Hey WegZumGlück, ich hatte letztes Jahr eine Depression und das was du beschreibst kenne ich so oder ähnlich aus der Anfangsphase. Ich habe das Gefühl gehabt, keinen Draht mehr zu mir selbst zu haben, gar nicht richtig mit mir selbst in Kontakt zu stehen und da war ein Abstand zu dem glücklicheren Leben früher. Ich habe damals überlegt, dass es daran lag, dass ich vor lauter Grübeln und negativen Gefühlen gar keinen Kontakt mehr zu mir aufbauen konnte und auch dachte, dazu gar keine Zeit zu haben. Ich war in dem Moment nur noch das Grübeln und diese bleierne Müdigkeit, weil ich mir was anderes nicht zugestehen konnte - ich musste ja ständig grübeln um endlich mein Problem zu lösen, bevor noch mehr Zeit draufging! Das ist ein typischer Gedanke für eine Depression - man kommt da nur schwer zur Ruhe und ist daher auch ständig so schlapp.
Ich habe nicht deine ganze Geschichte gelesen, aber deine letzten Einträge beschreiben ja viel Traurigkeit und Antriebslosigkeit. Das klingt so, als könnte bei dir auch was depressives im Spiel sein. Am besten werden das natürlich die Ärzte in der Klinik wissen, die machen ja ne Menge Tests mit dir. Da könntest du mal nachfragen, wenn dich dein derzeitiges Gefühl so verunsichert. Auf jeden Fall wird das sich auch wieder ändern. Du bist gerade in einer Extremsituation, später wird es dir wieder besser gehen und du findest gleichzeitig zu dir zurück. Es kann auch einfach daran liegen, dass du zur Zeit nicht in deinem Umfeld bist - die Klinik ist sowas wie ne Welt für sich, da kann dir das Leben draußen schon fremd vorkommen.
Ich war übrigens auch in der Klinik und das hat mir sehr gut getan. Ich habe nämlich gedacht "schlimmer kanns sowieso nicht werden" und habe dann gelernt, mich einfach als total verkorkst zu akzeptieren und wirklich in den Tag hinein zu leben. Dadurch hab ich mich einiges getraut, was vorher nicht der Fall war. Ich habe dem Klinikaufenthalt indirekt auch meinen Freund zu verdanken - ich hatte nämlich große Angst vor Beziehungen (vor allem vor Sex) und habe mich überhaupt erst nach der Klinik getraut was dagegen zu unternehmen.
Das beste was du zur Zeit machen kannst, ist zu üben deine Sorgen loszulassen - zwischendurch für ein paar Minuten, während dem Mittagessen, während dem Programm in der Klinik. Das klappt nicht immer, aber das macht nichts. Hauptsache ist, dass du dir die Chance dazu gibst. Du kannst z.B. Sachen ausprobieren, die angenehm sein könnten - in der Sonne liegen, Musik hören, malen oder basteln (habt ihr sowas wie Ergotherapie?), Sport (Physiotherapie?) wenn dir jemand von den anderen Patienten sympathisch ist ein bisschen reden... Ist total egal, was du machst, aber versuch einfach immer mal wieder im Moment zu bleiben und nur an das zu denken, was du gerade machst. Vielleicht machst du das sowieso schon

Alles andere braucht Zeit - und es ist okay, wenn du dir selbst diese Zeit gibst.
Ich weiß inzwischen, dass ich nicht total verkorkst bin. Es gibt viele Leute, die schlimme, psychisch belastende Phasen durchmachen und das macht sie nicht zu anderen, weniger perfekten oder gar defekten Menschen. Es ist eine Krankheit und a) kann man für eine Krankheit nichts und b) kann man eine Krankheit überwinden. Zur Persönlichkeitsstörung will ich dir sagen, dass die meisten Menschen sich in der ein oder anderen Beschreibung wiederfinden (eine Freundin von mir, die gerade ne Therapeutenausbildung macht, hat das z.B. auch mal erzählt), trotzdem trifft es auf die wenigsten davon zu. Als Laie und in deiner derzeitigen Verfassung kannst du das absolut nicht einschätzen. Also: solange dir kein Arzt erzählt, dass die Diagnose auf dich zutrifft, tut sie das auch nicht.