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Guten Tag,

ich schreibe hier, weil ich einfach nicht mehr weiter weiss.
Ich könnte gerade einfach nur wieder heulen, weil ich so unzufrieden mit meinem Leben bin momentan. So richtig gut geht es mir eigentlich nie, aber phasenweise ist es mal besser, mal schlechter. Vorab: Bei einem Vorgespräch mit einem Psychologen wurde die Verdachtsdiagnose mittelschwere Depression gestellt, ein ambulanter Therapieplatz ist ab dem Zeitraum Oktober/November in Aussicht. Es geht mit schon sehr lange so dreckig - seit 13, 14 schätzungsweise, heute bin ich 21. Ich schaffe einfach nichts. Selbst die kleinsten Dinge sind für mich nicht zu bewältigen, ich verstehe alles falsch, fühle mich unfähig und aufgrundessen traue ich mir auch nichts zu. Gerade eben wollte ich ein Jobangebot als Putzhilfe annehmen (bin noch Schülerin und wollte mir in meinen Ferien ein bisschen was dazu verdienen), habe den/die Auftraggeberin auch angeschrieben, aber dann wurde mir alles zu viel und aus Angst, es nicht zu schaffen, habe ich gesagt, dass ich schon anderweitig eine Zusage für eine Stelle erhalten habe, aber das war natürlich gelogen. Nun fühle ich mich schlecht diesem Menschen gegenüber. Der Auftraggeber hat sich Hoffnung gemacht und nur aufgrund meiner Unfähigkeit und meines mangelnden Denkvermögens, ehe ich diesen Auftrag angefragt habe, muss er/sie sich jetzt verarscht fühlen. Ich liege seit Wochen nur noch im Bett, was nur durch gelegentliche Pflichtaktivitäten unterbrochen wird, wie z. B die Schule oder Arztbesuche, etwaige andere Termine. Meine Familie lebt von Arbeitslosengeld 2 und auch ich sehe nicht viel Hoffnung, da jemals rauszukommen. Ich denke, dass ich dafür prädestiniert bin, keinen Job zu bekommen, meine Kenntnis über Unfähigkeit tut da noch ihr Übriges bei.
Seit über einen, vielleicht sogar fast zwei Jahren, habe ich nichts mehr mit Freunden unternommen. Ich habe zwei gute Freundinnen an meiner Schule, aber da diese zu weit wegwohnen und meine Familie kein Auto besitzt, sehe ich diese eben nur in der Schule, was natürlich nicht so eine lockere Atmosphäre darstellt, wie Zuhause. Oft liege ich wochenlang im Bett, gehe höchstens zum Klo oder an den Kühlschrank, um meine Grundbedürfnisse zu stillen und das war es auch schon. Und das geht seit Jahren so. In den Ferien verlasse ich meist nicht einmal das Haus, wenn ich nicht muss. Da wir viel Geld haben, können wir uns auch nie gross etwas leisten. Ich bekomme Taschengeld, das ist mein Lichtblick des Monats, aber z. B können wir nie im Urlaub fahren oder sonstiges. Das Geld ist immer knapp und das Amt zieht uns Geld ab u.s.w. Da gibt es für mich erst ein entkommen, wenn ich selbst einen Job ergreife, aber dazu fühle ich mich absolut nicht in der Lage. Ich musste mal ein 8-wöchiges Praktikum bei einem Floristen machen, das klappte auch nur mehr schlecht, als recht. Die Besitzerin war nett, aber auch ehrlich. Sie sagte, ich brauche ganz klare Anweisungen, ein ''Drum-Herum'' würde mich überfordern. Deswegen habe ich Angst, zu arbeiten. Ich habe Angst, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, die an mich gestellt- und ihn diesen Beruf erwarten werden. Ich finde auch einfach keine Freunde, weil ich zu schüchtern bin. Und damit meine ich wirklich schon krankhaft schüchtern. Aus Gruppen schliesse ich mich meist schon von vorneherein aus, weil ich mich zu wertlos finde, als mit diesen Leuten abzuhängen. Ich denke: Mit so einer hässlichen, langweiligen Person will doch eh keiner abhängen, du nervst die nur. Dazu muss ich sagen, dass ich 6 Jahre meiner Schulzeit immer nur alleine war in den Pausen, alles fing an aufgrund von Mobbing, es sieht aus, als wäre ich in diese Einzelgängerrolle reingewachsen, aber nun habe die 2 besagten Freundinnen zum Glück. Noch dazu bin ich sehr unter psychischen Druck, weil mein Vater sehr krank zu sein scheint. Er hat starke Rückenprobleme, ständig Schmerzen, das seit Jahren und ist mittlerweile schwerbehindert und vor Kurzem als Frührenter eingestuft worden. Ich sah ihn von kleinauf immer kränker werden. Letztens sagte er mir, sein Magen sei voller Geschwüre, da sind mehr Geschwüre, als Magen. Toll, jetzt geht es mir natürlich direkt besser. Meine Eltern sind super lieb, aber sie rauchen und gehen mit ihrer Gesundheit schlecht um, ich bin Hypochonder. Ich bin ziemlich genervt davon, dass meine Eltern so viel Geld für Tbk ausgeben, was wir gut woanders gebrauchen könnten, aber zureden bringt da nichts, das versuche ich schon seit Jahren - erfolglos - selbst in der Schwangerschaft konnte meine Mutter das Rauchen nicht ganz lassen, also was soll es schon bringen, es ist ja nicht so, dass ich es nicht schon dauernd versucht hätte. Zu (notwendigen) Arztbesuchen lassen sie sich genauso wenig überreden, wobei meine Mutter da noch ziemlich kooperativ ist, aber bei meinen Vater kann ich das komplett vergessen. Meine Mutter hat schon Asthma, sie lässt das Rauchen trotzdem nicht sein. Zwischenmenschlich gesehen total lieber Menschen, aber die anderen Dinge machen mich echt wahnsinnig. Zum Rausgehen oder auch zu etwaigen anderen Tätigkeiten muss ich mich regelrecht zwingen, alles fühlt sich an, wie einen Berg zu besteigen. Draussen sehe ich dann auch (zumindest augenscheinlich) glücklichere Menschen, als ich. Dann bin ich direkt wieder down. Ich kann auch einfach keine anderen Menschen ansprechen, ich kann es einfach nicht. Nicht mal mit Leuten, mit denen ich 2 Jahre in einer Klasse war, konnte ich sprechen. Wenn sie mich von mir aus ansprechen geht es, dann weiss ich, die wollen meine Präsenz, aber ansonsten geht es nicht. Nur, wenn es zum Beispiel Verkäuferinnen im Laden sind, die halt auch zum Teil als Beratungsfunktion dienen, da weiss ich, dass es zu ihrem Job gehört. Ich habe noch eine gute Freundin in meiner Nähe wohnen, aber sie ist viel unter Stress, ihr geht es selbst nicht gut, ab und zu kommt sie mich besuchen, aber das ist momentan alles. Ich komme oft an die Grenze, wo ich mir denke, dass ich auf alles keinen Bock mehr habe, aber ich liebe mein Leben doch und Suizid begehen würde ich nie. Tut mir leid, wenn ich mit diesem langen Beitrag eure Nerven strapaziert habe, aber irgendwo musste ich meinen Kummer ja einfach mal loswerden. Danke, lieber Mensch, dass du bis hierher gelesen hast und dir die Probleme einer völlig fremden Person angehört hast.

28.07.2019 15:41 • 28.07.2019 x 2 #1


13 Antworten ↓


Es wäre nett, wenn ich vielleicht mal eine Person zum Reden hätte. Oder die mir vielleicht Tipps geben kann, etc.

28.07.2019 15:59 • #2


Soulfighter
Hi lefroid
Gut das du den Schritt zur Therapie gemacht hast , daß ist auch nicht einfach. Vielen von dem was du geschrieben hast erinnert mich an mich selbst.
Lg

28.07.2019 16:04 • x 1 #3


Zitat von Soulfighter:
Hi lefroidGut das du den Schritt zur Therapie gemacht hast , daß ist auch nicht einfach. Vielen von dem was du geschrieben hast erinnert mich an mich selbst.Lg


Danke, das gibt mir das Gefühl, nicht ganz alleine zu sein. Und lieb, dass du geantwortet hast. Das mit der Therapie war kein leichter Schritt, aber es kann nur besser werden.

28.07.2019 16:11 • #4


Cati
Ich wünsche dir alles Gute.
Ich weiß noch, wie ich letztes Jahr den Beginn meiner Therapie im November herbeigesehnt
habe ( wegen Depression ).

28.07.2019 16:14 • x 1 #5


Hallo @lefroid,

Schlimm was du schreibst.
Hast du schon mal an eine therapeutische Wohngruppe gedacht? Auch im Hinblick auf eine Ausbildung? Oder auch an einen stationären Aufenthalt ? Damit du im Leben Fuß fassen kannst

28.07.2019 16:14 • x 1 #6


Soulfighter
Kein Problem , dafür ist das Forum ja da
. Hast du denn schon andere Versuche unternommen um das wieder rauszukommen?

28.07.2019 16:16 • x 1 #7


Meteora
Hey,
mir geht es ganz ähnlich wie dir, bloß dass ich keine Depressionen habe. Was die Motivation angeht, kann ich dir also keine Rat geben. Ich habe drei Stellen als Putzhilfe und hatte anfangs auch mega Angst, dass ich es nicht schaffe, weil ich einmal aus einer Ausbildung geflogen bin und glaube, alles falsch zu machen. Aber es ist ganz einfach, ich arbeite schon seit 3 Jahren! Gut, ich habe Fehler gemacht wie z.B. den edlen Holzboden verkratzt, aber ich bin nicht rausgeflogen! Diese Leute vertrauen mir mittlerweile so sehr, dass sie mir den Hausschlüssel geben, wenn sie nicht da sind!
Unser Problem sind negative Grundüberzeugungen: Ich mache nichts richtig, ich schaffe das sowieso nicht, alle Menschen hassen mich...Hast du Erfahrungen mit Mobbing gemacht? Ich wurde sehr schlimm gemobbt und bin auch schüchtern. Manchmal. Aber ich zwinge mich dazu, mit anderen Menschen zu sprechen, obwohl ich gern allein bin. Das mit deinem Vater ist natürlich nicht schön und eine zusätzliche Belastung. Ich hatte seit meiner Kindheit bis Anfang dieses Jahres regelmäßig Suizidgedanken, aber über längere Zeit (bin auch seit 3 Jahren in Therapie) haben sich diese aufgelöst. Ich freue mich des Lebens, weil ich gelernt habe, auf die kleinen guten Dinge zu achten: Heute regnet es endlich mal, dann ist es nicht so furchtbar heiß, ich habe was Leckeres zu Mittag gegessen und mich mit netten Leuten getroffen...Es ist ein langer Prozess, das Leben schätzen zu lernen, aber man kann es! Du bist nicht überflüssig auf der Welt. Dein Leben hat einen Sinn. Aber leider liegt es an uns, ihm diesen Sinn selbst zu geben.

28.07.2019 16:20 • x 2 #8


Zitat von Soulfighter:
Kein Problem , dafür ist das Forum ja da. Hast du denn schon andere Versuche unternommen um das wieder rauszukommen?


Ich war mal in einer Kinder- und Jugendpsychatrie, aber das hat gar nicht funktioniert. Ich brauche mein gewohntes Umfeld. Ansonsten versuche ich Kontakte übers Internet zu knüpfen, um auf dem Wege vielleicht Menschen zu finden, die dieselben Interessen teilen. So kommt man sich ja leichter näher.

28.07.2019 16:25 • x 1 #9


Zitat von Meteora:
Hey, mir geht es ganz ähnlich wie dir, bloß dass ich keine Depressionen habe. Was die Motivation angeht, kann ich dir also keine Rat geben. Ich habe drei Stellen als Putzhilfe und hatte anfangs auch mega Angst, dass ich es nicht schaffe, weil ich einmal aus einer Ausbildung geflogen bin und glaube, alles falsch zu machen. Aber es ist ganz einfach, ich arbeite schon seit 3 Jahren! Gut, ich habe Fehler gemacht wie z.B. den edlen Holzboden verkratzt, aber ich bin nicht rausgeflogen! Diese Leute vertrauen mir mittlerweile so sehr, dass sie mir den Hausschlüssel geben, wenn sie ...


Danke für deinen wundervollen Beitrag. Er hat mich zum Weinen gebracht, weil ich so berührt davon bin. Ich wünschte, ich hätte den Auftrag angenommen, aber nun ist es leider zu spät. Egal, ein nächstes Mal gibt es immer, nicht wahr? Meine Mobbingerfahrungen waren sehr unschön. Ich wurde oft hässlich genannt, weshalb ich selbst überzeugt bin, hässlich zu sein, obwohl andere Leute mir auch sagen, ich sei nicht hässlich. Aber ich denke, sie sagen das nur, um mich nicht zu verletzten. Es fällt mir schwer, ihren Aussagen zu vertrauen. Ich wurde auch mal geschlagen (von einem Mitschüler). Aufgrund des Mobbings war ich damals in einer Kinder- und Jugendpsychatrie, aber das hat nicht so gut geklappt. Da fühlte ich mich noch mehr verloren. Das was du sagst, klingt echt schön. Ich hoffe, dass ich eines Tages lernen kann, die Dinge genauso zu sehen.

28.07.2019 16:30 • x 2 #10


Zitat von Cati:
Ich wünsche dir alles Gute.Ich weiß noch, wie ich letztes Jahr den Beginn meiner Therapie im November herbeigesehnthabe ( wegen Depression ).


Danke schön, das ist sehr lieb von dir.
Ich hoffe, dass die Therapie dir schon helfen konnte.

28.07.2019 16:33 • x 1 #11


Zitat von Inneresmein:
Hallo @lefroid,schlimm was du schreibst. Hast du schon mal an eine therapeutische Wohngruppe gedacht? Auch im Hinblick auf eine Ausbildung? Oder auch an einen stationären Aufenthalt ? Damit du im Leben Fuß fassen kannst


Ich war schon mal stationär untergebracht (Kinder- und Jugendpsychatrie), aber das geht überhaupt nicht. Ich verzweifele noch mehr, wenn ich aus meinem gewohnten Umfeld weg bin. Ich versuche das Ganze irgendwie ambulant zu bewältigen. Die Psychologin wo ich war, war mir sehr sympathisch und ich kann mir eine langfristige Therapie bei ihr sehr gut vorstellen.

28.07.2019 16:36 • x 1 #12


Cati
Zitat von lefroid:
Ich hoffe, dass die Therapie dir schon helfen konnte.


Ich bin auch schüchtern und hatte Angst, von den Mitpatienten abgelehnt zu werden.
Anfangs war ich zurückhaltend und dann taute ich nach und nach auf.
Es sind vor allem Momentaufnahmen aus der
Interaktion mit den anderen Patienten, die ich
wie einen Schatz in mir trage.

28.07.2019 16:48 • x 1 #13


Zitat von Cati:
Ich bin auch schüchtern und hatte Angst, von den Mitpatienten abgelehnt zu werden.Anfangs war ich zurückhaltend und dann taute ich nach und nach auf.Es sind vor allem Momentaufnahmen aus der Interaktion mit den anderen Patienten, die ich wie einen Schatz in mir trage.


Das ist total schön zu hören. Und das glaube ich dir. Die schönen Erinnerungen kann uns keiner mehr nehmen. Ich brauche immer sehr lange Zeit, um aufzutauen.

28.07.2019 17:29 • x 2 #14




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Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser