mehr Glück, da Du in einem größeren Unternehmen arbeitest und bestimmte Personen, die hierfür zuständig sind, in Deinem Sinne vermitteln könnten und dies bei gesundheitlichen Problemen von diesem Ausmaß auch müssten.
Ich habe das Arbeitsverhältnis beenden müssen. Es ging mir so schlecht, dass ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe, obwohl ich mir zuvor geschworen habe, niemals so "unklug" zu handeln.
Privat war ich nicht ganz so gut aufgestellt wie Du und habe mich immer weiter zurückgezogen. Einen Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik lehnte ich dennoch ab und das war das große "Problem" an der Sache, denn die Ärzte gingen wohl davon aus, dass ich es ohne die Unterstützung in der Klinik nicht werde schaffen können. Die Medikamente vertrug ich vereinzelt nicht, trotzdem geht es mir aktuell besser und Du bist für mich leider ein gutes Beispiel dafür, dass ein abgeschlossenes Studium kein Garant für ein glückliches Leben ist.

Ich kann Dir leider nicht sagen, ob ich die Depression jemals werde besiegen können. Deine Chancen stehen definitiv besser.

13.08.2019 12:22 • #10




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser