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Juliet77

Juliet77

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Liebe Alle,

mich würde mal interessieren, wie Eure Partner mit Euren (Verlust-)Ängsten, den verzweifelten Therapieversuchen, den kläglichen Rückschlägen und den dadurch bestehenden Problemen in der Partnerschaft umgehen?

Gerne erzähle ich Euch später mehr davon, warum mich diese Frage so brennend interessiert. Aber ich würde gerne erstmal schauen, wer gleiche Erfahrungen wie ich macht oder auch ganz andere.

Schönen sonnigen Tag wünsche Euch Juliet

06.07.2017 10:39 • 14.07.2017 #1


4 Antworten ↓


Meik-1269

Meik-1269


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Hallo

Darf ich fragen welches Krankheitsbild du hast?

Ich kann dir nur sagen was ich getan habe, wo ich vor 8 Jahren meinen Mann kennengelernt habe. Nämlich, ich hatte ihm alles gesagt, positives wie auch negatives was meine Person angeht. Ich habe es Ihm freigestellt wie er damit umgehen kann. Nein heute ist nicht immer Sonnenschein und auch er hat Fehler aber wir wissen eins, wir gehören zusammen.

Man muss mit seinen Partner reden.

07.07.2017 21:06 • x 2 #2


Vertigo


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Hallo,

vielleicht darf ich aus Sicht der "anderen Seite" ein paar Sätze dazu beitragen.

Erstmal möchte ich sagen, dass reden, auch wenn es extrem schwer fällt, die eigene ungeliebte und schwache Seite zu offenbaren, das Wichtigste überhaupt ist.

Ich habe fast zwei Jahre lang eine Beziehung mit einer Frau geführt, die vermutlich aufgrund seelischer und körperlicher Misshandlung im Elternhaus, unter großen Problemen leidet. Mir wurde das recht schnell klar, weil es nicht meine erste Erfahrung mit einer bindungsängstlichen Frau war und ich inzwischen wohl die Thematik sehr gut durchschaut und verstanden habe.

Wir hatten eine wirklich tolle Zeit, die aber immer außerordentlich von ihren Verlustängsten durchzogen war. Es wäre zu viel, das alles aufzuzählen, aber im Grunde genommen hatte ich einfach immer das Gefühl, sie würde mir so sehr ihr "perfektes Ich" präsentieren wollen, dass sie sich dafür unheimlich verbiegen musste. Sobald es um ihre Wünsche, Gedanken oder auch Probleme ging, ist sie ausgewichen oder hat komplett alles "weggelächelt". Mir fiel das von Beginn an schwer, weil ich nicht unbedingt der Typ Mann bin, der sich gerne den Allerwertesten hinterher tragen lässt.

Das alles Poten. sich nach einem guten Jahr immer mehr. Es war der Punkt, an dem es perfekter nicht hätte sein können. Und an der Stelle wurde ihre Angst dann wohl tatsächlich übermächtig. Sie war plötzlich schweigsam, verschlossen, zog sich immer weiter zurück. Mir blieb das natürlich nicht verborgen und ich versuchte mit ihr zu reden und sie aufzubauen, bekam aber immer wieder nur diese "alles okay" antworten. Als dann bei ihr auch noch andere persönliche und berufliche dinge schiefgingen, wurde es immer schlimmer. Da ich ja wusste, was los ist (auch wenn sie alles konsequent vor mir verbergen wollte), versuchte ich auch zu dieser Zeit noch, mit ihr zu reden. Allerdings nahm ihr Verhalten immer unerträglichere Formen an - so fing sie z.B. in banalen und gant eindeutigen Situationen an zu lügen. Nicht des Lügens wegen, sondern - so vermute ich zumindest - weil sie dachte, ich würde sie nicht mehr lieben, wenn sie sich mir in größerem Umfang offenbaren würde (und das, obwohl sie mehrfach sagte, dass ich ein unheimlich verständnisvoller Mensch bin).

Irgendwann konnte ich das Ganze dann aber auch nicht mehr auffangen und wurde immer unzufriedener, was natürlich auch ihr nicht verborgen blieb und den Teufelskreis vollkommen machte.

Am Ende stand dann eine Trennung, bei der wir beide geheult haben. Leider kann sie auch heute, über ein Jahr danach, nicht mit mir umgehen. Wenn ich mich melde, merkt man zumeist, wie sehr sie sich freut. Am Ende schweigt sie dann aber sofort wieder. Sehr schade... und im Prinzip komplett ohne wirklich greifbaren Grund. Denn ich bin davon überzeugt, dass es bei uns nicht an Liebe und Zuneigung gemangelt hat.

Denn - und das ist das, was ich mit dem Beitrag sagen will: Unsere Beziehung ist nicht daran zerbrochen, dass sie Ängste hat, sondern daran, dass sie sich nicht getraut hat, mit mir über das, was in ihr vorgeht, zu reden. Ich weiß, dass das unheimlich schwierig ist, aber ein Partner, der einen liebt, wird auch versuchen, gemeinsam die bestehenden Probleme anzugehen und auch bei Krisen zu einem stehen.

LG

12.07.2017 14:40 • x 2 #3


Juliet77

Juliet77


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Liebe Alle,

erst einmal Danke für Eure Antworten.

@meik: Ich mache aktuell eine Schematherapie aufgrund meiner Verlustängste, nachdem eine Kurzzeit-Verhaltenstherapie mangels Erfahrung der noch sehr jungen Therapeutin nur wenig Erfolg erzielt hat.

@vertigo: Schön, auch einmal die andere Seite zu hören.

Beide habt ihr ausgeführt, dass es wichtig ist, mit seinem Partner zu reden. Gespräche sind nach mittlerweile 3 Jahren jedoch schwierig, da sich gewisse Dynamiken zwischen uns entwickelt haben und wir unabhängig von der Angst ganz unterschiedliche Konfliktbewältigungsstrategien haben und er auch ein streng rationaler analytischer Mensch ist, für den Ängste und die damit verbundenen Emotionen nur schwer erfassbar sind bzw. als eine Sache erscheinen, die man kontrollieren kann, sich nur entsprechend diszplinieren muss. Wir waren auch bei einer Paarberatung, jedoch hat uns dies auch nicht viel weiter geholfen. Reden über meine Angst führt in den meisten Fällen bei uns zu Streit mit Abwertung meiner Person und unzähligen Trennungsversuchen seinerseits, was wiederum meiner Angst natürlich neues Futter liefert. Er verurteilt meine Angst nicht per se, aber die Diskussionen und Handlungen, die daraus entstehen.

13.07.2017 22:08 • x 1 #4


Vertigo


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Hallo Juliet,

es ist natürlich blöd, wenn Du nicht mit ihm reden kannst. Aber entschuldige, wenn ich einfach mal etwas provokativ nachfrage – hast Du es in Euren gemeinsamen drei Jahren auch wirklich geschafft, ganz offen mit ihm zu sprechen? Oder passiert bei Dir in diesen Fällen das, was ich von einer guten Bekannten kenne, für die ich der engste Vertraute bin. Sie redet und erklärt nicht offen, sondern wird entweder latent verletzend bzw. patzig oder fabriziert trotz bestem Willen aus Angst so ein Kauderwelsch, das weder Fisch noch Fleisch ist (also komplett unkonkret), so dass ihr Freund entweder beleidigt oder verletzt sein muss und kaum bis gar nicht verstehen kann, was sie ihm eigentlich sagen möchte.

Wenn Ihr tatsächlich nicht vernünftig reden könnt, ist die Frage, ob Du einen Menschen in Deinem Umfeld hast, dem Du 100% vertraust und der Dich und Deine Ängste sehr gut kennt - also das, was ich für die o.g. Bekannte bin. Sie erzählt mir alles und ich erkenne dabei oft die aus ihren Ängsten entspringenden sehr verdrehten Gedanken und versuche dann, ihr die Angst zu nehmen, indem ich ihr aufzeige, dass ihre Bedenken unbegründet sind. Ich fürchte, dass sie mir nicht immer alles zu 100% abnimmt, weil ihr Unterbewusstsein einfach etwas Anderes denkt. Aber alles in allem habe ich den beiden wohl schon einige Male die Beziehung gerettet, wenn sie mal wieder kurz davor war, ihm zu sagen, dass er sich doch etwas Besseres suchen soll.

LG Vertigo

14.07.2017 10:14 • x 1 #5



Dr. Reinhard Pichler


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