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RayRay
Hallöchen,
in den letzten Tagen inklusive Therapieterminen hat sich herausgestellt, dass vieles meiner Angst davon kommt, dass ich von meiner Mutter emotional abhängig bin. Da stimme ich auch zu.

Ich habe ein wirklich gutes Verhältnis zu meiner Mutter, wohne noch mit ihr (bin 21 und hole noch Abschlüsse nach) und wurde von vielen anderen Menschen in meinem Leben sehr enttäuscht. Vom Vater bis zu Freunden ist da so einiges dabei. Daher rührt ein wenig Bindungsangst und zeitgleich Angst vor'm alleine gestellt sein, aber primär derzeit wirklich die Verlustangst, weil ich halt noch finanziell usw von meiner Mutter abhängig bin und man mit Angst nicht mal eben von 0 auf 100% n Vollzeitjob machen kann, wenn man sowieso stressanfällig ist.

Ich sehe emotionale Abhängigkeit oft eher im Zusammenhang von Paaren oder bei Kindern mit narzisstischen Müttern und seltener mit Müttern mit denen man gut kann.
Ich merke aber wirklich wie ich mein Leben gefühlt um sie herum aufbaue. Also ich mache meine eigenen Entscheidungen, aber irgendwie immer noch so, dass es damit vereinbar ist nah bei ihr zu sein. Gesund ist das natürlich nicht, wegziehen werde ich aber auch erstmal nicht, weil ich ganz sicher nicht mit Hartz oder einem Elendsjob der mich kranker macht in ner kleinen Bude leben will. Familientherapie gibt's hier leider nicht oder nur als private Leistung. Dabei ist so eine emotionale Abhängigkeit ja meist ein Entwicklungstrauma.

Ich wollte jetzt mal bei euch Fragen wer von euch dieses Thema durch hat und was geholfen hat. Innere Kind Arbeit fällt mir so ein, wenn's um Kindheitsverluste geht, aber vielleicht hat noch wer Rat.

04.08.2020 19:18 • 27.01.2021 #1


27 Antworten ↓


Icefalki
Musst da viel Denkarbeit reinbringen und zwar dich mal genaustens hinfragen was wirklich Sache ist.

Dann wird es aber ungemütlich für einen selbst, wenn man darüber nachdenkt, dass diese Angst ja auch recht bequem sein kann, sich alles abnehmen zu lassen, finanzielle Unterstützung zu bekommen, und und und.

Ich unterstelle dir hier überhaupt nichts, aber solche Gedanken muss man sich machen, um weiter zu kommen. Immer, und immer wieder. Irgendwann "erkennst" du dich und dann kann man Umdenken lernen.

04.08.2020 19:33 • x 3 #2



Emotional Abhängig zur Mutter

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RayRay
Zitat von Icefalki:
Musst da viel Denkarbeit reinbringen und zwar dich mal genaustens hinfragen was wirklich Sache ist. Dann wird es aber ungemütlich für einen selbst, wenn man darüber nachdenkt, dass diese Angst ja auch recht bequem sein kann, sich alles abnehmen zu lassen, finanzielle Unterstützung zu bekommen, und und und. Ich unterstelle dir hier überhaupt nichts, aber solche Gedanken muss man sich machen, um weiter zu kommen. Immer, und immer wieder. Irgendwann "erkennst" du dich und dann kann man Umdenken lernen.

Ne, stimme dir da voll zu. Für mich ist es schon wichtig finanziell unabhängig zu werden, es nur leider ein Drahtseilakt mit den Agoraphobie-Anteilen, die ich habe.

04.08.2020 19:55 • #3


Icefalki
Zitat von RayRay:
Für mich ist es schon wichtig finanziell unabhängig zu werden, es nur leider ein Drahtseilakt mit den Agoraphobie-Anteilen, die ich habe.


Sehr gut. Dann überlege dir, warum dich deine Ängste daran hindern. Du kannst alles denken, alles in Frage stellen, machst du nur für dich. Aber unsere Ängste überdecken die wahren Gefühle, oder wir haben Ängste, weil wir etwas nicht wahrhaben wollen. Ist überhaupt nicht schlimm, aber es zu erkennen, hilft ungemein.

Ich bin/war auch Agoraphobiker und alles was dieses Gefühl beinhaltet, ist ein Sehnen nach innerer Freiheit, die man gut versteckt in alles Mögliche. Deshalb mach dir deine Gedanken, springe über deine Mauern, die du dir selbst erbaut hast und finde deinen eigenen inneren Frieden, suche danach, lass dir Zeit, das dauert, aber beginne darüber nachzudenken.

04.08.2020 21:55 • x 2 #4


july1986
Zitat von Icefalki:
Sehr gut. Dann überlege dir, warum dich deine Ängste daran hindern. Du kannst alles denken, alles in Frage stellen, machst du nur für dich. Aber unsere Ängste überdecken die wahren Gefühle, oder wir haben Ängste, weil wir etwas nicht wahrhaben wollen. Ist überhaupt nicht schlimm, aber es zu erkennen, hilft ungemein. Ich bin/war auch Agoraphobiker und alles was dieses Gefühl beinhaltet, ist ein Sehnen nach innerer Freiheit, die man gut versteckt in alles Mögliche. Deshalb mach dir deine Gedanken, springe über deine Mauern, die du dir selbst erbaut hast und finde deinen eigenen inneren Frieden, suche danach, lass dir Zeit, das dauert, aber beginne darüber nachzudenken.


Hast du deine Agoraphobie überwunden ?

04.08.2020 23:57 • #5


Schlaflose
Zitat von RayRay:
Ich wollte jetzt mal bei euch Fragen wer von euch dieses Thema durch hat und was geholfen hat.

In gewisser Hinsicht war es bei mir auch so. Mein Vater starb, als ich 21 war und danach lebte ich bis auf ein paar kurze Unterbrechungen permanent mit meiner Mutter zusammen im Haus, bis zu ihrem Tod vor 4,5 Jahren. Finanziell von ihr abhängig war ich bis Ende meines Studiums, wobei ich aber bis 25 Halbwaisenrente bekam. Daneben hatte ich auch einen Hiwi Job an der Uni, was aber nicht zum Leben gereicht hätte, wenn ich nicht hätte zuhause kostenlos wohnen können. Erst als ich mit 30 meine erste feste Stelle bekam, war ich finanziell unabhängig und zahlte auch fürs Wohnen dazu.
Da ich nie eine eigene Familie wollte, war es für mich kein Thema, auszuziehen und auf eigenen Beinen zu stehen. Es war auch ziemlich bequem, weil ich im Haushalt nichts machen musste. Erst als sie alt wurde und nicht mehr alles allein machen konnte, habe ich immer mehr übernommen.
Richtig erwachsen bin ich erst geworden, als sie starb und ich plötzlich mit allem auf mich allein gestellt war. Es lief aber alles unerwartet gut.
Wir standen uns auch emtional sehr nahe und liebten uns gegenseitig sehr, zumal wir außer uns niemanden hatten. Das habe ich aber nie als Problem empfunden. Ich hatte nur wahnsinnige Angst, sie zu verlieren und es psychisch nicht zu überstehen und das Leben ohne sie nicht zu packen. Aber als es passierte, haben sich meine Befürchtungen nicht bewahrheitet.

05.08.2020 07:21 • x 1 #6


RayRay
Zitat von Schlaflose:
In gewisser Hinsicht war es bei mir auch so. Mein Vater starb, als ich 21 war und danach lebte ich bis auf ein paar kurze Unterbrechungen permanent mit meiner Mutter zusammen im Haus, bis zu ihrem Tod vor 4,5 Jahren. Finanziell von ihr abhängig war ich bis Ende meines Studiums, wobei ich aber bis 25 Halbwaisenrente bekam. Daneben hatte ich auch einen Hiwi Job an der Uni, was aber nicht zum Leben gereicht hätte, wenn ich nicht hätte zuhause kostenlos wohnen können. Erst als ich mit 30 meine erste feste Stelle bekam, war ich finanziell unabhängig und zahlte auch fürs Wohnen dazu. Da ich nie eine eigene Familie wollte, war es für mich kein Thema, auszuziehen und auf eigenen Beinen zu stehen. Es war auch ziemlich bequem, weil ich im Haushalt nichts machen musste. Erst als sie alt wurde und nicht mehr alles allein machen konnte, habe ich immer mehr übernommen. Richtig erwachsen bin ich erst geworden, als sie starb und ich plötzlich mit allem auf mich allein gestellt war. Es lief aber alles unerwartet gut. Wir standen uns auch emtional sehr nahe und liebten uns gegenseitig sehr, zumal wir außer uns niemanden hatten. Das habe ich aber nie als Problem empfunden. Ich hatte nur wahnsinnige Angst, sie zu verlieren und es psychisch nicht zu überstehen und das Leben ohne sie nicht zu packen. Aber als es passierte, haben sich meine Befürchtungen nicht bewahrheitet.

Das hört sich irgendwie beruhigend an. Also, dran arbeiten finanziell unabhängig zu werden (und auch emotional) ist natürlich immer noch wichtig, aber es beruhigt mich deine Nachricht zu lesen.

05.08.2020 11:22 • #7


FeuerWasser
Ausgehend von dem was du schreibst sehe ich keine emotionale Abhängigkeit. Wenn man zur Mutter ein gutes Verhältnis hat und sonst das Sozialleben nicht so dolle ist und die Finanzen nicht mehr hergeben, sprich, existentielle Ängste im Raum stehen, dann ist das für mich selbsterklärend und vollkommen verständlich, dass du dich verstärkt an deine Bezugsperson wendest. Die Mutter ist im Allgemeinen auch eine starke Bezugsperson.

Wer hat etwas davon wenn du ein Verhältnis problematisierst und akribisch hinterfragst mit dem es dir im Grunde doch gut geht? Du bist 21, nicht 40. Es ist ganz normal, dass man da noch verstärkt an den Eltern orientiert.

05.08.2020 11:43 • x 1 #8


Zitat von FeuerWasser:
Ausgehend von dem was du schreibst sehe ich keine emotionale Abhängigkeit. Wenn man zur Mutter ein gutes Verhältnis hat und sonst das Sozialleben nicht so dolle ist und die Finanzen nicht mehr hergeben, sprich, existentielle Ängste im Raum stehen, dann ist das für mich selbsterklärend und vollkommen verständlich, dass du dich verstärkt an deine Bezugsperson wendest. Die Mutter ist im Allgemeinen auch eine starke Bezugsperson. Wer hat etwas davon wenn du ein Verhältnis problematisierst und akribisch hinterfragst mit dem es dir im Grunde doch gut geht? Du bist 21, nicht 40. Es ist ganz normal, dass man da noch verstärkt an den Eltern orientiert.


Ich vermute sehr stark, dass die TE da von außen getriggert wird.
Ein gutes Verhältnis zu den Eltern und überhaupt so etwas wie Familiensinn ist in Deutschland leider mittlerweile sehr verpönt. In anderen Ländern steht die Familie über allem (Frankreich, Italien zB).
In Deutschland wird jeder beäugt, der sich Zeit für die Familie und die Eltern nimmt, weil es uncool geworden ist.
Wenn man dann auch noch mit Ü20 zuhause wohnt (aus egal welchen Gründen), dann wird man da schnell für nicht lebensfähig gehalten.

Dabei ist der Umkehrschluss eigentlich der Fall.
Man hat nämlich durch eine funktionierende Familie (und dazu gehört auch, in schwierigen Zeiten [finanziell oder sonstwie] genau dort Halt zu suchen und zu finden) immer einen Anker im Leben, der einem ansonsten völlige Freiheit gewährt, aber da ist, wenn man ihn braucht.

Oft steckt hinter Kritik an einem Familiensinn der blanke Neid, weil man's selbst nicht hat.

Bevor man aber ein gutes Verhältnis zu den Eltern/zur Familie als negative Abhängigkeit bezeichnet, sollte man drüber Nachdenken, dass eine emotionale Abhängigkeit zu den direkten Angehörigen eigentlich das normalste der Welt ist. Und dass man eben durchaus dann mal Entscheidungen trifft, die für die Eltern und nicht für die vermeintliche Freiheit getroffen werden. Wieviele Entscheidungen haben unsere Eltern getroffen, um für uns da zu sein? Wieviel Zeit haben sie sich genommen, um für uns da zu sein?
Da ist es nur selbstverständlich, dass man auch dann zusammenhält, wenn man erwachsen ist.

Ich sehe da auch nur ein absolut gutes Verhältnis und Füreinanderdasein.

05.08.2020 11:58 • x 2 #9


RayRay
Zitat von Labelli:
Ich vermute sehr stark, dass die TE da von außen getriggert wird.Ein gutes Verhältnis zu den Eltern und überhaupt so etwas wie Familiensinn ist in Deutschland leider mittlerweile sehr verpönt. In anderen Ländern steht die Familie über allem (Frankreich, Italien zB).In Deutschland wird jeder beäugt, der sich Zeit für die Familie und die Eltern nimmt, weil es uncool geworden ist.Wenn man dann auch noch mit Ü20 zuhause wohnt (aus egal welchen gründen), dann wird man da schnell für nicht lebensfähig gehalten.Dabei ist der Umkehrschluss eigentlich der Fall.Man hat nämlich durch eine funktionierende Familie (und dazu gehört auch, in schwierigen Zeiten [finanziell oder sonstwie] genau dort Halt zu suchen und zu finden) immer einen Anker im Leben, der einem ansonsten völlige Freiheit gewährt, aber da ist, wenn man ihn braucht.Oft steckt hinter Kritik an einem Familiensinn der blanke Neid, weil man's selbst nicht hat.Bevor man aber ein gutes Verhältnis zu den Eltern/zur Familie als negative Abhängigkeit bezeichnet, sollte man drüber Nachdenken, dass eine emotionale Abhängigkeit zu den direkten Angehörigen eigentlich das normalste der Welt ist. Und dass man eben durchaus dann mal Entscheidungen trifft, die für die Eltern und nicht für die vermeintliche Freiheit getroffen werden. Wieviele Entscheidungen haben unsere Eltern getroffen, um für uns da zu sein? Wieviel Zeit haben sie sich genommen, um für uns da zu sein?Da ist es nur selbstverständlich, dass man auch dann zusammenhält, wenn man erwachsen ist.Ich sehe da auch nur ein absolut gutes Verhältnis und Füreinanderdasein.

Definitiv von außen getriggert. Und zwar von meinem neuen Tera, da er meint einige meiner Probleme kommen von Verlustangst/Bindungsangst. Kann ich auch so unterschreiben. Ich schiebe zwischendurch schon Panik wie ich ohne meine Mutter überleben würde, weil wir sonst nicht wirklich viel enge Familie haben, die mal eben finanziell und sozial auffangen würden. Aber daran kann man ja arbeiten indem man z.B. wenigstens mal n Minijob anfängt und Geldpuffer bildet und sonst was.

Ich hole derzeit halt noch mein Abi nach (online) und danach hab ich vor entweder in der Nähe oder ebenfalls online zu studieren. Das sieht mein Tera halt als "nicht aus der Komfortzone wollen" statt mich vor zu viel Stress zu schützen, der mir meine PAs/Angststörung erst bescheert hat. Ich kann ihm da auch nicht unrecht geben, zum Teil hat er da schon recht (damalige Schulangst war sicher auch teilweise durch Verlustangst), aber halt auch nicht komplett. Man kann das halt auch schlecht lösen, wenn man nicht Ursachenorientiert arbeitet. Und das machen Teras ja einfach oft nicht oder nicht tief genug.

Im Turbo n soziales Netz aufbauen geht halt leider auch nicht so einfach. Zwei Termine hab ich bei dem Tera noch bevor ich mich entscheiden kann weiter zu machen oder nicht.

05.08.2020 12:13 • #10


Icefalki
Zitat von july1986:
Hast du deine Agoraphobie überwunden ?


Sagen wir mal so, es war ja viel mehr als Agoraphobie. Und ich denke nicht, dass ich alles überwunden habe, muss man auch nicht. Wichtig ist, dass man das Leben leben kann, das man möchte. Wenn da Einschränkungen vorhanden sind, was soll's. Ich werde nie im Leben eine Autobahn fahren wollen, können, oder im Meer ohne ne Luftmatraze im Tiefen schwimmen, Bergwerke naja, schon man ausprobiert, geht, aber solche Höhlenwanderungen iiiiiiiihhhhh, never, ever, und richtig extrem stressresistent bin ich auch nicht.

Da ich das weiss, versuche ich eben danach zu leben. Gelingt nicht immer, dann wird's auch eng für mich. Aber ich kenne den ganzen Mist hoch und runter und weiss einfach, ich komme irgendwie klar, wenn ich wieder klar bin. .

Ich erlebe ja täglich in der Praxis, dass sehr viele mit somatoforme Störungen kommen, deshalb muss ich sagen, unsere Mitmenschen haben alle ihr Päckchen zu tragen, ohne Blessuren kommt man nicht durchs Leben. Vorteil von uns, je früher man sich mit seinen Problemen beschäftigt, desto besser.

05.08.2020 13:33 • #11


RayRay
Zitat von Icefalki:
Vorteil von uns, je früher man sich mit seinen Problemen beschäftigt, desto besser.

Wie wahr, wie wahr. Ich sehe es echt als Vorteil das jetzt in meinen Jugendlichen Jahren und frühen Zwanzigern schon durchzumachen. Man hat länger Zeit sich tatsächlich kennenzulernen und seine Balance und Grenzen zu kennen für's Leben. Andere machen die Erfahrung leider erst, wenn schon zu viel körperlich kaputt ist durch den Stress. Aber hey, dafür lerne ich vielleicht irgendwas super spät. Who knows!?

05.08.2020 13:39 • x 1 #12


Zitat von RayRay:
Definitiv von außen getriggert. Und zwar von meinem neuen Tera, da er meint einige meiner Probleme kommen von Verlustangst/Bindungsangst. Kann ich auch so unterschreiben. Ich schiebe zwischendurch schon Panik wie ich ohne meine Mutter überleben würde, weil wir sonst nicht wirklich viel enge Familie haben, die mal eben finanziell und sozial auffangen würden. Aber daran kann man ja arbeiten indem man z.B. wenigstens mal n Minijob anfängt und Geldpuffer bildet und sonst was.Ich hole derzeit halt noch mein Abi nach (online) und danach hab ich vor entweder in der Nähe oder ebenfalls online zu studieren. Das sieht mein Tera halt als "nicht aus der Komfortzone wollen" statt mich vor zu viel Stress zu schützen, der mir meine PAs/Angststörung erst bescheert hat. Ich kann ihm da auch nicht unrecht geben, zum Teil hat er da schon recht (damalige Schulangst war sicher auch teilweise durch Verlustangst), aber halt auch nicht komplett. Man kann das halt auch schlecht lösen, wenn man nicht Ursachenorientiert arbeitet. Und das machen Teras ja einfach oft nicht oder nicht tief genug.Im Turbo n soziales Netz aufbauen geht halt leider auch nicht so einfach. Zwei Termine hab ich bei dem Tera noch bevor ich mich entscheiden kann weiter zu machen oder nicht.


Ich finde es völlig normal, sich irgendwann mit dem Verlust des Kontaktes oder dem Verlust der Eltern an sich zu beschäftigen. Und wenn es ein inniges Verhältnis ist, dann ist dieser Gedanke nunmal zwangsläufig erschreckend. Und das ist er auch zurecht, denn der Verlust eines Elternteils ist grausam und immer ein Wendepunkt im Leben - zumindest, sofern es ein normales Verhältnis war (kritische Familienverhältnisse jetzt mal außen vor).
Wenn man darin immer eine therapiebedürftige Verlustangst sieht, dann müssen viele und teilweise ganze Länder in Therapie.

Und diese "Komfortzone"-Äußerung... das ist momentan wohl ein Trend. Egal ob bei Therapeuten, Arbeitgebern, Schulen etc.
Überspitzt formuliert - jeder, für den die Eltern zum Leben dazu gehören, hat ein Komfortzonenproblem.
Man kann tatsächlich alles irgendwie pathologisieren.

Sicher sollte man - wie immer im Leben - ein gesundes Mittelmaß finden, aber durch die Trennung zu einer Bezugsperson, mit der man sich sehr gut versteht, zu versuchen, eine Phobie zu heilen ...na, ich weiß nicht.

05.08.2020 13:51 • x 2 #13


Icefalki
Ich bin eh der Meinung, dass ein Problem nur dann ein Problem ist, wenn man bewusst wirklich darunter leidet.

05.08.2020 14:22 • x 1 #14


Zitat von Icefalki:
Ich bin eh der Meinung, dass ein Problem nur dann ein Problem ist, wenn man bewusst wirklich darunter leidet.

Auf jeden fall.
Wenn man zufrieden ist, so wie es ist - dann kann einem völlig schnuppe sein, was andere oder Therapeuten denken, solange man niemand anderem schadet.
Freies Land für freie Bürger

05.08.2020 14:24 • x 2 #15


RayRay
Zitat von Labelli:
Ich finde es völlig normal, sich irgendwann mit dem Verlust des Kontaktes oder dem Verlust der Eltern an sich zu beschäftigen. Und wenn es ein inniges Verhältnis ist, dann ist dieser Gedanke nunmal zwangsläufig erschreckend. Und das ist er auch zurecht, denn der Verlust eines Elternteils ist grausam und immer ein Wendepunkt im Leben - zumindest, sofern es ein normales Verhältnis war (kritische Familienverhältnisse jetzt mal außen vor).Wenn man darin immer eine therapiebedürftige Verlustangst sieht, dann müssen viele und teilweise ganze Länder in Therapie.Und diese "Komfortzone"-Äußerung... das ist momentan wohl ein Trend. Egal ob bei Therapeuten, Arbeitgebern, Schulen etc.Überspitzt formuliert - jeder, für den die Eltern zum Leben dazu gehören, hat ein Komfortzonenproblem.Man kann tatsächlich alles irgendwie pathologisieren.Sicher sollte man - wie immer im Leben - ein gesundes Mittelmaß finden, aber durch die Trennung zu einer Bezugsperson, mit der man sich sehr gut versteht, zu versuchen, eine Phobie zu heilen ...na, ich weiß nicht.

Kann dir da nur recht geben. Ich steiger mich teilweise aber auch echt krass in dieses Szenario rein, obwohl meine Mutter selbst erst 44 ist, also wenn sie deutsches Durchschnittsalter 82 erreicht wäre ich selbst fast 60 (also noch ne Menge Zeit sich zu verändern). Finde aber gut, dass wir beide derzeit auch mal über Dinge wie Patientenverfügung und Testament reden, weil ich definitiv kein Bock hätte das man jeweils für den anderen so schlimme Entscheidungen treffen muss ohne Guideline.

Ich denke das reinsteigern ist eher an meine generalisierten Ängste und den Umschwung in meinem Leben gebunden, zudem man ja meist mit 20-30 erst anfängt richtig zu merken, dass das Leben tatsächlich endlich ist für nahestehende und einen selbst, und obendrauf ein Alter in dem man halt erst anfängt zu merken, dass die eigenen Eltern natürlich auch nur noch älter werden. Da hilft's erst recht nicht, wenn man schon depressive Verstimmungen hat und sich zwischendurch denkt "Jo, wenn das jetzt passieren würde, dann würd ich mich auch von diesem Erdball verabschieden." (Was letztendlich sehr wahrscheinlich NICHT der Fall wäre.)

Man hält halt einfach noch sehr fest an der Jugend und weiß gleichzeitig, dass große Veränderungen auf einen zu kommen in den 20ern. Zumindest empfinde ich das so.
Und das ist halt nochmal krasser, wenn man ne alleinerziehende Mutter hat der man gefühlt das doppelte an allem zurückgeben will für die Selbstaufopferung.

Aber ich stimme zu, dass diese "Phobie" durch die Trennung zu der Person auch nix bringt. Das ist ja n Gedankending, kein physisches. Und ja, die Deutschen sind irgendwie komisch, wenn's ums Selbstständig sein geht. Immer schön so früh es geht raus aus dem Nest. Nein, danke. Ich dümpel mich nicht finanziell durch's Leben, wenn ich es nicht muss.

Finde es schon krank wie Leute lieber mit einem Job den sie hassen dann auch noch überteuert Miete zahlen, wenn sie sich einfach ne größere Wohnung finanziell mit einem Elternteil teilen können (und dann wahrscheinlich sogar noch zu zweit auf ein Haus sparen könnten oder dadurch dem Elternteil helfen mehr für die mickrige Rente zurückzulegen). Haushalt und Rechnungen macht man früher oder später dann sowieso, ob das jetzt alleine mit 20 oder mit einem Partner mit 35 ist oder wenn das Elternteil gepflegt werden muss, wenn man selbst 55 ist. Wer das alles lernen will um später nicht durchzudrehen, der macht das auch schon mit 20. Egal ob alleine oder noch "zuhause". Versicherungen muss man sich ab 25 sowieso alleine mit rumschlagen, wenn ich dafür an Miete und GEZ spare, weil's geteilt wird, ist doch schön.

@Schlaflose ist da denke ich sogar ein super Beispiel für, da hat sich das dann mit der Zeit z.B. verlagert und sie kommt trotzdem klar und hat gemütlicher Leben und zurücklegen können für später (in einem anderen Thread gelesen, hoffe das kommt jetzt nicht komisch rüber haha). Wenn man's richtig macht und nicht nur Hotel Mama hat, dann geht das mMn. Man schaue sich nur einmal Familien in Indien an oder Spanien. Die haben da einfach einen anderen Zusammenhalt von dem Deutsche oft lieber wegrennen (schlechte Verhältnisse mal ausgeschlossen davon).

Naja, nichtsdestotrotz würde ich gerne Ende 20 mal 1-2 Jahre alleine wohnen nur um zu wissen, dass ich dazu fähig bin. Aber sonst würd ich echt gerne lieber sparen und mir und meiner Mutter n Mehrgenerationenhaus ermöglichen. Find ich viel schöner und da hat man dann auch jeweils seinen Haushalt. Aber die Zukunft ist ja nicht in Stein gemeißelt. Finde es aber schrecklich wie solche großen Zukunftspläne dann als Komfortzone gesehen werden. Das ist einfach oft simple Nächstenliebe. Wenn jemand den du liebst sich mehrere Jahre mit Hartz IV selbst runtergehungert hat um dir essen auf den Tisch zu bringen, dann willst du der Person doch wenigstens helfen besser für's Alter zu sparen und sich keine Sorgen machen zu müssen. Stressresistente machen das mit einem Managergehalt. Angstgeplagte halt mit ner Teilzeitstelle und geteilter Miete.

Sorry, ist sehr lange geworden, aber man findet selten Leute, die einem nicht direkt mit "peinlich" oder sowas um die Ecke kommen und das tut irgendwie gut.

05.08.2020 14:28 • #16


RayRay
Zitat von Icefalki:
Ich bin eh der Meinung, dass ein Problem nur dann ein Problem ist, wenn man bewusst wirklich darunter leidet.

Wahre Worte. Sobald ich das Thema einmal durchgekaut habe wird's wahrscheinlich auch kein Problem mehr sein. Stimme zu, dass es oft eher von anderen zum Problem gemacht wird. In dem Fall also eher getriggert.

05.08.2020 14:29 • x 1 #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Calima
Zitat von RayRay:
Finde es schon krank wie Leute lieber mit einem Job den sie hassen dann auch noch überteuert Miete zahlen, wenn sie sich einfach ne größere Wohnung finanziell mit einem Elternteil teilen können


Ganz schön krasse Verurteilung von Leuten, die ihr Leben ohne Mamas Rockzipfelchen hinkriegen möchten.

05.08.2020 14:36 • #18


Icefalki
Zitat von RayRay:
Sobald ich das Thema einmal durchgekaut habe wird's wahrscheinlich auch kein Problem mehr sein.


Siehst du, so geht man an Probleme ran. Man denkt nach. Man denkt, was ist denn nun wirklich so schlimm an .......... Und erstmals muss ich überhaupt nix, und dann nochmal nix. Und wenn nix Mist ist, dann wird's Zeit, meinen Weg zu finden, ungeachtet anderer, ungeachtet 08/15 Meinungen. Und jetzt wird es spannend, denn nur kommt die Erkenntnis, wenn ich bestimme, was getan oder gemacht wird, dann bin ich auch bereit, sämtliche Konsequenzen meines Tuns zu tragen.

05.08.2020 14:41 • x 1 #19


kritisches_Auge
Die Wahl mit einem Elternteil zusammen zu leben um Miete zu sparen oder weil man sich gut versteht, bedeutet nicht, an Mamas Rockzipfelchen zu hängen.

Mit seiner Mutter ein inniges Verhältnis zu haben scheint manchmal nicht gerne gesehen zu sein.

05.08.2020 15:08 • x 3 #20



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