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Hallo ich bin neu hier und wollte nun mal meine Geschichte los werden.
Ich war bis Ende des Jahres 2020 ein glücklicher und lebensfroher Mensch. Wie aus heiterem Himmel hatte ich plötzlich Ängste mit krassen Schlafstörungen und fast Wahnvorstellungen, die mich in der Psychiatrie landen ließen. Dort war nach einer Nacht und einem Beruhigungsmittel alles wieder i.o., nach 3 Wochen durfte ich nach Hause und es hieß akuter Nervenzusamenbruch / Anpassungsstörung seien die Ursache. Nachdem ich 2 Wochen zu Hause war kam schleichend eine Depression zum Vorschein ,die bis zum heutigen Tag andauert. Seit 4 Monaten erlebe ich jeden Tag als Qual, ich hasse es wenn es morgens hell wird, hasse das Leben, leide unter einem vollständigem Interessenverlust, lasse mich gehen, grüble ununterbrochen nach dem Warum und kann einfach nicht verstehen was mit meinem Leben passiert ist. Von erfolgreich und glücklich zu mittlerweile arbeitslos ( ich wurde in der Krankheit gekündigt) und todunglücklich. Wie übersteht man das täglich ? Citalopram 10 mg helfen mir überhaupt nicht. Wenn es Abends dunkel wird bin ich so froh den Tag überstanden zu haben, für mich fühlt sich das Leben nur noch wie ein Überleben an. Ich möchte endlich wieder so sein, wie ich mal war. Ich gebe langsam die Hoffnung auf . wann hört das endlich auf ?

30.04.2021 19:34 • 20.08.2021 #1


22 Antworten ↓


SchwesterS
Hallo Mary.. Dieses Gefühl kenne ich zu gut.... Und es sind Höllenqualen... Wie ein Verlust der eigenen Persönlichkeit.
Aber es wird besser, nur keiner kann sagen wann.
Evtl solltest Du mit Deinem Arzt eine Medikamentenumstellung besprechen?!

30.04.2021 19:41 • #2



Angst nie wieder glücklich zu werden

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Genau, ein Verlust der eigenen Persönlichkeit trifft es. Ich trauere meinem alten Ich so sehr hinterher, das ich es kaum ertragen kann. Ich hab es geliebt morgens aufzustehen und die Sonne aufgehen zu sehen, mit meiner kleinen Tochter zu spielen und das Leben zu genießen und auf einmal ist alles anders. Grundlos. Ich habe nächste Woche einen Termin in einer psychosomatischen Klinik, ggf werde ich dort stationär eine Therapie machen.

30.04.2021 19:43 • #3


SchwesterS
Genau, wieder mit einem Lächeln in den Tag starten. Gut, dass Du dir Hilfe suchst. Der Tag ist so elendig lang und dieses Gegrübel ist unerträglich... Wann hört es endlich auf = Dauerschleife. Ich hab vor 4 Wochen die Medikamente umstellen lassen und seitdem gibt es schon mal paar bessere Momente.. Aber mein altes, fröhliches ICH wird von dem Monster irgendwie noch festgehalten.

30.04.2021 19:48 • #4


Für mich ist es die erste depressive Episode in meinem Leben, ich kenne sowas überhaupt nicht. Man fühlt sich wie umgekrempelt und fragt sich, wo denn der Mensch mit seinem Charakter und seinem Wesen hin ist? Ich finde eine Depression ist das Leidvollste und Schlimmste was einem widerfahren kann. Manchmal würde ich mir lieber eine körperliche Krankheit wünschen.

30.04.2021 19:51 • #5


cube_melon
Hallo und Willkommen,

so ein schnelles Aufkommen von Symptomen kenne ich von Menschen die irgendwann einmal ein Trauma im Leben erlitten oder Hormonstörungen haben.

10mg Citalopram ist eine Einstiegsdosis. Auch braucht das bis zu 4 Wochen bis das wirkt.

Egal was nun zu dem Geführt hat. Aus meiner Sicht ist es wichtig den eigenen Zustand erst einmal hinzunehmen. Denn in dem man diesen so hasst, stellt man ihn auf einen Sockel der Macht.
Erst durch Annahme der eigenen Situation kann man lernen sich anzupassen.

So wie Du deine aktuelle Situation schilderst, sehe ich da verschiedene Baustellen.
Es kann dann besser werden, wenn Du dir Strukturen / Ressourcen aufbaust, gut mir dir umgehst und deine Lebensweise erst einmal an deine aktuelle Lage anpasst.

Darf ich fragen was die mit Anpassungsstörung meinen, bzw. worauf das bezogen ist?

30.04.2021 19:56 • x 1 #6


Ja, ich hab ein Trauma erlitten. Ich habe meinen Bruder vor 9 Jahren verloren bei einem Autounfall. Seitdem bin ich sensibel geworden aber kam immer gut mit meinem Leben klar. Corona hat Macht über meine Verlustangst ergriffen. Ich hatte letztes Jahr große Angst, dass ich jemanden verliere, der an solch einer Infektion sterben könnte o.ä.
Auf Arbeit hatte ich immer viel Stress als Anwältin und hatte als meine Ängste begannen das Gefühl, dass man mich loswerden will (wegen fehlender Anerkennung). Und nun sitze ich fest im schwarzen Loch. Der Arbeitgeber hat gekündigt, was ich sehr bedauere, denn damit gibt es für mich kein Zurück mehr in mein altes, doch für mich glückliches Leben.

30.04.2021 20:03 • #7


SchwesterS
Sehr treffend beschrieben. Ich hab ne Freundin, die hatte 2 schwere Episoden hinter sich, dann kam Brustkrebs dazu. Und sie sagt : wenn sie sich eine Krankheit aussuchen könnte oder müsste, sie würde immer den Krebs nehmen. Ich denke das sagt alles. Gib nicht auf Mary... Jede Depression endet.. Irgendwann.. Man will sie am liebsten sofort weg haben, nur leider funktioniert das nicht. Bis vor 4 Wochen konnte ich nicht mal lachen. Das klappt hin und wieder schon und das macht Hoffnung. Unbedingt die Medikation besprechen.. Schnellst möglich, weil jeder Tag eine Qual ist.

30.04.2021 20:06 • #8


Die Situation annehmen ist wirklich schwer, denn es ist so beeinträchtigend, dass ich kaum den Haushalt schaffe, mich um mein liebes Kind kümmern kann oder Ähnliches. Es ist kein Leben mehr ,es ist eine tägliche Qual, die mich lähmt. Gerade wenn man immer glücklich war und das Leben rund lief, ist es einfach nicht zu verstehen und annehmbar. Ich frage mich jeden erdenklichen Tag, was mit mir passiert ist, wo die Gründe liegen und wie ich so weitermachen kann. Das Schlimmste ist, dass ich mich zu Hause nicht mehr wohl fühle und immer die Flucht ergreife. Da bei war mir mein Heim heilig und ich hab es immer geliebt. Ich verstehe es einfach alles nicht und bin ratlos.

30.04.2021 20:15 • #9


SchwesterS
[kenn ich.. Hätte genau von mir sein können.. Bin in akuten Phasen immer zu meinen Eltern geflüchtet.. Weil ich das alleine sein nicht ertragen konnte... Und das kann ich sonst sehr gut... Ruhe aushalten und genießen..

30.04.2021 20:26 • #10


Sentenced91
Hallo Maryf,

Kann dich gut nachvollziehen ... da ich das was du beschreibst nunmehr sagen wir seit mehr oder weniger 13/14 Jahren durch mache, alles und jeden zu hassen sich selbst zu hassen, ein Schuh den man anziehen will eine zur Weißglut bringt weil man ihn nicht in einen sondern 3 Augenblicken angezogen bekommt. Einen der Hass zum weinen bringt, hilflos zu sein sein und im nächsten Moment alle sind sämtliches in Frage zu stellen was man jemals für richtig betrachtet hat.

Kann ich dir meiner Seits den Tipp geben das mir weder professionelle Hilfe , geschlossene noch Tagesgruppe geholfen hat damit umzugehen. Nein ich habe es viel mehr akzeptiert und lebe damit. Flüchte mich mal in ein Glas Wein mal mit Kopfhörern in die Musik oder ein Hörbuch. Oder einfach in die Natur. In das Auto auf die Piste ... ich versuche genau dann wenn es mir schlechter geht immer etwas zu tun meine Seele und meine Gedanken in etwas zu verankern und mich abzulenken und auf etwas zu konzentrieren.

Hoffe doch das es für dich irgendwann wieder Licht am Ende des Tunnels geben wird.

30.04.2021 20:27 • #11


Ist ja echt verrückt. Genau das Gleiche mache ich derzeit auch. Flucht zu meinen Eltern.

30.04.2021 20:31 • #12


cube_melon
Zitat von Maryf:
Ja, ich hab ein Trauma erlitten. Ich habe meinen Bruder vor 9 Jahren verloren bei einem Autounfall. Seitdem bin ich sensibel geworden aber kam immer gut mit meinem Leben klar. Corona hat Macht über meine Verlustangst ergriffen. Ich hatte letztes Jahr große Angst, dass ich jemanden verliere, der an solch einer Infektion sterben könnte o.ä.
Auf Arbeit hatte ich immer viel Stress als Anwältin und hatte als meine Ängste begannen das Gefühl, dass man mich loswerden will

Das tut mir sehr leid mit deinem Bruder.

