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Hey ihr Lieben,

ich habe vor kurzem eine neue Stelle angenommen und bin dazu in eine neue Stadt umgezogen.
Nun bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass ich die Probezeit im neuem Betrieb nicht schaffen werde. (Bin seit Januar dort).

Folgende Anzeichen sind mir aufgekommen:


- Ich bekam letztens einen schweren Fall und wurde zur Sau gemacht, da es sehr unstruktuktiert war und sie es selber nochmal prüfen müsste. Sie hat mich eingearbeitet und meinte: "So geht es nicht weiter".

Ende vom Lied: Sie bekam es auch nicht hin und musste eine anderen Arbeitskollegen fragen. Der Arbeitskollege hat in der E-Mail erwähnt, dass er es ihr erklären wird. Ich habe darauf geantwort, dass es mich auch interessieren würde und ich es auch gerne lernen möchte.Er hat es ihr erklärt, aber mir nicht und ging nicht auf die Mail ein.

- Außerdem meinte sie, dass ich viel zuviel Zeit für einen Fall brauche und teilweise bei den unwichtigen Sachen zuviel Zeit verschwede. So werde ich absaufen, meinte sie. Habt ihr eine Idee wie ich das hier besser machen könnte?

- Ich bekomme Magenschmerzen wenn ich dran denken muss, generell meine Lösungen vortragen muss.

- Ich bekomme mit, dass meine Statistikkenntnisse sehr eingerostet sind, obwohl ich damals eine 1,7 hatte.

- Inzwischen bekomme ich leichte Bauchschmerzen wenn ich an die Arbeit denke und konnte das Wochenende nicht genießen.

- In einer anderen Aufgabe habe ich es wieder falsch gemacht und die Referentin ist sauer, weil ich die Arbeit nicht bearbeiten kann weil der Teamleiter mich für eine andere Aufgabe eingesetzt hat.

- Da parallel sehr viele Aufgaben laufen und Fristen haben konnte ich die AUfgabe des Teamleiters nur ganz knapp vor Deadline geschafft. Er meinte nur ich hätte eher anfangen sollen mit seiner Aufgabe. Nur habe ich auch andere Aufgaben, sodass ich mit seiner nicht beginnen konnte.

- Ich fühle mich einfach nur überfordert und bin extra wegen der Stelle in eine neue Stadt gezogen. Die Arbeitskollegen arbeiten teilweise zu Hause bis kurz vor MItternacht und an einigen Wochenenden wird auch gearbeitet. Ich kenne das so gar nicht, dass man am Wochenende auch arbeitet und bin echt am verzweifeln.

- Sollte ich mich für eine andere Stelle bewerben? (Ende der Probezeit: Ende Juni)



Übrgigens, das war nicht die Stelle wofür ich mich beworben habe. Ich wurde nämlich direkt hochgestuft. Meine "Stelle" ist inzwischen an eine andere Person vergeben.



Was sollte ich nun tun? Wie schätzt ihr die Situation ein? Sollte ich mich jetzt schon weiterbewerben? Am Anfang mochte ich die Arbeit gerne, aber nach diesen Ereignissen merke ich, dass ich aus dem Studium nichts kann und meinen Master eher hinterworfen bekomme habe. Nun verzweifel ich ziemlich.

Danke für Euren Rat.

Jesse

09.05.2020 12:41 • 11.05.2020 #1


8 Antworten ↓


Calima
Zitat von User1990:
Am Anfang mochte ich die Arbeit gerne, aber nach diesen Ereignissen merke ich, dass ich aus dem Studium nichts kann und meinen Master eher hinterworfen bekomme habe. Nun verzweifel ich ziemlich.


Man nennt das "Praxisschock". Und der befällt viele, wenn sie nach dem Studium ins echte Arbeitsleben eintauchen. Plötzlich wird man verantwortlich gemacht für das was man tut und auch der Schonraum ist weg, in dem man sich an der Uni relativ komfortabel bewegen konnte.

Wer arbeitet, macht Fehler. Das lässt sich niemals vermeiden, so sehr man sich auch bemüht. Glücklicherweise werden es mit der Erfahrung weniger - aber gefeit ist man davor nie. Damit muss man umgehen lernen, ohne sich aus der Bahn werfen zu lassen. Du hast ein Studium geschafft. Das ist eine Leistung, die eine ganze Menge Menschen nicht hinkriegen.

Ganz konkret hätte ich die Idee, die Probezeit zu nutzen, um mit Kollegen und Vorgesetzten darüber zu reden, was dich belastet und was du brauchst, damit es gut laufen kann. Du hast nichts zu verlieren, und wenn es nicht funktioniert, ist immer noch Zeit für einen neuen Job.

Nach meiner Erfahrung lohnt es sich aber meist, in den ersten Arbeitsmonaten den Rücken durchzustrecken und durchzuhalten. Man braucht mindestens ein Jahr, bis man in einem Arbeitsfeld angekommen ist. Und wenn es mal Spaß gemacht hat, könnte es sich lohnen, dir diesen Spaß zurückzuholen.

09.05.2020 13:47 • #2


Liebe Calima,

erstmal lieben Dank für die Antwort.
Sicher das es Praxisschock ist? Ich habe zwischen Bachelor und Master zwei Jahre gearbeitet.
Ich habe auch irgendwie Angst vor dem Chef bekommen (Habe mehr Kontakt zu meinem Teamleiter).

Er ist bspw. bei einer anderen Referenten ausgerastet und hat sie regelrecht fertig gemacht, weil sie keine Lösung hatte. Außerdem gab es Probleme bei der Aufteilung an Aufgaben, sodass sich der andere Teamleiter sich beschwerte. Der Chef wurde regelrecht laut und meinte "Gib mir diesen sch. und ich teile es unter euch auf". Danach ist er einfach rausgegangen aus dem Meeting. Ich kann generell mit solchen Menschen nicht umgehen, die so grob umgehen. Kann ich dagegen etwas machen? Mit dem Chef haben wir mehr zu tun, da wir wöchentlich Reports berichten müssen.

09.05.2020 16:35 • #3


Calima
Zitat von User1990:
Er ist bspw. bei einer anderen Referenten ausgerastet und hat sie regelrecht fertig gemacht, weil sie keine Lösung hatte.


Das klingt nicht gut. Für mich wäre das definitiv kein Arbeitsplatz. Menschen - noch dazu Führungskräfte, die sich nicht im Griff haben - würde ich mir nicht dauerhaft antun. Solchen Leuten ist man niemals gut genug - und das führt dauerhaft nur in Dauerstress.

09.05.2020 16:38 • #4


Hoffnungsblick
Hallo User 1990,

solange du dort arbeitest könntest du das Beste daraus machen und dich so gut es geht in allen Bereichen als noch Lernender interessiert und freundlich zeigen. Gleichzeitig würde ich mir nebenher eine neue Arbeit suchen.

Mit viel Arbeit musst du als Anfänger schon rechnen. Sehr oft habe ich in meinem Beruf, auch nach der Anfangsphase, Tage und Wochenenden durchgearbeitet. Im Studium hat man eine völlig andere Situation.

09.05.2020 17:39 • #5


Liebe Hoffnungsglück,

ich habe grade einfach eine totale Krise und bin kurz davor mein gesamte Karrierelaufbahn (Master BWL) hinzuschmeißen. Was mich am meisten stört ist,d Ar. ich das Gefühl habe das ich es nicht schaffe. Meine Statistikkenntnisse sind für den Ar.. Ich habe im Bachelor zwei Kurse gehabt 2. und 3. Semester. Das wars. Dazwischen habe ich zwei Jahre gearbeitet und im Master hatte ich kein Statistik bzw. bin eher aus dem Weg gegangen.

Also sollte ich nicht selber kündigen? Nur warum bekomme ich jedes WE Bauchschmerzen wenn ich schon an die Arbeit denke? Vielleicht wei ich ANgst vor dem Chef habe wenn er durch den Laden brüllt?

Ich habe überlegt eine Ausbildung zu machen als MTLA. Eine ganz andere Richtung. Wäre es eine Schande nach dem Masterstudium eine Ausbildung zu machen. Ich bekomme immer das Gefül, dass ich nichts kann. Könnte gerade nur im Bett losheueln.

09.05.2020 20:45 • x 1 #6


Hoffnungsblick
Hallo User 1990,

ich verstehe dich und fühle mit dir.

Zitat von Calima:
Du hast nichts zu verlieren, und wenn es nicht funktioniert, ist immer noch Zeit für einen neuen Job.


Vielleicht findest du, bevor du gehst, doch noch jemanden, der dir einen guten fachlichen Rat geben kann? Denn du kannst dabei nichts verlieren, das sehe ich auch so.

Du kannst deine jetzige Arbeit als erste Station in deinem Berufsleben betrachten. "Aller Anfang ist schwer", sagt ja schon das Sprichwort. Der Beginn des Berufslebens ist für viele Menschen schwer. Viele machen diese Erfahrungen.


Zitat von User1990:
Vielleicht wei ich ANgst vor dem Chef habe wenn er durch den Laden brüllt?


So jemand hat keinen guten Führungsstil, sorry. Vielleicht kannst du sein unqualifiziertes Verhalten nicht allzu nah an dich herankommen lassen und versuchen mit kühler Freundlichkeit zu reagieren?

Zitat von User1990:
Ich habe überlegt eine Ausbildung zu machen


Das finde ich gut, dass du noch andere Perspektiven hast.
Adererseits glaube ich nicht, dass du nichts kannst. Es gibt nur erst mal viele Herausforderungen und Hürden zu überwinden.

Mache dir nicht nur einen Arbeitsplan, sondern auch einen Erholungsplan. Das ist genauso wichtig, um diese harte Zeit zu überstehen. Versuche täglich bewusst etwas zu tun, das dich freut und aufbaut.

Wegen dem Chef und dem Arbeitsklima würde ich mich aber weiterhin nach Alternativen umsehen.

09.05.2020 22:20 • #7


Liebe Calima,

danke für deine lieben Worte. Ich bekam heute einige Heulattacken und habe momentan kein Appetit.

Mit jemanden finden meinst du ein Arbeitskollege? Ich bin generell gebrandmarkt wenn jemand laut brüllt. Ich wurde damals von meinen Vater ständig angebrüllt, geschlagen etc. und das wirkt sich nun aus. Ich bekomme kalten Schweiss wenn sowas geschieht. Mein Vater ist seit ein paar Jahren verstorben

Ich habe heute eine interessante Stellenanzeige gesehen in meiner Heimatstadt Hamburg. Momentan pendel ich an den WE zwischen Berlin und Hamburg und das kostet verdammt viel Kraft.

Nur warum arbeiten meine Arbeitskollegen soviel?

10.05.2020 20:34 • #8


Hoffnungsblick
Zitat von User1990:
Mit jemanden finden meinst du ein Arbeitskollege?


Arbeitskollegen, zu denen du Vertrauen hast oder fasst. Du kannst ja nichts verlieren.

Du könntest dann noch etwas lernen.

Zitat von User1990:
Ich bin generell gebrandmarkt wenn jemand laut brüllt.


Das kann ich sehr gut verstehen. Andererseits glaube ich, weil das Verhalten deines Chefs einfach unprofessionell ist, ist das auch für Menschen, die keine solchen Vorerfahrungen haben, nicht gut.

Zitat von User1990:
Nur warum arbeiten meine Arbeitskollegen soviel?


Die Regel ist eben, man arbeitet so lange, bis die Arbeit zum gesetzten Zeitpunkt fertig ist. Die Ursachen liegen meist in den Anforderungen der freien Marktwirtschaft.
Selbst habe ich das auch immer so gemacht. Nachdem ich nach dem Studium verstanden habe, "wie der Hase läuft" (anders als in den Studienjahren), war diese Methode erfolgreich. Allerdings musste ich das auch erst lernen. Es lohnt sich auch, sich eine Zeit lang bewusst "durchzubeißen". Später wurde ich mit der Erfahrung schneller und effektiver. Darum ist aller Anfang schwer.
Aber man braucht auch einen Erholungsplan.

Liebe Grüße und alles Gute

11.05.2020 11:47 • #9




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Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser