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MaKaZen
Ich hab Phasen im Leben, einmal läuft es super und dann wieder sehr bescheiden. Ich traue dem Braten nicht länger. In meinem Leben fehlt die Konstanz, das ist alles so wechselhaft. Ein ständiges Auf und Ab, ein ständiges hin und her, eine ständige Achterbahn der Gefühle. Es ist ätzend, sich nicht auf sich selbst verlassen zu können. Hypomanische Phase geben sich die die Klinke mit depressiven Episoden, so dass ich früher angenommen habe, dass ich bipolar bin. Heute weiss ich, dass das der normale Wahnsinn der BPS ist. Mein Leben erklärt sich als endlose Geschichte von Hoch und Tiefs, als ob jeder Zustand den gegenteiligen Zustand ausgleichen will, eine 'perfekte' Endlosschleife.

Wie schon geschrieben, dieser Lebensstil ist sehr anstrengend. Mich macht es immer müde, wenn die Wechselhaftigkeit sich ausbreitet wie ein Geschwür; wenn sich Dinge ständig ändern und ich den Boden unter den Füssen nicht länger spüre; wenn mir die Sicherheit meiner Emotionen abhanden kommt und wenn ich getrennt bin von mir selbst, bzw. nicht weiss, wer ich in der Tiefe bin.

Das Leben und ich sind nicht auf der selben Augenhöhe, es dominiert mich und ich empfinde es als unheimlich, unberechenbar, mächtig, bedrohlich, etc. Ohnmacht kenne ich nur zu gut, da war Wut und dahinter verbarg sich Ohnmacht. Das Leben hat mir so viel Leid beschert, dass es an ein Wunder grenzt, dass ich immer noch zuversichtlich bin, was meine Zukunft betrifft. Hab immer sehr viel Aufwand betrieben bei recht bescheidenem Ertrag. Auf der Sonnenseite des Lebens stehen, schaut anders aus.

Ich könnte mich einfach mal zurücklehnen und auf die Geschenke des Lebens warten. Natürlich muss ich sie auch erkennen. Solange ich mit der Negativ-Brille unterwegs bin, verpasse ich die Geschenke bzw. erkenne sie nicht. Warten hat mir noch nie gepasst, hab lieber alles selbst in die Hand genommen. Ich bemerke, wie es bessert, wie ich bestimmte Ereignisse positiv bewerte. Ich bin zuversichtlich und merke, dass ich nicht alles selbst tun muss. Ich kann mich auf bestimmte Menschen verlassen und das ist gut so. Zuversicht ist ein wichtiger Wert, um meine Instabilität zu überwinden.

Wie geht ihr mit der Achterbahn der Gefühle um?

28.07.2023 18:02 • 12.05.2024 #1


9 Antworten ↓


MaKaZen
Ich will geduldiger werden!

28.07.2023 18:41 • #2


A


Borderlline und emotionale Instabilität

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MaKaZen
Witzig, dass dieser Thread nicht mehr Beachtung unter Betroffenen findet. Ich meine das rein als Feststellung. Die emotionale Instabilität zieht sich wie ein roter Faden durch mein gesamtes Leben. Mir wird erst jetzt klar, dass es nicht die depressiven Episoden sind, die mich belasten. Die Wechsel der Stimmungen zerren an den Kräften. Es verhält sich ähnlich wie bei den schnellen Wechseln des Wetters, die mich ermüden. Gestern noch Temperaturen über 20° und am nächsten Tag 10°. Sowas schafft mich komplett. Mir tut Konstanz gut und schnelle Wechsel belasten mein ganzes System. Schon mal gut, dass ich das erkannt habe, denn damit kann ich arbeiten.

10.04.2024 11:55 • x 1 #3


MaKaZen
Bin da ein auf ein zentrales Thema von mir gestossen, nämlich die Wechselhaftigkeit und kann mir die nun besser erklären.

Ich glaub, es sind unbewusst erzeugte Idealbilder, die mir Energie geben, aber dafür sorgen, dass ich in der Folge irgendwann wieder falle. Es herrscht stets eine Kluft zwischen dem Idealbild und der Realität. Das Idealbild bzw. die Vorstellung davon setzt Botenstoffe frei. Damit fühlt sich der schnöde Alltag angenehmer an. Ich weiss, dass das Kopfkino ist.

Wenn ich z.B. am Wochenende oder an freien Tagen alleine bin, gibt es wenig glückliche Momente. Bei der Arbeit fühle ich mich grundsätzlich gut. Alleine neige ich dazu, melancholisch, antriebslos und freudlos zu sein. Das fällt jedoch nicht besonders auf, da ich Hobbys habe, die mich ausfüllen.

Ich müsste mehr Freude erleben im Alltag. Woher nehmen und nicht stehlen! Ich schau mal darauf, was mir Freude bereitet, mich stimuliert. mich anregt und nicht aufregt.

Mit mir alleine blicke ich in eine unbefriedigende Vergangenheit mit vielen Fehlentscheiden und verpassten Chancen. Das Unglück hat mich irgendwie angezogen, denn ich landete meist in destruktiven Beziehungen, hatte beruflich Pech und konnte mich nicht entwickeln, so wie ich mir das vorgestellt habe. Die Vergangenheit trübt die Gegenwart.

Mir wird bewusst, dass ich die schlechte Vergangenheit mit positiver Zukunft zu kompensieren versucht habe. Es gibt Menschen, die idealisieren die Vergangenheit und haben mehr so Angst vor der Zukunft. Ich idealisiere die Zukunft und stelle mich ungern der Vergangenheit.

Ich müsste endlich mal die positiven Seiten der Vergangenheit anerkennen. Das fällt mir schwer und irgendwie ist es einfach, Opfer von unglücklichen Umständen zu sein. Das ist dann wohl mein Komfortzone.

Was kann ich alles positives an meiner Vergangenheit entdecken? Ich hab viel erlebt und dabei viele Erfahrungen sammeln können. Ich hab im Rahmen meiner Möglichkeiten und Vernunft nichts ausgelassen. War immer engagiert bei der Sache. Ich bringe grosse Leidenschaft mit, wenn mich jemand oder ein Sache fesselt. Ich hab das Herz auf dem rechten Fleck, höre Menschen zu und versuche zu verstehen. Ich kann auch ziemlich kreativ sein und bring den Mut auf, neue Wege zu beschreiten. Ich bin ganz schön zäh, wenn es darum geht, ein Ziel zu erreichen. Ich gebe nicht so schnell auf. Das sind schon mal ein paar starke Stichworte: Engagement, Leidenschaft, Empathie, Kreativität, Mut, Beharrlichkeit und Ausdauer. Mag sein, dass mich Menschen anders wahrnehmen. Wichtiger ist, wie ich mich selbst wahrnehme. Eigene Stärken anzuerkennen halte ich schon für sinnvoll, ohne dabei in einen Grössenwahn zu verfallen.

Auf dem Hintergrund der aufgezählten Schlüsselqualitäten, verstehe ich auch, wie ich selbst in schädigenden Beziehungen und Situationen reagiert habe. Die Ausdauer hat da stark mitgeholfen, bzw. meinen Verstand getrübt.

Es tut gut, zu den eigenen Stärken zu stehen, was in meinem Fall gut ist. Leuten mit einer sehr gesunden Selbstliebe, ist damit natürlich nicht geholfen. Da wäre es wichtiger, positive Bilder zur Zukunft zu entwickeln, statt permanent irgendwie schwarz zu sehen für die eigene Zukunft.

11.04.2024 12:47 • #4


MaKaZen
Das gute an den Wechseln ist, dass mir die Möglichkeit geboten wird, mehr zu experimentieren, zu testen, öfters neue Wege zu gehen, die Perspektive zu verändern, wieder einmal mehr Veränderung zulassen.

Ich glaub, ich brauche grundsätzlich Offenheit für Veränderungen. Da bin ich in der Vergangenheit wohl zu oft angestanden, wenn es nicht weiter ging.

Es braucht bestimmt auch so etwas wie Glauben, an die eigenen Fähigkeiten. Ich bin überzeugt, dass ich Ziele erreiche, muss bloss heraus finden, wie ich dahin kommen. Try Error würden da helfen. Ich hab mich in der Vergangenheit schwer getan, mit dieser Art von Offenheit.

Es hilft mir sehr, mich auf eine Sache zu konzentrieren, bis ich das Thema kapiert habe. Zig verschiedene Baustellen in einer Angelegenheit tun mir nicht gut.

Dann braucht es irgendwie auch genügend Abstand, damit ich einen aktuellen Zustand objektiv beschreiben kann. Leidenschaft und Engagement führen bei mir leider dazu, dass mir immer mal wieder der nötige Abstand fehlt.

12.04.2024 07:14 • x 1 #5


MaKaZen
Jetzt, wo ich den Hintergrund meiner emotionalen Instabilität kennen, taucht die Frage nach der angestrebten Stabilität auf. Ich glaub, das ist ein Punkt, der von 100% der Betroffenen erwünscht wäre. Wir wünschen uns Normalität, Stabilität, Ausgeglichenheit und bestimmt auch Gesundheit.

Mich würde es echt interessieren, wie es sich in einem emotional stabilen Zustand anfühlt. Ein Punkt ist der, dass ich vor dem Tun einen Stopp einbaue, um mir zu überlegen, ob ich etwas wirklich will. Da ich gerne helfe, bin ich da schon oft ins Fettnäpfchen getreten. Wenn Anforderung der Umwelt an mich heran kommen, überlege ich mir es lieber zwei mal, ob und zu was ich bereit bin. Viel zu oft bin ich einfach den Impulsen gefolgt, wobei da immer auch viel Gewohnheit mit im Spiel war. Ich brauch heute mehr Zeit, um mich zu entscheiden, denn es sollten die 'richtigen' Entscheidungen sein bzw. ich sollte es später nicht bereuen.

Ich sollte eine gewisse innere Ruhe zulassen. Innere Unruhe zerrt am System. Ich denke, Meditation kann Betroffenen helfen, weil das System so zur Ruhe kommt. Das Gefühl der inneren Ruhe erfahre ich beim Klavierspielen oder beim Schreiben von spirituellen Texten. Ich glaub, es gibt für jeden Betroffenen eine kreative Tätigkeit, wo er innere Ruhe erfährt. Sport macht mich mehr so unruhig, da will ich leisten, was mir definitiv nicht gut tut. Trotzdem liebe ich Tischtennis über alles, auch wenn meine Leistungen nach einer längeren Pause noch ziemlich bescheiden sind. Ich glaube, es gibt einen Zusammenhang zwischen innerer Ruhe und Spiritualität. Spiritualität ist für mich Verbundenheit mit dem grossen Ganzen und hat auch diese wortlosen Dimensionen, wenn das Denken zur Ruhe kommt.

Ich brauche auch einen gewissen Gleichmut, muss keine Kontrolle über meine Zukunft haben. Alles was passieren wird ist okay und ich glaub selbst nicht, dass ich darauf eine grossartigen Einfluss habe. Ich bin mir sicher, dass die Kontrolle im Bezug auf die Zukunft ein grosser Stressfaktor ist. Was mache ich, wenn dieses oder jenes passiert? Es macht einfach unfrei, dieses ewige sich Sorgen machen.

Um in eine Art Balance zu kommen, musste ich den Umgang mit der Zeit lernen. Die Vergangenheit würdigen und sich nicht um die Zukunft scheren. Vielleicht ist es so wie Eckhart Tolle es vorschlägt: Leben im Jetzt. Es kann auch so sein, dass Leben im Hier Jetzt erst möglich wird, wenn wir unsere Vergangenheit bewältigt haben und die Angst vor der Zukunft wegfällt. Balance entsteht dann ganz von alleine.

Vielleicht sollte ich mir erlauben, kurzfristig mein Ziele über Board zu werfen. Es geht dann jeweils nicht darum, ob ich Fortschritte oder Rückschritte erziele. Im ersten Fall geht es mir gut und im zweiten Fall schlecht. Ein Rückschritt hat wertfrei betrachtet den Sinn, das Ganze nochmals zu überdenken und neue Ansätze zu finden. Der Rückschritt sollte auf jeden Fall nicht gleich ein emotionale Katastrophe auslösen. Es ist besser, ich tue das, was mir möglich ist und was ich mag.

Das komplette Leben im Hier Jetzt fühlt sich paradiesisch an. Ich komme mir vor wie eine Honigbiene, die von Blüte zu Blüte fliegt und leckeren Nektar abkriegt. Die Biene ist fleissig und erfüllt einen höheren Sinn. Trotzdem ist ihre aktuelle Motivation der Nektar und natürlich das Wohl des ganzen Bienenstocks. Sie macht sich keine Gedanken über Sinn oder Nicht-Sinn und lebt bloss ihre Bestimmung. Auf mein Leben übertragen heisst das, ich muss nicht wissen, was meine Bestimmung oder gar mein höheres Ziel ist. Ich bin einfach der, der ich bin und geniesse das Leben in all ihren bunten Facetten und entfalte mich!

12.04.2024 20:52 • #6


MaKaZen
... und weiter im Text

Ich bin phasenweise unglaublich demotiviert und sehne mich nach Stabilität. Ich hab so viel rum experimentiert in meinem Leben und vergleichsweise wenig Stabilität erreicht. Ich sollte Verhalten vermeiden, was destabilisierend ist bzw. Verhalten fördern, was hilft, stabil zu bleiben. Keine verrückten Dinge mehr, einfach stabil bleiben.

Ich glaub, das kommt gut mit der Stabilität. Ich behalte das als Kriterium, wenn es um Entscheidungen geht im Leben. Ich bin stabil, wenn es mir gut geht. Mir geht es gut, wenn ich ein Gefühl dafür entwickle, dass es mir gut geht. Ich bin oft über meine Grenzen gegangen, nur um anschliessend irgendwann in der Erschöpfung zu landen. Ein ewiger Kreislauf! Ich kann achtsamer mit mir selbst umgehen und meine Grenzen anerkennen. Ich weiss ja, wenn ich in irgendeine Richtung übertreibe, also lasse ich es. Stabilität schein eine Art Sehnsucht zu sein. Hoffe, ich pack das noch in diesem Leben.

19.04.2024 18:14 • x 1 #7


MaKaZen
Dieses Mal geht es um meinen Energiehaushalt:

Ich sollte grundsätzlich mein Tun mehr würdigen. Ich mache viele Dinge richtig gut und dies erfüllt mich auch mit Zufriedenheit. Ich hab aktuell die Tendenz, nicht immer gleich bis zum Anschlag tätig zu sein. Es gibt schädliche Dinge in meiner Umgebung, wo ich absolut nix ändern kann. Also sollte ich solche Angelegenheit von mir fern halten, denn es liegt nicht in meiner Zuständigkeit. Ich muss lernen, innerlich nein zu sagen und mich abzugrenzen. Ich muss nicht mehr Verantwortung übernehmen, als gut für mich ist. Dadurch fühle ich mich frei. Dieses unbewusste Verantwortung übernehmen ist ein Mechanismus, der mich auf jeden Fall auslaugt und mich in energielose Zustände versetzt. Für eine gewisse Stabilität im Leben, scheint es mir wichtig, sorgfältig

24.04.2024 09:50 • #8


MaKaZen
... mit meiner Energie zu haushalten.

24.04.2024 10:08 • #9


MaKaZen
Ich arbeite an meiner Stabilität. Gewisse Dinge brauchen ihre Zeit:
Ich kann schalten und walten wie ich will.
Momentan fühlt es sich etwas verloren an auf der Welt. Bin froh, dass ich mich frei fühle und doch greifen alte Muster nicht länger und ich warte auf neue Erfahrungen.
Offenheit ist schon eine wichtige Ressource, um den Horizont zu erweitern.
Gewisse Dinge passieren auch ganz von alleine, ohne irgendeine Absicht. Plötzlich kommt eine neue Erkenntnis rein, man begreift plötzlich Zusammenhänge, etc.
Wenn die Zeit reif für eine bestimmte Erfahrung ist, passiert es auch. Ich kann selbst nicht alles steuern. Plötzlich machte es Klick und ich hab neues Level erreicht.
Ich bin glücklich, weil das Leben ein Geben und Nehmen ist. Ich bin entspannt und hab nicht das Bedürfnis, ständig zu geben. Ich sorge erst einmal für mich selbst.
Ich möchte mein Leben ruhiger angehen lassen. Es passieren ganz von alleine und ich bin dankbar dafür.

Gerade eben • #10


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