Der Verlust/Unfall, die Angst um einen anderen Menschen und der Verlust der Arbeit.
Den Bruder in jungen Jahren zu verlieren kann die eigene Resilienz schwächen. Ist das nicht behandelt worden, kann das Angstzentrum immer noch aktiv sein und eben imaginäre Parallelen in der Gegenwart wegen C ziehen. Sprich Angst um Verlust auslösen. Das Trauma von damals kann re-aktiviert werden.
Der Verlust des Arbeitsplatzes kommt dann noch als drittes oben drauf - Verlust einer Struktur, finanzielle Veränderung usw..

Ehrlich - mich wundert es nicht wikrlich das es dir so geht.

Ich kann dir nur nahelegen die Medikamentation weiter mit einem Doc zu besprechen.

Es wäre auch zu überlegen eine Traumatherapie in Betracht zu ziehen.

Edit:
Habe das überlesen - das ist sehr gut.

Zitat von Maryf:
Ich habe nächste Woche einen Termin in einer psychosomatischen Klinik, ggf werde ich dort stationär eine Therapie machen.

30.04.2021 20:40 • #13


Yannick
Hallo Maryf,

Herzlichen Willkommen im Forum!
Wie du schon so siehst, du bist nicht allein! Es gibt viele hier, denen es ähnlich geht oder ging. Und dazu noch all die da draußen, denen es auch so geht, das aber mitunter nicht mal zeigen.

Es ist wichtig und richtig, zu dem zu stehen, was man gerade durchlebt. Sich noch zu verstellen macht meiner Meinung nach die Krise, die dann oft zeitversetzt kommt, nochmal größer und irgendwann gar nicht mehr handhabbar (ist das wirklich ein Wort? ).

Okay, eine richtige Depression hat mich noch nicht getroffen. Aber dieses Gefühl, sich plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen und zu fragen, wo ist denn die Person, die eigentlich in mir wohnt, hin, das kenne ich wohl auch.

Ich denke, du machst es richtig. Viele haben Angst vor Medikamenten in dem Zusammenhang. Aber es gibt eindeutige Belege, dass depressive Episoden auch eine Störung in der Chemie des Gehirns sind. Wichtig ist halt die Aufsicht durch einen Fachmann(-frau).

Eventuell hilft es dir auch, sich mit dem Thema Achtsamkeit zu beschäftigen. Sich bewusst machen, was man selbst dann noch hat, wenn man gefühlt eigentlich nichts mehr hat.
Okay, arbeitslos zu sein, sich nicht benötig zu fühlen, das ist auch ne Hausnummer! Aber was ich gut fände und dich vielleicht motiviert: Zeit mit deinen Eltern verbringen zu können. Auch hast du eine Tochter, wenn ich das richtig lese? Mach es dir zur (Lebens-)Aufgabe, einen richtig tollen Menschen aus ihr zu machen!

Dass du deinen Bruder verloren hast, das tut mir leid. Zeigt es aber doch uns Überlebenden immer, wie dankbar wir für das Leben sein sollen. Auch wenn es mal nicht gut läuft...

Ich wünsche dir alles Gute und dass du bald wieder Licht am Ende des Tunnels und neue Hoffnung schöpfen kannst! Sei nur nicht zu ungeduldig. Vielleicht möchte dein Körper dir auch etwas sagen damit und manchmal muss man der Zeit einfach Zeit geben!

Liebe Grüße
Yannick

30.04.2021 21:37 • x 2 #14


Schlaflose
Zitat von Maryf:
Citalopram 10 mg helfen mir überhaupt nicht.

Das ist auch viel zu wenig für Depressionen. Citalopram kann man bis 40 mg nehmen. Sprich mal mit deinem Arzt über eine Erhöhung.

01.05.2021 06:21 • x 3 #15


Ja das stimmt die Dosierung ist zu niedrig....ich nehme 30 mg würde den Arzt ansprechen...es braucht alles etwas Zeit.....doch es wird besser werden.

01.05.2021 06:54 • x 3 #16


Ich hab schon so viele Wochen gefragt bzgl einer Erhöhung, aber es wird nicht erhöht.

01.05.2021 10:58 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

SchwesterS
[Arzt wechseln.. Unbedingt..

01.05.2021 11:03 • x 1 #18


Es ist auch nur ein Hausarzt mit Zusatzbezeichnunf Psychotherapie , dort bin ich alle 4 Wochen, ich denke das ist zu wenig...

01.05.2021 11:04 • #19


cube_melon
Zitat von Maryf:
dort bin ich alle 4 Wochen, ich denke das ist zu wenig...

alle 4 Wochen? o.O

Zitat von SchwesterS:
Arzt wechseln.. Unbedingt..


Mit einmal alle 4 Wochen und nur 10mg SSRI - bei den Symptomen und Leidensdruck und der Arzt der nicht erhöhen will - ja da ist es echt zu überlegen ob du dir nicht einen Therapieplatz + Psychiater für die Medikamentation suchst.

01.05.2021 14:51 • x 1 #20



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Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser