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Hallo ihr Lieben,

ich lese schon eine Weile in diesem Forum. Und ich muss sagen, dass ich mich in einigen Schicksalen wieder erkenne.

Nun zu mir: Ich bin 32 Jahre, weiblich und in einer glücklichen Beziehung. Im Dezember letzten Jahres (oder auch schon früher?) bekam ich plötzlich extreme Panikanfälle. Ich wusste nicht was damals mit mir passiert. Ich kannte so etwas ja nicht. Ich hatte regelrecht Todesangst. Ich bin dann für 4 Wochen in eine psychiatrische Klinik gegangen. Die erste Woche in der Klinik ging es mir sehr schlecht. Ich hatte immer wieder Anfälle, auch nachts mitten im Schlaf. Ab dem 24.12. hatte ich keine Anfälle mehr. Danach ging es nur noch bergauf mit mir und ich habe mich so gut gefühlt, wie schon lange nicht mehr.
Im Februar habe ich dann mit der Wiedereingliederung in die Arbeit angefangen. Nach 3 Tagen bekam ich wieder Panikstörungen. Ich war total verzweifelt, habe nur noch geweint und wieder angefangen zu hyperventilieren. Mein Antidepressiva wurde daraufhin erhöht und ich habe die Wiedereingliederung abgebrochen. Seit dem bin ich krankgeschrieben.
Ich habe dann nach langer Zeit einen Termin bei einem Psychiater bekommen. Bis dahin war ich nur bei meinem Hausarzt in Behandlung. Dieser meinte ich solle mein Medikament absetzen, damit ich ein neues bekommen kann. Das Absetzen lief in den ersten Tagen auch richtig gut. Aber dann kam der Einbruch. Die Angst und Panik vor der Arbeit waren wieder da. Die Hilflosigkeit und Verzweiflung. Ich habe das Absetzen abgebrochen und wieder meine volle Dosis genommen.
Dieses Wochenende hatte ich viel Zeit zum Nachdenken (wahrscheinlich zu viel Zeit). Ich hatte das ganze Wochenende eine extreme Unruhe in mir bis zur Verzweiflung. Und das nur, weil ich an die Arbeit gedacht habe. Mir geht es bei dem Gedanken daran sehr schlecht. Ich bin noch bis Mitte April krankgeschrieben und was kommt dann? Ich möchte gerne wieder in die Arbeit gehen, aber meine Blockade im Kopf ist so groß. Daheim fällt mir auch die Decke auf den Kopf. Ich weiß nicht was ich machen soll! Ich bin nun schon seit 5 Monaten krankgeschrieben! Das kann doch nicht normal sein?! Was fehlt mir eigentlich? Wie konnte das passieren? Was kann ich den tun um wieder ein normales Leben führen zu können? Ich will nicht das die Angst mein Leben bestimmt. Aber ich fühle mich so hilflos und gefangen in dieser ausweglosen Situation. Es gibt Tage da habe ich die Kraft zu kämpfen. Aber die Tage sind selten. Dazu kommt, dass ich am liebsten wieder ohne Antidepressiva zurecht kommen möchte. Aber da das Absetzen nicht funktioniert hat, weiß ich nicht ob ich es noch einmal wagen sollte...

Danke fürs Durchlesen! Es ist ein ziemlich langer Text geworden, aber die Wörter sind einfach so geflossen. Sollte das Thema im falschen Threat sein, bitte ich um Entschuldigung.

Eure Vanilla

17.04.2016 21:41 • 22.04.2016 #1


19 Antworten ↓


Vergissmeinicht
Liebe Vanilla,

begrüße Dich ganz lieb hier bei uns und heiße Dich herzlich Willkommen.

Da wurde bei Dir schnell reagiert. Früher dauerte es bis zu 7 Jahren bis man überhaupt wusste, was los war. Mich ereilte es vor gut 20 Jahren und lange wusste auch ich nicht wie man das "Kind" nennt. Heute gehen die Ärzte etc. eher von seelischen Problemen aus.

Nun, irgendetwas hat das Fass bei Dir zum Überlaufen gebracht und das gilt es herauszufinden. Klar ging es Dir in der Klinik gut, da Du Medis nahmst. Medis sollten eine Unterstützung sein, sie sind aber nicht die Lösung des Problems. Dies kannst Du, wenn Du Glück hast, mit Hilfe eines Therapeuten herausfinden.

Schonmal daran gedacht?

18.04.2016 09:45 • #2



Seit 5 Monaten krankgeschrieben wegen Panikattacken

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Liebe Vergissmeinnicht,

ich mache bereits eine Therapie. Leider konnte ich diese erst im April beginnen. Es war ja so schwer diesen Platz zu bekommen. Nur über Kontakte habe ich es irgendwie geschafft....

Ich fühle mich trotzdem Alleingelassen. Am liebsten hätte ich jemanden der mich an die Hand nimmt und sagt wir machen das jetzt so und so....

Wie hast du es geschafft, damit klar zu kommen?

Liebe Grüße

18.04.2016 11:31 • #3


Vergissmeinicht
Liebe Patricia,

ja, kenne auch das.

Hier mein Weg von damals: zukunftsangst-generalisierte-angststoerung-f57/mein-angstweg-vor-ueber-20-jahren-t66919.html

18.04.2016 11:34 • #4


Liebe Vanilla Sky,

du bekommst jetzt gleich einen sehr langen Text von mir. Der zeigt dir, wie ich es geschafft habe. Der einzige Weg, da wieder raus zu kommen ist, dass DU an dir arbeitest, dass DU etwas änderst.

Nutze die Therapie um heraus zu finden, WARUM du Angst hast!

Und nutze folgende Punkte um die Angst zu akzeptieren und nicht zu bekämpfen. Das ist sehr wichtig. Sie schützt dich. Es fühlt sich widerlich an, aber sie will dir helfen. Nutze die Chance. Irgendwo scheint etwas schief gelaufen zu sein. Irgendwas scheint dir zu viel geworden zu sein. Irgendwas bohrt da in dir. Mach dich auf die Suche. Sei stark und kämpfe für dich.

Du schaffst das!


1. Du bist die Angst und nur du kannst dir helfen!
Die Angst kann man nicht weg behandeln. Sie schützt dich. Das klingt absurd, ist aber so. Wenn man nach vielem, vielem Grübeln und recherchieren und reden und Therapien herausgefunden hat wovor, hat man schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Leicht ist das nicht. Aber möglich.

Es kann auch sein, dass es nur eine minimale Kleinigkeit ist, die dein Unterbewusstsein an etwas erinnert, was dir sehr, sehr geschadet hat, was dich enorm verletzt hat oder wo du dich in eine Richtung drücken hast lassen, die in keinster Weise gut für dich ist. Ich habe sehr lange gebraucht, Zusammenhänge zu verstehen und tu es teilweise jetzt noch nicht, aber bei ein paar Punkten hat es schon "Klick" gemacht.

Bekämpfe nicht die Angst, sonst bekämpfst du dich! Ergründe die Ursache und setz dich dann mir ihr auseinander!

2. Es geht vorbei! Es ist nur ein Gefühl!
Wenn die Angst kommt, mach dir klar, dass sie dir nichts tun kann, dass sie nur ein ekelhaftes Gefühl ist, dass du sie schon oft gemeistert hast, dass es auf jeden Fall vorbei gehen wird, dass du stark bist und es aushalten kannst.

3. Mach weiter und akzeptiere!
Lass dich von der Angst von Nichts abhalten. Wenn du aufwachst und Angst hast, sag dir "Na dann heute hald mit Angst.". Du wirst sehen, wenn du deinen Alltag weiter lebst, wird dich das schon enorm von der Angst ablenken und wenn du akzeptierst, dass sie dich eben momentan begleitet, verlierst du auch nach und nach die Angst vor der Angst.

Du musst versuchen die Angst in deinen Alltag zu integrieren, dass sie dir gleichgültig wird. Lass dich nicht von ihr abhalten. Mache ALLES, was du ohne Angst auch machen würdest. Lebe! Lebe dein Leben. Lebe deinen Alltag. Beschäftige dich nicht so viel damit. Das ist sehr schwer, aber essentiel! Gib nicht auf!

Jeder Rückschlag ist für mich sehr schwer, aber bei den ersten Rückschlägen habe ich Wochen gebraucht, dann nur noch mehrere Tage und jetzt ist es manchmal sogar nach einigen Stunden möglich, dass ich mir sagen kann: "Hallo Angst, da bist du ja wieder. Begleite mich ein Stück und dann lass mich wieder in Ruhe!". Das klingt absurd, aber es hilft. Je mehr ich mir das "einrede", desto mehr hilft es. Ich habe schon Monate lang keine Sekunde mehr an die Angst gedacht, bis sie dann mal wieder vorbei geschaut hat.

Beschäftige dich nicht so viel mit der Angst, lass sie neben dir herlaufen, aber lass sie nicht von dir bzw. deinen Gedanken Besitz ergreifen. Lenk dich ab und leb!

4. Erlaube dir Niederlagen und sei nicht wütend!
Mir geht es besser. Mir geht es gut. ABER, ab und an besucht mich noch die Angst. Schwächer als früher. Manchmal begleitet sie mich fast unbemerkt. Doch JEDESMAL verspüre ich ein wenig Wut. Jedes mal habe ich das Gefühl, das ist eine Niederlage. Aber das ist falsch. Ich muss mir selbst einfach auch Schwäche zugestehen. Ich muss mir erlauben, dass es mir nicht immer gut geht. Ich muss nicht immer funktionieren. Erlaube dir schlechte Tage. Sei nicht wütend oder traurig, sondern gesteh dir ein, dass es Niemandem jeden Tag gut gehen kann. (für mich der schwierigste Punkt!)

5. "Ausschleichen", verstehen und Ursachenforschung
Die Angst ist - nach meinem Verständnis - ein chemischer Vorgang im Gehirn. Man kann die Angst also doch mit Fakten erklären. Es ist so: Dein Hirn hat sich gespeichert, wenn du angespannt bist, dann muss es Angst melden und du bist immer angespannt, wenn dich Jemand schlecht behandelt, DU dich schlecht behandelst, in dir (unterbewusst/unbewusst) Erinnerungen an Traumata/Erlebnisse hervorgerufen werden.

Auch mit all dem Wissen, wie man sich entspannen kann, ablenken, Sport machen etc. pp. kannst du dieses Wissen dem Gehirn nicht einfach löschen. Du musst es ihm also langsam wieder abgewöhnen. Also ausschleichen. Das ist nach so langer Zeit natürlich noch viel, viel schwieriger. Aber machbar und möglich!

Das heißt zwar: Die Angst kommt immer wieder. (bei mir gerne rund um Familienfeiern, wenn ich Nichts zu tun habe, in Momenten, wo ich an meinen Bruder oder Vater denke und Dinge nicht verstehen kann und will, die sie tun) Es wird immer wieder Rückfälle und Rückschläge geben, wenn du ihr aber mit Entspanntheit, Mut und Selbstvertrauen begegnest, wird sie schwächer und schwächer und irgendwann, wird sie NICHT weg sein, aber sie wird dein Begleiter, der dich ab und zu, wenn du mal wieder zu wenig auf dich geachtet hast, wenn dich mal wieder Jemand schlecht behandelt hat, wenn du eine blöde Erinnerung hervorgerufen hast, daran erinnern: Pass auf dich auf! Liebe dich! Schätze dich! Achte dich! Tu dir was Gutes. Setz dich in die Sonne mit nem leckeren Eis oder Kaffee. Atme tief durch und ignoriere die Angst bzw. tu das trotz der Angst!



Und noch ein Text zu meiner Therapie:

Ich habe von November 13 bis Februar 15 eine Gesprächstherapie gemacht. Ich war komplett voreingenommen und absolut sicher, dass mir das NICHTS bringen wird.

Meine Therapeutin ist bereits über 60. Sehr erfahren. Hat viel publiziert. Einen Doktor (aber was sagt das schon....). Sie ist eine absolute Chaotin. Ich habe noch nie so ein chaotisches Büro gesehen. Oft hatte sie zerzauste Haare und schlurfte mit Hausschuhen herum. Nach den ersten beiden Malen dachte ich mir "Na Prost Mahlzeit."

ABER: Sie hat bei mir mit den richtigen Tönen angeschlagen. Wir haben die ersten Male nur "geratscht". Ich hab ihr von meinem Leben erzählt. Sie hat mir von ihrem erzählt. Ich fand das total unprofessionell. Irgendwann hab ich aber gemerkt, dass mir hilft zu hören, dass man nicht perfekt sein muss, dass man nicht perfekt sein kann, dass Jeder - auch sie - mal mit sich und der Welt zu kämpfen hat.

Das war mir bis dahin WIRKLICH nicht bewusst. Ich bin völlig naiv, wie ein kleiner, rosa, Plüschhase durch die Welt gehüpft. Alle Dinge, die ich erlebt habe, viele Todesfälle im unmittelbaren Familienkreis habe ich immer am Besten "weg gesteckt". Ich hab mich um die Anderen gekümmert, getröstet, weiter gemacht und fand das Leben immer bunt und schön. Niederlagen habe ich immer hin genommen ohne wütend oder traurig zu sein.

Jedenfalls: Meine Therapeutin hat mir erst mal Tipps gegeben, wie ich aus der Angst raus komme. Das liest man hier im Forum ja auch öfter. Das hat mir geholfen. Viele Fakten über das Thema Angsterkrankung (wie z.B. körperliche Begleitsymptome, Auslöser und Ursachen) waren für mich sehr wichtig zu erfahren!

Dann hat sie aus meinen Erzählungen raus gehört, dass meine Schwiegermutter sehr präsent und respektlos und grenzüberschreitend in meinem Leben ist. Da ist mir selbst dann aufgefallen, dass das nicht nur bei ihr so ist und dass ich das den Leuten erst selbst ermögliche und "anbiete" mit meiner "Ja, passt schon."-Mentalität.

Dann hat die Therapeutin noch sehr oft gesagt: "Dann machen Sie doch." oder "Dann hören Sie doch auf." Zu Dingen, die ich gern tun oder ändern wollte, oder die mich gestört haben. Das fand ich immer total dämlich. Ich dachte mir immer: "Gute Frau, wie?", "Du redest hier so einfach." oder "Das geht doch nicht.".

Im Nachhinein muss ich aber sage, war das der beste Tipp: Man muss Dinge einfach machen! Das klingt so einfach, ist aber SO schwierig. Aber genau so ist es.

Wenn ich abnehmen will, muss ich es eben "einfach" tun.
Wenn ich mich nicht mehr schei*e behandeln lassen will, muss ich eben "einfach" den Mund aufmachen.
Wenn ich mein Leben ändern will, dann muss ich "einfach" beginnen!

Die Erkenntnis, dass Alles (ok: Vieles) in meiner Hand liegt, dass ich - NUR ICH - etwas ändern kann und muss, die war essentiel. Aber ist eben auch: SAU SCHWIERIG!

Also mein Fazit zur Therapie: man muss sich darauf einlassen, aber ändern und umsetzen kann man Dinge nur selbst!

18.04.2016 12:44 • x 6 #5


Vergissmeinicht
Sehr guter Beitrag Paddlmädchen und danke, das ich auch mal ein wenig mehr über Dich lesen konnte/durfte

18.04.2016 13:06 • #6


Danke für eure Beiträge.
Wenn ich das so lese, habe ich wieder Mut und weiß, dass ich es schaffen kann. Das die Angst nicht mehr mein Leben bestimmt. Aber dann wird die andere Stimme in meinem Kopf immer lauter und all die Angst und Unsicherheit ist wieder da.

18.04.2016 14:35 • #7


Vergissmeinicht
Liebe Vanilla,

von einem Mal lesen verinnerlicht man sowas nicht. Lese Dir die Zeilen von Paddlmädchen mehrmals durch; mein Tipp.

18.04.2016 14:57 • #8


Zitat:
Ich bin noch bis Mitte April krankgeschrieben und was kommt dann? Ich möchte gerne wieder in die Arbeit gehen, aber meine Blockade im Kopf ist so groß. Daheim fällt mir auch die Decke auf den Kopf. Ich weiß nicht was ich machen soll! Ich bin nun schon seit 5 Monaten krankgeschrieben! Das kann doch nicht normal sein?! Was fehlt mir eigentlich? Wie konnte das passieren? Was kann ich den tun um wieder ein normales Leben führen zu können? Ich will nicht das die Angst mein Leben bestimmt.

Hallo vanilla_sky,
mach dir mit der Arbeit bitte keinen Druck. Frag den Psychiater, ob es angezeigt ist, daß du eine psychosomatische Reha machst und wenn du dort als arbeitsfähig entlassen werden solltest, eine stundenweise Job-Eingewöhnung (z.B. Hamburger Modell) machen kannst. Auf der Reha gibt es auch soziale Betreuung, wo du für dich Möglichkeiten an die Hand bekommst, falls du mit der Arbeitszeit runtergehen mußt oder ob vielleicht eine Umschulung in Frage kommt. Es wird ein arbeitsmedizinisches Gutachten angefertigt, auf dessen Grundlage danach weiter entschieden wird.
Dein Problem haben ganz viele User hier und es ist überhaupt keine Schande, wenn man in der Arbeitswelt mal strauchelt. Ich bin beispielsweise in Frührente, weil ich definitiv meinen Job (körperlich, aber vor allem psychisch) nicht mehr machen kann. Das war für mich sehr schwer und ich mußte einsehen, daß ich auch für mich persönlich viel anders machen muß. Ich hatte über 2,5 Jahre Psychotherapie mit guter Wirkung. Zwar konnte meine alte Kraft nicht wieder hergestellt werden, aber ich habe gelernt mich an der verbliebenen Kraft zu orientieren.

Wir lesen uns bestimmt im Forum noch. Herzlich Willkommen!

18.04.2016 15:00 • #9


Icefalki
Liebe Vanilla, auch ich möchte dir Paddelmädchens Beitrag sehr aus Herz legen. Am besten drucke ihn dir aus. Wir "Ehemalige" habe alle ähnliche Erfahrungen gemacht, und Paddelmädchen hat dir das wunderbar geschrieben. Es ist die, bzw. eine Strategie aus der Angst.

Keiner kommt drumrum, sich selbst anzuschauen. Angst bedeutet, dass irgendwas nicht stimmt. Und wie hier auch schon geschrieben, manchmal sind es Kleinigkeiten, bzw. Kindheitsmuster, die man ständig wiederholt, weil man sich deren überhaupt nicht bewusst ist.

Ich muss funktionieren weil........, ich schaffe das alles, weil........, ich kann doch keine psychische Erkankungen bekommen, weil........., was denken die anderen, weil........
Ich muss doch alle hinkriegen, perfekt sein, weil.......... ?

Stell dir mal die Fragen und versuche Antworten zu finden..

Der erste Schritt zu dieser Erkrankung ist sie zu akzeptieren. Du hast sie eben. Hilft alles nichts.

18.04.2016 15:25 • #10


Hallo ihr Lieben,

die Erkrankung zu akzeptieren fällt mir immer noch sehr schwer...
Ich sollte mir wirklich den Beitrag von Paddlmädchen ausdrucken und mir am besten jeden Abend vor dem Schlafengehen durchlesen. Irgendwie hat sie mir aus der Seele gesprochen...

Hallo Reenchen,

danke für den Tipp mit der Reha. Davon habe ich noch gar nichts gehört. Weißt du vielleicht, ob es Möglichkeiten gibt dieses arbeitsmedizinische Gutachten ohne Reha einzuleiten? Ich möchte schon gerne eine Umschulung machen. Leider komme ich über das Arbeitsamt an keine Umschulung heran, da ich ja nicht arbeitslos bin.

Liebe Grüße & vielen Dank für eure Antworten!

18.04.2016 19:41 • #11


Zitat von vanilla_sky:
Hallo Reenchen,
danke für den Tipp mit der Reha. Davon habe ich noch gar nichts gehört. Weißt du vielleicht, ob es Möglichkeiten gibt dieses arbeitsmedizinische Gutachten ohne Reha einzuleiten? Ich möchte schon gerne eine Umschulung machen. Leider komme ich über das Arbeitsamt an keine Umschulung heran, da ich ja nicht arbeitslos bin.
Liebe Grüße & vielen Dank für eure Antworten!


Eine andere Möglichkeit ist nur noch der vertrauensärztliche Dienst. Das kannst du aber selbst nicht beantragen, sondern nur Arbeitgeber, Dienstherr, Rentenkasse oder Jobcenter. Allerdings erstellen die so ein Gutachten in 2 Stunden Gespräch und das würde ich nicht als wirklich aussagekräftig betrachten. Diese Variante wird von Arbeitgebern bei langer Krankheit oder ständiger niedriger Arbeitsleistung bei ärztlicher Behandlung gerne benutzt, weil davon Kündigung, Aufhebung, Umschulung oder Abfindungen abhängig sind, oder bei Beamten, um ihnen nicht mehr den vollen Bezug zahlen zu müssen. Dann kann auch das Jobcenter so eine Begutachtung anregen, wenn die Vermittelbarkeit geprüft wird, auch aus o.g. Gründen.
Auf einer Reha allerdings ist das ganz anders und das wäre auch die qualitative bessere Option, wenn so ein Gutachten erstellt werden soll. Zunächst kannst du das auch schonmal selbst beantragen und für die Dauer der Reha kann der Arbeitgeber kaum etwas unternehmen. Eine solche Reha kann zwischen 3 Wochen und längstens 3 Monate gehen und du hast neben den Reha-Terminen eben auch Ansprechpartner im sozialen Bereich. Die können dich auch gut beraten, falls was zu beantragen wäre.
Bei mir wurden beide Gutachten gemacht und auch wenn mir die Reha schwer gefallen ist, so rate ich dir unbedingt dazu. Das gibt dir Zeit und du kannst unter psychologischer Betreuung viel lernen. Besprich dich bitte mit deinem Arzt. Bei mir war im Nachgang noch die Schwerbehinderung daran geknüpft, die bei Frührente natürlich meistens gegeben ist-leider.

18.04.2016 20:00 • #12


Was passiert denn, wenn du arbeiten gehst? Wie geht es dir dann?

Geh hin! Steh es durch. Es wird besser werden. Dein Vermeidungs-Verhalten macht es eher schlimmer, als besser. Ich habe die ersten Wochen zurück im Job Blut und Wasser geschwitzt, aber der Alltag hat mir geholfen, denn ich musste weiter machen. Wobei ich es schon auch wie Icefalki sehe, "müssen" tut man gar nichts! Du solltest nur den Druck raus nehmen!

Das Ganze gilt natürlich nicht, wenn dein Job die Ursache deiner Angst ist. Wie ist der Job? Stressig? Wie sind die Kollegen? Hast du dich vor deiner Angststörung wohl gefühlt? Setzt der Job dich unter Druck? Oder du dich selbst? Wie abhängig bist du von dem Gehalt? Fühlst du dich verantwortlich? Hast du ein schlechtes Gewissen, weil du gerade krank bist? Wie sind die Jobaussichten in der Branche?

Das sind alles Fragen, die ich mir erst mal überlegen würde.

Ich finde den Tipp von Reenchen mit der Wiedereingliederung nicht schlecht! Wäre das was für dich?

19.04.2016 09:59 • #13


Hallo Paddlmädchen,

ich habe viele Monate vor der ersten Panikattacke eine ständige Unruhe und Gliederschmerzen gespürt. Ich habe mir nichts dabei gedacht und bin davon ausgegangen, dass ich nur überarbeitet bin. Im Urlaub hatte ich diese Probleme nicht. Nachdem dem Urlaub waren diese Symptome sofort wieder da. Heute weiß ich, dass mir mein Körper etwas mitteilen wollte. Damals war es mir nicht bewusst.

Meine Angst liegt in der Arbeit begründet. Der bloße Gedanke daran und ich bin verzweifelt, unruhig und könnte die ganze Zeit weinen.

Die Arbeit empfinde ich im Rückblick als sehr stressig. Ich muss dazu sagen, ich arbeite als Reinigungskraft im Krankenhaus. Die Arbeit wird immer mehr, das Haus wird immer größer und es herrscht eine große Unzufriedenheit. Dazu kommt, dass das Reinigungspersonal für einiges was schief läuft verantwortlich gemacht wird. Ich selber mache mir Druck, weil ich meine Arbeit zur Zufriedenheit aller erledigen will.

Wenn ich Kollegen privat treffe, geht es mir anschließend sehr schlecht. Einerseits habe ich schon ein schlechtes Gewissen, weil ich so lange krank bin. Andererseits ist es so, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass ich der Belastung nicht mehr gewachsen bin.

Auf das Gehalt bin ich schon angewiesen. Ich habe eine gewisse Verantwortung meinem Freund gegenüber und auch laufende Kosten, die ich begleichen muss.

Ich habe vor einigen Jahren eine Ausbildung im Büro gemacht. Am liebsten möchte ich wieder im Büro arbeiten, evtl. auch nur als Teilzeitkraft. Aber ich habe keine Berufserfahrung oder spezielle Qualifikationen. Mir wird also nichts anderes übrig bleiben, als weiter als Reinigungskraft zu arbeiten.

Mit der Wiedereingliederung hatte ich im Februar schon einmal begonnen. Ich musste diese nach 4 Tagen abbrechen. Ich habe wieder schlimme Panikattacken bekommen und mich wie ein Hamster im Rad gefühlt.

Liebe Grüße

21.04.2016 10:43 • #14


Ok. Dann musst du weg von dem Job.

Im Büro ist es momentan eigentlich gut möglich, Stellen zu finden. Auch ohne Berufserfahrung. Aus welchem Bundesland kommst du? Mach dich doch mal schlau und schau dir ein paar ausgeschriebene Stellen an.

Eine andere Frage wäre noch: Was macht dein Freund beruflich? Inwiefern hast du eine Verantwortung ihm gegenüber?

21.04.2016 21:00 • #15




Ich fand den Beitrag von Paddel ebenfalls sehr hilfreich und toll. Kann man dafür nicht einen extra Thread aufmachen z.b. in "Erfolge"?

21.04.2016 22:06 • #16


Dankeschön!
Ich hab den Beitrag ehrlicherweise auch nur aus meinem Tagebuch kopiert. Ich wollte mir einfach mal alle Tipps, die mir geholfen haben zusammen fassen.

21.04.2016 22:16 • x 1 #17

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Icefalki
Hier hast du doch schon was wichtiges geschrieben: DU machst dir Druck, damit du zur Zufriedenheit ALLER gearbeitet hast oder es tust.

Das sind deine eigene Bewertungen, bzw, dein eigener Stress. Warum sind andere so wichtig? Weil sie was?

Mit diesen und vielen anderen Fragen kannst du beginnen. Wer hat mir das beigebracht, warum ist mit das Funktionieren so wichtig? Wo bin ich gut, wo weniger. Bin ich extrem empfindlich, oder stimmt mein Umfeld nicht? 1000 Fragen an dich selbst..

Beginne die ehrlich zu beantworten. Schau dich an, auch deine eigene Fehler, Schwächen.

Nicht die Angst mit Ihren Symptomen, die Angst will dir nur was sagen. Was ist denn deine Angst wirklich? Vielleicht machst Du auch nur eine Arbeit, die dir nicht gefällt. Vielleicht ist Sauberkeit halten nicht dein Ding? Oder du wirst im Krankenhaus mit dem ganzen Elend dermaßen konfrontiert, dass deine Seele schreit..

Was auch immer, überlege einfach mal und das in aller Ruhe.

21.04.2016 22:32 • #18


Hallo,

ich habe heute wieder eine Absage bekommen. Das zieht mich ganz schön runter... Aber ich habe schon die nächste Bewerbung abgeschickt. Ich werde dran bleiben, vielleicht ergibt sich ja doch etwas.

Ich wohne in der Nähe von München. Ich möchte meinem Freund nicht auf der Tasche liegen. Das ist die Verantwortung dich ich mir ihm gegenüber aufgelegt habe.

Ich bin ein sensibler Mensch und möchte mit niemandem Probleme haben, deswegen mache ich mir den Druck. Ich weiß das ist eine Eigenart von mir an die ich arbeiten muss. Einfach mal "Halt! Es ist genug!" sagen. Teilweise gelingt mir das schon. Dann merke ich auch, dass es mir gut geht.

Lieben Dank für eure Ehrlichkeit und eure Ratschläge! Ihr helft mir damit sehr!

22.04.2016 13:29 • #19


Icefalki
Weißt du, das mit niemanden Probleme haben wollen, da steckt auch Angst dahinter.

Ich bin lieb und nett, und dann kann niemand mir was böses, dabei verleugnet man sich bis zum Umfallen und wundert sich, dass man in einer Angstspirale landet..

Therapeutisch kannst du da ran. Wer hat dir das vermittelt, immer lieb und nett sein zu müssen, wobei und das ist die Kunst, man seine Ansprüche auch sachlich vortragen kann. Hast das nur noch nicht gelernt.

Um das zu können, musst du aber erst mal wissen, wer du selbst bist. Diesen Weg kannst doch mal einschlagen. Wer bin ich, was will ich wirklich? Ist für den Anfang schon ziemlich viel Gedankenarbeit.

22.04.2016 13:43 • #20



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